Altomünster, Pfarr- und Klosterkirche St. Alto
ALTOMUNSTER
Ehem. Birgitten-Doppelkloster heute Birgittinerinnenkloster Markt Altomünster, Erzdiözese München und Freising. Ehem. Gericht Aichach
Pfarr- und Klosterkirche S. 24 Frauenchor S. 47
Zur Geschichte: Benediktinische Klostergründung in einem Rodungsgebiet durch den schottischen Wandermissionar Alto um 740; nach der Zerstörung durch die Ungarn im 10. Jh. Neubesiedlung durch Benediktiner aus dem Ammergau; 1047 kamen durch Tausch die Benediktinerinnen aus Altdorf bei Ravensburg nach Altomünster. Dieses Benediktinerinnenkloster wurde 1485 aufgelöst. 1497 wurden Gebäude und Besitz den Birgitten übergeben, die Altomünster bis zur Säkularisation als Doppelkloster innehatten. Die Klosterregel der Birgitten schrieb gemeinsame Gottesdienste und gemeinsames Chorgebet von Mönchen und Nonnen bei gleichzeitiger strenger räumlicher Trennung vor. 1803 wurde das Herrenkloster verkauft, das Frauenkloster zum Aussterbekloster bestimmt. Die letzten lebenden Birgittinerinnen erlangten 1841 die Erlaubnis zur Wiederaufnahme von Novizinnen; 1842 feierliche Wiedereröffnung des Frauenklosters, das heute noch besteht.
Pfarrkirche und Klosterkirche der Birgittinerinnen; z. Z. der Ausmalung Klosterkirche des Birgitten-Doppelklosters Altomünster und Pfarrkirche der Pfarrei Altomünster, die dem Kloster inkorporiert war.
Patrozinium: St. Alto
Zum Bauwerk: Die Apsis der romanischen Kirche wurde 1617 abgerissen und durch einen langgezogenen Chorbau nach den Bedürfnissen des seit 1497 in Altomünster ansässigen Birgittenordens ersetzt. Neubau der Kirche unter Beibehaltung des Chors und eines Teils der Außenmauern durch Johann Michael Fischer: 13. April 1763 Fürstbischöflicher Konsens, Beginn der Bauarbeiten am 2. Mai. Grundsteinlegung am 7. Juni. Im Spätherbst 1763 war der Anschluß des Rohbaus zum alten Chor hergestellt. Bauleiter war der Münchner Maurermeister Balthasar Trischberger, der den Bau nach Fischers Tod am 6. Mai 1766 zu Ende führte. Einfügung des letzten Steins am Hauptgewölbe am 9. Juni 1766 durch den Prior Simon Böck. Stuckierung 1766/67 durch Jakob Rauch, Altäre 1765/68 von Johann Baptist Straub. Weihe am 29. August 1773 durch den Freisinger Fürstbischof Ludwig Joseph von Welden, nachdem der Bau mit der Ausstattung 1770 im wesentlichen vollendet war.
Langgestreckte Kirchenanlage in einer Abfolge von vier Räumen nach den Vorschriften des Ordens: Gemeinderaum, Beichtraum mit darüberliegendem, emporenähnlichem Frauenchor, Altarraum bzw. Pfarrchor und Herrenchor (von W nach O). Hauptraum ist ein überkuppeltes Achteck, das man durch eine Vorhalle unter dem Westturm betritt. Gliederung durch Pilaster. Über dem umlaufenden Gebälk setzen Emporen mit rundbogigen Öffnungen an, unter deren westlicher der Musikchor angebracht ist; die östliche schließt den Nonnenchor nach W ab. Reiche Belichtung der Wölbungszone durch Fenster im N, S und in den Schrägseiten. Nach O folgt auf den Hauptraum der ehemalige Beichtraum, wesentlichen...
lich niedriger, da über ihm der Frauenchor liegt. Er ist über quadratischem Grundriß mit abgeschrägten Ecken errichtet und von N und S belichtet. Der Frauenchor ist wie eine Brücke in den Raum eingehängt und erhält sein Licht vom Hauptraum im W und vom Pfarrchor im O, der als nächster Raumteil anschließt. Der Pfarrchor liegt wie der letzte Raumteil im O, der Herrenchor, im alten Chorbau von 1617, jedoch in etwa auf dem Niveau von Haupt- und Beichtraum, während der Herrenchor sehr viel höher liegt und vom Pfarrchor aus nicht unmittelbar betreten werden kann. Der Altar des Herrenchors steht im W des Chors frei und bietet zwei Ansichtsseiten. Vom hochgelegenen Frauenchor hatte man auf den ebenfalls hochgelegenen Herrenchor über den tiefgelegenen Pfarrchor hinweg gute Sicht. Dies entspricht der Birgittenregel, die freie Sicht der Frauen auf die gottesdienstlichen Verrichtungen der Priester vorschreibt bei gleichzeitiger räumlicher Trennung. Der Chorbau ist dreiseitig geschlossen und von S und in den Schrägen des Schlusses belichtet.
Auftraggeber: In Birgitten-Doppelklöstern hat die Äbtissin die Klosterleitung in weltlichen Dingen, der Prior (früher Confessor generalis genannt) in geistlichen. So war auch die Abtissin Maria Victoria Hueber (1758-90), Tochter eines Klosterangestellten, die eigentliche Auftraggeberin und Rechnungsführerin des Baus: »Sie unternahm und setzte fort auch bey denen noch bekannten Theuerungsjahren den kostspilligen Kirchenbau« (BHStA I, KL Altomünster Nr. 39, Rotel, Ms der Priorin Barbara). Doch war auch der Prior des Herrenkonvents, P. Simon Böck aus Landsberg (1760-96), entscheidend am Bau beteiligt, wie sein Porträt mit der Inschrift »Ecclesiam aedificavit anno 1765« (Dürscherl, Abb. S. 47) zeigt. Die Finanzierung des Kirchenbaus war - verglichen mit anderen - solide: 11068 fl. waren gespart, 15319 fl. brachte der Frauenkonvent auf, 5040 fl. der Herrenkonvent. Bei einer Spendensumme von 3160 fl. mußten nur 9525 fl. Kapitalien aufgenommen werden.
Am Rahmen des Kuppelbildes A befinden sich vier Wappen: Im O das des Frauenkonvents, im W das des Herrenkonvents, im N das der St.-Alto-Bruderschaft, im S das der Rosenkranz-Bruderschaft.
Autor und Entstehungszeit: Joseph Mages (* 1728 Imst † 1769 Augsburg) 1766/68. Signatur in A J. Mages pinxit 1767.
Im Baumanual sind dreimal Zahlungen an Mages verzeichnet: 1766 erhielt er 700 fl., 1767 1100 fl. und 1769 300 fl. Da das Hauptfresko 1767 datiert ist, kann man annehmen, daß sich die Zahlung von 700 fl. im Jahr 1766 auf die drei Deckenbilder des Chors (C, D, E) bezieht, des Bauteils, der vom alten Bau übernommen wurde und deshalb auch am ehesten freskiert werden konnte. 1767 entstanden dann A und B, während man die Zahlung 1769 wohl dem Fresko im Frauenchor (s. S. 47) zuordnen muß. Mages schuf für Altomünster außerdem vier Altarblätter.
Joseph Mages, ein gebürtiger Tiroler, heiratete in Augsburg 1751 die Tochter des Malers Georg Rotpletz und wurde dort ansässig. Er gehört zu der letzten Generation der süddeutschen Deckenmaler. An Kirchenausmalungen von seiner Hand sind erhalten: Schönberg in Tirol, Pfarrkirche, signiert 1749; Dasing (Schw LKr. Aichach-Friedberg), Pfarrkirche signiert und datiert 1756; Ebersmünster im Elsaß, ehem. Klosterkirche, signiert und datiert 1759; Häder (Schw LKr. Augsburg), Pfarrkirche, signiert und datiert 1765; Dillishausen (Schw LKr. Ostallgäu), Pfarrkirche, signiert und datiert 1766; Säckingen (Bad Württ), ehem. Klosterkirche Oratorium, signiert und datiert 1766; Oberschönenfeld (Schw LKr. Augsburg), Abteikirche, signiert, 1768/69 (Übersicht nach Gabriele Lindner, Vorarbeiten zum Leben und Werk von Joseph Mages, ungedr. Mag. München 1984)
Entwurf
Zu A Altomünster als Niederlassung des Birgittenordens. Bozzetto, mit dem ausgeführten Kuppelfresko übereinstimmend, Öl auf Leinwand, 1 ca. 1,00 m, heute angebracht an der Decke der Krankenkapelle des Birgittinerinnenklosters.
Befund
Träger der Deckenmalerei: Hauptraum (A) Flachkuppel über acht Pendentifs; Zwischenraum (= Beichtraum, B) sehr flache Pendentifkuppel; Chor (C, D, E) Tonne mit Stichkappen, im O abgemuldet
Rahmen: A kreisrunder, ornamentierter und vergoldeter Stuckrahmen, von Wappenkartuschen in den Achsen und Rocaillen übergriffen; B annähernd rundes Bildfeld in C-bogenförmig geschweiftem, goldornamentiertem Stuckrahmen, von kleinen stuckierten Rocaillen übergriffen; C, D, E längsformatige Bildfelder, vergoldeter Stuckprofilrahmen mit übergreifenden Rocailleornamenten
Technik: Fresko; A–E, W1-2, polychrom
EB1-2 monochrom karmin; EB3-4 monochrom ocker; EB5-7 en camaieu grüngrundig mit karminvioletter Zeichnung
Maße: A Höhe 18,60 m (Stich 3,00); Ø 12,60
B Höhe 9,30 m (Stich 0,80); Ø 7,30
C Höhe 14,00 m (Stich 3,30); 3,70 × 3,20
D Höhe 14,00 m (Stich 3,30); 6,40 × 3,50
E Höhe 14,00 m (Stich 3,30); 5,30 × 3,60
Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1871 Restaurierung durch die Kirchliche Kunstanstalt Marggraff und Müller, München. Bemalung eines Teils des Chorgewölbes (»Wölbung des Vorchores«) mit blauer Farbe und Sternchen. Fassung des Stucks mit Leimfarbe. Eine Signatur in A weist auf eine Restaurierung der Fresken 1898 durch F. Krippner hin. 1907/08 Restaurierung des Innenraums mit Abnahme der Übertünchungen, Reinigung und Ausbesserung der Fresken durch Ludwig Ametsberger, München. Letzte Restaurierung 1928/29 durch Hans Mayrhofer und Franz Ostenrieder, München (Signatur in A, nahe bei der Signatur von Krippner und Mages. Frdl. Mitt. Astrid Debold-Kritter). Der Zustand vor der Restaurierung wurde folgendermaßen beschrieben: »Die Wände waren gewollt schmutzig getönt, die feine Bewegung des Stuckes war durch ein dichtes, deckendes Graublau ertötet worden, hiezu kam die technisch falsche Ölvergoldung... die starke Verschmutzung und teilweise Übermalung der bedeutenden Fresken...«. Bei der
Restaurierung 1929 war man bestrebt, dem Originalzustand nahezukommen. Man tünchte die Wände weiß, färbte den Stuck grün (mit Goldhöhungen), die Stuckplastik hellrosa. Die Fresken wurden trocken gereinigt, Übermalungen abgenommen und Fehlstellen bei den ausgebesserten Rissen eingestimmt.
Seit 1964 ist eine erneute Restaurierung der Fresken im Gespräch. 1973 wird von einem Putzausbruch in A berichtet. 1988 Voruntersuchungen durch Klaus Klarner, München. 1991/92 Anlegen einer Musterachse durch Fa. Binapfl, Friedberg.
Die originale Farbigkeit ist in A und B verhältnismäßig gut erhalten. C, D und E sind in der Farbsubstanz ziemlich blaß. In allen Fresken Risse, Haarrisse und Verschmutzungen. Feuchtigkeitsschäden in A an der S- und NW-Seite. In C ein großes frisches Loch aufgrund von Arbeiten im Dachstuhl.
Beschreibung und Ikonographie
A ALTOMÜNSTER ALS NIEDERLASSUNG DES BIRGITTENORDENS Kuppelfresko mit zentraler Glorie und umlaufender Szenerie. Aufnahmestandpunkt unter der Bildmitte. - Die umlaufende terrestrische Szene bildet in O und W zwei Hauptansichten aus. Auf die Ansicht nach O ist die Gloriendarstellung bezogen. Die Darstellungen der N- und S-Seite sind seitlich der Bildachse, der Platz in der Querachse selbst ist fast frei von figürlichen Darstellungen. Gleichmäßige Helligkeit erfüllt den größten Teil des Bildes; die Repoussoirmotive am Bildrand sind nicht allzu dunkel, und auch im Himmelsbereich finden sich kräftige Farben, die zur Himmelsmitte hin zwar aufgelichtet sind, aber als Farbwerte noch bestehen.
Der zunächst schematischen Komposition wirken Verschiebungen und Umakzentuierungen im Schema fast kontrapostisch entgegen: große Wolkenkissen mit Figuren, die aus dem Wolkenkreis um die zentrale Glorie nach unten gezogen sind – an der SW-Seite bis zum Bildrand – und die Diagonale betonen.
Mages wendet viel Sorgfalt an Details, etwa an die richtige Gewandung der Figuren. Seine Landschaftsdarstellung vermittelt stellenweise (auch in B) fast atmosphärischen Zauber. In der Figurenkomposition zeigt er manchmal (z. B. bei König Pippin) Qualitäten, die an die der großen Freskanten des 18. Jh. in Süddeutschland heranreichen. Die Farbigkeit ist im Gesamteindruck hell, unkompliziert und heiter, sie zeigt unvermischte Farben und selten harte Kontrastwirkungen von Farben untereinander. Mages beherrscht die Perspektivmalerei und wendet sie an, doch nicht mehr im Sinne illusionistischer Vergegenwärtigung; er überträgt mit den Mitteln der barocken Deckenmalerei das Historienbild an die Decke, und die Vermittlung von im Sinne des späteren 18. Jh. historisch belegten Fakten ist in Altomünster sein Anliegen. Von NW über O nach S ist die Gründungsgeschichte Altomünsters in einzelnen Szenen geschildert.
NW-Seite: Schenkung des Waldgebiets an den Einsiedler Alto durch König Pippin. Über dem Bildrand erhebt sich ein kleiner Hügel mit hohen Bäumen; links steht eine armselige Holzhütte, im Vordergrund fließt eine Quelle: es ist die Einsiedelei des hl. Alto. Dieser selbst, in langer, schwarzer Kutte, einen einfachen Stab in der Hand, wendet sich einem vornehmen Herrn in bunter, bestickter Tracht mit Hut und Schärpe zu, dem König Pippin, der von seinem Pferd abgestiegen ist. Zwei Begleiter sind beim König; ein älterer Herr steht neben ihm, ein junger Bursche sitzt im Vordergrund und beobachtet das Geschehen. Er ist durch Horn und Köcher als Jäger bezeichnet und trägt ebenso wie der ältere, vornehme Begleiter Pfeil und Bogen. Der Einsiedler Alto begegnet dem König mit bittend geöffneten Armen; der König weist mit der Reitgerte auf die vor ihm liegende Waldlandschaft: Damit ist die Schenkung des Waldgebiets von Altomünster an den hl. Alto dargestellt. Nach N schließen an diese Szene, dem Rahmen folgend, Einblicke in eine weite und unkultivierte Waldlandschaft an, wo man – an der NO-Seite – in der Tiefe vor hohen Bergen einen eingerüsteten Kirchenbau erblickt, um den schwarze Vögel fliegen (Abb. S. 45).
O-Seite: Gründung des Birgittenklosters in Altomünster. In der Hauptansicht ist in einer figurenreichen, farbig bewegten Szene die Gründung des Birgittenklosters Altomünster dargestellt. Über dem Rahmen, der an dieser Stelle das Konvents wappen zeigt, führen Stufen ins Bild ein. Hinter einer steinernen Balustrade in ornamentalen Formen bilden weitere halbrunde, von einem Teppich bedeckte Stufen ein Podest, auf dem Herzog Georg der Reiche von Niederbayern steht. Er trägt über seinem reichen Gewand die Kette mit dem Goldenen Vlies und einen weiß-blau gerauteten Mantel mit Hermelinkragen. Ein Page neben ihm hütet auf einem Tischchen Herzogshut und Zepter. Neben dem Herzog sieht man seine Gemahlin Hedwig von Polen in goldbesticktem Kleid, eine Krone auf dem Haupt. Vor dem Herzogspaar knien auf den Stufen Birgittinerinnen, deren erste aus der Hand des Herzogs die gesiegelte Gründungsurkunde entgegennimmt. Links unten, schon außerhalb der Balustrade, knien drei Birgittiner.
Drei Begleiter des Herzogs sind rechts im Vordergrund dargestellt. Dahinter kniet Wolfgang der Sandizeller mit seiner Gemahlin Eva an einem großen Stein, der ihr Wappen trägt. Sie sind beide vornehm gekleidet, doch hält der Graf den schwarzen Birgittinermantel mit dem roten Kreuz, seine Gemahlin die Birgittinerinnenkrone. Folgt man weiter der umlaufenden Szenerie nach S, so sieht man in weiter, hügeliger Landschaft den Ort Altomünster mit der hochragenden Kirche, wie sie seit 1763 erbaut wurde.
W-Seite: Bestätigung des Birgittenordens. Die zweite Hauptansicht nach W zeigt über einem Substruktionsbogen eine konvex geschwungene Treppenanlage und darüber ein breites und niedriges Podest, das mit einem grünen Tuch bedeckt ist. Zuoberst steht, in goldenem Rauchmantel, die Tiara auf dem Haupt und den dreifachen Kreuzstab in Händen, Papst Urban V. an einen kleinen Rundtempel, das Symbol der Kirche, gelehnt. Zwei Kardinäle begleiten ihn; der vordere hält ein aufgeschlagenes Buch. Vor dem Papst kniet die hl. Birgitta von Schweden in der grauen Tracht der Birgittinerinnen, mit weißem Brusttuch, schwarzem Schleier und der Krone der Birgittinerinnen. Sie hält ein aufgeschlagenes Buch, aus dem ein Streifen Papier mit der Inschrift Regula hängt. Hinter Birgitta folgen drei junge Frauen; die vorderste trägt vornehme Kleidung und hat auf einem Kissen einen
Fürstenhut bei sich. Eine Wolke verdeckt links die Treppe. Auf ihr sind zwei Engel dargestellt, deren einer ein aufgeschlagenes Buch hält, in dem zu lesen ist REVELA/ TIONES / S. / PIRGI / TAE (ae ligiert). Der andre hält einen Stab, an dessen Spitze das Birgittenkreuz zu sehen ist, rot mit einem weißen Kreis (Bild der Hostie) in der Mitte. Links im Hintergrund steigt ein Weinberg an. - Über der Szene schwebt der Erzengel Michael mit dem Flammenschwert. Von seinem Schild geht ein Blitz aus, der eine Gruppe von Ketzern und Laster-Personifikationen rechts neben dem Treppenaufbau nach unten stürzt. Im einzelnen sind zu erkennen: ein Ketzer mit einer Schriftrolle: ein drachenähnliches Wesen mit drei Hälsen und Schlangenköpfen; ein Pfau ein Ziegenkopf und ein nackter Mann, neben dem auf einen Podest eine brennende Fackel liegt.
In der zentralen Himmelsglorie erscheint die Dreifaltigkeit, von Engeln und Putten umgeben. An der N-Seite folgen auf einer Wolke Figuren aus der Sippe Christi: Joseph mit dem grünenden Stab; Joachim, der Vater Mariens, mit Schäferstab und einer Tafel, über die ein Pergament mit einer nicht lesbaren Inschrift hängt (die sich wohl auf die Verheißung des kommenden Messias im Alten Testament beziehen soll); darunter sieht man Johannes den Täufer mit dem Kreuzstab und neben ihm Anna, die Mutter Mariens, die zusammen mit
Elisabeth, der Mutter des Täufers, in ein aufgeschlagenes Buch blickt. Elisabeth weist mit dem Finger auf eine Textstelle (wieder ein Hinweis auf eine Weissagung).
Unter der Dreifaltigkeit steht auf Wolken Maria, den Fuß auf der Mondsichel, das Haupt gekrönt, mit ausgebreiteten Armen. Mit der Rechten hält sie ihren Mantel im Gestus der Schutzmantelmadonna, die Linke hat sie triumphierend erhoben. Zwei Engel neben ihr halten Spiegel und Lilie, Symbole ihrer Reinheit. Vor Maria kniet, das Haupt von deren Mantel hinterfangen, Birgitta von Schweden in der Tracht der Birgittinerinnen. Sie blickt zu Maria auf und weist mit der Rechten auf die Szene der Gründung des Birgittenklosters Altomünster unter ihr auf der Erde und empfiehlt damit die Neugründung dem Schutz Mariens (die erste Kirche von Altomünster war eine Marienkirche, und der ursprüngliche Name des Klosters war Maria Altomünster). Hinter Birgitta folgen vier Birgittinerinnen, eine davon hält eine Lilie.
Rechts ist auf einer Wolke der Patron der Kirche, der Gründer des ehemaligen Benediktinerklosters Altomünster, der hl. Alto, zu sehen. Er trägt einen Rauchmantel; ein Engel hält Mitra und Stab, die Abtsinsignien, dazu das Rodungsmesser, das persönliche Attribut des Heiligen. Ein Putto weist eine Weinrebe vor als Hinweis auf die Gleichsetzung Orden = Weinberg in der Regel der hl. Birgitta. Daneben Münzen (?). Die fünf heiligen Bischöfe und Ordensleute hinter dem hl. Alto haben keine persönlichen Attribute.
Schräg über der Schar der Birgittinerinnen rechts neben Maria erscheinen in Wolken heilige Jungfrauen. Kenntlich gemacht sind Agnes mit Krone und Lamm, Barbara, vornehm gekleidet, mit Turm, Kelch und Palme und Ursula mit Krone und Fahne. Die übrigen Jungfrauen tragen nur Palmen oder Lilien (Martyriums- bzw. Reinheitssymbole).
An der SW-Seite hat sich eine Wolke bis zum Rahmen herabgesenkt: hier steht zuvorderst der hl. Florian (oder Donatus von Münstereifel), eine weißblaue Fahne in der Hand. Neben ihm sitzt Wendelin in Hirtenkleidung; dahinter drei heilige Frauen, darunter eine Nonne, mit Palmen, eine hält ein Gefäß. Auf Florians anderer Seite sitzen Leonhard in Benediktinertracht und Augustinus in Bischofstracht. Darüber wieder eine Schar Heiliger: drei Frauen, eine mit Gefäß; ein halbnackter Mann mit Schwert und Schnüren am Arm, zwei Männer in Rückenfigur mit einem Hämmerchen: die hll. Crispin und Crispinian, Patrone der Schuster (Abb. S. 44).
B DER ALTOBRUNNEN ALS NEUER TEICH BETHESDA Annähernd rundes Deckenbild mit C-bogenförmig geschweiftem Rahmen. Umlaufende Szenerie mit Ansichten im O und W. Die N- und die S-Seite des Deckenbildes zeigen keine figürlichen Szenen, sondern nur eine Palme über einem geöffneten Sarkophag (N) und eine weite Wasserfläche mit Mauer und Turm am jenseitigen Ufer (S). Aufnahmestandpunkt unter der Bildmitte.
O-Seite: Christus am Teich Bethesda (Jo 5,1-9). Die umlaufende Szenerie bildet in dieser Ansicht eine Repoussoirzone aus Felsen und karg bewachsenem Gestein mit Figurengruppen zu beiden Seiten, während die Mitte der Vordergrundszone frei bleibt und den Blick ungehindert auf das aufgewühlte Wasser des Teiches Bethesda fallen läßt. Am jenseitigen Ufer steigt eine konvex geschwungene Treppe aus der Flut und bildet einen bühnenähnlichen Schauplatz, von einer weitgeschwungenen Mauer, über der in der Bildmitte ein Torturm aufsteigt, links eingefaßt und rechts von Bäumen abgeschlossen. Hier steht hochaufgerichtet Christus, die Rechte segnend erhoben. Ein halbnackter junger Mann mit Krücke sitzt am Rand des Teiches, der seinen rechten Fuß benetzt; er blickt zum Himmel auf, ebenso wie ein Begleiter Christi. Auch zwei Frauen rechts im Vordergrund haben ihre Augen zum Himmel erhoben, wo man in den Wolken zwei Engel sieht. Über den Engeln, im Zentrum der Kuppel, bricht ein heller Strahl aus den Wolken. Er fällt auf einen Greis, der am diesseitigen Ufer des Teiches sitzt und mit ausgebreiteten Armen und erhobenem Haupt den Gnadenstrahl empfängt; in dieser Gestalt ist der Alte dargestellt, der niemand hatte, der ihn ins Wasser hätte bringen können, wenn der Engel es in Wallung versetzte und der von Christus geheilt wurde (Io 5,5-9).
W-Seite: Quellwunder des hl. Alto. Im O weitet sich die Szenerie zu einer baumbestandenen Landschaft. Hier steht der hl. Alto in Benediktinertracht, begleitet von zwei Mönchen, auf einer kleinen felsigen Erhebung und läßt mit seinem Stab eine Quelle entspringen, die als kräftiger Strahl aus dem Felsen schießt und einen Bach bildet, an dessen diesseitigem Ufer eine Gruppe von Bittflehenden zu der wundertätigen Quelle geeilt ist. Der Vorderste hat Wasser geschöpft, drei Frauen, eine davon mit einem Kind auf den Armen, beobachten das Quellwunder. Am jenseitigen Ufer, unter einem Baum hinter dem hl. Alto, stehen ein junger Bauer mit Säge und eine junge Frau, die auf einen eingerüsteten Bau in der Ferne weist, zu dem hin Arbeiter offenbar das Wasser in Scheffeln tragen. Der wundertätige Brunnen des hl. Alto, in einer kleinen Gnadenkapelle gefaßt, erfreute sich noch im 18. Jh. großen Zulaufs. Durch die Gegenüberstellung zum Teich Bethesda im Bild wird er zu ihm in wesensmäßige Beziehung gesetzt und als »neuer Teich Bethesda« apostrophiert. Im Bild ist nur die (durch den noch immer fließenden Alto-Brunnen für das Geschichtsverständnis des 18. Jh. »historisch belegte«) Szene dargestellt, als Alto die Quelle entspringen ließ, außerdem Volk, das sich von diesem Wasser Heilung erhofft; es ist nicht eine wunderbare Heilung selbst gezeigt. In Parallele zur Darstellung auf der Gegenseite besagt das aus der Sicht des aufgeklärten späten 18. Jh.: Nicht das Wasser hilft, sondern die Gnade Gottes.
C VISION DES JOHANNES DES EVANGELISTEN AUF PATMOS
Einansichtige Szene, in der Mitte der Deckel, der die Hl.-Geist-Öffnung abschließt. - Ein dunkler, bewachsener Felsen links im Vordergrund läßt die helle, felsige Einöde, in der Johannes rechts an einem Felsen sitzt, in einiger räumlicher Distanz erscheinen. Johannes hält Feder und aufgeschlagenes Buch und hat den Adler zu seinen Füßen. Ein Engel schwebt über Johannes und weist zum Himmel, zu dem auch der Evangelist aufblickt. In den Wolken erscheint, von Strahlen umgeben, ein viereckiger Gegenstand: es handelt sich um das Himmlische Jerusalem, das im Quadrat angelegt war, mit drei Toren auf jeder Seite (Apoc 21, 13–16).
D VISION DES HL. ALTO
Einansichtige Szene. - Das Bild gibt Einblick in einen hochragenden Kirchenraum mit Bogenöffnungen und pfeilergetragenen Kuppeln. Der Raum wie auch der säulenflankierte Altaraufbau links sind in starker Untersicht und Verkürzung dargestellt. Um den Altar, auf den Stufen, haben sich Männer und Frauen eingefunden und wohnen der Messe bei, die der hl. Alto feiert. Er hält den Kelch zur Wandlung hoch, ein Ministrant läutet mit dem Glöckchen. Über dem Kelch erscheint, von Strahlen umgeben, das Christkind mit ausgebreiteten Armchen. Von oben, wo Wolken in den weiten Kuppelraum eingedrungen sind, auf denen vor dem Jahwe-Zeichen Engel zu sehen sind, fällt ein Lichtstrahl auf das Wunder.
P. Jakob Scheckh, 1724-55 Prior des Klosters, beschrieb die Vision des Heiligen: »Eximiae B. Altonis virtutes vel ex ed refulget, quod Christus Dominus Noster, dum sanctus ac Aram, cui sepultura Regularis prope S. Wendelini nunc an nexa conspicitur, celebrabat, et S. Calicem elevabat, sub Pue ruli forma supra Calicem, qui etiamnum Christi fidelibu devote in hoc monasterio ostendit, apparuerit, populumque adstantem benedixerit« (Scheckh 1730, S. 5).
E VISION DER HL. BIRGITTA
Einansichtige Szene. Stufen führen ins Bild ein. Rechts ist ein einfacher Altar zu sehen, mit blumenumwundener Kerze, an dem eben ein neu geweihter Priester (mit Blumenkränzchen um den Arm) sein erstes Meßopfer feiert. Er hebt die Hände zum Vorweisen der verwandelten Hostie hoch, doch statt der Hostie erscheint das von Strahlen umgebene Lamm Gottes. Die hl. Birgitta erblickt dieses Wunder in einer Vision. Mit Gesten der Verzückung blickt sie zu dem Lamm auf, während die neben ihr kniende Birgittinerin die Augen gesenkt hat. Hinter den beiden Frauen und ihren Begleitern im Hintergrund ragen zwei Säulen auf, deren oberer Teil von Wolken verdeckt ist, wo zwei Engel, einer mit einer Knickhalslaute und einer mit Notenblättern, musizieren. Oben im Bild erscheint die Taube des Hl. Geistes vor dem Dreifaltigkeitssymbol, von Strahlen umgeben, in denen die Feuerzungen zu sehen sind.
Die Vision wird in den Revelationes (VI, 86) beschrieben: »Quidam Sacerdos in die Pentecostes celebravit primam Missam in quodam Monasterio. Tunc autem in ipsa elevatione Corporis Christi vidit Sponsa (Birgitta) ignem descendere de caelo per totum altare. Et in manu sacerdotis vidit panem, et in Pane agnum vivum, et in agno faciem quasi hominis inflammantem, et tunc audivit vocem dicentem sibi, sicut nunc vides ignem descendere in altare, sic per simile Spiritus meus sanctus descendit in Apostolos meos tali die sicut hodie, inflammans corda eorum «
W1-2 BÜSSER
In dem niedrigen Kirchenraum unter dem Frauenchor sind an den Wandschrägungen im NW (W1) und SW (W2) Bildfelder angebracht. Die Darstellungen nehmen Bezug auf die ehemalige Bestimmung des Raums als Beichtraum.
W1 Hl. Margareta von Cortona Die Heilige ist als Franziskaner-Tertiarin in dunklem gegürtetem Kleid, hellem Schleier und Mantel dargestellt. In der Rechten hält sie einen Kruzifixus, in der Linken eine Geißel. Im Hintergrund ein Hund, ihr persönliches Attribut.
W2 König David David trägt Hermelin, Krone und Zepter und hat die Harfe bei sich. In der Hand hält er ein Blatt mit der Inschrift MISERE/RE MEI/DEUS. Aus dem Dreifaltigkeitszeichen oben im Bild fällt ein Strahl auf ihn.
Margareta von Cortona lebte neun Jahre lang in Montepulciano mit einem Edelmann im Konkubinat. Anlaß zu ihrer Bekehrung war ein Hund (Attribut), der sie nach dem Tod ihres Geliebten zu dessen halbverwester Leiche führte. Ab 1274 lebte sie in strenger Buße als Franziskaner-Tertiarin in Cortona. Sie war Mystikerin und hatte zahlreiche Visionen. Tod 1297, Kanonisation 1728.
An den beiden Wandfeldern entsprechenden Stellen im NO und SO des Raums befinden sich die Altarauszüge der beiden Seitenaltäre. Sie zeigen den reuigen Schächer Dismas (NO) und die büßende Magdalena (SO).
EB1-7 Emblemähnliche Darstellungen Sieben kleine monochrome Bilder befinden sich in den verschiedenen Räumen der Kirche: EB1-2 an den unteren Emporenbrüstungen im N und S des Hauptraums; EB3-4 über den Beichtstühlen an der N- und S-Seite des Raums unter dem Frauenchor (Beichtraum); EB5-6 an den unteren Emporenbrüstungen im westlichen Teil des Chors, vor dem Pfarraltar; EB7 befindet sich an der oberen Emporenbrüstung an der O-Seite des Frauenchors.
EB1 (Hauptraum, N) HANC / NON ISTA (diese, nicht jene). Zwei Hände greifen nach einer Krone. Links und rechts darunter eine Wolke, von der aus je ein Fuß auf Mitra und Buch bzw. Krone und Zepter tritt.
EB2 (Hauptraum, S) PEREG/RINANDO (durch die Pilgerschaft). Obelisk, davor, gekreuzt, ein Pilgerstab und der Birgittenstab.
EB3 (Beichtraum unter dem Frauenchor, über dem Beichtstuhl im N) CRESCITE (wachset). Zwei Wälder, darüber Wolken. Aus jeder Wolke ragt eine Hand: eine hält den Kelch mit dem Jesuskind (der Alto-Vision), die andere das Birgittenkreuz. Darunter links ein Mann mit Hund und rechts ein Mann mit Stock.
EB4 (Beichtraum unter dem Frauenchor, über dem Beichtstuhl im S) EVANGELIUM REVELATIONES. Unter den beiden Worten je ein Hügel, von dem ein Bach fließt. Unten weiden Schafe.
EB5 (Vorchor N) ELECTA. Maria mit Kind (Hinweis auf das Wappen von Altomünster) in Wolken, rechts Sonne. EB6 (Vorchor, S) PULCHRA. Maria mit Kind auf Wolken, über einer Landschaft der Mond. EB5-6 sind Darstellungen der Marienlobpreisungen »Electa ut sol«, »Pulchra ut luna«.
EB7 (An der O-Seite des Frauenchors an der oberen Emporenbrüstung zum Chor hin) AVE. Übertragung des Hauses von Loreto.
Ikonologie
Die Gründung Altomünsters geht auf den hl. Alto zurück. Er war ein iro-schottischer Wandermönch, nach Altomünsterer Überlieferung »von königlichen Stammen« (BHStA I, KL Altomünster Nr. 29, s. auch BSB, Clm 2937), lebte als Einsiedler in der Gegend des späteren Altomünster (seit ca. 743), wohin ihn die himmlische Weisung geführt hatte. König Pippin, Vater Karls des Großen, der als Vormund des jungen Herzogs Tassilo II. in Bayern die Herrschaft ausübte, hielt
Emblemkartuschen an den Emporenbrüstungen im Beichtraum über den Beichtstühlen
Emblemkartuschen an den Emporenbrüstungen im Pfarrchor sich nach der Überlieferung gelegentlich zur Jagd in Pipinsried auf (dafür sprechen der Ortsname und das in Frankreich häufige Dionysiuspatrozinium der Pfarrkirche); er kannte den Einsiedler Alto und schenkte ihm ein großes Waldgebiet zur Gründung eines Klosters, zu dessen Bau und Unterhalt viele Edelleute Schenkungen beisteuerten. Fertigstellung des Kirchenbaus um 750, Weihe durch den hl. Bonifatius († 755). Alto war der erste Abt des neu gegründeten Klosters. Er starb um 770. Die erste, noch unter Alto gebaute Kirche hatte ein Marienpatrozinium.
Um die Gründung rankten sich Legenden: Alto soll die Bäume, die gerodet werden mußten, mit seinem Messer bezeichnet haben (das Rodungsmesser wurde zu seinem persönlichen Attribut und befindet sich noch heute als Reliquie im Kloster); durch ein Wunder sollen die Bäume von selbst umgefallen sein. Vögel sollen die Äste und Zweige weggetragen und so beim Kirchenbau geholfen haben. An diese Gründungslegenden erinnern die Vögel in Fresko A über der Baustelle, an das Rodungswunder das Attribut des Heiligen in A. Die Quelle im Vordergrund der Schenkungsszene in A stellt das Altobrünndl dar (nicht zu verwechseln mit dem Gnadenbrunnen in Altomünster, s. u.), das sich nordwestlich von Altomünster in einer Waldschlucht befindet, dort, wo einst nach der Legende der hl. Alto seine Einsiedelei hatte. – Als es beim Kirchen- und Klosterbau an der Stelle des heutigen Klosters an Wasser mangelte, ließ Alto mit seinem Stab eine Quelle entspringen, die bald ihre heilkräftige Wirkung zeigte und heute noch besucht wird (W-Seite von B).
Der Einsiedler Alto ist als historische Person nachweisbar durch die Signatur eines Schenkungsbriefs unter Bischof Joseph von Freising (747-64): »† Signum Altonis reclausi« Die Vita von Otloh (1000-70) erwähnt die Schenkung durch Pippin, den Kirchenbau und die Weihe durch Bonifatius. Die legendären Ausschmückungen der Alto-Vita durch Wunder geschahen erst später. Das Rodungswunder ist 1489 zum erstenmal nachweisbar, das Vogelwunder wird in der Gründungsgeschichte von 1534 beschrieben (BHStA I, KL Altomünster Nr. 29 und BSB, Clm 2937); das Quellwunder bringt Rader in der Bavaria Sancta von 1615 (zur Geschichte des hl. Alto s. auch Bavaria Sancta, München 1892, Bd. 1 S. 215–19; Huber 1924).
Im Gesamtprogramm der Kirche spielt der hl. Alto als Patron und erster Gründer des Klosters Altomünster eine große Rolle, ist aber der Birgitten-Thematik untergeordnet. Die Gründungsgeschichte ist in Hauptfresko A dargestellt, doch werden die legendären Ausschmückungen, dem ernsthaften Geschichtsverständnis des späteren 18. Jh. entsprechend, nur angedeutet: das Vogelwunder in den über dem Kirchenbau kreisenden Vögeln, das Rodungswunder in dem Messer-
Attribut. – Der Altar des hl. Alto steht im Hauptraum rechts. Dem mystischen Charakter des Birgittenordens entsprechend spielt seine Vision des segnenden Jesuskindes während der Wandlung bei der Ikonologie des Kirchenraums eine große Rolle. Sie ist Thema des großen Reliefs an seinem Altar und des Deckenbildes D im Chor. Auch bei der Darstellung in EB3, die an die Gründung erinnert, geschieht das in Form der Alto-Vision.
In der Gestalt des hl. Alto wird zunächst das ehrwürdige Alter des Klosters beschworen und dann nach Parallelen zur Gründerin des Birgittenordens, zur hl. Birgitta von Schweden, gesucht (Parallelsetzung von D und E). Über die heilsgeschichtliche Verankerung Altomünsters in ehrwürdiger Vergangenheit hinaus ist der noch 1767 gegenwärtige Gnadenquell dem hl. Alto zu verdanken (Quellwunder in Fresko B): der Alto-Brunnen wird als neuer Teich Bethesda gezeigt und damit Altomünsters Platz in der noch fortwährenden Heilsgeschichte behauptet (der Altobrunnen ist in einer Kapelle gefaßt und heute noch Ziel Hilfesuchender). Schließlich sieht man den Heiligen mit allen Ehrenzeichen seiner Abtswürde in der Glorie des Hauptfreskos A neben Maria und Birgitta von Schweden.
Das nächste Thema des Kirchenprogramms ist die hl. Birgitta von Schweden und ihre Gründung des Birgittenordens. Birgitta von Schweden (* 1303 Finstad bei Upsala † 1373 Rom), aus vornehmer Familie (wegen ihrer Verwandtschaft mit dem schwedischen Königshaus wird ihr als Attribut eine Krone beigegeben), war vermählt mit dem Edelmann Ulf Gudmarsson und Mutter von acht Kindern. Als Hofmeisterin am Hofe König Magnus Eriksons war sie eine Frau von großem Einfluß. Nach einer Pilgerreise des Ehepaares nach Santiago de Compostela 1341/43 zog sich der Ehemann in das schwedische Zisterzienserkloster Alvastra zurück. Nahe bei Alvastra lebte Birgitta in Zurückgezogenheit. Sie, die schon als Kind Visionen gehabt hatte, erlebte nun eine Fülle von Offenbarungen: Christus selbst schrieb ihr die Regel eines neu zu gründenden Ordens vor. 1349 begab sich Birgitta nach Rom, wo sie fortan, eine Pilgerreise ins Heilige Land ausgenommen (1372/73), bis zu ihrem Tod lebte. Auch in Rom hatte sie Visionen und Offenbarungen, die sich viel mit kirchenpolitischen Fragen beschäftigten und die unter dem Titel »Revelationes« aufgezeichnet, verbreitet und von den Zeitgenossen stark beachtet wurden.
Die Ordensregel, die Birgitta von Christus selbst bei Alvastra erhalten hatte (Ordo S. Salvatoris), sah Doppelklöster vor, wo jeweils höchstens 60 Frauen räumlich getrennt von 13 Männern (Apostelzahl mit Paulus und Mathias) leben sollten. Die Kirchen sollten so angelegt sein, daß sämtliche gottesdienstlichen Handlungen der Priester für die Frauen – bei gleichzeitiger strenger räumlicher Trennung – gut zu sehen seien. Die Leitung in weltlichen Dingen des Klosters blieb der Äbtissin vorbehalten, die in geistlichen Dingen einem Mitglied des männlichen Konvents, dem Confessor generalis (später Prior genannt). Ordenspatrone waren Christus Salvator und Maria. Ordenstracht war für die Frauen ein graues Kleid mit weißem Brusttuch und schwarzem Schleier, Kopfbedeckung die Birgittenkrone aus weißen Leinwandstreifen mit fünf aufgenähten roten Tuchstückchen als Erinnerung an die Wunden Christi. Die Priester trugen den schwarzen Mantel mit dem aufgenähten Birgittenkreuz, das in der Mitte eine runde weiße Scheibe als Erinnerung an die Hostie zeigt.
Die Birgitten-Regel wurde, da neue Ordensregeln in dieser Zeit kirchlich verboten waren, als Ergänzung der Augustinus-Regel erklärt und am 5. August 1370 von Papst Urban V. approbiert.
Die Bestätigung der Ordensregel der hl. Birgitta ist an der W-Seite des Hauptfreskos A dargestellt. In der Auffassung geht diese Darstellung weit über eine historische Szene hinaus, die in dieser Weise auch nie stattgefunden hat. Sie erinnert an Birgittas Wirken für die römisch-katholische Kirche. Urban V. ist weniger als Individualität dargestellt denn – durch den beigegebenen Rundtempel, das Attribut der Ecclesia – als Vertreter der Kirche. Der Weinberg im Hintergrund weist auf die Worte Christi hin, die er zu Beginn der Regel-Offenbarung zu Birgitta gesprochen hatte:
»Ich war wie ein König, der gute Weingärten pflanzte (die früheren Orden) und eine zeitlang gute Früchte aus ihnen erntete. Diese Weingärten waren die Klosterordnungen ... nun klage ich darüber, ... daß die Wächter schlafen und die Diebe eindringen... Ich will einen neuen Weinberg pflanzen«
(Präambel zur Regel); und verweist auch auf die Schlußworte dieser Offenbarung: »Dies ist der neue Weinberg, den ich pflanzen will«. An die energischen Bemühungen Birgittas, durch ihre römischen Offenbarungen kirchliche Mißstände abzustellen, erinnert das aufgeschlagene Buch der »Revelationes« und die Figur des hl. Michael, der Ketzer und Laster stürzt: Wie Michael wurde auch Birgitta als Ausführende des göttlichen Befehls im Kampf gegen das Böse gesehen.
Die »Revelationes« der hl. Birgitta werden in EB4 als Heilsmittel dem Evangelium gegenübergestellt: »wie ein frischer Bach die Herde erquickt, so sind Evangelium und Revelationes Wasser des Lebens für die Christen.«
Die Weinbergsymbolik findet sich in den zwei Weinstöcken im Christus-Salvator-Bild des Hauptaltars im Herrenchor wieder.
Auf die Pilgerfahrten, wichtige Ereignisse im Leben der Heiligen, weist EB2 hin. Die Zuordnung von Pilgerstab zu Birgittenstab bedeutet die geistige Pilgerschaft, auf die sich der Ordensangehörige begibt.
Augustinus, auf den die Birgitten-Regel nominell zurückgeht, erscheint unter den Heiligen in A; ihm ist außerdem der zweite Seitenaltar im Hauptraum der Kirche gewidmet.
Im Heiligenhimmel von Altomünster (A) erscheint Birgitta als Ordensgründerin neben Maria und empfiehlt der Himmelskönigin die neue Niederlassung des Ordens in Altomünster. Auf Kloster Altomünster bezieht sich auch EB3: Wie der Himmel die Gründung des hl. Alto einst beschützt hatte (das Wort Crescite und das Jesuskind über dem Kelch der Alto-Vision), so wird er auch das Birgittenstift bewahren und fördern.
Dem Ursprung des Ordens aus der Mystik entsprechend spielen Visionen im Gesamtprogramm der Kirche eine große Rolle. Zwei Visionen der hl. Birgitta sind dargestellt: Das Altarblatt im linken Seitenaltar des Herrenchors zeigt ihre Weihnachtsvision, die sie auf der Pilgerreise ins Heilige Land in der Geburtsgrotte von Bethlehem hatte (Revelationes VII, 21). Die Vision in Fresko E, das Lamm anstatt der Hostie während der Wandlung, bezieht sich auf eine Visionsschilderung in den »Revelationes« (VIII, 16). Zugleich ist diese Darstellung über dem Hochaltar des Herrenchores Erinnerung an die Würde des Priestertums und Hinweis auf die enge Verbindung zwischen Frauenkonvent und Gottesdienst des Herrenkonvents sowie auf die innige Teilnahme der Frauen am Gottesdienst. (Freie Sicht vom Frauenchor auf den Altar des Herrenchors war Bestandteil der Birgittenregel.)
Der rechte Seitenaltar im Herrenchor ist der hl. Katharina von Schweden gewidmet, der Tochter Birgittas, die bei ihr in Rom lebte. Hier sieht sie in einer Vision die Gottesmutter (Vita D. Catharinae Filiae S. Birgittae, in: Revelationes 1680, S. 845). Im Heiligenhimmel von A tritt sie noch einmal auf, als Birgittinerin bei ihrer Mutter; die dunkelhäutige Birgittinerin neben ihr ist die Tatarenprinzessin Katharina (s. Frauenchor, S. 47).
Die Visionsthematik wird fortgeführt in der Kronenthematik, die sich durch das ganze Bildprogramm zieht. HANC / NON ISTA steht als Inschrift in EB1, wo Hände nach einer Krone greifen, Füße aber auf Mitra und Buch, auf Krone und Zepter treten: Weltliche Würden müssen verschmäht werden, um die Himmelskrone zu erlangen. – Schon der siebenjährigen Birgitta erschien nachts auf einem Altar gegenüber von ihrem Bett eine Frau in leuchtenden Kleidern, die eine Krone in Händen hielt. Das Kind bejahte in dieser Vision die Frage, ob es eine Krone haben wolle; daraufhin wurde sie ihm aufgesetzt (Vita des Erzbischofs Birger, AASS, Octobris Tom. IV S. 486). In einer späteren Vision wurde die hl. Birgitta von der hl. Agnes mit einer edelsteinbesetzten Krone gekrönt (Revelationes IV, 124). Wichtigster und zugleich unverwechselbarer Bestandteil der Birgittinerinnentracht ist die Krone aus Leinwandstreifen; die Krönung mit ihr ist Abschluß und Höhepunkt der Einkleidung als Birgittinerin und folgt auf das Verlöbnis mit Christus durch den Ring (s. Frauenchor, S. 47). Die junge Frau, die Birgitta auf der Bestätigungsszene an der W-Seite des Fresko A folgt (ihre Tochter Katharina?), bringt ihre weltliche Krone dar. Agnes, Ursula und Barbara (im Heiligenhimmel in A) waren Prinzessinnen, die ihre hohe Stellung in der Welt verschmähten, um Christus zu folgen. Alto, der Gründer Altomünsters, war nach der Klosterüberlieferung ebenfalls »aus königlichen Stammen«. Leonhard und Wendelin (Heiligenhimmel in A, Seitenaltar im Beichtraum) waren Königssöhne. Auch Florian war nach legendärer Überlieferung Fürstensohn. Die Heiligen im Himmel sind damit Vorbilder für die Birgittinerinnen, die ebenfalls irdische Würden verschmähen, um die Krone des Erlösers zu tragen. Auf dem Hochaltarblatt ist dieses Thema noch einmal aufgegriffen: Zwei Engel werfen eine Fürstenkrone weg und halten die Birgittinerinnenkrone hoch.
Die Visionsthematik bestimmt auch die Darstellung der Heiligen Sippe in A. Joachim hält die Tafel mit der geöffneten Schriftrolle, Anna und Elisabeth sind in ein Buch vertieft. Hinweise auf die Prophezeiungen des Alten Testaments von der Ankunft des Erlösers (der Heiligen Sippe ist außerdem der rechte Seitenaltar im Beichtraum geweiht).
Johannes der Täufer ist in Fresko C auf Patmos dargestellt, in seiner Vision vom Himmlischen Jerusalem. Wie in Fresko B mit der Darstellung von Altomünster als neuem Teich Bethesda ein Bezug zwischen Darstellung einer Bibelstelle und Kloster Altomünster hergestellt ist, so kann auch die Darstellung der Vision Johannes des Täufers nur im Beziehungsgeflecht des Gesamtprogramms gesehen werden. Wie Johannes das neue Jerusalem, diese wohlgeordnete Stadt, in einer Vision sah, so wurde auch Birgitta durch Christus die vollendete Ordnung einer christlichen Gemeinschaft geoffenbart. Schon bei der Tausendjahrfeier Altomünsters hatte in der vierten Predigt der Jesuit Franz de Paula Cler Altomünster mit der Vision des Johannes in Verbindung gebracht: Er nannte die Kirche von Altomünster eine Braut des hl. Alto und zitierte die Stelle » Vidi sanctam Civitatem, Jerusalem novam descendentem de coelo, a Deo paratam sicut Sponsam« (Apoc 21, 2; s. Festschrift 1730). – Im Zusammenhang des Bildprogramms von 1765 ist das Kloster Altomünster mit seiner von Christus selbst gegebenen Ordnung die geschmückte Braut, die mit dem Himmlischen Jerusalem der Apokalypse verglichen wird. Man muß hier wohl einen Bezug auf eine Stelle aus den »Revelationes« sehen (I, 56), in der Christus der hl. Birgitta sagt: »Sic ego verba mea mitte amicis meis, quae non sic obscura sunt, ut Apocalypsis, quam Ioanni ostendi sub obscuritate, ut a spiritu meo in suo tempore, cum mihi placeret, explanarentur.«
Mit der Darstellung der Johannes-Vision wird ein zweiter Zweck verfolgt. In einer schon aufgeklärten Zeit beruft man sich zur Rechtfertigung und Verteidigung der Glaubwürdigkeit von Visionen und Revelationen mit der Johannes-Vision auf eine Vision, die im katholischen Glauben außer Frage steht, ähnlich wie auch Consalvo Duranti in seinem Traktat »De Visionibus, Revelationibus et Apparitionibus«, den der Altomünsterer Confessor generalis Simon Hörmann 1680 seiner Publikation der »Revelationes« vorausgeschickt hatte.
Die Geschichte der Birgitten-Niederlassung in Altomünster ist eines der wichtigsten Themen im Gesamtprogramm. An der am meisten ins Auge fallenden Stelle im Hauptfresko, an der O-Seite, ist die Gründung dargestellt. - Seit 1047, nachdem Welf III. die Benediktinermönche nach Altdorf transferiert hatte, war Altomünster ein reines Frauenkloster gewesen. Im späten 15. Jh. kam das Stift wegen Mißwirtschaft in große Schwierigkeiten und wurde 1485 von Papst Innozenz VIII. aufgehoben. Wolfgang von Sandizell, der mit seiner Frau Eva als Laie in das Birgittenkloster Maihingen im Ries eingetreten war, unternahm große Anstrengungen, um in Altomünster ein Birgittenkloster anzusiedeln. Er erlangte 1488 die päpstliche Erlaubnis und interessierte den Landesherrn, Herzog Georg den Reichen von Niederbayern für die Gründung, der auch - vielleicht beeinflußt von seiner Gemahlin Hedwig von Polen, die den Birgittenorden aus ihrer Heimat kannte - einwilligte und zunächst Wolfgang den Sandizeller als Verwalter des Klosterguts einsetzte. Wolfgang beaufsichtigte auch den Bau des neuen Klosters, dessen Baumeister der Birgittiner Andreas Baumann aus Maihingen war, und setzte dabei sein eigenes Vermögen ein. Am 22. Februar 1496 stellte Georg der Reiche die landsherrliche Stiftungsurkunde für das neue Kloster aus, und nachdem Birgittiner und Birgittinerinnen aus Maihingen gekommen waren, um das neue Kloster zu besiedeln, wurde am 21. Januar 1497 der Birgittenorden in Altomünster feierlich eingeführt (s. Nyberg 1973, Wolfgang von Sandizell; Liebhart 1987; BHStA I, KL Altomünster Nr. 29; BSB, Clm 2937; Scheckh 1730).
Auf dem Fresko A hält Wolfgang von Sandizell zum Zeichen seiner Zugehörigkeit zum Birgittenorden den schwarzen Mantel der Birgittiner mit dem roten Kreuz, seine Gemahlin Eva die Birgittinerinnenkrone. In den Birgittinerinnen, die vor Georg dem Reichen knien, um die Gründungsurkunde entgegenzunehmen, sind wohl die wichtigsten Frauen aus der kleinen Schar dargestellt, die aus Maihingen kam, um Altomünster zu besiedeln. Dies waren Anna Huetterin aus Nördlingen (bei der Besiedelung erwählte Mutter - was der Oberin bis zur ersten Äbtissinnenwahl entspricht -, später, 1503, zur Äbtissin gewählt), dann Ursula Kloblin aus Nürnberg (1499 zur ersten Abtissin gewählt), Christina Weiglin (Statthalterin, d. h. Vertreterin der Äbtissin vor 1503) und Ottilia Öflerin von Wemding (dreißig Jahre Wirtschafterin, ab 1530 Äbtissin).
Die drei Birgittiner, die hier im Fresko die Gründungsschar repräsentieren, erinnern wohl an Vater Wendel (Erwählter Vater bei der Besiedlung), an Andreas Baumann (Baumeister des Klosters - einer der Dargestellten weist auf den Klosterbau im Hintergrund hin -, Erwählter Vater 1488/89 und Confessor Generalis bzw. Prior seit 1507) und an Stefan Ehemann aus Scheibbs (erst Statthalter des Vaters, dann selbst Erwählter Vater, ab 1503 Confessor Generalis).
Die hl. Birgitta im Himmel über der Gründungsszene empfiehlt das Kloster dem Schutz Mariens. Maria war nicht nur neben Christus zweite Ordenspatronin, sondern auch Patronin der Alto-Gründung. Das Altarblatt der Rückseite des Hauptaltars im Herrenchor zeigt die Himmelfahrt Mariens. Ihre Ehre verkünden EB6-7: Pulchra ut luna, electa ut sol.
Die Vorderseite des Hauptaltars im Herrenchor zeigt Christus Salvator, den ersten Patron des Ordens Sanctissimi Salvatoris: Er steht auf einer blauen Erdkugel, die samt der Menschen, die darauf dargestellt sind, von einer Schlange umwunden ist. Vom Kreuz Christi, dem Zeichen des Erlösers, das auf der Erdkugel steht, geht ein Blitz aus, um die Schlange zu vernichten.
Zu Seiten des Hochaltars stehen die Figuren der Apostel Petrus und Paulus: ihnen war der Hochaltar der alten Kirche geweiht. Mit den seitlichen Figuren des Pfarraltars und der Seitenaltäre im Beichttraum und im Hauptraum zusammen bilden sie einen Apostelzyklus.
Das Altarblatt im Pfarraltar (nicht erhalten) zeigte Maria als Rosenkranzkönigin; dieses Thema war bestimmt durch die Rosenkranz-Bruderschaft.
Die Übertragung des Hauses von Loreto in EB, an der Brüstung des hoch in der Kirche eingehängten Frauenchores könnte als ikonographische Paraphrase auf diesen Chor zu deuten sein.
Das ikonologische Gesamtprogramm der Kirche von Altomünster gehört ohne Frage zu den interessantesten und komplexesten Kirchenprogrammen Süddeutschlands. Seine Haupt- und Nebenthemen, in Fresken, Altarblättern, Emblemen und Skulpturen angeschlagen, fortgeführt, abgewandelt, unter verschiedenen Aspekten vorgeführt, bilden ein dichtes Netz von Sinnbezügen, einen ganzen wohlgeordneten Kosmos von historischen, heilsgeschichtlichen und ordenspolitischen Gedanken, in dem dem Orden der Birgitten und der Klostergründung Altomünster ihre wichtige und unverwechselbare Rolle in der Kirche und der ganzen Heilsgeschichte zugewiesen wird. An einem bestimmten Platz mit bestimmter Geschichte wird durch einen bestimmten Orden (im Sinn von Ordos) der römischen Kirche eine besondere Gestalt gegeben. - Hier wurde mehr als anderswo Ikonologie zu einem Ordnungsprinzip: Sie macht das geistige Gebäude des Ordens sichtbar und anschaulich und wirkt damit zurück auf die Gedanken der Ordensangehörigen.
Es kann nicht übersehen werden, daß dieses Programm zwar mit seiner Fülle und Komplexität in der Tradition der barocken Programme steht, daß aber trotz der im späten 18. Jh. nicht leicht zu vermittelnden Birgitten-Thematik ein Weg gesucht wurde, einem strengeren historischen Denken gerecht zu werden.
Literatur s. S. 49 Literatur zu Birgitta von Schweden s. S. 50