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Altomünster, Pfarr- und Klosterkirche St. Alto, Frauenchor

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 5: Landkreis Dachau. Hirmer, München 1996, ISBN 978-3-7774-6320-9, S. 47–50, geschrieben von Bauer-Wild, Anna. Original (Passwortgeschützt)
davordanach
A Mystische Vermählung der hl. Birgitta, Kuppelfresko im Frauenchor

Frauenchor in der Pfarr- und Klosterkirche der Birgittinerinnen

Zum Bauwerk: Der Frauenchor ist Bestandteil der 1763/67 von Johann Michael Fischer erbauten Kirche. Stuckierung 1767 durch Jakob Rauch.

Der Frauenchor liegt in der Höhe der oberen Empore (über dem Kranzgesims) zwischen dem Hauptraum und dem Chor und bildet so ein Obergeschoß über dem niedrigeren Beichttraum (mit Fresko B). Er ist nur vom Frauenkonvent her über die oberen Emporengänge zugänglich. Annähernd quadratischer Raum (9,60 × 9,65 m); Belichtung durch je zwei Fenster von N und S über den umlaufenden Gang und durch die verglasten weiten, bogenförmigen Emporenöffnungen von der Kirche her.

Auftraggeber: Äbtissin Maria Victoria Hueberin von Altomünster (1758–90)

Autor und Entstehungszeit: Joseph Mages (* 1728 Imst † 1769 Augsburg) 1767/68

Befund

Träger der Deckenmalerei: Flachkuppel (A) in einem sphärischen Gewölbe, das sich an der N- und S-Seite bis zur Sockelzone herabzieht. Im O und W von den Emporenbögen her breite Stichkappen: hier befinden sich A1-2. A3-4 befinden sich im N und S über den Türen an den sphärisch gebogenen Wandflächen

Rahmen: A Stuckprofil, in den Achsen von einfachen Stuckrocaillen übergriffen, in den Diagonalen von Puttenhermen vor Rocaillekartuschen getragen; A1-2 füllen die Stichkappenfläche unter Ausschluß der äußeren Enden, sind durch Stuckleisten begrenzt und oben von einer Rocaillekartusche gekrönt; A3-4 Stuckprofil, von Rocailleornamenten begleitet

Technik: Fresko mit Seccoübermalungen; polychrom

Maße: A Höhe 7,30 m; 5,60 × 6,00

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Anläßlich der Restaurierung der Fresken in der Kirche 1928/29 wollten die Birgittinerinnen das Fresko ihres Chores restaurieren lassen. Es »zeigt sich, daß das Deckengemälde im Frauenchor voll

ständig in Auflösung begriffen ist. Wir sind ganz ratlos ...« Das BLfD riet, mit Pinsel und Brot trocken zu reinigen und abstaubende Flächen mit Kaseinlösung zu fixieren. In den 50er Jahren wurden die Deckenbilder von Georg Gschwendtner, Reichenhall, stark erneuert.

Die Deckenbilder zeigen nur noch wenig von der barocker Substanz; am meisten verändert ist das Hauptfresko A (Figuren von Christus, Agnes und dem Engel) und A1. Verhältnismäßig gut erhalten ist A4. Auch jetzt sind die Deckenbilder wieder stark nachgedunkelt. Haarrisse finden sich in sämtlichen Bildfeldern, Feuchtigkeitsschäden in A2 und A4.

Beschreibung und Ikonographie

A MYSTISCHE VERMAHLUNG DER HL. BIRGITTA Aufnahmestandpunkt unter der Bildmitte. Eine zentrale lichte Himmelsglorie mit Gottvater ist mit einer einansichtigen Darstellung an der O-Seite des Deckenbildes kombiniert. In den Bildvordergrund führen Stufen ein, auf denen ein Teppich liegt, der rechts von Engeln hochgehalten wird. Auf die Stufen hat sich links eine Wolke gesenkt, vor der Christus mit einem großen Kreuz steht; seine Hände zeigen die Wundmale. Sein weiter Mantel wird von einem Putto auf der Wolke gehalten. Nach links schließt eine Gruppe musizierender Engel an. Vor ihnen kniet die hl. Agnes mit Lamm, Schwert und Lilienzweig, das Haupt von einem Kranz aus Rosen umgeben. Sie trägt eine Krone in beiden Händen. Auf der rechten Bildseite kniet Birgitta von Schweden vor Christus, der ihr einen Ring an die rechte Hand steckt. Birgitta trägt den Habit der Birgittinerinnen. Ein Engel hinter ihr hält die Birgittinerinnenkrone über ihr Haupt.

Uber der Vermählungsszene erscheint in Wolken Maria in rotem Kleid und blauem Mantel, das Haupt von einem Sternenkranz umgeben, in der Hand eine Lilie. Sie blickt nach oben, wo schräg über Gottvater der Hl. Geist in Gestalt einer Taube zu sehen ist. Von ihm geht ein Strahl aus und fällt auf die ausgestreckte Rechte der Gottesmutter und davon weiter zur rechten Hand Birgittas, an die Christus eben den Ring steckt. In den Wolken schweben Engel mit einem Blumenkranz und einer Blumengirlande.

Die mystische Vermählungsszene zeigt mit der Quintessenz der Botschaft der hl. Birgitta zugleich das Selbstverständnis der Birgittinerinnen. In den »Revelationes« nennt Christus Birgitta mehrfach seine Braut, Maria sie ihre Tochter. Kernstück und eindrucksvollste Passage der Regel der hl. Birgitta ist die Beschreibung der Einkleidungszeremonien: Das neue Ordensmitglied wird Christus durch den Bischof mit einem goldenen Ring vermählt. Vorher betet der Bischof, »das Christus, der in den Schoß der Jungfrau herabgestiegen ist, ir der Seele der Eintretenden befestigt sein möge. In der symbolischen Sprache der Ehe einerseits, der der Menschwerdung Christi in Maria durch den Heiligen Geist andererseits wird somit auf die neue Geburt des Christuslebens in der Eintretenden hingewiesen« (Nyberg 1973, Regel, S. 25 f.). Dieser Gedankengang wird im Fresko durch den Gnadenstrahl dargestellt: Wie Maria einst als Braut des Hl. Geistes Christus empfing, so empfängt Birgitta – und wie sie jede Birgittinerin bei der Profeß – durch Christus ein neues Leben. Diese Gleichsetzung wird durch den Gnadenstrahl gemacht, der zuerst auf die Rechte Mariens, dann auf die Rechte Birgittas, an die eben Christus den Ring steckt, fällt. - Als Abschluß der Einkleidung und der Einkleidungsmesse erhält die Eintretende die Birgittenkrone: »Komme herzu vermählte Braut Christi! Empfange die Krone, die der Hers Dir bereitet hat in Ewigkeit« (Regel der hl. Birgitta). Die Krone (s. auch S. 48) spielt in der Mystik der hl. Birgitta eine große Rolle. Christus selbst nannte ihr in einer Vision die Bedeutung: »Auf deinem Haupt sei eine Krone, das ist Keuschheit in deiner Neigung« (Revelationes I, 7). Agnes, die Jungfrau, präsentierte Birgitta in einer anderen Offenbarung eine edelsteinbesetzte Krone. An diese Vision erinnert die Darstellung der hl. Agnes mit der Krone im Fresko unter links. Die Krone dieser Vision wird in Beziehung gesetzt zur Birgittinerinnenkrone, die ein Engel über das Haupt der Heiligen hält.

A1-4 TUGENDEN, VERKÖRPERT DURCH HEILIGE Die vier Nebenbilder zeigen Heilige, die mit Altomünster oder dem Birgittenorden eng verbunden sind. Kombiniert mit den Heiligendarstellungen ist ein Tugenden-Zyklus; dabei sind die drei göttlichen Tugenden Fides, Spes und Caritas klar gekennzeichnet; die vierte Tugend (in A.) ist zu deuten.

A1 AUGUSTINUS Der hl. Augustinus erscheint hier in Bischofstracht, ein Putto hält die Mitra. Vor der Brust des Heiligen sieht man das brennende Herz. Ein Engel neben ihm weist nach oben, wo das Trinitätssymbol mit drei Feuerzungen erscheint und Strahlen auf Augustinus sendet. Das brennende Herz ist als Hinweis auf Caritas zu verstehen.

A2 ALTO Der hl. Alto sitzt auf Wolken und hält den Kelch mit dem Jesuskind in der Hand - Hinweis auf seine Vision (s. S. 34, 38). Neben ihm thront die Personifikation der Spes, eine junge Frau mit Anker, die zum Himmel weist. Rechts sind über einem öden Stück Land Vögel mit Zweigen zu sehen – Hinweise auf das Wunder bei der Rodung des Waldes von Altomünster.

A3 KATHARINA VON SCHWEDEN Die Tochter der hl. Birgitta sitzt in Ordenstracht auf einer Wolke und weist mit der Linken auf eine Fürstenkrone, die neben ihr auf einem Buch liegt. (Birgitta und ihre Tochter waren aus vornehmer Familie und mit dem Königshaus verwandt.) In der Rechten hält sie eine Lilie als Zeichen der Jungfräulichkeit. (Katharina war zwar mit einem schwedischen Edelmann namens Edgard von Kyren verheiratet, bevor sie zu ihrer Mutter nach Rom kam, lebte aber mit ihrem Mann in keuscher Ehe. Sie wurde die erste Äbtissin des birgittinischen Gründungsklosters Vadstena in Schweden.) Neben Katharina sieht man ihr Attribut, die Hirschkuh. - Über ihr in den Wolken thront eine weibliche Gestalt in einem Gewand, das einem Ordenshabit ähnelt, und hält einen Kranz über die Heilige. Da in den übrigen Bildern Tugenden verkörpert sind, muß es sich bei dieser Gestalt ebenfalls um eine Tugend handeln, und zwar um eine für den Orden wichtige. Die Figur hat kein Attribut außer ihrer habitähnlichen Gewandung. Sie kann wohl als Personifikation der spezifischen Ordenstugenden – Armut, Keuschheit, Gehorsam – interpretiert werden.

A4 KATHARINA TATARA Die Tatarenprinzessin Katharina, mit Katharina von Schweden zusammen bei Birgitta von Schweden in Rom und Vertraute und Schülerin der Heiligen, trägt den Ordenshabit der Birgittinerinnen und hält eine Lilie in der Hand. Eine Krone, Zeichen ihrer Prinzessinnenwürde, liegt neben ihr, ebenso wie ein Blumenkorb. Über Katharina in Wolken thront Fides mit Kreuz und Kelch über dem Rundtempel, dem Symbol der Ecclesia.

Die beiden Katharinen erscheinen in diesem Zyklus als die Weggefährten und Vertrauten der hl. Birgitta sowie als seh frühe Vertreterinnen des Ordens. Der hl. Alto vertritt als Gründer von Altomünster die Geschichte der Altomünstere Niederlassung. Die Darstellung des hl. Augustinus erinnert daran, daß die Birgitten-Regel als Ergänzung der Augustinus Regel approbiert wurde.

Tugenden, verkörpert durch Heilige

Quellen und Literatur

BHStA I, KL Altomünster Nr. 29 (Tagebuch eines Konventualen von 1538 mit Geschichte der Gründung des Birgittenklosters Altomünster, beigebunden eine Geschichte der Alto-Gründung); Nr. 30 (»Verzaichnis etlicher Denckhwirdiger Sachen«, Tagebuch 1634–84 aus Altomünster); Nr. 39 (Roteln).

BHStA I, KL 43, Nr. 12 (Schriftwechsel zur Finanzierung des Kirchenbaus).

AEM, PfarrA Altomünster 110 000 101 und 110 300 201. BSB, Clm 2937 (Gebete u. ä. für den Birgitten-Orden, im Anhang Caschichte des Klosters

Archiv des Klosters Altomünster, Ms G 8 (drei Bändchen, Zusammenstellung der Kirchenbaukosten aus den Jahren 1764-69).

Hl. Katharina Tatara mit Fide

Wening, Bd I. S. 31 f.

Schmidtsche Matrikel, Bd 1, S. 240–42; Bd 2, S. 368 f.

(Scheckh, Jakob), Maria-Alto-Münster, sive Templum et Monasterium S. Altonis... in Millesimo per Octiduanam Solemnitatem renovatum ... Freising 1730.

-, Maria-Alto-Münster oder Tausendjähriges Jubel-Fest... in achttägiger Solemnität allda gehalten... München 1731 (Festschriften zur Tausendjahrfeier 1730 mit sämtlichen Festpredigten).

-, Synopsis Saecularis, oder Kurtze Erleuterung der Mißverstandnis zwischen dem Closter Maria Altomünster und dem Marckt allda, Augsburg 1751.

Meidinger, S. 174–76.

Gandershofer, Maurus, Geschichte des Birgittenklosters Altomünster, München 1830.

Binder, Georg, Geschichte der bayerischen Birgittenklöster. II. Teil: Kloster Altomünster, in: Verhandlungen des historischen Vereins der Oberpfalz und Regensburg, Neue Folge 48, 1896, S. 243-348.

Mayer-Westermayer, Bd 3, S. 139–45.

KDBI (OB) 1, S. 190-94

Huber, Michael, Der hl. Alto und seine Klosterstiftung Altomünster, in: Wissenschaftliche Festgabe zum zwölfhundertjährigen Jubiläum des heiligen Korbinian, München 1924.

o.V., Innenrestaurierung der Kirche von Altomünster, in Bayerischer Heimatschutz 25, 1929, S. 157 f. (auch in Bericht des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege 1928/29, S. 19 f.).

Dürscherl, Heinrich und Richard Hoffmann, 1200 Jahre Altomünster, Festschrift zum zwölfhundertjährigen Sank Alto-Jubiläum, München 1930.

Hartig, Bd 2, S. 28–36

Tintelnot, S. 139, 268; Abb. 84, 161

Hartig, Michael, Altomünster (= KKF Nr. 589), München 1953.

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Altomünster, Ein bayerisches Kloster in europäischer Sicht. Ausstellungskatalog, München 1973.

Festschrift Altomünster 1973, hg. von Toni Grad, Aichach 1973.

Lieb, Norbert, Altomünsters Bau- und Raumkunst und ihr birgittinisches Wesen, in: Festschrift Altomünster 1973. 5. 273-300.

Nyberg, Tore, Wolfgang von Sandizell, der Gründer des Birgittenklosters Altomünster, in: Festschrift Altomünster 1973, S. 57-82.

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-, 1250 Jahre Altomünster (730–1980). Gedanken zu einem außergewöhnlichen Jubiläum, in: Amperland 16, 1980, S. 67-71.

Die Wittelsbacher und das Birgittenkloster Altomünster, in Die Wittelsbacher im Aichacher Land. Gedenkschrift der Stadt Aichach und des Landkreises Aichach-Friedberg zu 800-Jahr-Feier des Hauses Wittelsbach (Hg. Toni Grad) Aichach 1980, S. 259–63.

Lieb, Norbert, Johann Michael Fischer. Baumeister und Raumschöpfer im späten Barock Süddeutschlands, Regensburg 1982, S. 194–200.

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Böck, Robert, Wallfahrt im Dachauer Land (= Kulturgeschichte des Dachauer Landes Bd 7, hg. im Auftrag des Museumsvereins Dachau e.V.), Dachau 1991, S. 85–92.

Kaiser, Alfred, Zur Ikonologie der Pfarr- und Klosterkirche von Altomünster, in: Amperland 28, 1992, S. 336-43 395-402.

Johann Michael Fischer 1692-1766. Katalog der Johann Michael-Fischer-Ausstellung 1995 (Hg. Gabriele Dischinger und Franz Peter), Bd 2, Tübingen 1996 (in Druck).

Literatur zu Birgitta von Schweden

BSB, Clm 27177 (»Liber passionum, precationum et orationum S. Birgittae, cum legenda de S. Birgitta«).

»Vita seraphicae matris Birgittae«, Folge von Kupferstichen 1650.

»Revelationes caelestes Seraphicae Matris S. Birgittae Suecae, Sponsae Christi Praeelectae, ordinis Sponsi sui SS. Salvatoris Fundatricis«, mit dem Text der Regel, einer Vita der hl Katharina von Schweden und einem Traktat »De Visionibus Revelationibus et Apparitionibus« von Consalvo Duranti hg. von Simon Hörmann, Confessor Generalis (Prior) vor Altomünster, München 1680.

AASS, Octobris Tom. IV, S. 368-560, mit den Birgitta-Viten des schwedischen Erzbischofs Birger und des Altomünsterer Konventualen Berthold.

Cecchetti, Igino, Brigida di Svezia, in: BiblSS, Bd 3 Sp. 439-530.

Montag, Ulrich, Das Werk der hl. Birgitta von Schweden in oberdeutscher Überlieferung. Texte und Untersuchungen, München 1968.

Nyberg, Tore, Analyse der Klosterregel der hl. Birgitta, in: Festschrift Altomünster 1973, S. 21–34.

Andersson, Aron, Die heilige Birgitta in ihren Offenbarungen und Botschaften, Köln 1981.

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EGENBURG