Aising, Filialkirche St. Stephanus


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 12, Teil 1: Stadt und Landkreis Rosenheim. Hirmer, München 2006, ISBN 978-3-7774-3355-4, S. 17–18, geschrieben von Bauer-Wild, Anna. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Filialkirche der großen Pfarrei Pang, Stadt Rosenheim, Erzdiözese München und Freising; z.Z. der Ausmalung war die Pfarrei Pang der Kollegiatstiftskirche U.L.F. in München inkorporiert. An der Kirche Aising bestand seit der Mitte des 17. Jh. eine besondere Verehrung der Heiligen Vierzehn Nothelfer, gefördert vom örtlichen Pfarrer Kaspar Waldherr. Die Wallfahrt erreichte aber nur lokale Bedeutung und ist seit ca. 1800 erloschen. Gericht Aibling

Patrozinium: St. Stephanus

Zum Bauwerk: Die Kirche, erstmals erwähnt 1315, wurde Ende 15. Jh. unter Verwendung romanischer Baureste in der Nordmauer neu erbaut. Mitte des 17. Jh. Renovierung und Neueinrichtung in Zusammenhang mit der Wallfahrt zu den Vierzehn Nothelfern: 1645 neuer Nothelferaltar, gestiftet von Pfarrer Kaspar Waldherr; 1652 neuer Isidor- bzw. Josephsaltar und Kanzel; 1669 Bemalung der Empore durch den Rosenheimer Maler Caspar Seidl; 1684 Neuweihe. An baulichen Veränderungen des 18. Jh. sind zu nennen 1745 der Bau einer größeren Vorhalle mit Veränderung der Fassade, 1755 das Legen eines neuen Pflasters und 1784 der Wiederaufbau des Turms nach Blitzschlag in veränderter Form. 1788 wurde ein neuer Kreuzweg gestiftet, gemalt von dem Aiblinger Maler Johann Baptist Böham; 1790/91 neues Kirchen- und Chorgestühl. 1792 wurden durch den Maurermeister Johann Recheis zwei neue Fenster im N ausgebrochen und das Fenster im Chorhaupt zugemauert: Mit diesen Veränderungen dürfte die Freskierung der Kirche (und das Abnehmen der Rippen wenigstens im Chor) zusammenhängen. Regotisierung 1861 mit Anbringen neogotischer Rippen und neogotischer Ausstattung.

Langhaus zu drei Jochen, Empore im W, Belichtung durch hohe Spitzbogenfenster. Nicht eingezogener AR zu zwei Jochen mit dreiseitigem Schluß, Belichtung von S und in den Seiten des Schlusses.

Auftraggeber: Pfarrer von Pang war zur vermutlichen Ausmalungszeit Johann Georg Habermayr (1787–1804). Private Spender sind anzunehmen.

Autor und Entstehungszeit: Zuweisung an Johann Baptist Böham (* 1752 Westerndorf bei Zinneberg/Glonn † 1838 Aibling) wohl 1792.

Die Ausmalung von Aising dürfte in zeitlichem Zusammenhang stehen mit der 1788 datierten und signierten Ausmalung der nahegelegenen Kirche Pfraundorf durch Böham (Pfraundorf war wie Aising Filiale von Pang), dergestalt, daß die Ausmalung von Pfraundorf den Wunsch nach der Freskierung der eigenen Kirche weckte, der Kreuzweg Böhams für Aising 1788 das Vertrauen in seine Fähigkeiten stärkte und endlich die nötigen Veränderungen im Kirchenraum 1792 Gelegenheit für eine Freskierung gaben.

Mit den signierten Deckenbildern von Jakob Böham in Ellmosen 1790 (S. 124f.) ist das Deckenbild in Aising gut vergleichbar. Sie alle zeigen ähnliche Landschaftsschauplätze mit dem für Böham charakteristischen leicht gewellten Wiesengrund, den büschelig mit Laub bewachsenen Bäumen und dem gleichmäßig zartblauen Himmelsgrund. Bei den Figuren sind die Übereinstimmungen schlagend, die Figuren der Berittenen in Aising und in Fresko A in Ellmosen sind so offensichtlich von der gleichen Hand, daß kein Zweifel an der Autorschaft Johann Baptist Böhams in Aising besteht.

Befund

Träger der Deckenmalerei: Gotisches Gewölbe, dessen Rippen für die Freskierung abgeschlagen, im 19. Jh. aber wieder angebracht wurden.

Rahmen: Gemalter ockerfarbener Leistenrahmen

Technik: Fresko; polychrom

Maße: Höhe 8,30 m; 3,60 x 2,90

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Die Innenrestaurierung 1861 »interpretierte den Raum einheitlich im Sinne de Neugotik«. Damals wurden im Gewölbe neugotische Rippen eingezogen. Gotisierende farbige Fassung des Raums und Ausmalung durch Matthias Brandner, Bad Reichenhall; neogotische Einrichtung. Innenrestaurierung mit Neufassung des Raums 1933 durch Georg Hilz, Bad Aibling, der »wesentliche Elemente der neogotischen Ausstattung entfernte«: Die Einrichtung mit drei Altären und Kanzel wurde reduziert, der Hochaltar von 1861 blieb erhalten. »Veränderungen am Innen- und Aussenbau brachten verschiedene Renovierungsmaßnahmen in den 50er Jahren unseres Jahrhunderts« (BLfD, Gutachten vom 8.11.1989). In dieser Zeit wurde auch das barocke Deckenbild freigelegt (KKF 1957 kennt das Deckenbild noch nicht, auf einem Photo in 21970 ist es bereits sichtbar), die neogotischen Rippen darüber aber beibehalten. Seit 1989 plante man eine erneute Innenrestaurierung: 1990 machte Kirchenmaler Rudolf Rehrl aus Freilassing Freilegungsproben. Anschließend wurde der Raum neu getönt; das Deckenbild wurde unter den Rippen belassen.

 
Martyrium des hl. Stephanus (Johann Baptist Böham 1792)

Beschreibung und Ikonographie

MARTYRIUM DES HL. STEPHANUS Auf einem weiten Wiesenplan, der sich nach hinten bis zu einer turmbewehrten Stadt erstreckt, kniet in der Mitte die jugendliche Gestalt des hl. Stephanus in langem weißen Gewand (Albe), mit ausgebreiteten Händen. Drei Henkersknechte dringen auf ihn ein und werfen große Steine auf ihn, ein bärtiger Mann sammelt weitere Steine, die auf der Wiese liegen. Rechts sind zwei berittene römische Soldaten zu sehen, links mehrere Zuschauer. Im Himmel erscheint auf Wolken die Dreifaltigkeit, Gottvater mit Zepter und Weltkugel, Christus mit dem Kreuz und darüber schwebend die Taube des Heiligen Geistes. In den Wolken sind Engel und Engelsköpfchen zu sehen; ein kleiner Engel hält die Märtyrerpalme für Stephanus.

Quellen und Literatur

AEM, Pfarrakten Pang, Pfarrbeschreibung; Bauten II: Restaurierung 1933; Filiale Aising 1649–1921: Wallfahrt zu den Vierzehn Nothelfern, Nothelferaltar 1645. AEM, Kunsttopographie der Erzdiözese, Dekanat 34/Rosenheim, Pfarrei Pang, Filiale St. Stephanus 41.13.2. (Dieter Gerhard Morsch 2001). BLfD, Akt Aising, Filialkirche St. Stephan. Schmidtsche Matrikel Bd 2, S. 77–82. Mayer-Westermayer Bd 2, S. 769, 773. KDB I OB (2), S. 1570. Bomhard Bd 1, S. 109–11, 398, 448. Historischer Atlas I, Bd 17, Landgericht Aibling und Reichsgrafschaft Hohenwaldeck (Franz Andrelang), München 1967, S. 134 f. Dehio 1990, S. 6. Bomhard, Peter von, und Sigmund Benker, Kirche St. Johann Baptist – Heilig Kreuz Westerndorf am Wasen (= KKF Nr. 667), München-Zürich 1991, S. 16–18.