Vorwort (Band 12-I)
Der heutige Landkreis Rosenheim wurde bei der Gebietsreform 1972 bedeutend vergrößert, indem ihm weite Teile der ehemaligen Landkreise Aibling und Wasserburg zugeschlagen wurden. Wegen seines Umfangs muß der vorliegende Band in zwei Teilen ediert werden, und zwar in alphabetischer Aufteilung: Teil I Aising bis Hohenaschau, Teil II Jakobsberg bis Windhag.
Von seiner historischen Struktur her stellt das Gebiet ein sehr komplexes Gebilde dar: Der heutige Landkreis umfaßt die ehemals kurbayerischen Gerichte Rosenheim und Auerburg, große Teile der Gerichte Aibling, Wasserburg und Kling sowie Grenzgebiete des Gerichts Schwaben und der Grafschaft Haag. Bestimmend waren die Herrschaftsgebiete der Grafen von Preysing-Hohenaschau, zu denen gegen Ende des 18. Jh. außer Hohenaschau auch Wildenwart mit Söllhuben, Neubeuern, die Herrschaft Falkenstein, die Hofmarken Brannenburg und Holzhausen - um nur die wichtigsten zu nennen - gehörten.
Den vielfachen historischen Zugehörigkeiten entsprach auch die geistliche Organisation: Das Bistum Freising und das Erzbistum Salzburg waren durch den Inn geschieden, das Kurfürstentum Bayern erstreckte sich aber auch über den Salzburger Bereich. Bei Baugenehmigungen war man also nicht nur abhängig vom Geistlichen Rat in Salzburg, sondern auch vom Kurfürstlichen Geistlichen Rat in München. Außerdem lag innerhalb des Salzburgischen Gebiets das kleine Suffraganbistum Chiemsee mit der Stiftskirche auf der Insel Herrenchiemsee als Dom. Zusätzlich war das Augustiner-Chorherrenstift Herrenchiemsee Sitz eines Archidiakonats mit dem Propst als Archidiaconus natus«. Die Aufgaben und Rechte von Chiemseebischof und Archidiakon waren zwar organisatorisch klar geschieden, praktisch kam es aber immer wieder zu Reibereien. Und wenn sich der weltliche Herrschaftsinhaber noch in ein Kirchenbau-Vorhaben auf seinem Gebiet einmischte, konnte es zu endlosen Differenzen kommen.
Das Land mit dem Chiemgau als Zentrum, mit seinen alten Städten und Märkten, dem großen Strom, den schnellfließenden Gebirgsflüssen, den vielen Seen, seinen Mooren und Wäldern, vor allem mit dem weiten Chiemsee und den Chiemsee-Inseln ist von großer Schönheit. Hans Sedlmayr nannte es »Weltlandschaft«. Es erstreckt sich von der sanften Hügellandschaft südlich von München bis ins Hochgebirge an der Tiroler Grenze in einer überwältigenden Variationsbreite – von reichem Bauernland bis zu abgelegenen Einödhöfen.
Dieser Vielfalt in geistlicher, weltlicher und wirtschaftlicher Hinsicht entspricht die Reichhaltigkeit in der Kunst. Zu einem Zentrum der frühen barocken Deckenmalerei vor und um 1700 entwickelte sich der Chiemgau durch das Augustiner-Chorherrenstift Herrenchiemsee und die Herrschaft Hohenaschau der Grafen von Preysing: Die beiden Tiroler Maler Jacob Carnutsch und Joseph Eder malten die Stiftskirche in Herrenchiemsee mit einem interessanten Augustinus-Zyklus aus, schmückten die Kapelle in Schloß Hohenaschau mit Fresken und Zimmerfluchten mit Ölgemälden, desgleichen den Nonnenchor des Dominikanerinnenklosters Altenhohenau und arbeiteten in Schloß Wildenwart. Wie Carnutsch und Eder traten die in ihrer Bedeutung erst neuerdings erkannten Münchner Maler Benedikt Albrecht und Johann Eustach Kendlbacher als Künstlerpaar auf; sie schmückten 1713 in Herrenchiemsee Decken und Wände von Fürstensaal und Fürstenzimmer im ehemaligen Konventbau.
Johann Baptist Zimmermann, auf dessen Frühzeit durch sein Arbeiten in Isen und St. Wolfgang neues Licht fiel, tritt in Schloß Maxlrain als junger Maler in den Jahren vor seiner Übersiedlung nach Freising 1715 auf. 1730 schuf er in der Augustiner-Klosterkirche Beyharting sein erstes jochübergreifendes Fresko, 1738 in Prien mit der Seeschlacht von Lepanto sein größtes Gewölbefresko überhaupt. Zwei weitere Werke hinterließ Zimmermann aus seinen letzten Jahren, als seine Werkstatt schon großen Anteil an der Ausführung hatte: die Ausstattungen der Pfarrkirchen in Bad Aibling und in Berbling, wo der 76jährige für das wunderbare Chorfresko 1756 selbst aufs Gerüst stieg, um die Figuren von Kaiserin Helena und den Bischof Makarios zu malen (siehe Schutzumschlag). Höhepunkt des Bandes und eine der Glanzleistungen im Schaffen des Malers sind die drei Kuppelfresken der Benediktiner-Abteikirche Rott am Inn von Matthäus Günther 1763; Günther wurde etwa gleichzeitig auch noch mit dem Chorfresko in Altenhohenau beauftragt.
Die relative Nähe zu München hatte zur Folge, daß man neben berühmten Malern häufig auch in München ansässige Maler verpflichtete wie Johann Zick, Johann Michael Hartwagner, Franz Xaver Lamp oder Joseph Anton Schütz; aus Tirol kam Joseph Adam Mölk. Unter den gerichtsansässigen Malern sind Joseph Anton Höttinger aus Rosenheim und Johann Georg Gaill aus Aibling zu nennen: das umfangreiche Werk des Freskanten Gaill ist, nachdem seine Deckenbilder im Landkreis Miesbach und im Landkreis München bereits publiziert sind, mit den in diesem Band veröffentlichten Werken vollständig vorgestellt. Von Höttinger könnten noch Werke zum Vorschein kommen, etwa die übermalten Deckenbilder in Lauterbach. Die Priener Freskanten Joseph und Franz Xaver d.J. Tiefenbrunner wurden in den letzten Jahrzehnten vom Priener Heimatmuseum bekannt gemacht. Dem in Frauenchiemsee ansässigen Balthasar Furtner konnten aufgrund der signierten Deckenbilder in der Maria-Mitleid-Kapelle in Frauenchiemsee vier weitere Ausmalungen zugewiesen werden. Der Oberaudorfer Maler und Hauslwirt Peter Troger malte in abgelegenen Kapellen monumentale Deckenmalereien miniature, so in Schweinsteig, wo er eine Kuppel von nur 3 Meter Durchmesser ausmalte.
Mehr als in anderen Gegenden hielt man im Alpenvorland und im Gebirge selbst auch noch um 1800 an der barocken Deckenmalerei fest. Thomas Christian Wink schuf 1791/92 in Albaching ein großes, ernstes, vom Klassizismus geprägtes Alterswerk. 1798 entstand in der Wallfahrtskirche Lippertsried ein Marienzyklus von der Hand des Münchner Malers Joseph Hauber, ein Werk, das klassizistische Nüchternheit in den Bildgedanken mit der malerischen Anmut des Rokoko verbindet. Der Bergbauernsohn Sebastian Rechenauer (†1835) malte weit über die Jahrhundertwende hinaus barocke Fresken, ebenso wie der Aiblinger Johann Baptist Böham (†1838) oder der Tiroler Maler Sebastian Anton Defregger († 1853). An besonders interessanten ikonologischen Programmen sind neben der Stiftskirche in Herrenchiemsee der lauratanische Zyklus in der dortigen Marienkirche zu nennen, der Dominikanerhimmel in Altenhohenau, die Defensorium-Darstellungen in Weihenlinden und Zimmermanns Schlacht von Lepanto in Prien. Hervorzuheben wegen seiner umfassenden Marien-Ikonologie ist der Freskenzyklus in der Frauenkirche in Wasserburg von dem ortsansässigen Maler Johann Paul Kurz, genial in der Umsetzung eines literarischen Programms das Theatrum honoris des Benediktinerordens in der großen Kuppel von Rott am Inn.
DANK
Bei unserer Arbeit haben wir von vielen Seiten Unterstützung bekommen. Wir danken den Mitarbeitern des Bayerischen Hauptstaatsarchivs und des Staatsarchivs München sowie der Handschriftenabteilung der Bayerischen Staatsbibliothek. Im Archiv der Erzdiözese München und Freising erfuhren wir wie immer freundliche Hilfe und nie nachlassende Bereitwilligkeit durch Dr. Peter Pfister und seine Mitarbeiter. Hier wurde uns auch der Nachlaß Peter von Bomhards zur Verfügung gestellt, der zu den Orten, die vor der Landkreisreform 1972 noch nicht im Landkreis Rosenheim lagen und deshalb in Bomhards großem Werk Die Kunstdenkmäler des Landkreises Rosenheim nicht publiziert sind, wertvolle Ergänzungen und bereits ausgearbeitete Künstlerverzeichnisse enthält sowie ausführliche Exzerpte aus Kirchenrechnungen und Akten der Pfarrarchive. Im Kunstreferat der Erzdiözese gewährte man uns bereitwillig Einsicht in die Quellen-Dokumentationen von Stefan Nadler und Maria Hildebrand, wofür wir Dr. Norbert Jocher und seinen Mitarbeitern herzlich danken, ebenso wie Dr. Adolf Hahnl vom Archiv der Abtei St. Peter in Salzburg für die Einsicht in Roteln. Wir danken Matthias Haupt vom Stadtarchiv Wasserburg für die Einsicht in Kirchenrechnungen und Ratsprotokolle und dem Stadtarchiv Bad Aibling für die Vorlage der einschlägigen Akten. Ganz herzlich danken wir allen Pfarrern, die uns freundlich Zugang zu ihren Archiven gaben.
Dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege sind wir für die großzügige Gewährung der Akteneinsicht sehr verbunden und danken Frau Angelika Reichenberger und Frau Christine Koslowski für die damit verbundene Mühe und ihre nie versagende Bereitwilligkeit und Freundlichkeit.
An Ort und Stelle waren es vor allem die Pfarrer, die sich für unsere Arbeiten interessierten und uns Auskünfte jeder Art gaben. Ihnen sowie den Heimatpflegern, den Referenten des Landesamts wollen wir an dieser Stelle herzlich Dank sagen. Dankenswerterweise haben wir durch die persönliche Initiative von Finanzminister Dr. Kurt Faltlhauser und Wissenschafts- und Kunstminister Dr. Thomas Goppel die photographischen Aufnahmen für Herrenchiemsee unentgeltlich erhalten. Ausdrücklich und persönlich danken wir den Damen und Herren der Schlösserverwaltung Herrenchiemsee und der Verwaltung Schloß Hohenaschau für ihre Hilfsbereitschaft. Die Restauratoren Helmut Zernickel und Rainer Neubauer und Mitarbeiter gaben uns wertvolle Auskünfte und Erklärungen bei den Restaurierungen in Rott am Inn und in Beyharting.
Die Aufnahme eines Objekts, das Photographieren, das Ausmessen, das allfällige Nachprüfen der fertigen Texte an Ort und Stelle ist für die jeweiligen Kirchenpfleger, Mesner und Mesnerinnen oft mit Mühe verbunden: an dieser Stelle wollen wir uns bedanken für jede Bereitwilligkeit, uns auch bei Winterkälte oder Regensturm ihre Kirche aufzusperren, Sachen beiseite zu rücken, um das Photographieren zu ermöglichen, und uns Auskünfte zu geben.
Frau Dr. Gabriele Dischinger hat mit ihrer Begeisterungsfähigkeit, mit Rat und Hilfe die Fertigstellung des Bandes begleitet bis zur letzten Umbruchkorrektur. Aus ganzem Herzen danken wir Herrn Prälat Dr. Sigmund Benker für seine große Freundlichkeit, die Mühe und die Geduld, mit der er unsere Manuskripte auf mögliche historische und theologische Fehler hin durchgesehen hat.
Unser Unternehmen wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft getragen. Wir möchten allen Damen und Herren, die mit unserer Sache befaßt sind, danken für ihre Geduld und ihr Verständnis, für manche Anregung und Kritik.
Dem Hirmer Verlag und Herrn Albert Hirmer selbst sind wir zu großem Dank für die verlegerische Betreuung verpflichtet. Frau Katja Durchholz hat mit der Herstellung dieses Doppelbandes zum fünften Mal fachliches Können, künstlerisches Geschick und großen persönlichen Einsatz gezeigt.
Das Zustandekommen dieses Bandes war nur möglich durch das großzügige Entgegenkommen von Herrn Landrat Dr. Max Gimple und die finanzielle Unterstützung der Umwelt-, Kultur- und Sozialstiftung im Landkreis Rosenheim sowie der Sparkasse Rosenheim-Bad Aibling, die spontan mit ihren großzügigen Spende die Drucklegung ermöglichten. Herrn Ludwig Weinberger, Rosenheim, danken wir sehr herzlich für die Betreuung des Projekts mit Rat und Tat und für seine hilfreiche Vermittlung.
Frank Büttner und Bernhard Rupprecht