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Wimpasing bei Malseneck, Feldkapelle

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 8: Landkreis Mühldorf am Inn. Hirmer, München 2002, ISBN 978-3-7774-9430-2, S. 299–301, geschrieben von Böhm, Cordula. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Feldkapelle, Pfarrei Ensdorf (Pfarrverband Kraiburg), Markt Kraiburg, Erzdiözese München und Freising; z. Z. der Ausmalung Pfarrei Ensdorf, Erzdiözese Salzburg. Die Kapelle gehörte früher zu einem der beiden Wimpasinger Höfe, von denen einer zum Gericht Kraiburg gehörte, der andere zur Hofmark Guttenburg. Sie ist jetzt in kirchlichem Besitz. Gericht Kraiburg

Zum Bauwerk: Barocker Neubau von ca. 1788; als Baumeister kann der seit 1776 in Kraiburg ansässige Simon Millinger angenommen werden. Quadratischer Raum (2,30×2,40 m) mit Apsisnische (0,90×2,10m). Belichtung von N und S durch Rundbogenfenster, Eingang von O. Gewestet.

Auftraggeber: Als Auftraggeber kommt der Besitzer des Hofes in Frage, zu dem die Kapelle gehörte.

Autor und Entstehungszeit: Johann Evangelist Mang (* 1757 Buchbach † 1816 Dorfen) 1788. Signatur in A J. Mang binzit / Buchbach 1788

Johann Evangelist Mang wurde am 25.12.1757 als ältester Sohn des Buchbacher Malers Balthasar Mang und dessen zweiter Ehefrau Maria Anna Ludwig geboren. Des Vaters Werkstatt übernahm der zweitgeborene Sohn Balthasar d.J., während Johann Evangelist am 27.11.1798 in Dorfen Elisabeth Eder heiratete und sich dort als Maler niederließ, wo er am 25.7.1816 starb. In der Marktkirche in Dorfen (LKr. Erding, CBD Bd 7, S. 96) haben wir eine weitere signierte und 1799 datierte Freskierung von Johann Evangelist Mangs Hand.

Die Armeseelen-Eisentafel am Altarblock der Kapelle stammt wohl auch von Mang.

Befund

Träger der Deckenmalerei: A Hängekuppel, B Apsisnische Rahmen: A Stuckprofil, 1-4 Zwickelkartuschen, deren oberer Rand aus Stuck ist, B ohne Rahmung T' 1 '1 T 1 1 1

recining. I resko, poryentom Masse: A Höhe 2,80m; Ø 1,80

I-4 I,00 x 0,80

AR Höhe 2,10m; Breite 2,10

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Restaurierung, d.h. Übermalung der Freskierung in Seccofarben 1880 durch den Maler Heinrich Dagn (Signatur in A H. Dagn v. Kraiburg ren. 1880). Die Farbe ist teilweise durch Nässe ausgelaufen und hat Streifen an der Wand hinterlassen. Deutlich sichtbare Übermalungen in nazarenischem Stil auf den Gesichtern der vier Heiligen (1–4) und im Gesicht des hl. Isidor (A). Original von Mang erhalten sind die Madonna und die Figur der hl. Notburga in Fresko A.

Geburt Johannes des Täufers

Die Kapelle ist in schlechtem Zustand; die Farben blättern ab. Unter den Abblätterungen ist eine gemalte Ornamentierung zu erkennen, die vergleichbar der Bemalung der Aukapelle in Kraiburg Fensterumrahmungen in zopfigen Ranken zeigt. In A rechts ein zementgekitteter Riß am Fuß der Burg, schon wieder gesprengt, aber ohne eingefärbt worden zu sein. Zahlreiche größere und kleinere Risse und ausgebrochene Stuckteile. Abgeriebene Seccofarbigkeit z.B. Gras, Ähren, Binnenzeichnung. Die Kapelle wurde 2001 baulich konserviert; Restaurierung in Vorbereitung.

Beschreibung und Ikonographie

A DIE BAUERNPATRONE ISIDOR UND NOTBURGA Das Fresko zeigt über einer Landschaft eine von dunklen Wolken umgebene Glorie, in der Maria als Himmelskönigin erscheint, den Jesusknaben auf dem Schoß. Unten kniet in bäuerlicher Landschaft links Isidor von Madrid betend vor einer Kapelle. Hut und Dreschflegel hat er neben sich gelegt. Im Hintergrund ackert ein Engel. Auf der rechten Bildseite ist Notburga von Rattenberg als Dienstmagd darge- stellt, ein Brot in der Hand, die Sichel hochgehoben. Hinter ihr ist auf steilem Berg die Burg von Rattenberg zu sehen. Den Horizont begrenzen die Alpen, hinter denen die Sonne untergeht.

Nach der Legende war Isidors Herr erzürnt, als er erfuhr, Isidor pflege während der Arbeit zu beten. Als er aufs Feld ging, um ihn zur Rede zu stellen, fand er ihn betend, während ein Engel an seiner Stelle pflügte. Notburga beendete ihre Feldarbeit stets mit dem Angelusläuten und betete. Zur Rede gestellt, hängte sie ihre Sichel in der Luft auf.

4 Sebastian

Das Fresko ist eine gefällige Malerei in votivbildhaftem Stil. Die Farben sind bunt und leuchtend; durch Einfassen von Grau und Weißaufhellungen kommen sie betont zur Geltung

1–4 HEILIGE In den Zwickeln der Hängekuppel sind vier Heilige dargestellt: Dreiviertelfiguren vor tiefblauem Wolkengrund. Die Zusammenstellung der Heiligen bezieht sich vermutlich auf Namenspatronate der Besitzer.

B Apsisnische Imitierter Altar mit Doppelsäulen und vergoldeten Kapitellen, in dessen flacher Wandnische zwei anbetende Engel auf Wolken knien. Um ihn breitet sich ein scharlachroter Vorhang mit goldenen Fransen. In der Mitte schwebt in einer Wolke die Dreifaltigkeit, die eine Krone bereithält. Die Darstellung ist auf eine (nicht mehr vorhandene) Marienfigur bezogen.

Quellen und Literatur

AEM, Pfarrei Dorfen, Tauf-, Heirats- und Sterbebücher. Spagl, Hans Rudolf, Balthasar Mang und seine Malerwerkstatt in Buchbach, in: Das Mühlrad 19, 1977, S. 101 f. Historischer Atlas Bd 36, Mühldorf (Helmut Stahleder), München 1976, S. 640. Dehio 1990, S. 349.