Wörth, Filialkirche St. Georg
Filialkirche, Pfarrei Buchbach, Gemeinde Schwindegg, Erzdiözese München und Freising; z.Z. der Ausmalung Erzdiözese Salzburg, Archidiakonat Gars. Wörth war Hofmark im Besitz der Freiherren von Mändl (seit 1655 mit der Hofmark Steeg vereinigt). Gericht Neumarkt
Patrozinium: St. Georg

Zum Bauwerk: Spätgotischer Umbau eines schon bestehenden Vorgängerbaus im frühen 16. Jh., 1518 Weihe. Reste von freskierten Heiligendarstellungen in Höhe der ursprünglich flachen Decke auf dem Dachboden sind im Wandbereich noch teilweise erhalten. 1768 unbedeutender barocker Umbau mit Innenausstattung. Baumeister war wahrscheinlich Anton Hechel aus Neuötting, der wenige Jahre vorher mit Johann Michael Millinger aus Kraiburg um die Bauausführung in Buchbach konkurriert hatte. In den Kirchenrechnungen sind
1764 Bauausgaben um 161 fl. und 1768 um 231 fl. verzeichnet. Regotisierung 1878, Neubarockisierung 1912.
LHs Saalbau (10,10×6,20m) zu drei Jochen, etwas breiterer AR (6,65 × 6,85 m) zu zwei Jochen, dreiseitig geschlossen. Im LHs Gliederung durch flache Pilaster mit Vorlagen und reich profiliertem Gebälk, im AR Pfeiler mit Pilastervorlagen, im Altarbereich gekurvt und mit doppeltem Gebälkabschluß. Belichtung im LHs durch Spitzbogenfenster von N und S, im westlichen Joch auf der Empore durch Oculi, im AR durch drei Fenster von N und zwei von S (das westliche entfällt durch den Sakristeianbau). Doppelempore im W.
Auftraggeber: Johann Franz Freiherr von Mändl von und zu Deutenhofen auf Hubenstein (1760-73); Doppelwappen der Mändl und Frauenhofen am Chorbogen (1912 gemalt). Amtierender Pfarrer war Matthias Spöcker von Buchbach (1763-74). Sowohl der Baron als auch der Pfarrer hatten Balthasar Mang in den Jahren zuvor beschäftigt. Hofmarksverwalter war Johann Thomas Härtl (1765–73).
Autor und Entstehungszeit: Balthasar Mang (* 1720 Arge †1803 Buchbach, s.S. 348 f.). Signatur in A: Balthasar Mang Pinxit 1768.
Mang war Maler in Buchbach und hatte unmittelbar zuvor, 1766/67, die Pfarrkirchen von Buchbach und Oberornau (S. 64 ff. und 209 ff.) freskiert.
Zeichnung
Der hl. Georg vor dem Kaiser, Entwurfszeichnung zum LHs Fresko A. Pinsel und Feder graubraun laviert, rot quadriert mit Maßangaben, 30,7 × 20 cm, auf dem verso signiert Balthasar Mang Pinxit 1768, AEM Plansammlung, Konvolut Balthasar Mang.
Befund
Träger der Deckenmalerei: LHs (A) Spitztonne mit Stichkappen, AR (B) flache Tonne, im O abgemuldet (verschliffene gotische Kreuzgewölbe)


Rahmen: A und B Stuckprofil in Weiß und Ocker. Technik: Fresko; polychrom. Maße: A Höhe 8,40 m; 5,70 × 2,80. B Höhe 7,70 m; 3,70 × 2,25. Erhaltungszustand und Restaurierungen: Restaurierungsschriften bei der Signatur Mangs in A: H: Dang [= Dagn] Renovirt / 18:19. (= 1879?) - Uebermalt 1898 Ziehrer. - FREI- GELEGT. RESTAVR. 1977 / FRITZ G.[öttler] K.[arl] HOL[zner] u. IRENE A.[nderka] (= Mitarbeiter Holzners). 1878/79 Regotisierung des Innenraums mit neoromanischer Ausstattung. Die Deckenbilder wurden von Heinrich Dagn aus Buchbach übermalt. Das neuromanische Fresko A zeigte

Christus in einem langen Mantel, wie er den Ritter Georg krönt (Foto im Archiv Georg Hager, Oberneukirchen, Foto des Kirchenraums in diesem Zustand in StAM, LRA 51620). Baureparaturen 1908. Bei der Restaurierung 1911/12 wurde die »gegenwärtige unpassende Bemalung des Innern« zusammen mit der historistischen Ausstattung entfernt und »eine einfache architektonische entsprechende Ausmalung im Sinn des Kostenvoranschlags von Ludwig Ametsberger« sowie ein neuer Hochaltar mit einer Darstellung des hl. Georg von Hans Kögl, München-Pasing, in Auftrag gegeben (AEM und BLfD). Wände und Gewölbe, offenbar auch die Deckenbilder Dagns wurden weiß getüncht. Der gedrückte Chorbogen wurde durch einen weiteren ersetzt und mit einem Wappen der Freiherren von Mändl geschmückt. 1918 Ausmalung durch Kirchenmaler Hitzl.
1977 Freilegung und Restaurierung der barocken Fresken durch Karl Holzner, Ampfing. Die Abnahme der zweimaligen Übermalung mit Zahnbürsten und Skalpellen gestaltete sich schwierig. Die Fresken Mangs wirken original, sie sind technisch in gutem Zustand. In A gekittete Längsrisse, in A und B retuschierte Wasserflecken, im ganzen gut erhalten.
Beschreibung und Ikonographie
A DER HL. GEORG VOR KAISER DIOKLETIAN Der Schauplatz ist im Freien, wo die Achse von der Figur des hl. Georg markiert wird. Links über Treppenstufen der Thronaufbau mit Baldachin, wo der Kaiser sitzt, rechts zwischen Laubbäumen die fast lebensgroße schlanke Statue der Diana auf einem Sockel. Der hl. Georg in Feldherrenkleidung hat Mantel und Helm vor der Statue abgelegt, weigert sich aber mit einer abweisenden Gebärde, der Götzenstatue zu huldigen, wozu er vom Kaiser mit ausgestrecktem Zepter aufgefordert worden ist. Von links kommen Soldaten, ein Scherge ergreift den hl. Georg am Bein, um ihm den Stiefel auszuziehen, d. h. ihn seines Ranges zu entkleiden und ihn gefangenzunehmen. In einer Wolkengloriole schwebt ein Putto, der die Martyrerattribute, Palmzweig und Lorbeerkranz, bereithält. Zur Vita des hl. Georg siehe Thambach, S. 269–272, und Weilkirchen, S. 290–293.
Das Fresko ist die genaue Ausführung der Entwurfszeichnung. Geringfügige Abweichungen betreffen die Gebärdensprache, im Fresko sind Aufforderung des Kaisers und Widerspruch des Heiligen durch Blickkontakt ausgedrückt und durch die heftigen Gebärden verstärkt; im Entwurf blicken dagegen der Kaiser und der hl. Georg zu Boden bzw. auf den Schuh, der dem Heiligen ausgezogen wird.
B ANBETUNG DER HEILIGSTEN DREIFALTIGKEIT In einer Lichtgloriole erscheint das Trinitätssymbol mit dem Auge Gottes und dem Jahwe-Zeichen, umgeben in den drei Ausbuchtungen von schwebenden Puttoköpfchen. Zwei kniende Putten auf einer Wolke verneigen sich tief. Die Darstellung bezieht sich auf das Allerheiligste am Altar.
Quellen und Literatur
StAM, LRA 51620: Restaurierung 1911/12
AEM, Pfarrakten Buchbach 150 8532 01: Filiale Wörth 1912-1918 (Restaurierung 1911/12); 150 8561 01: Die St. Sebastiansbruderschaft in Wörth.
Pfarrarchiv Buchbach, Summarischer Extrakt über alle Einnahm und Ausgab des Würdtigen Filial Gottshaus Wöhrt Pfarr Buechbach, Rentamts Landshuet, Landgericht Neumarkt, Jahrgänge 1735-50, 1764-74, 1809. DI ID Al- W" -1 V' 1 C. C
Wening, Rentamt Landshut, München 1723, S. 61. KDRIOR(2) S 2202 f
Mayer-Westermayer Bd 2 S 558 562
Hofmann, Sigfrid, Die Kirchen der Pfarrei Buchbach, Beiträge zur Bau- und Kunstgeschichte aus den Kirchenrechnungen des 17. und 18. Jh. (= Wissenschaftliche Veröffentlichungen des Heimatpflegers von Oberbayern, Reihe A, Heft 10), Schongau 1956 (Ms.), S. 33.
Historischer Atlas Bd 36, Mühldorf (Helmuth Stahleder), München 1976, S. 191.
Steinberger, Otto, Die Filialkirche St. Georg in Wörth, in: 1200 Jahre Buchbach (Hg. Marktgemeinde Buchbach), Buchbach 1988, S. 103-09.
Wallner, Max, Rittergut Steeg von 1203–1849, in: 1200 Jahre Buchbach, S. 154–64.
Brenninger, Georg, Kirchen der Pfarrei Buchbach (KKF Nr. 1741), 1989, S. 18f. Dehio 1000 S 1204
C.B.