Wessobrunn, Gasthaus zur Post
Gasthaus zur Post. Deckenbilder aus dem ehem. Theater saal des Klosters
Zum Bauwerk: Die Deckenbilder befanden sich ursprünglich in einem rechteckigen Saal im W-Flügel des ehem. Gästetrakts des Klosters. Im 19. Jh. wurden sie in den oberen Saal des Gasthauses zur Post in Wessobrunn übertragen
Auftraggeber: Abt Leonhard Weiß von Wessobrunn (1671–96)
Autor und Entstehungszeit: Nach Coelestin Leutner, dem Wessobrunner Historiographen, war bis zu seinem Tod 1693 Pater Joseph Zäch als Maler im Kloster beschäftigt. Im Vestibulum Historiae Vilgertshovensis schreibt C. Leutner: »Picturis Ecclesiam (= Vilgertshofen) novam exornavit P. Josephus Zäch, Salisburgensis patria, sed Professione Wessofontanus: is, qui et in Monasterio Splendidum Christi Domini Sepulchrum in Parasceve erigi solitum, et magnificum Theatrum ad imitationem celeberrimi illius Academicj Theatri, quod Salisburgi visitur, magna arte depinxit.« Nun sind von den Deckenbildern in Vilgertshofen (s. LKr. Landsberg am Lech) nur wenige kleinformatige Fresken in zum Teil schlechtem Zustand erhalten. Auch die unterschiedliche Technik – Fresko in Vilgertshofen, Öl auf Leinwand in Wessobrunn – erschwert den stilistischen Vergleich. Trotzdem kann man soweit von Gemeinsamkeiten sprechen – etwa im Grad der Verkürzungen und Untersichten, in der Bildung von schweren Wolkenkissen, in der Art, Gewanddraperien darzustellen, und in den Bewegungsmotiven -, daß eine Zuschreibung an P. Joseph Zäch möglich erscheint. Den stilistischen Befund stützt die Aussage über das nach Salzburger Vorbild gemalte Theater im oben zitierten Manuskript.
Es fällt auf, wie einerseits dem Anspruch in Thema und großartiger Attitüde durch das zeichnerische Können nicht ganz entsprochen wird, andererseits gerade in der Farbigkeit eine eindrucksvolle Wirkung erzielt ist. Wahrscheinlich war Zäch – wie es die Aussagen Leutners nahelegen – ein Theater- und Dekorationsmaler mit den Mängeln und Vorzügen dieses Metiers.
Die Entstehungszeit ist vor 1693 anzusetzen
Befund
Träger der Deckenmalerei: Kassettierte Flachdecke Rahmen: Schwere Holzrahmung; an ihrem ursprünglichen Ort im Theatersaal des Klosters waren die Bilder wohlwie die anderen des Gästetrakts – durch Stuck gerahmt Technik: Öl auf Leinwand; polychrom
Maße: A 1,60 × 2,30
B–E 1,30 × 2,20
(Die Raumhöhe im oberen Geschoß des Gästetrakts beträgt ca. 4,25 m.)
Erhaltungszustand: Alle Bilder sind stark verschmutzt. Sie haben einen weißlich-grauen Belag und braune Flecken. In D weist die Malschicht einen Riß auf. Es ist zu vermuten, daß die Bilder bei ihrer Übertragung in das Gasthaus an den Rändern beschnitten wurden: etwa beim Flammenbündel in der Hand Jupiters (C) oder bei der Sense des Chronos-Saturn (E).
Beschreibung und Ikonographie
A PHÖBUS APOLL Das querovale Bildfeld wird völlig beherrscht durch die körperhaft schweren, dynamisch bewegten Gestalten des Bildes. Aus der Himmelstiefe kommt Apollo mit seinem vierspännigen Wagen herangefahren. Die Pferde springen paarweise nach rechts und links auseinander, und zwischen ihnen erscheint, auf dem Wagen stehend, die Gestalt des Apollo. Die ganze

Gruppe ist in starker Verkürzung und Untersicht dargestellt, wie überhaupt bei allen Bildern des Theatersaals eine illusionistische Wirkung angestrebt und mehr oder weniger geschickt verwirklicht ist. In einem gewissen Gegensatz zu den verhältnismäßig schwungvoll gemalten Pferdegestalten steht die verzeichnete und mißglückte Figur des Gottes, die auf andere Art hervorgehoben ist: Haupt und Hand sind von hellem Licht umgeben, und die weite, bauschig auffliegende Manteldraperie in leuchtendem Rot macht einen höchst dekorativen Effekt. Im übrigen ist das Bild in hellen gelblichweißen und grauen sowie braungrünlichen Tönen gehalten.

B MARS Vor hellem Wolkenhimmel lagert die mächtige Rückenfigur des Kriegsgottes. Er ist mit Helm und Rüstung bekleidet und hat Fahnen und Waffen bei sich. Die Figur ist in lebhaften Farben, dem rötlich-ocker-tonigen Inkarnat, dem leuchtenden Rot und dem Dunkelblau des Helmbusches vom hellen Grund abgehoben.

C JUPITER Der Gott ist frontal sitzend, in athletischer Gestalt wiedergegeben. Seine Linke stützt sich mit festem Griff auf den Adler, in der erhobenen Rechten hält er als Jupiter tonans das Blitzbündel; auf dem Haupt trägt er die Krone. Das helle Braun des Mantels und das bräunliche Inkarnat bestimmen die Farbigkeit des Bildes.

D MERKUR Freischwebend vor dem hellen Himmelsgrund ist in Jünglingsgestalt der Götterbote Merkur wiedergegeben. Er hält den Apfel des Paris in der vorgestreckten Rechten, in der Linken den Caduceus und trägt Flügelhut und Flügel an den Fersen. — Eine bauschig fliegende, rote Gewanddraperie schlingt sich um seine Gestalt. Rot, elfenbeinfarbiges Inkarnat und helles Graublau sind die wesentlichen Farben des Bildes.

E CHRONOS-SATURN Auf einer Wolkenbank lagert die geflügelte Gestalt des Saturn, die Sense in der Linken. Saturn ist im Begriff, ein puttoartig wiedergegebenes Kind zu verschlingen. – Die Gestalt wirkt breit und wuchtig mit ihrem großen, leuchtend roten Mantel vor den düsteren grauen Wolken. Der Gott Chronos-Saturn, der seine Kinder verschlingt, verkörpert zugleich Chronos, die Zeit. Flügel und Sense sind spezifische Attribute der Zeit.
Phöbus Apoll im Sonnenwagen ist ein beliebtes Thema der profanen Deckenmalerei. Es ist bezeichnend, daß dieses Deckenbild des späten 17. Jh. noch nicht wie im 18. Jh. gemäß der Bestimmung des Theatersaales Apoll als Leierspieler oder Musenführer zeigt, sondern das der illusionistischen Deckenmalerei adäquate Apollothema, den Lichtgott im Himmelswagen (vgl. Andechs, Fürstenzimmer, das Apollobild A. Trivas, s. LKr. Starnberg). Der Platz des Bildes im Zentrum der Decke ist sinngemäß richtig und entspricht daher der ursprünglichen Bildordnung. Mars, Jupiter, Merkur und Saturn, um Apoll gruppiert, sind als Planetengötter auf den Sonnengott zu beziehen. Sie sind klar durch ihre Attribute bezeichnet und entsprechen wie auch Apoll der humanistischen Rezeption der antiken Götter (vgl. Vicenzo Cartari, Imagini delli Dei degli Antichi, Padua 1615).
Quellen und Literatur
Leutner, Coelestin, Historia monasterii Wessofontani..., Augsburg und Freiburg im Breisgau 1753.
[Leutner, Coelestin] Vestibulum historiae Vilgertshovensis..., darin: Rudia fundamenta historiae B. V. Mariae dolorosae Vilgertshovii... congesta 1740; BayHStA I Wessobrunn KL 26, S. 32 f., Archivzählung Bl. 35 v, 36.
Braun-Augsburg, Bd 1, S. 383 ff.
Fugger, Eberhard Graf von, Kloster Wessobrunn, München 1885.
Hager, Georg, Die Bautätigkeit und Kunstpflege im Kloster Wessobrunn, in: OAVG 48, 1893/94, S. 195–521. KDB OB I (1), S. 737 ff.
Riedle, Innozenz, Hauptsehenswürdigkeiten aus alter Klosterzeit in Wessobrunn, in: Weilheimer Sonntagsblatt 3, 1926, Nr. 29–31.
Die Kreuzbergkapelle bei Wessobrunn, in: Aus dem Pfaffenwinkel. Weilheim 1926, S. 209 ff.
Hager, Georg, Die Pfarrkirche Wessobrunn, in: Lechisarland 3, 1927, S. 81 f., S. 97–101.
Riedle, Innozenz, Wessobrunn mit seinen Sehenswürdigkeiten aus alter Klosterzeit, Tutzing 1928.
Gundersheimer, Hermann, Matthäus Günther, Augsburg 1930, S. 61.
Hörtensteiner, Franz und Hugo Schnell, Wessobrunn (= KKF Nr. 9), München 1934 und (KKF Nr. 526) München 1949.
Hartig, Michael, Die oberbayerischen Stifte, München 1936, Bd 1, S. 25 ff.
Lieb, Norbert, Hugo Schnell und Josef Stadler, Wessobrunn (= GKF Nr. 13), München 1953.
Schnell, Hugo, Zwölfhundert Jahre Wessobrunn in: Klerusblatt 33, 1953, S. 193 f.
Simon, Adelheid, Die Fresken des Johann Baptist Baader mit einem kritischen Katalog des Gesamtwerkes, ungedruckte Diss. München 1972.
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