Walpertskirchen, Pfarrkirche St. Erhard
WALPERTSKIRCHEN
Pfarrkirche, Gemeinde Walpertskirchen, Erzdiözese München und Freising; z.Z. der Ausmalung war die große Pfarrei Walpertskirchen dem Kollegiatstift St. Zeno in Isen inkorporiert (seit 1358). In Walpertskirchen bestand seit 1692 eine Allerseelen-Bruderschaft. Gericht Erding
Patrozinium: St. Erhard
Zum Bauwerk: Bau der Kirche 1491. Konsens zum Abnehmen der Gewölberippen und zur barocken Dekoration am 19.4.1765. Die Pfeiler wurden verkleidet, der Kirchenraum stuckiert und freskiert. 1902/05 LHs-Verlängerung um zwei Joche (8,70 m) und Einbau einer Doppelempore (Stuckarbeiten von Josef Schuler aus München).
LHs zu fünf Jochen, das sich im N in den vier östlichen Mittelschiffsjochen durch eine pfeilergetragene Arkadenreihe auf ein Seitenschiff öffnet. Doppelempore im W. Belichtung durch vier hohe Bogenfenster von S (über der Eingangstür ein kleines Fenster), von N über das Seitenschiff. Wenig eingezogener AR zu zwei Jochen mit dreiseitigem Schluß, Gliederung durch Wandpfeiler mit vorgelegten Pilastern, Belichtung durch zwei Fenster von S und zwei in den Schlußschrägen.
Auftraggeber: Pfarrer zur Zeit der Rokoko-Umgestaltung war Johann Franz Cajetan Christian von Paar (auch Baar), Kanonikus in Isen. Er war 38 Jahre lang Pfarrer von Walpertskirchen (1736-74), starb siebzigjährig am 3. 10. 1774 und hinterließ sein Vermögen der Allerseelen-Bruderschaft in Walpertskirchen. Chronogramm am Chorbogen STRVXERVNT / CORDA PIORVM / STRVCTVRAS. / RENOVAVE- RVNT / VT SERVENTVR (= 1766). Der Wortlaut »Es errichteten die Herzen der Frommen den Bau. Sie renovierten ihn. damit sie gerettet (bewahrt) werden« erinnert in seiner ersten Hälfte an den Bau 1491, in seiner zweiten Hälfte an die Beteiligung der Gemeinde an der Rokoko-Ausstattung (s. auch die Darstellung der mutmaßlichen Spender in B).
Autor und Entstehungszeit: Johann Nikolaus Miller (* un 1708 unbekannt † 1781 Erding; s. S. 246) 1766. Signatur in B an Sockelstein NMiller f.. 17.. (zerstört). Chronogramm an der

Innenseite des Chorbogens DIVE ERHARDE! / LIBERA CVSTODI PAROC/HIANOS IN PIETATE (= 1766).
Schon 1761 war der »erst kurz hie zu Erting angestandtene neue Mahler nahmens Niclas Mühler« mit der Fassung eines Laurentiusaltars und zweier »Seitenaltärl« in Walpertskirchen beauftragt worden (StAL).
Befund
Träger der Deckenmalerei: LHs (A) und AR (B, 1-4) spätgotische ehem. Rippengewölbe, die Rippen sind abgeschlagen (in der Sakristei und der südlichen Vorhalle erhalten)
Rahmen: A und B in C-Bogen geführte kräftige Stuckprofile mit Rocaille-Ornamenten in den Gelenken, A in der Querachse, B in beiden Achsen von Rocaillen übergriffen; 1- Rocaille-Kartuschen
Technik: Fresko; A und B polychrom, 1-4 monochrom grau Maße: A Höhe 9,60 m; 7,70×5,80
B Höhe 9,50 m; 5,90×3,50
Erhaltungszustand und Restaurierungen: »In den vierziger Jahren dieses (19.) Jahrhunderts wurden die Innenwände der Kirche ... weiß, roth und gelb getüncht«. Innenrestaurierung 1884 mit Neufassung der Raumschale und Reinigen der barocken Deckenbilder durch Joseph Elsner (StAM, LRA). Nach dem Anbau der zwei westlichen LHs-Joche 1902 malte Basilio Coletti 1921 nach einem Entwurf des Kunstmalers Bonifaz Locher am neuen Gewölbeabschnitt ein Deckenbild mit der Darstellung des Triumphs Michaels über Luzifer. Reinigung und Restaurierung der Deckengemälde 1930 durch Jakob Huwyler, Valley. Weitere Restaurierung 1956. Letzte Restaurierung 1974 durch Johann Eder, Vaterstetten, Verkit-
A HIMMELFAHRT MARIENS Schauplatz der bühnenartig engen Szenerie ist ein kleiner Wiesenplan, im Halbrund umgeben von hochaufragenden kulissenähnlichen antikisierenden Architekturen. Die großen Figuren der zwölf Apostel beherrschen den Vordergrund. Sie sind nicht eigentlich um den Sarkophag versammelt, sondern erscheinen vor ihm in zwei gedrängten Gruppen rechts und links, in lebhafter Bewegung und Gestik, wobei besonders bei der rechten Gruppe die Bewegungen und Blickrichtungen kontrovers geführt sind und zusammen mit der teilweise drastischen Mimik den Eindruck unruhvoller Enge verstärken. Im Mittelgrund ist das Wiesenstück etwas aufgelichtet. Hier steht der leere Sarg Mariens, zwei trauernde Frauen beugen sich über die Sarkophagöffnung. Dicht über der irdischen Gruppe setzt die Himmelfahrtsszene an: Wolken steigen auf, Putten tragen die Gestalt Mariens und halten ihren Mantel, während ein großer Engel rechts in den Wolken verehrend die Hände gefaltet hat. Maria steht mit ausgebreiteten Armen auf der Mondsichel. Oben sind die Wollzon aufgelichtet und glorienähnlich im Kreis geführt. Rechts thront Gottvater, links kommt Christus seiner Mutter entgegen. Über dem Haupt Mariens schwebt die Geisttaube. Die Farbigkeit im Ganzen ist ziemlich stumpf. Vor dem Ocker und Grau der irdischen Zone und der Wolken erscheinen als Buntfarben Gelb, das dem Ocker sehr nahekommt, fahles Karminrot und Blaugrau.

B ST. ERHARD ALS PATRON VON WALPERTSKIRCHEN
Bildschauplatz ist eine weite bäuerliche Landschaft. Darüber zieht sich vor dem Himmel, der über den Bergen im Hintergrund aufgelichtet ist, eine dunkle Wolkenbank in einem weiten Schwung von unten um die Hl.-Geist-Öffnung über den Rahmen am westlichen Bildrand. Innerhalb dieser Wolkenformation sind hellere Wolken konzentrisch angeordnet, in denen, nach oben zu kleiner werdend, Puttenköpfchen erscheinen, an der dunklen Wolke in der für Miller typischen Reihung, die wir auch in Eschlbach und Oberneuching finden. Unten auf der Wolke kniet der Kirchenpatron, Bischof Erhard von Regensburg. Ein Putto hinter ihm hält Mitra und Pedum; ein zweiter weist das Wappen der Diözese Regensburg vor, Erhards persönliches Attribut. Ein Putto rechts trägt wohl ein weiteres Attribut des Heiligen, einen schwer deutbaren Gegenstand, der einem Brotlaib ähnelt und vielleicht auf das Bäcker-Patronat hinweist, das Erhard u. a. innehat.
In der Landschaft sind Kirche und Pfarrhaus von Walpertskirchen vor der Bergkulisse dargestellt. Auf der weiten Wiese davor sind Bittflehende versammelt. Außer den üblichen Typen, den Müttern mit Kindern, den Lahmen und Kranken, sind auch Zeitgenossen dargestellt, individuelle Personen mit porträthaften Zügen. Ein vornehmer Herr mit weiß gepudertem Haar blickt zum hl. Erhard auf und präsentiert ihm kniend ein Blatt mit der Inschrift *S. / ERHARDE / ORA PRO NOBIS*. Hinter ihm sind zwei Bauern und zwei Bäuerinnen in zeitgenössischer Tracht zu sehen. Es handelt sich bei dieser Gruppe wahrscheinlich um den Pfarrer, Franz Cajetan von Paar, und Walpertskirchner Bauern, die man als Stifter der Dekoration vermuten kann.

I-4 VIER ERDTEILE
In den Diagonalen wird B von vier Kartuschen begleitet, in denen die Personifikationen der Erdteile dargestellt sind, auf Wolken thronend (!) und mit Schriftrollen, ein völlig ungewöhnliches Motiv, wie auch die Zuordnung der Erdteile zum hl. Erhard überraschend ist.
1. *EUROPA* trägt eine Krone auf dem Haupt, um die Schultern einen hermelinbesetzten Mantel und hat als Attribut das Pferd bei sich. 2. *AMERICA*, halbnackt, ist mit Perlen und Federn geschmückt. Sie hält einen Sonnenschirm. Zu ihren Füßen ist ein Krokodil zu sehen. 3. *ASIA* trägt ein reiches Gewand mit einem weiten Mantel und auf dem Haupt ein turbanähnliches Gebinde. Sie wird von einem Kamel begleitet. 4. *AFRICA* ist halbnackt und trägt einen federgeschmückten Turban, Bogen und Köcher. Ein Löwe liegt zu ihren Füßen.
Quellen und Literatur
StAM, LRA 148007: Restaurierung 1885, Verlängerung der Kirche 1900, Restaurierung 1930. StAL, Regierung Landshut A 4122: Altäre, Barockisierung 1765/66. StAL, Kirchendeputation Landshut A 1949: Baufälligkeit des Turms 1786. AEM, Pfarrakten Walpertskirchen: Pfarrbeschreibung; Resignations- und Verlassenschaftsakten; Bauten II. AEM, Kunsttopographie der Erzdiözese, Dekanat 23/Erding Pfarrei Walpertskirchen, Pfarrkirche St. Erhard (Georg Brenninger). BLfD, Akt Walpertskirchen, Pfarrkirche St. Erhard Schmidtsche Matrikel, Bd 2, S. 509–11. Grassinger, Joseph, Walpertskirchen, Pfarrei im Bezirksamte Erding, geschichtlich beschrieben, in: OAVG 30, 1870/71, S. 120–75, bes. S. 120–40. Mayer-Westermayer, Bd 1, S. 398–402 KDB I OB (2), S. 1206–00 Landkreis Erding 1962, S. 222 f Landkreis Erding 1985, S. 409 f Dehio 1990, S. 1242 O.V., Aus der Chronik der Gemeinde Walpertskirchen, in: 100 Jahre Schützenverein Walpertskirchen. Festschrift zum Gründungsfest, Walpertskirchen 1993, S. 49–63. Hösch, Karin, Die Kirchen der Pfarrei Walpertskirchen (= Peda-Kunstführer 419), Passau 1997. Gemeindechronik von Walpertskirchen (mit Beitrag von Anton Gandl), 1999.
