Wörth, Pfarrkirche St. Petrus


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 7: Landkreis Erding. Hirmer, München 2001, ISBN 978-3-7774-7830-2, S. 316–327, geschrieben von Bauer-Wild, Anna. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Pfarrkirche, Gemeinde Wörth, Erzdiözese München und Freising; z.Z. der Ausmalung war die Pfarrei Monatspfarrei. In Wörth bestand eine Allerseelen-Bruderschaft. Gericht Erding

Patrozinium: St. Petrus

Zum Bauwerk: Ratifikation der Pläne zum Neubau anstelle der baufälligen alten Kirche 28.9.1734, bischöflicher Konsens 12. 11. 1734. Der Bau zog sich bis Ende 1737 hin. Erlaubnis zu Benedizierung 11.12.1737. Die neue Kirche war um 15 Schuh (ca. 5 m) länger und um 10 Schuh (über 3 m) breiter als die alte. Baumeister war Johann Baptist Lethner aus Erding, Zimmermeister Abraham Kirschenhofer aus Erding (nach StAL, Kirchenrechnung Erding 1740 und Regierung Landshut A 4125). Hochaltar 1747 (Martin Fiehrer, Schreiner und Johann Michael Hiernle, Bildhauer; Fassung von Johann Michael Rieder, alle aus Erding).

LHs zu vier Jochen mit abgerundeten Ecken; Gliederung durch Doppelpilaster mit umlaufendem Gebälk. Doppelempore im W. Gleichmäßige Belichtung von N und S durch hohe Rundbogenfenster in allen Jochen. Eingezogener AR zu einem Joch mit halbrundem Schluß, Gliederung durch Doppelpilaster wie im LHs. Gleichmäßige Belichtung von N und S durch je zwei Fenster. Turm im W. Sakristeianbau im O.

Auftraggeber: Johann Paul Ostermayr, Pfarrer von Wörth (1711–48), der die Kirche St. Peter in Wörth zu seinem Haupterben einsetzte. Zur Einrichtung seiner Pfarrkirche trug er mehrmals aus eigenem Vermögen bei (AEM). Hinweis auf einen privaten Spender der Ausmalung könnte der Knabe in Bild A sein, ein blondes, barfüßiges Kind in bäuerlicher Tracht, dessen Gesicht individuelle Züge aufweist. Es ist der Bildkomposition ganz sichtlich hinzugefügt.

Autor und Entstehungszeit: Autor unbekannt, 1737

Die Ausmalung ist nicht datiert und signiert. Als Entstehungsdatum ist der Sommer/Herbst 1737 anzunehmen, vor der Benedizierung der Kirche im Dezember 1737.

Zuweisung durch Brenninger an Joseph Unterleutner (1981, S. 152). Ihr schließen wir uns nicht an. Was auf den ersten Blick auffällt, ist eine Nachbarschaft des Wörther Malers zu Johann Baptist Zimmermann (bes. in Fresko B, Heilung des Lahmen), ein unbefangenes Herangehen an Großformate und eine routinierte Art, Schauplatz und Handlung ohne Details und kleinteilige Arrangements aufs Wesentliche zu beschränken. Bei der Darstellung der Bäume (A und C) und landschaftlicher Vordergründe fällt eine Minimalisierung des Malaufwands auf, andererseits Routine im Erzielen von Effekten. Vor allem die Fresken A und B zeigen Übung in der Darstellung von Architekturkulissen und Stadtprospekten. Der Autor von Wörth war wohl in erster Linie Dekorations- oder Theatermaler; er kann Mitarbeiter bei einem guten Freskanten gewesen sein, von dem er viele Kompositions- und Bewegungsmotive übernommen hat, die er aber nicht wirklich beherrschte. Das Volkstümliche seiner Figuren mit ihrer theatralischen Kostümierung, den rollenden Augen und den plumpen Füßen distanziert ihn von Zimmermann. Hier ist eine Nähe zu den Münchner Malern Johann Georg Sang und Joseph Ignaz Schilling festzustellen.

Eine Stuckierung war offensichtlich nie geplant, durch Lethner wurde eine einfache Gliederung der Gewölbefläche durch Stuckrahmen-Felder angebracht, wie sie auch in Niederstraubing 1754 und Amelgering 1757 zu sehen ist.

Brenninger nimmt an, daß die Nebenbilder von Franz Alber Aiglstorffer gemalt wurden. Sie zeigen motivisch große Ähnlichkeit mit dessen Emblemen, sind aber deutlich qualitätvoller. Es spricht nichts dagegen, daß sie vom gleichen Maler sind wie die Hauptbilder.

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs (A, B, C, Aa-h, Ba-b, Ca-h) und AR (D, Da-h) flache Tonne mit Stichkappen, im AR nach C abgemuldet

Rahmen: Einfache Stuckleistenrahmung. Die Bildfelder A Ah, Cd-e, Da und Dh sind von der Westwand bzw. vom Chorbogen halbiert

Technik: Fresko; sämtliche Deckenbilder sind polychrom

Maße: A Höhe 11,60 m; 4,50×4,50 B Höhe 11,60 m; 3,00×4,50 C Höhe 11,60 m; 4,50×4,50 D Höhe 11,00 m; 5,50×2,60

Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1855 Neutönung des Raums in lichter Steinfarbe. 1890 zeigte das LHs-Gewölbe Risse und wurde mit Eisenstäben und Schrauben am Dachgebälk aufgehängt. Reparatur der Risse. Man bedauerte die schlechte Wirkung der »durch die Deckenbilder kreuz- und quergehenden Eisenstäbe« (StAM, LRA). Nächste Innenrestaurierung 1908/09: Entfeuchten der Kirche, Putzreparatur im Innern. »Nach dem Kostenvoranschlage des Maler- und Vergoldermeisters Martin Irl in Erding sollen Wände und Gewölbe gereinigt und getüncht, die darauf befindlichen Bilder abgestaubt und mit schwacher Temperalasur getränkt« werden (AEM). 1932 »Tünchen der inneren Seitenwände ohne die Gewölbe« (BLfD). 1957 Entfeuchten des Raums durch Sanieren der Sockelzone. Die lange geplante Gesamtrestaurierung begann 1978 am Außenbau. 1980/81 Restaurierung der Raumschale und der Fresken durch Helmut Knorr, Grafing. Unter den Raumfassungen von 1908/09 und 1855 wurde die ursprüngliche Fassung freigelegt. Schließen der Risse, Ausbeserneuert der Stuckrahmen. Das Brokatmuster an der Chorbogenuntersicht und das Zifferblatt am Chorbogen wurden freigelegt und restauriert. Die Deckenbilder »wurden trocken gereinigt, Ubermalungen entlang der schon früher vorhandener Risse und in den Himmelspartien wurden mit destillierten Wasser abgelöst. Die Fixierung der kreidenden Dunkeltöne erfolgte durch 6maliges Besprühen mit reinem Barytwasser... Die Farbretuschen wurden mit schwach gebundenen Kaseinfarben ausgeführt« (BLfD, Restaurierungsbericht Knorr) Die Armierungseisen im Bildbereich wurden gereinigt und entrostet.

 
Der Kirchenraum
 
 
B Petrus heilt einen Lahmer

Beschreibung und Ikonographie

Die Fresken A-D des Petruszyklus von Wörth zeigen mit Berufung, Schlüsselübergabe, Heilung des Lahmen und Tod die wichtigsten Bestandteile der Petrus-Vita: Die Erwählung als Apostel durch Jesus und das prompte Befolgen des Rufs; die Ernennung zum Oberhaupt der Kirche und damit die Einsetzung der Kirche; das Wirken von Wundern in Jesu Namen und das Martyrium, das Petrus mit Standhaftigkeit ertrug.

Szenen, die die menschliche Schwäche Petri zeigen wie der Schlaf am Ölberg, die Verleugnung und Reue, die Flucht aus Rom (Domine quo vadis) sind ausgeklammert. Die Hauptbilder sind jeweils begleitet von deutenden Emblemen bzw. emblemähnlichen Darstellungen.

A ABSCHIED DER APOSTEL PETRUS UND PAU- LUS UND MARTYRIUM Das Bild über der Orgelempore (Ansicht nach W) zeigt als Schauplatz eine steinige Wiese vor der Stadt Rom mit ihren Mauern und aufragenden Türmen. Im Zentrum stehen die beiden Apostel Petrus und Paulus einander zugewandt, reichen sich die Hände und blicken sich an. Jeder von ihnen wird durch einen Soldaten an einem Strick geführt und zurückgehalten, was ihre unmittelbar bevorstehende Trennung anzeigt. Ein Knabe rechts (s. o.) blickt mit ehrfürchtig erhobenen Händen auf den Abschied der beiden verurteilten Apostel. Rechts und links gibt das Bild Ausblick auf Szenen in der Bildtiefe zu beiden Seiten der dargestellten Stadt. Hier werden die beiden Martyrien gezeigt: Links das des Apostels Petrus, der mit dem Kopf nach unten gekreuzigt wird, rechts das des Paulus, der eben enthauptet wird.

Der Schauplatz ist sehr hell, gleichmäßig ausgeleuchtet bis in die Tiefe. Nur im Vordergrund links deutet die Figur eines Soldaten mit Hellebarde, der auf einem sehr seichten dunkleren Bodenstreifen steht, einen Repoussoir-Effekt an. Vor dem hellen Himmel mit seinen teils weißgelblichen, teils rosigen Wolkenstreifen erscheint die Silhouette der Stadt Rom in fast durchscheinender Helligkeit. Die Figurengruppe allein ist Träger der intensiveren Farben, des Ocker und Graublau in den Gewändern des Apostels Petrus und des stumpfen Rot in den Figuren des Apostels Paulus und des Soldaten links vorn.

Der Abschied von Petrus und Paulus vor dem Martyrium, ein beliebtes Thema im 18. Jh., ist legendär. Danach fanden die beiden Martyrien gleichzeitig statt, außerhalb der Stadtmauer Roms, an den entgegengesetzten Seiten der Stadt. Dem folgt die Darstellung. Jacobus de Voragine zitiert Dionysius von Korinth, nach dem Paulus beim Abschied zu Petrus sprach: »Friede sei mit dir, du Grundstein der Kirche du Hirte der

Schafe und Lämmer Christi« (LA-Benz, S. 433: s. auch Riba deneira-Hornig, Bd 1, S. 899).

Aa-h EMBLEME ZU DEN APOSTELMARTYRIEN Die acht Embleme, die in den Stichkappen und an den Gewölbezwickeln des LHs dem Fresko A benachbart liegen, beziehen sich auf Tod und Martyrium Petri und Pauli. Einige sind nicht reine Embleme, sondern nur symbolische Darstellungen in Emblemform.

Aa (halbiert) PROPTER / CONSTANTIAM (Wegen der Standhaftigkeit). Herz auf einer Säule; eine Hand aus den Wolken krönt es. Am Himmel die Sonne. Die Inschrift erinnert an Act 4,13: »videntes autem Petri constantiam, admirabantur« Das Herz auf der Säule, dem Symbol der Standhaftigkeit, steht hier für den bis zum Tod standhaften Martyrer, der die Krone des Lebens erlangen wird.

Ab CURSU / CON=/SUMMATO (Nach vollendetem Lauf). Vor einer strahlenden Sonne eine Krone. Die Darstellung

 
 
 
 

Die Erklärung bezieht sich auf ein Pauluswort (2 Tim 4,7 f.) »Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet (cursum consummavi), den Glauben bewahrt. Im übrigen harrt meiner die Krone der Gerechtigkeit« (S. dazu Picinelli, Lib. XXV, Nr. 36 s. v. corona, der ausdrücklich auf 2 Tim 4,7 verweist).

Ac CONSTANTER ET SINCERE (Standhaft und rein). Krone mit Zepter und Palmzweigen. Der Palmzweig, Symbol für den himmlischen Lohn, den der Martyrer erhält, ist hier mit den Herrscherinsignien Krone und Zepter vereint. Das Bild dürfte Hinweis auf die Machtfülle im Himmel sein, die Petrus nach seiner Standhaftigkeit im Martyrium erlangte.

Ad ARDET ILLIS / A FAVILLIS (Er brennt durch jene Funken). Brennendes, geflügeltes Herz, auf das vom Himmel Gnadenstrahlen fallen. Es ist Sinnbild der Liebe zu Gott, die durch Gottes Liebe entzündet wurde (Picinelli, Lib. III, Nr. 556, Nr. 559, s. v. cor).

Ae IN MORTE VITA (Im Tod Leben). Pelikan. Der Pelikan, der seine Jungen mit seinem eigenen Blut vor dem Verhungern rettet, ist häufig gebrauchtes Bild für die Nächstenliebe. Das Lemma weist darauf hin, dass es hier als Bild für den Martertod des hl. Petrus zu sehen ist, der für ihn das ewige Leben bedeutete.

Af NON EST MORTALE QUOD OPTO (Es ist nicht sterblich, was ich wünsche). Adler, der zur Sonne auffliegt. Das Bild ist ganz allgemein Hinweis auf den Heiligen, der die Welt verachtet und Gott sucht; hier bedeutet es wohl (Lemma) die Verachtung des zeitlichen Todes durch das Martyrium.

A. Corda sursum / Tenent cursum (Die Herzen nehmen ihren Lauf nach oben). Zwei geflügelte, brennende Herzen fliegen nach oben, wo das Dreifaltigkeitssymbol in einer hellen Glorie erscheint. Das Bild des Gott suchenden oder Gott liebenden Herzens ist hier doppelt und bezieht sich auf Petrus und Paulus.

Ah (halbiert) ARCUS TALIS / TRIUMPHALIS (Solch ein Triumphbogen/Triumphzeichen). Pyramide auf einem Sockel, von Lorbeer umwunden, mit Palmzweigen an ihrem Fuß. Das Bild ist motivisch ähnlich wie das gegenüberliegende Emblem a. Die Pyramide kann Symbol des Ruhmes sein, worauf hier auch das Lemma hinweist. Diese Bedeutung wird durch Lorbeer und Palmzweige noch unterstrichen. Gemeint ist die himmlische Glorie des hl. Petrus.

 
C Berufung Petri – Wunderbarer Fischzug
 
Af Adler fliegt zur Sonne
 
 
Ac Krone mit Zepter und Palme

B PETRUS HEILT EINEN LAHMEN (Act 3,1-8) Der Schauplatz erinnert an ein Bühnenbild: Links ragt ein prächtiges Portal auf, ein ornamentierter Rundbogen, von Marmorsäulen flankiert, der Einblick in eine Säulenhalle gibt. Die Szene spielt vor dem Tor, auf dem Stufenpodest und auf der steinigen Straße, die als enge Gasse in jäher Verkürzung in die Tiefe führt. Links an der Gasse steht ein Palast, rechts eine Quaderarchitektur, überhöht von einem steinernen Obelisken, und im Hintergrund erscheint ein runder Kuppelbau. Auf dem Stufenpodest steht Petrus. Vor ihm erhebt sich ein Lahmer mit Krücke von seinem steinernen Sitz am Portal und bittet um eine Gabe; Petrus streckt die Rechte aus und blickt zum Himmel. Auf der Straße hinter ihm steht Johannes, eine jugendliche Gestalt mit lockigem Haar und grün-roter Tracht, und beobachtet die Szene. Dargestellt ist der Moment, in dem Petrus nach der Apostelgeschichte zum Lahmen spricht: »Silber und Gold besitze ich nicht. Doch was ich habe, will ich dir geben: Im Namen Jesu Christi aus Nazareth, geh umher!« Die hellen Farben des Schauplatzes, das Ockergelb der Architektur, die Rosenfarbe in den Wolken, das Himmelsblau und das Grün des Baumes erscheinen in den Gewändern der Apostel verdichtet und intensiviert wieder.

 
 
 
 
Cd Aufsteigende Rakete

Ba JESU NOMEN FAUSTUM OMEN (Der Name Jesu ist ein glückliches Vorzeichen). Große, weiße Blüte, aus der der Name Jesu, aus Lorbeerblättern gebildet, wächst.

Bb HAEC DIVINA MEDICINA (Das ist göttliche Arznei). Name JESUS, auf den Strahlen vom Himmel fallend.

C BERUFUNG PETRI – WUNDERBARER FISCHZUG (Lc 5,4-8) Ein seichter dunkler Felsstreifen, der sich links dem Rahmen folgend auch an der nördlichen Bildseite entlangzieht und mit einem Baum endet, stellt das Ufer des Sees Genezareth dar. Den Großteil des Bildfeldes nimmt der See selbst ein, eine weite, wildbewegte Wasserfläche mit einer Uferlandschaft im Hintergrund unter leicht bewölktem Himmel. Quer über die Bildbreite hinweg ist das Fischerboot dargestellt; hier holen Fischer ein riesiges Netz ein, das bis zum Bildvordergrund reicht, wo zwei Fischer, die im seichten Uferwasser stehen, beim Einholen des Netzes helfen. Das Netz ist übervoll von großen Fischen. Jesus steht aufgerichtet links im Boot, die Hände gegen Petrus ausgestreckt, der im Boot kniet und mit gefalteten Händen zu Jesus aufblickt. Im Hintergrund sieht man ein weiteres Boot auf dem Wasser, dessen Insassen Gesten der Verehrung und des Erstaunens zeigen. Das Geschehen im Vordergrund schildert den wunderbaren Fischzug und die anschließende Berufung Petri nach Lukas (Lc 5,4-10): Nach einer Predigt am Ufer des Sees Genezareth forderte Jesus den Petrus auf, zum Fischfang hinauszufahren. Petrus antwortete, er habe den ganzen Tag gefischt und nichts gefangen. Doch auf Jesu Wort hin wolle er noch einmal die Netze auswerfen. »Sie taten es und fingen eine große Menge Fische. Sie winkten ihren Gefährten im anderen Boot, sie möchten kommen und ihnen helfen; und sie kamen und füllten beide Boote, so daß sie fast versanken. Als Simon Petrus dies sah, fiel er Jesus zu Füßen ... denn Bestürzung hatte ihn ... ergriffen über den Fischfang, den sie gemacht hatten, in gleicher Weise auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, welche Simons Gefährten waren ... und sie verließen alles und folgten ihm«

Der Fischer im Boot mit weißem Haar und Bart und rotem Gewand, der zu Jesus voll Hingebung aufblickt, ist Andreas, der Bruder des Simon Petrus, der nach Mc 1,16–18 zusammen mit ihm berufen wurde; der junge Mann mit grünem Gewand und rotem Mantel im zweiten Boot ist Johannes. Dessen Bruder Jakobus, der mit Johannes zu den ersten vier Berufenen gehörte, ist unter den Insassen des zweiten Bootes nicht gekennzeichnet.

Die Szene vom wunderbaren Fischzug endet mit den Worten Christi: »Fürchte dich nicht. Von jetzt an sollst du Mensche fangen« (Lc 4,10).

Ca-h EMBLEME ZUR BERUFUNG PETRI Die acht Embleme und emblemähnlichen Darstellungen in den Stichkappen und an den Zwickeln des LHs-Gewölbes, die dem Hauptbild C zunächst liegen, zielen auf die Berufung und darauf, daß und wie Petrus der Berufung Folge leistete: mit Bereitwilligkeit, Freudigkeit (Ca), Schnelligkeit (Cd), Unbeirrbarkeit (Cg) und Unbedingtheit (Cb und Cc).

Ca NEC MORA / NEC REQUIES (Kein Innehalten, kein Ruhe). Wanduhr. Wie die Wanduhr rastlos geht, so nahmen auch die Apostel alle Mühen freudig auf sich, die ihre Berufung mit sich brachte: »ita S. Apostoli, ut toto orbe Evangelium ann untiarent, tormenta ac plagas lubenti acceperunt animo« (Pici nelli, Lib. XXI, Nr. 143, s. v. horologium rotatum).

 
 
 
C. Papstkreuz
 
 
 
D. Sonne über Erde

Cb ALTIORA PETO (Ich erstrebe das Höhere). Auffliegen des Paradiesvogels. Das häufig verwendete Bild des Paradiesvogels, der nie die Erde berührt, nie ißt und trinkt, verweist auf einen asketisch lebenden Menschen (Picinelli, Lib. IV Nr. 483, s. v. monocodiata). In diesem Sinn ist es hier auf die Apostel bezogen, die irdische Annehmlichkeiten hinter sich ließen, als sie Jesus folgten.

Cc AD / TE LEVAVI / OCULOS (Zu dir erhebe ich meine Augen). Adler, der zur Sonne fliegt. Er ist Bild des Menschen, der sich von allem Irdischen abwendet und nur Gott zuwendet (Picinelli, Lib. IV, Nr. 102, s. v. aquila, mit gleichem Lemma).

Cd (halbiert) SPLENDET / ET ASCENDIT (Leuchtet und steigt auf). Aufsteigende Rakete. Die Rakete kann wie die Kanonenkugel Bild der Liebeskraft sein, die die Menschen um des Himmels willen die Erde verlassen läßt. »Ea sancti amoris

vis est, ut mortales illius beneficio passim e terris ad coelo evolent« (Picinelli, Lib. XXII, Nr. 87, s. v. pyrobolus).

Ce (halbiert) REGITET SERVAT (Regiert und dient). Dreifaches Papstkreuz. Das Bild ist Hinweis auf Petrus als Diener Gottes und der Kirche einerseits und Kirchenfürst andererseits.

Cf ACCENDOR / LVMINE SOLO (Vom Licht allein werde ich entzündet). Phönix, darüber strahlende Sonne. Die Flammen, die den Phönix verzehren, sind nicht irdisch, sondern kommen von der Sonne. So wurde die Liebe Petri zu Gott durch Jesus selbst entzündet (s. Picinelli, Lib. IV, Nr. 594, s. v. phoenix).

Cg RECTA AD METAM (Geradewegs aufs Ziel). Pfeil, der auf einen großen Stern unter vielen kleinen Sternen zufliegt. Er bedeutet den Menschen, der auf direktem Pfad zum Himmel geht (Picinelli, Lib. XXII, Nr. 17, s. v. arcus). Im Zusammenhang der Folge Ca-h bedeutet dieses Bild die Unbeirrbarkeit, mit der Petrus Jesus folgte.

 
 
 
D. Schlüsselübergabe
 
 

Ch IN / VIRTUTE / TUA (In deiner Tugend). Zwei Lorbeerzweige, zum Kranz gebunden, darüber Kreuz. Dieses Bild ist Symbol dafür, was die Folge dessen war, daß Petrus Jesus nachfolgte: das Martyrium und die himmlische Glorie.

D SCHLÜSSELÜBERGABE (Mt 16,16–19) Das lange, schmale Bildfeld zeigt eine steinige Felsenlandschaft, die sich in der Mitte zu einem steil ansteigenden Berg erhebt, auf dem ein Rundtempel, das Symbol der Kirche, steht. Darüber schwebt vor einer Lichtscheibe die Taube des Hl. Geistes und sendet Strahlen nach unten. In der felsigen Öde steht Jesus und weist zum Himmel. Er gibt Petrus, der vor ihm kniet, zwei große Schlüssel.

Die Szene der Schlüsselübergabe ist die wichtigste Szene der Petrus-Vita. Auf sie hauptsächlich geht die Sonderstellung Petri in der Schar der Apostel, der Primat, zurück. Jesus sagt zu ihm: »Du bist Petrus, der Fels, und auf diesen Felsen wil ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen. Ich will Dir die Schlüssel des Himmelreiches geben: Was Du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein; und was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein« (Mt 16.18 f.).

Mit dieser Szene wird in Petrus- oder Ecclesia-Zyklen meist die Gründung der Kirche dargestellt und mit der Bestellung Petri zum ersten Stellvertreter Christi die Einsetzung des Papsttums.

Da-h ECCLESIA-EMBLEME Die acht Embleme, die die Darstellung der Schlüsselübergabe begleiten, beziehen sich auf die Kirche.

Da (halbiert) Fructus in Tempore (Frucht mit der Zeit). Stämmchen, auf das zwei Reiser gepfropft sind. Die beiden Reiser bedeuten Petrus und Paulus, der Stamm die Kirche. Als Christus die beiden Apostel berufen und seiner Kirche innig verbunden hatte, trug sie nach kurzer Zeit reiche Frucht. »Arbon inoculata, si debitum vigorem acquirat, brevi in robustos ramos excrescit, et paucorum annorum intervallo uberes ac pretiosos fructus profert ... Certe Saulus, vix Ecclesiae Christianae insertus, continuo in synagogis praedicabat Iesum ... Petrus quoque, Apostolorum Princeps, vix a Christo vocatus amoris Divini indicia edidit prorsus prodigiosa« (Picinelli Lib. IX, Nr. 466, s. v. surculus inoculatus).

Db non moveor (Ich werde nicht bewegt). Baum, auf den Winde blasen. Bei dem Baum handelt es sich wohl um eine Eiche, die in der Emblematik Bild der Festigkeit ist, hier der Festigkeit der Kirche. Das Emblem bezieht sich auf die Worte Christi bei der Schlüsselübergabe.

Dc non sibi sed mundo (Nicht sich, sondern der Welt). Strahlende Sonne über der Erde. Die strahlende Sonne ist als Bild der Ecclesia nicht üblich, doch läßt sich das Emblem aus dem Lemma erklären: Wie Licht und Wärme der Sonne nicht Selbstzweck sind, sondern (in Gottes Schöpfung) dafür da, die Welt zu erleuchten und zu wärmen, ist auch die Kirche nicht Selbstzweck, sondern vermittelt der Welt das Heil.

Dd Librata Refulget (Im Gleichgewicht leuchtet sie zurück). Tiara, die über dem Erdball schwebt und Strahlen auf ihn sendet. Die Tiara ist hier als Mond gezeigt, der vom Schöpfungsplan in seiner Bahn gehalten wird und das Licht der Sonne widerstrahlt. Übertragen ist folgende Erklärung möglich: Die Kirche (Tiara), von Gott eingesetzt und von seinem Heilsplan gehalten (librata), vermittelt Gott (refulget) den Menschen (Strahlen auf den Erdball).

De FRUSTRA OBSTANT (Vergebens hindern sie). Segelschiff in wildbewegtem Meer. Das Schiff ist ein gebräuchliches Symbol der Kirche, die stürmischen Wellen bedeuten die Angriffe ihrer Feinde. Das Lemma erinnert an die Worte Jesu bei der Schlüsselübergabe »... die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen«.

 

Df SEMPER ADAMAS (Immer Diamant). Diamant auf Amboß, zwei Hände aus Wolken schlagen ihn mit Hämmern. Hier wird die Kirche mit dem Diamant verglichen. Der Diamant ist Bild der Standhaftigkeit und – wie das Lemma besagt – der Unwandelbarkeit.

Dg NESCIA FRANGIT (Sie zerbricht die Unwissenheit). Zwei Winde blasen auf einen Felsen in stürmisch hochgehenden Wellen. Die Kirche, gegründet auf den Felsen Petrus, kann nicht erschüttert werden.

Dh (halbiert) TIBI SOLI (Dir allein). Sonnenblume, die sich zur Sonne wendet. Das häufig gebrauchte Bild der ausschließlichen Liebe zu Gott kann in dem Sinne auch auf Ecclesia bezogen werden, daß sich die Kirche allein nach Gott richtet.

Eine Kartusche hinter dem Hochaltar trägt die Inschrift: Omne patet nihil latet.

Quellen und Literatur

BHStA, Landshuter Abgabe 1993, 226: Hochaltar 1747. StAM, LRA 147985: Restaurierung 1855; 147988: Entfeuchten 1908; 147991: Arbeiten 1890.

StAL, Kirchenrechnungen Pfleggericht Erding 1740, Bd 1, fol. 554 ff.: Kirchenrechnung Wörth.

AEM, Pfarrakten Wörth: Bauten II; Pastoral- und Kultgegenstände 1671–1882; Resignations- und Verlassenschaftsakten. BLfD, Akt Wörth, Pfarrkirche St. Peter.

Schmidtsche Matrikel, Bd 1, S. 503–05.

Mayer-Westermayer, Bd 1, S. 409–11. KDB I OB (2), S. 1281.

Landkreis Erding 1963, S. 337.

Kemp, S. 327 f.

Brenninger, Georg, Joseph Unterleutner, ein Freisinger Maler der Rokokozeit, in: Amperland 17, 1981, S. 151–55, S. 152.

Brenninger 1982, S. 110, 114, 283

Schierl, Wolfgang, St. Peter in Wörth. Faltblatt, Wörth 1982. Landkreis Erding 1985, S. 414.

Dehio 1990, S. 1294.