Unterammergau, Pfarrkirche St. Nikolaus
Pfarrkirche, Verwaltungsgemeinschaft Ammertal, Erzdiözese München und Freising; z. Z. der Ausmalung Filialkirche der Pfarrei Oberammergau, die dem Augustinerchorherrenstift Rottenbuch inkorporiert war, Kloster-Ettalisches-Gericht Ammergau
Patrozinium: St. Nikolaus
Zum Bauwerk: 1709 Grundsteinlegung für den Kirchenneubau anstelle einer zu klein gewordenen Kapelle; Weihe am 8. 8. 1710 durch Fürstbischof Johann Franz Eckher von Freising. Inschrift an der AR-Seite des Chorbogens Erbaut 1709 / Eingeweiht 1710 / Restauriert 1956. In den Kirchenrechnungen im Pfarrarchiv Unterammergau (Bd 1707–26) wird der damalige Kaplan Pater German Pecher »Ihro Wohl Ehrw Herr P. Germani alß Verordneten Bau Directoris« genannt (Anton Bauer, S. 55); Stukkator war Francesco Mazzari aus Como.
Saalbau zu vier Jochen, Gliederung durch Doppelpilaster, im W Doppelempore; eingezogener zweijochiger AR mit segmentbogenförmigem Abschluß; gleichmäßige Belichtung durch hohe Rundbogenfenster; nach S gerichteter Bau
Autor und Entstehungszeit: Signatur in A J. J. Wirimseer / Pinxit / 1710. In den Kirchenrechnungen ist für das Jahr 1710 vermerkt: »Beeden Malern Johann Jakob und Sebastian Würmbseern von Oberammergau um die Kirchen auszumalen und dazugegebene Farben bezahlt 154 fl. 8 kr. ... Für die Mallerei ist denen Pfarrkindern auf gueten Willen beigetragen worden 83 fl.« (zitiert bei Hofmann, S. 25). Johann Jakob und Sebastian Würmseer waren in Oberammergau ansässig. Sebastian Würmseer war zwischen 1692 und 1734 mit Faßarbeiten und dem Malen von Antependien in den Kirchen von Unter- und Oberammergau, Garmisch und Partenkirchen beschäftigt (Hofmann, S. 7, 22, 33 und Sigfrid Hofmann, Kirchen der ehem.

Grafschaft Werdenfels, = Wissenschaftliche Veröffentlichungen des Heimatpflegers von Oberbayern, Reihe A, Heft 7, 1955, S. 18, 26, 29).
Die Fresken der unteren Emporenbrüstung sind von Franz Seraph Zwinck (* 1748 Oberammergau † 1792 Oberammergau; s. auch Kappel S. 350); Signatur in EB2 Franz: Zwinck. pinxit. Zwinck wurde 1783 in Unterammergau für Faßarbeiten bezahlt (Hofmann, S. 27), möglicherweise entstanden die Emporenbrüstungsbilder gleichzeitig.
Auftraggeber: Propst Patritius Oswald von Rottenbuch (1700-40) Auftraggeber im juristischen Sinn; P. German Pecher, von 1703-08 Pfarrvikar in Oberammergau, 1709 1710 als Kaplan in Unterammergau, war mit der Bauleitung betraut.


Befund
Träger der Deckenmalerei: LHs (A–F, 1–4, 7–8) Korbbogentonne mit Stichkappen, AR (E–F, 5–6) Stichkappentonne, im S abgemuldet
Rahmen: A–F Stuckprofil, dessen mittlerer Wulst von Blattkyma bzw. Akanthusblättern und Herzformen dekoriert ist, 1–8 hochovale Medaillons aus stark plastischem steingrauem Stuckprofil
Technik: Fresko mit Seccoübermalungen; polychrom
Maße: A Höhe 8,00 m; 2,90 × 3,10
B Höhe 8,00 m; 3,50 × 3,20
C Höhe 8,00 m; 3,10 × 3,20
D Höhe 8,00 m; 3,10 × 3,20
E Höhe 7,50 m; 2,00 × 2,90
F Höhe 7,50 m; 2,40 × 2,90
1–6 1,60 × 1,30 m
7–8 ∅ 1,00 m
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Restaurierungen fanden 1855 und 1869 statt, 1914 durch Ametsberger, 1946 und 1956 durch Otterpohl. Bei den drei letzten Restaurierungen wurden zwei Putzstücke, die aus Fresko C herausgefallen waren, jeweils wieder eingesetzt und ergänzt. 1969 Reinigung der Deckenbilder durch Fa. Mayerhofer.
Durchgehender Scheitelriß und kleinere Risse in den Fresken A–D; zahlreiche Verschraubungen durch Kupferplättchen, vor allem in B und C. Die Fresken A–D zeigen auffällige Übermalungen; in C sind die Figuren des Bischofs und des Verurteilten, in D ein Teil von Treppe, Bettstatt und Bettdecke ergänzt. E und F und die Medaillons 1–8 sind in ihrer Farbsubstanz besser erhalten als die Mittelfresken im LHs und bis auf Haarrisse in gutem Zustand.
Beschreibung und Ikonographie
Die Deckenbilder sind als »quadri riportati« innerhalb eines raumbezogenen Dekorationssystems eingesetzt. Im
Tonnenscheitel sind die annähernd rechteckigen Bildfelder axial aneinandergereiht, in der Mitte der Zwickel zwischen den Stichkappen liegen die Medaillonbilder. Den vollplastischen Rahmungen entsprechen die mit Früchtefestons und Muscheln, Blumenvasen, Engelsköpfen und Kartuschenschilden dekorierten Stichkappengrate. Eine Blumengirlande begleitet die mittlere Bildreihe. Am Chorbogen tragen zwei vollplastische Puttoengel vor einer Vorhangdraperie eine Kartusche mit der Inschrift HL. / NIKO- LAUS / BITT / FÜR UNS.
Im Vergleich zur Qualität des Stucks wirken die Deckenbilder etwas unbeholfen. Alle Gemälde sind tafelbildartig mit nur geringer Untersicht durchgeführt. A und B sind mit Blickrichtung gegen die Empore, die übrigen Bilder in Altarrichtung zu betrachten. Betrachterstandpunkte jeweils unter der Bildmitte.
A WARNUNG VOR DEM STURM Auf einer Terrasse über dem Meeresufer stehen orientalisch gekleidete Kaufleute und Pilger im Gespräch mit dem hl. Nikolaus. Dahinter auf dem Meer zwei Segelschiffe in Fahrt, ein drittes Segelschiff wird vom Landeplatz aus mit Hilfe von kleineren Booten beladen. Der blaßblaue Himmel ist von schräg ziehenden Wolkenbahnen überzogen; Putti halten ein Spruchband Praesagit Naufragij Periculum.
Die Szene schildert eines der Wunder aus der Jugendgeschichte des hl. Nikolaus, der als Pilger ins Heilige Land reiste und den Schiffsleuten einen drohenden Schiffbruch vorhersagte. In der hier wiedergegebenen Szene sagt Nikolaus den Sturm vor der Abreise voraus, in der Legende erblickt er während der Reise ein Ungeheuer, das ins Schiff springt und den Sturm verursacht, der dann von Nikolaus besänftigt wird (Ribadeneira-Hornig, Bd 2, S. 940).
B BERUFUNG ZUM BISCHOF VON MYRA Schauplatz ist das Innere einer hochbarocken Basilika – in
Anlehnung an St. Peter in Rom. Ungefähr im Zentrum des Bildes ein wuchtiger Pfeiler, an dem ein Gemälde mit der Anbetung der Hirten angebracht ist, seitlich davon Einblicke in die Kirchenschiffe. Im Vordergrund sitzen die zur Wahl des Bischofs von Myra versammelten Bischöfe auf dem Stufenpodest eines Altares, dessen gedrehten Säulen und Draperien links am Bildrand zu sehen sind. Einer der Bischöfe erblickt in einer Vision die Geist-Taube in der Glorie, von der ein Lichtstrahl mit dem Namen NICOLAVS herabfällt. Dieser trifft die unscheinbare Gestalt des unter einem Torbogen stehenden Nikolaus, der von einer **Schar** Meßdiener erwartet wird.
Das Fresko ist auf drei Farben aufgebaut: Purpur, Gold und Grau; purpurn sind die Treppenaufbauten, die gedrehten Säulen mit der Vorhangdraperie, goldfarben sind Kleidung der Bischöfe und Gestühl, grau Bogen und Pfeiler in Mittel- und Hintergrund der Kirche. Die Wolke ist ein lichtes Gemisch aus Grau, Gold und Purpur.
Die Wahl des Nikolaus zum Bischof von Myra wurde durch göttliche Offenbarung an einen »betagten und frommen anwesenden Bischof« entschieden, welcher zufolge »derjenige ihr Bischof seyn solle, der bey anbrechendem Tag der erste in die Kirch tretten, und sich Nicolaus nennen werde« (Ribadeneira-Hornig, Bd 2, S. 941).
C RETTUNG DER UNSCHULDIGEN RITTER Im Vordergrund eine seichte, terrestrische Rampe, der Richtplatz. Dort kniet in der Mitte vor einem Steinblock einer der Verurteilten. Bischof Nikolaus verhindert den Schwertstreich des Henkers. Soldaten führen die beiden anderen Verurteilten von rechts her zur Enthauptung. Darüber, auf einer Freitreppe, drei Reiter als Zeugen der Szene. Die Figuren dieser drei Gruppen sind kompositionell zu einem Block zusammengeschlossen. Gegenüber, unter einem hohen Laubbaum, zwei weinende Frauen mit einem Kind als ergriffene Zuschauer.
Dahinter werden herannahende Reiter sichtbar. Über der Szene das Spruchband *Insontes Protegit et Liberat*.
Die Darstellung schildert das mutige Eingreifen des Bischofs Nikolaus in ein fast schon vollstrecktes Todesurteil, das der bestochene Stadtpfleger Eustachius über drei unschuldige Vornehme der Bürgerschaft verhängt hatte. Die drei Reiter sind Heerführer Kaiser Konstantins, die Nikolaus nach Schlichtung eines Streites mit der Bürgerschaft bei sich bewirtet und um ihr Geleit zur Richtstätte gebeten hatte (Ribadeneira-Hornig, Bd 2, S. 943 f.).
D TOD DES NIKOLAUS Auf einem Stufenpodest – in ganzer Bildbreite – steht die prunkvolle Lagerstatt des sterbenden Bischofs. Vier Chorherren umringen den Heiligen. Ein Säulenaufbau mit gerafftem Vorhang bildet darüber einen Baldachin. Rechts an einem Pult zwei Mönche mit Arzneigefäßen. Daneben ist ein Durchblick auf ein karyatidengeschmücktes Portal und in einen **weiteren** Raum gegeben. Der sterbende Heilige hat sein lichtstrahlendes Haupt emporgerichtet und schaut die himmlische Glorie der Hl. Dreifaltigkeit. Seinem Mund entfährt ein Schriftstrahl *In manus tuas Domine commendo Spiritum meum* (= Ps 30, 6). Die Glorie ist als heller Wolkenkreis mit Engeln und Engelsköpfchen wiedergegeben, die Dreifaltigkeit nimmt darin nicht die Mitte ein, sondern ist an den Rand gerückt.
Der Bericht von Nikolaus' Tod mit der Erscheinung der Engel und dem Beten des Psalms »In te Domine speravi« findet sich nur in der Legenda aurea (LA-Graesse, S. 26), danach verschied Nikolaus bei der Psalmstelle: Herr, in deine Hände empfehle ich meinen Geist – eine Allusion auf das Sterben Iesu.
E ENGELSGLORIE Zentrale Untersicht, aber nicht konsequent durchgeführte Verkürzungen. In einem dichten Wolkenkranz schweben große und kleine Engel und
Engelsköpfchen und verehren den Hl. Geist in Gestalt einer Taube, die auf den Holzdeckel der stuckgerahmten Öffnung gemalt ist (Deckel falsch herum eingesetzt). Durch Haltung und Gebärde sind die Engel im südlichen Bildteil auf Fresko F hin geordnet.
F GRAB DES HL. NIKOLAUS Der Schauplatz des Bildes ist ähnlich wie in den Fresken B und D angelegt: In Vordergrund ein Raumausschnitt im linken Bildteil, mit barocken Aufbauten der Sakralarchitektur inszeniert rechts ein Durchblick in weitere gewölbte Räume. Die Bodenzone ist jeweils durch Stufenpodeste definiert. Der Raumabschluß nach oben ist nicht gezeigt, an dieser Stelle sind ein geraffter Vorhang und eine Himmelsglorie eingesetzt, ohne illusionistischen Effekt einer Öffnung nach oben.
Der Sarkophag mit der Figur des Heiligen ist – schräg in die Bildtiefe hinein – vor einem Säulenaufbau dargestellt. Am Grabmal haben sich Menschen verschiedener Stände und Rassen versammelt: ein Edelmann, ein Neger, zwei Ordensangehörige in Pilgertracht, zwei Frauen und ein Kind. Aus der Raumtiefe wird ein Besessener herbeigeführt. Vor der Engelsglorie das Spruchband Sepulchrum Ein Gloriosum.
Bezüglich der Farbgebung kann Fresko F als charakteristisch für die übrigen Bilder, besonders jedoch wieder für B und D gelten: der Farbakkord von Steingrau, Marmorrot und Goldocker ist auch hier maßgeblich, allerdings variiert im Gegensatz zu B und D das Rot (von Treppen und Vorhangdraperie) in diesem Fresko mehr zum Goldbraun. Das Weiß-Gelb-Gemisch der Wolken bildet eine Zone der größten Helligkeit, hier in F gleichwertig mit der Darstellung der räumlichen Tiefe, die sich in Helligkeit auflöst. Als Buntfarbe ist mehrmals kräftiges Graublau verwendet, auch kommen die Farben des besser erhaltenen Freskos stärker zur Geltung; Fresko F wirkt gegenüber den stärker beeinträchtigten Langhausfresken farblich lebendiger und spannungsvoller; es gibt den Eindruck von der originalen Farbgestaltung der Bilder.
Am Grab des Nikolaus in Bari geschahen Wunder: Aus dem Sarg trat heilsames und wundertätiges Öl aus, »hier durch zoge Gott von allen Welt-Enden die Christen herzu seinen getreuen Diener zu verehren und dises heylsame Oe abzuholen« (Ribadeneira-Hornig, Bd 2, S. 946).
Die Vita berichtet von der außerordentlichen Frömmigkeit und Askese des Knaben Nikolaus; eine Marienvision ist in den bekannten Vitensammlungen nicht nachzuweisen.
VERTEILEN DES ERBES Vor einem säulengeschmückten Portal verteilt der junge Nikolaus von einem hohen Podest herab aus einem Beutel Münzen in die erhobenen Teller, Hüte und Hände der Armen. Das Bild ist dicht gefüllt mit den Gestalten von Frauen, Kindern und Kranken, die sich auf der Treppe um Nikolaus drängen.
Nach dem Tod der Eltern verteilte Nikolaus deren Hinterlassenschaft an die Armen (loc. cit., S. 938).
Ein sizilianischer Kaufmann hatte eine Ladung Korn eingekauft, die er in Spanien zu verkaufen gedachte. Im Traum erscheint ihm der Bischof und rät ihm, die Ladung mit Gewinn in Myra zu verkaufen, das von einer Hungersnot bedroht wird, und legt ihm zum Beweis, daß der Traum auf Wahrheit beruht, drei Golddukaten in die Hand. Der Kaufmann faßt dies als ein Zeichen Gottes auf und segelt nach Myra, wo er das Land aus einer schweren Hungersnot erretten kann (loc. cit., S. 943).
5 und 6 DAS ÖLFLÄSCHCHEN DER DIANA Die beiden runden Medaillons im AR erzählen ein Ereignis in zwei Bildern. In 6 ein Anlegeplatz (vgl. A), ein Segelschiff wird reisefertig gemacht, am Ufer stehen Kaufleute und ein Pilger, dem die gehörnte Diana ein Fläschchen überreicht. In 5 dasselbe Schiff auf hoher See in einem Unwetter. St. Nikolaus naht auf einem Kahn und befiehlt dem Pilger, das Fläschchen ins Meer zu werfen.
Die Göttin Diana wollte sich dafür rächen, daß Nikolaus einen ihr geweihten Tempel zerstört hatte. In der Gestalt einer frommen Frau überredete sie Pilger, die eine Wallfahrt nach Myra zum Grab des hl. Nikolaus unternahmen, für sie eine dem Heiligen zugedachte Gabe mitzunehmen. In dem Fläschchen war ein gefährliches Öl, das die Kirche des Heiligen in Flammen setzen sollte. Auf dem Meer entstand ein gewaltiger Sturm, der sich erst beruhigte, als auf Geheiß des hl. Nikolaus das Öl auf dem Wasser in Flammen aufging.
7 ERRETTUNG DES VON SARAZENEN GERAUBTEN KNABEN An der Bildbasis eine Landschaft in Vogelperspektive, darüber schwebend Bischof Nikolaus, einen Knaben am Schopf haltend.
Ein Knabe wurde von Sarazenen geraubt und mußte dem König von Babylon als Mundschenk dienen. Am Jahrestag seiner Entführung, dem Nikolaustag, gedenkt der Knabe seufzend seiner Eltern, als der Heilige erscheint, ihn mitsamt dem Becher, den er gerade hält, ergreift und von der Tafel in die Luft entführt. Er stellt ihn seinen frommen Eltern vor die Augen, als diese gerade zum hl. Nikolaus um die Rettung ihres Kindes beten (loc. cit., S. 947).
8 ERWECKUNG DER DREI KNABEN In einem Kellergewölbe steht der hl. Nikolaus vor drei kleinen Knaben, die sich aus zwei Bottichen erheben, zwei Meßdiner begleiten den Bischof. Der Wirt verläßt erschrocken den Raum, während eine Magd sich den Knäblein zuneigt. Die sog. Schülerlegende berichtet von einem Wirt, der drei Schüler getötet und eingepökelt hatte; St. Nikolaus erkannte die böse Tat und erweckte die Knaben zum Leben zurück.
EB1-3 BIBLISCHE SZENEN
EB1 Die Opfer von Kain und Abel, im Hintergrund Kain erschlägt Abel, Inschrift Gen: 4. V. 4. 5.
EB2 Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner im Tempel, dazu die Inschrift rechts Luc: 18. V. 13, 14. Links zwei Männer in Rüstung reichen sich zur Versöhnung die Hände, ihre Schwerter liegen am Boden, in der Mitte Christus und ein Engel, dazu die Inschrift Matth: 5. V.23, 24.
EB3 Gleichnis vom verlorenen Sohn; vorn empfängt der Vater seinen Sohn unter der Haustür, im Hintergrund der abtrünnige Sohn als Schweinehirt. Inschrift Luc: 15.2.20 <math>(= Lc 15, 20).</math>
Ergänzungen zur Ikonographie: Der ausführliche Nikolaus-Zyklus in Unterammergau entspricht im wesentlichen der Nikolaus-Vita bei Ribadeneira-Hornig, Bd 2, S 937-47. Die sog. Schülerlegende fehlt in den geläufigen Legendensammlungen (LA, Surius, Ribadeneira; vgl. auch Gustav Anrich, Der hl. Nikolaus in der griech. Kirche, 2 Bde, Leipzig 1913/17), sie wird auch im Barock verhältnismäßig selten dargestellt (z. B. Unterdießen, CBD, Bd 1, S 244).
Dem Unterammergauer Zyklus ist der Nikolaus-Zyklus in St. Nikolaus bei Huglfing (Joh. Jos. Zwinck 1753, CBD, Bd 1, S. 513–16) ikonographisch verwandt.
Die chronologische Reihenfolge des Zyklus ist in etwa folgende: 1 – 2 – 3 – A Jugendgeschichte, B – 4 – C – D Wirken als Bischof, E – F – 6 – 5 – 7 – 8 postume Wunder. In den Deckenbildern tritt Nikolaus als Retter und Beschützer der Armen, der Schiffer, der unschuldig Verurteilten, der Kinder auf. Dem in der Loisachgegend viel verehrten Patron der Schiffer und Flößer (vgl. Garmisch Nikolauskapelle, Fresko K1 S. 342 f.) ist als »Patron Unterammergaus und des Handelsverkehrs« auch der nördliche Seitenaltar geweiht (das Hochaltarbild - noch aus der Vorgängerkirche stammend - stellt die Himmelfahrt Mariens dar).
Quellen und Literatur
Daisenberger, Joseph Alois, Oberammergau, in: OAVO 20. 1858–61, S. 176–182. Heislainger, Georg und Jakob Ambos, Chronik der Pfarre Unterammergau, Garmisch 1903 Bührlen, Johann Richard, Lüftelmaler Franz Seraph Zwink von Oberammergau, Oberammergau 1921. Bauer, Anton, Kistler- und Fassmaler-Vertrag mit zwei schwäbischen Meistern für den Hochaltar der St. Nikolauskirche zu Unterammergau, in: Das Schwäbische Museum 1927. S. 55 f. Thieme-Becker, Bd 35 (1947), S. 293, s. v. Würmseer Hofmann, Sigfrid, Beiträge zur Bau- und Kunstgeschichte der Kirchen und Kapellen der Pfarreien Ober- und Unterammergau (= Wissenschaftliche Veröffentlichungen des Heimatpflegers von Oberbayern, Reihe A, Heft 4), Schongau 1954, S. 18–29. Bührlen, Johann Richard, Pfarrkirche Unterammergau (= KKF, Nr. 45), 1960. Dehio-Gall OB, S. 211 Mois, Jakob, Unterammergau, Ottobeuren 1969.