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Weindorf, Filialkirche St. Martin

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 2: Die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen, Garmisch-Partenkirchen, Miesbach. Hirmer, München 1981, ISBN 978-3-7991-5834-3, S. 442–443, geschrieben von Bachter, Falk, Bauer-Wild, Anna, Böhm, Cordula, Lüdicke, Lore und Sinkel, Kristin. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

WEINDORF

Filialkirche, Gemeinde und Pfarrei Murnau, Diözese Augsburg; z. Z. der Ausmalung (bis 1743) Pfarrei Staffelsee, Kloster-Ettalisches-Gericht Murnau

Patrozinium: St. Martin

Zum Bauwerk: An die mittelalterliche Kapelle, die jetzt als AR dient, wurde 1730–34 ein LHs angebaut; Weihe 1734. Saalbau zu drei Fensterachsen (8,90 × 5,90 m), im W Empore; zweijochiger AR (6,30 × 4,50 m) mit dreiseitigem Schluß; das Deckenbild A befindet sich im AR, das Wandfresko W am Chorbogen

W Jüngstes Gericht

Auftraggeber: Die Inschrift am Chorbogenfresko Paulus Reindl Preuer und Ursula sein / Haussfrau in Murnau. 1734 weist auf das Brauer-Ehepaar Reindl als Auftraggeber hin. Nach Lohr (S. 23) feierte ihr Sohn Martin am Martinstag 1734 Hochzeit, die vermutlich den Anlaß zu einer Stiftung für die Ausmalung der Kirche bildete.

Autor und Entstehungszeit: Trotz des unterschiedlichen Erhaltungszustandes ist bei den Fresken im AR und am Chorbogen stilistische Einheitlichkeit zu erkennen. Weihe- und Stiftungsdatum weisen auf das Entstehungsjahr 1734 hin. Der Autor ist wegen des schlechten Erhaltungszustandes schwer zu ermitteln; stilistische Anklänge an Augustin Bernhardt (vgl. Bad Kohlgrub, S. 269–72 und Ramsach, S. 397–400).

Befund

Träger der Deckenmalerei: AR (A) Tonne mit Stichkappen (verschliffenes Kreuzgratgewölbe); die LHs-Tonne trägt keine Deckenmalerei

Rahmen: A Stuckprofil, W gemalte Leiste, EB1-3 Stuckprofil

Technik: Fresko; polychrom

Maße: A Höhe 6,00 m; 2,40 × 2,20 WIll = 6,50 – 1,20 × 5,70

Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1934 wurden das Wandfresko W am Chorbogen und die Emporenbrüstungsbilder EB1-3 freigelegt. Bei dieser Gelegenheit fand wohl auch eine Restaurierung des Deckenbildes A statt. A zeigt tiefgreifende Übermalungen, die offensichtlich auch schon auf Restaurierungen des 19. Jh. zurückgehen. Gesichtszüge und Konturen sind nachgezeichnet. Oberhalb des Heiligen im hellen Rund der Gloriole ist sinngemäß wohl ein Dreifaltigkeitszeichen zu ergänzen. Das aufgedeckte Fresko W ist schlecht erhalten, die Farben sind äußerst blaß, die Farbsubstanz ist weitgehend ruiniert. Die Umrißzeichnung ist vom Restaurator offenbar erneuert, die figürliche Darstellung infolgedessen einigermaßen lesbar. EB1-3 sind sehr schlecht erhalten

Beschreibung und Ikonographie

A ST. MARTIN Der Patron der Kirche ist im Bischofs habit auf Wolken, getragen von Engeln, dargestellt. Gnadensstrahlen fallen aus der Himmelsglorie auf den Heiligen. Am östlichen Bildrand ist – unvermittelt – der Kapellenbau von Weindorf wiedergegeben. Auf dem Buch des Heiligen sind Reste einer Inschrift zu erkennen, jedoch nicht mehr zu entziffern.

W JÜNGSTES GERICHT (Mt 24, 30–31 u. 25, 31–33) Die zweite Ankunft des Herrn wird dargestellt durch die Erscheinung des Weltenrichters auf dem Regenbogen in der Mitte des Bogenfeldes. Maria und Johannes der Täufer fürbittend zu seinen Seiten (Deesis). Zur Rechten Christi zeigt ein Engel das Passionskreuz, Zeichen des Menschensohnes. Ein weiterer Engel geleitet die aus Sarkophagen auferstehenden Seligen zu Christus hin. Zur Linken Christi bläst ein Engel die Posaune des Gerichts und weist auf ein Buch mit der Inschrift O Mom/entum/ in quo/ Palet (erneuert, = Patet)/ Aeterni/tas. Mit Flammenschwert stürzt ein Gerichtsengel Teufel und Verdammte in die Flammen der Hölle.

Unterhalb des Regenbogens ist in stark verringertem Figurenmaßstab ein feuriger Höllenrachen mit einem geflügelten Teufel und einer menschlichen Seele wiedergegeben. Statt des traditionellen Darstellungsortes der Gerichtsszene im W der Kirche liegt hier das Bild im O-Teil, am Übergang zum AR.

EB1-3 MARTIN-SZENEN An der Emporenbrüstung sind drei szenische Darstellungen, die Bischof Martin vor Tours als Wundertäter vorstellen, Inschriftbänder mit Bildbenennung am unteren Bildrand:

EB1 S: Martinus ein Erweckher der Todten.

EB2 Austriber der deiflen.

EB3 Vertilger der Gözenbilder

Quellen und Literatur

Gailler, Franciscus, Vindeliciae Sacrae... Capitulum Weilheimense, Augsburg 1756, Cap. 30, 7.

Gebhart, Hansjakob, Staffelseechronik, Murnau [1931], S. 129.

Lohr, Martin, Murnau (= KKF, Nr. 476), München3 1961, S. 22 f.