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Treidelheim, Filialkirche St. Veit

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 10: Landkreis Neuburg-Schrobenhausen. Hirmer, München 2005, ISBN 978-3-7774-2365-4, S. 306–307, geschrieben von Volk-Knüttel, Brigitte. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

TREIDELHEIM

Filialkirche der Pfarrei Mauern (Pfarrverband Rennertshofen), Markt Rennertshofen, Diözese Augsburg. Für die Kirche wurde im 18. Jahrhundert ein Reliquienpartikel des hl. Veit erworben (Authentik vom 18.10.1758). Gericht Graisbach/Monheim (Pfalz-Neuburg)

Patrozinium: St. Veit

Zum Bauwerk: Die Kirche wurde nach Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg unter Beibehaltung spätromanischer Bauteile nach 1639 errichtet und um die Mitte des 18. Jh. neu ausgestattet. Nach der Abschrift der Weiheinschrift, die gerahmt an der N-Wand der Kirche hängt, wurde sie am 14.7. 1755 von Augsburger Weihbischof Franz Xaver Freiherr Adelmann vor Adelmannsfelden geweiht. Von zwei das Fresko der Emporenbrüstung (EB) flankierenden Chronogrammen bezieht sich das linke ebenfalls auf die Weihe von 1755: SANCTO VITO / AVXILIATORI IN HIS / TRIBVLATIONIBVS NOSTRIS / ISTA ECCLESIA FILIALIS BIS / SEPTEM IVLII SACRATA (= 1755).

Flachgedeckter Saalbau zu zwei Achsen mit eingezogenem ebenfalls flachgedecktem Chor mit glattem Schluß; Dachreiter an der W-Seite. Belichtung im AR durch zwei, im LHs durch zwei Fenster im S und ein Fenster im N. Im W Empore.

Auftraggeber: Pfarrer von Mauern z. Z. der Ausmalung war Franz Josef von Biberbach (1752–61).

Autor und Entstehungszeit: Autor unbekannt, 1757 Chronogramm rechts an der Emporenbrüstung: SACRA AEDES / ISTAS RENOVATAS / DOCTE LEGENS FIDAS (= 1757). Die durch Restaurierung stark verdorbenen und übermalten Deckenbilder dürften aus dieser Zeit stammen.

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs (A) und AR (B) Flachdecke Rahmen: Profilierte Stuckrahmen, A vierpaßförmig, B rund EB rechteckig mit eingezogenen, halbrund ausschwingender Schmalseiten

EB Heiliger Wandel

Technik: Fresko, polychrom Maße: A Höhe 4,80 m; Ø 3,10 B Höhe 3,65 m; Ø 1,10 EB 0,85 x 1,80

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Die Fresken sind weitgehend neu wohl auf alter Grundlage gemalt. 1956 fand eine Renovierung statt.

Beschreibung und Ikonographie

A MARIA UND DIE VIERZEHN NOTHELFER Die Heiligen sind in zwei Ebenen angeordnet. Oben in der Mitte thront auf Wolken die Gottesmutter, die das Kind mit der Weltkugel auf dem Schoß hält und den Fuß auf die Mondsichel stellt. Unmittelbar zu ihrer Rechten sieht man die drei hll. Jungfrauen: Barbara mit dem Hostienkelch, Katharina mit Schwert und Rad sowie Margaretha mit Kreuz und Drachen. Maria und der Jesusknabe wenden sich der Heiligengruppe zu ihrer Linken zu mit dem Patron der Kirche, dem hl. Veit, in der Mitte. Er trägt einen blauen, mit Hermelinkragen besetzten Mantel und auf dem Haupt einen Fürstenhut, mit der Linken stützt er sich auf sein Attribut, den Ölkessel. Sein Blick sucht den Betrachter, den er auf Jesus und Maria hinweist. Er wird flankiert von dem gewöhnlich als Diakon wiedergegebenen hl. Cyriacus mit der Martyrerpalme und einem Sitzenden mit großem Kreuz, dem Ritter Achatius (beide wohl infolge von Restaurierung nicht mehr als Ritter und Diakon erkennbar). In der tiefer gelegenen Zone des Himmels erscheinen, ebenfalls auf Wolken, links die drei hl. Bischöfe: im Vordergrund Dionysius, der seinen abgeschlagenen Kopf in Händen hält, neben ihm, stehend und zu Maria emporblickend, Erasmus mit einer großen Darmwinde und weiter hinten Blasius, mit Bischofsstab und zwei Kerzen. Den Bischöfen steht auf der rechten Seite eine dichtgedrängte Gruppe von vier Heiligen gegenüber: im Vordergrund in schwarzer Rüstung und rotem Mantel der hl. Georg mit der Fahne, neben ihm, seinen Blick suchend, der hl. Benediktiner Aegidius mit der Hirschkuh, dahinter die mächtige Gestalt des hl. Christophorus mit dem Christkind auf der Schulter, und neben diesem schließlich der hl. Arzt Pantaleon mit den auf das Haupt genagelten Händen. Zwischen beiden Gruppen bleibt in der Mittelachse des Bildes eine Art Gasse frei, in der im Hintergrund etwas kleiner der hl. Eustachius sichtbar ist, der vor dem Hirsch mit dem Kreuz im Geweih ins Knie gesunken ist.

B KRÖNUNG MARIENS In streng achsialer Ausrichtung kniet Maria in der Bildmitte auf Wolken, die gefalteten Hände vor der Brust erhoben und den Blick gesenkt. Sie ist farblich akzentuiert durch das kräftige Blau des Mantels, zu dem wenig Rosa und Weiß treten. Etwas oberhalb thronen rechts Gottvater und links Christus und halten eine Bügelkrone über ihr Haupt; darüber schwebt die Taube des Hl. Geistes. Hinter ihren Köpfen wehen ihre Gewänder segelartig hoch. Der Umhang von Christus ist rotbraun, der von Gottvater gelb und grün gefüttert; er trägt ihn über blauem Kleid. Das große Kreuz des Erlösers, das dieser mit der Rechten hält, und Gottvaters Zepter auf der Weltkugel, die auf seinem Knie ruht, sind in symmetrischer Anordnung nach außen gerückt.

3 Krönung Mariens

EB DER HEILIGE WANDEL Dargestellt ist die Heilige Familie auf dem Heimweg nach Nazareth nach dem Wiederauffinden Jesu im Tempel (Lc 2,41-51). – Vor einer gebirgigen Landschaft schreiten im Vordergrund Maria und Joseph nach links und führen das Jesuskind zwischen sich an der Hand. Die Gottesmutter deutet in Richtung des eingeschlagenen Weges. Ihr Mantel und ihr Kleid sind in den Farben Blau und Rosa gehalten, dazu kommt ein gelber Schleier. Das Kind trägt ein weißes Kleidchen und ein rosa Tuch, Joseph ein blaues Kleid und einen gelben Umhang sowie einen gelben breitkrempigen Hut. Über seiner Schulter hängt ein Bündel an einem Stecken.

Rechts sieht man die Dächer und Türme von Jerusalem, wo Maria und Joseph ihren Sohn im Tempel unter den Schriftgelehrten wiedergefunden hatten, links stehen auf einer Anhöhe zwei Bäume, deren atmosphärisch gemaltes Laub zusammen mit der blauen Gebirgslandschaft und den ungebrochenen Farben der Gewänder, vor allem Gelb und Blau, die auch bei den übrigen Deckenbildern zu beobachten sind, der Darstellung eine gewisse Stimmung verleiht.

Quellen und Literatur

ABA, Pf 86 (Pfarrarchiv Mauern), Karton 19, Nr. 6: Reliquien; ebd. Wiedenmann, Moritz, Generalschematismus der Diözese Augsburg, Bd I, S. 155. BLfD, Registratur, Akten Treidelheim, Filialkirche St. Veit. Braun-Augsburg Bd 1, S. 486; Bd 2, S. 257. Steichele Bd 2, S. 696 f. Böhaimb, Carl August, Mauern, in: NK 35, 1869, S. 48, 51 f. Hopp, Bd 1, S. 127 f. Sedelmayer, Josef, Dr. Leonhard Mayr. Pfarrer und Dekan bei St. Peter in Neuburg a. D., in: NK 91, 1926, S. 35. Horn/Meyer 1958, S. 750-753

B. V.-K.