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Unterhausen, Pfarrkirche St. Pankratius

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 10: Landkreis Neuburg-Schrobenhausen. Hirmer, München 2005, ISBN 978-3-7774-2365-4, S. 308–312, geschrieben von Volk-Knüttel, Brigitte. Original (Passwortgeschützt)
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UNTERHAUSEN

Pfarrkirche (Pfarrverband Burgheim), Gemeinde Oberhausen, Diözese Augsburg. Der Ort hieß bis ins 18. Jahrhundert Gremelzhausen, Gremerzhausen oder Grienwaltshausen und war seit 1638 eine Hofmark des Jesuitenkollegs Neuburg

Nach dessen Aufhebung 1773 kam die Hofmark 1781 an die Malteserordenskommende Neuburg. Das Patronatsrecht lag beim Landesherrn, z.Z. der Ausmalung Kurfürst Carl Theodor von Pfalz-Neuburg bzw. seit 1777 von Pfalz-Bayern. Gericht Neuburg

Patrozinium: St. Pankratius

Zum Bauwerk: 1770 drohte das Dach der bestehenden Kirche einzustürzen. Nach Prüfung durch Sachverständigenkommissionen des bischöflichen Ordinariats in Augsburg am 10.3.1772 und des Propstamts der Jesuiten in Neuburg vor Dezember 1772 (StA Augsburg, Malteser-Orden) wurde sie abgebrochen und am 6.4.1775 der Grundstein zu einem Neubau gelegt. Dominicus Maria Salle (Sales, Salles) aus Roveredo, Baumeister des Eichstätter Domkapitels, zeichnete den Grund- und Aufriß und erhielt dafür 82 fl. 48 kr. (ebd., Baurechnung 1775/76, Nr. 72). Sein Kostenvoranschlag für den Neubau belief sich auf 1500 fl. Die nötigen Geldmittel waren vorhanden, da auf Veranlassung des Propstamts der Jesuiten in Neuburg, das die Verwaltung der Hofmark innehatte, von 1755 bis 1775 in die Stiftungskasse in Unterhausen 2703 fl. 18 kr. zurückgelegt worden waren (Leuthenmayr, S. 67). Auch die Gemeinde verpflichtete sich zur Erstattung von Kosten. Pfarrer Johann Georg Kellermann führte vom 1.4.1775 bis 1.4.1776 die Baurechnung. Die Kosten beliefen sich auf 2433 fl. 25 kr. (StA Augsburg, Malteser-Orden, Baurechnung in Abschrift). Enthalten war hierin die Ausmalung des Chors (s.u.). Bereits am 30. 10. 1775 konnte die Kirche durch Pfarrer Wolfgang Joseph Holl, Baukommissar und Dekan des Landkapitels Neuburg, benediziert werden, im nächsten Jahr blieb sie jedoch unvollendet und ohne neue Altäre stehen, weil die finanziellen Mittel erschöpft waren. Erst 1782 wurde sie vollendet, 1799 erfolgte die zweite Fresko-Taufe kierung (s.u.). In dieser Ausstattungsphase entstand das Hochaltarbild mit der Darstellung des hl. Pankratius von Johann Nepomuk della Croce, 1801. Die Seitenaltarbilder wurden ebenfalls von ihm ausgeführt, zusammen mit seinem Sohn Clemens Johann Evangelist della Croce, 1805. Den im Stil des 18. Jh. gehaltenen Turm erbaute man 1820 als Ersatz für einen hölzernen Dachreiter.

Martyrium des hl. Pankratius
Der Kirchenraum

Die Kirche, die in einem ummauerten Friedhof liegt, ist ein Saalbau zu drei Fensterachsen, im W mit geschwungener Empore (1901 erweitert), im O mit korbbogigem Chorbogen. Die Ostecken des LHs sind abgerundet und haben halbrunde Nischen für die Seitenaltäre. Eingezogener, halbrund geschlossener, etwas niedrigerer Chor. Belichtung durch korbbogige Fenster. Im südlichen Chorwinkel zweigeschossige Sakristei mit Gang zur Kanzel; das Obergeschoß öffnet sich als Oratorium zum AR. Westlich vorgebauter Turm mit vier quadratischen Untergeschossen und zwei oktogonalen Obergeschossen mit Zwiebelhelm.

Auftraggeber: Pfarrer in Unterhausen zur Zeit des Kirchenneubaus und der ersten Ausmalung war Johann Georg Kellermann (1772–93). Er starb am 5.11.1793 (Grabstein an der Südwand der Kirche). Sein Nachfolger war Johann Nepomuk von Oberhauser, der am 16.11.1793 von Kurfürst Carl Theodor ernannt wurde. Oberhauser ist der Auftraggeber der zweiten Ausmalung von 1799.

Autor und Entstehungszeit:

Ausmalung 1775 (Chorfresken, nicht erhalten) Johann Michael Franz, Hofmaler des Fürstbischofs von Eichstätt (* 1715 Dirlewang bei Mindelheim † 1793 Eichstätt).

Die erste Ausmalung des Chors erfolgte 1775 zusammen mit dem Kirchenbau und wird in der Baurechnung von 1775/76 abgerechnet (StA Augsburg, Malteser-Orden, Abschrift der Baurechnung, Nr. 107, unter unterschiedliche Ausgaben): »Herr Johann Michael Franz Hochfürstl. Eichstättischer Hofmahler (hat) für die Mahlerey in dem Chor per Accord erhalten 45 fl.«. Für Kost und Logis für ihn und Dominicus Salle sowie für Gerüsthölzer wurden nochmals 23 fl. 15 kr. bezahlt (ebd. Nr. 108). Die Berufung des Architekten des Domkapitels von Eichstätt und des Hofmalers des Eichstätter Fürstbischofs dürfte von den Jesuiten ausgegangen sein, die trotz der Aufhebung des Ordens 1773 die sehr gut geführte Verwaltung ihrer Hofmarken zunächst noch innehatten. Sie unterhielten gute Verbindung zu den Künstlern, wie am Beispiel von Berger (s. S. 45) zu sehen ist, wo Salle ebenfalls tätig war. Sie konnten berufen, wen sie wollten und waren nicht verplichtet, auf einheimische Künstler zurückzugreifen, wie es den Pfarrern nahegelegt wurde.

Ausmalung 1799 (Chor und Langhaus) Joseph Leitkrath (1739 Eggenthal Lkr. Kaufbeuren † 1811 Donauwörth). Signatur (verderbt) im Vordergrund von A: Joseph Leuh kam. inv. et. pinxit. / 1799.

Joseph Leitkrath war seit 1765 Bürger und Maler in Donauwörth. Dort waren außer ihm noch Johann Baptist Enderle und Joseph Anton Wunder als Freskanten tätig. In der Kompositionsweise ist der Einfluß von Johann Baptist Enderle auf Leitkrath unverkennbar; Leitkraths verwaschenes, etwas morbides Kolorit ist Enderle gegenüber jedoch verfeinert und erinnert gelegentlich an Baumgartner. Von Leitkraths eigenen, sehr zahlreichen Werken weisen die Fresken in der Wallfahrtskirche Antoniberg bei Stepperg, entstanden gegen 1790, die größte Ähnlichkeit zu Unterhausen auf.

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs (A, 1-4) und AR (B) Flachdecke über Hohlkehle über profiliertem Gesims Rahmen: Die gesamte Rahmung ist gemalt Technik: Fresko: polychrom

Maße: A Höhe 7,20m; 5,50×4,30

1–4 Höhe 7,20 m; Ø 1,60

B Höhe 6,90 m; 4,10×3,20

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Eine Restaurierung fand 1874 statt. 1901 wurde die nur 2 m tiefe Orgelempore um mehr als das Doppelte ins Schiff vergrößert und ein Jahr später eine neue Orgel aufgestellt. Auf der geschwungenen Emporebrüstung waren ursprünglich in Leimfarbe drei Darstellungen gemalt, die bei dieser Erweiterung zugrunde gingen, in der Mitte eine Graböffnungsszene, rechts und links jeweils das Brustbild eines Apostels (Landbauamt an Bezirksamt 25.5.1901; StA Augsburg, BA Neuburg, Nr. 6318). Vielleicht handelte es sich um das Grab des hl. Pankratius in Rom und die hll. Petrus und Paulus. 1922 wurde durch Karl Glaubacker Regensburg, eine dringend notwendige Innenrestaurierung durchgeführt (vgl. das Gutachten des Generalkonservatoriums vom 18.5.1921: »Ein Teil der gemalten Bilderrahmer scheint übertüncht zu sein... Wände und Decken sind häßlich getüncht und schlecht bemalt. Die Deckengemälde voll kleiner Schimmelpilze und Schmutz...«). Bei einer 1958 erfolgten Restaurierung durch August Kröninger, München, sollten die Deckenbilder »sachgemäß gereinigt werden, nach Möglichkeit trocken. Im Mittelbild sind zwei Risse zu schließen. Ein Medaillonbild zeigt stärkere Wasserschäden« (Gutachten des BLfD vom 8.5.1958). Bei dem Medaillonbild handelt es sich wohl um Darstellung 1. Bei einer grundlegenden Sanierung der Kirche innen und außen im Jahr 1985 waren die Deckenbilder offenbar nicht betroffen.

Beschreibung und Ikonographie

Der hl. Pankratius war Patron der Ritter und des Adels. Das seltene Patrozinium findet sich im Gebiet von Neuburg nur noch in einer Kapelle in Graisbach. Der letzte Graf von Graisbach-Lechsgemünd, Berthold, besaß den Kirchensatz in Unterhausen und vermachte ihn 1342 dem Kloster Niederschönenfeld. Durch diese Verbindung der Grafen von Graisbach gelangte das Pankratiuspatrozinium wahrscheinlich nach Unterhausen (Pötzl). Dargestellt sind im LHs in einem Hauptbild (A) und vier Nebenbildern (1-4) sowie in einem Fresko im AR (B) Bekehrung, Martyrium und Glorie des hl. Pankratius nach der legendären Vita in den AASS (Mai, Bd II, 12.5., S. 17–22) und anderen Überlieferungen. – Der aus vornehmem Geschlecht stammende Pankratius lebte in Phrygien und kehrte als Knabe nach dem frühen Tod seiner Eltern in Begleitung seines Onkels Dionysius in seine Vaterstadt Rom zurück. Hier wurden beide von Papst Caius (283-96) zum Christentum bekehrt. In der diokletianischen Verfolgung fiel Pankratius den Häschern in die Hände, die ihn vor den Kaiser führten. Dieser erkannte in dem Knaben den Sohn eines Freundes, versuchte infolgedessen, ihn vom Christentum abzubringen und versprach ihm Reichtum und Protektion. Als der erst vierzehnjährige Pankratius in seinem Glauben verharrte, ließ ihn der Kaiser vor der Stadt auf der Via Aurelia enthaupten. Die AASS verlegen das Geschehen in die Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian (284–305); diese Legendenversion enthält jedoch eine Reihe von historischen Unstimmigkeiten. Andere Quellen nennen Cornelius (251–253) als römischen Bischof zur Zeit des Todes von Pankratius. Da in Fresko auch ein Bischof dargestellt ist, den die AASS nicht erwähnen, ist in der Beschreibung der Fresken auf eine Identifizierung mit historischen Personen verzichtet.

A MARTYRIUM DES HL. PANKRATIUS Die einansichtige, nach O gerichtete Darstellung schildert die Verurteilung und Hinrichtung des Heiligen außerhalb der Stadt Rom. Die rechte Bildhälfte nimmt der auf drei Stufen erhöhte Thron des Richters ein, der unter einem dekorativ drapierten Baldachin sitzt. Dahinter erhebt sich eine Götterstatue auf hohem

Firmung des hl. Pankratius
Pankratius wird abgeführt
B Glorie dec hl Pankratin

Sockel. Links kniet der vierzehnjährige Pankratius. Er blickt gläubig empor zum Himmel, wo ihm die Dreifaltigkeit erscheint und ein Engel den Kranz des Martyrers bereithält. Neben dem Delinquenten hat der vom Rücken gesehene Henker bereits das Richtschwert zum Schlag erhoben. Im Hintergrund sieht man Soldaten und Gebäude. Auffällig ist die orientalisierende Tracht des Richters und der drei Männer rechts von seinem Thron. Die etwas spannungslose Komposition ist in starker Untersicht gegeben, doch wie ein hochformatiges Tafelgemälde von einer Seite aus zu betrachten. Hohe Steinstufen steigen unten von dem geschwungenen Rahmen au und bilden eine feste Basis für die Komposition. Die Figuren sind bildparallel angeordnet, Tiefenräumlichkeit wird kaum noch angestrebt. Demzufolge ist auch des Künstlers frühere Kompositionsprinzip, eine hell ausgeleuchtete Mittelzone vor einer verschatteten Repoussoirzone abzusetzen, kaum noch ausgeprägt. Auf der untersten Stufe, die die Künstlersignatur trägt, liegen im Schatten Waffen als Zeichen des erduldeten Schicksals des Heiligen, sowie eine schwere Kugel mit einer Fessel und ein Liktorenbündel. Auch die vom Rücken gesehene Gestalt am Fuß des Throns ist beschattet.

Die aufgehellte Palette von Leitkraths originellem, weich modellierenden Kolorit setzt klar umrissene Farbakzente. Helles Rot, Gelbtöne und ein nach Türkis gehendes Grün verleihen den Fresken einen etwas morbiden Farbcharakter. Die Durchzeichnung der Figuren ist präzise und gekonnt, die Qualität ist gut, eher besser als bei Enderle.

I TAUFE DES HL. PANKRATIUS DURCH DEN ROMISCHEN BISCHOF Auf Stufen kniet der jugendliche Pankratius neben einem Taufbecken. Hinter ihm steht sein Onkel Dionysius und legt ihm die Hand auf die Schulter. Der Bischof in der Bildmitte gießt aus einer kleinen Schale Wasser über das Haupt des Täuflings.

2 FIRMUNG DES HL. PANKRATIUS DURCH DEN PAPST Der links thronende Papst salbt dem knienden Pankratius die Stirn. Drei Männer, darunter eine Repoussoirfigur in Rückenansicht, wohnen dem Firmungsakt bei.

3 DER HL. PANKRATIUS VERTEIDIGT SEINEN GLAUBEN VOR DEM KAISER Der Kaiser thront erhöht unter einem Baldachin. Außer Zepter und Krone trägt er einen Hermelinkragen, auf dem eine schwere Goldkette liegt. Pankratius wird von rechts durch einen Soldaten hereingeführt. Seine Haltung ist selbstbewußt, die Hand hat er im Redegestus erhoben. Vor dem Thron steht ein Sockel, auf dem eine Perlenkette liegt als Hinweis auf die Versprechungen des Kaisers, im Vordergrund präsentiert ein Scherge ein Rad und einen Morgenstern in Anspielung auf das zukünftige Martyrium.

4 DER HL. PANKRATIUS WIRD ABGEFÜHRT In der Bildmitte wird Pankratius, dessen Kleidung in lichtem Rot und Gelb gehalten ist und dessen Haupt ein heller Heiligenschein umgibt, von zwei Soldaten in Ketten abgeführt. Im Hintergrund sieht man die römische Stadtbefestigung als Hinweis auf den Richtplatz.

B GLORIE DES HL. PANKRATIUS Der kindliche Heilige kniet in der Tracht der römischen Soldaten auf Wolken, ein Engel hinter ihm hält Lorbeerkranz und Palme bereit. Zu seinen Füßen liegt die Stadt Rom. Das Tor links trägt die Aufschrift: PORTA S. PANCRATII. Dieses Tor zur Via Aurelia, die Porta Aureliana oder Gianiculense, hatte später den Namen des Heiligen erhalten. An der Stelle seines Martyrium auf der Via Aurelia befindet sich die Pankratiusbasilika mit den Katakomben, wo seine Gebeine aufbewahrt werden.

Quellen und Literatur

ABA, Pfarrarchiv Unterhausen: Kirchenbau; ebd. BO, Dekanatsarchiv Neuburg, Akt über die Pfarrei Unterhausen: Kirchenbau. - Summarische Übersicht der Pfarr- und Kirchenverhältnisse zu Beginn des Jahres 1892: Restaurierung 1874. BHStA, PNA, NA 1989, Nr. 5462: Pfarrei Unterhausen, Einkünfte, Besetzungen, Kirchenbau, Patronatsrecht 1682-1794. BLfD, Registratur, Akten Unterhausen, Pfarrkirche St. Pankratius: Restaurierungen ab 1921.

StA Augsburg, Malteser-Orden, Großballei Neuburg, Nr. 102: Pfarrei Unterhausen, Kirchenrechnung 1769/70; Baurechnung 1775/76.

StA Augsburg, BA Neuburg, Nrn. 6318 u. 6319: Orgelempore 1901; ebd. Regierung, Nr. 13417: Restaurierungen 1906–1953.

Braun-Augsburg, Bd 1, S. 480.

Leuthenmayr, Johann Baptist, Pfarrdorf Unterhausen, in: NK 26, 1860, S. 61–69.

Hopp, Bd 2, S. 82.

Horn/Meyer 1958, S. 762–764

Pötzl, III, S. 43, 58

Großmann, Lore, Geschichte der Stadt Donauwörth, 2: 1618 bis zur Gegenwart, Donauwörth 1978, S. 362 (Lebensdaten Leitkraths).

Drobner, Hubertus R., Der heilige Pankratius. Leben, Legende und Verehrung, Paderborn 1988, S. 9 passim, S. 47, 51.