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Tacherting, Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 11: Landkreis Traunstein. Hirmer, München 2005, ISBN 978-3-7774-2695-2, S. 166–174, geschrieben von Bauer-Wild, Anna. Original (Passwortgeschützt)
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TACHERTING

Gemeinde und Pfarrei Tacherting Erzdiözese München und Freising. Ehem. Erzdiözese Salzburg, Archidiakonat Baumburg Gericht Trostberg

Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt Friedhofskapelle S. 174

Pfarrkirche (seit 1883). Tacherting war Urpfarrei, verlor aber seine pfarrliche Würde im Lauf des Mittelalters und war im 18. Jh. Filiale der Pfarrei Peterskirchen. Die Seelsorge übte ein exponierter Kooperator aus. 1805-83 war Tacherting Filiale von Trostberg. Die St.-Anna-Bruderschaft wurde 1763 bestätigt.

Patrozinium: Mariä Himmelfahrt

Zum Bauwerk: Der spätgotische Neubau anstelle eines romanischen Vorgängerbaus wird ins dritte Viertel des 15. Jh. datiert. Er war ursprünglich dreischiffig, hatte aber in der östlichen LHs-Hälfte einen Mittelpfeiler, der ein Sterngewölbe trug. Neue Altarausstattung 1679. Erste Barockisierung 1727/ 28 mit Dachreparatur, Vergrößerung der Fenster und Ausbrechen zweier weiterer sowie Veränderung der Decke: »...an dem Kirchengewölb die zum Herabfahlen genaigte alte Gradt herabzunemmen, und sowol dises Gewölb, als auch die Kürchen durchaus auszubessern, und zu verbuzen«. Der Kostenvoranschlag lautete auf 879 fl.; Konsens am 4.8.1727 (BHStA). Neuer Tabernakel und neue Kirchenstühle 1747. 1765/67 Umbau und weitere Barockisierung durch den Trostberger Maurermeister Franz Alois Mayr: Der Mittelpfeiler wurde entfernt, statt der gotischen Gewölbe wurde eine große lattengewölbte Flachkuppel eingezogen, die gotischen Pfeiler wurden ummantelt, die Fenster und Wandgliederungen neu gestaltet. Für diese Arbeiten waren 906 fl. ratifiziert (StAM, Pfleggericht Trostberg 125: Ausgaben im Jahr 1765 360 fl., 1766 274 fl., 1767 344 fl.). Finanziell war die Kirche Tacherting durch den Bau und eine Dachreparatur 1774 stark beansprucht, denn noch 1776 wird gesagt, die Reparaturen an der Annakapelle könnten erst durchgeführt werden, »wenn dise Filial sich wieder in etwas erhollet haben wirdet« (ebd.).

Maria als Himmelskönigin (Franz Joseph Soll 1766/67)

Das LHs zeigt sich heute als überkuppelter Quadratraum, folgend auf ein dreischiffiges Vorjoch mit durchgehender Empore, die von zwei gotischen, barock ummantelten Pfeilern getragen wird. Gliederung durch Wandvorlagen mit Pilastern. Belichtung durch zwei Fenster von N und zwei von S. Stark eingezogener AR zu zwei Jochen mit dreiseitigem Schluß. Das Fresko befindet sich im LHs.

Auftraggeber: Pfarrer von Peterskirchen z. Z. der Ausmalung war Johann Michael Auer (1761-69), gebürtig aus Saalfelden, der sich um die Erneuerung seiner Pfarrkirche und seiner Filialen sehr verdient gemacht hat: Außer der Barockisierung von Tacherting ließ er die 1760/61 barockisierte Pfarrkirche Peterskirchen durch Johann Anton Seltenhorn aus Kraiburg für 2000 fl. ausmalen (im 19. Jh. regotisiert). Ab 1766 verfolgte er den Plan zur Barockisierung der Filiale Emertsham (Voranschläge 3900 fl., s. StAM, Pfleggericht Trostberg A 126). Dies wurde zwar ratifiziert, aber dann vom Trostberger Pflegsver weil Johann Andreas Pracher (1764–99) hinausgezögert; erst 1772 fand ein Umbau mit geringfügiger Erweiterung durch eine Veränderung der Empore statt. (Emertsham wurde wie Peterskirchen und Deinting im 19. Ih. regotisiert.)

Der Kirchenraum

Johann Michael Auer starb am 5.2.1769 in Peterskirchen »Parochus zelosissimus, instaurandae, ac excolendae Ecclesiae Parochialis /:est summus huius Benefactor:/ maxime cupidus« (Ein sehr bemühter Pfarrer, in der Erneuerung und Verschönerung der Pfarrkirche überaus eifrig. Er ist ihr größter Wohltäter.). Exponierter Kooperator in Tacherting war Matthias Wernleitner (1743-72), ein Traunsteiner Wirtssohn, der am 15.4.1772 in Tacherting starb.

Autor und Entstehungszeit: Franz Joseph Soll (* 1734 Friedingen an der Donau † 1798 Trostberg, s. S. 382) um 1766/67 Das Fresko ist weder signiert noch datiert. Die Autorschaft Franz Joseph Solls wurde aus stilistischen Gründen kurz nach der Freilegung erkannt und nie infrage gestellt. Als Entstehungsjahr wurde bisher 1780 angenommen, das Jahr, in dem Soll die Fresken der Annakapelle in Tacherting signiert und datiert hat; doch ist die damit belegte Anwesenheit Solls in Tacherting insofern kein Argument für die Datierung des Freskos in der Kirche, da Tacherting ja von Trostberg/Schedling aus, wo Soll seit 1761 wohnte, leicht erreichbar war. Näherliegend ist eine Datierung in die Umbauzeit der Kirche 1765/67, schon allein aus äußeren Gründen, da man eine so große Kuppelfläche kaum jahrelang ungestaltet lassen konnte – und man in der Regel auch das Baugerüst aus Kostengründen für die Ausmalung nutzte. Außerdem ist der Rahmen des Tachertinger Kuppelbildes dem Rahmen des Hauptfreskos in Feichten (1763/64, s. CBD, Bd 9, Abb. S. 85) sehr ähnlich – jeweils ein Stuckprofil (vom Bautrupp Franz Alois Mayrs), das in regelmäßigen Abständen von sehr kleinen Rocaillen besetzt ist, die in Tacherting und in Feichten sicher von der gleichen Hand stammen.

Für die Datierung in die Zeit 1766/67 spricht auch der Stil der Malerei, der sich von dem der Deckenbilder in der Annakapelle stark unterscheidet. In seiner Frühzeit malte Soll Figuren in lebhafter barocker Bewegtheit, sichtlich von Heigls Malweise beeinflußt, doch fehlt diesen Figuren die Körperlichkeit, sie sind flächig, der Umriß oft fahrig. Außerdem ist Soll in seinen frühen Himmelsdarstellungen etwa in Wald an der Alz 1762 oder Feichten 1763/64 zu überzeugenden Kompositionen noch nicht fähig. Das ist auch noch in Tacherting zu spüren, wo er die manchmal sehr hübschen Figurengruppen ohne kompositorischen Halt lose in den Wolken verteilt.

Befund

Träger der Deckenmalerei: Flachkuppel

Rahmen: Kräftiges Stuckprofil mit überlappenden Ornamenten

Technik: Fresko; polychrom

Maße: Höhe 10,30 m; Durchmesser 7,20

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Bei einer Innenrestaurierung 1876/77 wurde die Kirche durch den Burghauser Maler Schiegl neu ausgemalt: das große Kuppelbild wurde mit einem riesigen Monogramm Mariens im Strahlenkranz übermalt. Bei der nächsten Innenrestaurierung 1914 durch Vitzthum und Schlee, Altötting, wurde das barocke Bild wieder aufgefunden, freigelegt und restauriert. Die Freilegung war unproblematisch, schwierig nur im Bereich der ölvergoldeten Strahlen. Die ausführliche neubarocke, ornamentalfigürliche Bemalung, für die Vitzthum und Schlee Pläne vorgelegt hatten, wurde nur im Chor und am Rand des LHs-Gewölbes ausgeführt. Restaurierung der Altäre und des Chors 1951 durch Fa. Alois Schlee, Altötting. Im Rahmen einer Gesamtrestaurierung 1969-74 restaurierte 1971 Martin Zunhamer, Altötting, das Fresko. Es war aufgrund von Pilzbefall stark vergraut und in Einzelheiten kaum mehr erkennbar, hatte Wasserschäden und zeigte Abblätterungen. Es wurde saniert und gereinigt, Risse wurden geschlossen und Fehlstellen eingestimmt. Seine ursprüngliche Farbfrische hat das Fresko zwar verloren, auch hat die ursprüngliche Substanz besonders im Mittelbereich stark gelitten, doch ist die Hand Solls vor allem im Randbereich noch unverkennbar. – Die neubarocke ornamentale Bemalung von 1914 sollte bei der letzten Restaurierung »aus formalen Gründen nicht ersatzlos aufgegeben«, sondern nur farbig verbessert werden.

Beschreibung und Ikonographie

Die Flachkuppel zeigt um das große, stuckgerahmte Kuppelfresko eine umlaufende vergoldete Blumengirlande, an ihr in den Diagonalen gemalte Wölkchen mit Putten und Kartuschen mit den Darstellungen der Vier Evangelisten, sowie zwei Rocaille-Kartuschen in der Hauptachse mit Inschriften. Diese Dekoration geht auf die Restaurierung von 1914 zurück, ebenso wie die dekorative Bemalung des gotischen Gewölbes im AR.

A MARIA ALS HIMMELSKÖNIGIN Im großen Kuppelfresko erscheint im Zentrum Maria in königlichem Gewand mit Zepter und der Krone der Patrona Bavariae, einem Sternenkranz um das Haupt. Sie ist umgeben von Engeln in Wolken. Rings im Kuppelrund erscheinen zahlreiche Heilige und Engel. Die Idee des Bildes ist, daß die einzelnen Ordnungen der Heiligen und die Engel jeweils Maria eine Krone darbringen und sie damit als ihre Königin auszeichnen. Maria wird in der Lauretanischen Litanei als Regina Angelorum, Regina Patriarcharum, Regina Prophetarum, Regina Apostolorum, Regina Martyrum, Regina Confessorum und Regina Virginum angerufen.

KÖNIGIN DER ENGEL Maria ist im innersten Kreis von Engeln und Putten umgeben. Ein großer Engel präsentiert ihr auf purpurnem Kissen eine perlenbesetzte Zackenkrone, die ihr als Königin der Engel gebührt.

KÖNIGIN DER BEKENNER In der Hauptansicht sind unter dem Engel mit der Krone zwei Äbte zu erkennen. Einer ist Bernhard von Clairvaux in der weißen Kleidung der Zisterzienser, dem ein Putto Buch, Stola und Mitra hält. Er trägt auf der Brust das Abtskreuz und hat in der Linken als Attribute die Arma Christi, das Kreuz mit Dornenkrone und Nägeln, die Lanze und den Schwamm am Stab. Der zweite Abt ist Leonhard von Noblac im schwarzen Habit der Benediktiner. Er blickt zu Maria auf und hält in Händen den Abtstab und die Kette, sein Attribut. Zu seinen Füßen liegen Mitra und Buch.

Maria, Königin der Engel, der Propheten und der Bekenner, Ostseite des Kuppelfreskos

LANDKREIS TRAUNSTEIN – TACHERTING

Maria, Königin der Märtyrer, der Apostel und der Jungfrauen, Südseite des Kuppelfreskos

LANDKREIS TRAUNSTEIN : TACHERTING

Maria als Himmelskönigin und die Heiligen Ursula von Köln, Margareta und Johann Nepomuk, Westseite des Kuppelfresko

Vor diesen beiden Heiligen ist ein Putto zu sehen, der Maria auf blauem Kissen mit Goldquasten ein Zepter und eine Zackenkrone darbringt und sie damit als Königin der Bekenner auszeichnet.

KÖNIGIN DER PROPHETEN Als beherrschende Figur sieht man schräg über diesem Putto König David mit der Harfe. Über einem goldenen Harnisch trägt er einen Hermelinkragen, einen weitschwingenden roten Mantel mit goldenen Fransen als Besatz, ein grünes Unterkleid und goldene Schuhe. Er erscheint hier als Vertreter der Propheten, blickt zu Maria auf und hält in der Rechten eine goldene Krone, um sie als Königin der Propheten zu ehren.

KÖNIGIN DER PATRIARCHEN Nördlich an die Mariengruppe anschließend sieht man auf einer Wolkenbank als bärtigen Greis Noah, kenntlich gemacht durch die große hölzerne Arche neben ihm. Er ist hier dargestellt als Vertreter der Patriarchen und hält mit der Linken die Krone der Königin der Patriarchen. Neben ihm erscheint Joseph, der Nährvater Jesu, bärtig, in rotem Mantel über gelbem Untergewand, in der Linken die Lilie. Er wird in der kirchlichen Liturgie den Patriarchen zugerechnet (IThK Bd 7 Sp. 1031).

KÖNIGIN DER MÄRTYRER Schräg rechts unter Maria erscheint als großer jugendlicher Heiliger Laurentius in prachtvoller Diakonsgewandung, die Dalmatik rot und reich mit Gold besetzt ebenso wie das Manipel. Er hat den Rost als Attribut bei sich und präsentiert Maria die Krone der Königin der Märtyrer.

KÖNIGIN DER APOSTEL Auf den Wolken, die sich am Bildrand von Westen nach Süden hinziehen, folgen auf Laurentius die Apostel. Ihre Reihe beginnt in der Ansicht nach Süden mit Petrus in blaugelbem Gewand, der durch die Schlüssel gekennzeichnet ist. Er bringt Maria die Krone der Königin der Apostel dar. Neben ihm ist Andreas zu sehen, eine mächtige bärtige und halbnackte Gestalt, die das aus unbehauenen Bäumen gefügte Andreaskreuz in Händen hält und zu Maria aufblickt. Schräg rechts zum Bildrand hin sind Thomas mit der Lanze dargestellt, Philippus mit dem Kreuzstab und unterhalb von Philippus Matthäus mit dem Winkelmaß. Es folgen Simon mit der Säge, Bartholomäus mit dem Messer und im Hintergrund Jakobus der Jüngere mit der Walkerstange, daneben mit der Hellebarde Judas Thaddäus und im Vordergrund Matthias mit dem Beil. Die letzte, nach oben weisende Apostelgestalt, jugendlich und in grünem Gewand, ist Johannes; in dem bärtigen Kopf zwischen Simon und Matthias ist wohl Jakobus der Ältere dargestellt.

KÖNIGIN DER JUNGFRAUEN Als dominierende Figur am Bildrand steht in der Ansicht nach Süden Barbara auf einer Wolke, die schräg zum Rahmen verläuft, in vornehmer Kleidung, eine Krone auf dem Haupt und die Märtyrerpalme in Händen. Als Attribut hält sie den Kelch, über dem die Hostie im Strahlenkranz erscheint. Zu ihren Füßen liegt das Schwert als Instrument ihres Martyriums. Weiter nach links folgt auf der gleichen Wolke eine blonde junge Frau, die ein Lamm auf dem Schoß hält. Es ist Agnes von Rom, die mit der Rechten zugleich neben einem Palmzweig eine Krone hält, um mit ihr Maria als Königin der Jungfrauen auszuzeichnen.

In diesen Figuren mit den Kronen ist der Gedanke von Maria als der Königin der Engel und Heiligen durchgeführt, konsequent aber nur bei der Gruppe der Apostel. Denn es erscheinen in der weiten Kuppel noch zahlreiche andere Heilige, bei deren Zusammenstellung in Gruppen das Ordnungssystem nicht mehr streng eingehalten ist.

In der Hauptansicht ist eine Gruppe von drei großen Heiligenfiguren zu sehen: Zuvorderst sitzt auf der Wolke Johannes der Täufer, wegen seiner Enthauptung durch Herodes zu den Märtyrern gehörend, nackt bis auf einen Lendenschurz aus Fell und eine rote Manteldraperie. Auf dem Schoß hält er sein Attribut, das Lamm, und mit der Linken das Fähnchen ECCE AGNUS DEI. Hinter Johannes sitzt Franz von Assisi, in der braunen Franziskanerkutte, gegürtet mit einem Strick. Er hat die Hände über dem Totenkopf zusammengelegt, den er auf seinem Schoß hält: Man sieht die Stigmata auf ihnen, ebenso wie auf seinem nackten Fuß in der Sandale. In der Kutte ist auf der Brust ein blutiger Einschnitt, der das Wundmal auf dem Herzen bedeutet. Franz von Assisi ist zwar Bekenner, wird hier aber wegen seiner Stigmata den Märtyrern zugeordnet. Als große und prächtig ausgeführte Figur gehört noch der Märtyrer Stephanus zu dieser Gruppe. Er trägt eine spitzenbesetzte Albe und eine grüne Dalmatik mit goldenen Fransen und Quasten. Er blickt zu Maria auf und hält in der Hand sein Attribut, den Stein.

Folgt man dem Rahmenverlauf nach Norden, so kommt nun eine Gruppe von drei Bekennern. Hochaufgerichtet kniet Bischof Rupert von Salzburg, eine bärtige Gestalt in Mitra und weitem schwarzgrauem Reisekleid. Zu seinen Füßen liegt das Pedum sowie sein Attribut, das hölzerne Salzgefäß. Neben ihm sitzt in weitausladendem roten und goldbesetzten Pluviale Bischof Ambrosius von Mailand, eine rote Mitra auf dem Haupt, kenntlich durch den Bienenkorb, den ihm ein großer Engel in Rückenansicht hält, gemeinsam mit dem Pedum. Schräg über dieser Gruppe erscheint Augustinus, Bischof von Hippo, mit Mitra und Pontifikalkleidung; ein Engel hält den Stab. Augustinus stützt mit der Linken ein Buch auf sein Knie und hält mit der Rechten sein Attribut hoch, das brennende Herz als Zeichen seiner Liebe zu Gott.

Am nördlichen Bildrand folgt auf die Gruppe von Ambrosius und Rupert nun eine Schar ziemlich disparater Figuren. Zwei jugendliche Gestalten direkt hinter Rupert sind nicht gekennzeichnet. Dann folgt ein jugendlicher Franziskaner, die Rechte auf der Brust, mit der Linken eine Lilie hochhaltend: wohl der Bekenner Antonius von Padua. Neben ihm thront Moses auf Wolken, zu erkennen an den Gesetzestafeln, die er vor sich hält. Er ist bärtig und seine weißen Haare sind in einer Art angeordnet, die an die Hörnchen des Moses erinnern. Moses ist den Patriarchen zuzurechnen. Es folgen in dieser Gruppe zwei Soldatenheilige mit Rüstung und Helm, links Sebastian mit einem Pfeil in der Hand, dann Florian mit großer Fahne, das Wasserschaf in der Hand: Beide sind Märtyrer.

In der Ansicht nach Westen beherrschen drei große Figuren den Kuppelrand: Es ist zunächst Johann Nepomuk, Chorherr von St. Veit in Prag, auch er Märtyrer. Er trägt über dem violetten Talar das weiße spitzenbesetzte Chorhemd und um die Schultern das Almutium aus Pelz; in der Linken hält er das violette Birett. Sein Haupt ist von Sternen umgeben, er blickt auf einen Kruzifixus in seiner Rechten. Im Hintergrund ist eine jugendliche weibliche Heilige dargestellt, die eine Märtyrerpalme in Händen hält.

Die hl. Margareta von Antiochien, reizvolle Figur in goldfarbenem Kleid mit hellblauer Draperie, hält die Drachenhalskette in der Hand. In der Mitte steht Margareta mit hocherhobenem Kreuz, das blonde Haar mit einem rosa Schleier hochgesteckt. Links von ihr ist Ursula von Köln zu sehen, die nach oben blickt und den Pfeil, ihr Attribut, hocherhoben hält. Sie trägt eine Krone und eine große Fahne in der Linken. Beide sind Jungfrauen und Märtyrinnen.

Über diesen Heiligen sind im höheren Kuppelbereich in Wolken mehrere weibliche Heilige dargestellt, Jungfrauen und Bekennerinnen. Die hl. Magdalena lehnt mit entblößtem Oberkörper und aufgelöstem blondem Haar an den Wolken, trägt ein härenes Büßerkleid und eine hellviolettfarbene Manteldraperie. Sie hält Totenkopf und Geißel in den Händen. Direkt über Ursula ist eine Franziskanerin in brauner Kutte, schwarzem Schleier und Strickgurt zu sehen, weiter links eine Dominikanerin in weißem Gewand und schwarzem über weißem Schleier. Diese beiden Nonnen sind nicht gekennzeichnet. Vielleicht sind mit ihnen die Hauptheiligen des jeweiligen Ordens gemeint, Klara von Assisi und Katharina von Siena. Geht man von der Dominikanerin weiter nach links, folgt die Benediktineräbtissin Walburga von Eichstätt, der ein Engel das Pedum hält und ein Putto ein Tablett mit drei Ölfläschchen.

Wieder unten am Bildrand ist Katharina von Alexandrien dargestellt, in ausnehmend schöner Kleidung mit Perlen geschmückt, eine Krone auf dem Haupt. Sie hält den Palmzweig zum Zeichen ihres Martyriums, das Rad ist als Marterinstrument zu ihren Füßen zu sehen. Der Kreis schließt sich mit drei jugendlichen weiblichen Heiligen, deren eine den Palmzweig der Märtyrer trägt, die aber weiter nicht gekennzeichnet sind.

Die drei Altäre sind von 1679. Das Hochaltarblatt zeigt das Kirchenpatrozinium Mariä Himmelfahrt, die Seitenfiguren stellen Jakobus den Älteren und Johannes den Evangelisten dar. Auf dem nördlichen Seitenaltar steht eine (später erworben) Figur von Maria als Himmelskönigin mit dem Kind, auf dem südlichen eine Figur von Johannes dem Täufer.

Quellen und Literatur

BHStA, Landshuter Abgabe 1993, 1524: Bauarbeiten an der Kirche 1727; 1525: Neuer Tabernakel 1747; 1527: Dachreparatur 1774.

BHStA, GL Fasz. 4187 Nr. 77: Vikare von Tacherting. StAM, Pfleggericht Trostberg A 125: Arbeiten 1765/76 in der Kirche und der Annakapelle. StAM, Landbauämter 1717: Frühe Restaurierungen. AEM, Pfarrakten Peterskirchen: Pfarrbeschreibung. AEM, Pfarrakten Trostberg: Pfarrbeschreibung Trostberg, beiliegend die Pfarrbeschreibung Tacherting; Bauten II. BLfD, Akt Tacherting, Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt, Annakapelle auf dem Friedhof.

Geiß, Ernest, Geschichte der Pfarrei Trostberg, in: OAVG 1 1839, S. 206-52. Tacherting S. 242 f. Mayer-Westermayer Bd 2, S. 709 f., 713. KDB I OB (2), S. 1864–68. Rauchensteiner, A., Führer von Altenmarkt und Umgebung, Altenmarkt 1904. Annakapelle S. 63 f. Abele, Eugen, Franz Josef Soll 1734–1798. Ein Rokokomaler des Chiemgaus, in: Jahrbuch des Vereins für christliche Kunst 6, 1926, S. 1–10. Tacherting S. 6. Flötzl, Stephan, Tacherting. Die Geschichte einer Urpfarrei und einer Gemeinde von der Römerzeit bis zur Gegenwart, Pfaffenhofen/Inn bei Rosenheim 1949. Flötzl, Stephan, Tacherting – die Mutterpfarrei im Achental, in Heimatbuch des Landkreises Traunstein, Bd I, Trostberg 1963, S. 127–31. Weiermann, Herbert, Kunstgeschichtliche Denkmäler, in: Heimatbuch des Landkreises Traunstein, Bd II, Trostberg 1970, S. 163–65, 188 f. Historischer Atlas I, Bd 26, Traunstein (Richard van Dülmen), München 1970, S. 108. Wallner, Peter, Pfarrkirche Unserer Lieben Frau von Tacherting, Festschrift zum Abschluß der Restaurierung 1974, Trostberg 1974. Kreilinger, Kilian, Der bayerische Rokoko-Baumeister Franz Alois Mayr (= Jahrbuch des Vereins für christliche Kunst Bd IX), München 1976, S. 120–22. Dehio 1990, S. 1145 Goerge, Dieter, Johann Nepomuk della Croce 1736–1819. Leben und Werk, Burghausen 1998. Franz Joseph Soll S. 312 f. Weichslgartner, Alois J., Trostberger Rokoko. Ein regionales Kunstzentrum im Chiemgau, Trostberg 1998. Franz Joseph Soll S. 35–66, Tacherting S. 58, Abb. S. 49.

Friedhofskapelle