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Seeon-Seebruck, Klosterseeon

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 11: Landkreis Traunstein. Hirmer, München 2005, ISBN 978-3-7774-2695-2, S. 91–94, geschrieben von Bauer-Wild, Anna. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

KLOSTERSEEON

Ehem. Benediktinerabtei Seeon heute Kultur- und Bildungszentrum des Bezirks Oberbayern Gemeinde Seeon-Seebruck, Pfarrei Seeon, Erzdiözese München und Freising. Ehem. Erzdiözese Salzburg, Archidiakonat Baumburg Gericht Kling Nikolai- oder Abtkapelle S. 95

Zur Geschichte: Das Benediktinerkloster Seeon wurde im Jahr 994 von Pfalzgraf Aribo I. († nach 1020) auf einer Insel im Seeoner See gegründet und mit Mönchen aus St. Emmeram in Regensburg besiedelt. Von St. Emmeram hatten die Mönche die Kunst des Schreibens und der Buchmalerei mitgebracht; so entstand in Seeon ein bedeutendes Scriptorium. Seeon wurde als Reichsabtei im Jahr 999 durch Kaiser Otto III. und Papst Silvester II. bestätigt. Im Jahr 1201 verlor es die Reichsunmittelbarkeit wieder und wurde von Salzburg als bischöfliches Eigenkloster vereinnahmt. Seeon war Hauskloster und Grablege der Aribonen, später auch der Truchtlachinger und Laiminger. Die Aribonen übten bis 1102 die Vogtrechte aus, 1247 kamen die Vogtrechte an die Wittelsbacher.

Abt Simon Farcher (1385–1412) erhielt 1411 die Pontifikalien; seiner Initiative verdankt Seeon die bedeutende Stiftertumba des Pfalzgrafen Aribo, die heute in der Barbarakapelle steht. 1561 zerstörte ein Großbrand fast alle Klostergebäude; sie wurden unter Abt Martin II. Kötterlein (1576–90) wiederaufgebaut. Sie umschlossen den Kreuzgang im Süden der Kirche (1428–33 von Konrad Pürkhel) und bestanden aus dem Ostflügel mit Marienkapelle, Kapitelsaal und Schlafhaus, dem Südflügel mit Küche und Refektorium und dem Westflügel mit der Abtei.

Beim Tod Abt Simon Dullingers (1609–34) war das alte Kloster in sehr schlechtem Zustand. Doch hatte er laut Inventar einen »Neupfau« errichten lassen, den Trakt im Westen des alten Klosters, in dem sein Nachfolger Abt Honorat Kolk (1634–53) die Abtei, Fürsten- und Gästezimmer einrichten ließ. Er erbaute außerdem 1641 neue Wirtschaftsgebäude und im folgenden Jahr den Krankentrakt mit Kapelle und Bädern. In der alten Abtei wurde 1644 das Refektorium eingerichtet. Im Süden der alten Klosterbauten entstand der neue Konventbau als Osttrakt 1643/44 und schon unter seinem Nachfolger Abt Roman Müller (1665–71) der Südtrakt. Erneuerung von Kanzlei, Archiv und Krankenzimmern 1716 unter Abt Columban II. Freidlsperger (1701–27).

Seeon war ein verhältnismäßig vermögendes Kloster; zu seinem großen Grundbesitz gehörten außer der Klosterhofmark Seeon Hofmark und Schloß Obing (seit 1662) sowie die Hofmark Halfing mit Schloß Forchtenegg (seit 1731), außerdem zahlreiche Einzelgüter, auch in Tirol und Niederösterreich. Dem Kloster waren die Pfarrei Seeon mit Niederseeon und Ischl, die Pfarrei Obing (seit 1180) mit Albertaich und Diepoldsberg und die Pfarrei Pittenhart mit Brunn und Lauterbach bei Ampfing inkorporiert; zu Seeon gehörte auch die Wallfahrtskirche und das Superiorat Maria Eck. Auf der Insel gab es eine Heilquelle, die hauptsächlich von den Mönchen, aber auch gelegentlich von Privatpersonen als Heilbad genutzt wurde.

Nach der Säkularisation 1803 blieben Sakristei, Kapitelsaal und andere Nebenräume sowie ein Teil des Kreuzgangs bei der Kirche. Die Klostergebäude mit dem Grundbesitz und dem See wurden versteigert. Ab 1815 richtete Georg Reichenwallner hier ein Heilbad ein, das bis gegen 1900 bestand. 1852 wurde der Komplex an Donna Amalia, Herzogin von Braganza, die Kaiserinwitwe von Brasilien, verkauft (s. auch Stein S. 160), von der er 1872 an die Herzöge von Leuchtenberg kam, die die weitläufigen Güter verkauften und nur die Klostergebäude als Schloß ausbauten (1892). 1934 ging der Besitz durch Kauf an Dr. Max Wiskott über (Schloßbrauerei Stein an der Traun), der einen großen Teil der Gebäude an den Staat verpachtete, zunächst als Ausbildungslager der SA, dann als Reichsarbeitsdienstlager und Gaulazarett. 1946–53 war Kloster Seeon Flüchtlingslager. 1953 kaufte Josephine Hirschfeld Seeon; der südwestliche Trakt wurde als Polstermöbelfabrik genutzt, das südliche Geviert wurde 1958–78 an die Bayerische Landesbank vermietet.

Der Kirchenraum
Gewölbe im Altarraum: Krönung Mariens und Propheten, Evangelisten und Kirchenväter

sche Bereitschaftspolizei bzw. den Bundesgrenzschutz verpachtet. Durch all diese Wechselfälle waren die Klostergebäude ziemlich verkommen, und die Erzdiözese München und Freising kaufte 1978 den ganzen Komplex, um ihn zu retten, ohne eine rechte Nutzung dafür zu haben. Schließlich erwarb 1986 der Bezirk Oberbayern Seeon und richtete nach aufwendiger Restaurierung ein Bildungszentrum ein.

Die ehem. Klosterkirche St. Lambert

Ihr Patron ist der hl. Lambert von Maastricht, dessen Reliquien Aribo I. dem Kloster geschenkt hatte. Sie war ursprünglich eine romanische, dreischiffige und flachgedeckte Säulenbasilika ohne Querhaus. Sie wurde 1427/28-33 unter Abt Erhard Farcher durch den Burghausener Baumeister Konrac Pürkhel gotisiert, das Langhaus wurde gewölbt, der Chor neu erbaut. Neuweihe 1433 durch den Passauer Bischof Leonhard Laiminger (»Monasterium S. Lamperti in Seon sumptuoso opere de novo erectum«). Beim verheerenden Klosterbrand am 18.4. 1561 blieb die Kirche bis auf das Dach und die Turmhelme verschont.

Ausmalung 1578/79

Unter Abt Martin Kötterlein (1576-90) wurden Veränderungen am gotischen Baubestand vorgenommen: Sowohl in den niedrigen Seitenschiffen des LHs als auch in den hohen Seitenschiffen der Chorpartie sind Spuren dieser Veränderung zu sehen, ein immer wiederkehrendes dürftiges Eierstabornament, Hinweis auf eine frühe Ummantelung der gotischen (im Kern noch romanischen) Pfeiler. Abt Martin Kötterlein ließ die Kirche 1578/79 auch völlig ausmalen. Dabei handelt es sich nicht um barocke Malereien, die Ausmalung soll aber trotzdem hier kurz vorgestellt werden.

Abt Honarat Kolb (1634–53) hat laut eigener Aussage die »ganze Khürchen renoviert, in iezigen Standt gericht, mit 3 neuen Altärn vermert... S: Barbarae Capell und Conventualen Sepultur gannz neu gericht« (AEM, KA 314). In der Barbarakapelle versammelte er die alten Grabsteine der Äbte.

Wohl in die zweite Hälfte des 17. Jh. sind entscheidende bauliche Veränderungen zu datieren. Damals wurden die Rundfenster an den LHs-Hochwänden ausgebrochen, das horizontale Gesims an den LHs-Hochwänden im Mönchschor und Presbyterium durchgezogen und die Pilaster, die dieses Gesims tragen, der alten Wand vorgelegt: Die gotischen Pfeiler wurden vereinfacht und die Fenster in den Seitenschiffen barock verändert. Sie haben heute die Form der sog. Krumper-Fenster. Diese baulichen Veränderungen greifen an manchen Stellen entscheidend, ja zerstörend in die Bemalung der Schildwände von 1578/79 ein. Es ist deshalb möglich, daß die Ausmalung der Kirche schon damals übertüncht wurde.

Restaurierung 1852/53 mit neuer neogotischer Einrichtung. Das LHs ist dreischiffig, die Rundbogenarkaden werden von Pfeilern getragen; es ist im Gewölbe dreigeteilt. Das Emporenjoch ist mit den folgenden drei Jochen bis zu einem Abschlußbogen durch ein durchgehendes spätgotisches Netzgewölbe zusammengefaßt. Es folgt der ehem. Mönchschor, bestehend aus zwei Jochen, die in einem gemeinsamen Sterngewölbe zusammengefaßt sind. Es folgt wieder ein Chorbogen und darauf das Netzgewölbe der zwei Joche des Presbyteriums mit dem abschließenden Sterngewölbe des dreiseitigen Schlusses. Unter Abt Martin Kötterlein wurden 1578/79 die Rippenfelder dieses ganzen Langhausgewölbes figürlich bemalt, wobei in den drei Gewölbeformationen die mittleren Rippen jeweils für ein Mittelfeld ausgebrochen wurden. Auch im Mittelschiffsjoch unter der Empore sind Fresken, ebenso wie an den Langhaus-Schildwänden. Die Gewölbe der ersten fünf Seitenschiffsjoche sowie auch andere Bauteile wie Leibungen u.ä. wurden ornamental bemalt. Sämtliche Malereien waren über-tüncht und wurden anläßlich der Innenrestaurierung 1908 aufgefunden. Es sind Fresken auf sehr dünner Putzschicht. Sie wurden 1911 freigelegt und zuletzt 1991/92 durch die Fa. Erwin Wiegerling (Stefan Hundbiß) restauriert.

Datum und Auftraggeber der Ausmalung kennen wir aus den ausführlichen Annalen Abt Honorat Kolbs (BSB, Clm 1458), in denen er auch Einträge »ex diario et manu propria Abbatis Martini« (Abt Martin Kötterleins) bringt. Unter dem Jahr 1579 steht (S. 649): »Pictori dedit 500 flor., uxori 5 flor., 4 Schäfl Khorn 2 Mötzen Weizen pro pictura Ecclesiarum duarum Abbatiarum intus et extra depictarum« (S. 649). Diese große Summe muß sich auf die Ausmalung der Stiftskirche und wohl auf die Kirche St. Walburg beziehen, deren Freskierung z. Z. freigelegt und restauriert wird.

Bildabfolge

Jede Gewölbeformation hat ein ikonographisches Thema. Die westlichen Joche zeigen im Mittelfeld Christus als Salvator, in den umgebenden Rippenfeldern die Vierzehn Nothelfer und Engel. Das Gewölbe des ehem. Chors zeigt in der Mitte Christi Himmelfahrt und in den Feldern die Zwölf Apostel. Das Gewölbe im Presbyterium zeigt in der Mitte die Marienkrönung und in den Feldern Propheten, Evangelisten und Kirchenväter.

Die Themen der Schildwände sind im ersten Joch die Versuchung Jesu in der Wüste und die Taufe Jesu durch Johannes; im zweiten Joch die Stifter Aribo I. und Adala, gegenüber der Kirchenpatron Lambert von Maastricht und der Ordensgründer Benedikt von Nursia; im dritten Joch der zwölfjährige Jesus im Tempel und die Vertreibung der Händler aus dem Tempel. Die Bemalung der übrigen Schildwände ist ruinös. An der Emporenunterseite ist das Jüngste Gericht dargestellt, flankiert von der Auferweckung des Lazarus und der Vision des Ezechiel von der Auferstehung.