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Schongau, Kapelle Hl. Kreuz

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 1: Die Landkreise Landsberg am Lech, Starnberg, Weilheim-Schongau. Hirmer, München 1976, ISBN 978-3-7991-5737-7, S. 523–524, geschrieben von Bauer-Wild, Anna, Böhm, Cordula, Lüdicke, Lore und Werner-Clementschitsch, Heide. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Kreuzkapelle, Stadtpfarrei Mariä Himmelfahrt, ehem. Wallfahrtskapelle

Patrozinium: Hl. Kreuz

Zum Bauwerk: Die 1617 von Johann und Anna Westacher gestiftete hölzerne Kapelle wurde 1690–93 durch eine gemauerte ersetzt und 1725 unter Leitung des Baumeisters

Johann Schmuzer aus Wessobrunn gegen W erweitert und neu ausgestattet. – Gewesteter zentralisierender Bau aus zwei ovalen Räumen.

Autor und Entstehungszeit: Signatur in A am östlichen Balustradebalken: Jo: Georg Lederer. Pinxit. 1725. Die Fresken sind sehr schlecht erhalten. Die Malfläche weist viele kleine Beschädigungen, dunkle Flecken und weiße

1-4 Putti mit biblischen Textstellen

SCHWABBRUCK

Fehlstellen, auf. Die dunkel und sehr gleichmäßig getönten Partien - vor allem die rot-grauen Wolken - wirken stark übermalt. – Der östliche Ovalraum wurde 1894 von Xaver Stegmüller freskiert.

Befund

Träger der Deckenmalerei: längsovale Pendentifkuppel Rahmen: A profiliertes Kuppelgesims, von Puttoköpfchen dekoriert, A1-4 Stuckleisten mit Rankenornamenten Technik: Fresko; polychrom Maße: Höhe 8,75 m · 4,65 × 4,25 Erhaltungszustand und Restaurierungen: Reinigung der Deckenbilder 1949 durch Firma Finkenzeller. Die Gemälde der Schongauer Kapelle sind die frühest bekannten Fresken des Malers Johann Georg Lederer aus Augsburg.

Beschreibung und Ikonographie

A ENGEL MIT DEN ARMA CHRISTI Über der Kuppelgesims setzt eine gemalte umlaufende Balustrade an, die mit Blumengirlanden geschmückt ist. Darüber ist zwischen dunklen Wolkenballen ein Kranz von Putti und Engeln angeordnet. Die Hauptansichtsseite im W über der Altar ist in Form eines Dreiecks hervorgehoben, dessen Spitze die Figur des segnenden Gottvaters einnimmt. Der Bildmittelpunkt, wenig nach O verlagert, markiert die in einem Glorienrund schwebende Geistestaube. Die in nur geringer Verkürzung wiedergegebene Balustrade erfüllt kaum die ihr zugedachte illusionssteigernde Funktion. In der Mittelachse, an dominierender Stelle, ragt das Kreuz auf (Inschrift INRI und TANTAE MOLIS ERAT), das zusammen mit der Figur Gottvaters und der Geistestaube die Dreifaltigkeit versinnbildlicht. Rechts neben dem Kreuzbalken Putti mit drei Nägeln, Dornenkrone und dem Kelch von Gethsemane (Inschrift IN SALUTUM PECCATORUM). Weiter rechts ein Putto mit dem an einen Stab gebundenen Essigschwamm und der Lanze des Longinus. Die Lanze durchbohrt das Herz Christi (Inschrift VITAM PRO VITA), das der oberhalb der nördlichen Balustrade kniende Engel emporhält. Auf der östlichen Hälfte schweben, daran anschließend, zwei Putti mit Rute und Geißeln (Inschrift IN FLAGELLA PARATUS). In der Mittelachse sitzt ein großer Engel auf einer Wolkenbank und hält auf der Schulter die Martersäule (Inschrift LIBERTATE LIGATUS). Weiter südlich ein Putto mit der Leiter, die zur Kreuzabnahme diente, und ein Engel mit der Hand des Spötters, der Christus einen Backenstreich gab, sowie das Rohr, das Christus als Zepter halten mußte. Davor hält ein Putto den über die Brüstung gebreiteten Purpurmantel und blickt zu der Inschrift PROPTER HOMINES OPPROPRIUM / HOMINUM auf. Daneben steht auf der nördlichen Balustrade der Hahn der Verleugnung Petri. Auf der Südseite hält ein Engel das Schweißtuch der Veronika mit dem Abbild des Antlitzes Christi ausgebreitet (Inschrift PICTORE AMORE).

Farblich dominiert der dunkle rötlich-braune Grundton der Wolken, gegen den die rostroten, goldgelben, gelbgrünen und mittelblauen Gewänder der Engel wenig kontrastieren.

A1-4 Je zwei Putti in trauernder Gebärde, die auf Textstellen in einem Buch verweisen.

A1 Popule meus, quid ultra debui facere tibi, et non feci. Der Text stammt aus den Improprien der Karfreitagsliturgie (Anselm Schott, Das vollständige römische Meßbuch, Freiburg im Breisgau 1961, S. 394 f.).

A2 Respice in faciem Christi tuis Ps 83 10 (= Ps 83,10) A3 Videte si est dolor, sicut dolor meus Thren 1,1 (= Lam 1,12) A4 Recordare quae fecerit Dominus Deus tuus V.Mos 7,18 (= Deut 7,18)

Im Kuppelfresko sind die Leidenswerkzeuge der Passion Christi wiedergegeben (LCI, Bd 1, Sp. 183–87). Sie beziehen sich als Gegenstände der Passionsmeditation auf den Kruzifixus, das Gnadenbild der Kapelle

Quellen und Literatur

Braun-Augsburg, Bd 1, S. 161 f. KDB I OB (1) S. 594 Gundersheimer, Hermann, Matthäus Günther, Augsburg 1930, S. 39, 53. Schiesl, Joseph, Schongau, Die Kirchen der Stadt Schongau, in: Bayerland 42, 1931, S. 203–6. Benesch, Otto, A group of unknown drawings by Matthäus Günther for some of his main works, in: The Art Bulletin 29, 1947, S. 49 ff. Hofmann, Sigfrid, Geschichte der Stadt Schongau, in: Festschrift 700 Jahre Stadt Schongau, Sonderausgabe der Monatsschrift Bayerland, München 1953, S. 41–62. -, Zur Geschichte der Hl. Kreuz Kapelle in Schongau, in: Lech- und Ammerrain 7, 1956, Nr. 10, S. 40. -, Die Kirchen und Kapellen der Stadt Schongau. Beiträge zu ihrer Bau- und Kunstgeschichte aus den Kirchenrechnungen des 17. und 18. Jahrhunderts (= Wissenschaftliche Veröffentlichungen des Heimatpflegers von Oberbayern, Reihe A, Heft 13), Schongau 1957. -, Der Landkreis Schongau, München 1959, S. 96 -, Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt - Schongau (Kirchenführer), Schongau [1967]. Neu, Wilhelm, Beiträge zum Werk Münchener Hofmaurermeister der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts im südwestlichen Oberbayern, in: Festschrift Norbert Lieb, Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 35, H. 1, 1972, S. 302 f.