Schnaitsee, Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt
Gemeinde und Pfarrei Schnaitsee Erzdiözese München und Freising. Ehem. Erzdiözese Salzburg, Archidiakonat Baumburg. Gericht Kling
Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt Marienkapelle S. 142
Pfarrkirche. Die große Pfarrei Schnaitsee mit ihren zehn Filialen kam 1630 an das Augustiner-Chorherrenstift Gars, wurde aber schon 1651 wieder Monatspfarrei. Die seit langem existierende Allerseelen-Bruderschaft wurde 1727 »förmlich neu errichtet«, die Rosenkranz-Bruderschaft 1734 eingeführt und 1756 der Rosenkranz-Bruderschaft der Dominikaner in Landshut angegliedert. Außerdem bestand in Schnaitsee seit 1765 der marianische Liebesbund. Die Kirche besaß ein örtlich verehrtes Mariengnadenbild.
Patrozinium: Mariä Himmelfahrt
Zum Bauwerk: Spätgotischer Bau, anstelle eines Vorgängerbaus 1431 durch Oswald Pürkhel nach einem Plan von Konrad Pürkhel aus Burghausen errichtet. Nach Kompetenzstreitigkeiten um eine Barockisierung der Kirche im Frühjahr 1664 zwischen Gericht und Archidiakonat genehmigte der Archidiakon am 9.5. 1664 den Riß Kaspar Zuccallis (AEM, Kirchenbauten). Die Mittelsäule im Schiff wurde herausgenommen (»ein grob unziehrlicher Pfeiller«), das Langhaus neu gewölb- und eine Doppelempore errichtet. 1724 Bau der Sakristei im Süden der Kirche. Umfangreiche Baureparaturen 1773-76 durch den Gerichtsmaurermeister Stephan Bliemlsrieder und den Gerichtszimmermeister Matthias Cronast: Abtragen von schadhaftem Mauerwerk des Turms und Wiederaufführen barocker Turmabschluß, Arbeiten am Kirchendach. In Zusammenhang mit den Bauarbeiten wurde freskiert. 1790 Gewölbereparatur und 1791 Dachreparatur durch Stephan Bliemlsrieder. Im Zusammenhang damit 1791/92 Erneuerung der Innenausstattung. Stuckierung durch Johann Philipp Wagner aus Kraiburg, dessen Rechnung erhalten ist:
»Stuckhadors Schein. Anno 1791 und 1792. Erstlich 16 Kabodel an die Lisenen. 16 Roseten in die Friesen derselben. 16 kleinere an die Capodelhörner. 20 andike Gehänge. 16 Vasen. 2 grosse Ramen und einen grossen Schild mit 2 Kindl und Laubwerk ober dem Frontbogen. 4 große Muschlen mit Laubgehäng an den 2 Plafon Rammen. 16 grosse Schild mit Laub ober den Gewölb-Spieglen. 2 Sanctus-Wandleichter. Bezahlung Erstens für den Chor 143 fl. 2tens fürs Langhaus 111 fl. Summa 257 fl. Mit Danckh die obige Summa bezal den 10. Julii ao 1792 Johann Philipp Wagner Pildhauer und Stuckhadorer in Crayburg« (BHStA, Landshuter Abgabe). Von Wagners Stuck sind nur die Kapitelle erhalten. 1792 wurden neue Seitenaltäre aufgestellt (Kistler Georg Stein von Höslwang, Bildhauer Johann Georg Lind, Maler Kajetan Forster, beide von Burghausen). Hochaltar und zwei Seitenaltäre in neubarocken Formen 1880 von Sebastian Ametsberger (Hochaltarblatt 2. Hälfte 17. Jh.) 1921/23 Erweiterung der Kirche durch Architekt Anton Bachmann: An den Chor wurden Seitenräume angebaut, von denen der nördliche als Kapelle dient (Pläne im StAM). Sparsame Stuckierung in den neuen Partien.
Saal zu drei Jochen mit je einem halben Joch im O und W ursprünglich wohl sechseckiger Mittelstützenraum mit Stern gewölbe), Gliederung durch kräftige Wandpfeiler mit vorgelegten Pilastern; Belichtung von N und S in den Volljochen durch hohe Rundbogenfenster, im östlichen Vorjoch durch kleine. Stark eingezogener AR zu drei Jochen mit dreiseitigem Schluß. Belichtung durch Rundbogenfenster, zwei in den Schlußschrägen, eines im S. Seitliche Oratorien im N und S, heute durch Anbauten verändert.


Auftraggeber: Ausmalung 1774 (Fresko A) Johann Karl Wilhelm Lasser von Zollheim, Pfarrer von Schnaitsee (1748–83). Die Ausmalung 1774 ist in der Kirchenrechnung nicht abgerechnet, sie wurde also entweder von ihm selbst oder durch private Spenden finanziert.
Pfarrer Lasser hinterließ später sein gesamtes Vermögen der Pfarrkirche Schnaitsee und bestimmte, das Pfleggericht Kling habe die freie Hand, die Verlassenschaft »ohne geringster Einberichtung zu einen hochen Dicasterium ... zu einer extern Zierde zu verwenden, nicht aber zu solchen Nothwendigkeiten, die von höchsten Orten aus einer so ansehnlichen Pfarrkürch, wie Schnaidsee ist, in Ermanglung auch dieses Gottshaus Mittln, concurrendo von andern dieß Gerichts Gottshäusern beygeschafft zu werden gdist verwilligt werden müssen«. Das bedeutet, daß seine Nachfolger und das Gericht Kling das Geld frei zur Kirchenzier verwenden dürfen sollten, ohne Genehmigung durch den Kurfürstlichen Geistlichen Rat, denn von diesem wurden Raumdekorationen schon seit langem kaum mehr erlaubt. Lasser wollte sein Geld nicht für Reparaturen und Zwecke ausgegeben haben, für die die Kirchenvermögen des Gerichts beisteuern mußten (Bauerhalt und alle Notwendigkeiten für den Kult).
und and 1 tot went greatest for the series Ausmalung 1791/92 (A1-8, B, B1-8, Auffrischen von A) Martin Franz Xaver Storch, Pfarrer von Schnaitsee (1783–1803). Er hätte eigentlich das von seinem Vorgänger Lasser hinterlassene Geld zur Verfügung gehabt, doch gab es um die Auszahlung unendliche Schwierigkeiten. Da Storch aber entschlossen war, die Pfarrkirche neu zu dekorieren und fähig, seine Gemeinde zu motivieren, brachte er es fertig, mit einer am 13.9.1791 ausgezahlten Zinsrate von 300 fl. die Renovierung ins Werk zu setzen. »Ich war aber auch unermüdet bey dem Bau, vertrat den Maurermeister selbst, machte und ordnete alle Zeichnungen und Arbeiten, schafte sämtliche Materialien, handelte mit den Meistern und Künstlern aufs genaueste und erschöpfte alle Quellen der Rhetorick um die sonst unbiegsame Gemeinde zu Beiträgen und Arbeiten zu vermögen, ging auch in Beydem jederzeit mit eignen Beyspill vor« (Schreiben Storchs am 10.6.1793). Viele Fuhren und Handarbeiten wurden von der Gemeinde geleistet, viele Spenden wurden geworben. »Dafür steht nun aber auch unser Gottshaus so rein und niedlich da, das es nicht nur jederman gefählt, son dern auch unter den Landkirchen Bayerns wenige seines glei chen finden wird«. Storch weist nachdrücklich darauf hin, Lasser habe sein Vermögen der Kirche »zur wilkürlichen Ver zürung« vermacht (nach BHStA, Landshuter Abgabe). In Bild B befindet sich unten an der Bildarchitektur eine wappenähnliche Zierkartusche, in der ein Storch erscheint, ein Hinweis auf den Auftraggeber Martin Franz Xaver Storch.
Schnaitsee war Pfarrkirche des Gerichtssitzes Kling; die Gerichtsbeamten benutzten eines der Oratorien am Chor und wurden auch in Kling begraben. Pflegsverwalter des Gerichts Kling 1764–90 war Benno Franz Xaver Widl, 1790–1803 Franz Ganghofer.

Autor und Entstehungszeit: Ausmalung 1774 (Fresko A, aufgefrischt 1791/92) Franz Joseph Stelzer aus Teisbach * Deggendorf†?). Signatur Stelzl aus Teisbach 1774. Im Pfarrrchiv Schnaitsee ist seine Quittung vom 15.9.1774 erhalten (Brenninger, Kunsttopographie).
(21011111901) Franz Joseph Stelzer hatte durch Heirat mit Anna Maria Held, der Witwe des Teisbacher Malers Johann Markus Held, seit 1772 die Malergerechtigkeit im niederbayerischen Markt Teisbach inne (heute Stadt Dingolfing). Markus Held war Sohn des Ameranger Malers Simon Held; Amerang gehörte zum Gericht Kling. Möglicherweise bekam Stelzer den Auftrag in Schnaitsee durch Verbindungen seiner Frau. Er malte im Langhaus das Fresko mit der Marienkrönung. Ob er auch ein Chorfresko und Kartuschenbilder gemalt hat, ist nicht mehr zu klären. Im gleichen Jahr 1774 vergoldete Stelzer Turmknopf und Turmkreuz von Schnaitsee um 73 fl. (Kirchenrechnung 1774).
Ausmalung 1791/92 (A1-8, B, B1-8, Auffrischen von A) Franz Joseph Soll (* 1734 Friedingen an der Donau † 1798 Trostberg s. S. 379, 382).

Neunzehn Jahre nach der Freskierung durch Stelzer schrieb Pfarrer Storch, »die ganze durch schlechte Farben verunstalte große Kirche muste durchgehend dreymal: an einigen Bläze auch öfter: überweisset werden«. Franz Joseph Soll malt 1791/92 im Chor das Fresko mit der Darstellung des Apokalyptischen Lammes und die acht Kartuschen mit den »Frauen festen«, im LHs frischte er das Hauptfresko Stelzers mit der Krönung Mariens auf und malte in acht Kartuschen die »Her renfeste«. Außerdem faßte er den Kirchenraum mit teilweiser Vergoldung, und brachte Ornamentmotive »à la grecque« an. Die Fresken sind nicht signiert, doch ist Solls Abrechnung erhalten (BHStA, Landshuter Abgabe):
»Beym Gottshaus Schnaitsee ist durch Endtsgesezten folgende Arbeit volbracht worden: 1. Ein neues Heiliges Grab und Ohlberg samt den darzu gehörigen Figurn ward hergestelt für 142 f. 2. Im Chor ward der Plafon und 8 Frauen Feste, dan im Langhauß 8 Herrn Feste in Fresco gemahlt, und der Blafon in lestern ganz neu aufgefrischt, 18 Lesenen, samt ihren Frießen und Schaftgesimsen blaßgrien marmoriert, dan 16 Fenster Spalliern, samt den Chorbogen wie auch samentliche Füllungen an den Oratorien und Partillen, so wie die Faaßn und Schilte ober den Fenstern a la grec gemahlt und mit fein Gold aufgeblickht. 3. Die 2 Blafon-Rahmen, der grosse Schilt mit Engeln ober dem Frontbogen, 18 Vasen, eben so vill Antique Gehäng und Rosetten, item et 6 Capitälle mit ihren Stäben und Hörnern, auch 2 Sanctus-Leichter, sind gelb gefast, mit Feingold aufgeblickht und planiert worden. 4. Die Vergoldung am Hochaltar und Tabernackl, und Kanzl wie auch an den 12 Apostlleichter, dem obren Chorgütter und den 2 Oratorien ist frisch gebuzt worden. Sammentliche Stukhaturarbeit so wie die Oratorien und Partillen wurden colerirt. 5. Auch sind die 5 Säulen, auf welchen die obere und untere Partillen ruht, blaß-grien in Öhl marmoriert worden. 6. Die grosse neue Tumba beym Hochaltar samt ihrn 2 Seitentheile, item die kleine Tumba darneben, ward mit geschliffenen Marmor und blanierten Feingold gefasst. Auch wurden die 5 Sessel im Presbiterium, und ein groß durchgebrochener Stern oben am Gewelbe in Allabaster mit Gold planiert. 7. Der ganze Hochaltar, Tabernackl und Kanzl wurden abgeschaben und nach Alabaster-Art weiß gefast, auch ward das Altarblat aufgefrischt, die 2 grosse Nebenstatuen wurden mit Farben frisch überzogen, und daß an dissen befintliche Gold gebuzt. So wurden auch die 2 Portalle neben dem Hochaltar weiß gefasst, und mit Gold planiert.«
Soll nennt noch weitere Fassarbeiten an Wandspalieren im Chor, an der Kanzel, an Statuen, Orgel, Türen und Fenstern sowie die Restaurierung des Kreuzwegs, und unter »13. Hinder der Orgl ward ein groser grüner Baldachin frescho an die Wand gemahlt« (erhalten).
Für alles verdiente Soll 1001 fl. 30x., die ihm am 30.12.1792 von Pfarrer Storch ausbezahlt wurden. Soll freskierte auch in der zur Pfarrei Schnaitsee gehörigen Kirche Berg (S.45); beide Arbeiten entstanden zu einer Zeit, als die Aufträge für Kirchenausmalungen bereits sehr rar geworden waren.
Zeichnung
Zum Chorfresko existiert eine Vorzeichnung im Stadtmuseum Trostberg, Bleistift auf Papier, Maße 33 x 21 cm.
Befund
Träger der Deckenmalerei: LHs und AR Flachtonne mit Stichkappen, im O abgemuldet Rahmen: A und B gemalter breiter ornamentierter Profilrahmen; A1-8 und B1-8 gemalte Ornamentkartuschen Technik: Fresko, A und B polychrom, A1-8 wohl ehemals monochrom, heute verhalten koloriert, B1-8 karmin monochrom Maße: A Höhe 12,20m: 11,20×4,10 B Höhe 10,10m: 5,60×3,50
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Baufälligkeiten an Dach und Turm 1842/44. Innenrestaurierung 1865, wobei Pfarrer Johann Baptist Bachmair die Malerarbeiten selbst bezahlte. Er schrieb nach München, »eine wesentliche Änderung im Innern der Kirche (sei) nicht beabsichtigt, eine der Heiligkeit des Gotteshauses aber angemessene Verschönerung... Als Muster für die Austünchung der Kirche dient die Kirche der Schulschwestern am Anger in München (AEM Bauten II). 1899 wurde auf Drängen von Wohltätern ohne Genehmigung eine Innenrestaurierung durchgeführt; spätestens damals wurde der Stuck abgeschlagen. Neubemalung des Raums durch den Historienmaler Ludwig Kandler (Faß- und Vergolderarbeiten von Sebastian Ametsberger aus Schnaitsee), die heftige Kritik an den »stumpfen und grellen Farben« hervorrief: der Maler Kandler, »dieser hat nemlich die Ausmalung der Kirche verbrochen«, solle besser nicht mehr beschäftigt werden. »Als Vorbild für die malerische Ausschmückung hätte wohl die südlich des Thurmes angebaute Seitenkapelle dienen können, welche im Style der damaligen Zeit ein Deckenbild mit Stuckumrahmung im Gewölbe zeigt. Dementsprechend wäre es nahegelegen, die Gewölbe des Langhauses und Presbyteriums mit einzelnen größeren perspektivisch gemalten Bildern zu schmücken und solche mit stukkierten Umrahmungen zu versehen. Der übrige Gewölbegrund wäre ganz licht, die Wandarchitektur weiß zu behandeln gewesen. Theilweise Vergoldung hätten die Pilasterkapitäle und Stukkaturen des Gewölbes erhalten können. Für weitere bildliche Darstellungen hätten die Lünetten über den Fenstern Raum gegeben. Statt dieser der Architektur angepaßten Bemalung ist das Kircheninnere bis auf den kleinsten Fleck im Übermaß bemalt worden, wobei als ganz verfehlt die Theilung des Tonnengewölbes mit Längs- und Querfriesen, die Abtheilung ir Gurtbögen zu bezeichnen ist« (StAM, Landbauämter 1715). Nach dem Anbau 1921/23 war zunächst keine Änderung der Ausmalung 1899 geplant. Man wolle die neuen Teile harmonisch an das Schiff anpassen, »ohne die farbige Überladenheit des letztern zu übernehmen«, schrieb Pfarrer Franz Xaver Wohlschläger 1922, doch blieb es dabei nicht. Ende 1923 war der Innenraum neu gefaßt, alles durch freiwillige Spenden berichtet der Pfarrer, »die der Neutünchung und Betönung des Schiffes vom Unterzeichneten«. Ein Photo vor 1928 (Braun) zeigt den einheitlich hell und ruhig getönten Raum. Weitere Raumfassung 1936/38 durch Hans Schellinger und Konrad Schmer, München.
Die Fresken des 18. Jh. blieben übermalt bis zur großen Renovierung 1979/86. Bei den Arbeiten an der Raumschale durch die Gebrüder Lauber, Bad Endorf, wurden sie 1985/86 wieder aufgedeckt und restauriert: Schließen der Putzschäden, Reinigung, Festigung und Einstimmen der Fehlstellen. Das Langhausfresko A ist am untern Rand vom Restaurator signiert: Deckenbild freigelegt u. konserviert, Restauratoren Gebrüder Lauber 1985 bis 86. Das Hauptfresko A ist in sehr schlechtem Zustand, die Figuren sind fast alle übermalt, die Hand Stelzers oder Solls kann eigentlich nirgends mehr festgestellt werden. Was blieb, ist die nicht ungeschickte Gesamtkomposition, während die Figuren im Detail manchmal fast grotesk sind (Engel unter Maria). Das Chorfresko B ist weit besser erhalten, Soll war als Freskant dem Maler Stelzer technisch weit überlegen. Die Stichkappenbilder A1-8 im LHs konnten nur zu einem kleinen Teil rekonstruiert werden. Von den Marienszenen B1-8 im Chor war offensichtlich mehr alte Substanz erhalten, nur die in den Schrägen gelegenen östlichsten Bilder sind praktisch neu gemalt. Die neuen Stuckrahmen der aufgedeckten Hauptbilder sind von Hans Zerle, Bad Reichenhall.
Beschreibung und Ikonographie
Der Kirchenraum war durch Franz Joseph Soll 1791/92 völlig ornamental ausgemalt worden. Die Pilaster waren blaßgrün marmoriert und hatten gelb gefaßte Kapitelle mit Teilvergoldung (in etwa wieder hergestellt). Die Fensterleibungen waren bemalt (teilweise erhalten). Am Chorbogen befand sich eine Kartusche, von Engeln gehalten, ebenfalls ockergelb mit Teilvergoldung (nicht erhalten). Die Chorbogen-Innenbemalung (ocker, teilvergoldet) ist erhalten.
A MARIENKRÖNUNG (Stelzer 1774) Langgezogenes Bildfeld, dessen Mitte die Krönungsgruppe einnimmt. Maria in weißem Kleid und blauem Mantel kniet auf einer Wolke, zu ihren Füßen ist die Mondsichel. Sie ist von Engeln begleitet, deren einer die Lilie als Symbol der Reinheit hält. Über ihr erscheinen Christus mit dem hochaufragenden Kreuz und Gottvater über der Weltkugel. Sie halten gemeinsam die Krone der Himmelskönigin über Mariens Haupt. Von einer lichten Glorie hinterfangen schwebt die Geisttaube über der Szene. In der Hauptansicht ist ein hoher und säulenbesetzter Portalbau dargestellt, vor dem ein großer Engel mit Rosen schwebt. Auch der Putto bei ihm und die Puttengruppe schräg darüber halten Rosen.
In der Gegenansicht sind auf einer dunklen Handlungsbühne Gestalten aus dem Alten Testament zu sehen. Links hält Moses...



LANDKREIS TRAUNSTEIN · SCHNAITSEE


Bereinigter Text: die Gesetzestafeln, es folgt ein Bärtiger, der nicht näher gekennzeichnet ist, sowie ein Krieger (Josua?). Weiter auf der rechten Seite ist Aaron mit den Schaubroten dargestellt und neben ihm Noah mit der Arche. Zwischen ihnen ist der nackte Oberkörper eines Mannes zu sehen. Ein nacktes Kind mit flehend hochgehobenen Händen und hinter ihm eine Männergestalt sind schwach zu erkennen – es handelt sich wohl um Abraham und Isaak.


A1-8 HERRENFESTE Von den Darstellungen der acht Herrenfeste (liturgische Feste des Kirchenjahres, bei denen ein Ereignis aus dem Heilswerk Christi gefeiert wird) waren offenbar nur noch in den Kartuschen A2-4 Reste erhalten, aufgrund derer man praktisch neue Bilder malte. Die übrigen Kartuschenfelder sind ockerfarbig getüncht.
A1 Christus schwebt über der Erde (keine Abb.).
A2 GEBURT CHRISTI (Nativitas Domini 25. 12.)


A3 BESCHNEIDUNG (Circumcisio Domini, 1. 1.) A4 ANBETUNG DER KÖNIGE/Erscheinung des Herrn (Epiphania Domini, 6. 1.) A5-7 Leere Felder
A8 Christus schwebt segnend mit der Weltkugel über der Landschaft (keine Abb.).
B DIE ERDTEILE HULDIGEN DEM APOKALYPTISCHEN LAMM (Soll 1791/92) Eine verschattete Substruktur führt ins Bild ein, eine Brüstungsmauer, auf deren Pfeilern Ziervasen stehen. Am mittleren Pfeiler befindet sich eine wappenähnliche Kartusche mit einem Storch, die an den Auftraggeber, Pfarrer Storch von Schnaitsee, erinnert. Darüber steigen steil Stufen und Podeste auf in einen hellen gewölbten Kirchenraum, der an den Chor einer Kirche erinnert. Ein prunkvoller Altaraufbau nimmt die Bildmitte ein, mit seitlich konkav nach vorn ausgreifenden Umfassungswänden, die durch Podeste mit Ziervasen abgeschlossen sind. Auf hohen Stufen steht eine Altarmensa, darauf die Bundeslade mit den Seraphim seitlich und den Halterungen für die Tragstangen. Auf der Lade liegt das Buch mit den sieben Siegeln und darauf das Lamm. Vor dem Auszug der aufgetürmten Altararchitektur sind die Gesetzestafeln dargestellt und endlich darüber das hohe Kreuz, das fast bis in den Gewölbescheitel ragt. Sinn dieses barocken Apparats ist der Sieg des Neuen Testaments – der Opfertod Christi ist durch Kreuz und Lamm dargestellt – über das Alte Testament.
Vor dem Altar, auf den Stufen, knien anbetend die Allegorien der Vier Erdteile: Von links beginnend mit Africa in reicher Gewandung und Hermelinkragen, es folgt, das Haupt gesenkt, Europa mit Krone und rotem Mantel mit Hermelin. Asia, in blauem Mantel mit Hermelin, blickt zum Kreuz auf. Sie ist reich geschmückt, trägt einen turbanähnlichen Kopfputz und in der Hand ein Zepter. America ganz rechts ist schwarz, halbnackt und hat einen Federschmuck auf dem Haupt. In diesem Zusammenhang stehen die Erdteile für die Verbreitung des katholischen Glaubens über die ganze Welt.
B1-8 FRAUENFESTE (Soll 1791/92) Soll nennt in seiner Abrechnung ausdrücklich die Abfolge der Marienszenen im Chor als die acht »Frauenfeste«. Die Abfolge der Feste hält sich nicht an den Festkalender, sondern an die chronologische Ordnung innerhalb des Marienlebens. Sie beginnt im SO, führt an der S-Seite nach W und an der N-Seite von W nach O. B1 UNBEFLECKTE EMPFÄNGNIS (Immaculata Conceptio, Fest 8. 12.) Maria erscheint auf der Weltkugel stehend, die Schlange zu ihren Füßen. Ihr Haupt ist von Strahlen umgeben, sie hält eine Lilie. Bei ihr zwei Putten, deren einer einen Kranz hält.
B2 MARIAE GEBURT (Nativitas B.M.V., Fest 8. 9.) Unter einem Baldachin sitzt Anna auf einem thronähnlichen




LANDKREIS TRAUNSTEIN · SCHNAITSEE
Sessel. Sie hält das Kind Maria im Arm. Zu ihren Füßen sieht man einen Schild mit dem Namen Mariae. Am Himmel gehen vom Auge Gottes Strahlen aus und fallen auf Anna und Maria.
B3 MARIAE TEMPELGANG/OPFERUNG (Praesentatio B. M.V., Fest 21.11.) In einem angedeuteten Tempelraum steht ein Hoherpriester vor einem Altar mit den Gesetzestafeln. Er beugt sich zu dem Mädchen Maria, das von ihrer Mutter Anna begleitet vor ihm kniet. Ihr Haupt ist von einem Sternenkranz umgeben.
B4 MARIAE VERMÄHLUNG (Desponsatio B. M.V., Fest 23.1.) Der Tempel von Jerusalem ist durch den mehrarmigen Leuchter, die Gesetzestafeln und eine Draperie angegeben. Maria und Joseph knien vor einem Hohenpriester, der ihren Bund segnet.
B5 MARIAE VERKÜNDIGUNG (Annunciatio B.M.V., Fest 25.3.) Rechts kniet Maria mit gesenktem Haupt an ihrem Betpult. Ihr erscheint auf Wolken der Verkündigungsengel mit der Lilie in der Hand. Darüber schwebt die Taube des Heiligen Geistes.
B6 HEIMSÜCHUNG (Visitatio B. M.V., Fest 2.7.) Auf einem Stufenpodest kommt von links Maria; sie wird von Elisabeth begrüßt. Vor dem Leib Mariens ist in einem Strahlenkranz das IHS zu sehen.
B7 MARIAE REINIGUNG/LICHTMESS (Purification B. M.V., Fest 2. 2.) Bei einem Altartisch mit dem siebenarmigen Leuchter steht ein Hoherpriester und nimmt das Kind Jesus entgegen, das ihm von Maria dargereicht wird. Auf den Stufen im Vordergrund sieht man die zwei Tauben, das Opfer, das bei der Reinigung einer Frau nach der Geburt vorgeschrieben war.
B8 MARIAE HIMMELFAHRT (Assumptio B. M.V., Fest 15.8.) Rechts unten, vom Rahmen überschnitten, ist der Sarkophag dargestellt. Maria schwebt auf Wolken zum Himmel, begleitet von einem Engel, der eine Lilie hält.
Quellen und Literatur
BHStA, GL 1769: Hinterlassenschaft Pfarrer Lassers
BHStA, Landshuter Abgabe 1993, Nr. 331: Neue Seitenaltäre 1781–88; Reparaturen im Innern, Ausmalung 1791/92, Abrechnung des Stuckators Wagner und des Malers Soll, Abrechnung des Pfarrers Storch.
StAM, LG ä.O., Trostberg Nr. 556: Schnaitsee, Reparatur der Pfarrkirche 1840.
StAM, Landbauämter 1714: Baufälle 1842/45, Innenrestaurierung 1899.
AEM, Stiftungsadministration Wasserburg, Kirchenrechnungen Gericht Kling: Pfarrkirche Schnaitsee 1773–76, 1790–92. AEM, Pfarrakten Schnaitsee: Pfarrbeschreibung; Pastoral- und Cultus-Gegenstände 1594–1906: Versetzung des Marienaltars 1646; Resignations- und Verlassenschaftsakten: Testament des Pfarrers Lasser.
AEM, Kunsttopographie des Erzbistums, Dekanat 45/Wasserburg, Pfarrei Schnaitsee (Georg Brenninger), Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt.
Pfarrarchiv Schnaitsee: Akten zu den Restaurierungen 1932/39 und 1985/86.
BLfD, Akt Schnaitsee, Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt
Lechner, Joseph, Versuch einer beurkundeten Darstellung des Kirchenwesens in Baiern, Salzburgischen Diözese=Antheiles. Salzburg 1810. Pfarrey Schneitsee S. 226–37.
Mayer-Westermayer, Bd 2, S. 694–703
KDB I OB (2), 1826–29
Braun, Michael, Beiträge zur Geschichte der Pfarrei Schnaitsee, Wasserburg 1928.
1000=Jahrfeier Schnaitsee, Schnaitsee 1956.
Hamberger, Josef, Schnaitsee - die Mutterpfarrei des nordwestlichen Chiemgaus, in: Heimatbuch des Landkreises Traunstein, Bd I, Trostberg 1963, S. 160–66.
Weiermann, Herbert, Kunstgeschichtliche Denkmäler, in: Heimatbuch des Landkreises Traunstein, Bd II, S. 113–366 Schnaitsee S. 162–64.
Tribus, Gustav, Festschrift zum Abschluß der Pfarrkirchen-Renovierung Schnaitsee (Schnaitsee 1986).
Dehio 1990, S. 1081 f.: