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Schnaitsee, Marienkapelle

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 11: Landkreis Traunstein. Hirmer, München 2005, ISBN 978-3-7774-2695-2, S. 142–143, geschrieben von Bauer-Wild, Anna. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Ehem. Andreaskapelle, in der Südwestecke der Pfarrkirche gelegen. In der Kapelle stand seit 1768 das Schnaitseer Mariengnadenbild.

Zum Bauwerk: Zwei Kapellen lagen ehemals rechts und links vom Eingang im W der Kirche: die Sebastians- und die Andreaskapelle. Am Fuß der Mittelsäule im Kirchenraum stand ein Altar mit dem alten Mariengnadenbild. Im Jahr 1646 sollte er entfernt werden, weil er die Sicht auf den Hochaltar erschwerte. Das Gnadenbild wurde deshalb in der Andreaskapelle aufgestellt. Am 29.5.1768 schrieb Pfarrer Lasser nach Baumburg, die Verehrung des Gnadenbildes im Volk nehme immer mehr zu, Geld und Votivtafeln werden gespendet. Das Volk wünsche einen Altar für die Marienfigur, und »ansehnliche Gutthäter« seien bereit, ihn zu zahlen. Der neue Altar wurde an der Westwand der bisherigen Andreaskapelle aufgerichtet, die nun zur Marienkapelle wurde. Die Umgestaltung der Kapelle ist in den Kirchenrechnungen ab 1768 nicht abgerechnet, doch wurden in den Jahren 1768–71 durch den Gerichtsmaurermeister Stephan Bliemlsrieder laufend größere Baureparaturen an der Kirche vorgenommen, willkommene Gelegenheit für die »ansehnlichen Gutthäter«, die gewünschte Marienkapelle herzustellen.

Die Kapelle liegt, von einem Gitter abgeschlossen, in der SW-Ecke der Kirche. Kleiner rechteckiger Saal zu drei Jochen (5,00×3,90 m), Pilastergliederung, drei Fenster nach S. In der Mitte des hübschen Rokokoaltars steht die spätgotische Marienfigur, eine Krone auf dem Haupt, das nackte Kind mit der Weltkugel auf dem linken Arm, in der Rechten ein Zepter. Das Auszugbild stellt den Apostel Andreas dar, den ehemaligen Patron der Kapelle. Gewestet.

Auftraggeber: Johann Karl Wilhelm Lasser von Zollheim, Pfarrer von Schnaitsee (1748–83). Bei dem Deckenbild handelt es sich sicher um eine Spende Lassers oder einer der »ansehnlichen Gutthäter«.

Autor und Entstehungszeit: Autor unbekannt, um 1768

Das Bild entstand sicher in zeitlichem Zusammenhang mit der Errichtung des Altars für das Gnadenbild.

Ein Maler ist in den Kirchenrechnungen der fraglichen Zeit auch für andere Arbeiten nicht genannt. Bei der Nähe Schnaitsees zu Wasserburg ist ein Wasserburger Maler als Autor des Bildes am wahrscheinlichsten. Maler in Wasserburg waren damals Nikolaus Bernhard und Caspar Matthias Schrott.

Befund

Träger der Deckenmalerei: Tonne mit Stichkappen Rahmen: Stuckprofil

Technik: Öl auf Putz, polychrom

Maße: Höhe 5,10m; 3,20×2,20

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Bei der großen Kirchenrenovation 1791/92 ist von der Marienkapelle nie die Rede. Sie war also damals noch gut im Stand. Anläßlich der mißglückten Kirchenausmalung 1899 wird gesagt: »Als Vorbild für die malerische Ausschmückung hätte wohl die südlich des Thurmes angebaute Seitenkapelle dienen können, welche im Style der damaligen Zeit ein Deckenbild mit Stuckumrahmung im Gewölbe zeigt« (AEM, Bauten II). 1936 Innenrestaurierung der Marienkapelle durch Hans Schellinger und Konrad Schmer, München: »Reinigung, Tünchung und Tönung des Kapelleninnern, Restaurierung des Altars und der im Altar stehenden spätgotischen Marienstatue«, außerdem »Restaurierung des kleinen Freskobildes« (ebenda und Pfarrarchiv Schnaitsee). Letzte Restaurierung durch die Brüder Lauber, Bad Endorf 1985: »Die Malschicht löste sich in großen Bereichen von der Deckenfläche ab und schüsselte auf.« Diese Stellen wurden niedergelegt und gereinigt, die Fehlstellen ausgekittet und eingestimmt (BLfD, Bericht Martin Laubers).

Beschreibung und Ikonographie

ESTHER VOR AHASVER (Esth 5,1-5) Ansicht nach W. Das Bild gibt in starker Untersicht Einblick in einen hohen, kuppelgewölbten Saal. König Ahasver hat sich von seinem Thron unter einer blauen Baldachindraperie erhoben und neigt sich zu Esther, die in schwerem rotem Mantel, eine Krone auf dem Haupt, vor ihm kniet. Sie ist begleitet von Frauen, die sie stützen.

Die Jüdin Esther war Lieblingsfrau des Königs Ahasver, von ihm zur Königin gekrönt. Als Ahasver die Ausrottung der Juden befahl, warf sie sich ihm in königlichem Schmuck zu Füßen und bat für ihr Volk. Ahasver gewährte ihre Bitte

[[File:Band11_chunk003_p022_img001.jpg|thumb|Esther vor Ahasver (um 1768)]

Esther ist eine der am häufigsten dargestellten Präfigurationen Mariens und spielt auf deren Eigenschaft als machtvolle Fürsprecherin an. Esther als Antetyp Mariens tritt deshalb oft in Verbindung mit einem Marien-Gnadenbild auf (s. auch Ramsau/Kunterweg, S. 257ff.).

Quellen und Literatur

AEM, Pfarrakten Schnaitsee, Pfarrbeschreibung, Versetzen des Gnadenbildes 1768; Pastoral- und Cultus-Gegenstände 1594–1906: Das Mariengnadenbild 1646 und 1768; Bauten II: Restaurierung 1936.

AEM, Stiftungsadministration Wasserburg, Kirchenrechnungen Kling 1768–72.

A. B.