Scheyern, Benediktinerabtei, Hl.-Kreuz-Kapelle
Heilig-Kreuz-Kapelle
Wallfahrtskapelle zum Heiligen Kreuz an der Südseite der Klosterkirche
Patrozinium: Heiliges Kreuz
Zum Bauwerk: Grundsteinlegung im Juli 1738, Weihe am 3.5. 1739 (Paula 1992, S. 187). Querrechteckiger, zweijochiger Andachtsraum (10,60×10,20m), an die drei westlichen Joche des südlichen Seitenschiffs angebaut und mit der Kirche durch einen breiten Bogeneingang verbunden. Der Andachtsraum ist in der Querrichtung in drei Abschnitte gegliedert, der mittlere ist breiter. Dreiseitig umlaufende Empore, flache Kreuzgratgewölbe. Stark eingezogener, kurzer AR mit dreiseitigem Schluss und zwei hohen Rundbogenfenstern; Verbindung zum Andachtsraum durch einen hohen Chorbogen. Die Kapelle ist gesüdet. Der Heilig-Kreuz-Altar stammt aus der Erbauungszeit, wurde jedoch mehrfach verändert. Der Auszug lautet SALVA NOS/CHRISTE SALVATOR/PER VIRTVTEM/CRVCIS.
Die im Altartabernakel verwahrte, sichtbar aufgestellte Kreuzreliquie, ein Doppelkreuz, ist heute in eine einfache Metallfassung des 18. Jh. eingelassen (Reichhold 1981, S. 14–20). Das Scheyerer Kreuz ist die wichtigste Reliquie der Klosterkirche. Das Kreuzpartikel, das die Grafen von Scheyern auf ihren Kreuzzügen erhalten hatten, kam beim Tod Herzog Konrad III. von Dachau (†1180) nach Scheyern (s. EB4 S 259/60).
Die oberen Partien der Apsiswände, das Kranzgesims, der Chorbogen und die Emporenbrüstung zeigen einen Stuckdekor aus etwas dicklappigen, noch ganz symmetrischen Blattmotiven, durchsetzt von Puttoköpfchen und etwas schwerfälligen Blütengirlanden. Georg Paula (1992, S. 187–89) hat die Stuckierung überzeugend Thomas Glasl zugeschrieben, der nachweislich 1737 die Margarethenkirche in Bayrischzell stukkiert hat, wo er ebenfalls mit Puchner zusammen arbeitete. Diese Kirche war damals Kuratie der Klosterpfarrei Fischbachau, die der Benediktinerabtei Scheyern inkorporiert war. Auftraggeber war auch dort Abt Placidus Forster. Der feingliedrige Stuckdekor des Andachtsraumes in Hellgrau mit rosa Binnenflächen gehört zur Ausstuckierung durch Ignaz Finsterwalder 1768–70.
ABSIT/GLORIARI NISI/IN CRVCE DOMINI/NOSTRI IESV. (= 1770. Es soll kein Ruhm gesucht werden, es sei denn im Namen des Kreuzes, unseres Herrn.)
Einbezogen in das ikonologische Programm der Hl.-Kreuz-Kapelle ist auch das Stuckportal, das von O, vom nördlichen Kreuzgang her, in die Kapelle führt und aus stilistischen Gründen gegen 1750 zu datieren ist. Der Stuckator ist vermutlich auch Thomas Glasl (Abb. S. 257, Text S. 258).
Auftraggeber: Abt Placidus Forster (1734–57). Seine Grabplatte in der NW-Ecke des Andachtsraums bezeichnet ihn als Erbauer der Kapelle und nennt ihn »SS. mae CRUCIS INSIG- NIS CULTOR«. In seine Amtszeit gehört auch das etwas jüngere Stuckportal.
Autor und Entstehungszeit: Melchior Puchner (*1695–1758, Schongau–Ingolstadt) 1739. Zuschreibung durch Georg Paula (1992, S. 189) aufgrund der nahen stilistischen und motivischen Ausmalung der Margaretenkirche in Bayrischzell (1737) und der Martinskirche in Fischbachau (1737/38), beide LKr. Miesbach, die zu Kloster Scheyern gehörten (CBD Bd 2, S. 457–59, 470–96, besonders Abb. S. 483 und 489). Als Argument kam hinzu, dass Puchner nachweislich den Tabernakel des Kreuzaltars der Scheyerer Kapelle gefasst hat (Paula ebd., S. 189, 220 Anm. 49).
Mit dem Deckenbild der Hl.-Kreuz-Kapelle gut zu vergleichen sind in Fischbachau Fresko E über dem Hochaltar mit der Darstellung des dreifachen Sanctus und das Seitenschiff-Fresko N6 Förderung der Marienverehrung (CBD Bd 2, S. 483 und 489).
Befund
Träger der Deckenmalerei: AR (K) steile Hohlkehle mit flachem Deckenspiegel, einer Halbkuppel angenähert; Träger der Wandmalerei (EB1-3): dreiseitig umlaufende Emporenbrüstung im Andachtsraum
Rahmen: K Kranzgesims am Fuß des Freskos mit einer Doppelreihe stuckierter Blattmotive besetzt, ockerfarben auf weißem Grund, EB1-3 querrechteckiger grauer Stuckrahmen, an den Ecken und Mittelachsen eingebuchtet, von Akanthusblattranken, kleinen Kartuschen- und Muschelmotiven in Ocker überlappt
Technik: Fresko; polychrom
Maße: Höhe 7,90 m; 4,80 × 3,90
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Eine frühe Renovierung der Kapelle fand 1850 statt; der Maler erhielt 55 fl. (Pfarrarchiv Scheyern, Pfarrbeschreibung ca. 1819 mit Ergänzungen, S. 327). Im Zuge der Neugestaltung der Abteikirche 1923/24 wurden die Fresken überarbeitet; Hartig bezeichnete 1924 zwar »Bild- und Stuckdekoration« als »ausgezeichnet erhalten«, jedoch zeigt die Malerei manche Übermalungen. Bei der Restaurierung 1974–77 durch Kirchenmaler Jakob Holderried, Pfaffenhofen, erfolgte eine Trockenreinigung des AR-Freskos und der Emporenbilder. Die Übermalungen von 1923/24 wurden belassen, Feuchtigkeitsschäden in der rechten Ecke von K beseitigt. Der Stuck erhielt nach Befund eine Fassung in hellem Ocker, Rosa und Hellgrau, der Stuck von 1770 im Andachtsraum, ebenfalls nach Befund, eine Fassung in Grau mit geringen Goldhöhungen und Binnenflächen in Rosa. Fresko K ist wesentlich besser erhalten als die Emporenbilder, die bereits 1913 als renovierungsbedürftig bezeichnet wurden und deren Farbsubstanz heute einen mehligen Charakter hat (BLfD, Mitt. Bernd Holderried). An dem Stuckportal im nördlichen Kreuzgang wurden die Übertünchungen abgenommen und die originale Farbigkeit freigelegt.
Beschreibung und Ikonographie
K VEREHRUNG DES HEILIGEN KREUZES DURCH DIE KIRCHE, DEN ORDEN UND DIE WELT Die halb-
Die kugelförmige Bildfläche, die über dem fünffach geknickten Kranzgesims ansetzt, hat in Fortführung der Architektur eine gemalte, umlaufende Steinstufe, auf der die drei Figurengruppen postiert sind. Im Zenit der Darstellung schwebt Christus in thronender Haltung in einer lichtgelben Gloriole, gestützt von Engeln und Putten. Christus hält mit der erhobenen Rechten das Scheyerer Kreuz als Kreuz der Erlösung und weist mit der linken Hand auf die Kreuzverehrer hinab. Sein rosavioletter Mantel ist gebauscht und hinterlegt als betonende Folie seinen von einem Strahlenkranz umgebenen Kopf. Puchner hat dem Gesicht feine, anmutige Züge verliehen. Den Übergang zum Bereich der Kreuzverehrer bildet ein Himmelsstreifen in lichtem Himmelsblau, durchsetzt von weiß-grauen Wolken. Die Figurenbühne ist hier ein rein symbolischer Ort, der weder Erde noch Himmel zuzurechnen ist. Ausbreitung des Christentums, Kreuzverehrung und Kreuzverteidigung sind die bestimmenden Vorgaben bei der Auswahl der dargestellten heiligen Personen und der Mitglieder des Hauses Scheyern-Wittelsbach.
WELTGEISTLICHE (Mitte)
Die zentrale Figur der hierarchisch aufgebauten Gruppe ist wohl Papst Gregor der Große (* vor 540 † 604, Fest 12.3.), dargestellt in vollem Ornat: langes Chorhemd über purpurfarbenem Untergewand, goldfarbenes, blau gefüttertes Pluviale, Tiara und Papstkreuz. Als Stellvertreter Christi erscheint er direkt unterhalb des Erlösers. Gregor war der erste Papst aus dem Benediktinerorden; er verfasste die erste Benedikt-Vita (LCI Bd 6, s. v. Gregor I. der Große, Sp. 432; Bd 5, s. v. Benedikt von Nursia, Sp. 351). Hier ist Papst Gregor wohl auch wegen der Erscheinung dargestellt, die ihm bei der Eucharistiefeier in Santa Croce (!) widerfuhr: der Heiland erschien ihm als Schmerzensmann mit den Arma Christi (LCI Bd 2, s. v. Gregoriusmesse, Sp. 199–202).
Zur Rechten Gregors folgt ein Kardinal. Er trägt über dem Rochett die rote Cappa magna, dazu den Kardinalshut; er hält einen Kreuzstab mit dem einfachen lateinischen Kreuz. Hier könnte der hl. Petrus Damiani (* 1006/07 † 1072, Fest 23. 3.) gemeint sein, der oft in Benediktinerkirchen dargestellt ist. Er war ein Bußprediger und Reformer und gehörte als Mönch und später als Prior der Kongregation vom Hl. Kreuz (!) zu Fonte-Avellana an. Die Avellaner sind ein Zweigorden der Benediktiner (LCI Bd 8, s. v. Petrus Damiani, Sp. 182).
Zur Linken des Papstes folgen zwei Bischöfe; von dem hinteren sind nur Kopf, Mitra und Pedum zu erkennen. Der vordere ist durch seine prachtvolle pontifikale Messkleidung besonders hervorgehoben: über Amikt und Albe trägt er eine Dalmatik aus Goldbrokat, darüber eine goldfarbene Kasel; hinzu kommen Mitra und Patriarchenkreuz. Mit ziemlicher Sicherheit ist hier der hl. Bonifatius (* 672/75 † 754, Fest 5.6.) dargestellt, der Apostel Deutschlands«. Er trat sehr früh dem Benediktinerorden bei. 732 wurde er von Papst Gregor III. zum Erzbischof erhoben. 728, bei seiner dritten Romreise, wurde Bonifatius zum ›Legatus germanicus‹ ernannt, mit der Anweisung,
»die Kirche in Bayern, Alemannien, Hessen und Thüringen zu ordnen«
und die Bistümer zu gründen. Das Patriarchenkreuz in seiner Hand weist ihn als päpstlichen Legaten aus (LCI Bd 5, s. v. Bonifatius, OSB., Bisch. Mart. Sp. 427–29).
Hinter dem Kardinal folgt ein Chorherr in Rochett und schwarzem Mantel, das Barett in der rechten Hand haltend, hinter den Bischöfen ein Geistlicher in Talar und Superpelliceum. Diese beiden Figuren sind nicht zu benennen. Der Geistliche könnte vielleicht ein Benediktinerpater als Wallfahrtsseelsorger sein.
ORDENSGRÜNDER UND ORDENSGEISTLICHE (links)
An die Gruppe der Weltgeistlichen schließen nach O hin die Ordensgeistlichen an. Die Gruppe besteht aus zehn Personen, die fast alle ein Kreuz als Attribut haben. Wichtig sind die sechs großen Vordergrundfiguren. Den Auftakt bildet die mächtige Gestalt des hl. Benedikt (* 480 † um 547, Fest 21. 3.), der als greiser Abt in der schwarzen, weitärmeligen Flocke des Benediktinerordens dargestellt ist. Um die linke Hand hat er die Kette mit dem Abtskreuz geschlungen. Er hält das Kreuz demonstrativ empor. Die eigentliche Hauptfigur ist jedoch der hl. Bernhard (* 1090, † 1153, Fest 20. 8.), der etwas weiter links kniet und um den sich die anderen scharen. Er trägt das weiße Habit und den weißen Mantel der Zisterzienser. Im Arm hält er wie gewöhnlich die Arma Christi – Dornenkrone und Geißelrute liegen am Boden -, Hinweis auf seine Meditationen über das Leiden des Herrn (LCI Bd 5, s. v. Bernhard von Clairvaux, Sp. 374). Das Kreuz ist hier jedoch auffallend groß und Angelpunkt der Komposition. Bernhard hatte 1146 zum zweiten Kreuzzug aufgerufen und auch den deutschen König Konrad III. zur Teilnahme bewogen. Zwischen Benedikt und Bernhard kniet der hl. Franziskus (* 1181 † 1226, Fest 4. 10.), im braunen Habit mit Kapuze, gegürtet mit dem hellen, mit Knoten versehenen Strick. Als Attribute hat er den Totenkopf zu seinen Füßen und in der Hand ein Kreuz als Hinweis auf seine Vision des Gekreuzigten am Berge Alverna und seine eigene Stigmatisierung. Die linke Hand zeigt das Wundmal (LCI Bd 6, s. v. Franz von Assisi, Sp. 295 ff.). Zur Rechten des hl. Bernhard kniet ein Karmeliter in graubraunem Gewand und weißem Umhang mit Kapuze; in der linken Hand hält er ein Kruzifix. Es ist der hl. Johannes vom Kreuz (* 1542 † 1591, Fest 24. 11.), ein Reformer und Mystiker, dem der Kreuz tragende Christus auf dem Altar erschien (LCI Bd 7, s. v. Johannes vom Kreuz, Sp. 145 f.). Hinter ihm kniet der hl. Ignatius im schwarzen, gegürteten Talar und schwarzen Mantel (* 1491 † 1556, Fest 31.7.). Er hat beide Hände auf die Brust gelegt, wo das Christusmonogramm IHS sichtbar ist. Auf dem Weg nach Rom erschienen ihm in La Storta Gottvater und Jesus, der das Kreuz auf der Schulter trug (LCI Bd 6, s. v. Ignatius von Loyola, Sp. 571). Die vordere Reihe beschließt der hl. Eremit Antonius (* um 251, † 356, Fest 17. 1.), gekleidet in ein schwarzgraues Gewand und einen ebensolchen Umhang mit Kapuze. In der Hand hält er den tau-förmigen Kreuzstab, sein persönliches Attribut. Er wird als Vater des christlichen Mönchtums bezeichnet (LCI Bd 5, s. v. Antonius Abbas, Sp. 205, 207). Der Mönch im weißen Habit hinter Franziskus könnte der hl. Romuald von Camaldoli sein († 1027, Fest 19.6.), Gründer des Kamaldulenserordens, eines strengen Zweigordens der Benediktiner. Dieser wird jedoch immer mit Bart dargestellt (LCI Bd 8, s.v. Romuald von Camaldoli, Sp. 283). Die Gestalt könnte auch der hl. Bruno sein, der Gründer des Kartäuserordens (* um 1030/35 † 1101, Fest 6. 10.). Der
Mönchskopf hinter dem hl. Bernhard ist von einem schwarzen Kapuzenmantel eingefasst; die zugehörige rechte Hand hinter Bernhards rechter Schulter hält den Rosenkranz; es ist der hl. Dominikus (* um 1172 † 1221, Fest 4. 8.). Die Nonne, deren Oberkörper über dem hl. Franziskus sichtbar ist, scheint ganz in Schwarz gekleidet zu sein bis auf ein weißes Halstuch. Das Gewand hat weite Ärmel. Es ist die hl. Scholastika (* um 480 † um 547, Fest 10. 2.), Schwester des hl. Benedikt. Der Nonnenkopf mit zugehöriger linker Schulter und dem zum Kreuz in der Hand Christi hinaufweisenden rechten Arm ist unmittelbar über dem hl. Bernhard angeordnet und beschließt formal und inhaltlich die als flach ansteigende Pyramide angelegte Figurengruppe. Es ist die hl. Birgitta (* um 1303 † 1374, Fest 8. 10.): graues Habit, grauer Mantel, weißes Brusttuch, schwarzer, weiß gefütterter Schleier und um den Kopf der aus Leder gefertigte Reifen mit zwei sich kreuzenden Bügeln. Diese Krone ist mit fünf roten Flecken bestückt, gleich bedeutend mit den fünf Wunden Christi (LCI Bd 5, s. v. Birgitta von Schweden, Sp. 401; Braun, s.v. Birgitta von Schweden, Sp. 139f.). Der Mantel zeigt auf der linken Schulter das Abzeichen des Birgittenordens: in einem Ring auf ockerfarbenem Grund ein rotes Kreuz mit einem weißen Kreis im Zentrum (vgl. im ehem. Birgittenkloster Altomünster das Klosterwappen am Kuppelbild der Kirche, gemalt 1768 von Joseph Mages; CBD Bd 5, LKr. Dachau S. 33). Dieses Kreuz hat dieselbe Gestalt wie das Kreuz der Jerusalempilger. Die hl. Birgitta war 1372 als Pilgerin im Heiligen Land.
WELTLICHE FÜRSTEN (links) Die Gruppe der weltlichen Fürsten - von links nach rechts zu lesen - beginnt mit zwei heilig gesprochenen Herrschern, König Stephan von Ungarn (997-1038, Fest 16.8.) und Kaiser Heinrich II. (1002 deutscher König, 1014-24 Kaiser, Fest 15.7.). Beide sind, im Gegensatz zu den Klerikern, stehend dargestellt. Neben dem rechten Fuß befindet sich jeweils ein Wappenhalter mit dem Schild. Ein Knappe präsentiert das Wappen des Königs von Ungarn: die linke (heraldisch rechte) Hälfte zeigt abwechselnd rote und weiße (= silberne) Querbalken, die rechte (heraldisch linke) auf rotem Grund ein weißes (= silbernes) Patriarchenkreuz oder apostolisches Kreuz, das aus einer gelben (= goldenen) Krone über einer grünen Hügelkuppe aufwächst. Wappenhalter bei Kaiser Heinrich ist der deutsche Adler (ein Flügel fehlt, der Hals ist wohl durch eine ältere Restaurierung verändert). Im Schild erscheint der kaiserliche Doppeladler mit der Krone zwischen den Köpfen, Schwert und Zepter in den Klauen haltend. Der Herzschild zeigt in der linken (heraldisch rechten) Hälfte das blau-weiße bayerische Rautenmuster, Hinweis darauf, dass Heinrich 995, nach dem Tod seines Vaters, Heinrichs des Zänkers, das Herzogtum Bayern übernahm und bis zu seiner Krönung 1002 Herzog von Bayern war. Die rechte (heraldisch linke) Hälfte zeigt auf rotem Grund einen nach links (heraldische rechts) aufsteigenden Schimmel. Es ist das ›Sachsenross‹, das sächsische Stammeswappen. Kaiser Heinrich II. war der letzte sächsische Kaiser. König Stephan trägt ein langes, faltenreiches Gewand mit umgehängtem Schwertgurt, einen roten, blau gefütterten und mit Hermelin abgesetzten Königsmantel und eine Bügelkrone, die der ungarischen Königskrone nur annähernd entspricht. Die rechte Hand ist auf die Brust gelegt, die linke umfasst den Schwertgriff; Hinweis auf König Stephan als Streiter Christi. Kaiser Heinrich, wie immer mit Bart, ist in imperialem Ornat dargestellt: Albe, blaue Tunika, goldfarbener, dem Pluviale nachgebildeter Kaisermantel und Reichskrone. Seine erhobene rechte Hand scheint auf das kleine Kreuz an der Reichskrone zu deuten.
Wie sich zeigen wird, ist die ganze Gruppe der Fürsten als Streiter Christi aufzufassen. König Stephan christianisierte Ungarn nach dem Tod seines Vaters (997), gründete Bistümer und mehrere Benediktinerklöster und erhielt von Papst Silvester II. die Krone für seine Krönung zum König (LThK Bd 9 s. v. Stephan, König von Ungarn, Sp. 808). Er heiratete die Schwester Kaiser Heinrichs II. Prinzessin Gisela. Nach der lokalen Überlieferung fand die Hochzeit in Scheyern statt (s. Bild 3 der Scheyerer Fürstengalerie in der Gruftkirche A. Reichhold 1993, Abb. S. 12). Heinrich II. war der Kirche sehr verbunden. 1007 gründete er das Bistum Bamberg. Als jüngerer Herrscher hatte er die Gelübde des dritten Ordens der Benediktiner abgelegt, bei Abt Richard von St. Vanne in Verdun (Kalend. Benedikt. Bd 2, S. 449f; LCI Bd 8, s. v. Richard von St.-Vanne, Sp. 267).
Die Mitglieder des Hauses Scheyern-Wittelsbach sind hinter den beiden frommen Herrschern wie hinter Leitbildern angeordnet. Zentrum dieser Gruppe ist Kurfürst Karl Albrecht (1726–45), römisch-deutscher Kaiser als Karl VII. 1742–45. Er kniet in ergebener und zugleich fürstlicher Haltung auf einem roten Kissen. Sein Kopf mit Allongeperücke entspricht den bekannten Porträtbildern. Zu seiner Rechten hält ein goldfarbener Löwe das bayerische Kurwappen; im Herzschild erscheint auf rotem Grund der Reichsapfel. Karl Albrecht ist dargestellt als: Großmeister des von ihm 1729 neu gegründeten Bayerischen Hausritterordens vom Heiligen Georg: weiß seidener Streitrock, rot gefüttert, mit zurückgeschlagenen Schößen, die Ärmel mit reich verzierten Stulpen versehen; scharlachrote Kniehosen und weiße Strümpfe, weiße Schuhe (hier fälschlicherweise schwarz), rotes Schwertgehänge, mittelblauer, bodenlanger, ärmelloser Mantel (hier fälschlicherweise mit halblangen blauen Ärmeln versehen). Der blaue Brustschild, die Kollane mit dem Ordenskleinod, das weiße, um den Hals geschlungene und mit einer roten Schleife unter dem Kinn befestigte Spitzentuch vervollständigen das Kostüm. Auf der linken Seite des Mantels ist in Brusthöhe der Ordensstern angebracht. Der dazu gehörige schwarze Hut besetzt mit weißen, rot getupften Federn, ist in der Kreuzkapelle nicht abgebildet (vgl. die Miniatur von Joseph Franz Copisi im Ordensbuch von 1729, fol.71: Des Großmeisters Ordens Kleidung, Kat. Hausritterorden, Kat. Nr. 7 Abb. Umschlag Rückseite; die Figur zeigt Porträtzüge Karl Albrechts). Zur Linken Karl Albrechts, bereits im äußeren Winkel des Bildes, kniet als halbe Rückenfigur eine kleinere Gestalt mit Allongeperücke, in ein etwas einfacheres Ordensgewand gekleidet. Es ist der Kurprinz Max III. Joseph, vermutlich in der Tracht eines Großpriors, wie ihn Georg Desmarées gemalt hat (ebd. Kat. Nr. 33 S. 84, Abb. 19). Der Kurprinz hält mit der linken Hand einen emblematischen Wappenschild, auf den Karl Albrecht hinweist: vor blaugrauem Grund steht ein Palmbaum mit vier Goldbuchstaben über dem Wipfel IVPF, Abkürzung des Wahlspruchs: Iustus ut palma florebit (Der Gerechte wird blühen wie ein Palmbaum, Ps 91,13). Hinter dem Schild kniet ein Page, der auf einem Kissen den Kurhut für Max III. Joseph bereit hält. Darüber ist Karl Albrechts jüngerer Bruder Clemens August dargestellt, Erzbischof und Kurfürst von Köln (1723-61), 1732 zum Großmeister des Deutschen Ordens gewählt. In dieser Funktion ist er hier abgebildet. Er trägt den schwarzen Priesterrock, Allongeperücke und über die linke Schulter gelegt den weißen Mantel der Deutschherren mit dem schwarzen Kreuz darauf. Als Erzbischof von Köln hatte Clemens August bei der Einführungszeremonie des Georgi-Ritterordens in der Frauenkirche zu München am 24.4.1729 das feierliche Hochamt gehalten. Die Einsetzung des Ordens ist dargestellt in der 1726-30 errichteten Ahnengalerie der Münchner Residenz als zentrales Deckenbild, gemalt um 1730 von Balthasar Augustin Albrecht (ebd. S. 52, Kat. Nr. 14, S.71 f., Abb. 32; CBD Bd 3/II, Abb. S. 335).
Der bayerische Georgi-Ritterorden hat zwei Patrone, die Jungfrau Maria und den hl. Georg; dementsprechend zeigt das Ordenskleinod, das an der Kollane getragen wird, zwei verschieden gestaltete Seiten: »auf der blau emaillierten Seite des Kleinods das im Zentrum die Darstellung der Immaculata trägt, finden sich die Buchstaben VIBI (Virgini Immaculatae Bavaria Immaculata – Der unbefleckt empfangenen Jungfrau das im Glauben unversehrte Bayern), die rot emailierte Seite, dem hl. Georg gewidmet, weist die Buchstaben IVPF (Iustus ut Palma florebit) auf (L. Seelig in: Kat. Hausritterorden, S. 50). Die Glieder der Kollane enthalten die eigentliche Ordensdevise: »In Fide Iustitia et Fortitudine« (Durch Treu und Glauben, Gerechtigkeit und Stärke« (G. Baumgartner in: Kat. Hausritterorden, S. 18. Die Abkürzungen VIBI und IVPF erscheinen bei den Kreuzzug-Szenen an der Emporenbrüstung der Gruftkirche, s. unten.) Der Ordensbruststern und auch der Stern auf dem Ritterschild zeigen in der Mitte einen kleinen weißen Rundschild, der von einem roten Kreuz überspannt ist (ebd. Kat. Nr. 56, S. 104, Abb. Umschlag Vorderseite, Kat. Nr. 7, S. 64, Farbabb. 3, S. 91)
Weiß und Rot sind die traditionellen Farben des hl. Georg: das geht zurück auf die Schilderung des hl. Georg in der Legenda Aurea als Schlachtenhelfer bei dem Versuch der Christen, Jerusalem zu erobern: »Siehe, da erschien ihnen Sanct Georg in weißer Rüstung mit einem roten Kreuze geziert, und winkte« ihnen, dass sie ihm kühnlich sollten nachfolgen und die Stadt gewinnen. Also fassten sie einen Mut und nahmen die Stadt und erschlugen die Saracenen« (LA-Benz, Von Sanct Georg, S. 306, LA-Graesse, S. 264). Der hl. Georg reitet stets auf einem Schimmel, der fast immer rotes Zaumzeug aufweist (s. Braunfels-Esche, S. 201 203 f., 213). Den Rückbezug auf den hl. Georg und den ersten Kreuzzug (1096–99) stellt im Fresko der Hl.-Kreuz-Kapelle die Figur des Grafen Eckhard I. von Scheyern her, genannt: der Bundschuh. Er ist zwischen Kaiser Heinrich und Karl Albrecht platziert und als Vorfahre etwas nach hinten gerückt. Er trägt ein ockerfarbenes Gewand und einen dunklen über die Schulter geworfenen Reitermantel. Sein Barett zeigt die gleichen Farben wie der Zeremonialhut der Georgi-Ritter: schwarzer Rand, rote Kappe, Federbusch in den Farben weiß und rot. In der Hand hält er eine Lanze mit einer Spitzfahne, die sein Feldzeichen, den weißen Bundschuh als Stulpenstiefel mit roten Schnürbändern zeigt. Es ist umstritten, ob es sich bei der legendären Teilnahme am ersten Kreuzzug um Graf Eckhard I. handelt, Sohn der Gräfin Haziga, oder um Eckhard II., Enkel der Gräfin Haziga. Nach Claudia List (Kat. Wittelsbach, 1980, I/1, S. 522f.) war Graf Eckhard I. der Bundschuh und starb dieser erst um 1100. Nach Franz Genzinger (ebd. S. 161, Anm. 70) starb Eckhard I. vor 1091 im Morgenland und sind wohl Pilgerfahrten der Scheyerer Grafen überliefert, aber gibt es keine Nachrichten über ihre Teilnahme an den frühen Kreuzzügen. Die Darstellung in der Hl.-Kreuz-Kapelle und die Szene der Eroberung Jerusalems an der Emporenbrüstung der Gruftkirche fußen letztlich auf dem Text der Scheyerer >Tabula Perantiqua«, die noch im frühen 15. Jh. im Scheyerer Kreuzgang hing und in zahlreichen Abschriften überliefert ist (ebd. Pater A. Siegmund, F. Genzinger, S. 151f.). Die Textstelle (ebd. S. 156) lautet: »Er trug zwei Bundschuhe mit roten Riemen; daran erkannte ihn das ganze Heer. Wenn er sich nachts irgendwo niederlegte, steckte man dort einen Bundschuh auf; da legten sich dann viele Leute hinzu. Als der König ihn den Bundschuh in ein Panier machen hieß, da tat er dies. Hierauf zog das Heer meist dem Bundschuh nach. Auch das Heilige Grab wurde unter dem Zeichen des Bundschuhs gestürmt und gewonnen. Man hieß ihn auch nicht anders als >Herzog Bundschuh<, und zum Gedächtnis daran dass Jerusalem zu Fuß gewonner wurde, sollten er und die Seinen den Bundschuh führen.«
Graf Eckhard und Kurfürst Karl Albrecht sind demonstrativ zusammen geordnet als erster und als regierender Wittelsbacher, die der Militia Christi angehören. Diesen beiden zuzurechnen ist ein weiterer Ritter, dessen Kopf oberhalb von Karl Albrecht erscheint und der einen Fahnenschaft hält, der mit dem Scheyerer Kreuz bekrönt ist. Der Wimpel zeigt das Scheyerer Kreuz auf rotem Grund. Dargestellt ist Graf Konrad III. von Scheyern-Dachau, durch den 1180 die Hl.-Kreuz-Reliquie an das Kloster kam und der 1172 als Pilger in Jerusalem gewesen war (Reichhold 1981, S. 18). Die beiden wohl auch frühen Wittelsbacher hinter Clemens August lassen sich nicht mehr identifizieren. Der außen Kniende könnte der Kreuzfahrer Graf Otto III. sein, jüngster Sohn der Gräfin Haziga.
Auch die Anordnung der wittelsbachischen ›Streiter Christi‹ direkt hinter Kaiser Heinrich und König Stephan ist aussagekräftig. Der von Kaiser Heinrich erbaute, 1012 geweihte Bamberger Dom hatte zwei Chöre; der Westchor war dem hl. Petrus geweiht, der Ostchor dem hl. Georg. Eine besondere Verehrung des hl. Georg durch Heinrich II. ist durch zeitgenössische Quellen bezeugt (Kroos, S. 175). Kaiser Heinrich wählte den hl. Georg als Schutzpatron des deutschen Schwertadels (Kat. Hausritterorden, S. 12; LCI Bd 6, s. v. Georg, Erzmartyrer, Sp. 374f.). Georg war auch persönlicher Patror König Stephans von Ungarn (Kroos, S. 175). Es ist nicht ganz geklärt, auf welchen mittelalterlichen St.-Georgs-Ritterorder sich die Verfasser des Statutenbuches von 1729 bei der »Wiedererhebung des bayerischen Ritterordens vom heiligen Georg« bezogen haben. Nach Baumgartner (Kat. Hausritterorden, S. 14) war es wohl der von Kaiser Friedrich III. 1468 gegründete Ritterbund.
Es ist fast anzunehmen, dass Karl Albrecht das gedankliche und figürliche Konzept der Ausmalung der Hl.-Kreuz-Kapelle mit beeinflusst hat. 1735 besuchte Karl Albrecht zusammen mit der Kurfürstin Maria Amalia Kloster Scheyern und verweilte in der Gruftkirche vor den Fürstenbildern und ihren Inschriften (Knitl, S. 179). In dem Scheyerer Faltblatt zur Hl.-Kreuz-Kapelle 1981 werden die kirchlichen Würdenträger nicht mit Namen benannt. Bei den weltlichen Würdenträgern wird Kaiser Heinrich II. irrtümlich als Kaiser Ludwig IV. der Bayer bezeichnet und Clemens August, der Bruder Karl Albrechts, als Otto III. Graf von Scheyern.
EB1-3 DIE KRAFT DES HEILIGEN KREUZES VON SCHEYERN Die dreiseitig umlaufende Empore des Andachtsraums zeigt an der Brüstung drei Szenen in Stuckrahmen, die die Wirkung des Scheyerer Kreuzes in verschiedenen menschlichen Nöten vorstellen.
EB, Das Heilige Kreuz als Trost der Sterbenden Ein am linken Bildrand geraffter grüner Vorhang leitet über zu einer Sterbeszene mit je einem Bett links und rechts. Darin liegt jeweils eine Person in weißem Hemd und weißer Haube, das Sterbekreuz in der Hand haltend. In der Mitte befindet sich eine Art Grabgehäuse; darüber öffnet sich ein Durchblick in einen hellrosa Himmel, in dem das Scheyerer Kreuz erscheint. Von dem Kreuz führen Strahlen zu den Sterbenden hinab. Neben dem linken Bett steht ein rot gedecktes Krankentischchen, auf der andern Seite ein Geistlicher in Talar und Superpelliceum begleitet von einem Messdiener mit Sterbekerze in der Hand. Der Geistliche hält seine rechte Hand über das Kreuz des Sterbenden und weist mit der Linken zum Scheyerer Kreuz empor.
pelle mit beeinflusst hat. 1735 besuchte Karl Albrecht zusammen mit der Kurfürstin Maria Amalia Kloster Scheyern und verweilte in der Gruftkirche vor den Fürstenbildern und ihren Inschriften (Knitl, S. 179). In dem Scheyerer Faltblatt zur Hl.-Kreuz-Kapelle 1981 werden die kirchlichen Würdenträger nicht mit Namen benannt. Bei den weltlichen Würdenträgern wird Kaiser Heinrich II. irrtümlich als Kaiser Ludwig IV. der Bayer bezeichnet und Clemens August, der Bruder Karl Albrechts, als Otto III. Graf von Scheyern.
EB2 Sieg des Heiligen Kreuzes über Satan, über Ungläubige und Irrlehrer Eine flache Bodenzone mit hohem Himmelsbereich bildet die Bühne für Satan und seine gestürzten Anhänger. Der mittelblaue, mit rosafarbenen Wolken besetzte Himmel zeigt in der Mitte das Scheyerer Kreuz in einer ockertonigen Wolkengloriole. Die Bildmitte am Boden nimmt der nach rechts gewendete siebenköpfige Drache ein. Sein Körper ist grün, der Bauch hellgelb. Rechts vom Drachen liegen zwei übereinander gestürzte Figuren, die Köpfe nahe am äußeren Bildrand. Die untere ist ein heidnischer Priester mit einem Götzenbild im Arm; er hat den Priestermantel halbwegs über den Kopf gezogen. Die Figur über ihm ist ein türkischer Krieger mit Turban, Schwert und dem türkischen Halbmond auf seinem Schild. Sein Gewand ist grün, der Mantel rostrot. Hinter ihm erkennt man noch die Hand einer weiteren, perspektivisch ins Bild hinein gestürzten Figur. In der linken Bildhälfte liegt zu Boden gestreckt ein Irrlehrer in schwarzem Talar und weißem Radkragen mit dem dazugehörigen Barett. Daneben erkennt man den Hinterkopf eines weiteren Häretikers, der mit den Beinen schräg in den Bildraum hineinreicht. Oberhalb der beiden Irrlehrer kniet, zur Bildmitte hin gerichtet, eine furienhafte weibliche Gestalt mit aufgelöstem, langen Haar. Sie trägt ein fast durchsichtiges Hemd. Über ihrem Rücken flattert ein schwefelgelber Mantel. Sie schaut in einen Spiegel, den sie in der Hand hält. Die Figur verbindet Elemente von Superbia und Vanitas (Babylonische Hure). Alle Besiegten blicken zum Scheyerer Kreuz hoch.
Obwohl die Darstellung ziemlich gelitten hat, ist auch hier wie im Fresko die differenzierte Buntfarbigkeit Puchners noch
zu ahnen. Er hat außerdem versucht, durch schräg in die Bildbühne hinein stürzende Rückenfiguren dem Bild mehr Räumlichkeit zu geben.
EB, Das Heilige Kreuz als Zuflucht bei Unwetter Bildbühne ist eine Landschaft mit tief liegendem Horizont und hohem Himmelsbereich. Der blaugraue Himmel wird zu den Seiten hin gewittrig dunkel. Am oberen Bildrand öffnet sich ein graurosa Wolkenkranz, um vor lichtem Rosa das Scheyerer Kreuz erscheinen zu lassen. Zentrum der irdischen Szene ist ein Bauernhof, flankiert von je drei Männern und Frauen, die als kniende Rückenfiguren gegeben sind und ihre gefalteten Hände zum Himmel erheben. Von dem Kreuz scheint nach beiden Seiten ein schützender Strahl auszugehen. Die Darstellung zeigt kaum mehr Binnenstrukturen, doch lässt die Anlage der Figuren vermuten, dass sie recht ausdrucksvoll waren.
PORTAL
Das Portal der Hl.-Kreuz-Kapelle wird von einer Stuckrahmung eingefasst, die sich dem spitzbogigen Feld der Kreuzgangwand anpasst. Eine Kartusche, die das umstrahlte Scheyerer Kreuz zeigt, bekrönt das Portal. Spruchband CLAVIS MORTIS/ET INFERNI, Schlüssel des Todes und der Unterwelt. Hier muss Apoc 1,18 gemeint sein, wo der Menschensohn sagt: »et habeo claves mortis et inferni«. Das Zitat nimmt Bezug auf EB2 Sieg des Heiligen Kreuzes über den Drachen. An den Portalseiten bilden Voluten zwischen Sockel und Kapitell die Einfassung. Auf dem linken Kapitell kniet frontal ein Putto, der in der linken Hand ein Schlüsselpaar hält und zwar so, dass er mit dem einen Schlüssel hinauf weist zu der Kartusche. Von dieser fällt beidseitig ein schwerer Stuckvorhang herab, der das ganze Portal umrahmt und linkerseits vom rechten Arm des Putto gerafft wird, rechterseits gebunden ist. Die leicht asymmetrisch ausgeformte Stuckeinfassung ist eine einfallsreiche, sehr qualitätvolle Arbeit und in dezenten Farben gehalten: die Innenseiten des Vorhangs sind hellrot getönt, die Außenseiten hellblau, der Randbesatz mit Stickerei ist ockerfarben.