Scheyern, Benediktinerabtei, Ehemalige Krankenabteilung
Klostergebäude
Südlicher Konventbau
Ehemalige Krankenabteilung im Erdgeschoss, 1897 in eine Bäckerei mit Mehllager umgewandelt; seit 1994 Musikbibliothek
Zum Bauwerk: Dreigeschossiger Südtrakt, großenteils erbaut unter Abt Benedict Prumer (1574–1610) unter Verwendung älterer Bauteile; Jahreszahl 1594 im Ostgiebel. Fertigstellung und Stuckierung sowie Anbau des rechtwinklig an den Konventbau anschließenden Bibliothekstrakts durch Abt Stephan Reitberger (1610–34). Das ehemalige Krankenzimmer (6,00 × 4,20 m) ist ein kleiner, längsrechteckiger Raum mit flacher Stichkappentonne und zwei Fenstern in der südlichen Schmalseite. Der kleinteilige, antikisierende Modelstuck (Eierstab, dorisches Kymation, kleine Palmetten) betont die Gewölbeabschnitte. Stilistisch unterscheidet er sich kaum von dem unter Abt Stephan Reitberger 1623/24 ausgeführten Deckenstuck der Johanneskirche, könnte aber etwas jüngeren Datums sein.
Auftraggeber: Abt Coelestin Baumann? (1693–1708)
Autor und Entstehungszeit: Der Autor der kleinen Rundbilder ist unbekannt. Die noch erhaltenen Reste sprechen für den Anfang des 18. Jh. als Entstehungsdatum
Befund
Träger der Deckenmalerei: Flachtonne mit Stichkappen. Rahmen: Ringförmiger Stuckrahmen aus Modelstuck. Technik: Seccomalerei; polychrom
Maße: Höhe 3,30 m; 1–3 Durchmesser 0,80. Erhaltungszustand und Restaurierungen: Die Rundbilder waren nie übertüncht; ihre Substanz ist jedoch stark beeinträchtigt. 1 Immaculata und 3 Schlangenring wurden wohl bei der Restaurierung 1924/25 weitgehend erneuert; 2 Tod des hl. Benedikt und der hl. Scholastika ist nur noch in dem ockerfarbenen Grundton, in der Binnenzeichnung und einigen Farbresten erhalten. Dem Anschein nach wurde das Fresko einmal schärfer gereinigt, wurden Linien nachgezogen. In den 70er Jahren des 20. Jh. legten Klosterbrüder den Deckenstuck frei (Mitt. Bernd Zeiler). Bei der Restaurierung 1993 durch Kirchenmaler Bernd Zeiler, Pfaffenhofen, wurden die Deckenbildchen nur entstaubt.
Beschreibung und Ikonographie: Die Medaillonbilder 1–3 sind genordet, daher ist anzunehmen, dass die Krankenbetten in dieser Blickrichtung aufgestellt waren. Das halbe Medaillonfeld über den beiden Fenstern im S ist leer. Die Themen beziehen sich auf Tod und Ewigkeit und auf Maria als Trost im Leiden.
I IMMACULATA Maria in weißem Gewand und hellblauem Mantel, mit Sternenkranz, steht auf der Weltkugel und zertritt der Schlange den Kopf.
2 TOD DES HL. BENEDIKT UND DER HL. SCHOLASTIKA Man erkennt einen zweiteiligen Innenraum und links im Hintergrund einen offenen Durchblick auf ein Gemäuer mit Turm. Der Ort ist Montecassino. Links steht der hl. Benedikt mit drei Begleitern; zwei scheinen ihn zu stützen. Vor ihm beginnt ein mit Kerzen bestückter Weg, der schräg zum Himmel hinaufführt. Aus der oberen rechten Bildecke beugt sich Gottvater als Halbfigur herab. Rechts unten kniet die hl. Scholastika vor einem Himmelbett, die Hände vor die Brust gelegt, den Kopf zum Himmel erhoben. Ein hinter ihr stehender Engel stützt sie. Zwischen Benedikt und Scholastika weist ein Mann zum Himmel hinauf.
Die Darstellung bezieht sich auf den guten Tod von Benedikt und seiner Schwester Scholastika. Der mit Kerzen bestückte Weg verbildlicht eine Vision, die zwei Mönche am Todestag des hl. Benedikt hatten: »... die sahen eine leuchtende Straße, die war mit köstlichen Teppichen gedeckt und mit unzähligen Lichtern geziert, und ging von Sanct Benedicti Zelle gen Aufgang zum Himmel empor. Auf der Straße sahen sie einen ehrwürdigen Greis mit klarem Angesicht, der spach zu ihnen
>Wißt ihr, wes die Straße ist, die ihr schaut? Sie antworteten sie wüssten es nicht. Da sprach er: Dies ist die Straße, darauf der auserwählte Freund Gottes Sanct Benedictus soll gen Himmel fahren (LA-Benz, Von Sanct Benedictus, S. 244) Wahrscheinlich war rechts im Bild, über dem Haupt von Scholastika, eine weiße auffliegende Taube gemalt. In dieser Gestalt sah der hl. Benedikt, als er vom Abschiedsbesuch bei seiner Schwester nach Montecassino zurückgekehrt war, in einer Vision ihre Seele zum Himmel auffliegen (LA-Benz, Von Sancta Scholastica, S. 245).
3 SCHLANGENRING (Uroborus) Auf hellem Grund erscheint die Schlange, die sich in den Schwanz beißt, Symbol der Ewigkeit (LCI Bd 4, s.v. Uroborus, Sp. 408f.). Sie ist hier diagonal von einem grünen Palmzweig und einem roten Flammenschwert überkreuzt, Hinweisen auf das Jüngste Gericht.
Quellen und Literatur
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