Rumeltshausen, Filialkirche St. Laurentius
RUMELTSHAUSEN
Filialkirche, Pfarrei Schwabhausen (seit 1814), Gemeinde Schwabhausen, Erzdiözese München und Freising; z. Z. der Ausmalung war Rumeltshausen Pfarrei, auf die der Fürstbischof von Freising das Präsentationsrecht hatte. Gericht Dachau, Amt Schwabhausen
Patrozinium: St. Laurentius
Zum Bauwerk: Mittelalterlicher Bau; 1670 wurde die westliche Kirchenwand neu aufgemauert (Johann Öttl, Maurermeister in Dachau, neuer Dachstuhl von Martin Schnizlpämber, Zimmermeister in Dachau). 1694 Umgestaltung des Turms. 1733 neues Kirchenpflaster von Johann Derffler, Maurermeister in Hirtlbach. Umbau des baufälligen LHs 1748: dabei wurde anstelle einer Holzdecke eine weiß verputzte Decke eingezogen; die Fenster wurden vergrößert. Der AR wurde belassen, am Gewölbe jedoch die Grate verschliffen. 1839 Reparatur des schadhaften Verputzes im Innern und Ausweißen. 1857 Verlängerung des LHs nach W um ca. 3,60 m.
Einfacher Saal mit tiefer Empore im W, Belichtung durch je zwei Fenster im N und S; eingezogener, sehr kleiner AR (Chorturm) mit geradem Schluß, Belichtung durch ein Fenster im S.
Auftraggeber: Pfarrer Georg Michael Pabst von Rumeltshausen (1735-51). Die Ausmalung des AR wurde aus den geringen Kircheneinkünften bezahlt (s.u.). Für die LHs-Ausmalung und die Emporenbrüstung kommen auch örtliche private Wohltäter in Betracht.
Autor und Entstehungszeit: Franz Mayr (* 1707 Lauterbach † 1752 Dachau) 1748 (LHs) und 1750 (AR). Signatur in A F.M.M. Ao: 1748. Inschrift am Chorbogen Haec est Domus Domini Ao MDCCXLVIII (= 1748). Signatur in B Frantz. M. pinx.
In der Kirchenrechnung von 1750 (StAM) ist vermerkt »Franz Mayr Burger: und Maller in Dachau hat den ganzer Chor ausgemahlen, unnd sauber hergestelt ... 18 f. 45 ×.«. Im gleichen Jahr sind mit Mayr Faßarbeiten abgerechnet. Die Annahme, Mayr habe zwei Jahre früher, bei der Einziehung der neuen LHs-Decke 1748, auch das LHs ausgemalt, dessen Fresken stilistisch mit denen des Chors übereinstimmen (aus diesem Jahr haben wir nur Kirchenrechnungsextrakte), wurde durch die Freilegung der Signatur in A, (F.M. M. Ao: 1748.) unter der Schmutzschicht bei der letzten Restaurierung bestätigt. An der Rückseite der Kanzeltür befindet sich die Inschrift Neugefaßt Anno 1749 F:R:M: (Frdl. Mitt. Johann Stachl, Großweil). Die Bilder der Emporenbrüstung sind ebenfalls Mayr zuzuweisen.


Franz Mayr, am 7. September 1707 als Sohn des Maurermeisters Balthasar Mayr und seiner Frau Elisabeth Eumer in Lauterbach geboren, wurde 1737 Bürger in Dachau; am 25. 2. 1737 Heirat mit Maria Anna Högg aus Aibling. Mayr war ein im Gericht Dachau vielbeschäftigter Faßmaler. Seine ersten bekannten Arbeiten entstanden ab 1734 für Bergkirchen (Gruber, Maler S. 367). 1736 malte er den Kreuzweg und 1740 das Hochaltarblatt für Kreuzholzhausen (S. 155) 1740 entstand auch das Hochaltarblatt von Etzenhausen mit dem Martyrium des hl. Laurentius. Die Deckenbilder in Orthen und Odelzhausen (s. S. 189-91, 178-88) können ihm zugewiesen werden.



Befund
Träger der Deckenmalerei: LHs Flachdecke; AR verschliffenes Kreuzgewölbe
Rahmen: A Stuckprofil; A1-4 Ovalmedaillons mit Stuckprofilrahmen; B gemalter Rocaille-Ornamentrahmen; B1-4 und Wa-b gemalte Ornamentkartuschen
Technik: Fresko; sämtliche Deckenbilder sind polychrom Maße: A Höhe 5,70 m; 2,85 × 2,45 B Höhe 5,30 m; 3,55 × 3,00
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Restaurierung 1946. Bei der letzten Restaurierung 1991 durch Johann Stachl, Großweil, erwiesen sich die Fresken unter der Ruß- und Schmutzschicht als recht gut erhalten. Sie zeigten lediglich unerhebliche Haarrisse und etliche kleine Abplatzungen dort, wo die Nägel oxydiert waren, mit denen die Wurflatten an die Holzdecke genagelt sind. Im Chor waren an der O-Seite die ornamentalen Malereien beschädigt. Die Fresken wurden trocken gereinigt und die kleinen Schäden behoben. Der Zustand ist jetzt gut.

Beschreibung und Ikonographie
A MARTYRIUM DES HL. LAURENTIUS Einansichtig Szene; tafelbildmäßige Anlage ohne Untersichten und Verkürzungen. Die direkte Vorlage zu der Komposition ist ein Stich von Lucas Vorsterman nach einem Gemälde von Peter Paul Rubens, Martyrium des hl. Laurentius, in Schloß Schleißheim (Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Inv.Nr. 338). Auf diese Vorlage geht auch Mayrs Altargemälde in Etzenhausen, Lkr. Dachau, zurück. - Im Zentrum des Bildes ist der helle nackte Körper des hl. Laurentius zu sehen, der von zwei Schergen auf den Rost gezwungen wird, unter dem ein Feuer lodert. Aus einem Korb schüttet ein Henkersknecht Kohlen in die Glut. Links im Hintergrund ist vor einer aufragenden Architektur mit Jupiterstatue eine Menge Volk dargestellt, Krieger, ein heidnischer Priester und, an Lorbeerkranz und Zepter kenntlich, der römische Kaiser; rechts beobachtet ein Reiter mit roter Fahne die Szene. Im vordersten Bildgrund sieht man das abgelegte Diakonskleid des Heiligen. Über dem gemarterten Laurentius schwebt ein Putto mit Lorbeerkranz und Palme als Siegeszeichen des Martyrers.
Vor ocker- bis grautonigem Hintergrund treten in den Gewändern der Figuren kräftige Buntfarben auf – Rot, Grün, Gelb, Blau - und steigern durch den Kontrast die Helligkeit des Inkarnats am Körper des Heiligen.

A1-4 LAURENTIUS-SZENEN In den vier Ovalmedaillons, die das Hauptbild in den Diagonalen begleiten, ist jeweils der hl. Laurentius als Helfer in verschiedenen Nöten der Menschen gezeigt. Inschriften in gemalten Kartuschen oben im Bild erläutern die Szenen.
A1 S. Laurentius / Speist die / christen. In einer Kirche steht vor einem Altar Laurentius in Diakonstracht, begleitet von einem Ministranten, und reicht knienden Christen die hl. Kommunion.
A2 S. Laurentius / gibt denen / armen. Rechts ragt ein Gebäude auf, links sieht man in bergige Ferne. Laurentius steht vor einem Tisch, auf dem ein Sack Geld liegt, hält selbst einen Korb mit Geldsäcken in der Linken und gibt einem zerlumpten Knaben eine Münze. Links weitere Arme.
A3 S. Laurentius / Erleicht die / blinte. Laurentius ist von einer großen Schar Blinder umgeben, die mit geschlossenen Augen oder auf ihre Augen weisend dargestellt sind. Der Heilige segnet einen vor ihm knienden Mann.

A4 S. Laurentius / Heillet die / Kranche. Palastartige Architekturen bilden den Hintergrund, davor steht Laurentius und legt seine Hand auf das Haupt einer liegenden Frau; ein Mann blickt mit gefalteten Händen zum Heiligen auf. Im Vordergrund weitere Kranke.
Als Papst Sixtus II., dessen Schüler und Vertrauter der Diakon Laurentius war, zum Tode geführt wurde, vertraute er diesem die Kirchenschätze an, damit er sie an die Armen austeile. Laurentius suchte die Bedürftigen auf und gab ihnen Geld (A2). So kam er auch in das Haus der Witwe Cyriaca, die an vielen Leiden, vor allem an Kopfschmerzen, litt. Der Heilige heilte sie durch das Bezeichnen ihrer Stirne mit dem Kreuz (A4). Auf seinen weiteren Wegen zu den Christen, die sich vor Verfolgungen versteckt hielten, traf er einen Blinden namens Crescentius, den er durch das Kreuzzeichen heilte. Im Kerker machte er den Blinden Lucillus, indem er ihn taufte, wieder sehend, und als dieses Wunder bekannt wurde, strömten viele Blinde herbei, die er sämtlich mit dem Kreuzzeichen heilte (A3). Die Spendung des Altarssakraments an die in ihren Häusern versteckten Christen (A1) ist in den Legenden (LA-Benz, S. 564-78; Surius, Bd 4/2, S. 94-98; Ribadeneira-Hornig, Bd 2, S. 187-93) nicht ausdrücklich erwähnt. Es ist eine freie Interpretation seines Wirkens bei den verfolgten Christen, zumal es zu den Pflichten eines Diakons gehört, die Kommunion an diejenigen auszuteilen, die am Besuch der Kirche verhindert sind (1LThK, Bd 3, Sp. 273, s. v. Diakon).



B GLORIE DES HL. LAURENTIUS
Einansichtige Himmelsszene. - Auf Wolken kniet der Heilige in Diakonskleidung mit ausgebreiteten Armen und zum Himmel gerichtetem Blick. Ein Putto hält sein Attribut, den Rost. Weitere Puttenköpfchen und zwei große Engel sind in den Wolken zu sehen. Zuoberst ist, von Strahlen umgeben, das Dreieckssymbol der Dreifaltigkeit dargestellt.
B1-4 EMBLEME
In den vier Ansätzen des Kreuzgewölbes befinden sich gemalte Ornamentkartuschen mit Emblemen, die sich auf den Tod des hl. Laurentius im Feuer beziehen.
Über den Darstellungen sind um die Kartuschen Inschriftbänder geschlungen, die die deutschen Lemmata tragen.
B1
Ein gantz/neues Leben, in Feur ihm wirdt geben Phönix. - Das Bild des Phönix kann auf alle Martyrer bezogen werden, »qui...per voraces flammas imperterrito animo progressi, vitae felicitatem nullo aevo interturbandam attigerunt« (Picinelli, Lib. IV, Nr. 570, s. v. phoenix).
B2
Ehr brinet/zwar in der glueth, doch ihn nit verzöhren / thuet Brennender Dornbusch. – Dieses Sinnbild, meist für die Jungfräulichkeit Mariens gebraucht (Picinelli, Lib. IX, Nr. 438, s. v. rubus) steht hier für den Gedanken, daß das Feuer den Körper des Heiligen zwar vernichten kann, nicht aber seine unsterbliche Seele.
B3 Von / unten schen blüht und oben doch glüht Vulkan. - Das Bild des Berges Abanus, der am Fuße blüht und oben Feuer speit, soll hier an die Standhaftigkeit des Heiligen während seines Martyriums erinnern: »S. Laurentii Martyris virtus ac vitae sanctimonia etiam intra fatalis incendii flammas nihil e nativo suo virore deperdidit. Unde in eius encomium Carolus Rancatus Montem Abanum, non procul Patavio dissitum, depinxit: qui, tametsi Aetnae persimilis, copiosas undique flammas evomat, simul tamen non sine amaeno oculorum aspectu semper viret« (Picinelli, Lib. II, Nr. 618, s. v. abanus).
B4 Es wird/im Feur nit verzehrt, sein schein und glantz würdt vermehrt Gefäß im Feuer; aus seinem halbgeöffneten Deckel fallen helle Strahlen. - Das Gold, das im Feuer geläutert wird, ist häufiges Sinnbild für die Läuterung des Menschen durch Leiden. »S. Laurentium Martyrem, aut alium quemvis Justum afflictum, auri Emblemate exornabis. cui, supra ignem collocato, inscribes; NON LAEDITUR, SED PRO- BATUR « (Picinelli, Lib. XII, Nr. 17, s. v. aurum).
Wa-b ST. LAURENTIUS ALS PATRON An den beider Lünetten der N- und S-Wand befinden sich Bildfelder in gemaltem Ornamentrahmen mit darunter verlaufendem Schriftband.
Wa ST. LAURENTIUS ALS PATRON GEGEN FEUERS- NOT (N-Seite) Löschet auß die Feursbrunsten Oben in
Wolken kniet der Heilige mit zum Himmel gewandten Gesicht. Auf Erden sind einige Bauten zu sehen, darunter eine Kirche, die in Flammen steht. Am Horizont Feuerschein.
Wb ST. LAURENTIUS ALS PATRON GEGEN UN- WETTER (S-Seite) Trennet ab die Hochgewitter Der Heilige kniet auf einer Wolke, aus der unten auf Erden ein Unwetter mit Hagelschlag auf einen Bauernhof niedergeht. Wegen der Art seines Martertodes war Laurentius Patron gegen Feuersnot, auch gegen Blitzschlag wegen der sich daraus ergebenden Feuersbrünste; endlich gegen Unwetter überhaupt.
Quellen und Literatur
StAM, Geistlicher Rat Kirchen- und Stiftungsrechnungen, Kirchenrechnungen Gericht Dachau, 1750.
StAM, Pfleggericht Dachau A 203.
StAM, LRA 34558; 34609.
AEM, Pfarrakten Schwabhausen: Pfarrbeschreibung; Bauten II; Filiale Rumeltshausen, Pfarrei Rumeltshausen 1645-1756; Filiale Rumeltshausen, Kirchenrechnungsextrakte.
Schmidtsche Matrikel, Bd 2, S. 209. KDB I OB (1), S. 317. Kemp, S. 187. Kunst- und Kulturdenkmäler 1977, S. 345 f Dehio 1990, S. 1043 f.
A. B.