Schönbrunn, Filialkirche Hl. Kreuzauffindung
Filialkirche, Pfarrei Röhrmoos, Gemeinde Röhrmoos, Erzdiözese München und Freising; z.Z. der Ausmalung war Schönbrunn Hofmark im Besitz der Familie von Unertl. Gericht Dachau
Patrozinium: Hl. Kreuzauffindung, ehemals St. Katharin (Wechsel des Patroziniums beim Neubau)
Zum Bauwerk: Nach Abbruch der alten Kirche St. Katharina Neubau aufgrund eines Gelübdes, das der Hofmarksherr Franz Joseph von Unertl abgelegt hatte. Grundsteinlegung am 24. 4. 1723; Weihe der Kirche am 29. 10. 1724 durch den Freisinger Fürstbischof Johann Franz Eckher von Kapfing. Der Turm wurde erst 1726 vollendet. Baumeister war Johann Baptist Gunezrhainer; der Stuck erinnert an den zur gleichen Zeit in Schleißheim tätigen Charles Dubut.
In der Hauptachse gelängter Zentralraum mit angeschobenen kurzen Kreuzarmen, im S (Eingangsraum) tiefer, in der Querachse seichter. Ecken halbrund eingeschwungen, mit Figurennischen und darüberliegenden, durchlichteten Oratorien in allen vier Ecken des Kirchenraums (vom Schloß über einen Gang zugänglich); eingezogener AR mit korbbogenförmigem Schluß. Durchlaufendes Gebälk, nur an der O- und W-Wand der Querarme unterbrochen; Pilastergliederung. Gleichmäßige Belichtung von O und W; genordet.
Auftraggeber: Franz Joseph von Unertl, seit 1715 Kurfürstlicher Hofkammerrat, ab 1726 geheimer Ratskanzler, Besitzer der Hofmark Schönbrunn. Notiz im Turmknopf (Gierl, S. 104): »Erectum et aedificatum ab Excellentissimo Francisco Josepho ab Unertl, Domino in Sigmertshausen et Schoenbrunn, Serenissimi Electoris Bavariae a Conferentiis, Cancellario Consilii Intimi«. Unertl hatte den Kirchenbau während der österreichischen Besatzungszeit gelobt. Nach Gierl war er seit 1716 Besitzer der Hofmark Schönbrunn und heiratete 1717 Maria Catharina von Schmid aus der Familie der Vorbesitzer (der bayerische Ratskanzler Johann Caspar von Schmid hatte die Hofmark 1672 erworben, sein Sohn

Martin Joseph, Erbe von Schönbrunn, war 1715 gestorben). Im gleichen Jahr erwarb Unertl die nahegelegene Hofmark Sigmertshausen und kam 1725 durch kurfürstliche Schenkung außerdem in den Besitz des benachbarten Bades Mariabrunn. Das Wappen Unertls befindet sich mit dem seiner Frau, der geborenen von Schmid, über allen drei Altären (die ebenfalls 1724 geweiht wurden).
Autor und Entstehungszeit: Balthasar Augustin Albrecht (* 1687 Berg bei Starnberg † 1765 München) 1724
Franz Ignaz Oefele gibt Nachricht, daß Albrecht die ehemaligen Altarblätter in Schönbrunn gemalt habe und fügt hinzu: »... er hat auch den Platfond en fresque gemahlen« (BSB, Oefeleana 5, Tom. VI, fol. 8). Die Schönbrunner Deckenbilder sind die einzigen sakralen Deckenbilder Albrechts: an Deckenmalereien von seiner Hand entstanden sonst nur solche im höfischen Bereich (s. CBD, Bd 3/II, S. 339, 343, 344), von denen nur das Mittelbild in der Ahnengalerie in der Münchner Residenz erhalten ist (ebd., S. 334-38). Die Ausmalung in Schönbrunn gehört zu den ersten faßbaren Arbeiten Albrechts nach dessen Rückkehr von seinem Aufenthalt in Italien. 1723, ein Jahr vor der Freskierung von Schönbrunn, war Albrecht der Hofschutz bewilligt worden (Bachter, S. 2).
Albrecht zeigt sich in diesen frühen Fresken in Figurenkomposition und Details erstaunlich qualitätvoll. Trotz seiner römischen Lehrzeit ist seine Abhängigkeit von den Münchner Malern um 1700 unverkennbar, und zwar weniger von dem gleichaltrigen Nikolaus Gottfried Stuber als von Johann Anton Gumpp und Melchior Steidl, vor allem in der Art der Figurenbildung und in der Farbgebung der Inkarnate.
Befund
Träger der Deckenmalerei: LHs längsovale Flachkuppel mit in den Achsen einschneidenden Tonnenbögen der Kreuzarme; AR Tonne
Rahmen: Das Hauptfresko A bedeckt die ganze Wölbungsfläche; B Stuckprofilrahmen
Technik: Fresko; polychrom
Maße: A Höhe 14,90 m; 11,00 × 9,80
B Höhe 11,00 m; 2,10 × 4,3
Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1837 Ausbessern und Weißen des Innenraums. »Dem Maller für Reparierung des Blavon 11 f. « (StAM, LRA 34620). Baureparatur 1845: »... am Gewölbe, wo die Schlaudern hervorkommen« wurde der Verputz erneuert (ebd., 34459).
Bei einem Brand 1898 wurde der Dachstuhl beschädigt; das in der Folgezeit eindringende Wasser verursachte erhebliche Schäden, vor allem in der SW-Ecke des Deckenbildes A Restaurierung 1907 (Inschrift am Chorbogen) mit Ausbesserung der Wasserschäden und vielen, teilweise entstellender Ubermalungen im Hauptbild A. Risse, Verschmutzungen Das AR-Fresko B ist gut erhalten.

Der Kirchenraum von Johann Baptist Gunezrhainer Beschreibung und Ikonographie
A Verehrung des Kreuzes – Arma Christi Der Patroziniumswechsel und die Thematik der Ausmalung sind von der großen Kreuzpartikel bestimmt, die der Kirche von Schönbrunn gehörte und die bei Wening erwähnt ist »... verehret einen mercklichen Particul vom H. Creutz«. Das Deckenbild nimmt die gesamte Wölbungsfläche ein. Aufnahmestandpunkt unter der Bildmitte. – Das Fresko gibt Einblick in einen Wolkenhimmel mit kreisförmig gelagerten Wolkenbänken, die, zur Mitte hin mit immer kleineren Engelsfiguren besetzt, die Illusion von Höhe und Entfernung vermitteln. Hellstes Licht zeichnet die mittlere Himmelsöffnung aus: dort erscheinen in winzig kleinen Figuren Gottvater und Christus, zwischen ihnen die Taube des Hl. Geistes. Auf der untersten Wolkenbank dagegen sind mächtige Engelsfiguren zu sehen; der Fuß eines Engels an der W-Seite ragt – in Stuck gebildet – aus dem Fresko, eine illusionistische Spielerei, die hier jedoch Indiz dafür ist, mit welchem Ernst Albrecht die Vermittlung der Himmels-Illusion anstrebt. Ar den vier pendentifähnlichen Wölbungsflächen in den Diagonalen der Decke sind nur Putten dargestellt.
Die Wolkenlandschaft selbst zeigt hinter dem ersten Wolkenring in sehr hellen bis kräftigen Ockertönen graublauen Himmelsgrund; der nächste Wolkenring ist wieder ockerfarben, zur Mitte hin bis zu fast farbloser Helligkeit ausgezehrt. Das Blaugrau des Himmels wird in vielen Blau- und Blaugraupartien der Engelsgewänder aufgenommen, es ist von dunklem Braunrot kontrastiert. Durch den gleichen Kontrast wird das Hauptmotiv des Bildes betont: das große braune Kreuz, das von drei Engeln in braunen und blauen Gewändern getragen wird. An weiteren Buntfarben kommen nur etwas Grün und Gelb vor.
Wichtigster Darstellungsgegenstand ist das Kreuz in der Hauptansicht des Deckenbildes, sowohl Bestandteil der Arma Christi als auch Hinweis auf das Patrozinium der Kirche. Es schließen sich, im Uhrzeigersinn gelesen, folgende Arma Christi an: Lanze und Schwamm auf der Stange sowie die Geißelsäule, von zwei großen Engeln gehalten. Ein Engel über dem östlichen Querarm weist Nägel und den Kreuztitulus INRI vor, einer über dem südlichen Kreuzarm die Dornenkrone. Über der Engelsgruppe im W hält ein Putto das Schweißtuch. Es folgt ein Engel mit dem Kelch des Leidens.


Jeweils am Kuppelfuß in den Diagonalen werden vier Gegenstände von Putten gehalten: Schlange, Stab mit ringförmig geschälten hellen Kerben (Maßstab?), Stabbündel (Holzbündel) und ein weiterer Stab. Diese Dinge weisen auf alttestamentliche Szenen hin, die in typologischem Bezug zum Kreuz Christi stehen. Die Schlange (NO) erinnert an die Eiserne Schlange (Num 21,4-9), die, an einem Stamm aufgerichtet, Präfiguration des Kreuzes als Heilsinstrument ist. Der Maßstab (SO) erinnert an die Auffindung des Paradiesesbaums unter Salomo (aus dem Holz des Paradiesesbaums sollte später das Kreuz Christi gemacht werden): Dieses Holz konnten die Arbeiter abmessen, wie sie wollten, es paßte nie an seinen Platz und wehrte sich so gegen die profane Verwendung (LA-Benz, S. 350). Der Maßstab könnte auch zu tun haben mit der Vorstellung von den heiligen Längen, z. B. der des Kreuzes (LThK, Bd 6, Sp. 377 f., s. v. Längen, heilige). Es könnte mit dem dargestellten Stab allerdings auch einer der ringförmig geschälten Stäbe Jakobs gemeint sein (Gen 30,31–43), mit Hilfe derer Jakob einen Teil der Herde Labans gewann. Die Auffassung der Gestalt Jakobs als Präfiguration ist geläufig, ein typologischer Bezug Stab - Kreuzesholz allerdings nicht nachzuweisen. – Das Bündel Holz (SW) bezieht sich vermutlich auf die Opferung Isaaks, der das Holz für das Opferfeuer selbst zum Altar getragen hatte und damit typologisches Vorbild für die Kreuztragung Christi ist. Der Stab (NW) endlich dürfte Hinweis auf den Stab sein, mit dem Moses Wasser aus dem Felsen geschlagen hat, eine Szene, die als Hinweis auf das Blutvergießen Christi und seine Erlösungstat gesehen wurde.
B PUTTEN UM DAS DREIFALTIGKEITSSYMBOL Einansichtige Himmelsszenerie. – Sechs Putten sind auf Wolken dargestellt, die eine helle Himmelsöffnung mit dem Auge Gottes im strahlenden Dreieck umgeben. Vor den Ockerwerten der Wolken und des Inkarnats erscheint Blau als einzige Buntfarbe, während das Braunrot einer Puttendraperie eher wie eine Verdichtung der Grundtonigkeit wirkt.
Quellen und Literatur
StAM, LRA 34416; 34459; 34620. ATM DO 1 Dul -c . .
AEM, Pfarrakten Röhrmoos: Pfarrbeschreibung; Filiale Schönbrunn.
BSB, Oefeleana 5, Tom. VI, fol. 8.
Schmidtsche Matrikel, Bd 2, S. 208 f.
Gierl, Johann von, Schönbrunn (Schloß, Dorf, Assoziationsanstalt), Freising 1882, S. 99–108
Mayer-Westermayer, Bd 1, S. 183.
KDB I OB (1), S. 318
Voelcker, Helene, Die Baumeister Gunezrhainer, ungedr. Diss. München 1924, S. 60–65.
Historischer Atlas I, Bd 11/12 (Pankraz Fried), München 1958, S. 93-95.
Heimatbuch Landkreis und Stadt Dachau, Aßling/München 1971, S. 122.
Gruber, Max, Die Hofmarkskirche von Schönbrunn, in: Amperland 2, 1966, S. 51–53.
Kunst- und Kulturdenkmäler 1977, S. 348 f.
Bachter, Falk, Balthasar Augustin Albrecht 1687–1765. Ein bayerischer Hofmaler des Barock, Mittenwald 1981, S. 80–82.
Dehio 1990, S. 1085 f.
Böck, Robert, Wallfahrt im Dachauer Land (= Kulturgeschichte des Dachauer Landes Bd 7, hg. im Auftrag des Museumsvereins Dachau e.V.), Dachau 1991, S. 197-99. A.B.