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Rebdorf, Ehem. Augustiner-Chorherrenstift, Stiftskirche

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 13: Landkreis Eichstätt. Hirmer, München 2008, ISBN 978-3-7774-4475-8, S. 391–421, geschrieben von Böhm, Cordula. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

REBDORF

Ehem. Augustiner-Chorherrenstift Stadt Eichstätt, Diözese Eichstätt. Ehem. Fürstbistum Eichstätt, Amt der Landvogtei, Klosterrichteramt Rebdorf

Ehem. Stiftskirche, jetzt Pfarr- und Klosterkirche S. 392 Ehem. Festsaal S. 422

Zur Geschichte: Rebdorf ist als Reichsgut erstmals erwähnt 1055. Am 1.8.1159 schrieb Kaiser Friedrich Barbarossa auf Bitten seiner Gemahlin Beatrix einen Schutzbrief für eine neue Augustiner-Niederlassung in Rebdorf aus. Er bestätigte die Schenkung des Rebdorfer Reichsgrundes an den Eichstätter Bischof Konrad von Morsbach (1153–71): dieser habe dort eine Kirche erbaut und Ordensleute nach der Regel des hl. Augustinus eingeführt. Bei Ausstellung des Schutzbriefs war offensichtlich der Kirchenbau schon weit fortgeschritten, denn er besagt, dass der Bischof »zelo pietatis ac felici opere ecclesiam construxit«. Bei einer angenommenen Bauzeit von bis dahin drei Jahren an der neuen Klosterkirche kommt man auf die – allgemein akzeptierte – Gründungszeit des Klosters um 1156. An die Stifter Friedrich und Beatrix erinnern ihre Wappen über dem mittleren Chorfenster.

Das Stift Rebdorf entwickelte sich günstig. Es war bischöfliches Eigenkloster. Schutzvögte der Neugründung waren zunächst die Grafen von Hirschberg und nach deren Aussterben um 1300 die Bischöfe von Eichstätt. Zwölf Pfarreien waren dem Kloster inkorporiert, darunter Kottingwörth und Treuchtlingen.

Unter Bischof Johann III. von Eich (1415–19) und auf sein Betreiben schloss sich Rebdorf 1458 der Windesheimer Kongregation an; wurden bis dahin nur Adelige als Chorherren aufgenommen, so ab jetzt auch Nichtadelige. Der Bischof von Eichstätt gab, wie bei der Kongregation üblich, sein Visitationsrecht in Rebdorf an Windesheim ab. Der Geist von Windesheim erwies sich in Rebdorf als stark genug, dass das Kloster unter der Führung des gelehrten und frommen Propstes Kilian Leib (1503–53) die Zeit der Glaubensspaltung unbeschadet überstand. Im Dreißigjährigen Krieg erlitt das Kloster keine allzugroßen Schäden. Das Stift wurde bis zu Leonhard Kraus (1594–1632) von Prioren geleitet. 1625 erhielt dieser die Pontifikalien für sich und seine Nachfolger; von da an hatten die Klostervorstände die Würde von Pröpsten und Lateranensischen Abten. Nach dem Krieg kam Rebdorf relativ schnell zu neuer wirtschaftlicher und wissenschaftlicher Blüte

Unter Propst Franz Jobst (1691–1701) begann die Barockisierung zunächst mit dem Neubau von Wirtschaftsgebäuden. Im Sommer 1700 stuckierten Pietro Francesco Appiani und Giovanni Nicolo Perti ein neues Refektorium an der Ostseite des Kreuzgangs sowie das Dormitorium und sechs Zellen (627 fl.). Bei der Barockisierung der Stiftsanlage blieben vom mittelalterlichen bzw. vorbarocken Baubestand nur der Kreuzgang aus dem 15. Jh. und die unmittelbar angrenzenden Bauten erhalten. Als erster großer barocker Bau entstand unter Propst Erhard Räm (1711–32) der Konventbau durch Gabriel de Gabrieli. Gabrieli baute auch die weitläufigen Wirtschaftsgebäude neu. Ein barockes Treppenhaus (stark verändert) wurde zum westlich an den Kreuzgang anschließenden, noch vorbarocken Prälaturbau aufgeführt und dieser unter Propst Johann Baptist Mayr (1732–57) durch den Eichstätter Bildhauer Matthias Seybold mit einer stuckierten Fassade und stuckierten Räumen versehen, darunter einem Festsaal im Obergeschoss (s. S. 422). Die barocke Stiftsanlage, weitläufig und architektonisch anspruchsvoll, beherrscht auch heute noch das Altmühltal bei Eichstätt.

Plünderung des Stiftes durch französische Truppen im Jahr 1800, wobei besonders an der großen und bedeutenden Bibliothek Schäden entstanden.

Nach der Säkularisation 1806 wurde die Kirche ihrer Altäre und Wertgegenstände beraubt und profaniert. Der Kaufmann Eustach Mayer erwarb die Stiftsgebäude und Güter, von ihm Adam Klein aus Zirndorf und endlich 1824 Herzog Eugen von Leuchtenberg, Fürst von Eichstätt. 1855 kaufte der bayerische Staat den Komplex und richtete 1857 in den Klostergebäuden ein polizeiliches Arbeitshaus ein. Die Kirche wurde als dazu gehörige Simultankirche eingerichtet. Nach 1945 wurde ein Teil des Gefängnisses als Flüchtlingslager vor allem für Litauer benützt; 1952 wurde kurzzeitig eine Kaserne für die Bereitschaftspolizei eingerichtet. 1958 erwarb die oberdeutsche Provinz der Kongregation der Missionare vom Heiligsten Herzen Jesu den ehemaligen Klosterkomplex und richtete in den Klostergebäuden eine sechsklassige Knabenrealschule mit Internat ein. Restaurierung und Modernisierung der Bauten durch den Architekten Franz Kießling, München. Beginn einer General sanierung des gesamten Klosterkomplexes ab 1985 durch das BLfD mit den Arbeiten an der Prälatur. Die im 18. Jh. zuge mauerten Arkaden des Gabrieli-Hofes wurden wieder geöffnet.

A–D. F–I Johannes der Täufer Zyklus E, W1–16 Augustiner-Chorherren-Zyklus (Joseph Dietrich 1734)

A Zacharias schreibt den Namen

B Gottes Wort ergeht an Johannes

C Johannes weist auf das Lamm Gottes

D Bußpredigt Johannes des Täufers E Augustinus empfiehlt Pohdorf dar

E Augustinus und die Dreifaltigkeit

F Taufe Jesu

G Johannes im Kerker H Enthauptung Johannes des Täufers

I Johannes in der Sippe Jesu

1–21 und 22–35 Emplama zur Augustinarragel - Elliplettie zur Augustinarragel (Regula ad servos Dei)

1 Engel mit Füllhörnern

2 Luna in Gespann 3 Adler fliegt zur Sonne

4 Engel an Seilwinde

5 Weinstock und Bäume

7 Jahwe

8 Leuchtturn

10 Orgel

12 Waage

13 Engel mit Lau

15 Augustinar-Rogale

16 Fernrohr

18 Engel mit Herzen

19 Lamm

21 Pelikan und Storch

22 Putten mit Krone 23 Hund

23 Hunde 24 Ruhm und Armut

25 Kamel

27 Spiegel

28 Basilisk

29 Sonnenunr 30 Marienmonogramm (modern)

30 Marienmonogramm (modern) 31 Rignon Lamm und Vägal

31 Bienen, Lamm 32 Januskopf

32 Januskopf 33 Seeselschiff

34 Weihrauchtasse 35 Herz und Kreuz (modern)

EB1-3 Musizierende Cäcilia und Engel

W1–16 Heilige Augustiner-Chorherren

W₁ Augustinus

W₃ Prosper

Wc Anianus

We Ubaldus

Wg Ildefons

Wa Gelasius W. Guarinus

W11 Albinus M Patrick

W13 Johannes vor

W15 Thomas von Kempen M Johann Langarte von Octonwiik

Heute Klosterkirche der Herz-Jesu-Missionare, seit 1958 Pfarrkirche der Pfarrei Eichstätt-Rebdorf.

Patrozinium: Johannes der Täufer

Zum Bauwerk: Nach dem kaiserlichen Schutzbrief ist anzunehmen, dass der erste Kirchenbau 1156 zwar weit fortgeschritten, aber wohl noch nicht vollendet war. Eine Inschrift an der linken Chorseite nennt den Bau der Kirche und besagt, dass Bischof Konrad von Morsbach († 1171) »quarto post anno« (im vierten Jahr nach) dem Kirchenbau gestorben sei; eine Formulierung, nach der man die Fertigstellung der Kirche wohl um 1167 annehmen darf (ohne Türme). Bei diesem Bau handelte es sich um eine sog. alpenländische Basilika, einen dreischiffigen Bau mit überhöhtem Mittelschiff, von Pfeilerarkaden getragen, ohne Querhaus, mit drei Apsiden, die in gleicher Flucht liegen und von denen die mittlere etwas tiefer war. Mittelschiff und Chor waren flachgedeckt, die Seitenschiffe wohl von Anfang an gewölbt. Die Türme wurden erst im 13. Jh. erbaut. Unter Prior Paris von Mur (1317–36) wurde das Mittelschiff gewölbt, die halbrunde Mittelapsis bis auf die Höhe der Fensterbänke abgetragen, als dreiseitiger Schluss wieder aufgebaut und wie der anschließende Chor auf die Höhe des Mittelschiffs geführt und ebenfalls gewölbt. »Paris von Mur ... aedificavit laqueare et testudinem templi et chori« (DAEI, Codex Münch). Zu welcher Zeit die Arkaden der vier östlichen Joche auf beiden Seiten zugebaut wurden, ist nicht bekannt. Durch das Schließen der Böden entstanden zwei seitliche Räume, von denen der südliche als Sakristei diente und der nördliche Kapelle der Schmerzhaften Mutter wurde.

Umgestaltung und Barockisierung 1732/34 unter Propst Johann Baptist Mayr (1732–57) durch Matthias Seybold, dem auch die Entwürfe für die Altäre zugeschrieben werden. Er veränderte die Turmabschlüsse, ummantelte die Pfeiler, flachte die Gewölbe im Scheitel ab und veränderte die Fenster. Die Orgelempore wurde barock umgestaltet. Die Gewölbe und Hochwände wurden stuckiert und freskiert. Der Stuckator ist nicht bekannt, es wird entweder Matthias Seybold selbst oder Franz Horneis vorgeschlagen. Der Stuck ist der Stilstufe entsprechend eher flächig, mit Felderbildung durch Bandwerkrelikte und Verwendung viel floraler und anderer gegenständlicher Motive, im Ganzen etwas altertümlich, wie auch die Beibehaltung der strengen Jochabfolge. 1793 wurde ein klassizistisches Westportal errichtet. Bei der Restaurierung 1963 wurden die Arkaden der vier östlichen Joche wieder geöffnet und dadurch der Raumeindruck entscheidend verändert.

Langgestreckte dreischiffige Pfeilerbasilika zu neun Jochen, mit drei gleichliegenden Apsiden, die mittlere Apside ist dreiseitig geschlossen. Der Chorbereich - die vier östlichen Joche - ist vom Mittelschiff architektonisch nicht geschieden, aber im Bereich der Hochwände und Decke ist der ehemalige Choranfang durch besonderen Stuck deutlich hervorgehoben. Belichtung des Mittelschiffs durch rundbogige Fenster im Obergaden (romanische Fenster, teils verändert), durch große Korbbogenfenster des 18. Jh. im nördlichen Seitenschiff und durch drei große hohe Rundbogenfenster in der Apsis. Das südliche Seitenschiff ist wegen des anschließenden Kreuzgangs nicht belichtet.

Auftraggeber: Propst Johann Baptist Mayr von Rebdorf (1732–57), dessen Wappen sich mit dem Klosterwappen innerhalb von Fresko H befindet, bekrönt von Mitra und Pedum. Das Wappen Rebdorfs zeigt das Lamm auf einem Buch und das Fähnchen; Mayrs Wappen zeigt einen Löwen vor einem Baum auf rotem Grund. Die Inschrift als Chronogramm am Gurtbogen zwischen den Fresken H und I bezieht sich auf ihn: Ioannes baptIsta hVIVs LoCI / praeLatVs Me resaVranDo eXornabat (= 1734). Im Chorschluss ist das Wappen des Klostergründers Bischof Konrad von Morsbach angebracht sowie das des Bischofs Johann von Eich, der Kloster Rebdorf der Windesheimer Kongregation zugeführt hatte.

Johann Baptist Mayr wurde am 6. 4. 1681 in Beilngries als Sohn des Hirschberger Braumeisters Franz Mayr und seiner Ehefrau Maria geboren und auf den Namen Johann Georg getauft. Er besuchte das Jesuitengymnasium in Eichstätt und studierte an der Universität Ingolstadt. 1700 trat er in Rebdorf ein und legte am 8. 12. 1701 die Profess ab. Am 29. 5. 1706 wurde er im Eichstätter Dom zum Priester geweiht. Nachdem er am 25. 9. 1732 in Rebdorf zum Propst gewählt worden war, initiierte er die Barockisierung der Klosterkirche. Er starb in Rebdorf am 5. 5. 1757 im Alter von 76 Jahren. Bei seiner Beisetzung predigte Eucharius Dorffen OFMCap: »wegen Gott, und für Gott: lasse ich reden allhiesiges herrliche clösterliche Gotteshaus, welches er in eine besondere Zierdte gesezt, mit einer herrlich neuen Orgel, siben Altären, zierlichster Canzel, und kostbaren Ornaten, Monstranzen, silber- und guldenen Kelchen, silbernen Leuchtern, Paramenteren, und mehrer anderen Kirchen-Zierdt bereichet«.

Duo residente remotogram (rioenen 1992, 5.101) benemet. »Siquidem Ecclesiam nostram a vetustate corrosam, quae ante haec, date veniam verbo, spelaeo similior quam templo visa fuerat, magnis sumptibus restaurando ita innovavit, ut novam & a fundamentis excitatam crederemus, nisi sciremus duntaxat renovatam« (Er hat unsere vom Alter völlig baufällige Kirche, die vordem einer Höhle ähnlicher war als einer Kirche, wenn das Wort erlaubt ist, mit großen Kosten so erneuert, dass wir glauben könnten, sie sei von Grund auf neu erbaut, wenn wir nicht wüssten, dass sie nur renoviert ist.)

REBDOR

Das Mittelschiff nach Osten

RFNDO

Autor und Entstehungszeit: Joseph Dietrich (* 1696 Wernfels bei Spalt † 1745 Eichstätt) 1734. Signatur in E Jose. Dieterich. inv. & pinx. 1734. Weitere Signaturen: In C J. D.; in D als Monogramm des Selbstporträts J. D.; in G Jose/...; In W8 (Ildephons) Jose. Diet. /inv. & pinx. 1734

Laut einem Eintrag in der Häuslerischen Sammlung im Jahre 1735 zahlte man für »...das hierin ersichtliche fresco gemähl durch den Joseph Dietrich, zu Wernfels gebürtig, bürgerl. Mahler zu Eichstätt gemahlen, für ein oberes gemählstück... derselbe 15 G. für ein neben oder seiten stück 10 G. und für ein kleines 4 G. nebst Ihme täglich verreichter Kost« (DAEI, Häuslerische Sammlung 1733-35; zitiert nach Grimminger 1991: fünfzehn Gulden für ein Hauptfresko kann man als recht bescheidene Entlohnung bezeichnen).

Joseph Dietrich wurde am 25.3.1696 als Sohn des Schreiners Sixtus Dietrich in Wernfels im sog. Oberen Hochstift geboren. Über seine Ausbildung ist nichts bekannt. Er ist zum erstenmal archivalisch nachgewiesen in Euerwang als Freskant 1728 im Alter von bereits 32 Jahren. Am 14.11. 1730 heiratete er in Eichstätt Anna Maria Koch, die Tochter des Eichstätter Malers Lorenz Koch († 1729) und seiner Ehefrau Maria Margarita († 1710) und wurde damit Werkstattnachfolger Kochs und Bürger von Eichstätt. Joseph Dietrich starb am 30.12. 1745 in Eichstätt im Alter von 49 Jahren und hinterließ die Witwe mit drei Töchtern sowie dem erst einjährigen Sohn Dominikus Joseph, der später Maler in Ingolstadt wurde. Am rechten Freskorand von D findet sich hinter den Männern, die der Predigt des Johannes lauschen, der Kopf eines Mannes, der individuelle Gesichtszüge und eine zeitgenössische Haartracht hat. Er blickt den Betrachter direkt an und dürfte ein Selbstporträts Dietrichs sein, zumal die Initialen Dietrichs JD an ihm angebracht sind.

»Dietrich ist der wichtigste Repräsentant der lokalen Malszene in Eichstätt der ersten Hälfte des 18. Jh., der allerdings im Vergleich mit den hier tätigen auswärtigen Zeitgenosser wie Johann Georg Bergmüller und Johann Evangelist Holzer nur zweitrangig ist« (Saur, Bd 27, S. 305 [Christina Grimminger]).

Befund

Träger der Deckenmalerei: Ehem. Kreuzrippengewölbe, die Rippen sind abgeschlagen und die Gewölbe im Mittelbereich verschliffen; in den Seitenschiffen böhmische Kappen (verschliffene Kreuzgratgewölbe?)

Rahmen: A-I geschwungene Stuckprofilrahmen, bei B, D, F H von Rocailleornamenten überspielt; der Rahmen von H (Augustinus) ist vor den anderen durch plastische Motive hervorgehoben; 1–21 (Mittelschiffgewölbe und Chorschluss) stuckierte Ornamentkartuschen; 22-25 (Emporenbereich) annähernd ovale bzw. runde Bildfelder, durch das Bandwerk des Stucks gerahmt; 26-35 (Seitenschiffe) kreisförmige feine Stuckprofile mit kleinen Ausbuchtungen in den Diagonalachsen; W1-16 querformatige Bildfelder mit kräftigen Stuckprofilrahmen, in den Ecken jeweils ornamental ausgestaltet

Technik: A-I und W1-16 Fresko, polychrom; 1-18 Fresko mit Seccoübermalungen, 1, 3, 7, 9, 10, 12, 16, 18 monochrom graugrün; 2, 4, 6, 8, 11, 13, 15, 17 monochrom Ocker, 5 und 14 monochrom rötlich

Maße: A Höhe 13,00 m; 2,35 x 2,90

B Höhe 13,00 m; 2,35 x 3,20

C Höhe 13,00 m; 2,35 x 2,90

D Höhe 13,00 m; 2,35 x 3,20

E Höhe 13,00 m; 3,70 x 4,60

F Höhe 13,00 m; 2,35 x 3,20

G Höhe 13,00 m; 2,35 x 2,90

H Höhe 13,00 m; 2,35 x 3,20

I Höhe 13,00 m; 2,35 x 2,90

Seitenschiffe 26-35: Höhe 6,85 m; Ø 1,20/1,30

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Als die Herz-Jesu-Missionare 1958 Rebdorf erwarben, war die Kirche in sehr schlechtem Zustand, die Fenster so schadhaft und die Feuchtigkeitsschäden deshalb so groß, dass man die Kirche als fast unbrauchbar bezeichnete. Ab 1963 fand die erste bekannte Restaurierung des Innenraums in Zusammenhang mit einer Restaurierung des gesamten ehem. Klosterkomplexes (ab 1959) und des Kirchen-Außenbaus (ab 1962) statt. Die Kirchenmalerarbeiten führte die Firma Georg Löhnert aus Ingolstadt aus. Die zugemauerten Arkadenbögen in den vier östlichen Jochen wurden geöffnet; die dahinterliegenden Gewölbe waren bei der Barockisierung der Kirche 1734 nicht dekoriert worden und wurden nun durch die Fa. Löhnert in einfachen Formen der Dekoration der übrigen Kirche angenähert. Der barocke Stuck wurde ausgebessert. Von der Restaurierung der Fresken ist in den Akten des Landesamts nicht speziell die Rede, es ist aber anzunehmen, dass sie – mit Reinigung und Ausbesserungen – in der Restaurierung mitinbegriffen waren. Bei der Gesamtrestaurierung Rebdorfs ab 1985 wurde eine erneute Außenrestaurierung der Kirche durchgeführt. Es arbeitete die Kirchenmalerfirma Erwin Wiegerling.

Beschreibung und Ikonographie

0 0 1 Die Bildwelt der Rebdorfer Kirche hat zwei Hauptthemen: Den Kirchenpatron Johannes den Täufer und den Orden der Augustiner-Chorherren. Mit dem Leben und Martyrium des Kirchenpatrons beschäftigen sich acht der neun Hauptfresken im Mittelschiff. Weit ausführlicher ist das Thema des Augustiner-Chorherren-Ordens behandelt; ihm ist ein sowohl an Umfang als auch Originalität außergewöhnlicher, 62 Bilder umfassender Zyklus gewidmet. Das mittlere Bild der Mittelschiff-Fresken (E) zeigt den Ordensvater Augustinus, wie er das Kloster Rebdorf der Dreifaltigkeit empfiehlt. Dieses Bild ist vor den andern Mittelschiff-Fresken hervorgehoben. Die Ordensregel der Augustiner-Chorherren (= Regula ad servos Dei) ist in den Nebenbildern des Mittelschiffgewölbes (1–21) und in anderen kleinen Bildern (22-35) ausführlich dargelegt. Durch die sechzehn großen Wandfresken im Langhaus (W1-16) mit Darstellungen heiliger Augustiner-Chorherren wird das Augustiner-Programm weiter fortgeführt.

Beide Zyklen sind je für sich ungewöhnlich: Für eine Darstellung der Augustiner-Regel ist ebenso die erschöpfende Ausführlichkeit auffallend wie auch die Verknüpfung der Regel-Stellen mit Emblemen; wobei es sich allerdings meist um schwache Erfindungen handelt. Beim Johannes-Zyklus fällt die weit ausholende Darstellung seines Wirkens in der Wüste auf (B, C, D und F); sie kann nicht damit erklärt werden, dass es wenig Johannes-Szenen gebe, weil ja die oft dargestellten

Mittelschiffgewölbe mit den Fresken D bis F (Joseph Dietrich 1734)
Mittelschiffgewölbe mit den Fresken G bis I

398

B Gottes Wort ergeht an Johannes, 3–4 Embleme

Szenen ›Johannes vor Herodes‹ und ›Tanz der Salome‹ in Rebdorf fehlen.

Mittelschiff-Fresken

A ZACHARIAS SCHREIBT DEN NAMEN JOHANNES (Lc 1,59-76) Links ragt eine prachtvolle Architektur auf, davor steht unter einem roten Baldachin ein Altar. Am Altar steht ein Hoherpriester – Zacharias – und schreibt auf eine Tafel den Namen JOANNES. Auf den Stufen kniet eine Frau mit einem Neugeborenen, dem kleinen Johannes, hinter ihr macht sich eine Magd an dessen Körbchen zu schaffen. Der Priester Zacharias war stumm geworden, weil er die Botschaft Gabriels, er werde mit Elisabeth einen Sohn bekommen, nicht geglaubt hatte. Als das Kind da war und sie es »am achten Tage zur Beschneidung brachten, wollten sie ihm den Namen seines Vaters Zacharias geben. Da entgegnete seine Mutter: Nein! Sondern Johannes soll er heißen. ... Und sie bedeuteten seinem Vater, er solle anzeigen, wie der Name nach seinem Willen heißen solle. Der verlangte nach einer Tafel und schrieb darauf: Johannes ist sein Name. Und alle wunderten sich darüber. Da wurde auf einmal sein Mund geöffnet und seine Zunge gelöst, und er konnte reden und pries Gott. Und über alle Anwohner kam Furcht, und im ganzen judäischen Bergland verbreitete sich die Kunde von allem, was da geschehen war. Und alle nahmen es sich zu Herzen und dachten: Was wohl aus diesem Kinde werden wird! Die Hand des Herrn war ja doch mit ihm! Sein Vater Zacharias aber wurde vom Heiligen Geist erfüllt und sagte in prophetischer Begeisterung: Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels! Denn er hat sein Volk besucht und Erlösung geschaffen. ... Und du, Kind, wirst ein Prophet des Höchsten heißen. Denn du wirst dem Herrn vorausgehen, seine Wege zu bereiten...«

B GOTTES WORT ERGEHT AN JOHANNES In einer wilden, kargen Landschaft sieht man rechts den Jordan zwischen Felsgestein fließen. Auf einer kleinen Anhöhe sitzt Johannes, gekleidet nur in Lendenschurz und härenes Gewand, das Haupt von einem Lichtschein umgeben. Er hat seine Attribute bei sich: den Kreuzstab, noch ohne das Schriftband, und das Lamm. Er blickt zum Himmel und hat eine Vision: Putten in rosigen Wolken halten ein Schriftband mit den Worten ECCE AGNUS, wie wenn sie es Johannes an den Kreuzstab binden wollten.

Das Kapitel von der Namensgebung des Johannes durch Zacharias schließt mit den Worten: »Das Kind aber wuchs auf und wurde stark im Geist. Und er lebte in der Wüste bis zu dem Tage, da er zu Israel gesandt werden sollte« (Lc 1,80). Von dem jungen Johannes in der Wüste wird berichtet: Er »hatte ein Gewand von Kamelhaar ... und seine Nahrung bestand aus Heuschrecken und wildem Honig« (Mt 3,4). In der Wüste traf ihn der Befehl Gottes, Buße zu predigen und zu taufen: »Im fünfzehnten Regierungsjahre des Kaisers Tiberius ... erging ein Gotteswort an Johannes, den Sohn des Zacharias, in der Wüste« (Lc 3,1 f.). Die dargestellte Szene dürfte diese Offenbarung Gottes an Johannes meinen, den göttlichen Befehl, Jesus den Weg zu bereiten, wie er in Bild C sagt: Ecce agnus Dei.

C JOHANNES WEIST AUF DAS LAMM GOTTES In einer felsigen Flußlandschaft steht Johannes im härenen Lendenschurz und rotem, von den Schultern geglittenen Mantel auf den Uferfelsen des Jordan. Um seinen Kreuzstab ist nun das Schriftband Ecce Agnus Dei geschlungen. Johannes weist auf einen hohen Felsen am jenseitigen Ufer, auf dem in einer Wolke ein lichtumstrahltes Lamm erscheint, als hätte es sich mit der Wolke auf die Felsen herabgesenkt. Vier Männer, die Johannes begleiten, blicken mit Gesten der Erregung auf die Erscheinung.

Johannes predigte, dem Wort Gottes folgend, in der Wüste als Vorläufer Jesu, wie es Isaias vorhergesagt hatte (Lc 3,4-6): »Eine Stimme ruft in der Wüste: Macht den Weg frei für den Herrn! Macht gerade seine Pfade. ... Und die ganze Menschheit soll Gottes Heil schauen« (Is 40,3–5). Auf die Frage des Volkes, ob er der Messias sei, wies Johannes auf die Prophezeiung des Isaias hin und sagte, dass ein Größerer nach ihm komme. »Am Tage darauf sieht er Jesus zu sich kommen und sagt: Da! Das Gotteslamm, das die Sünde der Welt aufhebt (Ecce agnus Dei qui tollit peccatum mundi). Der ist es, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der vor mir war, weil er den Vorrang besaß vor mir« (Jo 1, 29f.). Die Worte Ecce agnus Dei auf dem Schriftband waren in Bild B das Symbol für den Befehl Gottes, der an Johannes erging. Bild C stellt dar, wie Johannes diesem Gotteswort gehorcht.

D BUSSPREDIGT JOHANNES DES TÄUFERS (Mt 3,4-8 u. Par.) Schauplatz ist eine baumbestandene Landschaft unter rosig bewölktem Himmel. In der Bildmitte steht Johannes der Täufer, vor ihm ist das Wasser des Jordan zu erkennen. Johannes trägt ein weißes Lendentuch und einen weiten roten Mantel, hat die Arme ausgebreitet und den Blick zum Himmel gerichtet; sein Haupt ist von Lichtglanz umgeben. Vor ihm steckt der Kreuzstab in einem kleinen Steinhaufen, zu Füßen des Heiligen ist das Lamm als sein Attribut zu sehen. Rechts und links haben sich Männer und Frauen unter Bäumen und an Felsen gelagert.

»In jenen Tagen trat Johannes der Täufer in der judäischen Wüste auf und verkündigte: Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen ... Da zogen die Menschen aus Jerusalem und aus ganz Judäa zu ihm hinaus und aus der ganzen Gegend um den Jordan, ließen sich im Wasser des Jordan von ihm taufen und bekannten dabei ihre Sünden.« »Als ... alle Leute in ihrem Herzen über Johannes im Zweifel waren, ob er nicht gar der Messias sei, da erklärte Johannes vor allen: Ich taufe euch mit Wasser. Doch es kommt einer, der stärker ist als ich« (Lc 3,7–18).« Das Bild weist wieder auf den Messias hin.

D Bußpredigt Johannes des Täufers, 7–8 Embleme

E AUGUSTINUS EMPFIEHLT REBDORF DER DREIFALTIGKEIT

Dieses Bild ist das Mittelbild der Reihe und hat mit dem Johannes-Zyklus nichts zu tun. – Über der wichtigen Stelle gelegen, wo unten in der Kirche der Chor begann, ist es durch einen weit aufwendigeren Stuckrahmen vor den übrigen Bildern ausgezeichnet; in diesem Joch ist auch das durchlaufende Gesims der Hochwand ornamental aufgeschwungen.

Dargestellt ist Augustinus, der Ordensvater der Augustiner Chorherren, als Patron von Rebdorf. Im Himmel erscheint in Wolken die Dreifaltigkeit: Christus, ungewöhnlicher Weise auf dem Kreuz sitzend, Gottvater mit Zepter und Weltkugel und darüber schwebend die lichtumstrahlte Taube des Heiligen Geistes. Augustinus in Pontifikalkleidung kniet auf Wolken. Putten halten ihm Mitra und Pedum sowie das brennende Herz als Symbol seiner Liebe zu Gott. Rechts präsentieren drei fliegende Putten einen großen Plan mit der Darstellung des Klosters Rebdorf, auf den Augustinus in empfehlender Geste mit der Linken weist und sich so neben Johannes dem Täufer als Patron des Augustiner-Chorherrenstifts Rebdorf zeigt.

Schräg unter der Szene am Bildrand erscheinen Heilige in Wolken, wohl aus dem Augustinerorden. Sie sind nur durch ihre Tracht als Angehörige verschiedener geistlicher Stände gekennzeichnet, nicht aber durch Attribute, so dass man annehmen kann, dass mit den Figuren keine bestimmten Heiligen gemeint sind, sondern dass sie jeweils als Vertreter einer ganzen Gruppe von Augustinerheiligen stehen: der Papst und der Kardinal – dieser mit roter Mozzetta – für die Päpste und Kardinäle aus dem Orden. Der vorderste, ein junger blonder Mann in weiß-goldener Chorkleidung hält ein geöffnetes Buch mit der Inschrift: AMOR / MEUS / PONDUS / MEUM (Meine Liebe, meine Last. Frei übersetzt etwa: Meine Liebe zu Gott gibt mir mein Ansehen, meine Bedeutung). Die Figur mit dem Buch dürfte sich als Assistenzfigur auf Augustinus und dessen große Liebe zu Gott beziehen.

Das Motiv der Augustinerheiligen wird dann an den Hochwänden in den Wandbildern W1-16 noch weiter ausgeführt, das Motiv des Ordens im Regelzyklus (Bild 1-35), sodass mit Bild E ein Augustiner-Ordenszyklus sich hier in der Mitte des Langhauses quasi mit dem Zyklus des Kirchenpatrons Johannes kreuzt.

F TAUFE JESU (Mt 3, 13-17)

Jesus steht bis auf ein Lendentuch entkleidet im Jordan und neigt sein Haupt vor Johannes, der am Ufer kniet und ihn tauft. Johannes ist mit einem Fell und einem roten Mantel bekleidet und hält den Kreuzstab. An beiden Ufern sind Zuschauer dargestellt, die dem Geschehen mit lebhaften Gesten folgen. Der Himmel über der Taufszene öffnet sich in hellem Licht, in dem die Taube des Heiligen Geistes erscheint, und ist damit eine genaue Darstellung der Szene, wie sie in den Evangelien überliefert ist:

»Da kam Jesus von Galiläa zu Johannes an den Jordan, um sich von ihm taufen zu lassen. Doch der wollte ihn daran hindern und sagte: Ich hätte es nötig, von dir getauft zu werden – und du kommst zu mir? Jesus erwiderte ihm: Lass es jetzt so geschehen. Denn gerade so geziemt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Da ließ er ihn gewähren. Als Jesus nun getauft war, stieg er sogleich aus dem Wasser. Und siehe, da taten sich die Himmel auf, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabkommen, zu ihm hin. Und siehe, eine Stimme erscholl aus dem Himmel: Dies ist mein Sohn, dem meine Liebe gehört, ihn habe ich erwählt.«

»Da kam Jesus von Galiläa zu Johannes an den Jordan, um sich von ihm taufen zu lassen. Doch der wollte ihn daran hindern und sagte: Ich hätte es nötig, von dir getauft zu werden – und du kommst zu mir? Jesus erwiderte ihm: Lass es jetzt so geschehen. Denn gerade so geziemt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Da ließ er ihn gewähren. Als Jesus nun getauft war, stieg er sogleich aus dem Wasser. Und siehe, da taten sich die Himmel auf, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabkommen, zu ihm hin. Und siehe, eine Stimme erscholl aus dem Himmel: Dies ist mein Sohn, dem meine Liebe gehört, ihn habe ich erwählt.«

Diese Szene mit dem Heiligen Geist als Taube und Gottes Worten, in denen er die Sohnschaft Jesu und damit seine Göttlichkeit bestätigt, wird bei den andern Synoptikern sehr ähnlich überliefert: »Und sogleich, als er aus dem Wasser herausstieg, sah er, wie der Himmel sich spaltete und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam. Und eine Stimme erscholl aus dem Himmel: Du bist mein Sohn, dem meine Liebe gehört; dich habe ich erwählt« (Mc 1,9-11). Ähnlich berichtet Lukas: »...ließ auch Jesus sich taufen. Und wie er betete, tat sich der Himmel auf, und der Heilige Geist kam in leiblicher Gestalt wie eine Taube auf ihn herab; und eine Stimme erscholl aus dem Himmel: Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt« (Lc 3,21f.).

Gott bestätigt die Sohnschaft Jesu und bestätigt damit auch die Sendung des Johannes als Vorläufer.

G JOHANNES IM KERKER (Mc 6,17–20)

Nach vorn geöffneter Kerkerbau, dessen Seitenwand wie eine eingestellte Kulisse auch die vor dem Kerker liegende freie Landschaft sehen lässt. Dort sind drei Männer, die sich bemühen, durch das vergitterte Fenster in der Wand zu blicken und mit Johannes zu sprechen. Der vorderste, in Gesichtstyp und Kleidungsfarbe (Blau/Gelb) Petrus entsprechend, zeigt auf eine weit entfernte Gestalt in rotem Gewand – Jesus (dieses erzählende Detail ist ungewöhnlich und in den Evangelien nicht belegt. Da aber Jesu Jünger kurz später zur Stelle waren, um Johannes zu beerdigen, liegt der Gedanke nahe, sie seien ihm auch bei seiner Gefangenschaft teilnehmend nahe gewesen). Johannes sitzt gefangen in dem durch Gitter, Quaderbau, enge Treppe und eisenbeschlagene Türe als Kerker bezeichneter Raum. Er trägt noch die Kleidung, die er in der Wüste trug und hat den Kreuzstab bei sich. Er ist mit Ketten an Arm und Fuß an die Wand und die Stufen gefesselt. Sein Haupt ist von Strahlen umgeben. In einem kleinen Nebengelass rechts ist ein Wächter mit Rüstung, Helm und Lanze zu sehen.

»Herodes hatte nämlich Johannes gefangennehmen und gefesselt ins Gefängnis legen lassen wegen der Frau seines Bruders Philippus, Herodias, die er geheiratet hatte. Johannes hatte nämlich zu Herodes gesagt: Es ist dir nicht erlaubt, die Frau deines Bruders zu haben! Das trug ihm Herodias nach und wollte ihn dafür zu Tode bringen, vermochte es jedoch nicht. Denn Herodes fürchtete Johannes, weil er wusste, dass er ein

REBDORF gerechter und heiliger Mann war. So hielt er ihn in Gewahrsam.«

H ENTHAUPTUNG JOHANNES DES TÄUFERS (Mc 6,21-29) Schauplatz ist eine Treppenanlage vor dem Eingang zum Gefängnis, der mit Säulen und Konche aufwendig ausgestaltet ist. Von links drängt sich hinter eine Balustrade Volk aus der Stadt heran: ein Mann und Soldaten, sowie Frauen, die offensichtlich Salome begleiten, die eine zinnerne Schüssel in Händen hält. Der enthauptete Leichnam von Johannes liegt auf Stufen in der Bildmitte. Sein Blut fließt über die Stufen, wo auch sein roter Mantel liegt und daneben das Lamm, sein Attribut, auch dieses leblos. Der Kreuzstab lehnt an einem Stein, an den eine Kette geschmiedet ist. Der Henker, das Schwert noch in der Hand, tritt zu Salome, indem er den Fuß auf den Leichnam des Heiligen setzt, und reicht ihr das totenblasse Johanneshaupt, das noch von Licht umstrahlt ist. Herodias, die auf den Tod des Täufers sann, sah bei einem Fest die günstige Gelegenheit gekommen. Ihre Tochter Salome hatte getanzt, und der König Herodes versprach, ihr dafür zu geben, was immer sie wolle. Sie verlangte auf den Rat der Mutter das Haupt des Johannes. »Da wurde der König tief betrübt. Doch seines Schwures und der Gäste wegen wollte er sie nicht abweisen und schickte sogleich den Henker mit dem Auftrag, sein Haupt zu bringen. Der ging hin und

herein und gab ihn dem Mädchen; und das Mädchen gab ihn seiner Mutter. Als das seine Jünger hörten, kamen sie, holten seinen Leichnam und bestatteten ihn in einer Grabstätte.«

I JOHANNES IN DER SIPPE JESU Christus erscheint mit Gottvater oben in den Wolken, unter ihnen schwebt strahlenumgeben die Taube des Heiligen Geistes. Darunter sitzen auf Wolken die Personen der Familie Christi, mit Gesten der Andacht, die Augen nach oben gerichtet. Es sind von links nach rechts zunächst eine Frau in grünem Gewand, dann Joseph mit der Lilie und hinter ihm der Kopf eines weißbärtigen Greises. Bei diesem und der auch nicht näher bezeichneten Frau muss es sich nach der Position im Bild um Joachim und Anna handeln, die Eltern Mariens. Diese thront an eher hervorgehobener Stelle in der Bildmitte; sie trägt einen Lilienkranz, ihr Haupt ist von Strahlen umgeben, in der Linken hält sie ein Zepter. Ihr im Bild gleichgeordnet ist der nach rechts folgende Johannes der Täufer, der Kirchenpatron Rebdorfs, mit Lamm und Kreuzstab Ecce AGNUS DEI. Hinter ihm sind seine Eltern zu sehen, Elisabeth und Zacharias, beide nicht näher gekennzeichnet. Am rechten Bildrand sitzt Johannes der Evangelist mit dem Adler. Er gehört als Enkel Annas zur heiligen Sippe.

1-21 und 22-35 EMBLEME ZUR AUGUSTINERRE- GEL - REGULA AD SERVOS DEI Die Hauptbilder im Langhaus werden jeweils von zwei Nebenbildern flankiert (1–18, Zählung paarweise von West noch Ost, jeweils zuerst das nördliche, dann das südliche Bild). Thematisch gehören zu diesen Bildern auch die drei Bilder im Chorhaupt (19-21, Zählung von links nach rechts). Da die vier Bilder im Bereich unter der Empore ikonologisch auch zu diesem Zyklus gehören, werden sie hier mitgezählt, zuerst die zwei Bilder über dem Eingang (22–23, Zählung von links nach rechts) und dann die Embleme über den Seitenschiffbögen (24-25, Zählung von links nach rechts). In den fünf westlichen Jochen der Seitenschiffe befinden sich weitere Embleme, fünf im nördlichen Seitenschiff (26-30) und fünf im südlichen Seitenschiff (31-35, jeweils Zählung von Ost nach West). Die Embleme als solche sind nicht besonders treffend, teilweise sind es nur emblemähnliche Darstellungen, wie z. B. 1, 7, 10, 11, 13, 14, 15, 17, 18, 22, 24, 32. Erläutert werden im Folgenden nur die eigentlichen Embleme.

F Taufe Jesu, 11–12 Embleme

Bei allen Bildern steht das Lemma unter dem Ikon. Als Überschrift erscheint jeweils eine Stelle aus der Augustiner-Regel, die durch das jeweilige Emblem illustriert wird. Bei der zitierten Regel handelt es sich um die sog. dritte Regel, die »Regula ad servos Dei«, die ab dem 11. Jh. für die Kanoniker galt. Die Kapiteleinteilung ist wechselnd, hier wird benützt die der Patrologia Latina: >Aurelii Augustini Hipponensis Episcopi Regula ad servos Deis, in: PL Tom. 32, Sp. 1377-84. Abweichende Zitierungen sind aufgeführt. Bei jedem Regelzitat der

Bilder war einst das Kapitel der Regel und die Nummer de Stelle angegeben, doch sind diese Angaben meist nicht vollständig erhalten. Sie werden hier nur zitiert, wenn sie vollständig sind. Ihnen lag eine andere Kapiteleinteilung zugrunde.

I Engel hält zwei große Füllhörner. Ut tua sint, mea sunt (Sie sind mein, um dein zu sein). Überschrift: Sint vobis omnia communia. Reg. Die Zitate mehrerer Bilder sind dem erster Kapitel der Regel entnommen (PL Tom. 32, Sp. 1377f.): »De charitate Dei et proximi, unione cordium et communitate rerum.« »Ante omnia, fratres carissimi, diligatur Deus (Bild 3) deinde proximus (Bild 2). In unum estis congregati, ut unanimes habitetis in domo (Bild 9), et sit vobis anima una (Bild 6) e cor unum in Deo (Bild 4). Et non dicatis aliquid proprium, sec sint vobis omnia communia« (Bild 1: Und nennt nichts euer Eigen, sondern es sei alles euch gemeinsam).

2 Luna fährt in einem Gespann mit zwei Pferden durch die Wolken, rechts unten die Sonne. Sequor aemula Fratrem. (Ich folge nacheifernd dem Bruder). Überschrift: Deinde proximus. Proem: (Und dann der Nächste; s.o.). Das Bild vom Mond, der im Lemma als der Sonne nacheifernd genannt ist, bezieht sich meist auf Maria und ihr Verhältnis zu Christus (Picinelli Lib. I, Nr. 220, s.v. luna). Im Rahmen des Rebdorfer Zyklus liegt das Gewicht auf dem zweiten Wortsinn von aemula, nämlich auf dem Sinn >ebenbürtig«, und ist damit auf das Verhältnis der Chorherren zueinander bezogen.

H Enthauptung Johannes des Täufers, 15–16 Embleme

Domo. Reg C.2.N.1. (Lebt einträchtig in einem Haus; s.o.) Dieses Bild wird bei Picinelli mit dem Zitat aus der Augustinusregel näher erläutert. »Significanda Religiosorum concordiae opportunum habetur Apum Emblema ... mens omnibus una. Prima haec ac princeps praeceptio est, quam Regulae sua praefixit Magnus Augustinus« (Lib. VIII, Nr. 24, s.v. apis).

REBDORF G Johannes im Kerker, 13-14 Embleme 3 Adler fliegt zur Sonne. Cedo omnia soli (Ich verzichte auf alles für die Sonne). Überschrift: Ante omnia diligatur Deus. (Vor allem soll Gott geliebt werden; s.o.). Der Adler, der zur Sonne fliegt und als einziger Vogel deren Licht aushalten kann, ist häufig gebrauchtes Emblem für die Liebe zu Gott. »Homi¬ nis contemplativi, aut Religiosi haec idea est, cuius oculi, ad rebus terrenis penitus abstracti et in solum Deum defixi sunt« (Picinelli Lib. IV, Nr. 102, s.v. aquila). 4 Engel an einer Seilwinde, in der aus drei Strängen einer wird. Ex pluribus unus (Aus vielen entsteht eines). Überschrift Cor unum in Deo. Reg C.I N.1 (Ein Herz in Gott; s.o.). Das Emblem ist ein Bild für die Eintracht der Herzen in ihrer Liebe zu Gott. »Ad significandam aliquorum concordiam, quatuor funiculos (Seile) depinges, qui supra restionis rotam versati, simul in unicum funem contorquentur« (Picinelli Lib. XVII, Nr. 137, s.v. restis, funis). 5 Ein Weinstock und ein Bäumchen. Zwei Hände aus Wol¬ ken beschneiden sie. Sic nocuisse iuvat (So hilft es, geschadet zu haben). Überschrift: Debet emendatoriam subire vindictam. (Man muss sich der korrigierenden Strafe unterwerfen; aus Cap.7: »De fraterna correctione«, PL 32, Sp. 1381f.). Wie Weinstock und Obstbaum ertragreicher werden durch den Rückschnitt, so läutert die verdiente Strafe den Ordensange- hörigen. Picinelli bringt das Emblem als Bild für Prüfungen, durch deren Ertragen dem Menschen Tugend zuwächst. »Vide- licet, calamitates quibusvis fidelibus aptissima instrumenta praebent ad amplissimos in virtute progressus faciendos« (Lib. IX, Nr. 517, s.v. vitis, mit Lemma recisa foecundior). 6 Hand aus den Wolken hält Ampel mit Feuer. Vier Hände nehmen mit langen Anzündern Feuer ab. Animantur ab uno (Sie werden von einem belebt). Überschrift: Sit vobis anima una (Ihr sollt eines Geistes sein). Picinelli bringt das Emblem als Bild für die göttliche Gnade: »symboli loco lumen expres¬ sit, quod ad complures vicinas taedas simul accendendas... epigraphen monstrabat omnes ab uno« (Lib. II, Nr. 91, s.v. facula). 7 Zwei Engel auf Wolken, über ihnen das Jahwe-Zeichen. Ein Engel mit Sanduhr, ein anderer mit Sonnenuhr. Ora! urget hora (Bete! Die Stunde drängt). Überschrift: Orationibus instate horis constitutis. Reg. C.2. N.1. (Beginnt die Gebete zu den festgesetzten Stunden; aus Cap.3: »De oratione et divino officio«, PL 32, Sp. 1397). 8 Leuchtturm am Ufer, zwei Schiffe im wildbewegten Meer. Et monet et munit (Er mahnt und schützt). Überschrift: Statim admonete. Reg C 5. N.1. (Mahnt sofort; Cap.7). Zur Sicherheit vor dem Entstehen schlechter Gewohnheiten soll jedes fehler¬ hafte Verhalten sofort angemahnt werden. Der Leuchtturm warnt die Seeleute und befestigt das Ufer. Er ist hier Bild für die Nützlichkeit der sofortigen Ermahnung beim Fehlverhal¬ ten eines Konventualen (s. dazu Picinelli Lib. XVI, Nr. 215ff.). 9 Frau auf Wolken mit Bienenkorb. Domus omnibus una (Sie alle haben ein Haus). Überschrift: Unanimes habitetis in H Enthauptung Johannes des Täufers, 15-16 Embleme Domo. Reg C.2.N.1. (Lebt einträchtig in einem Haus; s.o.) Dieses Bild wird bei Picinelli mit dem Zitat aus der Augusti¬ nusregel näher erläutert. »Significanda Religiosorum concor- diae opportunum habetur Apum Emblema ... mens omnibus una. Prima haec ac princeps praeceptio est, quam Regulae suae praefixit Magnus Augustinus« (Lib. VIII, Nr. 24, s.v. apis). 10 Engel spielt Orgel. Quia mirabilia fecit. Ps 97 (die darauf folgenden Buchstaben P. L. Kr. sind vielleicht eine Restaurato¬ rensignatur). Überschrift: Cantate Domino canticum novum. Sie ist nicht aus der Augustinus-Regel, sondern wie die Unter¬ schrift aus Psalm 98,1: »Singet dem Herrn ein neues Lied, denn Wunderbares hat er getan.« 11 Auf einem Tisch stehen verschiedene Arzneigefäße und zwei Mörser. Est in amaritie dulcis amor (In der Bitterkeit ist süße Liebe). Überschrift: Faciat quod faciendum est pro salute Reg C.7 N.11 (Es soll getan werden, was getan werden muss für die Gesundheit; aus Cap. 9: »De vestium lotione, de balneis deque aliis curandis fratrum necessitatibus«). Das Emblem ist Sinnbild für die heilende Wirkung bitterer Arznei. 12 Eine weibliche Allegorie (Iustitia) hält eine Waage, ein Engel legt ein Gewicht auf eine der Schalen. Plusque minusque nocet (Sowohl zuviel als zuwenig schadet). Überschrift: Uni¬ cuique sicut cuique opus est [erat]. Reg. C.I.N.I. Hier wird in der Regel (Cap.1) zitiert: »Quia erant illis omnia communia, e distribuebatur unicuique sicut cuique opus erat« (Act 4,32: Denn es war ihnen alles gemeinsam, und dem einen wie dem anderen wurde nach Bedarf ausgeteilt). Die Waage ist Bild für die Gerechtigkeit, die in einer klösterlichen Gemeinschaft herrschen muss (Picinelli Lib. XXI, Nr. 22, s.v. bilanx, libra). 13 Zwei Engel sitzen auf Wolken. Einer spielt Laute, einer singt vom Blatt. Sensumque consonantes (Und die Gesinnung zusammenstimmend). Überschrift: Unanimiter et concor (di)- ter vivite. Reg. C.I.N.6. (Cap.2, PL 32, Sp. 1375, s. unter 14). 14 Eine Frau präsentiert auf einem Plan die Ansicht einer Kirche. Neben ihr steht ein Engel und hält einen Vorhang an einer Stange. Omnis gloria ab intus (Aller Ruhm kommt von innen). Überschrift: Honorate in vobis invicem Deum. Reg. XI. N.6. (Ehrt in euch gegenseitig Gott; Fortsetzung der Inschrift von Bild 13 aus Cap. 2, PL 32, Sp. 1379: »Omnes ergo unanimiter et concorditer vivite, et honorate in vobis invicem Deum, cuius templa facti estis.« Lebt also alle einmütig und einträchtig und ehrt in euch gegenseitig Gott, als dessen Tem- pel ihr geschaffen seid). 15 Auf einem Wölkchen liegt das Regelbuch des hl. Augusti- nus: Reg. S. P. N. Augustini (Regula Sancti Patris nostri Augustini). Darüber schweben Putten mit Kränzen und Palme, Krone und Zepter. Servantur Servanti ([Der Lohn] ist denen vorbehalten, die [die Regel) beobachten). Überschrift: Donet Dominus ut observetis haec omnia. (Gott möge geben, dass ihr all dieses [mit Liebe] befolgt. S. »Donet Dominus ut observetis haec omnia cum dilectione«, aus Cap.12: »De regu¬ lae liberali observantia et frequenti lectione«, PL 32, Sp. 1384).

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I Johannes in der Sippe Jesu, 17–21 Embleme

16 Engel schaut mit Fernrohr zum Mond. Ein zweiter hält ein Lot. Modico contenta redundant (Dem Bescheidenen kommt genügend zu). Überschrift: Melius est minus egere, quam plus habere. Reg. C.3 N.5. (aus Cap. 5: »De indulgentia erga infirmos«. »Illos aestiment ditiores, qui in sustinenda parcitate fuerint fortiores. Melius est enim minus egere, quam plus habere«. Jene mögen sie reicher schätzen, die im Ertragen der Armut stärker sind. Denn es ist besser, weniger zu entbehren, als mehr zu haben)

17 Junger Mann schreibt auf eine Tafel. Aus den Wolken zeigt ihm eine Hand ein geöffnetes Regelbuch: Reg./S./P. N./ Augustini. Lemma: ad notam. Überschrift Ut vos in hoc libello tanquam in speculo possitis inspicere (Dass ihr euch in diesem Buch wie in einem Spiegel sehen könnt. Cap. 12: »Ut autem vos in hoc libello tanquam in speculo possitis inspicere«).

18 Fliegender Engel. In der Rechten hält er ein brennendes Herz, das Symbol der Liebe zu Gott, in der Linken einen Stab. Sursum aut non sum. (Hinauf, oder ich bin nicht). Überschrift: Sursum cor habeant. Reg C.9.N.4. (Cap.2: »Sursum cor habeant, et terrena ac vana non quaerant«. Sie sollen das Herz im Himmel haben, und das Irdische und Vergängliche nicht verlangen).

19 Palme, darunter ein Lamm, das nach oben blickt. Dort erscheint eine Hand aus den Wolken, die eine Rute hält. Darüber ein Vogel. Ostendere sufficit (Es genügt, sie zu zeigen). Überschrift: Praeposito tanquam Patri obediatur Reg. C. 9. N. 1. (Dem Propst muss man wie einem Vater gehorchen. Dieses Zitat ist wie die beiden folgenden aus Cap.11: »De obedientia praeposito exhibenda«). Der Sinn des Bildes geht aus dem Lemma hervor: Schon die Androhung einer Strafe hält vom Vergehen ab.

20 Landschaft mit spitzen Felsgipfeln. Von einem springt das geflügelte Pferd Pegasus. Sic itur/ad astra (So geht man zu den Sternen). Überschrift: Seipsum bonorum operum praebeat exemplum. Reg. C.9.N.6. (s. unter 21). Das Pferd Pegasus öffnete mit seinem Huf die Quelle Hippokrene, trug Bellerophon auf dem Rücken, als er die Chimaira besiegte, und wurde schließlich von Jupiter unter die Sterne versetzt, worauf sich das Lemma bezieht. Hier wird der Ordensobere mit Pegasus verglichen, wobei das tertium comparationis die Aufgabe ist, den ihm Anvertrauten die Quellen der Weisheit zu öffnen, sie im Kampf gegen das Böse zu unterstützen und schließlich zum ewigen Leben zu führen.

21 Links Pelikan, der sein Junges mit seinem Herzblut nährt; rechts Storch, der eine Schlange zerreißt. Mors malis vita bonis (Tod den Bösen, Leben den Guten). Überschrift: Corripiat inquietos consoletur Pusillanimes. Reg. C. 9. 4. (Cap. 11: »Circa omnes seipsum bonorum operum praebeat exemplum, corripiat inquietos, consoletur pusillanimes.« [Der Propst] soll sich selbst gegen alle als Beispiel für gutes Handeln zeigen. Er soll die Unruhigen schelten, die Kleinmütigen trösten). Der Pelikan mit seinen Jungen ist ein gebräuchliches Symbol Christi, der durch seinen Tod den Menschen das ewige Leben schenkt. Der Storch, der die Schlange zerreißt, ist hier im Zusammenhang mit dem Lemma mors malis vita bonis zu sehen, entnommen einem Vers über die Eucharistie aus der Fronleichnamssequenz: »Mors est malis, vita bonis/Vide, paris sumptionis/quam sit dispar exitus«. Er ist in diesem Zusammenhang ein Bild für Christus als Richter, der den Guten die ewige Seligkeit schenkt und die Bösen verdammt: »Christus Iudex probos ad beatitudinem, reprobos vero ad aeterna supplicia destinat« (Picinelli Lib. IV, Nr, 244, s.v. ciconia). (Embleme 22-25 siehe S 420f 26-25 siehe S 416-20)

W176 HEILIGE AUGUSTINER-CHORHERREN An den Hochwänden des Mittelschiffs befinden sich im zweiten bis neunten Joch (im ersten Joch ist die Orgelempore) annähernd rechteckige Bildfelder mit Darstellungen von Heiligen meist solcher, die nach der Augustiner-Chorherrenregel lebten, aber auch Vorläufer dieser Form regulierten Lebens von Kanonikern. Dabei diente als Quelle für die Auswahl der Heiligen das Buch »Inhalt Augustinianischer Heiligkeit, oder Kurtze Lebens-Beschreibung deren Heiligen aus dem Hochlöblichen und Weltberühmten Orden deren regulirten Chor-Herrn des Heiligen Vatters Augustini, Linz 1727 (o.V., Übersetzung eines lateinischen Textes); nicht in diesem Buch behandelt sind Johann von Ruysbroek (W13) und Thomas von Kempen (W15), die beide nicht heilig gesprochen waren. Es handelt sich um Ganzporträts stehender Heiliger meist in Chorkleidung, manchmal ist die Darstellung ergänzt durch eine Szene aus dem Leben oder der Legende des Heiligen. Der Name des Heiligen steht jeweils unten im Bild auf einer bildparallel verlaufenden Stufe. Zählung der Bilder von Ost nach West, jeweils zuerst das nördliche und dann das südliche Bild.

W1 S. AVGVSTINVS C. R. Restaurator Augustinus trägt Pontifikalkleidung und hat auf der Brust das Bischofskreuz. Zu seinen Füßen liegen Mitra und Pedum sowie ein aufgeschlagenes Buch. Eine Säule mit blauer Draperie deutet einen Innenraum an. Der Heilige sitzt an einem Tischchen mit roter Decke, auf dem Bücher liegen, das obere aufgeschlagen. In der Rechten hält er eine Schreibfeder. Wie in einer Vision hat er die Arme ausgebreitet und blickt nach oben, wo in hellem Licht das Dreifaltigkeitszeichen erscheint, von drei Puttenköpfchen umgeben. Ein Engel beugt sich von hinten über seine Schulter und zeigt das brennende Herz, sein Attribut und Symbol seiner Liebe zu Gott. Ein Putto auf den Stufen links im Vordergrund hält ein Löffelchen, mit dem er an die Szene von Augustinus und dem Kind am Meer erinnert und damit an seine Beschäftigung mit dem Mysterium der Dreifaltigkeit.

Augustinus von Hippo (Fest 28.8.) ist der bedeutendste lateinische Kirchenvater. Er wurde am 13.11.354 in Tagaste geboren, übersiedelte 384 nach Mailand, wo er sich bekehrte und 387 von Bischof Ambrosius getauft wurde, zusammen mit seinem Freund Alypius (s. W4). Er wurde Bischof von Hippo und lebte dort mit seinem Klerus in klösterlicher Gemeinschaft. Er starb am 28.8.430 in Hippo.

W2 S. POSSIDONIUS EPISCOPUS Possidius/Possidonius von Calama (Fest 16.5.) war Freund und Schüler des hl. Augustinus, mit dem er lange zusammen im Kloster von Hippo gelebt hatte. Possidius war Augustinus »in 40jähriger Treue pietätvoll ergeben ... beteiligte sich eifrig an der Bekämpfung des Heidentums und der Häresien und war 430 in Hippo Zeuge beim Hinscheiden seines Meisters Zwischen 431 und 439 verfasste er eine erhaltene zuverlässige Biographie des hl. Augustin« (LThK). Seit 397 war er Bischof von Calama in Numidien und bekämpfte die Donatisten, die ihn ihrerseits auch körperlich angriffen. »Endlich ist er in der Wandalischen Verfolgung unter Genserico in ein Schiff ohne Ruder und Segel in die augenscheinliche Todts-Gefahr gesetzet worden, doch gantz glücklich zu Neapl angelendet, allwo er sein heiliges Leben beschlossen« (an dieses Ereignis erinnert das Schiff im Bild). Die Jahre seiner Geburt und seines Todes sind nicht bekannt. Nach dem Text im »Inhalt Augustinianischer Heiligkeit« wurden seine Gebeine 810 nach Mirandola verbracht und dort in San Giorgio beigesetzt; doch sind Possidius von Calama und Possidonius von Mirandola zwei Personen (Inhalt Augustinianischer Heiligkeit S. 173-77; BiblSS Bd 10, Sp. 1055-57; LThK Bd 8, Sp. 397, s.v. Possidius [J. Zellinger]; LCI Bd 8, Sp. 223s.v. Possidius von Calama).

W3 S. PROSPER EPISCOPUS Der hl. Prosper ist in Chorkleidung dargestellt, auf der Brust hat er das Bischofskreuz, zu seinen Füßen hält ein Putto Mitra und Stab. Unter den Füßen des Heiligen ist eine kleine Wolke. Er weist mit der Linken auf einen Tempelbau rechts, vor dem ein Sarkophag steht mit der Inschrift HIC IACET PROSPER EPISCOPUS E. T. C. R.

W. Possidoniu

Es gibt im 5. Jh. zwei Heilige namens Prosper, Prosper vor Reggio und Prosper Tiro von Aquitanien. Der hier abgebildete Prosper ist Bischof Prosper von Reggio (Fest 24. 11.), wie aus dem Text im »Inhalt Augustinianischer Heiligkeit« eindeutig hervorgeht; doch werden ihm auch Eigenschaften des Prosper Tiro zugeschrieben - wie die Geburt in Limoges in Aquitanien - und die Abgrenzung zu diesem (s.u.) ist nicht klar. Nach dem Text im »Inhalt« kam Prosper zur Zeit des Papstes Caelestin I. nach Rom und hielt sich damals schon streng an die Lebensregeln des hl. Augustinus. Als er unter Leo I. zum zweitenmal nach Rom kam, wurde er Angehöriger der Lateranensischen Chorherren und eifriger Kämpfer gegen die Häresien. Leo I. berief ihn als Bischof von Reggio Emilia, wo er vorbildlich wirkte. Er wurde in der Kirche S. Apollinare bei Reggio begraben, die er hatte bauen lassen (daran erinnern Kirche und Sarkophag im Bild).

Prosper von Reggio (Fest 25. 6. bzw. 24./25. 11.) wird oft verwechselt mit dem ebenfalls im 5. Jh. lebenden Prosper Tiro von Aquitanien († 463, Fest 24. 11.), geboren um 390 in Limoges/Aquitanien, der lange als Laienmönch bei einem Kloster in Marseille lebte, wo er sich bereits für die Augustinische Lehre über die Gnade und den freien Willen interessierte und auch mit Augustinus selbst brieflich diskutierte. Seit spätestens 440 war er in Rom in der päpstlichen Kanzlei tätig; Bischof war er nicht (Inhalt Augustinianischer Heiligkeit S. 354–57; BiblSS Bd 10, Sp. 1207–15, s.v. Prospero, vescovo die Reggio Emilia und Sp.1193–1204, s.v. Prospero d’Aquitania; LThK Bd 8, Sp. 503–06, s.v. Prosper Tiro von Aquitanien und Prosper von Reggio; LCI, Bd 8, Sp. 232).

W4 S. ALIPIUS EPISCOPUS Eine Studierstube ist rechts durch ein Bücherregal angedeutet. Links blickt man über eine Balustrade ins Freie. Alipius steht hochaufgerichtet an einem Sockel rechts, auf dem ein geöffnetes Buch liegt. Hier sind auch Mitra und Pedum zu sehen. Alipius weist mit der Linken auf eine Stelle im Buch und hebt abwehrend die Rechte gegen einen bärtigen Mann mit Turban und in goldener orientalischer Kleidung, der nach links ins Freie flieht. Oben Wölkchen mit Putto.

Alipius (auch Alypius) von Tagaste (Fest 15.8.), geboren in Tagaste in Numidien, war Schüler und Freund des hl. Augustinus (ihm gehörte der Garten des Landgutes, in dem der hl. Augustinus bekehrt wurde: Tolle, lege). In seiner Jugend stand er wie Augustinus den Manichäern nahe, nahm von diesem Irrglauben aber Abstand und begleitete Augustinus nach Mailand, wo er im Jahr 387 von Ambrosius getauft wurde. Später ging er mit Augustinus nach Afrika zurück und lebte als Mönch in Tagaste und Hippo. Er wurde nach Karthago abgesandt, um in den dort entstehenden Klöstern die Ordensregel des Augustinus zu lehren und einzuführen. Nach einem Besuch im heiligen Land wurde er 394/95 Bischof von Tagaste, bekämpfte die Pelagianer und Donatisten und war als Primas von Numidien Vertreter der Kirche in Afrika bei Kaiser Honorius und Papst Bonifaz. Er starb um 430 (Inhalt Augustinianischer Heiligkeit, S. 250–55; BiblSS Bd 1, Sp. 871–73; LThK Bd 1, Sp. 329f.; LCI Bd 5, Sp. 106).

W, ANIANUS EPISCOPUS Anianus, das Haupt von einem Heiligenschein umgeben, trägt über Rochett und Mozzetta das erzbischöfliche Pallium. Mitra und Stab liegen zu seinen Füßen. Über ihm bricht Gnadenlicht aus den Wolken, in denen zwei Putten erscheinen. Hinter Anianus sind der untere Teil einer Säule und eine Pyramide zu sehen. Ein Putto sitzt auf einem Quader zu seinen Füßen und hält ein Buch. Links geht der Blick auf eine weite, bergige Landschaft, wo zwei Männer einen großen Felsen schieben.

Anianus von Alexandrien (Fest 25.4. nach dem römischen Martyrologium) verlor als reicher und vornehmer Jüngling bei einem Schiffbruch alle seine Güter und brachte sich als Schuhmacher in Alexandrien durch. Einst kam der Evangelist Markus bei ihm vorbei und wollte seine Schuhe reparieren lassen. Dabei verletzte sich Anianus an der Hand und Markus heilte ihn. Anianus wurde Christ und von Markus getauft. Er trat in ein Kloster in Alexandrien ein, das »nachmahlen regulirte Chorherren genennet worden« und wurde zum Priester geweiht. Durch die Kraft seines Gebetes konnte er Berge bewegen (eine Szene, die sich darauf bezieht, ist im Hintergrund des Bildes zu sehen) und bekehrte damit viele. Als Markus sich dem Tod nahe fühlte, ernannte er um 61/62 Anianus zu seinem Nachfolger; dieser wirkte 22 Jahre als Bischof von Alexandrien. Nach seinem Tod im Jahr 84/85 wurde er in der Nähe des hl. Markus begraben, später aber nach Venedig gebracht und in S. Clemente bei den regulierten Chorherren beigesetzt - später in »S. Mariae von der Lieb« auf dem Hochaltar (Inhalt Augustinianischer Heiligkeit S. 379–82; BiblSS Bd 1, Sp. 1253–57; LThK Bd 1, Sp. 444; LCI Bd 5, Sp. 166, s.v. Anianus von Alexandrien).

Anianus gilt als Heiliger, warum das S. vor seinem Namen in der Inschrift fehlt, ist nicht klar.

W6 S. VBALDVS EPISCOPVS. Der Heilige, gekleidet in den weißen Habit, darüber das Rochett und die schwarze Mozzetta, hält das Pedum in der Hand und steht hochaufgerichtet vor einer besessenen Frau zu seinen Füßen, die von einem jungen Mann mühsam gebändigt wird. Übaldus segnet sie. Aus ihrem Mund entweichen die bösen Geister in Form von Untieren in einer kleinen Wolke. Links hinter Übaldus ist ein Ministrant an einem Tisch mit der Mitra und einem geöffneten Buch zu sehen, dahinter eine Pfeilerarchitektur. Rechts blickt man auf eine Landschaft.

Es handelt sich hier um Übaldus von Gubbio (Fest 16.5.), der in der Domschule von Gubbio erzogen worden war und später, als er Prior des dortigen Kanonikatstifts geworden war, die Regeln des hl. Augustinus einführte, die er bei einem Aufenthalt im Chorherrnstift S. Maria di Porto bei Ravenna kennengelernt hatte. 1126 wurde er zum Bischof von Perugia erwählt, lehnte ab und wurde 1128 von Papst Honorius II. zum Bischof von Gubbio ernannt, wo er am 16.5.1160 starb und in S. Übaldo oberhalb Gubbio begraben ist. »Seine Tugend wird sonderbahr durch Außtreiben der Höllische Geister geprisen (daran erinnert die Szene im Bild); wessent wegen ihn Pabst Caelestinus der dritte in die Zahl deren Heiligen gesetzet« (1192; Inhalt Augustinianischer Heiligkeit S. 169–73; BiblSS Bd 12, Sp. 732–36; LThK Bd 10, Sp. 351f.; LCI Bd 8, Sp. 505f. s.v. Übald von Gubbio).

W, S. IVO EPISCOPUS Innenraum mit Schränken, Büchern und einem Tisch mit barock geschwungenem Gestell und Brokatdecke. Ivo in Chorkleidung - Mitra und Pedum sind rechts zu sehen - steht hochaufgerichtet am Tisch und legt seine Linke auf ein geöffnetes Buch. In der erhobenen Rechten hält er die Schreibfeder. Er blickt nach oben, wo aus Wolken ein Gnadenstrahl auf ihn fällt. Zu seinen Füßen sind zwei Putten mit Büchern und Schriften beschäftigt. Links sieht man durch einen Bogen ins Freie.

Ivo von Chartres (Fest 20. 5.) wurde 1040 in Beauvais geboren, studierte in Paris und in der Abtei LeBec in der Normandie und wurde um 1078 Propst des Chorherrenstiftes St. Quentin in Beauvais, das er als Stift regulierter Kanoniker gegründet hatte. 1090 wurde er von Urban II. in Capua zum Bischof von Chartres geweiht. Er war einer der fruchtbarsten und gelehrtesten Kirchenlehrer seiner Zeit (Inhalt Augustinianischer Heiligkeit S. 174–78; BiblSS Bd 12, Sp. 737–41; LThK Bd 10, Sp. 352f.; LCI Bd 8, Sp. 506f. s.v. Ivo von Chartres).

testen Theologen des 11./12. Jh. und bemühte sich voller Eifer um die Erneuerung der Vita canonica in Frankreich; er ist wahrscheinlich der Verfasser der »Consuetudines canonicorum Regularium«. Er starb am 23.12.1117 in Chartres (Inhalt Augustinianischer Heiligkeit S. 181-85; BiblSS Bd 7, Sp. 994–97; LThK Bd 5, Sp. 736).

W8 S. ILDEPHONSUS EPIS. Ildefons, als älterer Herr mit weißen Haaren gegeben, kniet auf der Stufe im Vordergrund vor Maria, die auf Wolken neben ihm erscheint. Er trägt einen weißen Habit und darüber das Rochett, auf der Brust das Bischofskreuz. Maria reicht ihm ein weißes Kleidungsstück. Zu Füßen von Ildefons liegen ein geöffnetes Buch, Mitra und Pedum. Ein Putto erscheint hinter ihm auf einer kleinen Wolke, hält eine Lilie und zeigt in einem Buch die Inschrift VIR/GO / IM/MACVI./ATA.

Ildefons von Toledo (Fest 23. 1.), um 606 in Toledo geboren, stammte aus vornehmer Familie. Seine Erziehung leitete der Erzbischof Eusebius. Er trat in das Kloster SS. Cosma e Damiano in Agalia am Stadtrand von Toledo ein und wurde dort Vorsteher. Der Ruf seiner Gelehrtheit und vorbildlichen Lebensweise verbreitete sich, und er musste auf Befehl des Königs Reccesvinth die Würde des Erzbischofs von Toledo annehmen. Er war ein bedeutender theologischer Schriftsteller und großer Marienverehrer: Zu Ehren der Gottesmutter verfasste er eine Litanei und Lieder sowie das Buch »Libellus de Virginitate Sanctae Mariae contra tres infideles«. Es ist überliefert, dass er einst eine Vision hatte, in der Maria ihm ein weißes Messgewand übergab, das er an hohen Feiertagen tragen sollte. Er starb am 23.1.667 in Toledo und wurde in der Basilica di S. Leocadia begraben (Inhalt Augustinianischer Heiligkeit S. 9–13; BiblSS. Bd 7, Sp. 756–60 mit Abb. Diego Velázquez Ildefonso riceve la pianeta; LThK Bd 5, Sp. 367f.; LCI Bd 6 Sp. 582-87).

W9 S. GELASIUS PAPA Papst Gelasius steht unter einer weiten grünen, säulengetragenen Draperie. Zu seinen Füßen hält ein Putto die Tiara und den dreifachen Kreuzstab. Ein Sekretär steht hinter ihm und schreibt in ein Buch. Gelasius trägt ein weißes Gewand, das Rochett und eine rote Mozzetta sowie die rote Papstkappe, auf der Brust ein Kreuz. Sein Haupt ist von Gnadenlicht umgeben. Er gibt einem knienden Bettler ein Almosen. Mit der Linken hält er ein Schriftstück CATALOG. PAUPERUM.

Papst Gelasius I. (492–96; Fest 20./21.11.) war in Afrika geboren und nahm als Schüler des hl. Augustinus dessen Regel an. Beim Einfall der Vandalen unter Genserich/Geiserich musste er mit vielen Bischöfen und Priestern fliehen und kam unter Leo I. nach Rom. Dort führte er in dessen Auftrag im Lateran den Orden der regulierten Chorherren des hl. Augustinus ein. 492 wurde er zum Papst gewählt und förderte weiterhin der Lateranensischen Orden nach Kräften. »Er ware ein Vatter der Armen, die er aufgezeichnet hatte (s. das Blatt, das er im Bild hält), und schickte ... ihnen nothwendige Lebens-Mittel ... Die Stadt Rom selber hat er von der Hungers-Noth befreit...« Die Lateranensische Kongregation der Augustiner-Chorherren allerdings wurde von Papst Gelasius II. (1118–19) gegründet. Deren Angehörige trugen den weißen Habit, den in dieser Bildserie alle Heiligen tragen. (Inhalt Augustinianischer Heiligkeit, S. 351-54; BiblSS Bd 6, Sp. 90-93; LThK Bd 4, Sp. 356f.; LCI Bd 6, Sp. 354).

W10 S. GVARINVS. Guarinus, im übrigen gekleidet wie die anderen Heiligen, ist durch die rote Mozzetta, den doppelten Kreuzstab in seiner Hand und den roten Kardinalshut auf einem Tischchen rechts als Kardinal bezeichnet. Er trägt ein goldenes Brustkreuz und steht in einem herrschaftlich ausgestatteten Studierzimmer, das durch eine Balustrade von einer Gartenlandschaft mit Allee geschieden ist. Auf einem Tisch mit Brokatdecke sind Bücher und eine goldene Tischuhr zu sehen. Darüber ist ein Wandbild, das den Gekreuzigten mit Maria und Johannes zeigt. Guarinus deutet auf eine Stelle in einem aufgeschlagenen Buch.

Guarinus von Palestrina (Fest 6. 2.) wurde um 1080 in Bologna als Sohn vornehmer Eltern geboren. Er wurde Priester und Kanonikus an der Kathedrale von Bologna, trat dann aber, im Jahr 1104, bei den Chorherren von S. Croce in Mortara bei Pavia ein. Dort führte er ein heiligmäßiges Leben von großer Gelehrsamkeit. Das Volk wollte ihn als Bischof von Pavia, aber Guarinus weigerte sich aus Demut. 1144 wurde er von Papst Lucius II. nach Rom berufen. Der Papst erhob ihn zum Kardinal und zum Erzbischof von Palestrina. Guarinus war sehr wohltätig. Er starb 1159, wurde in der Kathedrale St. Agapite in Palestrina begraben und schon bald nach seinem Tod heilig gesprochen (Inhalt Augustinianischer Heiligkeit S. 27–30 BiblSS Bd 7, Sp. 435f.; LThK Bd 4, Sp. 730, s.v. Guarinus voi Palestrina).

W11 S. ALBINUS EPISCOPUS Links ragt ein mächtiges Bauwerk auf, ein burgähnliches Schloss, das an der dem Betrachter zugewandten Seite eine vergitterte Öffnung zeigt. Um dieses Gitter ist das Mauerwerk zerstört, und aus einem Loch entweicht ein Mann. Albinus steht hochaufgerichtet vor dem Gebäude; er trägt über dem weißen Habit das Rochett und die schwarze Mozzetta. Er weist mit der Rechten auf zwei Männer zu seinen Füßen, deren vorderer Ketten trägt – offenbar befreite Gefangene. Hinter Albinus sind auf einem Podest Mitra und Pedum. In Wolken erscheinen zwei Putten, einer hält einen Lorbeerkranz über das Haupt des Heiligen. Mitra und Pedum sind an einem Podest links zu sehen.

Albinus von Angers (Fest 1. 3.), gegen 469 in Vannes geboren, lebte als Mönch nach der Augustinerregel im nicht sicher zu identifizierenden Kloster Tincillac (Tincillacense) und wurde dort 504 Abt. Um 529 wurde er zum Bischof von Angers gewählt. Er starb am 1.3.550 in Angers und wurde in der Kirche St. Pierre begraben. 556 wurde ihm eine eigene Kirche erbaut, wohin seine Reliquien transferiert wurden. Im »Inhalt Augustinianischer Heiligkeit« werden seine Krankenheilungen und Totenerweckungen gerühmt, vor allem aber eine wunderbare Gefangenenbefreiung, die auch in unserem Bild dargestellt ist: Er wollte einst Freiheit für einige Gefangene erreichen, der Richter aber blieb unerbittlich. Mit der Macht und Intensität seines Gebetes erreichte er, dass »die Mauer deß Kerckers sich geöffnet, und denen Gefesleten zu entflie hen Platz geraumet« (Inhalt Augustinianischer Heiligkeit S. 80-83; BiblSS Bd 1, Sp. 720f.; LThK Bd 1, Sp. 220, s.v. Albi nus von Angers; Vita verfasst von Venantius Fortunatus, in MGAA IV. 27ff.).

V Alipius

W12 S. PATRICIUS HIBERNIAE APOSTOLUS Schauplatz ist ein säulengetragener Innenraum. Rechts sitzt unter einem grünen Baldachin ein König in blauem, goldbestickten Gewand mit Hermelinkragen, Krone und Zepter, An einer Kette trägt er den Orden des Goldenen Vlieses. Zwei Höflinge sind bei ihm. Neben dem Thron steht Bischof Patricius in weißem Habit und Rochett, die Mitra auf dem Haupt und den Stab in der Hand und wendet sich - offensichtlich sprechendan mehrere Männer und eine Frau vor ihm, die altertümliche Trachten tragen - Halskrausen, Pumphosen u.ä. Die Szene wird beherrscht von einem hohen, in der Bildmitte aufragenden Kruzifix.

Durch die Inschrift › Apostel Irlands‹ ist die Identität des Heiligen sicher: Es ist der hl. Patrick (Fest 17. 3.), der Irland missionierte. Patritius galt als Neffe des Martin von Tours, wurde gegen 385/86 in der römischen Provinz Britannien als Sohn vornehmer Leute geboren und war Christ. Als Sechzehnjähriger wurde er von irischen Piraten gefangen, nach Irland gebracht und dort als Sklave verkauft. Er verbrachte sein Leben mit dem Hüten von Schafen, in Gebet und Buße. Auf ein Traumgesicht hin floh er nach sechs Jahren auf einem Schiff, das schließlich in Gallien landete. Patritius kam nach Rom, wo er unter die Chorherren im Lateran aufgenommen wurde und große Fortschritte in Frömmigkeit und Wissen machte. Caelestinus I. bestimmte ihn zur Mission in Irland und weihte ihn zum Bischof. Nach großen Schwierigkeiten mit den Königen und Stammesfürsten der Insel gelang es ihm schließlich, ganz Irland zu christianisieren (mit dem König im Bild dürfte der irische Oberkönig Tara gemeint sein). »Man sagt auch, er habe die alldorten eingeführte Clerisey der Regul deß Heil. Augustini unterworffen«. Er starb gegen 461 in Irland (Inhalt Augustinianischer Heiligkeit, S. 93–96; BiblSS. Bd 10, Sp. 396–408; LThK Bd 7, Sp. 1033–35; LCI Bd 8, Sp. 124f.).

W. Ubaldu:

W13 S. JOANNES RVISBROCHIUS CONGREG. WINDESHEIM Links steht neben einer Säule ein Tischchen mit langer blauer Decke, auf dem Bücher zu sehen sind. Im Hintergrund sieht man ein zweistöckiges Arkadengebäude mit abschließender Balustrade. Vor dem Tisch steht, die Hände ineinandergeschlungen, ein Chorherr in weißem Habit und Albe. Statt einer Mozzetta trägt er die Manteletta. Über ihm erscheint in Wolken der Heilige Geist und sendet einen Gnadenstrahl auf ihn, der auf des Heiligen mystische Inspirationen deutet. Rechts im Hintergrund sieht man einen Chorherrn einsam unter mehreren Bäumen sitzen – wohl in der Einsamkeit des Buchenwaldes von Groenendal.

Johannes van Ruysbroek (selig, Fest 2. 12. – er ist im »Inhal Augustinianischer Heiligkeit « nicht behandelt –) wurde 1293 in Ruysbroek bei Brüssel geboren. 1315 wurde er zum Priester geweiht und wurde Kanoniker an St. Gudula in Brüssel. 1343 zog er sich mit den Kanonikern Jan Hinckaert und Frank van Coudenberg in die Wälder von Groenendal bei Waterloo zurück, wo er ein Augustiner-Chorherrenkloster gründete und dessen erster Prior war. Er war ein bedeutender Mystiker, Doctor exstaticus genannt. Gerhard Groote, der Gründer von Windesheim, stand mit ihm in engem Gedankenaustausch und suchte ihn auch in Groenendal auf. Er wurde durch seine »Windesheimer Chorherren ... Erbe von Ruysbroeks Geist und seiner Klostergründung«. Auf Ruysbroeks geistige Bedeutung für die Gründung der Windesheimer Kongregation, der sich später Groenendal anschloss, bezieht sich die Inschrift. Johann van Ruysbroek starb 1381 in Groenendal (BiblSS Bd 6, Sp. 880–85, s.v. Giovanni di Ruysbroeck, beato [Louis Moereels]; LThK Bd 9, Sp. 40, s.v. Ruysbroek [C. Richstaetter]; LCI Bd 6, Sp. 162f.).

Windesheim bei Zwolle in Holland war ein Augustiner-Chorherrenstift, gegründet 1387 durch Gerhard Groote und sechs seiner Schüler als streng klösterliche Ausformung der Devotio moderna. Unter dem zweiten Prior Johann Vos schloss es sich zunächst mit drei anderen holländischen Klöstern zur Windesheimer Kongregation zusammen, die sich durch vorbildliches Klosterleben auszeichnete und damit auch Klöster anderer Orden beeinflusste. Reorganisiert durch Gregor XIII bestand sie bis 1802 (LThK Bd 10, Sp. 933f., s.v. Windesheim [Felix Rütten]. S. auch W15 Thomas von Kempen). Rebdorf gehörte seit 1485 zur Windesheimer Kongregation.

W14 S. AQUILINUS MART. Regularis Die Szene spielt vor einem schlossähnlichen Gebäude, rechts sieht man auf eine weite Landschaft mit Bergen im Hintergrund. Aquilinus steht in der Bildmitte, gekleidet in den weißen Habit; er trägt eine Albe und darüber die schwarze Manteletta. In der Rechten hält er einen Brief. Von links kommen drei Soldaten herbei und dringen auf ihn ein, von rechts sticht ihm ein altertümlich gekleideter Soldat mit einem Dolch in den Hals und tötet ihn. Aus Wolken kommt ein Putto und bringt den Martyrerkranz für Aquilinus.

Aquilinus von Mailand (Fest 29. 1.) stammte aus Würzburg und wurde nach Köln zum Studium geschickt; wegen seines vorbildlichen Lebenswandels nahm ihn der Bischof unter die dortigen Chorherren auf. Nach dem Tod der Eltern verkaufte er das Erbe und verschenkte es an die Armen. Er wurde in Köln zunächst Dompropst; dann wollte man ihn zum Bischof haben. Da er diese Würde aus Demut nicht annehmen wollte, floh er nach Paris, und da ihm auch dort das Bistum angetragen wurde, weiter nach Pavia und schließlich nach Mailand (über sein bewegtes Leben vor der Mailänder Zeit sind die Details strittig). In Mailand lebte er im Kloster der regulierten Chorherren von S. Lorenzo und kämpfte von dort aus gegen die Arianer und Manichäer, die ihn aus Rache einstmals halb erschlugen und gegen 1015 mit einem Dolch in die Kehle erstachen. Er wurde in San Lorenzo begraben (Inhalt Augustinianischer Heiligkeit, S. 13–18; AASS Jan. Tom. I., S. 970f. BiblSS Bd 2, Sp. 331–37; LThK Bd 1, Sp. 585, s.v. Aquilinus Martyrer; LCI Bd 5, Sp. 240, s.v. Aquilinus von Mailand).

W. VEN. THOMAS KEMPENSIS CONGREG. WINDESHEIM Thomas von Kempen steht vor seinem Betpult, auf dem ein Kruzifixus, ein aufgeschlagenes Buch und ein Rosenkranz zu sehen sind. Er trägt den weißen Habit und die Albe, um die Schultern die Manteletta, hat die Arme ausgebreitet und blickt zum Himmel, wo in Wolken Maria mit dem Kind erscheint. Der Raum, in dem er sich befindet, öffnet sich rechts auf eine weite Landschaft, wo zu Füßen eines grünen Hügels ein Chorherr sitzt.

Thomas von Kempen war Augustiner-Chorherr (* 1379/80 Kempen † 25.7. 1471 Agnetenberg), studierte in Deventer und trat 1399 in das Windesheimer Augustinerkloster auf dem Agnetenberg bei Zwolle ein. Er ist nicht heilig (s. Inschrift: venerabilis) und tritt wohl deshalb wie Johann van Ruysbroek im »Inhalt Augustinianischer Heiligkeit« nicht auf. Er war ein sehr fruchtbarer mystischer Schriftsteller, Vertreter der »Devotio moderna« und Verfasser der »Nachfolge Christi«. Die Anfänge der Windesheimer Kongregation begleitete er mit begeisterten Biographien ihrer Gründer, verfasste »zahlreiche, durch Eindringlichkeit der Sprache ausgezeichnete Klosterpredigten« und wurde durch sein schriftstellerisches Wirken zu einer der wichtigen Persönlichkeiten der Windesheimer Bewegung (LThK Bd 10, Sp. 129–31 [Carl Richstaetter]).

W16 S. JOANNES OSTERWICAN MARTYR. In weiter Landschaft mit Bergen im Hintergrund steht in der Bildmitte der Heilige im weißen Habit und Rochett. Er hat einen Strick mit Schlinge um den Hals, hält mit der Rechten einen Hostienkelch und mit der Linken eine Martyrerpalme. Vor ihm erscheint Ecclesia auf Wolken, hält in der Linken ein kleines Kreuz und in der Rechten ein geöffnetes Buch. Als Attribute hat sie die Schlüssel, die Tiara und einen Rundtempel. Rechts am Bildrand ist im Mittelgrund ein Klosterbau zu sehen. Auf einer hölzernen Leiter in einem Vorraum steht ein Henkersknecht, der offensichtlich im Begriff ist, einen Chorherrn aufzuhängen.

Johann Lenaerts von Osterwijk (Fest 9.7.) war Augustiner-Chorherr. Er lebte zur Zeit der wilden Glaubenskriege in Holland – 1572 hatten die Lutheraner und Calvinisten schon große Teile Europas erobert. In Holland wurden die Glaubenskämpfe besonders erbittert geführt, weil sie Hand in Hand gingen mit dem niederländischen Freiheitskampf gegen das katholisch/papistische Spanien. Nach den ersten Siegen Spaniens mussten viele Niederländer das Land verlassen und wurden, um weiterkämpfen zu können, Piraten – es waren die Geusen bzw. – zu Schiff – die »Wassergeusen«. Sie kämpften mit besonderer Brutalität. Im Juni 1572 fielen Doordrecht und Gorkum in ihre Hand. Eine kleine Schar von Katholiken verschanzte sich im Kastell von Gorkum: neben einigen Gläubigen der Pfarrer und zwei Geistliche von Gorkum, elf Franziskaner, ein Dominikaner und »Joannes Ostervicano Regulirte.

W. Ildefons
W Guarinus
V14 Aquilinus

Chorherrn aus dem Orden deß Heil. Augustini Vorsteher de Klosters Vollios«. Sie konnten nicht lange standhalten, wurden gefangen, bestialisch gemartert und halbnackt zu Schiff nach Brielle gebracht, wo noch drei Prämonstratenser zu ihnen kamen. Die Martern wurden - auch unter Teilnahme der calvinistischen Bevölkerung - fortgesetzt; in der Nacht des 9.7. 1572 wurden sie »auf die Tram, und Balcken des Rugiensi schen Closter aufgehencket« (s. die Szene im Hintergrund des Bildes). Die neunzehn Martyrer von Gorkum sind alle mit Namen bekannt. Sie wurden 1675 selig- und 1867 heiliggesprochen. In der Inschrift wird hier Johann Lenaerts von Osterwijk als heilig bezeichnet (Sanctus), weil jeder Martyrer für den Glauben per se als heilig galt (Inhalt Augustinianischer

Heiligkeit S. 233-39; BiblSS Bd 7, Sp. 111f., s.v. Gorcum, martiri di; LThK Bd 4, Sp. 581, s.v. Gorkum).

Seitenschiff-Fresken – Embleme im nördlichen Seitenschiff 26 Mauer mit Schießscheibe; Hände aus den Wolken zielen darauf. Darüber ein Engel mit Schild. Vis moderamine maior (Die Kraft wird durch Lenkung größer). Überschrift: Si etiam ipsi modum vos excessisse sentitis. (Aus Cap. 10: »De petenda venia, et offensis condonandis ex charitate«. »Quando autem necessitas disciplinae in moribus coercendis, dicere vos verba dura compellit, si etiam ipsi modum vos excessisse sentitis, non a vobis exigitur ut a vobis subditis veniam postuletis, ne apud eos quos opertet esse subjectos, dum nimium servatur humilitas, regendi frangatur auctoritas«. Wenn aber die Notwendigkeit, die Disziplin aufrechtzuerhalten, euch nötigt, harte

W16 Johann Lenaerts von Osterwijk

Worte zu sagen – selbst wenn ihr das Gefühl habt, damit zu weit gegangen zu sein, so wird von euch nicht gefordert, von euren Untergebenen Verzeihung zu erbitten, damit doch eher die Demut bewahrt bleibe als die Autorität gebrochen werde. Die Bedeutung des Bildes von der Schießscheibe im Zusammenhang mit dieser Regelstelle ist etwa: Wie der Schuss auf die Scheibe von himmlischer Hand gelenkt wird, so muss die Lenkung der Untergebenen innerhalb der klösterlichen Gemeinschaft mit Überlegung erfolgen und nicht aus einem momentanen menschlichen Impuls heraus.

27 Sitzende Frau in Wolken; rechts und links von ihr hält ihr je ein Engel einen Spiegel vor; sie spiegelt sich in beiden. Non arbiter unius unus (Einer soll nicht Richter des anderen sein). Überschrift: Nihil fiat quod cuiusquam offendat aspectum. Reg. C.4.N.1. (Nichts geschehe, was den Anblick eines anderen beleidigt; aus Cap.6: »De habitu et exterioris hominis compositione«, PL 32, Sp.1380f.). Das Bild der einander gegenüber gestellten Spiegel weist auf die angestrebte Gleichheit der Konventualen hin: »Unius namque virtus, veluti alternante beneficio, in alterum derivatur« (Picinelli Lib. XV Nr. 184, s.v. speculum).

28 Basilisk, der sich in einem Spiegel ansieht. Aut occidit aut occiditur (Das Lemma hieß ursprünglich wohl aut occidit aut occiditur: Entweder er tötet, oder er wird getötet). Überschrift: Qui odit fratrem suum, homicida est. Reg. C.9.N.1. (Wer seinen Bruder hasst, ist ein Mörder. Cap. 10: »De petenda venia, et offensis condonandis ex charitate«. Mit dieser Regelstelle wird 1 Io 3,15 zitiert). Der Basilisk tritt bei Picinelli mit dem Lemma auf: aut perit aut perimit: Der Basilisk tötet entweder durch seinen tödlichen Atem oder er stirbt daran selbst.

22-35 Embleme zur Augustinerregel: 26 Schießscheibe
33 Segelschiff

wenn er im Spiegel reflektiert wird. Das Emblem ist hier auf die Regelstelle zu beziehen und auf den zweifachen Schaden, den der Hass anrichtet: beim Opfer und beim Täter.

29 Sonnenbeschienener Platz mit Burgbauten, an einem Turm eine Sonnenuhr, die linke Seite des Platzes ist abgeschattet. Perficit umbra (Der Schatten beendet es). Nur solange die Sonne scheint, kann die Sonnenuhr die Zeit zeigen. Überschrift: Nec extollantur. Reg. C.1.N.6 (Sie sollen nicht erhöht werden. Cap. 2: »Nec extollantur, si communi vitae aliquid d suis facultatibus contulerunt«. Die zum gemeinsamen Leben etwas durch ihr Vermögen beitragen, sollen nicht bevorzugt werden). Auf die Stelle der Regel bezogen, kann das Bild der Sonnenuhr hier ein Symbol der humilitas als Voraussetzung aller Tugenden sein, wozu Picinelli Papst Gregor zitiert: »Qui sint humilitate virtutes congregat, quasi pulverem in ventum portat« (Lib. XXI, Nr. 77. s.v. horologium solare).

30 Zwei Engel mit Marienmonogramm, darauf ein Herz mit einem Kreuz. A sacro corde. Überschrift: Domina nostra (Moderne Darstellung, keine Abb.)

Embleme im südlichen Seitenschiff

31 Drei Engel in Wolken. Der linke hält eine Wabe mit Bienen, der mittlere ein Lamm, der rechte ein Vogelnest mit jungem Vogel, über dem ein größerer Vogel fliegt. Sic vos non vobis (So ihr nicht für euch). Die einzelne Biene arbeitet nicht für sich, der Vogel müht sich für seine Jungen. Überschrift: Nullus sibi aliquid operetur. Reg. C.6.N.4 (Cap. 8: »De vitio proprium aliquam rem sibi vindicantium«. »Ita sane, ut nullu sibi aliquid operetur; sed omnia opera vestra in commune fiant.« So fürwahr, dass keiner etwas für sich arbeite; sondern alle eure Arbeit soll gemeinsam geschehen).

32 Links halten zwei Hände aus Wolken einen Januskopf, rechts eine Hand einen Caduceus. Darüber schwebt ein Putto. In partem respicit omnem (Im Teil erblickt man das Ganze). Überschrift: Omnium veterum (vestrum) curam gerit. Re C.9.N.1 (Cap.11: »Praeposito tanquam patri obediatur, mul magis presbytero qui omnium vestrum curam gerit«. Den Vorgesetzten soll wie einem Vater gehorcht werden, viel mehr noch dem Priester, der für euch alle Sorge trägt). Der Januskopf ist Bild des Weisen, der das Vergangene wie das Zukünftige bedenkt, und damit Symbol des weisen Vorgesetzten (Picinelli Lib. III, Nr. 69, s.v. Janus). Der Caduceus, Symbol für die Kunst des Redens und Friedensstiftens, kann in diesen Zusammenhang ebenfalls auf den guten Vorgesetzten bezogen werden (ebd. Nr. 29, s.v. Caduceus).

34 Weihrauchfas:

33 Segelschiff im Meer, hinten an der Kajütenwand ein brennendes Herz. Queis mergitur eminet undis (Wer von den Wellen verschlungen wird, ragt [doch] aus ihnen empor). Über schrift: In Omnibus superemineat charitas. Reg. C.6.N.4 (Ut in omnibus, quibus utitur transitura necessitas, superemineat quae permanet. In allen Dingen sei die Liebe das Höchste. Cap.8). Das Emblem besagt, dass die Liebe zwischen Gott und den Menschen als das höchste göttliche Geschenk alle Wechselfälle des Lebens überdauern wird.

34 Zwei Engel fliegen über einem Weihrauchfass. Der linke hält das Weihrauchgefäß (Schiffchen genannt), der rechte facht das Feuer mit einem Blasebalg an. Secum accepta refundit (Was es empfangen hat, gibt es zurück). Überschrift: Agite Gratias bonorum omnium largitori. (Sagt Dank für die Güter dem Spender aller Dinge. Cap. 12). Das Weihrauchfass ist Symbol für Gebet, Dankbarkeit und Verehrung, die man Gott für seine Wohltaten schuldet. Picinelli sagt dazu, indem er sich auf den hl. Augustinus bezieht: »Hinc disce talenta et gratias, a Deo in te collocatas, in eiusdem Dei honorem ac goriam unice referre« (Lib. XIV, Nr. 81, s.v. thuribulum).

35 Zwei Engel auf Wolken halten einen Schild, auf dem ein Herz zu sehen ist, um das sich eine Dornenkrone schlingt. Oben aus dem Herz wächst das Kreuz; aus dem Herz schlagen Flammen. Große Buchstaben M S C. Cor Jesu sacratissimum. Überschrift: Ametur ubique terrarum. (Moderne Darstellung keine Abb.)

Fresken im Emporenbereich

Putten halten das strahlenumgebene Kreuz. Um das Kreuz ist eine Dornenkrone gelegt. Nunquam absque coron (Niemals ohne Krone). Das Kreuz bedeutet hier ein Siegeszeichen über den Tod. Dieser Sieg kann ohne Schmerz bzw. Verzicht nicht errungen werden. Überschrift: Carnem vestram domate. Reg C.2.N.3. (Zügelt euer Fleisch. Cap.4: »De jejunic et refectione«, PL 32, Sp. 1379f.).

23 Hund, der sich sein Hinterbein leckt. Hunc cavet unde dolet (Das vermeidet er, was ihm Schmerz macht). Überschrift Doleat de praeterito. Caveat de futuro. (Ende des Cap. 12 »Ubi autem sibi quicumque vestrum videt aliquid deesse doleat de praeterito caveat de futuro, orans ut debitum dimittatur et in tentationem non inducatur. Amen«. Wo aber einer von euch sieht, dass er in einer Sache gefehlt hat, soll er das Geschehene bereuen und das Künftige meiden, betend, dass die Schuld verziehen und er nicht in Versuchung geführt wird Amen). Im Emblem wird der Hund mit dem Sünder verglichen: wie jener mit dem Mund leckend seine Wunde heilt, so heilt dieser seine Seele, indem er mit dem Mund in der Beichte seine Sünde bekennt. Dazu zitiert Picinelli Hugo Victorinus »Lingua canis, dum lingit vulnus, sanet: quia peccatorum ir confessione emundantur vulnera, Sacerdoti facta confessione« (Picinelli Lib. V, Nr. 99, s.v. canis).

24 Zwei Allegorien auf Wolken, beschriftet Gloria und Paupertas, Ruhm und Armut. Quam bene conveniunt (Wie gut passen sie zusammen). Überschrift: Magis studeatur pauperum fratrum Societate gloriare. Reg. C.2 N.3. (Cap. 2: »Magis autem studeant non de parentum dignitate, sed de pauperum fratrum societate gloriari«. Sie sollen mehr danach trachten, sich der Gesellschaft der armen Brüder zu rühmen als der Würde der Eltern). »Quam bene conveniunt« bezieht sich auf einen Vers Ovids: »Non bene conveniunt, nec in una sede morantur / maiestas et amor« (Metamorphosen 2,846f.).

Putto reitet auf einem beladenen Kamel. Non sibi, sed alii. (Nicht für sich, sondern für die anderen). Überschrift: Sine murmure serviant fratribus suis Reg C.7.N.4. (Ohne Murren sollen sie den Brüdern dienen. Cap.9: »De vestium lotione, de balneis deque aliis curandis fratrum necessitatibus«). Das Kamel, das mit Geduld die Lasten anderer trägt, wird hier mit dem Konventualen verglichen, der geduldig seinen Brüdern dient.

Emporenbrüstung

EB. CÄCILIA UND MUSIZIERENDE ENGEL Sehr breites und niedriges Bildfeld. In der Mitte sitzt Cäcilia an der Orgel und spielt. Engel rechts und links spielen die Kniegeige, die Oboe, die Laute und singen.

EB2-3 MUSIZIERENDE PUTTEN Im rechten Bild (N) spielen Putten auf Geigen, Flöte und Harfe, im linken musizieren sie mit Kesselpauke, Posaunen und gedrehten Trompeten.

Quellen und Literatur

BLfD, Akten ehem. Kloster Rebdorf. Darin: Erwin Wiegerling, Kloster Rebdorf. Schlußdokumentation zur Restaurierung der Innenräume 1987–90, mit Deckenbild im Festsaal

Strauss, Andreas, Historisch-topographisch-diplomatische Nachrichten von dem Kollegiatstifte der regulierten Chorherren des heil. Augustinus zu Rebdorf bei Eichstätt, bei Friedrich Karl Gottlob Hirsching, Denkwürdigkeiten für die Länder- und Völkerkunde I, Leipzig 1792, S. 272–324.

Mayer, Maximilian, Das ehem. Collegiatstift Rebdorf bei Eichstätt, in: KKC 20, 1860, S. 96–103.

KDB V MF (1), S. 417–55.

Buchner, Bistum Eichstätt 1937, S. 235f., 272.

Historischer Atlas Eichstätt, S. 135.

Gebeßler, August, Das ehemalige Augustiner-Chorherrenstift in Rebdorf bei Eichstätt (Bayern). Seine Geschichte und Instandsetzung, in: 23. Jahresbericht des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege 1964, S. 35–49.

Neuhofer, Theodor, Beiträge zur Kunstgeschichte des Hochstifts Eichstätt, in: SHVE 61, 1965/66, S. 9–92, hier S. 31–34. - Kloster Rebdorf (= KKF Nr 224) München und Zürich

-, Kloster Rebdorf (= KKF Nr. 834), München und Zürich 51987.

-, Peter Steiner und P. Ludwig Krottenthaler, Kloster Rebdorf (= GKF Nr. 51), München und Zürich 1967.

Kemp, S. 279–82.

Denkmaltopographie Eichstätt, S. 192–97

-, Höcherl, Josef MSC, Rebdorfs Kanoniker der Windesheimer Zeit 1458–1853 (= SHVE 85), 1992: Leonhard Kraus Nr. 101, S. 68f.; Johann Baptist Mayr Nr. 157, S. 101f.

Kloster Rebdorf. Von der Gründung bis zur Gegenwart (Einführung Werner Schiedermair), Rebdorf 1996.

Grimminger, Christina, Kloster- und Pfarrkirche St. Johannes der Täufer Rebdorf/Eichstätt (= KKF Nr. 834), München und Zürich 72003.

Dehio OB 1990, S. 1007f.; 2006, S. 1097