Raitenhaslach, ehem. Zisterzienserabtei, Ehem. Abtskapelle
Prälatenstock mit Gäste- und Küchentrakt
Zur Baugeschichte: Abt Robert Pendtner hatte sich schon lange mit Neubauplänen getragen, als er 1752 den Trostberger Maurermeister Alois Mayr mit dem Neubau eines Prälaturtrakts beauftragte. Grundsteinlegung war am 26.9.1752. »Interea postquam multis jam annis Praesul scientia architectonica oppido imbutus de aedificando novo Monasterio cogitasset, praeter alios in consilium vocavit et novi aedificii delineationem facere jussit D. Aloysium Mayr civem et Architectum in Trosperg, qua approbata ao 1752 die 26.9. a prandio juxta partem angularem aedificii cancellariae destinati, seu ex angulo novo Abbatiae pro eadem lapis fundamentalis positus est« (BSB, Clm 1429, fol. 197 v). Abt Robert Pendtner griff selbst in die Planung ein, kam aber über die Planungsphase nicht weit hinaus. Seit 1754 war er krank. Er hatte noch in der Verlängerung an die Prälatenwohnung den Gästetrakt unter Dach gebracht, der 1760/61 von Abt Emanuel um einen im rechten Winkel anschließenden zweiten Gästetrakt erweitert wurde. »Sed plus ultra. Eodem anno propemodum intra Spatium duorum mensium alius adglutinatur tractus, qui ex hospitum domicilio majori ad conventum ducit, atque in contignatione infima culinam, in media, et suprema quatuor hospitum receptacula sat patentia cum majori, minorive scala concludit« (BSB, Clm 12536 fol. 58). In dieser zweiten Phase entstanden die Ausmalungen.
Ehem. Abtskapelle bei der Wohnung des Abtes.
Patrozinium: Hl. Kreuz, Schmerzhafte Muttergottes und hl. Maria Magdalena
Zum Bauwerk: Die Kapelle zur Schmerzhaften Muttergottes am Kreuzgang neben der Sakristei (jetzt dort wieder neu errichtet) wurde 1752 von Abt Robert Pendtner bei der Errichtung des Prälatenstocks in den Neubau verlegt zur Abtskapelle bei der neuen Abtswohnung und als solche kostbar ausgestattet. Feierliche Weihe am 26.9.1762 durch den Salzburger Erzbischof Sigismund von Schrattenbach. »Ut porro omnia in medium afferantur, quae zelosissimus Praesul noster in spiritualibus praestiterit, pauca referenda veniunt de Capella Abbatiali, quam prope conclave abbatiale noviter extruxit, et eximio instruxit decore. Anno 1762 eiusdem consecrationem a Celsissimo Principe et Archiepiscopo Salisburgensi Sigismundo Christophoro e prosapia comitum de Schrattenbach petiit et obtinuit. Die itaque 25 Sept. praedicti anni sub vesperum Curru vectus Tittmoninga ad nos venit, sonantibus campanis, Boantibus vicino e colle minoribus tormentis / vulgo Böller / Clangentibus tubis, tympanisque crepitantibus« (BSB, Clm 12536, fol. 20–22).
Annähernd quadratischer Raum (5,40×4,50 m) am Nordende des ehemaligen Prälatenstocks im ersten Obergeschoß, Eingang von O, zwei Fenster nach W, genordet. Der Stuckator ist nicht bekannt, steht aber Johann Baptist Zimmermann und den Wessobrunnern sehr nahe. Zierlicher Rokokoaltar, wohl
Der Prälatenstock bildet die westliche Begrenzung der Klostergebäude. Dreigeschossiger Trakt zu 16 Achsen, flankiert durch zwei um eine Fensterachse zurückgesetzte, vierachsige Gebäudeteile mit nur zwei Geschossen, die den Anschluß zur Kirche bzw. zum Wirtschaftstrakt im S herstellen. Im nördlichen sind die Prälatenkapelle und die Wohnung des Abtes untergebracht, im dreigeschossigen Mitteltrakt waren Repräsentationsräume und herrschaftliche Gästewohnungen, der südliche zweigeschossige Bau war das sog. »Gartenstöckl« (Pläne P 323 von Glonner jun.).
Der Gästetrakt schloß etwa auf der Mitte im rechten Winkel an den Prälaturstock nach Osten an und verband ihn mit der SW-Ecke des Konventbaus. Er war dreigeschossig. Hier lagen im Erdgeschoß die Küche und in den beiden Obergeschossen Gästezimmer, in der Mitte zwischen den Zimmern eine kleine Treppe und im Westen des Trakts, im Winkel zum Prälaturstock, ein Treppenhaus.
Deckenbilder befinden sich in der Kapelle des Abtes und in einem Raum der ehem. Abtswohnung. Von den in den Quellen erwähnten Ausmalungen der »Stuba aulica maior« im ersten Geschoß und der »Stuba aulica minor« im zweiten Geschoß ist die der »Stuba aulica minor« erhalten (zur »Stuba aulica maior« s. S. 210). Das Deckenbild des Treppenhauses im Gästetrakt ist ebenfalls erhalten.
von Johann Georg Lindt. Auf dem Altar wurde ein Kreuzpartikel aufbewahrt, kostbar gefaßt in einer Monstranz, die mit Perlen und Perlmutter verziert war. Der Altarstein barg kostbare Reliquien von den Stationen der Passion Christi: Steinchen vom Mons Sion, dem Ort des letzten Abendmahls, vom Garten Gethsemane, wo Christus die Nacht vor der Passion verbrachte, und von Golgotha, wo das Kreuz aufgerichtet wurde.
Auftraggeber: Abt Emanuel II. Mayr von Raitenhaslach (1759–80), der bei seinen Ausstattungen neben Franz Joseph Soll vor allem Martin Heigl beschäftigte.
Emanuel Mayr, geboren in Dillingen am 4.12.1716 als Sohn von Johann Andreas und Maria Anastasia Mayr, besuchte die unteren Klassen und die Klasse der Philosophie im Jesuitenkolleg in Burghausen und trat dann im Kloster Raitenhaslach ein, wo er am 7. 12. 1739 die Profeß ablegte. Die Theologie studierte er in Raitenhaslach, die Jurisprudenz in Salzburg. 1751 wurde er Archivar des Klosters, und damit wird der 35jährige in der Chronik als Charakter fassbar, als unermüdlicher und effektiver Arbeiter mit großem Ordnungs- und Schönheitssinn: »omnia nostri Archivi documenta, tempore belli in unum cumulum coniecta, et ideo confusa, eo in ordinem, cum notatione, inscriptione omnium fasciculorum et registrorum de super in omnibus scriniis repositorum non levi labore restituit« (BSB Clm 12536); in dieser Zeit schrieb er auch die Annalen über 116 Jahre Klostergeschichte. Seinen Fähigkeiten entsprach sein rascher Aufstieg im Kloster: 1755 wurde er Cellerar, 1756 außerdem Novizenmeister, 1758 Subprior und nach der Ermordung des Priors Georg Dunckl am 4. 12. 1758 noch im gleichen Jahr Prior. Am 9. 1. 1759 starb Abt Abundus Tschan und Emanuel Mayr wurde am 8.3.1759 zum Abt gewählt


Er baute in den folgenden Jahren die von Abt Pendtner errichteten Trakte der Prälatur und des Gäste- und Küchentrakts aus, gleichzeitig ließ er die Wallfahrtskirche Marienberg 1760-64 errichten und den Festsaalbau mit Weinkeller 1764/65. Er erbaute die Wirtschaftsgebäude neu, die Mühle, Pfisterei, das Bräuhaus, Werkstätten und Ställe und machte sich in seinen letzten Jahren noch an den Neubau der Konventsgebäude um den Kreuzgang und des neuen Refektoriumsstocks mit Krankenabteilung, Speisesaal und Bibliothek. Er war an den Wissenschaften sehr interessiert, vergrößerte die Bibliothek und beschaffte naturwissenschaftliche Instrumente. Zu seiner Eigenschaft als leidenschaftlicher Marienverehrer s. S. 126.
Er stattete auch die inkorporierten Kirchen aus, unter denen hier die Heigl-Ausmalungen von Burgkirchen (s. S. 75-80), Gumattenkirchen und Niederbergkirchen (LKr. Mühldorf) genannt werden sollen.
Autor und Entstehungszeit: Martin Heigl (* unbekannt † 1774 München) 1762
Die Dekoration der Kapelle war bei der feierlichen Weihe im Herbst 1762 mit Sicherheit abgeschlossen. Die Autorschaft Heigls ist in der Abtschronik vermerkt mit Hinweis auf sein Können und seine Eigenschaft als Hofmaler: »Vix hoc adolescere maturitatis gradum adtingere caepit, summi illud certe aestimandum artis apelleae decus D. Martinus Heigl Patriae Pictor aulicus titularis comparet, qui conatui maiori, egregio in nova Capella abbatiali testimonio praeluserat« (BSB, Clm 12536, fol. 60r). Die Abtskapelle wird auch in den Annalen im Zusammenhang mit Burgkirchen erwähnt: Heigl habe die Kirche in Burgkirchen ausgemalt, nachdem er in der Abtskapelle ein Zeugnis seiner Kunst gegeben hatte.
Befund
Träger der Deckenmalerei: Flachdecke mit Hohlkehle Rahmen: Rocaillestuck Technik: Fresko; A polychrom; 1–4 monochrom karmin Maße: A Höhe 4,00 m; Durchmesser ca. 3,50 Erhaltungszustand und Restaurierungen: Restaurierungen sind nicht bekannt. Die Fresken sind hervorragend erhalten.
Beschreibung und Ikonographie
Die Fresken sind in ein feines aus Rocaillen gebildetes Rahmenwerk eingefaßt. Das Hauptfeld nimmt den Großteil der Decke ein.
A ERLÖSUNGSWERK CHRISTI Das Bild zeigt in Wolken Gottvater und die Taube des Geistes in Begleitung von Putten und Engeln, von denen einer einen Kelch hält, der zweite eine große Schriftrolle mit der Inschrift Dabo Calicem eius in manum / tua. Ezech. 23, V. 31. (Ich werde ihren [nämlich der sündigen Schwester] Kelch in deine Hand geben). An der Bildbasis ist vor einem dicken verschlossenen Buch der Erdball zu sehen, auf dem in paradiesischer Landschaft der Sündenfall dargestellt ist. Rechts davon ein abgestorbener Baum, daneben ein junger, grüner Baum (= Alter und Neuer Bund). Ein stuckierter Engel, der sich über den Rahmen beugt und auf den Altar bezogen ist, gibt mit der Inschrift ECCE / HOMO die Erklärung für die Darstellung. Die Schriftstelle bei Ezechiel handelt von den beiden unzüchtigen Schwestern Ohola und Oholiba, die mit den Städten Samaria und Jerusalem verglichen werden und über die das Strafgericht verhängt wird. In diesem Sinne ist der Kelch zu verstehen. Der verdorrte Baum deutet darauf hin, daß das Strafgericht des Alten Testaments – damit ist das Buch gemeint – nicht mehr gilt. Christus, von Gott ausgesandt, hat den Kelch angenommen und mit seinem Kreuztod die Menschheit von der Erbsünde erlöst.
Heigl hat das Thema ähnlich im gleichen Jahr 1762 im Chor der Pfarrkirche in Buch am Buchrain wiederholt (CBD Bd 7 S. 65, 67). Dort ist die Komposition in die Länge gezogen, was ihr Dichte nimmt, und durch spätere Übermalungen beeinträchtigt. Die Darstellung in der Prälatenkapelle gehört zu den am besten erhaltenen Deckenbildern Heigls. Der intime Raum und das kleine Format lagen ihm.
Aa-d EMBLEME Die Kartuschen zeigen Embleme ohne Lemmata, Sinnbilder für das Erlösungswerk Christi.
Aa Aufgehende Sonne Die Sonne, die die Nacht überwindet, steht für das Licht des Neuen Testaments, das das Dunkel des Alten Testaments ablöste.
Ab Regenbogen Der Regenbogen ist Symbol für die Versöhnung Gottvaters mit den Menschen.
Ac Pelikan Der Pelikan nährt die Jungen mit seinem eigenen Blut und ist damit ein Sinnbild für den Opfertod Christi. Ad Phönix Der Vogel Phönix, der sich im Feuer erneuert, ist Sinnbild der Auferstehung Christi.