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Pettenhofen, Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Geburt

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 14: Landkreis Ingolstadt; Landkreis Pfaffenhofen. Hirmer, München 2010, ISBN 978-3-7774-3001-0, S. 159–163, geschrieben von Langenstein, Eva. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Merkspruch im Volksmund verbindet die drei Orte: »Appertshofen im See, Hitzhofen im Klee, Pettenhofen am Sand sind drei Marienkirchen hier wohlbekannt«. Das jährliche Fest fand an Mariä Heimsuchung (2. Juli) statt und dauerte drei Tage. Das Gnadenbild der im 17. Jh. sogenannten »Drei mal

Patrozinium: Mariä Geburt

Zum Bauwerk: Die ursprünglich als romanische Wehrkirche auf einem Hügel südwestlich des Ortes errichtete Kirche ist 1182 erstmals urkundlich erwähnt, Weihe 1182/96 durch Bischof Otto. Vom romanischen Bau ist der untere Teil des Chorturms erhalten. 1694 und 1714 teilweiser Neubau, jedenfalls Verlängerung um etwa 10 m und Erhöhung des Saalbaues, wahrscheinlich unter der Leitung des Eichstätter Hofbaumeisters Johann Jakob Engel. Weihe am 21.10.1714. Der Turm wurde nach 1738 nach einem Riss von Domenico Barbieri (von 1727) erhöht, die Turmkuppel 1793 nach Plänen von Domenico Maria Salle erneuert.

Der Aufschwung der Wallfahrt durch einen 1776 gewährten Ablass für alle Tage des Jahres (DAEI, Urkunde 1143) gab wohl den Anstoß zu einer Kirchenrenovierung im Jahr 1778. Nach einem Schreiben des Pfarrers Steberle war »alles ganz schlecht, besonders der Hochaltar ganz baufählig«. Für einen neuen Hochaltar und Nebenaltäre wurden Kostenanschläge »von dem Eichstättischen Hofmaler Herrn Franz und von einem Schreiner und Bildhauer von Neuburg« angefordert, die sich zusammen auf 400 fl. beliefen, hinzu kamen Unkosten für die Kanzel. Zur Ausführung kam nur eine neue Orgel. Für das Tünchen wurden weitere 50 fl. veranschlagt: »Da das Inner der Kirche ganz vergraut, schwarz und abscheulich ist, so könnte etwa das ausweissen und ausbessern sich noch auf 50 fl belaufen« (DAEI, Pettenhofen, Pfarrakten II).

Chorturmkirche. Quadratischer, niedriger Chorraum (4,40 x 4,20m) mit Kreuzgratgewölbe; relativ niedriger, flachgedeckter Saalraum (19×6,50m) zu vier Achsen mit Pilastergliederung und umlaufendem Gesims. Belichtung durch Stichbogenfenster in den östlichen drei Jochen. Tiefe niedrige Empore im Westen. Vorwiegend gegossener und gezogener Stuck wohl von italienischen Stuckatoren aus dem Umfeld Engels. Stilistisch lassen sich die Blattwülste um das Mittelfresko (die gleichartigen Blattwülste im Chor sind bei der Restaurierung 1980 von der Firma Pfaller neu angelegt worden) und die Blattfriese z. B. in den Fensterlaibungen in die erste Bauphase von 1694 datieren: damals erhielt die Kirche wohl ihre heutigen Ausmaße und neue Fenster. Mit dem Datum 1714 kann man die Pilastergliederung, das umlaufende Gesims und die übrige Felderung der Decke in Zusammenhang bringen. – Im Choraltar, datiert um 1740, steht das gotische Gnadenbild; Seitenaltäre und Kanzel Ende 17. Jh.

Auftraggeber: Pfarrer zur Zeit der Ausmalung 1778 durch Johann Michael Franz war Franz Xaver Steberle (1775/78). In den Pfarrakten wird Johann Michael Franz nur in Zusammenhang mit Malerarbeiten an den geplanten Altären genannt; das heißt die Deckenbilder müssen gestiftet worden sein (DAEI Pettenhofen, Pfarrakten II, Brief des Pfarrers Franz Xaver Steberle vom 26. Feb. 1778).

Autor und Entstehungszeit:

Ausmalung 1694/1714 (nicht erhalten): Die Fresken von Johann Michael Franz ersetzten »die völlig abgestandenen« älteren Freskogemälde aus der Umbauzeit (DAEI, Brief Pfarrer Steberles vom 26. 2. 1778). Es ist anzunehmen, dass damals alle drei Bildfelder bemalt waren, heute ist das Bildfeld über der Orgel leer.

461 0186116611 Ausmalung 1778: Johann Michael Franz 1778 (* 1715 Dirlewang † 1793 Eichstätt). Fresko B ist signiert und datiert Jo: Mich: Franz/inven. et pinxit. 1778.

Der 63jährige Maler hat sich in Fresko B in der Figur des Apostels Johannes als eine noch jugendliche, selbstbewusste Persönlichkeit porträtiert.

Die Kreuzwegbilder sind signiert: Antoni Koll, pinxit in Kipfenberg 1759.

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Der Kirchenraum nach Weste.
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A Mariä Heimsuchung (Johann Michael Franz 1778)
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Befund

Träger der Deckenmalerei: Flachdecke mit Hohlkehle Rahmen: A Blattwulst, mit vorgeformten Stuckblättern belegt, eingefasst von schmalem Blattstab, B gezogene Stuckrahmen Technik: Fresko; polychrom

Maße: A Höhe 5,80 m; Durchmesser 2,85

B Höhe 5,80 m; 2,25 x 3,60

,, , , , , , , , , , , , , , , , , , , , Erhaltungszustand und Restaurierungen: Renovierung um 1836, 1889 »Erneuerung der Tünche und Dekorationsmalerei« durch den Fassmaler Johann Betz von Berching (StAM, LRA 107546). Einen Eindruck dieser Innendekoration gibt eine Raumansicht bei Winkelmeyr (S. 50). 1932 Innenrestaurierung durch Fa. Paul Kronwitter, Günzburg, und Kunstmaler Erwin Vogt, München. Laut Gutachten Josef Blatner, BLfD, bedurften »die ziemlich verschwommenen Fresken einer künstlerischen Wiederherstellung« (StAM, LRA 25114). 1955 Innenrestaurierung und Trockenreinigung der Fresken durch Georg Löhnert, Ingolstadt, 1980 durch Fa. Rudolf Pfaller, Ingolstadt. Die Fresken zeigen im ganzen den originalen Malduktus von Johann Michael Franz, aber auch Farbverluste in einzelnen Partien.

Beschreibung und Ikonographie

A MARIÄ HEIMSÜCHUNG Rundgemälde. Eine palastartige Architekturkulisse, die sich vom rechten Bildrand weit in die Bildtiefe entwickelt, hinterfängt die Figuren der Bildmitte. Auf einer Estrade begegnen sich Maria und Elisabeth und reichen sich die Hände, gefolgt von ihren Männern Joseph und Zacharias. Maria in rotem Kleid und blauem Mantel trägt auf dem Kopf einen runden Strohhut. Ein Kranz von kleinen weißen Sternen kennzeichnet sie als Immaculata. Auf einer großen Wolke, die den oberen Teil des Bildfeldes einnimmt, erscheint ein Engel, der auf Maria und in den Himmel weist, wo das IHS-Monogramm im Strahlenkranz auf die himmlische Empfängnis deutet.

Sandtöne, die stellenweise zu Grün oder Blau hinüberspielen, beherrschen farblich das Bild. Nur die Gestalt der Maria ist mit leuchtenden Farben hervorgehoben und ebenso die in Grün und Violett gewandete Elisabeth.

B MARIÄ HIMMELFAHRT Breitformatige Darstellung, dicht mit Figuren gefüllt. In einer Landschaft umstehen die zwölf Apostel den auf einem Stufenpodest stehenden Steinsarkophag. Maria schwebt auf einer aus dem Sarg aufsteigenden Wolke gen Himmel, wo sie in eine Glorie aus gleißendem Licht taucht. Auf einem der im Vordergrund liegenden großen Steine lehnt der abgenommene, steinerne Sargdeckel. Links im blassgelben Mantel ist Petrus nieder gekniet, rechts sitzt Paulus im blassvioletten Gewand, den blauen Umhang über den Schoß gelegt. Ein rot gewandeter Jünger rechts zieht das Leichentuch aus dem Sarg und weist es dem Betrachter vor. Es ist weiß und ohne Flecken und einige Rosen liegen darauf. Der Jünger links im Bild wendet sich als einziger nicht dem Geschehen der Himmelfahrt zu. Die porträthaften Züge dieses dunkelhaarigen, leicht ergrauten Herrn mit Stirnglatze lassen auf ein Selbstporträt des Malers Johann Michael Franz schließen, der sich hier unter den greisen Jüngern als der Jüngste, entsprechend seinem ersten Vornamen in der Person des Johannes, dargestellt hat. Bekleidet mit einem stoffreichen Gewand aus grüner und einem Überworf aus rosa Seide blickt er mit Gelassenheit und Stolz aus dem Bild heraus auf den Betrachter. Als Evangelist trägt Johannes ein Buch, das auch auf die Bildung des Malers Franz anspielt, der das Gemälde auch als Inventor signiert hat: Jo: Mich: Franz/inven. et pinxit. 1778.

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Quellen und Literatur

DAEI Pettenhofen, Pfarrakten II. StAM, LRA 107546, 25113, 25114. BLfD, Akt Pettenhofen, Pfarrkirche Mariä Geburt.

Buchner Archivinventare 1918, S. 295 ff. Buchner Bistum Eichstätt 1938, S. 354–358. KDB I OB (1), S. 87f. (Deckenbilder nicht erwähnt). Rauwolf, Ernst, Pettenhofen, ein vergessener Marienwallfahrtsort, in: IH 14, 1951, S. 17f. Das »wundertätige Gnadenbild von Bettenhouven«(o.V.), in: IH 23, 1960, S. 14–16

Hofmann, Siegfried, Heimatbuch des Landkreises Ingolstadt München 1963, S. 32.

Neuhofer, Theodor, Beiträge zur Kunstgeschichte des Hochstifts Eichstätt, in: SHVE 61, 1965/66, S.71-74. Mehringer, Wendelin und Martin Marberger, Wallfahrtskirche Pettenhofen, »Wunderbuch von 1723«, Pettenhofen 1981.

Denkmaltopographie Ingolstadt, Bd II, S. 592f. (Winkelmeyr, Stefan), Pfarrkirche Mariä Geburt Pettenhofen, hg. Pfarrgemeinderat Pettenhofen, Ingolstadt 2004. Dehio OB 2006, S. 1047.

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Der Apostel Johannes, Selbstbildnis Johann Michael Franz?