Oberhausen, Filialkirche St. Mauritius
Filialkirche, Pfarrei Huglfing, Diözese Augsburg; z. Z. der Ausmalung als eigene Pfarrei dem Kloster Polling inkorporiert, Kloster-Ettalisches Gericht Murnau
Patrozinium: St. Mauritius
Zum Bauwerk: Die bereits zu Beginn des 18. Jh. baufällige Kirche wurde nach dem Spanischen Erbfolgekrieg unter Pfarrvikar Gaudenz Fischer, Chorherr von Polling, aus Spendenmitteln der Pfarrgemeinde neu errichtet und war ca. 1750 fertiggestellt. Die Innenausstattung war zu diesem Zeitpunkt noch nicht vollendet (vgl. hierzu den Bericht Gaillers, S. 175-76). - Einfacher Saal mit eingezogenem AR; der westlichste Teil des Langhauses späterer Anbau
Autor und Entstehungszeit: Signatur in A, unter der Hinrichtungsszene: J. S: TROGER. INV: ET PINX: (Johann Sebastian Troger, * um 1735 †1792). Als Entstehungsdatum für die Ausmalung ist am Chorbogen die Zahl 1784 angegeben; sie ist zwar im 20. Jh. erneuert, beruht aber wohl auf einer ursprünglichen Inschrift (vgl. Weilheim St. Pölten, freskiert 1782).
Befund
Träger der Deckenmalerei: A und B Tonne mit Stichkappen
Rahmen: imitiertes Stuckprofil
Technik: Fresko; polychrom
Maße: A Höhe 7,10 m; 5,60 × 3,70 m. B Höhe 6,70 m; 4,20 × 2,80 m.
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Letzte Restaurierung 1902. In A und B deutlich erkennbar ausgebesserte Risse; die Malerei ist in beiden Freskofeldern sehr schadhaft und verschmutzt.
Beschreibung und Ikonographie
A MARTYRIUM DES HL. MAURITIUS Das Bild ist streng zweiansichtig komponiert: Zwischen östlicher und westlicher Hälfte gibt es keine Zusammenhänge und keine überleitenden Elemente. Die Untersicht ist mäßig; die Verkürzung uneinheitlich gehandhabt. Betrachterstandorte unterhalb des westlichen und östlichen Bilddrittels. Die Hauptszene liegt in der Ansicht nach Osten: Auf Wolken, die sich in dem lichten Himmel zusammenballen, thront im Zentrum der gesamten Bildanlage Fides mit Kreuz, Kelch und Gesetzestafeln, ausschließlich auf die östliche Szene bezogen (die Darstellung der Fides ist eine... typische Symbolik der...).


OBERSÖCHERING
Pfarrkirche St. Peter und Paul Pfarrkirche St. Maria S. 442
Wiederholung der Fidesfigur von 1782 in Weilheim, St. Pölten). Unterhalb dieser Gestalt schweben drei Putti mit Palmwedeln und Martyrerkranz zu der irdischen Szene hinab: dort kniet auf einem flachen Grashügel der hl. Mauritius, hinter dem der Henker mit dem Schwert zum Schlag ausholt. Am Boden liegen die Köpfe seiner bereits enthaupteten Gefährten. Rings um diese Szene drängen sich die Zuschauer: rechts im Vordergrund vor einer hohen Säule mit Standbild des Jupiter ein Hoherpriester und seine Begleiter, links Wächter auf grasbewachsenen Steinen. Vom Hintergrund heran drängt ein Heer bewaffneter Soldaten. Da hinter der schmalen Bühne, auf der die Enthauptung stattfindet, der Boden abfällt, sind diese nur zur Hälfte sichtbar. Den Bildschauplatz begrenzt nach hinten rechts in der Ferne die malerische Kulisse einer Stadt mit Mauer, Türmen und Kuppeln.
In der Ansicht nach Westen sind die Figuren in einen weit größeren Maßstab gegeben. Hier drängt sich das Geschehen auf einer seichten Vordergrundsrampe zusammen, die rechts von einem Baum, links vom über einige Stufen erhöhten Zelt des Kaisers begrenzt wird. Die Vorderwand des Zeltes ist aufgeschlagen, im Innern sitzt der Kaiser auf einem Thronsessel und senkt seinen Stab ge mel weist und sich weigert, den Göttern zu opfern. Hinter Mauritius drängen sich einige Soldaten mit Spießen und Hellebarden. Ganz nach vorne gerückt ist ein steinerner Sockel mit einer Jupiterbüste.
Die ockertonige Farbigkeit des Freskos wirkt im jetzigen Erhaltungszustand sehr dumpf. Nur in den Gewändern kommen Buntfarben vor, auch da gebrochen und dem Grundton angenähert: Rosenholz, Rotbraun, Karmin. Ausnahme ein helles kaltes Blau und wenig mattes Grün an zwei Palmen.
Mauritius war der Oberanführer der Thebäischen Legion, die aus Christen bestand. Er und sein Heer wurden zwischen 280 und 300 bei Agaunum in Gallien zuerst dezimiert und dann bis zum letzten Mann niedergemetzelt, als sie sich weigerten, den Göttern zu opfern (Ribadeneira-Hornig, Bd 2, S. 418 f.)
A1-4 CHRISTLICHE SYMBOLE (keine Abbildungen) Die ornamentalen Malereien an der Decke scheinen nicht mehr durchweg ursprünglich zu sein. Die vier Medaillons in den Stichkappen zeigen:
A1 Die Buchstaben A und O auf den Seiten eines aufgeschlagenen Buches weisen auf Gott (Christus) hin

A2 Der eucharistische Kelch bedeutet Fides
A3 Das brennende Herz ist Symbol der Caritas
A4 Die Krone ist wohl als Martyrerkrone auf den hl. Mauritius zu beziehen
B GLORIE DES HL. MAURITIUS Einansichtige reine Himmels- und Wolkenszene. Das gesamte Bildfeld ist angefüllt mit drängenden Wolken in hellen und dunklen Ockertönen. Christus Salvator hält einen Lorbeerkranz über das Haupt des hl. Mauritius.
Die Farbigkeit zeigt nach dem typisch Trogerschen Schema vor der Hintergrunds- und Schauplatzfarbe Ocker in allen Schattierungen ein sehr stumpfes, gebrochenes Karminrot in den Gewändern von Christus und Mauritius.
Quellen und Literatur
Gailler, Franciscus Salesius, Vindeliciae Sacrae Tomi 3... Capitulum Weilheimense, Augsburg 1756, Cap. 21. Braun-Augsburg, Bd 1, S. 344 (Hausen). KDB I OB (1), S. 709 f
Damrich, Johann, Johann Sebastian Troger und seine Sippe, in: Weilheimer Sonntagsblatt 12, 1935, S. 35.
Mauthe, Willi, Der Pfaffenwinkel, Weilheim 21964, S. 40.