Obersöchering, Pfarrkirche St. Peter und Paul
Pfarrkirche St. Peter und Paul, Diözese Augsburg; z. Z der Ausmalung Filialkirche der Pfarrei St. Maria, au welche Kloster Benediktbeuern das Präsentationsrech hatte. Gericht Weilheim
Patrozinium: St. Peter und Paul
Zum Bauwerk: Die mittelalterliche, 1303 geweihte Kirche wurde laut Inschrift am Chorbogen 1728 neu erbaut; Weihe 1734. Einfacher Saal zu drei Jochen mit Pilastergliederung. Eingezogener, annähernd quadratischer AR mit dreiseitigem Schluß; im W Empore
Autor und Entstehungszeit: Signatur auf dem Säulensockel in B Joh: Seb: Troger / inv: / et Pinxit. / 1789 (Johannes Sebastian Troger * um 1735 †1792, vgl. Weil heim St. Pölten).
Befund
Träger der Deckenmalerei: A verschliffenes Kreuzgratgewölbe; B Stichkappentonne
Rahmen: A und B imitierte Stuckrahmung
Technik: Fresko; polychrom Maße: A Höhe 8,30 m; 9,75 × 6,00
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Restaurierung 1900. A und B sichtbar ausgebesserte Risse, verschmutzt; in B Feuchtigkeitsschäden

Beschreibung
A MARTYRIUM DER HLL. PETRUS UND PAULUS Fresko A zieht sich fast über das ganze Langhausgewölbe hin. Umlaufende terrestrische Szenerie mit zwe Hauptansichten gegen O und W. Betrachterstandort unterhalb des mittleren Bilddrittels (aus der Mitte nach W
hin verschoben). Die Ansicht nach S zeigt hinter einer schräg zum Rand verlaufenden Erdscholle mit zwei Palmen im Hintergrund eine Stadt mit Mauer und Wehrtürmen, mit Kuppeln, Tempeln und Palästen. Nach N fällt der Blick auf eine üppige, stimmungsvolle Waldlandschaft. An den beiden Hauptansichtsseiten erhebt sich die terrestrische Szene zu bühnenartigen Landschaftsbauten aus Hügeln, Schollen und spärlich bewachsenem Grasland. Wegen dieser Erhebungen und Betonungen der O- und W-Seite und wegen der wechselnden Fluchtpunkte der Höhen- und Tiefenlinien stellt sich der Eindruck einer räumlichen Einheit im Bild nicht ein.
In einer lichten Glorie steht Christus mit dem Kreuz von dem auf Wolken thronenden Gottvater: darüber die Taube des Hl. Geistes. Darunter halten drei Putti Anker Kelch und brennendes Herz in Händen, die Symbole für Spes, Fides und Caritas.
Diese himmlische Gruppe ist auf die Ansicht nach O bezogen, auf die Darstellung des Martyriums des hl. Petrus. Im Mittelgrund auf einem hellerleuchteten Hügel wird das Kreuz, an dem der hl. Petrus kopfüber hängt, von zwei Henkern in das vorbereitete Loch gestemmt. Aus dem Hintergrund kommen Soldaten mit Lanzen und Feldzeichen heran. Im Vordergrund Zuschauer, die in einem Graben stehend wiedergegeben sind.
Wie in der O-Ansicht finden wir auch im W den von einem unbewachsenen Erdhügel gebildeten Schauplatz, auch hier in einen Graben nach vorn abbrechend. Der hl. Paulus erwartet kniend den Schlag des Henkers. Viel Volk ist anwesend, Kriegsknechte, Offiziere, Herren und Damen. Die Farbigkeit des Deckenbildes ist beispielhaft für Troger, typisch für ihn ist die ockerfarbene Tonigkeit des Bildes. Der Wald ist grünlich-ocker gemalt, die Architektur spielt von hellem Ocker ins Graurosa, das Inkarnat ins Gelbliche. Buntfarben treten auch in den Gewändern nicht rein auf. Am häufigsten ist ein Braun-Karmin in verschiedenen Intensitätsgraden, dazu helles, kräftiges Blau. Die dritte Buntfarbe Trogers ist ein kaltes Olivgrün; hier im Gewand des hl. Paulus.
Innerhalb dieser Gesamttonigkeit wechselt aber die Hellig keit stark: vom tiefen Dunkel des Vordergrunds bis zu lichten, fast farblosen Glorie. Auch innerhalb der einzelne Zonen arbeitet Troger mit verhältnismäßig starken Hellig keitskontrasten.
Der Tradition nach erlitten die beiden Apostel gleichzeitig in Rom den Martertod. Paulus wurde als römischer Bürger enthauptet, Petrus als Jude gekreuzigt. Nach der

Acta bat Petrus darum, ihn mit dem Haupt nach unten zu kreuzigen, da Christus aufrecht am Kreuze gestorben war. Die mächtigen Bauten an der S-Seite des Deckenbildes stellen Rom dar. Die Darstellung folgt im wesent-
lichen den apokryphen Berichten der Acta S. Petri und der Acta S. Pauli (vgl. Edgar Hennecke und Wilhelm Schneemelcher, Neutestamentliche Apokryphen in deutscher Übersetzung, Bd 2, Tübingen 1964, S. 216—21 u. 265—68).

B Schlüsselübergabe an Petrus – Bekehrung Pauli B SCHLÜSSELÜBERGABE AN PETRUS – BEKEHRUNG PAULI Das Fresko des Altarraumes ist von der Blickrichtung her einansichtig, es sind jedoch zwei voneinander unabhängige Szenen nebeneinander gesetzt und zwar formal gleichwertig. Das Besondere und äußerst Seltene daran ist, daß jede Szene eine eigene himmlische Erscheinung hat. Eine vom unteren Bildrand aufragende hohe Säule und darüber ein dunkler vertikaler Wolkenstreifen trennen die beiden Szenen. Links sieht man in eine friedliche Landschaft: Hinter einem dunklen Repoussoir mit zwei Rückenfiguren eine helle Wiese, links begrenzt von einem Baum, Buschwerk und einem Haus. Im Hintergrund steigt ein Hügel auf, der einen Rundtempel mit Kuppel trägt. Darüber weitet sich ein lichter Himmel, dessen zartfarbige Wolken sich zur Glorie runden, in der, von einer Strahlensonne umgeben, ein Trinitätssymbol erscheint (ein Dreieck mit drei Flammenzungen).
Im Mittelgrund dieser Szene kniet Petrus vor Christus, der ihm die Schlüssel reicht; hinter dieser Gruppe sind die anderen Apostel dargestellt.
In stärkstem formalen und inhaltlichen Gegensatz zu dieser friedlichen und einfach komponierten Szene steht rechts im Bild die Bekehrung Pauli. Auf einem kahlen Grashügel
hinter einer dunklen Repoussoirzone ist Saulus gestürzt, sein Pferd ist in die Knie gebrochen, während sich die Pferde seiner zwei Begleiter wild aufbäumen. Ein Soldat versucht dem am Boden liegenden Saulus zu helfen, während andere entsetzt in den Hintergrund flüchten. Engel schweben über der Szene und tragen eine schwere Wolkenbank, auf der Christus mit dem Kreuz erscheint. Von seinem Mund geht ein Inschriftstrahl aus, der den gestürzten Saulus trifft: Saule Saule Quid Me Persequeris? (Act 9,4). Blau und ein bräunliches Karminrosa, dazu das helle Orange vom Gewand Christi sind die einzigen Buntfarben vor der ockerfarbigen Gesamttonigkeit.
Die symbolische Schlüsselübergabe an Petrus (Mt 16,18-19) bedeutet die Gründung der Kirche auf dem Fels-Petrus, wortgetreu wiedergegeben durch den Rundtempel auf dem Hügel im Hintergrund. Zugleich sind Papstkreuz, Kelch und Tiara, die auf der Mittelsäule angebracht sind, Ecclesia-Attribute und Hinweise auf das päpstliche Rom. Die Bekehrung Pauli auf dem Weg nach Damaskus zu einer neuen Christenverfolgung (Act 9,3-6) bedeutet zugleich seine Berufung als Apostel.
Literatur siehe S. 443