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Niederaschau, Pfarrkirche Mariä Reinigung

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 12, Teil 2: Stadt und Landkreis Rosenheim. Hirmer, München 2006, ISBN 978-3-7774-3355-4, S. 367–379, geschrieben von Bauer-Wild, Anna. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Pfarrkirche. Niederaschau war bis 1680 Filiale der Pfarrei Prien, die dem Augustiner-Chorherrenstift Herrenchiemsee inkorporiert war. Auf Betreiben von Johann Maximilian (Max II.) Graf von Preysing-Hohenaschau wurde durch seinen Onkel Johann Franz Graf von Preysing-Hohenaschau, Fürstbischof von Chiemsee, Niederaschau zur selbständigen Pfarrei erhoben, die ebenfalls Herrenchiemsee inkorporiert war. Sie wurde seit damals fast ausschließlich von Konventualen aus Herrenchiemsee betreut. Die Pfarrei hatte drei Exposituren, Frasdorf mit Umratshausen, Bernau und Sachrang. Zur Pfarrei Niederaschau gehörte auch das Benefizium an der Schloßkapelle Hohenaschau. Die Rosenkranzbruderschaft wurde an der Kirche auf Betreiben Johann Christoph von Preysings 1619 eingeführt.

Patrozinium: Mariä Reinigung (Lichtmeß)

Zum Bauwerk: Neubau des Chors Anfang des 15. Jh., Neubau des Langhauses in der zweiten Hälfte des 15. Jh. Der spätgotische Bau war eine zweischiffige Halle zu vier Jochen; der einjochige AR mit 5/8 Schluß lag in der Achse des nördlichen Langhaus-Schiffs. Das südliche Langhaus-Schiff war wesentlich schmäler als das nördliche. Neue Altarausstattung in der zweiten Hälfte des 17. Jh. Ab 1670 Renovierung der Kirche durch den Hohenaschauer Gerichtsmaurermeister Georg Steindlmüller d. Ä. von Schlechtenberg unter dem Pfarrvikar Matthias Winkler (1680–90; er wurde später Pfarrer in Grassau, s. CBD Bd 11, S. 54 f.).

Barockisierung 1702: Abschlagen der Rippen und Innendekoration; Stuckierung durch Giulio Zuccalli, gen. Christofori, den Pfarrer Winkler um 1705 auch für die Pfarrkirche Grassau verpflichtete: (s. dazu Bomhard, S. 328 und Anm. 633; ausführliche Baugeschichte S. 314–19). 1728 Neubau der Empore.

C Enge

1752/54 Erweiterung der Kirche, die nicht zuletzt durch den vermehrten Andrang der Gläubigen wegen der Rosenkranzbruderschaft notwendig geworden war. Zunächst war ein Neubau geplant, bei dem für die Ausmalung 500fl. veranschlagt waren. Man entschloß sich aber wegen der niedrigeren Kosten (der Neubau sollte 12 035 fl. kosten, der Umbau 6259 fl.) zum Umbau, für den der Gerichtsverwalter und die Mayrschen Erben (s. u.) plädierten. Planung im Frühjahr 1752 Konsens des Bischofs von Chiemsee am 10.4.1752, Legung des ersten Steins am 22.4.1752, feierliche Grundsteinlegung am 29.5.1752. Baumeister war Wolfgang Steinpeiß, Stiftsmaurermeister von Attel. Das Langhaus wurde nach Westen um ein Joch verlängert und ein Seitenschiff im Norden angebaut, das dem schon bestehenden südlichen Seitenschiff entsprach, sodaß ein dreischiffiges Langhaus entstand. In den alten Bauteilen wurden die Fenster vergrößert. Schließen des Gewölbes am 21.10.1752; 1753 Innenverputz mit Stuckierung der neueren Teile im Stil der alten durch Wolfgang Steinpeiß sowie Herstellen des großen Hauptbildfeldes B. Fertigstellung 1755. Gleichzeitig mit dem Bau wurde die Einrichtung renoviert bzw. verändert und zwei neue Seitenaltäre aufgestellt. Feierliche Weihe am 10.8.1758 durch Franz Carl Eusebius von Friedberg und Trauchburg, Fürstbischof von Chiemsee.

1836 Baureparaturen durch Florian Scheck, Maurermeister am Berg bei Prien. 1904 nochmalige Erweiterung der Kirche auf Veranlassung von Theodor Freiherr von Cramer-Klett, dem damaligen Besitzer des Schlosses Hohenaschau, durch Max Ostenrieder aus München: Abbruch der gesamten Ostpartie und Neubau eines großen Chors mit niedrigem Umgang und Sakristei. 1929 Vereinfachung des neobarocken Chors von 1904: statt der reichen Stuckierung von 1904 wurde eine einfachere angebracht. Neuer Hochaltar.

Dreischiffiges LHs zu fünf Jochen, Mittelschiff und Seiten schiffe sind durch Spitzbogenarkaden auf Rundpfeilern getrennt, halbe Rundpfeiler gliedern auch die Seitenschiffwände. Empore im W; gleichmäßige Belichtung durch große Rundbogenfenster im S und N in allen Jochen. Hinter einem einge-zogenen Zwschenjoch öffnet sich der neobarocke Chorraum von 1904. Die Deckenbilder befinden sich im LHs.

Auftraggeber: Für die Barockisierung und Ausmalung 1702 Thomas Mayr, Hofwirt zu Niederaschau. Er war Wirtssohn aus Ebbs, erwarb 1676 die Hoftaferne in Niederaschau und war u. A. zur Hälfte Besitzer des Eisenwerks am Pillersee in Tirol (»Pillerseeischer Eisenhandls Mitgewerckh«). Sein Wappen befindet sich am Chorbogen. Thomas Mayr war ein äußerst reicher Mann, laut Sterbeeintrag am 19.9.1714 war er ein »Dominus praeclarus ac virtuosus ... vir suo tempore famosissimus«. Er hinterließ ein Vermögen von 30 000 fl., wovon er 3000 fl. der Kirche Niederaschau bestimmt hatte. Mit dem ehemaligen Niederaschauer Pfarrvikar Matthias Winkler (1680–90), späterem Pfarrer von Grassau verband ihn eine Freundschaft, die soweit ging, daß Winkler Taufpate seiner Kinder wurde, auch der Mädchen, nachdem er längst Pfarrer von Grassau war. Propst von Herrenchiemsee war zur Zeit der ersten Ausmalung Jakob V. Mayr (1691–1717); Pfarrvikar von Niederaschau der Herrenchiemseer Konventuale P. Johann Baptist Dyer. Besitzer der Herrschaft Hohenaschau war Max II. Graf von Preysing-Hohenaschau (1668–1718); Gerichtsverwalter war Caspar Purkweger, der auch seinerseits viel für die Kirche stiftete.

»Herr Thomaß Mayr, Hofwürth zu Nidernaschau, (hat) in disem Pfarrgottshauß nit allein alle in dennen Gewelbern vorhandten geweste, zieglene Senckhl, herunder hauen, unnd als dan die ganze Kürchen, mit einem ganz neuen Wurff ausmachen unnd ausweissen, sondern auch mit sauberer Stuccador Arbeit außziehren unnd noch darzue 18 Veldungen in Fresco ausmahlen lassen, unnd hiermit zimblich grosse Spese aufgewendtet, Als hat nach so schön ausgeziehrten Gottshaus, ain Notturfft zu sein geschienen, daß man auch die ganz abferbig gweste Apostl- unnd Weichcreuz, unnd mehr anders hat renoviren lassen müessen, derentwegen Jacoben Karnutsch Mallern zu Prienn ... bezalt (wurden) 22 f. « (StAM, HH R 2824; s. auch Bomhard, S. 313). »Unnd weillen obenangeregter Herr Mayr Ihmo Karnutsch ein Geding mit der Ausmahlung des Gotshaus gar zu genau gehalten, unnd Er Karnutsch solches dennen Geisst- unnd Weltlichen Kürchenschuzherrschafften geclaget, unnd um einen Recompens unnd Bösserung geziments gebetten, haben dieselben Ihmo zu geben bewilliget 6f.« (ebd.). Bei der Planung des Neubaus 1752 gehörten Mayrs Erben zu den Gegnern des Plans, da sie nicht wollten, daß das schöne Gewölbe »mit Stuckador und Ausmahlung«, das der Vater gestiftet hatte, zerstört werde (AEM).

Für die Erweiterung 1751/55 stand das Legat Thomas Mayrs von 3000 fl. zur Verfügung; außerdem wurden Gelder von den Filialen Niederaschaus aufgenommen (die Gesamtkosten betrugen 8443 fl.). Die Ausmalung der Kirche ist in der Kirchenrechnung aufgeführt. Propst von Herrenchiemsee war in der fraglichen Zeit Floridus Rappel (1736–59); Pfarrvikar von Niederaschau war 1751, also bei Baubeginn, P. Antonius Copaur; später P. Paulus Moser, der auch die Kirchenrechnung führte und mit den Handwerkern paktierte. Herr der Herrschaft Hohenaschau war zur Umbauzeit Max IV. Graf von Preysing-Hohenaschau (1739–64), Gerichtsverwalter Johann Achaz Parucker.

Autor und Entstehungszeit:

Ausmalung 1702 (C, 2-3): Jacob Carnutsch (* 1650 Ort unbekannt † 1716 Prien) 1702

Als Autor der Freskierung von 1702 ist Jacob Carnutsch zwar in der Kirchenrechnung nicht genannt, da die Ausmalung von Thomas Mayr bezahlt wurde, doch geht seine Autorschaft sicher aus der oben genannten Bewilligung des >Recompenshervor (s. Auftraggeber). In der Kirchenrechnung sind kleinere Arbeiten Carnutschs wie das Renovieren der Apostelkreuze abgerechnet (s.o. und HH R 2826: fünf Antependien 1703).

Jakob Carnutsch war in Prien ansässig. Die Herrschaft Hohenaschau hatte keinen eigenen Maler und griff meist auf Priener Maler zurück. 1705 verpflichtete Pfarrer Winkler für die Dekoration seiner Kirche in Grassau nicht nur den Stuckator von Niederaschau, sondern auch Jacob Carnutsch.

Ausmalung 1753/54 (A, B, B1-8, 1, 4-10): Balthasar Mang (* 1720 Arget † 1803 Buchbach) 1754. Signatur am O-Rand von B Balthasar Mang Pinxit. / Ano 1754.

Bei der Erweiterung und Neudekorierung der Kirche in der Mitte des 18. Jh. hat man zwar die Stuckierung von 1702 beibehalten und die neugebauten Gewölbe dazu passend stuckiert, die Deckenbilder aber wurden neu gemalt. Der Auftrag wurde an Joseph Tiefenbrunner (s. S. 380) gegeben: »Das bishero hergestelte Gepeu, oder Kirchen, hat man folgents durch Josephen Tiefenpruner Mahler zu Traudterstorf, der Herrschaft Wildenwartt, in fresco ausmahlen lassen, und derentwillen mit demselben pactirt, ihme für seinen Verdienst 440 f. zu bezahlen« (StAM HH, R 2975). Die Hand des Priener Malers Joseph Tiefenbrunner, der die neben der Pfarrkirche gelegene Kreuzkapelle ausmalte, ist allerdings in den Fresken der Pfarrkirche nicht feststellbar, wohl aber ist in den meisten Deckenbildern der Stil Balthasar Mangs, der auch das Hauptfresko signierte, unverkennbar. Der Widerspruch zwischen der Signatur und dem stilistischen Befund einerseits und dem Rechnungseintrag andererseits kann nur so erklärt werden, daß Balthasar Mang als Geselle Tiefenbrunners arbeitete (im gleichen Jahr 1754 noch machte Mang sich in Buchbach bei Dorfen ansässig). Tiefenbrunner war mit der vereinbarten Zahlung nicht zufrieden und erbat »in Ansehung meiner bekhandten Armuth« einen Recompens (HH, R 2977). Er war neben der Freskierung noch mit mehr kleineren Renovierungs- und Vergoldungsarbeiten beauftragt; beim Vergolden des Tabernakels half sein Sohn Franz Xaver Tiefenbrunner.

Daß Joseph Tiefenbrunner einen Gesellen beschäftigte, geht aus einem Eintrag in der Kirchenrechnung hervor: Tiefenbrunner hatte das Malen der »12 Apostl Leichtern in der Kürchen, auf sich genomen, zugleich auch die darünnen befindliche 2 Seithen Altär gepuzt, worfür deme zusamen 52 f. und für seinen Gesöllen 10 f. (sehr hoch!) Trinkhgelt zuegesagt worden ...« (HH, R 2975); dieser Geselle dürfte mit Balthasar Mang identisch sein. Mang war ein bedeutend besserer Freskant als Tiefenbrunner.

Neben den Partien, die unverkennbar von Mang stammen, sind auch schwächere Partien festzustellen, bei denen sichtlich ein weit unfähigerer Maler Hand angelegt hat. Dies war aber nicht Joseph Tiefenbrunner und auch nicht der in Frauenchiemsee ansässige Balthasar Furtner, der bedeutend besser freskierte als dieser unbekannte Mitarbeiter Mangs in Niederaschau.

Balthasar Mang, * 1720 als Sohn eines Schuhmachers in Arget, erlangte durch die Heirat mit der Malerswitwe Therese Mazole am 14.5. 1754 die Malergerechtigkeit in der Hofmark Buchbach, wo er am 1.8. 1803 starb. Er brachte es in den sechziger Jahren in der Umgebung Buchbachs zu einem recht ansehnlichen Oeuvre als Freskant (s. in CBD Bd 8, Mühldorf)

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs und südliches Seitenschiff verschliffenes Kreuzgratgewölbe; nördliches Seitenschiff (Neubau 1752; die Gewölbeform des alten südlichen Seitenschiffs wurde dabei nachgeahmt) Muldengewölbe; die Fresken befinden sich im LHs (A, B, C und B1-8) und in den Seitenschiffen (1-10); der alte Chor wurde 1904 unter Theodor Freiherr von Cramer-Klett abgebrochen.

Rahmen: A und C querrechteckige Bildfelder mit eingerundeten Ecken, schwerer Stuckleistenrahmen mit Akanthuskranz B längsrechteckiges Bildfeld mit leicht geschwungenen Längsseiten, Stuckprofil mit Akanthuskranz; B1-8 herzförmige Kartuschen, von Akanthusornament umgeben; 1-10 hochformatige Ovalmedaillons mit kräftigem Stuckrahmenleisten und Akanthuskranz

Technik: Fresko; alle Deckenbilder sind polychrom

Masse: A Höhe 10,30 m; 2,90 × 5,10 B Höhe 10,30 m; 12,00 × 4,80 C Höhe 10,30 m; 2,90 × 5,05 1-5 Höhe 8,70 m; 2,60 × 1,70 6 Höhe 8,70 m; 2,60 × 1,50 7–10 Höhe 8,70 m; 3,10 × 1,40

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Außenrestaurierung 1836; Neutönung des Kircheninnern 1852.1904 Neubau des Chors, wobei die Deckenbilder im Chor verloren gingen Stuck im Chor von Max Ostenrieder. Die Pläne Cramer-Kletts, auch das Langhaus umzubauen und neu zu dekorieren wurden vom General-Konservatorium (Haggenmiller) mit Mühe abgewehrt. Innenrestaurierung mit Wiederherstellung der originalen Farbigkeit und Restaurierung der Fresken 1929/30 durch die Fa. Vitzthum und Schlee, Altötting. Im Chor wurde der Stuck durch Richard Berndl in Anlehnung an das Langhaus abgeändert; Stuckrestaurierung im Langhaus. Planung einer gründlichen Gesamtrestaurierung ab 1980. Laut Befunduntersuchung durch Franz Nefzger gab es Fassungen von 1702, von 1754, von 1852 und von 1929, deren Bestimmung schwierig war. Der Zustand des Stucks war schlechter als erwartet. Restaurierung 1984/85 durch Franz Nefzger aus Surheim: Die Raumfassung von 1754 wurde nach Befund rekonstruiert; die Fresken wurden teils nur trocken, teils mit destilliertem Wasser gereinigt, Haarrisse gesäubert, größere Risse geschlossen, Fehlstellen ausretuschiert; Wasserschäden in A und in den Seitenschiff-Fresken 1-10 wurden behoben. Der Stuck wurde durch Hans Zerle, Reichenhall, gereinigt und restauriert Der Zustand der Fresken ist gut

Beschreibung und Ikonographie

Im Langhaus ist kaum ein Unterschied festzustellen, was den Stuck anbelangt, so gut wurden die alten Ornamentformen in A (westlicher Anbau) und in B (Neuherstellen des drei Joche übergreifenden Bildfeldes, das 1702 noch nicht möglich gewesen wäre) nachgebildet. Das Bildfeld C dürfte unverändert übernommen worden sein, nach seinem Vorbild wurde Bildfeld A im neugebauten Westjoch gestaltet.

A HL. CACILIA (Balthasar Mang) Ansicht nach W. Durch den Orgeleinbau ist das Bildfeld vom Schiff aus nur zur Hälfte sichtbar. Rechts und links ragen Architekturen auf, die in jäher Verkürzung gegeben sind. Wolken, auf denen Putten erscheinen, dringen in den Bildraum ein. In der Bildmitte sitzt die hl. Cäcilia an der Orgel. Seitlich steht ein singender Engel mit Notenblatt (vgl. Fresko A in Buchbach, CBD Bd 8, S. 68). Hinter dem Türvorhang links lauscht ein junges Paar.

B MARIA ALS ROSENKRANZKÖNIGIN – REGINA SACRATISSIMI ROSARII (Balthasar Mang) Langgezogenes Bildfeld, Hauptansicht nach O. Um die Figur der Madonna ist eine Glorie mit kreisförmig angeordneten Heiligen auf Wolken ausgebildet. Maria hat den Jesusknaben auf dem Arm, trägt Zepter und Krone. Ihr Haupt ist von einem Sternenkranz umgeben, ihre ganze Erscheinung von einer hellen Lichtglorie hinterfangen, die am Rand von Puttenköpfchen besetzt ist.

Maria reicht dem unter ihr in Wolken knienden hl. Dominikus den Rosenkranz. Dominikus hält in der Rechten eine Lilie: neben ihm ist als sein Attribut die Weltkugel zu sehen und der Hund mit der Fackel im Maul. Ihm gegenüber kniet Katharina von Siena, der das Jesuskind auf dem Arm Mariens den Rosenkranz reicht. Auch sie hat eine Lilie in Händen. Putten halten zu Füßen dieser beiden Heiligen eine lange Rosengirlande von weißen, roten und goldfarbenen Rosen, die den Freudenreichen, Schmerzhaften und Glorreichen Rosenkranz symbolisieren

Das Langhausgewölbe mit B Maria als Rosenkranzkönigin, B3-6 Maria als Himmelskönigin (Balthasar Mang 1754)
B1 Maria Königin der Patriarchen
B2 Maria Königin der Apostel
B3 Maria Königin aller Heiligen

Zahlreiche Heilige erscheinen im Bild; in vielen erkennt man Namenspatrone der weltlichen und geistlichen Obrigkeit Aschaus. Diese als Namenspatrone identifizierbaren Heiligen lassen vermuten, daß auch noch andere Heilige dieses Bildes als Namenspatrone auftreten - sei es von Angehörigen der Rosenkranzbruderschaft oder von Geistlichen der Pfarrei Aschau. Die Darstellung von Namenspatronen kommt im Bereich der Herrschaft Hohenaschau – und der Herrenchiemseer Pfarreien überhaupt – häufig vor.

Unter der Gruppe der Rosenkranzverleihung sind – an hervorgehobener Stelle - drei heilige Bischöfe auf Wolken thronend dargestellt, alle in goldfarbenem Pluviale und goldener Mitra. In der Mitte sitzt der hl. Augustinus mit Feder und Buch und dem brennenden Herz in der Rechten. Ein Putto hält das Löffelchen, das an die Szene vom >Kind am Meer« erinnert. Augustinus erscheint hier als der Gründer der Augustiner-Chorherren; dem Augustiner-Chorherrenstift Herrenchiemsee war die Pfarrei Niederaschau inkorporiert. Rechts ist der hl. Maximilian von Lorch zu sehen, eine Palme in der Hand, mit einem Putto, der ihm das Schwert hält. Er gibt einem Bettler neben sich ein Almosen. Er erscheint hier als der Namenspatron des Herrschaftsinhabers, Max IV. Graf von Preysing-Hohenaschau. Der Bischof links, der einem Besessenen durch das Kreuzzeichen den Teufel austreibt, müßte demnach der Namenspatron des Inhabers der Pfarrei sein, von Floridus Rappel, Propst von Herrenchiemsee. Es handelt sich in der Tat um den hl. Bischof Floridus von Città di Castello (6. Jh.), der hier durch die Besessenenheilung kenntlich gemacht ist.

Der römische Krieger mit Palme und Schwert, der unter rechts zu sehen ist, dürfte der Märtyrer und Wetterheilige Paulus sein. Er könnte der Namenspatron des Niederaschauer Pfarrvikars P. Paulus Moser gewesen sein. Unten im Bild ist der hl. Petrus Forerius an den beiden Kindern mit Rosenkränzen, denen er ein Marienbild zeigt, zu erkennen (auch Petrus Forrer; Augustiner-Chorherr, 1597-1632 Pfarrer in Mattaincourt, Gründer der Augustiner-Chorfrauen von der Kongregation Unserer Lieben Frau, Wiederhersteller der Augustiner-Chorherren-Kongregation von Unserm Heiland, Seligsprechung 1730, Kanonisation erst 1897). Neben ihm liegen Buch und Lilie, weitere Attribute des Heiligen. In der fraglichen Zeit gab es einen Herrenchiemseer Konventualen P. Petrus Forrer Paur (Profess ca. 1735, †zwischen 1770 und 1772), der 1763-72 Vikar von Bernau war und zur Ausmalungszeit 1753/54 möglicherweise Kooperator in Niederaschau.

In dem Kreis, den Heilige in Wolken um die Glorie im westlichen Bildteil bilden, ist links an den hl. Dominikus anschließend zunächst der hl. Joseph mit der Lilie zu sehen, es folgt Petrus mit den Schlüsseln und Ignatius von Loyola in Meßkleidung mit strahlendem IHS auf der Brust (Ignatius von Loyola tritt auch in Umratshausen 1749 und in Neukirchen 1750 auf). Daneben sieht man den hl. Georg mit dem Drachen - Georg war der Patron eines Seitenaltars -, und weiter Achatius, in Ritterrüstung, mit Dornen gekrönt und mit Palmzweig, Kreuz und Nägeln. Er war der Namenspatron des Gerichtsverwalters Johann Achaz Parucker. Es folgt Florian in Rüstung, Fahne und Wasserschaff in Händen, als Patron gegen Feuersgefahr. Hinter Florian ist Theresia von Avila dargestellt, im Habit der Karmeliterinnen; sie ist die Namenspatronin der Gemahlin des Herrschaftsinhabers, der Gräfin Maria Theresia, geb. Fugger-Nordendorf.

An der Westseite des Freskos erscheinen vier junge weibliche Heilige: Zunächst Apollonia mit dem Zahn in der Zange, die sie in der Linken hält, und einem Palmzweig. Es folgt Ursula mit Krone, Fahne und Pfeilen, sodann Barbara mit Palme und Kelch und endlich Katharina mit dem Rad, die ebenfalls ein Krönchen trägt und mit der Linken einen Palmzweig hält. Barbara und Katharina waren die Nebenpatrone des Hochaltars, außerdem war ein Seitenaltar der hl. Katharina geweiht. Hinter Katharina ist Franziska Romana zu sehen, in einfacherem schwarzen Kleid, einen Schleier über dem Haupt, ein Buch in Händen. Sie tritt als die Namenspatronin der Frau des Gerichtsverwalters, Maria Franziska geb. Sezenhueber, auf. Es folgt Sebastian (Namenspatron von P. Sebastian Hasenberger, Kooperator in Sachrang) in Ritterrüstung, mit Palmzweig und Pfeilen, Franz von Assisi im Franziskanerhabit mit den Stigmata (der auch in der Kreuzkapelle dargestellt ist). Der Heilige im Chorhemd mit der Lilie in Händen ist sicher Franz Xaver. Vor ihm thront der Apostel Paulus mit dem Schwert.

C ENGEL Um die Heilig-Geist-Öffnung, die mit einem Deckel abgeschlossen ist, auf dem die Taube des Hl. Geistes gemalt ist, sind zwei posaunenblasende Engel und Putten mit Rosen sowie Puttenköpfchen dargestellt. Dieses Bild ist von schwacher Qualität - möglicherweise durch eine Restaurierung bedingt.

B1-8 MARIA ALS HIMMELSKÖNIGIN In den herzförmigen Kartuschen, die an den seitlichen Gewölbezwickeln des LHs liegen, sind die Anrufungen aus der Lauretanischen Litanei dargestellt, die Maria als Königin nennen. Die Bilder sind horizontal geteilt, unten im Bild ist meist Divina Sapientia als Präfiguration Mariens zu sehen (mit Ausnahme von B4, wo Maria als Apokalyptisches Weib auftritt, und B7, Esther). Divina Sapientia trägt stets die Krone, mehrfach das Zepter, dreimal den schlangenumwundenen Spiegel und zweimal die schlangenumwundene Fackel. Als Unterschrift dient jeweils eine Stelle aus dem Alten Testament. Oben im Bild ist entweder Maria selbst oder das Marienmonogramm mit Hinweisen auf die entsprechende Würde. Darunter ist bei allen Bildern ein Schriftband mit der Anrufung aus der Lauretanischen Litanei. Die Abfolge beginnt vorne links und springt jeweils von Nord nach Süd und zurück.

Vorbild für diese Serie und ihre Inschriften war das 1737 in Augsburg erschienene Erbauungsbuch »Insignia Mariano- Encomiastica, seu Litaniae Lauretanae, figuris veteris, novique testamenti elogia Virginis Intemeratae, iisdem inserta praenotantibus exornatae« (Vorzeichnungen von Gottfried Bernhard Göz, Stecher und Herausgeber Tobias Lobeck. S. dazu Sabine von Poschinger, Die Augsburger Lauretanischen Litaneien und ihr Bildschmuck, Mag. Masch. München 1988, S. 15, S. 55- 58, S. 83-87. Zu Divina Sapientia s. M.-Th. d'Alverny, La sagesse et ses sept filles, in: Mélanges dédiés à la mémoire de Félix Grat I, Paris 1946, S. 245–78, dort ausführliche Quellenliteratur; A. Grabar, Iconographie de la Sagesse Divine, in: Cahiers Archeologiques 8, 1956, S. 254–61).

B1 KONIGIN DER ENGEL – Regina Angelorum Maria steht zwischen zwei Engeln, die Leuchter tragen. Unten im Bild Divina Sapientia mit Krone, Zepter und schlangenumwundenem Spiegel, die mit dem Zepter auf die große Stadt Jerusalem im Hintergrund zeigt. Durch die Inschrift verweist sie auf das Lob der göttlichen Weisheit aus dem Buch Jesus Sirach Et in Ierusalem / Potestas mea./ Eccle. C.24. V.15. (Eccli 24,11: und in Jerusalem ist mein Machtbereich).

B2 KONIGIN DER PATRIARCHEN – Regina Patriarcharum Maria, mit Krone und Zepter, sitzt auf Wolken über der Mondsichel. Vor ihr kniet ein bärtiger Mann, der ihr seine Krone darbringt. Unten im Bild steht Divina Sapientia als gekrönte und reichgeschmückte weibliche Gestalt mit dem Schlangenspiegel inmitten einer Schar von Patriarchen, unter denen Moses an den Gesetzestafeln zu erkennen ist. Mehrere der Figuren sind gekrönt. Der Löwe könnte auf König David hinweisen (LCI, Bd 3, Sp 118, s.v. Löwe), das Buch auf König Salomon. Et radicavi in Po-/pulo honorificato./ Eccle.C.24. V.10. (Eccli 24,12: So faßte ich Wurzel in einem ehrenwerten Volk).

Die göttliche Weisheit ließ sich auf das Wort Gottes unter dem Volk Israel nieder. Als Patriarchen, also als Stammväter Israels gelten im engeren Sinn Abraham, Isaak und Jakob. Doch sind hier wohl die alttestamentarischen Könige dargestellt.

2 Geburt Mariens

B3 KONIGIN DER PROPHETEN – Regina Prophetarum Maria mit Krone und Zepter, das Haupt im Sternenkranz, thront auf Wolken, vor ihr erscheinen vier Propheten. Unten im Bild ist Divina Sapientia als gekrönte Frau mit Buch und schlangenumwundener Fackel auf einem Thron dargestellt. Schräg über ihr ist in Wolken die Gestalt Gottvaters mit einer Krone auf dem Haupt zu sehen. Von seinem Mund zu dem der Sapientia geht ein Schriftstrahl Ex ore Altissimi (»... prodivi primogenita ante omnem creaturam«. Eccli 24,3: Ich ging hervor aus dem Mund des Allerhöchsten vor aller Kreatur). Hier wird wieder Divina Sapientia als Präfiguration Mariens gesehen. Sie war Vermittlerin der göttlichen Ratschlüsse, die durch die Propheten verkündet wurden; darauf begründet das Programm den Ehrentitel Mariens als Königin der Propheten.

B4 KONIGIN DER APOSTEL – Regina Apostolorum Oben im Bild sitzt in einem Sternenkranz Maria mit Zepter und Krone und setzt ihren Fuß auf die Mondsichel. Um sie erscheint ein Zodiakus, der anstatt der Tierkreiszeichen die Attribute der Apostel trägt. Unten kniet Johannes auf Patmos, der Verfasser der Geheimen Offenbarung und blickt zu Maria auf, ein Buch in der Hand, den Adler mit einem Glöckchen im Schnabel neben sich. Virgo Apocalyptica / cum 12. Stellis./ Apoc. C. 12. V. 1.

6 Heimsuchung

Maria ist hier als Apokalyptisches Weib in der Vision des Johannes dargestellt. Der Kranz von zwölf Sternen um ihr Haupt wird durch den Zodiakus mit den Apostelattributen interpretiert als die zwölf Apostel, die sich um den Sohn des Weibes scharen.

B, KONIGIN DER MARTYRER - Regina Martyrum Oben im Bild ist ein Herz dargestellt, darauf das Marienmonogramm. Aus dem Herz wachsen sieben Schwerter, darüber schwebt eine Krone. Rings im Halbkreis sind die verschiedensten Marterinstrumente wie ein Kranz angeordnet. Unten im Bild sitzt links König Antiochus auf seinem Thron. Vor ihm wird der erste der sieben Makkabäerbrüder gemartert, indem ihm Henker die Arme auf einem Holzblock abhacken. Eng um die Mutter der Makkabäer geschart, stehen die übrigen Brüder in Erwartung des Martyriums. Die Inschrift Mater Machabaeorum. Machab: L.2. C.7. V.41. (2 Mach 7,41) weist darauf hin, daß, nachdem alle ihre Söhne ermordet waren, auch die Mutter der Makkabäer den Tod erlitt.

Maria, die dem Tod ihres eigenen Sohnes zuschauen mußte wie die Mutter der Makkabäer (die Schwerter, die das Herz durchbohren, weisen auf die Sieben Schmerzen Mariä hin), wurde durch ihr eigenes Leid würdig, Königin der Martyrer genannt zu werden.

B6 KONIGIN DER BEKENNER – Regina Confessorum In einem Kranz von roten und weißen Rosen ist oben im Bild das umstrahlte Marienmonogramm dargestellt, über dem eine Krone schwebt. Unten sitzt eine gekrönte Frau, das Haupt von einem Strahlenschein umgeben, und hält ein Kind an der Brust. Mit der Linken hält sie den Schlangenspiegel. Das Kind hält ein brennendes Herz hoch. Zu ihrer Seite ein Anker und ein Schild, auf dem der Paradiesesbaum zu sehen ist, dessen Stamm von einer Schlange umwunden ist. Zu Füßen der Frau duckt sich ein Häschen. Ego Mater Pulchrae / Dilectionis, Timoris etc./ Eccle. C.24. V.24. (Eccli 24,18 »... et agnitionis, et sanctae spei«: Ich bin die Mutter der reinen Liebe und der Furcht, der Erkenntnis und der heiligen Hoffnung).

Hier erscheint Maria prafiguriert durch Sapientia in Form der Mutter der schönen Liebe, der Gottesfurcht, der Erkenntnis und der Hoffnung. »In me omnis spes vitae«: darauf weist Anker und Paradiesesbaum hin; den Tod, der durch die Schlange am Paradiesesbaum in die Welt gekommen war, wird Maria als Werkzeug der Erlösung besiegen. Das Häschen symbolisiert Timor Domini, die Gottesfurcht; der Spiegel mit der Schlange Agnitio, die Erkenntnis. Das Kind mit dem brennenden Herz, das sie im Arm hält, weist auf Jesus hin; durch das brennende Herz ist es als Personifikation der Liebe gekennzeichnet. Dadurch, daß Divina Sapientia als Präfiguration Mariens hier als Mutter der vier Tugenden Liebe, Gottesfurcht, Erkenntnis und Hoffnung dargestellt ist, die zugleich die Tugenden der heiligen Bekenner sind, wird die Verbindung von Divina Sapientia zu Maria als Königin der Bekenner hergestellt.

B7 KONIGIN DER JUNGFRAUEN – Regina Virginum In Wolken ist ein Herz mit dem Marienmonogramm zu sehen, aus dem sieben weiße Lilien wachsen, darüber schwebt eine Krone. Unten sitzt, in einem Innenraum, König Ahasver auf einem Thron und neigt sein Zepter gegen Esther, die, begleitet von ihrem Volk, vor ihn tritt. Esther Effigitur In Reginam Prae / aliis Virginibus / Esth. C.2. V.17 (»Et adamavit eam rex plus quam omnes mulieres, habuitque gratiam et misericordiam coram eo super omnes mulieres, et posuit diadema regni in capite eius ... « Esth 2,17: Der König gewann Esther mehr als alle Frauen lieb, und sie erwarb seine Huld und Gnade mehr als alle Jungfrauen. Er setzte eine Königskrone auf ihr Haupt ...).

Esther ist ein sehr häufiges typologisches Vorbild Mariens. Hier erscheint sie in folgendem Sinn: Wie Ahasver Esther vor allen Jungfrauen erwählte und zur Königin krönte, so wurde Maria vor allen Jungfrauen erwählt und trägt deshalb mit Recht den Titel Königin der Jungfrauen, die oben im Bild durch die Lilien symbolisiert sind.

B8 KONIGIN ALLER HEILIGEN – Regina Sanctorum omnium Auf Wolken steht ein Tisch und darauf ein Korb mit Früchten. Darüber ist das hell leuchtende Marienmonogramm zu sehen. Unten sitzt auf einem Podest Divina Sapientia mit Krone und Zepter, in der Linken eine schlangenumwundene Fackel. Hinter ihrem Thronsitz drängen sich sieben Gestalten, die nicht näher gekennzeichnet sind. In Omni Gente Primatum / Habui. Eccle. C.24. V.10. (Eccli 24,10: In jedem Volk habe ich den Vorrang ...).

Wie die Göttliche Weisheit von allem Anfang an war, so war Maria auch vor allen Heiligen die Erste und ihre Königin. Die Heiligen sind oben im Bild durch die Blumen im Korb symbolisiert.

Thema des Hauptbildes B ist eine weitere Anrufung Mariens als Königin aus der Lauretanischen Litanei: Königin des hl. Rosenkranzes – Regina Sacratissimi Rosarii.

1-10 MARIENLEBEN In den Hochovalmedaillons, die jeweils in der Mitte der Wölbungsjoche in den Seitenschiffen liegen, sind Szenen aus dem Leben Mariens dargestellt. Das Fehlen der Darstellung im Tempel legt die Vermutung nahe, das Kirchenpatrozinium, Mariä Reinigung oder Lichtmess (Purificatio Beatae Mariae Virginis, 2.2.) sei Gegenstand der verlorenen Darstellung am Chorgewölbe gewesen. Die chronologische Abfolge beginnt im Osten des südlichen (alten) Seitenschiffs, geht dort weiter bis in das letzte Joch im Westen, wird fortgesetzt im ersten östlichen Joch des nördlichen (1753 erbauten) Seitenschiffs bis zum letzten Joch im Westen (1–4, 6-9 Ansicht nach O, 5 und 10 Ansicht nach W). Den Stil Mangs zeigt besonders gut Bild 9, Anbetung der Könige.

I RATSCHLUSS DER ERLÖSUNG Die Folge von Marienszenen beginnt mit der Erwählung Mariens als Werk zeug der Erlösung. Adam und Eva knien an der Weltkugel, um die sich die Schlange mit dem Apfel im Maul schlingt; die Schlange schlingt sich auch um die Arme von Adam und Eva. Links sieht man den Baum der Erkenntnis, statt mit Äpfeln mit Totenköpfen behangen. Auf der Weltkugel steht Maria das Lilienzepter in Händen, einen Kranz von Sternen um ihr Haupt. Im Himmel sieht man Gottvater mit der Taube der Hl. Geistes vor der Brust, der mit weitgeöffneten Armen seinen Sohn in Gestalt eines kleinen Kindes zur Erde sendet.

Vorlage für diese Darstellung war ein Stich nach Gottfried Bernhard Göz um 1750 (Ernst Guldan, Eva und Maria. Eine Antithese als Bildmotiv, Graz-Köln 1966, S. 236, Abb. 189; s. auch S. 158). Durch die Sünde Adams und Evas war der Tod in die Welt gekommen, durch die Erlösung, bei der Maria wichtigstes Werkzeug war, wurde der Tod besiegt. Maria zertritt die Schlange (= Teufel). Sie ist hier dargestellt als Immaculata Conceptio; ihre unbefleckte Empfängnis, durch die sie von der Erbsünde verschont blieb, war Bedingung für ihre Rolle als Mutter des Gottessohnes.

2 GEBURT MARIENS In einem großen Himmelbett liegt Anna, Joachim sitzt in einem Lehnsessel an ihrem Bett. Vier Mägde sind im Vordergrund um die Wiege mit dem Kind Maria beschäftigt. Über der Szene schwebt die Taube des Heiligen Geistes im Strahlenkranz. In Wolken sieht man zwei Putten

3 TEMPELGANG MARIENS Das Bild zeigt einen aus Säule und Bögen gebildeten hohen Tempelraum mit seitlichen

Draperien. Über Stufen naht sich das winzig kleine Kind Maria dem Hohenpriester, der sie oben empfängt. Joachim und Anna sowie Begleiter knien am Fuße der Treppe. Assistenzfiguren, die den Hohenpriester begleiten, erwarten mit ihm das Kind.

4 VERMAHLUNG MARIENS Durch Säule, Bogen und Draperie ist das Tempelinnere angedeutet. Maria und Joseph, der einen Stab mit einer Lilie an der Spitze trägt, knien auf Stufen vor dem Hohenpriester, der von zwei Tempeldienern begleitet ist, und reichen sich die Hände.

5 VERKÜNDIGUNG Maria kniet an einem Betpult, das strahlenumgebene Haupt gesenkt. Vor ihr erscheint der Engel, eine Lilie in Händen. Über der Szene schwebt die Taube des Hl. Geistes; in Wolken sind Puttenköpfchen zu sehen.

6 HEIMSÜCHUNG Elisabeth steht vor der Türe ihres Hauses, in deren Öffnung Zacharias zu sehen ist. Maria kommt über Stufen heran und begrüßt ihre Base. Hinter Maria kommt Joseph und eine Begleiterin.

7 GEBURT JESU Der Stall von Bethlehem ist durch einen Holzverschlag an einer Säule dargestellt. Maria sitzt vor der heugefüllten Krippe, hat das Jesuskind auf dem Schoß und zeigt es den herbeieilenden Hirten. Hinter ihr steht Joseph. Im Himmel fliegen zwei kleine Engel mit dem Inschriftband (Gloria in Excelsis Deo, nicht mehr lesbar).

8 BESCHNEIDUNG JESU Eine Frau sitzt im Tempel und hält das Jesuskind auf ihrem Schoß: der Hohepriester sitzt auf einem Lehnstuhl vor ihr und beschneidet das Kind. Hinter

Maria ist eine Begleiterin zu sehen. Drei Tempeldiener sind bei der Szene anwesend, einer hält einen Leuchter hoch, einer ein Räuchergefäß.

9 ANBETUNG DER KÖNIGE Maria sitzt vor dem Stallgebäude und zeigt das Kind den Drei Königen, die mit Kamelen und Begleitern herangekommen sind. Hinter Maria Joseph. Im Himmel sind Puttenköpfchen zu sehen.

10 FLUCHT NACH ÄGYPTEN Maria und Joseph gehen über einen steinigen Pfad. Maria trägt das Kind, Joseph ein Bündel an einem Stock. Im Hintergrund sieht man unter Bäumen einen Teufel, einen gestikulierenden, nackten Mann und eine Tierfratze auf einem Sockel: diese Darstellung soll wohl ägyptische Götzenbilder andeuten.

Quellen und Literatur

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BLtD, Akt Niederaschau, Pfarrkirche Mariä Reinigung

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77 77 77 Steinberger, Hans, Die Kirchen des Prientals, Wörishofer 1913, S. 75-83.

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Holzner, Hans, Die Kirchen der Pfarrei Aschau im Chiemgau, Prien 1985.

Pfister, Max, Baumeister aus Graubünden – Wegbereiter der Barock. Die auswärtige Tätigkeit der Bündner Baumeister und Stukkateure in Süddeutschland, Österreich und Polen vom 16. bis zum 18. Jahrhundert, Chur-München-Zürich 1993. Niederaschau S. 297.

s. auch Literatur S. 38

10 Flucht nach Ägypten