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Neuburg an der Donau, Stadtpfarrkirche St. Peter

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 10: Landkreis Neuburg-Schrobenhausen. Hirmer, München 2005, ISBN 978-3-7774-2365-4, S. 155–160, geschrieben von Volk-Knüttel, Brigitte. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Große Kreisstadt Stadt seit etwa 1214

Stadtrecht 1332 durch Kaiser Ludwig den Bayern bestätigt Hauptstadt und Regierungssitz des 1505 gegründeten Fürstentums Pfalz-Neuburg 1777 Vereinigung Pfalz-Neuburgs mit Kurbayern Bistum Augsburg, Gericht Neuburg

Stadtpfarrkirche St. Peter S. 156

Stadtpfarrkirche Hl. Geist, ehem. Spital- und Stadtpfarrkirche S. 161

Studienkirche, ehem. Klosterkirche der Ursulinen S. 182

Ehem. Jesuitengymnasium Kongregationssaal S. 192

Ehem. Bruderschaftshaus zur Schmerzhaften Muttergottes (Provinzialbibliothek) Kongregationssaal S. 208

Schloß S. 219 Saal im Nordturm S. 220 Diana-Zimmer S. 223 Ehem. Malerei-Kabinett S. 225 Wendeltreppe S. 228

Ehem. Hofapotheke, Gasthaus »Laterne« S. 230

Zur Geschichte: Neuburg liegt in exponierter Lage auf einem markanten Jurafelsen, der nach drei Seiten zur Donau abfällt. Spuren von Besiedelung lassen sich hier bereits seit der Bronzezeit nachweisen. Die Stadt, die im späten 8. Jahrhundert Sitz eines Bischofs war, kam nach einer ereignisreichen Geschichte 1247 in den Besitz der Wittelsbacher. Da der letzte Herzog der Linie Bayern-Landshut, Georg der Reiche († 1503), keine männlichen Nachkommen hatte, setzte er seinen Schwiegersohn, Ruprecht von der Pfalz, als Erben ein. Die Folge war ein bewaffneter Konflikt mit den erbberechtigten Münchner Wittelsbachern, der sog. Landshuter Erbfolgekrieg. 1504 starben überraschend Pfalzgraf Ruprecht und seine Gemahlin kurz hintereinander und hinterließen zwei unmündige Söhne, Ottheinrich und Philipp. Zu deren Versorgung wurde nach Beendigung des Krieges (1505) ein reichsunmittelbares Fürstentum gegründet, die »Junge Pfalz«, später Pfalz-Neuburg genannt, und die Stadt Neuburg 1522 zum Regierungssitz erhoben. Hier residierte Pfalzgraf Ottheinrich von 1522-44 und 1552- 56. Seine glanzvolle Hofhaltung führte Neuburg zu einer künstlerischen Blüte. Das im Osten der Altstadt, der sog. »Oberen Stadt« gelegene Residenzschloß ließ er durch neue Renaissancetrakte wesentlich erweitern und mit seiner Schloßkapelle den ersten Kirchenraum für den protestantischen Ritus errichten, zu dem er 1542 übergetreten war. Die dominierende, das Stadtbild beherrschende Lage erhielt das Schloß allerdings erst durch den seit 1660 errichteten barocker Ostflügel, der durch zwei Ecktürme akzentuiert wird. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts erfuhr das Stadtzentrum durch die Anlage eines großen Platzes, des heutigen Karlsplatzes eine großzügige Gestaltung, flankiert vom neuen Rathaus (1603-09) und der ab 1607 errichteten Hofkirche. An diese schloß sich nach Norden das 1618 errichtete Kolleg der Jesuiten an, die nach einem erneuten Religionswechsel durch Herzog Wolfgang Wilhelm zur Durchführung der Gegenreformation nach Neuburg berufen worden waren und denen man die Hofkirche überließ. Auf ihre Veranlassung wurden 1618 auch zwei religiöse Bruderschaften gegründet, die im 18. Jh. aufwendige Gebäude mit prächtigen Kongregationssälen erhielten, von denen eins, die spätere >Provinzialbibliothek« am Karlsplatz gelegen ist. Mit ihrer Fassade gegen den Platz ausgerichtet ist auch die ehem. Hofapotheke. Die seit 1641 neu erbaute Stadtpfarrkirche St. Peter, an der die Altstadt von Ost nach West durchziehenden Amalienstraße gelegen, orientiert sich mit ihren Formen an der Hofkirche. Außerhalb der Altstadt, in der »Oberen Vorstadt«, gründete Kurfürst Johann Wilhelm ein Kloster der Ursulinen (vollendet 1701), in der am Fuß des Stadtberges gelegenen »Unteren Vorstadt«, der An siedlung der Handwerker und Gewerbetreibenden, entstand 1724, ebenfalls mit Unterstützung des Hofes, eine neue Spital und Stadtpfarrkirche.

Stadtpfarrkirche St. Peter Amalienstraße A 24

Z. Z. der Ausmalung lag das Patronatsrecht beim Herzog von Pfalz-Neuburg. 1680 sollen sich während einer Predigt des Marcus von Aviano die Augen einer auf dem Hochaltar aufgestellten Marienfigur mehrmals bewegt haben. Wegen der daraufhin einsetzenden Wallfahrt gründete Herzog Philipp Wilhelm 1681 ein Kollegiatstift, das jedoch in der Säkularisation wieder aufgelöst wurde. An der Kirche wurden mehrere Bruderschaften errichtet, darunter 1628 die der Märtyrer Sebastian, Kosmas und Damian, 1629 die Rosenkranzbruderschaft und 1745 die heute noch bestehende Corpus Christi-Bruderschaft.

Patrozinium: St. Petrus

Zum Bauwerk: St. Peter ist neben der Marienkirche, der späten Hofkirche, die zweite Pfarrkirche von Neuburg. Erst Erwähnung 1214/19. Der Vorgängerbau der heutigen Kirche war frühgotisch. Sein Turm stürzte 1641 ein und beschädigte die Kirche. Im selben Jahr erfolgte die Grundsteinlegung zum Turm und Wiederaufbau des Schiffs durch den Graubündner Architekten Johannes Serro aus Roveredo. Die Weihe fand 1646, nach anderer Angabe 1647 statt. Erst 1655/56 konnte der Turm nach Plänen Serros vollendet werden. 1671 wurde der Chor abgetragen und erhöht und mit dem gleichzeitig erhöhten LHs unter ein Dach gebracht. Die Peterskirche ist eine bewußte Nachahmung der Neuburger Hofkirche von Anfang des 17. Jahrhunderts.

Dreischiffige Pfeilerhalle zu sechs Jochen im LHs, zweijohriger Chor in Mittelschiffbreite mit halbrundem Schluß. Der Chor wird flankiert im N von der Sakristei, im S vom Turm. An der vierten nördlichen Achse des LHs springt die halbrund geschlossene, überkuppelte Josephskapelle vor. Im W und über den Seitenschiffen Emporen. Quadratische Pfeiler, die nach N und S durch flache Vorlagen gegliedert sind. Beleuchtung durch rundbogige Fenster unten und Okuli oben. Stuckierung in Weiß, ähnlich dem um 1670 entstandenen Stuck im Philipp-Wilhelm-Bau des Neuburger Schlosses.

Auftraggeber: Herzog Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg; seit 1685 Kurfürst von der Pfalz. Stadtpfarrer und Dekan z. Z. der Ausmalung war Dominikus Loth (1672–81).

Autor und Entstehungszeit: Zuweisung an Johann Christoph Schalck (* vor 1645, unbekannt † nach 1701; s. S. 340) nach 1671.

Die Fresken entstanden wohl im Anschluß an den Umbau von 1671. Schalck war Hofmaler unter Herzog bzw. Kurfürst Philipp Wilhelm. Er ist als Künstler noch kaum faßbar. Als Autor käme aus historischen Gründen auch Johann Jakob Posner infrage, ebenfalls Hofmaler in Neuburg, † 1718 (s. S. 338). Er war 1677, gerade zur Zeit der Ausmalung von St. Peter, für dessen kleine Filialkirche St. Andreas tätig und malte dort u. a. das Altarblatt.

Die von Christoph Schalck gemalten Deckenbilder in der Neuburger Ursulinenkirche von 1701 (s. S. 182) zeigen große Ähnlichkeit mit den Deckenbildern im LHs von St. Peter. Hier wie dort sind die Bildfelder im Gewölbe verhältnismäßig klein, sodaß sie fast verloren wirken. In St. Peter sitzen sich die

Der Kirchenraum

Apostel auf Wolken paarweise gegenüber, ein Bein hochgestellt, das andere ausgestreckt herabhängend. Nahezu identisch in der Haltung präsentieren sich in St. Ursula Gottvater und Christus auf dem Dreifaltigkeitsfresko (D). Ebenso auffällig sind die Gemeinsamkeiten bei den Puttendarstellungen in beiden Kirchen. Das gilt für Körperformen, Köpfe und Bewegungen im allgemeinen, ganz besonders aber für die Zweier- und Dreiergruppen. Obwohl die stark reduzierten Malereien in St. Peter einen engeren Vergleich der Malweise nicht zulassen, sind die Übereinstimmungen bei Komposition und Figurentypen so groß und charakteristisch, daß eine gemeinsame Autorschaft für die Deckenbilder in St. Peter und St. Ursula, wo Schalck als Maler bezeugt ist, angenommen werden muß.

Ebenfalls nach 1671 entstanden, jedoch von anderer Hand sind die Ovalbilder an den Chorwänden mit den Themen Anbetung der Hirten, Auferstehung Christi, Ausgießung des Hl. Geistes und Himmelfahrt Mariä. Bis auf die Auferstehung Christi gehen sie auf Kompositionen von Rubens zurück. Die auf Blech gemalten Darstellungen aus dem Leben der Apostel Petrus und Paulus an den Wänden des LHs und der Orgelempore wurden 1856 von Andreas Eigner hinzugefügt. Sie ersetzten ehemals darunter liegende Fresken aus der Zeit der Deckenbilder.

E Jakobus d.A., Matthäus, F Johannes Ev., Andreas

Befund

Träger der Deckenmalerei: A-H Kreuzgratgewölbe

Rahmen: Querovale Felder mit weißen Stuckprofilrahmen mit kräftigen Blattstäben belegt. In der Achse sind die Rahmen mit geflügelten Puttenköpfen besetzt. An den Schnittstellen des Rahmens mit den Kreuzrippen Agraffen, von denen Bänder ausgehen, an denen Fruchtbündel hängen

Technik: Fresko, polychrom

Maße: A–F Höhe 13,06 m; 2,00×2,70 G Höhe 12,45 m; 2,00×2,70 H Höhe 12,30 m; 2,00×2,70

Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1853ff. fand eine umfassende Restaurierung des Innern statt, die außer bei den Gemälden auch einschneidende Veränderungen bei den Altären mit sich brachte. Zunächst restaurierten bzw. übermalten zwei Schüler des Augsburger Galerie-Konservators Andreas Eigner die Fresken an der Decke und die vier Medaillonbilder mit der Geburt Christi, Auferstehung, Ausgießung des Hl. Geistes und Himmelfahrt Mariä an den Seitenwänden des Chors. 1856 wurden an den Seitenwänden des Schiffs dreizehn durch Eigner selbst geschaffene Medaillonbilder mit Darstellungen aus der Apostelgeschichte angebracht (Förch). Diese ersetzten wahrscheinlich zerstörte oder schlecht erhaltene Fresken aus der Zeit der Deckenbilder. 1924 blätterte eines der Deckengemälde im Schiff im Ausmaß von 2-3 Quadratmeter ab infolge Durchfeuchtung des Gewölbes durch Schnee. Eine Reparatur lehnte die Kammer des Innern am 30. 11. 1924 ab, da primär die Kirche baupflichtig und der Staat nicht verpflichtet sei, für die Innenausstattung aufzukommen (StA Augsburg).

Bei einer Instandsetzung des Innern 1962-64 durch die Fa. Georg Löhnert, Ingolstadt, wurden die schlecht erhaltener Deckenfresken übertüncht. 1983-88 fand eine umfassende Innenrenovierung statt, bei der die Restauratoren Eckart Gross, Olching, und Raymund Schuhwerk, Türkheim, zwischen 1984 und 1986 die Deckenbilder wieder freilegten. Es zeigte sich, daß es sich bei der ursprünglichen Malerei um Fresken handelt, deren Ritzung und Untermalung teilweise sichtbar wurden. Diese Fresken waren, wohl 1853, mit einer öligen Tempera übermalt worden. Bei der Freilegung war es nicht möglich, diese ölhaltigen Übermalungen von der ursprünglichen Malerei exakt zu trennen. »Es mußte eine unscharfe Vermischung beider Zustände, u.a. bedingt durch die Übertünchung und wieder erfolgte Freilegung, hingenommen werden. Die Ablesbarkeit wurde erhöht durch Schließer von Fehlstellen mittels reversibler Aquarellretuschen« (BLfD an Pfarramt St. Peter, 17. 12. 1986). Große Fehlstellen wies das östliche Medaillon (H) auf, welches bereits bei Förch 1866/67 als völlig neu gemalt bezeichnet worden war.

1987 wurden von Gross und Schuhwerk auch die auf Leinwand ausgeführten Wandmedaillons im Chor gereinigt sowie die auf Blech gemalten Bilder an der LHs-Wand. Unter letzteren wurden keine erkennbaren figürlichen Darstellungen entdeckt, nur Spuren von Malerei.

G Petrus, Paulus, H Maria mit Kind

Beschreibung und Ikonographie

A-C, E-G APOSTEL In sechs der acht querovalen Bildfelder an der LHs- und AR-Wölbung sind die Apostel dargestellt, meist paarweise, auf Wolken sitzend, mit ihren Attributen und von Putten umgeben. Paulus ist in ihren Kreis aufgenommen, worauf sich ihre Zahl auf dreizehn erhöht. Im ersten Bildfeld über der Orgelempore (A) erscheinen deshalb drei Apostel. Hinsichtlich der Bedeutung der Dargestellten ist eine Steigerung vom Eingang bis zu dem Fresko mit Petrus und Paulus (G) und zu Maria in der Glorie (H) im Chor festzustellen. Die Darstellungen sind die frühesten Deckenbilder im Lkr. Neuburg-Schrobenhausen. A–C Blickrichtung nach W, F–H nach O.

NEUBURG

Himmelfahrt Mariä

G PETRUS mit Schlüssel; PAULUS betend, zu seinen Füßen das Schwert.

H MARIA MIT DEM KIND / ENGELSKONZERT Maria thront vor hellem Himmelsgrund auf Wolken. Sie hält den Jesusknaben, der neben ihr auf einer Wolke steht und als Salvator Mundi eine Weltkugel mit dem Kreuz auf der Hand trägt. Die Engel singen von Notenblättern und musizieren auf verschiedenen Instrumenten.

Quellen und Literatur

BHStA, PNA, NA 1989, Nr. 3746 a: Tätigkeit Posners für St. Andreas in Neuburg.

BLfD, Registratur, Akten Neuburg, Pfarrkirche St. Peter. StA Augsburg, Regierung Nr. 13009: Restaurierungen 1891- 1936.

Förch, Franz Anton, Monographie der Pfarrei und Kirche St. Peter in Neuburg, in: NK 32/33, 1866/67, S. 43-57. Hopp, Bd 2, S. 75 f.

Horn/Meyer, München 1958, S. 68–82

Lidel, Albert, Kath. Stadtpfarrkirche St. Peter Neuburg a.d. Donau (KKF Nr. 1973), 1992 (mit z. T. anderer Identifizierung der Apostel).

Dehio 1990, S. 854t.

B. V.-K

Auferstehung

Stadtpfarrkirche Hl. Geist Spitalplatz