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Neuburg an der Donau, Stadtpfarrkirche Hl. Geist

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 10: Landkreis Neuburg-Schrobenhausen. Hirmer, München 2005, ISBN 978-3-7774-2365-4, S. 161–181, geschrieben von Volk-Knüttel, Brigitte. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Z. Z. der Ausmalung Spital- und Stadtpfarrkirche. Das Patrozinatsrecht besaßen die Herzöge von Pfalz-Neuburg bzw. Kurfürsten von der Pfalz, das Präsentationsrecht die Jesuiten, die in der Hl.-Geist-Kirche Predigten und Christenlehren hielten und sie als ihre Filialkirche betrachteten. Völlig unabhängige Pfarrkirche wurde sie erst 1781 nach Auflösung des Jesuitenordens. 1710 wurde an der Kirche eine Allerseelenbruderschaft unter dem Schutz des Heiligen Geistes gegründet; außerdem bestanden eine Michaelsbruderschaft und eine Bruderschaft der Unbefleckten Empfängnis Mariä.

Patrozinium: Hl. Geist

Zum Bauwerk: 1520 wurde aufgrund einer Stiftung von Adam von Törring, Statthalter des Pfalzgrafen Friedrich in Neuburg, in der unteren Stadt ein Spital mit angrenzender Kapelle erbaut. Die Seelsorge oblag der Pfarrkirche Unserer Lieben Frau. Die Kapelle war bereits 1592 so baufällig, daß sie neu errichtet werden mußte. Nach dem Einsturz des Turms der Pfarrkirche (1602) übernahm die Spitalkirche zunächst vorübergehend deren Funktion, die sie nach der Rekatholisierung und dem Neubau der Stadtpfarrkirche als Hofkirche, die den Jesuiten übergeben wurde, beibehielt. Sie wurde 1617 durch den Augsburger Weihbischof »reconciliiert« und dem Heiligen Geist geweiht.

Von Anfang an war sie als Pfarrkirche zu klein. 1629 und 1720 bemühten sich die Pfarrherrn um Abhilfe. 1721 erhielt der nicht namentlich genannte »Baumeister von Ingolstadt« - es handelt sich wohl um Michael Anton Prunnthaler - »für gehaltenen Augenschein ... den Kirchenbau betreffend« 5 fl. 33 kr., und noch einmal 20 kr. (ABA, Pfarrarchiv 38, Nr. 315). 1723 wurde schließlich die alte Kirche abgebrochen und durch einen größeren Neubau ersetzt, dessen feierliche Grundsteinlegung am 7.9. 1723 erfolgte. Bauausführung von Juli 1723 bis November 1724 (ebd. Nr. 20). Die Bauleitung hatte der Neuburger Hofmaurermeister Johann Puchtler, der Erbauer der Kirche in Sinning (1741/42) (s. S.280) und des Schlosses in Sandizel (1749/50) (s. S.266). 1724 wurde bereits die Lizenz erteilt, in der neuen Kirche zelebrieren zu dürfen (ebd., Nr. 315). Weihe erst 1736 durch den Augsburger Weihbischof Johann Jakob von Mayr (ABA, Summmarische Übersicht 1892). 1737/39 wurde der Turm erhöht, ebenfalls durch Puchtler.

Geräumiger, nicht sehr hoher Saalbau zu fünf Achsen, eingezogener, niedrigerer, nahezu quadratischer Chor mit halbrundem Schluß. Die zweite LHs-Achse von O ist durch tonnengewölbte Kapellen querhausartig erweitert. Gliederung durch Doppelpilaster über hohem Sockel. Belichtung im LHs durch je vier, im Chor je zwei segmentbogige Fenster. In der westlichen LHs-Achse auf jeder Seite ein Portal, das südliche trägt in einer Kartusche die Inschrift: AO 1724/ HAEC REQVIES MEA IN/ SAECVLVM SAECVLI Ps.CXXXI (Im Jahre 1724. Dies ist für immer der Ort meiner Ruhe. Ps. 131). Über zwei quadratischen Pfeilern Orgelempore mit vorgeschwungener Brüstung. Unter der Empore vergitterter Durchbruch zum westlich an die Kirche angebauten Spital. Zierlicher Bandwerkstuck von Matthias Abel von 1724 (ABA, Pfarrarchiv 38, Nr. 20: Rechnung vom 17.6. 1724, Beginn der Stuckatorarbeit), der auch in Neuburg in der Provinzialbibliothek (s. S. 208), in Sinning (s. S. 280) und in der Marienkapelle in Bergheim (s. S. 66) tätig war.

Auftraggeber: Carl III. Philipp, Kurfürst von der Pfalz (1716–1742) und Stadtpfarrer Johann Evangelist Mayer (1720-47). Unmittelbar nach seinem Amtsantritt 1720 wandte sich Mayer an den Kurfürsten mit der Bitte um Erweiterung und Reparatur der Kirche. Wegen Baufälligkeit wurde schließlich ein Neubau beschlossen. Am 27.5.1723 bat Mayer den Kurfürsten, er möge einen Abgeordneten zur Legung des Grundsteins ernennen. Die feierliche Zeremonie erfolgte am 7. September (Beschreibung bei Graßegger, 1852). Geld zum Kirchenbau und zur Ausstattung kam auch von der Allerseelenbruderschaft.

Autor und Entstehungszeit: Matthias Zink (* 1665 Donaumünster/Schwaben † 1738 Eichstätt) 1725. Signatur in Ac Mathias Zinckh / pinxit.

Da die Bauarbeiten im November 1724 abgeschlossen wurden, hat die Freskierung frühestens im Sommer 1725 stattge- funden. Über die Ausbildung Zinks ist nichts bekannt. Er war in Eichstätt ansässig und hauptsächlich in der dortigen Umgebung tätig. Die Fresken der Hl.-Geist-Kirche zählen zu den Hauptwerken des Künstlers neben der Freskierung des großen Saals in der Benediktinerabtei Neresheim von 1719.

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs (A, A1-7, a-d, 1-11) Flachdecke mit Stichkappen; AR (B, B1-2, Ba-b) Tonne mit Stichkappen

Rahmen: Stuckprofilrahmen

Technik: Fresko; A, A1-7, a-d, B, EB1-7 polychrom, 1-11 und B1-2, Ba-b sind technisch anders behandelt (s.u.): 1, 2, 9, 10 camaieu rotbraun, 3, 4 camaieu gelb, 5, 6 camaieu blau, 7, 8 camaieu blau mit braunen Hervorhebungen, 11 polychrom, B1-2 camaieu rotbraun, Ba-b polychrom

Maße: A, A1-7 Gesamtausdehnung etwa 17 m A Höhe 11,15 B Höhe 10,90

Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1854 erfolgte eine Restaurierung durch den Kunstmaler Gustav Kitzinger (ABA, Pfarrarchiv 38, Nr. 2). Eine große Restaurierung fand 1886/89 statt. 1925, 1928 und 1932 geplante Restaurierungen (Kostenvoranschläge von Karl Glaubacker, Regensburg; ABA, Pfarr-

A, A1-7 Die Sieben Gaben des Heiligen Geistes, historische Aufnahme

162 archiv 38, Nr. 20), wurden nicht realisiert, doch bezog sich da BLfD, als die Fresken schließlich 1953 durch Theo Sprenzinger, Wildenroth, restauriert wurden, auf ein bereits 1928 erstelltes Gutachten (BLfD an Kirchenstiftung Hl. Geist 6. 10. 1988). Die letzte Restaurierung erfolgte 1990/91 durch Konrad Wiedemann, Ebenhausen. Seine Befunduntersuchungen ergaben, daß die Malerei zwar stark verstaubt war, aber im Großen und Ganzen original erhalten ist, lediglich der Übergang der Szene des hl. Laurentius (A,) zum Mitteloval war neu verputzt und neu gemalt worden, wohl bei der Restaurierung von 1886/89, und die Beschriftung der Sieben Gaben des Heiligen Geistes, ursprünglich mit Blei vorgezeichnet, war bei einer der vorhergehenden Restaurierungen ganz überarbeitet worden. Wiedemanns Maßnahmen beschränkten sich in Wesentlichen auf trockene Entstaubung und Festigung der Hohlräume. Für Stil und Maltechnik von Matthias Zink stellte er fest, daß die kleinen Figuren und Szenen im Hintergrund meist ohne Vorzeichnung skizzenhaft dazu gemalt wurden, während die großen figürlichen Szenen malerisch stärker ausgearbeitet sind. »Nach teilweise geritzter, quadratischer Flä cheneinteilung und Vorritzung der Zeichnung in den nasser Putz erfolgte die Malerei mit Farbe in Tagwerken, wobei die

A. Fortitudo

Zeichnung vom Karton übertragen wurde; die Heftlöcher für die Kartonstücke sind sichtbar. Im Anschluß an diese Vorarbeiten wurde der Hintergrund mit Kalk unterlegt und die Hintergrundmalerei naß in naß schnell und improvisierend aufgemalt. Danach erst wurden die Hauptdarstellungen und -szenen malerisch ausgearbeitet, wobei der Putz z.T. bereits angetrocknet war; dies erklärt die schlechtere Bindung einiger Töne zum Untergrund... Die Langhausembleme (= 1-11) und die 4 Medaillons im Altarraum (= B1-2, Ba-b) sind großteils farbig unterlegt, dann mit hellen Kalkfarben angelegt, teilweise mit Blei andeutungsweise vorgezeichnet und naß in naß aus gemalt«. (Restaurierungsbericht von K. Wiedemann, Juli 1991; ein Exemplar im Pfarramt Hl. Geist Neuburg)

Beschreibung und Ikonographie

A, A1-7 DIE SIEBEN GABEN DES HEILIGEN GEISTES Die Decke des Langhauses zeigt in einer ungewöhnlichen Komposition den Heiligen Geist, von dem seine sieben Gnadengaben strahlenförmig ausgehen, um in Begebenheiten aus dem Leben einzelner Heiliger beispielhaft wirksam zu werden. In der Mitte findet sich ein gestrecktes, ovales Bildfeld mit der Heiliggeisttaube (Blickrichtung nach O) in einem goldenen gelben Lichtschein, umgeben von adorierenden Engeln und Engelsköpfchen auf Wolken (A). Die Taube entsendet die Dona Spiritus Sancti als einzelne Lichtstrahlen, die das gerahmte Bildfeld durchbrechen. Sie erweitern sich zu sieben Rundbildern, in denen die Gaben die Form geflügelter Herzen annehmen, aus denen Flammen hervorschlagen. Zwischen Mitteloval und Trabantenbildern sind die sieben Gaben durch Inschriften bezeichnet. Die runden Felder werden durch ein zweites ovales Profil zusammengefaßt, konzentrisch zum Mitteloval A. Von den Tondi gehen zungenförmig Felder verschiedenen Formats mit den Heiligendarstellungen aus. In der Hauptrichtung nach O gegen den Hochaltar erscheint, durch Größe und Format hervorgehoben, das Donum Fortitudinis (A4), in der Querrichtung sind Consilium (A3) und Scientia (A5) in übereinstimmendem Format wiedergegeben, in den Diagonalen die vier restlichen Gaben in einheitlichem Format. Die Zählung folgt der Weissagung des Isaias (s. S. 177).

A, SAPIENTIA Der hl. Johannes Evangelist, der in der Verbannung auf Patmos die Apokalypse schreibt, hat die Vision des Apokalyptischen Weibes (Apoc 12,1). Johannes sitzt in einer idyllischen Landschaft am Meer mit geöffnetem

Buch auf den Knien und in der Rechten die Schreibfeder, während der neben ihm stehende Adler gespannt zu ihm aufblickt. Der rote Umhang des Evangelisten, der sich stoffreich auf dem Boden ausbreitet, und sein grünes Gewand lassen seine Beine bis über das Knie unbedeckt. Er streckt seinen nackten linken Fuß dem Betrachter ostentativ entgegen, als Veranschaulichung des Gebots Jesu an seine Jünger, keine Schuhe zu tragen (zur symbolischen Bedeutung s. S. 177). Der Blick ist nach oben gerichtet zu dem Weib, »mit der Sonne bekleidet und de Mond unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt eine Krone von zwölf Sternen«. Unter ihr ist der – hier eher harmlos wirkende – siebenköpfige Drache zu sehen.

A2 INTELLECTVS Der hl. Thomas von Aquin vor dem Kruzifix. Der Kirchenlehrer und bedeutendste Theologe des Mittelalters (*1220 oder zwischen 1225 und 1227, †1274, kanonisiert 1323) kniet im schwarz-weißen Habit der Dominikaner über Stufen erhöht in einem Innenraum, bei dem sich rechts der Blick über eine Balustrade auf eine parkartige Landschaft öffnet. Seinen Rang als Lehrer betont die Magisterkette, während sich die Sonne auf der Brust auf sein theologisches Werk bezieht. Die Taube des Heiligen Geistes über ihm

== NEUBURG == schickt den Strahl der göttlichen Inspiration in sein Ohr. Auf dem altarartigen Tisch sind Bücher zu sehen und ein Tintenfaß, darüber schweben zwei kleine Engel, die ihm einen in hellem Licht erstrahlenden Kruzifixus entgegen halten. Damit wird auf die Bestätigung seiner Werke durch den Gekreuzigten selbst verwiesen, der ihn dreimal durch die lobender Worte Bene /Scrip /sisti/ De/ Me/ Thoma. auszeichnete, die der im Vordergrund kniende kleine Engel in einem Buch präsentiert. Auf einem von unten in das Bild hineingeschobenen Tisch sind neben einer Sanduhr weitere Bücher zu sehen, vor denen nach vorne ein Zettel mit einer verderbten Inschrift herunterhangt.

A3 CONSILIVM Bekehrung des hl. Franz Xaver durch den hl. Ignatius von Loyola im Jahr 1533 Die Begegnung spielt sich in einem schluchtartig engen Innenraum ab. An einem Tisch sitzt links Franz Xaver als vornehmer Jüngling in der Tracht des 16. Jahrhunderts mit geschlitzten roten Pluderhosen, rotem Wams und weißer Halskrause. Er lauscht den Worten des von rechts an den Tisch getretenen Geistlichen in schwarzem Habit, der um die Schulter den kurzen braunen Umhang der Pilger trägt und mit der linken Hand den Pilgerstab umfaßt. Auf dem Tisch, der mit einer kostbaren Brokatdecke bis zum Boden bedeckt ist, stehen eine Armillarsphäre und eine Reisesonnenuhr, während auf den Stufen im Vordergrund noch ein Globus und eine Landkarte zu sehen sind. Im Hintergrund blickt man durch ein Fenster hinaus auf eine Straße mit großen Palästen.

Einen Hinweis zur Deutung dieser Darstellung (bisher irrtümlich als hl. Filippo Neri bezeichnet) gibt die Inschrift auf den Stufen: QUID PRODEST etc. Sie bezieht sich auf Mt 16,26: Quid enim prodest homini si mundum universum lucretur, animae vero suae detrimentum patiatur? (Denn was wird es dem Menschen nützen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber sein Leben verliert?). Diese Textstelle wird in der Hagiographie mit der Bekehrung Franz Xavers verbunden, die sich während des gemeinsamen Studiums von Ignatius und Franz Xaver in Paris 1533 ereignete. Seit der 1594 erschienenen ›Vita Francisci Xaverii‹ von Tursellinus berichten alle Biographien des Heiligen, daß Ignatius seinen zunächst spöttisch abweisenden Studienfreund immer wieder mit diesen Worten Jesu konfrontiert und schließlich bekehrt habe. (Zur Bedeutung des ›Quid prodest‹ in diesem Zusammenhang s. Schurhammer 1955, S. 167 und Anm. 4.)

A. Scientia

Mit Armillarspäre, Globus und Landkarte wird auf die späteren Missionsreisen des hl. Franz Xaver verwiesen. Tursellinus berichtet darüber: »In der Astrologie und Philosophie war Franciscus über die massen wohl erfahren, derowegen, so offt er verraiset, damit er die Zeit vertriebe, war sein Gespräch stets von den Sternen und Himmellauff, er zeigte auch lang vorhero an das ab- und zunemmen der Sonne und des Mondes, gleichfalls die Ursachen deren Dingen, die wir am Himmel und auf Erden wunderbarlicher Weiß sehen zu geschehen...« (ed. 1674, S. 442). Die Darstellung des hl. Ignatius als Pilger spielt auf den Missionsauftrag der Jesuiten an. Ignatius selbst bezeichnet sich in seiner Biographie als Pilger (peregrino), womit er sich auf die Pilgerfahrt bezieht, die er 1523 ins Heilige Land unternahm, gleichzeitig aber die Gottsuche und missionarische Pilgerschaft meint. Durch die symbolischen Elemente in Zinks Fresko, mit denen auf die spätere Tätigkeit des Franz Xaver in Indien vorgegriffen wird, sowie in der formalen Gestaltung besteht Verwandtschaft zu einem Thesenblatt Johann Evangelist Holzers von 1733, bei dem allerdings der hl. Ignatius fehlt. Hier sind die Worte der Bekehrung Mt 16, 26 verbunden mit dem durch einen Engel überbrachten Missionsauftrag. Die Inschrift nennt den hl. Franz Xaver einen heiligeren Kolumbus (Mick, Ernst Wolfgang, Johann Evangelist Holzer, 1709-1740. Ein frühvollendetes Malergenie des 18. Jahrhunderts, München-Zürich 1984, Abb. S. 31). Zink und Holzer sind wohl einem gemeinsamen, bisher noch nicht aufgefundenen Vorbild verpflichtet.

A1 FORTITUDO Martyrium des hl. Laurentius Laurentius, Archidiakon unter Papst Sixtus II., starb 258 in Rom den Feuertod auf dem Rost. Er hatte sich geweigert, den Kirchenschatz dem Kaiser auszuhändigen. Dieser wollte ihn zwingen, den Schatz herauszugeben und die heidnischen Götter zu verehren. – Der Heilige wird von zwei Schergen, die ihm die Ketten abnehmen, auf den Rost gezwungen, unter dem ein am Boden kniender Mann das Feuer anfacht. Der links stehende Hohepriester, ganz in Weiß gekleidet und mit verhülltem Haupt, weist mit der Linken hoch zu der goldenen Statue eines sitzenden Jupiter und fordert Laurentius auf, seinem Glauben abzuschwören; im Hintergrund römische Soldaten. Die Darstellung ist angeregt von Rubens Gemälde mit dem Martyrium des hl. Laurentius, München, Alte Pinakothek bzw. von dem Nachstich von Lucas Vorsterman, 1621 (Hollstein 88). Im Gegensatz zu der dichten Gedrängtheit und Dynamik von Rubens wirkt die Darstellung mit den reliefhaft auseinander gezogenen Figuren spannungslos.

A1 SCIENTIA Der hl. Ivo als Anwalt der Armen Der Theologe und Jurist aus Tréguier in der Bretagne (1253–1303; 1347 kanonisiert) verteidigte Arme, Witwen und Waisen. – Im schwarzen Talar des Juristen mit weißem Bäffchen sitzt er in einem hohen Innenraum vor einer mächtigen, mit Folianten und gebündelten Skripten gefüllten Bücherwand. Er wendet sich fünf einfachen Leuten zu, die sich von links nähern, um ihm eine Bittschrift zu überreichen. Im Hintergrund blickt man durch ein großes Fenster mit eingestellten Säulen und mächtiger Vorhangdraperie hinaus auf Bäume und eine südliche Palastarchitektur.

A6 PIETAS Die hl. Helena mit dem Kreuz Christi Helena, die Mutter Kaiser Konstantins des Großen, der die Legende die Auffindung des Kreuzes Christi zuschreibt, steht in einer Landschaft und hält mit beiden Händen das große Kreuz, auf das vom Himmel ein Lichtschein herabfällt. Ihrem Rang entsprechend, trägt die Kaiserin über einem mit Goldborten besetzten Kleid einen hermelingefütterten Brokatmantel und auf dem Haupt eine Bügelkrone. Im Hintergrund sieht man rechts den Golgathahügel mit den drei Kreuzen und etwas unterhalb die befestigte Stadt Jerusalem. Die Kirche links ist ein Hinweis auf die zahlreichen Gotteshäuser, die auf Helenas Veranlassung erbaut wurden (z. B. die Geburtskirche in Bethlehem, die Kirche am Ölberg in Jerusalem).

A7 TIMOR DOMINI Die Bekehrung des Paulus (Act 9, 3-6; vgl. auch 9,17) Auf dem Weg zur Christenverfolgung wird Paulus kurz vor Damaskus durch gleißendes, helles Licht und die Erscheinung Christi am Himmel zu Boden geworfen und vorübergehend mit Blindheit geschlagen. - In seinem Bemühen, die Hauptperson hervorzuheben, hat der Maler das Ereignis völlig undramatisch ins Bild gesetzt. Der gestürzte Schimmel liegt mit angezogenen Beinen bildparallel am Boden, der Reiter scheint eher abzusteigen als herunterzufallen. Lediglich durch seinen wie ein Segel hinter ihm hochgewirbelten Umhang wird eine gewisse Bewegtheit angedeutet. Ross und Reiter sind durch helle Farben hervorgehoben, vor allem durch die von Zink auch sonst bevorzugten Rot- und Rosatöne: Roter Sattel und Zaumzeug, der rote Umhang des Paulus, auf den eine rosa Lichtbahn herabführt, die von Christus ausgeht. Die Begleitpersonen, die teils zu Boden gestürzt sind, teils auf ihren scheuenden Pferden auseinanderstieben, sind demgegenüber durch ihre gedeckteren Farben in der Bedeutung zurückgedrängt.

a–d VIER KIRCHENVÄTER An den Schmalseiten der Langhausdecke sind in schräg gestellten Vierpässen die lateinischen Kirchenväter dargestellt.

a GREGOR DER GROSSE Der hl. Papst sitzt in seine Studierstube, hält im Schreiben inne und lauscht der Eingebung des Heiligen Geistes, der in Gestalt einer Taube zu ihm herabfliegt. Er trägt ein kostbar verziertes rotes Pluviale über einer blauen Tunika. Die Tiara auf dem Haupt und das dreifache Vortragekreuz hinter ihm bezeichnen seine päpstliche Würde. Das Studiolo weist links ein hohes Bücherregal auf, davor steht ein Tisch mit weiteren Büchern, Tintenfaß und einer Uhr; rechts blickt man in eine parkartige Landschaft hinter einer Balustrade.

b AMBROSIUS In einem hohen Innenraum mit Landschaftsausblick im Hintergrund sitzt der Heilige im Bischofsornat in Frontalansicht. Er hält ein aufgeschlagenes Buch in der rechten Hand, während er mit der linken den Bischofsstab umfaßt. Von oben fällt ein Lichtschein auf ihn herab als Zeichen der göttlichen Inspiration. In der für Zink typischen Farbzusammenstellung sind in größeren Flächen das Hellblau von Pluviale und Mitra neben das helle Rot der Tischdecke gestellt. In dem eingehend geschilderten Interieur fällt der mit einer Engelherme verzierte Kamin auf, während sich auf dem Tisch in stillebenhafter Anordnung Bücher, Schreibzeug und die auch sonst vorkommende, von der Tischkante herabhängende Schriftrolle finden, sowie eine Vase mit einem Blumenstrauß. Im Vordergrund steht der Bienenkorb, der auf seine »wie Honig fließende Beredsamkeit« anspielt, die sich nach der Legende bereits ankündigte, als sich ihm, als er ein Kind war, ein Bienenschwarm auf den Mund setzte.

Ambrosius

c AUGUSTINUS d HIERONYMUS

d Hieronymus

Für die Darstellungen der hll. Kirchenväter Ambrosius und Gregor können Kupferstiche von Anthonis Wierix nach Vorlagen von Maerten de Vos nachgewiesen werden, an denen sich Matthias Zink orientiert hat (Mauquoy-Hendrickx, Marie, Les Estampes des Wierix conservées au Cabinet des Estampes de la Bibliothèque Royale Albert Ier., Bd 1, Brüssel 1979, S. 180 u. Taf. 134, Nrn. 975, 977).

c AUGUSTINUS Oberhalb von zwei Stufen, deren untere die Malersignatur trägt (s.o.), kniet der greise, bärtige Augustinus. Er ist von vorne gesehen und hält in der zur Seite gestreckten Rechten das flammende Herz als Zeichen seiner Gottesliebe, von links oben fällt aus den Wolken ein heller Lichtschein auf ihn herab. Die Kleidung besteht aus einem stoffreichen, goldgelben Pluviale, das er über grauer Mönchskutte trägt. Auf dem Tisch neben ihm sieht man Bischofsstab und Mitra sowie Bücher und ein Kruzifix. Rechts im Hintergrund steht das Kind, das ihm am Strand von Ostia erschien, als er über sein noch unvollendetes Werk ›De Trinitate‹ nachdachte. Es versuchte, das Meer in eine kleine Grube zu löffeln, um ihm die Aussichtslosigkeit klarzumachen, die Dreifaltigkeit ergründen zu wollen.

d HIERONYMUS Der Heilige, der sich zeitweise in die Wüste zum Meditieren zurückgezogen hatte, ist als Büßer und Gelehrter dargestellt. Er sitzt in einer Höhle, an deren Eingang sich der von ihm geheilte Löwe niedergelassen hat. Der faltenreiche rote Kardinalsmantel ist über die Knie gelegt und lässt den Oberkörper nackt, der Kardinalshut hängt an der Wand der Höhle, die als Studierstube eingerichtet ist. Links steht ein Regal mit Büchern und eine Sanduhr, davor ein Tisch mit herabhängender Schriftrolle und Kruzifix. Ein Totenkopf mahnt an die Vergänglichkeit. Hieronymus schreibt in ein Buch, während er mit nach oben gewendetem Blick die göttliche Botschaft durch die Posaune des Jüngsten Gerichts empfängt.

1–11 EMBLEME IN DEN STICHKAPPEN (1–10) UND AN DER DECKE (11)

Von den Emblemen 1–10 in den Stichkappen entsprechen sich jeweils die gegenüberliegenden in Form und Farbe. Unter ihnen sind 3 und 4 größer, da die zu Kapellen erweiterte zweite LHs-Achse breiter ist als die übrigen Achsen. Emblem 11 an der Decke über der Emporenbrüstung ist durch polychrome Farbgebung hervorgehoben. Innerhalb der Deckenaufteilung ist dieses Emblem formal das Gegenstück zur Hl. Geist-Öffnung vor dem Chorbogen im O. Die meisten Vorlagen für die Darstellungen entstammen, wie Kemp nachgewiesen hat, den Emblembüchern von Boschius, Augsburg 1701, ferner Anton Ginther, ›Mater amoris et doloris...‹, Augsburg 1711, sowie Nicolaus Staudacher, ›Unsterblicher Tugend-Schatz... erworben von... Elisabetha Amalia Magdalena... Pfaltz-Gräfin bey Rhein‹, Augsburg 1709 (Kemp, S. 257 f.), doch ist »eine weitgehende Unabhängigkeit des Konzeptors gegenüber dem thematischen Bezug der Vorlage zubeobachten« (ebd. S. 128).

B Marienkrönung; B, Mariä Geburt, B, Heimsuchung, B, Herz Jesu, B, Herz Maria

bärtiger Apostel eine Binde um den Kopf, die dazu dient, daß das Chrisam so lange auf der Stirn bleibt, bis es getrocknet ist. Links kniet eine Mutter mit ihrem Kind, das noch auf den Vollzug des Ritus wartet. Beim Akt der Firmung wird um die Verleihung der sieben Gaben des Heiligen Geistes gebetet.

EB3 BUSSE Die reuige Sünderin salbt Jesus die Füße (Lc 7, 36-50) Beim Gastmahl im Haus des Pharisäers Simon kommt eine namenlose Sünderin, die erst seit den Kirchenvätern mit Maria Magdalena identifiziert wird, und netzt mit ihren Tränen die Füße Christi, trocknet sie mit ihrem Haar, salbt sie und erlangt durch diesen Beweis von Liebe und Reue die Vergebung ihrer Sünden. - Christus sitzt links an der Schmalseite der dichtgedrängten Tafel, dem Pharisäer gegenüber. Im Hintergrund öffnen sich Arkaden nach außen, über Christus ist ein großer Vorhang drapiert. Die Sünderin kauert tief gebeugt vor ihm am Boden, so daß ihr Körper unterhalb der Tischkante bleibt und ihre Gestalt vom weißen Tischtuch hinterfangen und hervorgehoben wird. Die beiden Hauptpersonen sind in rötlichen Tönen gehalten, dazu tritt das in großer Fläche verwendete Dunkelgrün des Vorhangs. Die Darstellung folgt vereinfacht und im Gegensinn einem Gemälde von Rubens in der Eremitage in St. Petersburg, von dem mehrere Nachstiche bekannt sind (Rooses, Max, L'Oeuvre de P. P. Rubens, Bd 2, Antwerpen 1888, S. 30–32, Taf. 86).

EB4 EUCHARISTIE Abendmahl Christus feiert mit seinen Jüngern das letzte Abendmahl an einer langen, bildparallel aufgestellten Tafel. Der Raum öffnet sich in großen Arkaden, doch ist die Mitte durch eine geschlossene Nische betont, von der Christus sitzt, der als einziger nimbiert ist, zu seiner Linken sein Lieblingsjünger Johannes. Über ihnen akzentuieren ein geraffter Vorhang und eine Hängelampe die Mitte und die beiden Gestalten noch zusätzlich. Die Einsetzung und Austeilung der Eucharistie ist veranschaulicht durch Christus, der das Brot hält und die rechte Hand im Sprechgestus erhebt. Die Apostel sind hinter dem Tisch und um seine Schmalseiten herum gruppiert. Links sitzt Judas in Rückenansicht, in der

EB Priesterweihe

Hand den Geldbeutel, und wendet sich einem Mundschenker zu, seinen Gegenpart rechts bildet Petrus, der fragend auf seine Brust deutet. Vor dem Tisch stehen zwei Hocker mit Kannen und Schüsseln.

Auf Poussins antikisierende, hufeisenförmige Anordnung des Tischs, an dem die Teilnehmer auf Speisesofas liegen, hat Zink nicht zurückgegriffen. In den beiden Hockern und der Hängelampe sind vielleicht Reminiszensen an dessen Darstellung zu sehen.

EB, LETZTE ÖLUNG Krankensalbung (Jac 5, 14) Die Krankensalbung geht auf eine Stelle im Jakobusbrief zurück:

»Ist jemand unter euch krank? Er soll die Presbyter der Gemeinde zu sich rufen lassen. Die sollen über ihn beten, indem sie ihn mit Öl salben im Namen des Herrn«

. Die Gleichsetzung dieser Salbung mit dem Sakrament der Salbung vollzog das Tridentiner Konzil.

Wie bei der vorbildlichen Komposition Poussins ähnelt die Szene einer antiken Totenklage. Zu dem Todkranken, der auf einer Kline liegt, beugt sich fürsorglich ein glatzköpfiger, bärtiger Mann, im Darstellungstyp dem Apostel Petrus ähnlich, in hellblauer antikischer Gewandung. Er streicht ihm Salbe auf die Augen, die er einem kleinen Gefäß entnommen hat. Am Kopfende hält ein junger Mann in seiner gesenkten Rechten eine Sterbekerze, rechts von ihm kniet eine von hinten gesehene Gestalt, die mit beiden Händen ein großes Buch umfaßt. Eine in tiefe Trauer versunkene Frau, das Gesicht in den Händen verbergend, lehnt am Fußende des Bettes, während zwei Personen im Hintergrund sich anteilnehmend dem Liegenden zuwenden.

EB Eucharistie
EB, Letzte Ölung

EB6 PRIESTERWEIHE Schlüsselübergabe an Petrus (Mt 16,16-19) In einer weiten arkadischen Landschaft, die am linken Bildrand durch Ruinen einer antiken Säulenarchitektur akzentuiert ist, steht in der Mitte Christus und überreicht dem vor ihm knieenden Petrus die Schlüssel. Hinter Petrus scharren sich die übrigen Apostel. Bei Poussin ist der Akt der Schlüsselübergabe an den linken Bildrand gerückt, die andern Apostel sind in isokephaler Anordnung in der vordersten Bildebene postiert.

EB7 EHE Vermählung von Maria und Joseph (Protoevangelium des Jakobus 9, 2 f.) Das Paar steht frontal in der Bildmitte unter einem Baldachin. Braut und Bräutigam reichen sich die Hand, der Hohepriester hinter ihnen segnet den Bund. Joseph trägt den blühenden Stab zum Zeichen seiner Erwählung. Mit den Gruppen der Freier rechts und der Frauen links hat sich Zink wieder an Poussin angeschlossen. Maria und Joseph sind dort allerdings kniend dargestellt, und anstelle des Baldachins schwebt eine große weiße Taube über der Szene

Ikonologie

Das ungewöhnliche Bildprogramm bezieht sich auf das Patrozinium der Kirche, die wie die meisten Spitalkirchen dem Heiligen Geist geweiht ist, dem Helfer und Fürsprecher (Parakletos) der Kranken und Armen. Hauptthema der Fresken an der Decke sind die Sieben Gaben des Heiligen Geistes, die seine siebenfältige Wirksamkeit veranschaulichen (A, A1-7), darge stellt durch Szenen aus den Viten einzelner Heiliger. Biblische Grundlage für die Lehre von den Geistesgaben bildet die Weissagung des Isaias (Is 11, 2f.), daß auf dem zukünftigen Messias der Geist des Herrn ruht »...spiritus sapientiae e intellectus, spiritus consilii et fortitudinis, spiritus scientiae e pietatis, et replebit eum spiritus timoris Domini« (nach Vulgata; im Urtext fehlt die Gabe der Frömmigkeit). Diese Aufzählung - Weisheit, Verstand, Rat, Stärke, Wissenschaft, Frömmigkeit, Gottesfurcht – legt die Reihenfolge der Gaben fest. Sie folgen stufenförmig aufeinander und sind zu Paaren geordnet, welche sich jeweils in ihrer Wirkung ergänzen. Ausgangspunkt ist Sapienta, während Timor Domini für sich allein am Schluß steht. Da jedoch »timor Domini initium sapientiae« ist (Ps. 110, 10; Prov. 1, 7 und 9, 10; Eccl. 1, 16), kann der Septenar auch in der umgekehrten Reihenfolge beschrieben werden. Eine weitere Systematisierung führt zur Unterscheidung von Gaben des Erkennens - Verstand, Weisheit, Wissenschaft, Rat – und Gaben des Wollens – Frömmigkeit, Stärke, Gottesfurcht. Eine für die Folgezeit verbindliche Erklärung der Gaben lieferte Thomas von Aquin (Summa Theologica II-II, 8): Der Geist ist das Geschenk Gottes an die Menschen, und seine sieben Kräfte oder Gaben befähigen die Gläubigen, die richtigen Entscheidungen für ihr Heil zu treffen. Das Konzil von Trient nennt sie eine Gabe der inneren Erneuerung. Der ungeraden Anzahl der Gaben zufolge muß bei ihrer bildlichen Wiedergabe eine von ihnen isoliert hervorgehoben werden. Im 18. Jahrhundert ist das meistens Sapientia als die ranghöchste, und nicht Timor Domini, wie man nach der Bibelstelle erwarten würde. In der Hl.-Geist-Kirche in Neuburg hat man, der fortlaufenden Zählung folgend, Fortitudo, der Stärke, den bevorzugten Platz in der Mittelachse der Decke zugewiesen, mit Blickrichtung zum Chor. Sowohl bei aufsteigender als auch absteigender Zählung nimmt sie die vierte Position, also die Mitte des Septenars, ein. Von der beiden verbleibenden Dreiergruppen steht die ranghöhere zu ihrer Rechten, die rangniedrigere auf der andern Seite. Innerhalb jeder Trias vollzieht sich die Abfolge nicht stufenweise sondern rhythmisiert, indem jeweils zwei zusammengehörige Gaben (A1,3 bzw. A5,7) die verbleibende dritte flankieren (A2 bzw. A6; s. Skizze).

Das Deckenprogramm unter den Auspizien des Heiligen Geistes wird weitergeführt mit den Vier Lateinischen Kirchenvätern, die kraft der Inspiration des Heiligen Geistes ihre Werke verfassen. Damit wird ein Aspekt aufgenommen, der im Alten Testament eine der wichtigsten Kräfte des Geistes Gottes bezeichnet, die Prophetie und Weissagung. Weitergeführt ist das Thema an der Emporenbrüstung mit der Wirkungsweise des Heiligen Geistes in den sieben Sakramenten. Die Anzahl von elf Emblemen - zehn Embleme in den Stichkappen und ein Emblem an der Decke über der Emporen- brüstung - korrespondiert nicht mit der Siebenzahl der Gaben. Die Embleme beziehen sich daher nicht auf die Gaben sondern allgemein auf den Heiligen Geist und seine verschiedenen biblischen und außerbiblischen Bezeichnungen, auf seine Anrufungen in der Liturgie, vor allem im Hymnus »Veni Creator Spiritus« und in der Sequenz »Veni sancte Spiritus«.

A. Sapientia – Johannes auf Patmos

Die Weisheit ist die Gabe, die zur Betrachtung der göttlichen und ewigen Dinge befähigt. Sie ist dem Evangelisten Johannes in besonderem Maße zuteil geworden. Er verkündet das höchste Geheimnis des Glaubens, die Menschwerdung des im Heiligen Geist empfangenen Gottessohns. Als der Geisterfüllte verfaßt er in der Verbannung die Apokalypse. Ihm erscheint das Apokalyptische Weib als Hinweis auf die Menschwerdung Christi, die Verkörperung der Weisheit Gottes.

Christi, die Verkörperung der Weisheit Gottes. Der Augsburger Prediger P.F. Lucas à S. Benedicto OCD hat, Thomas von Aquin folgend, in einem Diskurs die Sieben Gaben des Heiligen Geistes behandelt (»Frucht des Gebetts, Das ist: Die siben Gaaben des Heil. Geistes, welche der glorwürdige H. Vatter Joseph durch das immerwehrende Gebett erhalten...«, Augsburg 1745; s. dazu Wirth 1979, S. 234u. ö.). Demnach ist die erste Tugend, die die Weisheit mit sich bringt, die Keuschheit. Maria, die Wohnung für die vermenschlichte göttliche Weisheit, besaß sie. Moses hingegen durfte sich dem brennenden Dornbusch, der nur eine Vorausdeutung dieser vermenschlichten Weisheit war, nicht nähern, ohne vorher seine Schuhe, die »viehische« Sinnlichkeit, abgelegt zu haben. Nur Johannes, der geliebte Jünger, genoß wegen seiner jungfräulichen Reinheit das Privileg, am Herzen der göttlichen Weisheit, d.h. an der Brust des Herrn, zu ruhen und so die höchsten Geheimnisse zu begreifen. (Damit in Zusammenhang steht wohl das Motiv der unbeschuhten Füße des hl. Johannes; siehe dazu Giess, Hildegard, Die Gestalt des Sandalenlösers in der mittelalterlichen Kunst, in: Miscellanea Bibliothecae Hertianae zur Ehren von Leo Bruhns, Wolff Graf Metternich, Ludwig Schudt [Römische Forschungen der Bibliotheca Hertziana, 16], München 1961, S.48, 51f.). Im Septenar der Gaben sind Weisheit und Furcht des Herrn aufeinander bezogen. Auch im Deckenbild sind sie einander gegenübergestellt. Damit treten Paulus und Johannes in Parallele, die beide in ihren Schriften in besonderem Maße den Heiligen Geist bezeugt haben.

A, Intellectus – Thomas von Aquin

Die Gabe des Verstandes ergründet die Glaubensgeheimnisse, die übernatürlichen Wahrheiten und göttlichen Vollkommenheiten (Lucas à S. Benedicto, S. 74). Zur Exemplifizierung dieses Donum ist niemand besser geeignet als der von der Geisttaube inspirierte große Theologe Thomas von Aquin, der selbst die Gaben des Geistes interpretiert und ihre Lehre systematisiert hat.

A, Consilium - Ignatius bekehrt Franz Xaver, den zukünftigen Missionar.

Consilium beschäftigt sich im speziellen Sinne mit dem Seelenheil. Dazu sagt Lucas à S. Benedicto, daß durch die Gabe des Rates der Heilige Geist einer frommen Seele mitteilt, was

sie in schweren und besonderen Begebenheiten für ihr Heil zu tun habe (S. 95). Und er fragt: Was ist heiliger als aus Liebe zum Seelenheil sich in die neue Welt zu begeben und sein eignes Leben der grausamen Marter auszusetzen? (S. 101).

Der Heilige Geist gibt drei Ratgeber an die Hand: einen gottesfürchtigen Mann, das eigene Herz und den großen Gott, den wir durch Gebet um Rat fragen sollen (S. 102). Zur Gabe des Rates gehört das Predigen, Beichtehören, Unterrichten, Strafen. Jeder soll auch, seinem Stand entsprechend, für das Seelenheil anderer Menschen tätig sein, damit Heiden, Ketzer und Sünder bekehrt werden (S. 114).

Die Sorge des hl. Ignatius für das Seelenheil des Freundes Franz Xaver (»Quid prodest...«) und schließlich dessen Bekehrung sowie der gleichzeitige Verweis auf dessen spätere Missionstätigkeit, spiegelt in ihren beiden prominentesten Vertretern in paradigmatischer Form die Ziele der Gesellschaft Jesu, die in der Hl.-Geist-Kirche das Predigtamt inne hatte, sie als Filialkirche ansah und wohl für die Gestaltung des Bildprogramms ausschlaggebend war.

A. Fortitudo – Martyrium des hl. Laurentius.

Das Donum Fortitudinis befähigt dazu, allen Widrigkeiten die Stirn zu bieten und selbst das Martyrium zu erleiden. Bei Verfolgungen wird dem Gläubigen der Geist verliehen, der ihm eingibt, was er zu seiner Verteidigung zu sagen hat. Der Märtyrer ist nach Auffassung der Kirche neben dem inspirierten Propheten derjenige, der den Heiligen Geist im höchsten Maße besitzt. Das Martyrium wird als Bluttaufe mit der Wassertaufe gleichgesetzt. Der Märtyrer nimmt dadurch nicht nur symbolisch, sondern tatsächlich am Tod Christi und seiner Auferstehung teil.

Das Beispiel des hl. Laurentius lehrt, daß man alle Qual und Pein dieser Welt gerne erleiden soll, damit man der Pein des höllischen Feuers entgeht. Die Wahl dieses Heiligen zur Verkörperung von Fortitudo hängt zweifellos mit der 1710 an der Kirche gegründeten Allerseelenbruderschaft zusammen, die unter dem Schutz des Heiligen Geistes stand. In ihr wurde auch der hl. Laurentius besonders verehrt. Das Gemälde auf ihrem Altar mit den Sieben Zufluchten zeigt unter den dargestellten Heiligen den hl. Laurentius an exponierter Stelle neben den Armen Seelen im Fegefeuer. Für die Verstorbenen wurde die Litanei des Heiligen Geistes gebetet.

A. Scientia – Hl. Ivo

Die Weisheit beschäftigt sich mit göttlichen Dingen, während sich die Wissenschaft mit dem Erschaffenen befaßt. Diese schaut Gott und in Gott die Kreaturen, jene die Kreaturen und in ihnen Gott (Lucas à S. Benedicto S. 119). In seinen Kreaturen sollen wir Gott suchen und loben.

Der hl. Ivo, Advokat und Fürsprecher der Waisen und Witwen, setzt die juristische Wissenschaft, die unter seinem Patronat steht, zum Wohl der Armen ein und verkörpert so in idealer Weise die Wirkungsweise des Heiligen Geistes als Parakletos, als Beistand, Fürsprecher und Zeuge. Paulus und Johannes stellen in ihren Schriften Jesus und den Heiliger Geist als Anwälte und Zeugen in unmittelbaren Zusammenhang. Jesus sagt in seiner Abschiedsrede an die Jünger: »Und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Helfer geben, damit er in Ewigkeit bei euch bleibe« (Io 14,16) Und: »Der Helfer aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe« (Io 14,26). In der Bibliothek der Erzabtei St. Peter in Salzburg zeigt ein Emblem den hl. Ivo, mit der Inschrift: Advocatum habemus (Lesky Grete, Barocke Embleme in Vorau und anderen Stiften Österreichs, Graz [1963], S. 76 f.).

A. Pietas – Hl. Helena

Zur Pietas gehört es, seinen Vater zu ehren; so sollen auch wir kraft des Heiligen Geistes, Gott als unserem Vater die schuldige Ehre erweisen. Pietas ist dem Timor Dei sehr ähnlich. Ursprünglich galten beide als eine einzige Gabe, erst später teilte man sie auf.

Nach Lucas à S. Benedicto macht die Gottseligkeit das Gebet so kräftig, daß uns Gott nichts abschlagen kann (S. 181). Bei 1 Tim 4, 7-8 heißt es: »Übe dich vielmehr in der Frömmigkeit. Denn Übungen des Leibes sind nur zu wenigem nütze: die Frömmigkeit ist jedoch zu allem dienlich, ihr gilt die Verheißung des gegenwärtigen und des zukünftigen Lebens«. Exemplifiziert ist die Gabe der Frömmigkeit durch die Kaiserin Helena als Förderin des Christentums, die zahlreiche Kirchen erbaute und der die Legende die Auffindung des Kreuzes Christi zuschreibt.

A7 Timor Dei – Bekehrung des Paulus.

Nach Lucas à S. Benedicto treibt die Gabe der kindlichen Furcht die Seele des Gerechten an, mit Gott ehrerbietig umzugehen und alles zu vermeiden, was sie von ihm abwender könnte (S. 225). Damit bezieht er sich auf den hl. Thomas (Summa Theologica II-II, 19, 9), der dieser Geistesgabe die Vorrangstellung vor allen anderen einräumt, was er u. a. belegt mit einem Ausspruch des hl. Gregor in den Moralia: »Qui sine timore est, non poterit iustificari«.

Wichtig für die Darstellung Pauli als Exemplum für diese Geistesgabe ist die Nachgeschichte seiner Berufung zum Apostelamt: Ananias wird zu dem Erblindeten geschickt, da er bete (Act 9,11 ff.) und da Gott ein auserwähltes Werkzeug aus ihn machen will. Dann erfolgt die Verheißung an Paulus: »Du sollst wieder sehend und vom Heiligen Geist erfüllt werden« (Act 9, 17). Nach seiner Berufung haben die Kirchen in Judäa Galiläa und Samaria Frieden. »Sie bauten sich auf und wandelten in der Furcht des Herrn und wurden erfüllt vom Trost des Heiligen Geistes« (Act 9, 31). Mit der Vision des Evangelisten Johannes (A1) und der Bekehrung und Berufung Pauli (A7) sind Anfang und Ende des Septenars, Paulinische und Johanneische Theologie einander gegenübergestellt.

Bei den zehn Emblemen in den Stichkappen (1-10) entsprechen sich die einander gegenüber angebrachten Tondi in Größe und Farbe. Eine inhaltliche Bezugnahme untereinander wurde offenbar angestrebt, aber nicht immer streng durchgeführt.

Das erste Emblempaar, jeweils mit der Darstellung eines Schiffs, das sich an einem Leuchtturm (1), bzw. einem Stern orientiert (2), bezieht sich mit der Metapher vom Schiff (Lebensschiff, Schiff der Kirche), das durch das Licht geleitet wird, auf die Erscheinungsweise des Heiligen Geistes als Licht und auf seine Eigenschaft als Führer und Leiter des Menschen (vgl. z. B. Jo 16,13). Im Hymnus > Veni Creator Spiritus < heißt es »ductore sic te praevio, vitemus omne noxium« (so wollen wir mit dir als wegweisendem Führer allen Schaden vermeiden). Unter den verschiedenen Anrufungen, die der hl. Augustinus dem Heiligen Geist beilegt, finden sich u.a. :»Komme, du Glücksstern der Schiffenden, du Port der Scheiterenden« (Ribadeneira-Hornig Bd. L. S. 60 ff.: Pfingsten).

Die beiden nächsten, etwas größeren Embleme über den Stichkappen zu den Kapellen stellen einen Diamanten, dessen Reinheit von einem Sonnenstrahl geprüft wird, mit der Inschrift Intima lustrat (3), einer Zypresse im Sturm, bezeichnet Concussio firmat (4), gegenüber. Beide meinen die Standhaftigkeit. Zu den Eigenschaften des Diamanten gehört neben seinem feurigem Glanz vor allem seine große Härte, die ihn unbezwingbar und standhaft erscheinen läßt. Darin gleicht er der Zypresse, die den Stürmen trotzt und ebenfalls Standhaftigkeit symbolisiert.

Der Diamant, dessen Innerstes von der Sonne durchleuchtet und geprüft wird, weist auf den Heiligen Geist als Licht der Herzen. In der Sequenz > Veni, Sancte Spiritus < wird er angerufen als »lumen cordium« und »O lux beatissima, reple cordis intima tuorum fidelium«. Die Anregung für das Emblem stammt von Emblem LX in Ginthers > Mater amoris et doloris < wo unter derselben inscriptio eine Sonne über einem Herzen zu sehen ist und im Text das Herz Mariens einem Diamanten verglichen und dadurch auf ihre Begnadung hingewiesen wird. Auch in der Hl.-Geist-Kirche steht das Emblem für die Gnade Gottes, vgl. Picinelli, Lib.XII, Nr. 28, s. v. adamas: Wie der vor der Sonne beschienene Diamant einen größeren Glanz erhält, so auch der Mensch, der der Gnade Gottes ausgesetzt ist; mit einer Erläuterung durch ein Wort des hl. Augustinus:» Hoo agit Spiritus Sanctus, ut imaginem Dei, qua naturaliter fact sumus, instauret in nobis«.

Der Diamant bildet den Schmuck eines Fingerrings, vielleicht als Hinweis auf den Ring des verlorenen Sohnes, den dieser nach seiner Rückkehr vom Vater erhielt, nach dem hl. Ambrosius eine Metapher für die Verleihung des Geistes in unsere Herzen: »Qui autem anulum habet, et Patrem habet et Filium et Spiritum sanctum; quia signavit nos Deus, cuis imago Christus et dedit pignus Spiritum in cordibus nostris ut sciamus hoc anuli istius qui in manum datur esse signaculum, quo cordis interiora, factorumque nostrorum ministeria signantur. Ergo signati sumus, sicut legimus: credentes inquit, signati estis Spiritu sancto« (exp. in Lc 7,231. Wer den Ring hat, hat auch den Vater und den Sohn und den Heiligen Geist; so bezeichnet uns Gott, dessen Abbild Christus ist, und gibt uns als Unterpfand den Geist in unsere Herzen, so daß wir wissen, daß das die Bedeutung jenes Ringes ist, der an die Hand gesteckt wird. womit das Innere unseres Herzens und die Dienstleistungen unserer Taten bezeichnet werden. So sind wir gesiegelt, wie wir lesen: Ihr Gläubigen, sprach er, seid gezeichnet mit dem Heiligen Geist (zit. nach G. W. Lampe, S. 256).

Die Zypresse als Zeichen der Standhaftigkeit bezieht sich auf den Heiligen Geist, der den Gläubigen zu ihrer Stärkung verliehen wird. Im genannten Hymnus wird er angerufen »infirma nostri corporis virtute firmans perpeti« (uns bestärkend, die Schwäche unseres Körpers mit Tugend zu ertragen). In Zeiten der Verfolgung verleiht er übernatürliche Kraft, durch die selbst das Martyrium erduldet werden kann (Mc 13,11; Mt 10, 19f.; vgl. auch Picinelli, Lib. IX, cap. 12, s.v. cypressus, Nr. 159).

Ein Mann im Heckenlabyrinth, einem Bild für den verworrenen Lebensweg, wird durch die göttliche Hand im Himmel geleitet, mit der er durch einen Stab oder durch einen Faden verbunden ist (5), ein erneuter Hinweis auf die Wirkungsweise des Heiligen Geistes als Führer, entsprechend der Anrufung im Hymnus »digitus paternae dexterae« (Finger an der väterlichen Rechten. - Über den Heiligen Geist als Finger Gottes s. auch Daniélou, Jean, Liturgie und Bibel. Die Symbolik der Sakramente bei den Kirchenvätern, München [1963], S. 334). Die Bienen, die aus allem nur das Nützliche saugen (6), meinen bei Picinelli den Gelehrten (Lib. VIII, Nr. 19 und 48). Im vorliegenden Kontext beziehen sie sich auf die Befähigung zur Auswahl und Vermittlung dessen, was nützlich ist für das Seelenheil, wie es auch in dem Consilium verkörpernden Deckenbild (A3) durch die Inschrift: Quid prodest zum Ausdruck kommt. Im Hymnus wird erfleht »sermone ditans guttura« (bereichere unsere Kehlen mit der Gabe der Rede). Über die Wahl des Nützlichen klärt uns 1 Tim 4,8 auf: »Pietas autem ad omnia utilis est«.

Die Sieben Gaben des Hl. Geistes, Kupferstich von Johann d. Ä. (?) Assne

Kom eiliger Seiß, erfil ie ein Herf find Sin, mit deinen Waben

Die Sieben Gaben des Heiligen Geistes, Kupferstich, frühes 18. Jahrhundert

Das Adleremblem (7) hat seinen Ursprung in der Angabe des Physiologus, daß der Adler seine Jungen anerkennt, wenn sie imstande sind, offenen Auges ohne zu blinzeln zur Sonne emporzufliegen. Sie folgen bei dem Höhenflug seinem Beispiel. Im Hymnus heißt es »per te sciamus da Patrem, noscamus atque Filium« (gib, daß wir durch dich den Vater erkennen, und auch den Sohn erkennen). Ein auf Maria bezogenes Emblem mit derselben pictura und der Inschrift »Die getreuc Diener dein, führst mit dir in Himmel ein« befindet sich in der Pfarrkirche in Aislingen, gemalt von Matthias Wolcker 1737 (Meyer, Werner, Studien zur emblematischen Deckenmalerei an Beispielen aus dem Landkreis Dillingen an der Donau, in 26. Bericht des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege 1967, S. 136 u. Abb. S. 138).

Durch das auf Gen 8, 21 zurückgehende Lemma In odorem suavitatis ist das Weihrauchfaß (8) Sinnbild der Andacht und des aufsteigenden Gebets und dem gegenüber angebrachten Adleremblem durch die Hinwendung nach oben in der Bedeutung gleichgerichtet. Auch Ripa bringt die Inzensation als Sinnbild des Gebets, nach Psalm 141, 2: »Wie Weihrauch steige empor zu dir mein Gebet«. Das Gebet ist eine Gnadengabe des Heiligen Geistes, welcher bewirkt, daß der Mensch überhaupt bitten kann, nach dem Wort des Paulus an die Römer (8, 26): »Wir wissen ja nicht, um was wir bitten sollen, wie es sich

gehört. Da tritt der Geist selbst für uns ein mit unaussprechlichen Seufzern«.

Der Mond und die Sterne, die im Dunkeln leuchten (9), verweisen auf die Gemeinden, die vom Heiligen Geist geführt werden und von denen Paulus deshalb ein neues Leben fordern kann (Phil 2, 15), »damit ihr untadelig seid und lauter, Gotteskinder ohne Makel mitten in einem verdrehten und verkehrten Geschlecht, unter denen ihr leutet wie Sterne im Weltall«.

Diese Bibelstelle wird vom hl. Ambrosius so kommentiert »Lunae et stellae non amittunt lucem suam propter noctem sed magis lucent; sic vos mente in coelo fixi, licet inter tene brosos et infedeles sit vestra conversatio, non obscuramini; sec magis lucetis benè operando (Die Monde und die Sterne ver lieren ihr Licht in der Nacht nicht, sondern leuchten mehr. So werdet ihr, wenn ihr im Geist mit dem Himmel verbunder seid, nicht verdunkelt, auch wenn ihr unter Dunklen und Ungläubigen wandelt, sondern ihr leuchtet mehr durch eur guten Taten«; Picinelli, Lib.I, Nr. 229 s. v. luna, mit dem Lemma IN TENEBRIS CLARIOR).

Durch die aufgehende Sonne, die mit zunehmendem Licht immer mehr emporsteigt (10), ist das Wachsen und Zunehmen im Geist thematisiert und damit der Gedanke von Emblem 9 weitergeführt. Picinelli bringt die aufgehende Sonne mit der inscriptio CRESCIT ADHUC und erläutert mit Prov 4,18: »Justorum semita quasi lux splendens procedit, et crescit usque ad perfectum diem« (Aber der Gerechten Pfad glänzet wie ein Licht, das fortschreitet und immer mehr zunimmt, bis auf den vollen Tag).

Das polychrome Emblem an der Langhausdecke (11), das einen Springbrunnen zeigt, dessen Wasser in sieben Strahlen herabfällt, bezieht sich wegen seiner Anbringung über der Emporenbrüstung auf die Herabkunft des Heiligen Geistes in den sieben Sakramenten. Gleichzeitig meint das Emblem durch das siebenfache Strömen des Wassers auch den Heiligen Geist mit seinen sieben Gaben. Vergleichbar ist das Bild des Nil bei Picinelli (Lib. II, Nr. 480, s.v. Nilus): »cum Spiritus sanctus septem praecipue donis mundum foecundet; idcirco Carolus Rancatus eum cum Nilo comparet, qui uberrimas suas aquas in septem divortia discriminare solitus, epigraphen tenet SEPTEM DICURRIT IN ORA«. Ein ähnliches Emblem findet sich bei Boschius I, Nr. 360, beschrieben als »fons influens in varios urceolos« mit dem Lemma SATIS OMNIBUS UNUS. Es symbolisiert die Tugenden des hl. Franz Xaver, mit der Erläuterung »Baptismo lustrat centena hominum millia« (Mit der Taufe läutert er hunderttausend Menschen).

Sowohl das Programm als auch die formale Gestaltung der Ausmalung der Hl.-Geist-Kirche sind sehr ungewöhnlich. Anregung für die siebenstrahlige Komposition im Langhaus bot die religiöse Andachtsgraphik mit Darstellungen der Sieben Gaben des Heiligen Geistes. Sehr ähnlich ist z. B. ein Augsburger (?) Kupferstich des frühen 18. Jahrhunderts mit geflügelten brennenden Herzen, die von der Taube des Heiligen Geistes im Zentrum, dem »Licht der Herzen«, ausgehen. Auch die Bezeichnung der Gaben durch Inschriften, die auf die brennenden Herzen ausgerichtet sind, ist entsprechend (Woeckel, Gerhard, Pietas Bavarica. Weißenhorn 1992, S. 10; und Abb. oben). Dem Prinzip, die Taube, die sieben Strahlen entsendet, im Zentrum anzuordnen, folgt auch der Augsburger Kupferstich von Fr. Jos. Gleich (BNM, Kr. H. 5098). Hier sind für die Gaben nur ihre Namen angegeben. Dasselbe Schema zeigt auch ein Kupferstich, bezeichnet »Assner.Sc. et Exc. Vi«, bei dem nun die einzelnen Gaben durch Halbfiguren biblischer Personen in Medaillons präsentiert werden (BNM, Kr. H. 1047; s. Abb. S. 179). Dieselbe Darstellung, gestochen von M. Engelbrecht in Augsburg, nun mit lateinischen statt deutscher Inschriften, findet sich in einem Gebetbuch (BNM, Kr. B 30).

Mit der 1725 entstandenen Ausmalung der Hl.-Geist-Kirche mit den Sieben Gaben des Heiligen Geistes tritt uns, soweit man sehen kann, überhaupt die früheste Gestaltung dieses Themas im großen Format als Deckenbild in einem Kirchenraum entgegen, in ihrer eigenwilligen Komposition inspiriert durch die zeitgenössische Andachtsgraphik. Hier war, z. B. in dem Stich von Assner, auch die Anregung gegeben, wie in der Exegese üblich, biblische Personen als Exempla für die Gaben des Geistes zu wählen. Neu und ungewöhnlich ist in der Hl.-Geist-Kirche dagegen, die Gaben durch exemplarische Begebenheiten aus dem Leben einzelner Heiliger zu veranschaulichen. Erst 1742 hat dann Gottfried Bernhard Göz in einer Kupferstichfolge die Personifikationen der Gaben durch szenische Wiedergaben aus der Hagiographie bereichert (Wirth 1979).

Die Auswahl der Themen im Freskenzyklus der Hl.-Geist-Kirche mit einer konkreten Verbindung zum kirchlichen Leben in den Sakramenten und der ungewöhnlichen Illustration der Sieben Gaben des Heiligen Geistes durch Szenen aus dem Leben von Heiligen zielt auf Anschaulichkeit. Der Erfinder des Programms, wohl einer der Neuburger Jesuiten, verfolgte damit ausgeprägt seelsorgerische Ziele. Seine Konzeption erweist sich im Vergleich mit anderen Programmen gleicher Thematik – die meisten sind später entstanden – als ausgesprochen originell.

Quellen und Literatur

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Ebd., BO: Summarische Übersicht der Pfarr- und Kirchenverhältnisse zu Beginn des Jahres 1892.

BHStA, PNA, NA 1989, Nr. 3787: Reparaturen an der Pfarrkirche Hl. Geist in Neuburg 1720–23.

BLtD, Registratur, Akten Neuburg, Pfarrkirche Hl. Geist. StA Augsburg, Regierung Nr. 13012: Reparaturen 1880–1934.

Liebs-Bund oder Bruderschaft so zu Trost deren Lebendiger und Abgestorben unter dem Schutz des Heil. Geistes... In der Löblichen Unteren Stadtpfarrkirche...1710...ist eingeführer worden, Augsburg 1785 (Exemplar im Archiv des Historischen Vereins Neuburg 57–09).

Graßegger, Joseph Benedikt, Die Stadtpfarrkirche zum hl. Geist, in: NK 18, 1852, S. 50–67.

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Weissenberger, Paulus, Die Malerfamilie Matthias und Johann Michael Zink. Ihre Lebensgeschichte und ihr Lebenswerk, in Ellwanger Jahrbuch 22, 1967/68, S. 37–51, bes. S. 46–48 und Abb. S. 47.

Thiele, Roland, Die Geschichte des Hl.-Geist-Bürgerspitals in Neuburg an der Donau, in: NK 127, 1974, Anhang.

Schiller, Gertrud, Ikonographie der christlichen Kunst, Bd 4, 1, Gütersloh 1976, S. 38.

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B. V.-K.