Neuburg an der Donau, Studienkirche St. Ursula
Studienkirche Wolfgang-Wilhelm-Platz B 89
Ehem. Klosterkirche der Ursulinen, Filialkirche von St. Peter. Das Kloster wurde 1813 aufgehoben; 1816 gelangten die Gebäude mit der Kirche in den Besitz des 1638 gegründeten Studienseminars. 1707 wurde an der Kirche eine Herz-Jesu- Bruderschaft errichtet.
Patrozinium: St. Ursula
Zum Bauwerk: Das Neuburger Kloster wurde vom Ursulinenkloster in Düsseldorf aus gegründet, wo der Landesfürst, Kurfürst Johann Wilhelm, residierte. Sein Stiftungsbrief für den Bau der Neuburger Niederlassung datiert vom 22. 3. 1698. Als Architekt berief man den Vorarlberger Valerian Brenner, der seit 1678 in Günzburg ansässig war und 1692 als Fürstbischöflich Augsburger Baumeister genannt wird (†1715 in Günzburg). Die von Brenner gefertigten Risse für Kloster und Kirche wurden an Johann Wilhelm zur Approbation geschickt, dieser entschied sich am 13. 2. 1699 für den Riß Nr. 1, worauf am 9. 3. der Kontrakt mit Brenner geschlossen wurde (StA Augsburg, Kloster Neuburg, Ursulinerinnen, Akt 2, fol. 69r-70r). Man begann zunächst mit dem Bau des Klosters, die Grundsteinlegung für die Kirche erfolgte am 15. 4. 1700. Bereits am 8. 10. 1701 waren die Bau- und Ausstattungsarbeiten in Kloster und Kirche abgeschlossen (StA Augsburg, Seminar Neuburg, Nr. 2179, ohne fol.), am 11. 12. fand die feierliche Weihe statt. Die Hauptarbeit der Ausstattung hatte man dem italienischen Stuckator Nikolaus Perti, kurfürstlich bayerischem Hofstuckator, übertragen, der Kirche und Kloster »mit Kalckschneiderey und theils Gibs arbeith« entsprechend den von ihm gezeichneten Rissen für die Gesamtsumme von 2204 fl. dekorierte. Der Stuck der Kirche war dabei mit 750 fl. veranschlagt (ebd. Nr. 2178, fol. 181).
Dazu stellte Perti am 29. 10. 1701 eine Nachforderung, da er zu knapp kalkuliert hatte und zusätzlich und abweichend vom Vertrag »neben Ihrer Churfürstl. Dhtl. höchst ansehentlichen Wappen noch einen Vorhang samt zweyen Kindlein, welche auch eine zimbliche Zeit erfordert«, habe verfertigen müssen (ebd., Nr. 2179, ohne fol.). Die Gesamtkosten für Kirche und Kloster beliefen sich nach Krumme auf 88 397 fl. 39 kr. (zur Baugeschichte ausführlich Gabor 1999, S. 113–130 u. Krumme 2002, S. 41–44).
Die Kirche ist nach S ausgerichtet und auf dieser Seite sowie im W vom Kloster umbaut, Haupteingang von N. Saalbau zu drei Jochen, eingezogener AR, halbrund geschlossen. Gliederung durch knappe Wandpfeiler mit kräftig profilierten Gebälkstücken, besetzt mit Pilastern. Im N ein Joch tiefe Orgelempore mit gerader Brüstung (ehem. Nonnenempore). Belichtung im O durch drei große rundbogige Fenster, ebenso an der Eingangsseite im N, wo unten noch zwei querovale Fenster das Portal flankieren. Im AR nur ein großes rundbogiges Fenster (gegen einen Innenhof). An der westlichen LHs-Wand je zwei vergitterte Oratorien übereinander. Reicher Stuckdekor, vor allem an der Decke, aus Rahmenwerk, Kartuschen, kräftiger Akanthusranken, Rosetten, Blättern und Blüten. Im Chor, der als Musikchor diente, finden sich in den Gewölbezwickeln Musikinstrumente, liturgisches Gerät sowie Rosen und Lilien.
Auftraggeber: Kurfürst Johann Wilhelm von der Pfalz (1690–1716). Er ist in B gemeinsam mit seiner Gemahlin Anna Maria Luisa de' Medici als Stifter von Kloster und Kirche dargestellt. Über dem Chorbogen präsentieren zwei Stuckengel eine Kartusche mit seinem Wappen, bekrönt vom Kurhut, vor einer Stuckdraperie mit weiteren Engeln. Ein zweites Wappen Johann Wilhelms befindet sich über dem Eingangsportal.


Autor und Entstehungszeit: Johann Christoph Schalck (* um 1645 † nach 1701) 1701 In der Rechnung über den Klosterbau 1699-1703 ist verzeichnet: »Johann Christoph Schalckhen Mahlern alhier wegen Anstreichung deß Thurn Knopfs mit guettten Goldt und Mahlung des Kürchen gwölbs bezahlt lt. Zetls 215 fl.«. Und von anderer Hand: »Weilen unter dießen 215 fl. retro unter dem Titul weittere Außgaben No. 1 vom Steur ambt 60 fl. auffgerechnet und alsda in Ausgab gesetzt worden, so seynd sothane 60 fl. von obigen 215 fl. ab zu ziehen und bleiben 155 fl.« (StA Augsburg, Seminar Neuburg, Nr. 2178, fol. 23 r; Gabor, S. 121; Krumme, S. 103). Der Künstler ist identisch mit dem in Thieme-Becker (29, 1935, S. 171) genannten J. C. Schalckh. An Werken sind bisher nur die von ihm gezeichneten und von Jakob Müller und Johann Georg Wolffgang gestochenen Tafeln in der ›Symbolographia‹ des Neuburger Jesuiten Jacobus Boschius (Augsburg 1701) bekannt (s. S. 206 f.). Die Fresken in St. Peter in Neuburg werden ihm von uns zugeschrieben (s. S. 156). Johann Christoph Schalck war der Schwiegervater des Neuburger Hofmalers Franz Hagen, der für die Ursulinenkirche das signierte und 1722 datierte Hochaltarbild mit dem Martyrium der hl. Ursula sowie die beiden Seitenaltarbilder malte und dem ein Teil der Entwürfe für die kostbaren gestickten Antependien zugeschrieben wird, die die Neuburger Ursulinen für ihre Altäre fertigten (drei davon im Schloßmuseum Neuburg).
Befund
Träger der Deckenmalerei: A-C flache Tonne mit Stichkappen, D Kreuzgratgewölbe
Rahmen: A-C queroblonge Vierpässe mit vergoldeten Stuckprofilrahmen, darum kräftige Laubgirlande mit Früchten, an den Einziehungen quergestellte Akanthusblätter; die Girlande wird in der Querrichtung übergriffen von großen Akanthuszweigen, die aus Kartuschen hervorwachsen, die zu den Stichkappen überleiten. D Rundbild mit vergoldetem Profilrahmen, umgeben von Lorbeergirlande
EB1-3 Querovale Felder mit vergoldetem Rundstäben, oben mit gekräuselten Bändern angebunden, unten von zwei großen, aufsteigenden Zweigen begleitet, bei EB1,3 Eichenzweige, bei EB2 Lorbeerzweige
Technik: Fresko, polychrom
Maße: A–C Höhe 14,09 m; 3,30×3,80
D Höhe 11,15 m; Ø 2,30
EB1-3 Breite jeweils ca. 1,50
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Bei der bayerischen Belagerung Neuburgs im Spanischen Erbfolgekrieg 1703 mußten die Nonnen das Kloster räumen. Durch Beschuß wurde das Dach der Kirche beschädigt. 1712 war noch keine Reparatur erfolgt, so daß es durchregnete und die Stuckaturen bereits Schaden gelitten hatten (StA Augsburg, Seminar Neuburg, Nr. 2181). Demnach ist zu diesem Zeitpunkt eine Beschädigung auch der Fresken nicht auszuschließen. 1943 wurde in einer bis dahin zugemauerten Gruft im Erdgeschoß des Seminars ein Wandfresko mit Christus am Kreuz entdeckt. 1953/54 unterzog die Fa. Finkenzeller, München, die Kirche einer Restaurierung. An Wandrestauratoren waren im Gespräch Erwin Vogt, München, und Theo Sprenzinger, Wildenroth. Im Gutachten des BLfD vom 20. 10. 1953 heißt es u. a.:
»Die Deckenbilder wie die Bilder in der Emporenbrüstung zeigen keine besonderen Schäden. Sie bedürfen in erster Linie einer sorgfältigen Reinigung, wenn möglich nur trocken« (BLfD, Registratur). Anläßlich dieser Restaurierung wurden die kleinen Medaillons in den Stichkappen des LHs freigelegt. 1958 wurde das Wandgemälde in der Gruft restauriert. Um 1984 baute man auf der Nonnenempore eine neue Orgel ein, die so groß ist und so weit hochragt, daß sie das Deckenbild A weitgehend verdeckt. Es ist vom Kirchenschiff aus nicht mehr sichtbar. Die letzte Restaurierung führte die Fa. Alfred Binapfel, Friedberg, 1989/90, durch. Die Voruntersuchung ergab »In einem sehr schlechten Zustand befinden sich die 1953/54 freigelegten und z.T. stark übermalten kleinen Deckenmedaillons. Hingegen sind die großen Medaillons in den Gewölbescheiteln sehr viel besser erhalten und bedürfen wohl keiner sehr großen konservatorischen Maßnahmen« (BLfD an das Studienseminar Neuburg, 14. 2. 1989).
Beschreibung und Ikonographie
Bei der Ausmalung des LHs ist jedes der drei Joche als Einheit aufgefaßt. A-C werden jeweils von zwei übereinstimmenden emblemähnlichen Darstellungen in den Stichkappen begleitet, die bei A und C in querovalen Feldern gemalt sind, die von Stuckzweigen gerahmt sind, bei B in herzförmigen Feldern gerahmt von schweren Akanthusranken aus Stuck. Die erklärenden Inschriften dazu sind auf zwei Kartuschen an den Wänden verteilt; der Text beginnt jeweils auf der O-Seite und wird auf der W-Seite fortgesetzt. A ist nach N, in Richtung zum Eingang, zu betrachten, B-C nach S, in Richtung zum Chor.
A VISION DER HL. ANGELA MERICI (von der Orgel verdeckt) Die hl. Angela Merici wird in einer Vision zur Gründerin des Ursulinenordens berufen, bei der sie eine von der Erde zum Himmel reichende Leiter erblickt, auf der eine große Schar festlich gekleideter Jungfrauen von Engeln und der hl. Ursula zum Himmel geleitet wird. Von oben neigt sich Gottvater zu ihnen herab. Die knieende Angela vernimmt dabei die Worte, die auf einem Spruchband im Himmel über ihr zu sehen sind: ANGELA, NON MORIERIS PRIUS- QUAM SOCIETATEM SANCTAE URSULAE FUNDA- VERIS (Angela, du wirst nicht sterben, ehe du den Orden der hl. Ursula gegründet hast).
Die begleitenden Darstellungen in den Stichkappen zeigen je ein Buch vor blauem Himmel, von grauen Wolken umgeben, mit der Inschrift:
(Im Osten) VITA / CON / TEM / PLATI / VA (Im Westen) VITA ACTI / VA
In den zugeordneten Kartuschen die Inschrift: (Im Osten): AVDI / DISCIPLINAM / PATRIS / TUI (Im Westen) NE DIMIT-/TAS LEGE[M]/MATRIS/TVAE. (Prov 1,8: Mein Kind, gehorche der Zucht deines Vaters und verlaß nicht das Gebot deiner Mutter).
B DIE HL. URSULA ALS PATRONIN Die Heilige thront frontal auf Wolken, flankiert von zwei Engeln, die ihren braunroten Mantel, den sie über blauem Kleid trägt, als

Schutzmantel auseinanderbreiten. In der rechten Hand hält sie einen Pfeil als Zeichen ihres Martyriums, den Blick wendet sie nach oben, wo in einem Dreieck das Auge Gottes zu sehen ist und Strahlen auf sie herabsendet. Im Himmel über ihr halten zwei Engel Palmzweige, einen Lorbeerkranz und einen Kranz aus Rosenblüten. Zu Füßen der Heiligen knien die Stifter, links Kurfürst Johann Wilhelm, auf dem Haupt eine lange blonde Perücke. Er trägt einen Harnisch und darüber einen rotbraunen, mit Hermelin gefütterten Mantel, vor ihm liegt sein Kurhut. Ihm gegenüber kniet seine Gemahlin Anna Maria Luisa de' Medici, die über blauem Kleid einen Brokatumhang mit Hermelinkragen trägt. Beide Stifter weisen nach unten auf die neuerbaute Kirche, um sie dem Schutz der Heiligen zu empfehlen. Über der Kirche schwebt ein kleiner Engel, der ein Spruchband hält mit der Inschrift: SVB VMBRA ALARVM TVARV[M](protege me) (Ps 16, 8: Unter dem Schatten Deiner Flügel [behüte mich]).
Die begleitenden Darstellungen in den Stichkappen zeigen je eine Krone vor blauem Himmel, von grauen Wolken umgeben, in Form einer goldenen Bügelkrone, bekrönt mit Reichsapfel und Kreuz, gerahmt von einem Lorbeerkranz. Durch die Krone sind Zepter und Palmzweig gesteckt. In den zugeordneten Kartuschen die Inschrift: (Im Osten) NON / CORONATVR. (Im Westen) NISI/LEGITIME / CERTAVE/RIT (2 Tim 2,5: Es wird nicht gekrönt, wer nicht recht gekämpft hat).
C HL. AUGUSTINUS IN DER GLORIE Der Heilige ist in der Tracht der Augustinerchorherren in schwarzem Habit, weißem Rochett und schwarzer Mozetta dargestellt. Er kniet, im Dreiviertelprofil gesehen, auf Wolken, die von Engeln gehalten werden. Mit der rechten Hand drückt er ein rotes Herz vor die Brust, aus dem eine mächtige Flamme zum Himmel emporlodert. Den Blick wendet er nach oben zu einem hellen Lichtschein, der von einem Dreieck ausgeht mit dem Namen des Höchsten. Kleine Engel umgeben ihn und präsentieren Bischofsstab und Mitra sowie ein aufgeschlagenes Buch als Hinweis auf die von ihm verfaßte Ordensregel.
Die begleitenden Darstellungen in den Stichkappen zeigen je ein rotes Herz, von einem Pfeil durchbohrt, vor blauem Himmel, von grauen Wolken umgeben. In den zugeordneten Kartuschen die Inschrift: (Im Osten) INQVIETVM / EST / COR / NOSTRVM (Im Westen) DONEC/REQVIES-/CAT/IN TE. (Augustinus, Confessiones, Lib. 3, cap. 1: Fecisti nos ad te et inquietum est cor nostrum, donec requiescat in te. Du hast uns für dich erschaffen und unser Herz ist unruhig, bis es ruht in dir).
Fresko im Altarraum
D DREIFALTIGKEIT Christus und Gottvater thronen auf Wolken, leicht einander zugewendet, über ihnen schwebt die Taube, die ihre Strahlen nach unten entsendet. Charakteristisch ist die Gewandbehandlung. Sowohl der rotbraune Umhang Christi, der den Oberkörper freiläßt, als auch der gelbliche Umhang, den Gottvater über weißlich-blauem Kleid trägt, werden, wie von einem Windstoß erfaßt, kräftig hochgewirbelt. Gottvater legt die linke Hand, mit der er das Zepter hält, auf die vom Kreuz bekrönte lichtblaue Weltkugel.
EB1-3 AUGUSTINER-HEILIGE Die drei querformatigen Bilder an der Emporenbrüstung zeigen Thomas von Villanova und Nikolaus von Tolentino, die dem Orden der Augustiner-Eremiten angehörten, sowie Angela Merici als Gründerin der Ursulinen, die ebenfalls nach der Regel des hl. Augustinus lebten.
EB, DER HL. THOMAS VON VILLANOVA ALS ALMOSENSPENDER Der Heilige trägt ein Pluviale mit Brokatmuster und darunter die hier eher grau als schwarz erscheinende Kutte der Augustiner-Eremiten mit dem schwarzen Ledergürtel, die er auch als Erzbischof von Valencia nie abgelegt haben soll. Er kniet vor dem Altar in seinem Oratorium und wendet sich um zu einem Bettler, der, auf eine Krücke gestützt, von links als Halbfigur ins Bild hineinragt, und legt ihm ein Almosen in eine Schale, die dieser ihm bittend hinhält. Neben Thomas erscheint ein großer Engel, der ihm die bischöfliche Mitra präsentiert, während ein kleiner, in ...





Wolken schwebender Engel Palmzweig und Lorbeerkranz über sein Haupt hält. Links blickt man in eine Landschaft. Sowohl auf der Kanzel - der hl. Thomas war ein berühmter Prediger - als auch am Altar war sein apostolischer Eifer begleitet von »himmlischen Erscheinungen, Gemüths- und deß Leibs Erhebungen und anderen dergleichen Göttlichen Gnaden und Gunst-Erweisungen« (Ribadeneira-Hornig Bd 3, S. 1036).
EB, DIE MUTTERGOTTES ERSCHEINT DER HL ANGELA MERICI In schwarzer Kutte mit dem charakteristischen weißen Brusttuch kniet die hl. Angela, die Gründerin des Ursulinenordens, nach links gewendet mit überkreuzten Händen vor einem mit rotem Tuch verhüllten Tisch, über dem in Wolken als Halbfigur Maria mit dem Kind erscheint. Neben der Heiligen steht ein Engel und leitet mit der Rechter ein rosa Band weiter, welches das Christkind in der Hand hält und das in dem auf dem Tisch liegenden Buch zu verschwinden scheint, auf das der Engel hinweist. Gleichzeitig wird ein gelbes Band, das den blau gewandeten Engel umweht, zum rechten Arm der Heiligen geführt.
EB, VISION DES HL. NIKOLAUS VON TOLENTINO Der bedeutendste Heilige aus dem Orden der Augustiner- Eremiten kniet vor einem mit Büchern bedeckten Tisch mit grüner Decke. Vor ihm liegt ein Lilienstengel, von hinten naht sich ein Engel, der ihn zu stützen scheint. Auf seiner Brust ist ein Stern zu sehen, in der linken Hand hält er eine strahlende Sonne. Gegenstand seiner Vision ist der Gesang der Engel im Himmel, den er während der letzten Monate seines Lebens vernahm.
Emgangstaum zur Knehe ist in einer Supraporte über der Eingangstür ins Innere der Kirche die hl. Ursula als Schutzmantelheilige dargestellt. Die Heilige steht in der Mitte mit ausgebreitetem Mantel, unten knien der Papst und ein Herrscher im Harnisch als Vertreter des geistlichen und weltlichen Standes, hinter ihnen weitere Personen. Die Malerei ist aufgrund der Form der Perücken in der Mitte des 18. Jh. entstanden. In einer Supraporte an der Innenseite des Kirchenportals ist der Jesusknabe, auf Wolken stehend, dargestellt mit dem Kreuz in der Hand, mit dem Jesusmonogramm IHS und den drei Nägeln der Passion.

In der Gruft befindet sich an der O-Wand eine gemalte Kreuzigungsszene. Zu Füßen des Gekreuzigten steht Maria. Ein Engel fängt in einem Kelch Blut aus der Seitenwunde Christi auf. Unten sieht man die Gerechten des Alten Bundes. Die Darstellung ist Anfang des 18. Jh. entstanden.
Ikonologie
Den relativ kleinen Fresken kommt innerhalb der Stuckdekoration formal kein großes Gewicht zu. Sie wirken zierlich, fast verloren innerhalb des Gewölbes und sind damit typisch für das erste Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts. Das Programm ist genau durchdacht und mit der übrigen Ausstattung der Kirche abgestimmt. Die Empore über dem Eingang, die vom Kloster aus zugänglich ist, war der Ort der täglichen Andacht der Nonnen, wovon das Gestühl und die Rahmung des nicht erhaltenen Gitters gegen die Kirche noch Zeugnis geben. Hier findet sich die für die Ursulinen wichtigste Darstellung, die Berufung der hl. Angela Merici (1474–1540; 1768 selig- und 1807 heiliggesprochen) zur Gründerin des Ordens durch die Vision der Himmelsleiter (A), die sie 1497 oder 1498 in Brudazzo, in der Nähe ihres Geburtsortes Desanzano am Gardasee, hatte. Unmittelbar danach begann sie unter dem Patronat der hl. Ursula junge Mädchen um sich zu versammeln zum Zweck der Erneuerung des christlichen Lebens und zur Ausübung von Werken der Nächstenliebe. Erst 1535 konstituierte sich die Frauenvereinigung der hl. Ursula bei der Kirche St. Afra in Brescia, ihre von der Stifterin verfaßten Satzungen wurden ein Jahr später bestätigt. 1612 erhob Papst Paul V. die sich rasch über ganz Italien ausbreitende Vereinigung zu einem Orden mit der Regel des hl. Augustinus. Bei diesem Anlaß wurde ein Gelübde hinzugefügt, das die Schwestern zum Unterricht und zur Erziehung der weiblichen Jugend verpflichtete.
Die Inschriften in den Büchern der emblemähnlichen Darstellungen seitlich von Bild A beziehen sich auf die Vita contemplativa und die Vita activa, die gleichermaßen für den Order von Bedeutung sind. Jede der Ursulinen führte ein Leben wie Maria und Martha zusammen. So verweisen auch die Arme der zum Himmel führenden Leiter auf »die zwei Leben des geistlichen Stands, das wirkliche und das beschauliche, dieses besteht in reiner lieb und vereinigung der Seel mit Christo ihrem geliebten Bräutigam, erkläret durch Maria Magdalenam jenes in übung der Werken christlicher lieb gegen den nächsten, vorgebildet durch Martham, Magdalenae Schwester Diese Seiten der Leiter tragen das Gebäude des Ursulinenordens« (Georg Adam Mayer, Auff- und Fortgang Deß Jungfräwlichen Ursuliner-Ordens... 1692, S. 15 ff.). Die Inschrift in den Stuckkartuschen »Audi disciplinam patris tui, ne dimittas lege matris tuae« spielt an auf die Ordensregel des hl. Augustinus und die Satzungen der hl. Angela.
Im mittleren Fresko des Gewölbes (B) ist die hl. Ursula, die Patronin der Erzieher und des Ursulinenordens, als Schutzmantelheilige dargestellt, zu deren Füßen die Stifter knien. Das Psalmwort »Sub umbra alarum tuarum (protege me)« ist auf diese Schutzmantelschaft bezogen, die nach der Muttergottes vor allem von der hl. Ursula ausgeübt wird. Die Begleitbilder
in den Stichkappen werden durch die Inschrift in den Stuckkartuschen näher erläutert. »Non coronatur nisi legitime certaverit« verweist auf die Krone des Martyriums der hl. Ursula und variiert 2 Tim 2,5: »Nam et qui certat in agone, non coronabitur nisi legitime certaverit«. Sie bezieht sich auf das Leben in der Nachfolge Christi und auf den gerechten Kampf des Siegers. Der die Krone umschließende Lorbeerkranz ist der Kranz des Siegers, der Lorbeer verheißt aber auch Schutz und bezieht sich damit auf die Schutzmantelschaft der Titelheiligen. In dem von Mayer mitgeteilten Distychon ist in einem Anagramm »Ursula« zu »Laurus« umgewandelt:
»Nil timeas si chara tibi manet Ursula Virgo, Fulmina quando ruent, Ursula Laurus erit.
Fürchte dich nit so lang du bist Ursulae Liebhaberin, weiler sie ein Lorbeerbaum ist. Schützend ihr Nachfolgerin, wider allen Gewalt und List als treue Helferin« (Mayer, S. 39).
Das dritte Deckenbild des Langhauses gilt dem hl. Augustinus in der Glorie (C), dem Ordensvater der Ursulinen, der mit dem flammenden Herzen als Zeichen der Gottesliebe dargestellt ist. Die Begleitbilder zeigen jeweils ein von einem Pfeil durchbohrtes Herz mit der Inschrift aus den Confessiones »Inquietum est cor nostrum, donec requiescat in te«.
Über dem Altarraum ist die Dreifaltigkeit dargestellt (D). Sie ist auch Gegenstand der Meditation des hl. Augustinus, deren Erkenntnisse er in seinem Werk »De Trinitate« (entstanden 399–419) niederlegte.
Die Bilder an der Emporenbrüstung schließlich verweisen auf den Versammlungsort der Nonnen und zeigen Heilige, die nach der Regel des hl. Augustinus gelebt haben, in der Mitte die hl. Angela Merici, die Gründerin des Ursulinenordens, flankiert von den berühmtesten Vertretern des Ordens der Augustinereremiten. Bezugnehmend auf den Ort der Anbringung sind alle im Oratorium dargestellt, in Begleitung eines Engels. Der hl. Thomas von Villanova (1488–1555; 1618 selig- und 1658 heiliggesprochen), Erzbischof von Valencia (EB1), war ein Mann des Gebets und des spirituellen Lebens, der sich gerne im Oratorium aufhielt, aber von dort gerufen werden durfte, wenn jemand seine Hilfe brauchte. Er trägt den Titel Almosengeber, denn er betreute vor allem Arme, Waisen und Verlassene und verteilte täglich an fünfhundert Leute Brot, Suppe und etwas Geld. Bei ihm sind Vita actica und Vita contemplativa vereint, wie es dem Ideal der Ursulinen entspricht. Die hl. Angela Merici (EB2) nimmt in der Mitte der Emporenbrüstung den bevorzugten Platz ein. Ihr erscheint Maria mit dem Kind, dem sie sich verlobt, als Hinweis auf die Vereinigung der Seele der Ordensfrauen mit dem himmlischen Bräutigam, und Ausdruck der Verehrung der Kindheit Jesu durch den Ursulinenorden. Überliefert ist für die hl. Angela auch ihre Verzückung im Gebet vor dem Altar des hl. Nikolaus von Tolentino in der Augustinerkirche in Brescia, womit die Beziehung zu der bedeutendsten spirituellen Persönlichkeit des Ordens hergestellt ist.
Der hl. Nikolaus von Tolentino (1245–1305; Heiligsprechungsprozeß 1325 eingeleitet, 1446 abgeschlossen) (EB3) ist der berühmteste Heilige der Augustinereremiten. Durch seine Verdienste und zahlreichen Wunder - 301 Wunder wurden
anerkannt - hat er, gleich der Sonne, die ganze Welt erleuchtet, daher ordnete Papst Eugen IV. an, »daß man dem heyligen Nicolao in der Hand die Sonn oder einen Stern an der Brust mahlen sollte, Item eine weiße Lilie zum Zeichen seiner ewigen Keuschheit und reinigkeit, Item ein offenes Buch mit diesen Worten: Praecepta patris mei servavi, ideo maneo in eius dilectione« (Frigerius, Ambrosius, Das wunderbarliche Leben ...deß H. Nicolai von Tolentin, 1611, S. 80). Während die Sonne sich auf seine Wundertätigkeit bezieht, ist mit dem Stern die Lichterscheinung gemeint, die nachts von seinem Geburtsort bis zu dem Altar nach Tolentino wanderte, wo er oft Messe las und auch tagsüber im Gebet verharrte. »Und eben in disem ort, wo der Stern gesehen und gestanden ist..., seind ihm zu underschiedlichen malen die Engel deß Herrn erschienen auf zween Chör außgetheilt, haben ihne mit lieblichen Lobgesängen getröstet« (ebd. S. 67). Zur Dokumentation dieser himmlischen Erscheinungen ließ er in seinem Oratorium eine entsprechende Inschrift anbringen.
Die Heiligen der Freskenausstattung begegnen wieder auf den von Franz Hagen gemalten Altarbildern. Diese sind allerdings erst etwa zwanzig Jahre später entstanden im Zusammenhang mit der 1721 erfolgten Aufstellung der Leiber der beiden römischen Katakombenheiligen Kunigunda und Leander, die im unteren Teil der Seitenaltäre ihren Platz fanden. Am Hochaltar ist das Martyrium der hl. Ursula dargestellt, am westlichen Seitenaltar der hl. Augustinus, umgeben von Vertretern seines Ordens, unter ihnen Angela Merici, Thomas von Villanova und Nikolaus von Tolentino. Der östliche Seitenaltar zeigt mit der Hl. Familie sowie Anna und Joachim ein Thema aus der Kindheit Jesu. Diese Themenkreise begegnen wieder bei den kostbaren Antependien, die die Ursulinen für die drei genannten Altäre selbst stickten. In feiner Nadelmalerei finden sich hier eine Darstellung der hl. Ursula, sowie eine »Flucht nach Ägypten« für den östlichen Seitenaltar, womit erneut auf die Kindheit Jesu Bezug genommen wird, und für den westlichen Altar eine Darstellung des hl. Augustinus mit dem Kind am Meer, das ihn auf das vergebliche Bemühen hinweist, die Dreieinigkeit ergründen zu wollen. Auf einen trinitarischen Bezug verweist Schulten auch bei den Darstellungen aus der Kindheit Jesu, da Maria, Joseph und das Kind als irdische Dreifaltigkeit angesehen werden.
Quellen und Literatur
BLfD, Registratur, Akten Neuburg, Studienkirche; ebd. Abtl. R Wandrestaurierung: Befunduntersuchung von Alfred Binapfel, Friedberg, 1989.
StA Augsburg, Seminar Neuburg, Nrn. 2178, 2179 und 2181 Bau von Kloster und Kirche; ebd. Kloster Neuburg, Ursulinerinnen, Akt 2: Bau von Kloster und Kirche.
Staudacher, Nicolaus, Unsterblicher Tugendschatz...erworben von der...Churfürstin...Elisabetha Amalia Magdalen Augsburg 1710, S. 13.
Graßegger, Joseph Benedikt, Das Ursulinerinnen-Kloster Neuburg, in: NK 6, 1840, S. 1-5; S. 18-20.
Förch, Anton, Das Kloster der Ursulinen, in: NK 32/33 1866/67. S. 66 f.
Beitelrock, S. 10, 24
Hopp, Bd 2, S. 76
Heim, Albert Ludwig, Aus Neuburgs Vergangenheit. Öffentliche Gebäude und Plätze in Neuburg a.D., in: NK, 94, 1929, S. 13.
Radlmaier, Lorenz, Die Studienkirche, in: Annalen des Studienseminars Neuburg a. d. Donau, 3. H, 1935, S. 37 ff.
Horn/Mever, 1958, S. 121–128.
Senft, Albin-Friedrich, Studienkirche St. Ursula Neuburg a.d. Donau und Werke der ehemaligen Ursulinen (KKF Nr. 849), München/Zürich 1966.
Greb, Franz Ludwig, Die Anfänge der Ursulinen in Düsseldorf, in: 300 Jahre Ursulinen in Düsseldorf 1681–1981, Düsseldorf 1981, S. 31 f.
Schulten, Walter, Das ehem. Ursulinenkloster in Neuburg a. d. Donau und sein Paramentenschatz (GKF Nr. 122), München Zürich 1984.
Dehio 1990, S. 856
Kaeß, Friedrich und Reinhard H. Seitz, Neuburg an der Donau. Stadt der Renaissance und des Barock, Weißenhorn 1992, S. 44–46 und Abb. 49/50.
Jahrbuch der bayerischen Denkmalpflege 44, 1990, erschienen München 1995, S. 239 (York Langenstein).
Gabor, Ingo, Der Vorarlberger Barockbaumeister Valerian Brenner (1652–1715). Leben und Werk, Augsburg 2000, S. 113-130.
Krumme, Hans Ulrich, Die Gründung des Ursulinen-Konvents in Neuburg a. d. Donau und die Errichtung von Kloster und Kirche 1694–1701, in: NK150, 2002, S. 41–44, 76–79, 103.
Literatur zur Ikonographie
[Frigerius, Ambrosius] Das wunderbarliche Leben, hohe und unerhorte Wunderwerch deß H. Nicolai von Tolentin... durch R.P. Ambrosium Frigerium...in italienischer Sprach beschriben und anjetzo durch Aegidium Albertinum...verteutscht, München (Nicolas Heinrich), 1611.
Mayer, Georg Adam, Auff- und Fortgang Deß Jungfräwlichen Ursuliner-Ordens, oder Außführliche Beschreibung von wem, zu was Ziel und End und wo die Gesellschaft der H. Ursulae seye gestifftet, wie und wann sie in einen wahrer Ordens-Stand seye verwandlet worden. Sambt dem Lebens- Wandel dero Stiffterin Angelae Brixianae, Würzburg 1692.
Ribadeneira-Hornig Bd 3, S. 1033–1048.
Pedica, Stefano, Angela Merici, in: BiblSS, Bd 1, 1961, Sp. 1191–1195.
Gentili, Domenico, Nicola da Tolentino, ebd. Bd 9, 1967 Sp. 953–968.
Rano, Balbino, Tommaso da Villanova, ebd. Bd 12, 1969 Sp. 591-595.
B. V.-K.