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München, Theatinerkirche St. Kajetan

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 3, Teil 1: Stadt und Landkreis München. Sakralbauten. Hirmer, München 1987, ISBN 978-3-7991-6111-4, S. 57–59, geschrieben von Bauer-Wild, Anna. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Ehem. Hofkirche und Klosterkirche St. Kajetan der Theatiner, Erzdiözese München und Freising

Patrozinium: St. Kajetan von Thiene und St. Adelheid

Zum Bauwerk: Bau 1663/88 durch Agostino Barelli, ab 1674 Bau der Kuppel unter Enrico Zuccalli. Kuppeldekoration mit vollplastischen Stuckfiguren durch Wolfgang Leuthner. Weihe am 11. 7. 1675. 1718–20 Reparatur- und Dacharbeiten an der baufälligen Kuppel (Koegel, S. 21), 1789 Erneuerung der Stuckdekoration in der Kuppel. - Wandpfeilerkirche mit Tambourkuppel und Laterne über der Vierung; im Scheitel der Laterne befindet sich ein Deckenbild

Autor und Entstehungszeit: Joseph Ignaz Schilling 1764 nach Iacopo Amigoni 1720.

Ursprünglich zeigte die Decke der Laterne eine Stuckdekoration, die aber bereits 1720 wegen Bauschäden durch ein Gemälde ersetzt wurde: »mitten in der Khirch eine weite hochannembliche und hell durchscheinendte Cupl mit feinsten Gipsfiguren ausgeziehrt so aber wegen allzugrosser schwere, da ober der Cupl mit Khuppfer bedeckhi wurde, herabgethan und stat des obrist ausgemalt worder ao 1720« (Beschreibung 1750, S. 73). Reisach (1789, S. 24 f.) nennt als Autor Jacopo Amigoni und berichtet zusätzlich, daß 1764 Joseph Ignaz Schilling das durch Feuchtigkeit inzwischen verdorbene Gemälde neu malte, den Bildgegenstand jedoch übernahm: »In der obersten Kirchenkup pel, oder in der Kuppellaterne (eine Höhe von 218 Schuhe sieht man Gott Vatter, welchen ehemals Jakob Amigon gemalet; weil aber das Gemälde durch das Einregnen voll kommen verdorben war, hat es Ignatz Schilling hiesiger Maler im Jahr 1764 ganz neu gemalt, Amigonis Zeichnung aber beybehalten« (eine gleichlautende Nachricht auch be Halm, Bd 6, fol. 50, s. v. Schilling). Die Stuckdekoration der Laterne war ursprünglich gelb und rot getönt, und wurde bei der Restaurierung vor 1789 (Reisach) geweißt.

Befund

Träger der Deckenmalerei: Laterne über der Vierungskuppel

Rahmen: Das Gemälde ist ohne Rahmung in die Laternendecke eingelassen

O Technik: Öl auf Leinwand; polychrom

Maße (circa): Höhe 64 m; Ø 2,80

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Dem jetzigen Deckenbild ging ein Gemälde Amigonis voraus, das 1764 so beschädigt war, daß es von Ignaz Schilling »neugemalt« wurde (s. oben). Restaurierung vor 1789 (Reisach). Letzte Restaurierung nach Kriegsbeschädigungen durch Brand 1946/54, das Deckenbild wurde 1955 wieder an der Laternendecke angebracht (Auskunft des Bayer. Landbauamts, das die Restaurierung leitete).

Darstellung

GOTTVATER Das kreisrunde Gemälde ist als ein Deckenbild in Untersicht konzipiert und von einem gemalten Ornamentrahmen eingefaßt. Es zeigt die Darstellung Gottvaters auf Wolken, mit Dreiecksnimbus, die Rechte im Segensgestus erhoben, die Linke auf der Weltkugel ruhend, in Begleitung von Putti.

Nicht erhaltene, durch Quellen überlieferte Gewölbemale reien in Kirche und Kloster

Seitenschiffe

Die Kuppeln der Seitenschiffe waren mit Grisaillemalerei von Martin Zendralli dekoriert, er erhielt 1695 für jede Kuppel 4 fl. 30 kr. (BHStA I, Kl 475)

Loretokapelle (1820 abgebrochen)

1686 wurde der Maler Dominikus Faistenberger für Deckenmalerei und zwei Wandbilder in der Loretokapelle mit 18 fl. bezahlt (KL 475): »Malt den Himmel plau und mi Sternen, darin eine Glori mit dem Namen Jesu«.

Deckenbild in der Kuppellaterne: Gottvater

Gruft

1685 wurde Johann Caspar Sing für Altar- und Gewölbe malereien in der Gruft unterhalb des Chors abgerechnet »in den Grufft altar die armen Söllen im Feckhfeur und an der atopendiumb Totenkopf yber sich an gewölb veldun gen und Zieraten darin 5 fl. 15 kr.« (KL 475)

Ehem. Sommersakristei (an der S-Seite des Chors) Nach Reisach (S. 40) war an der Decke die Vision einer Nonne von Hieronymus Miani dargestellt: »Zuletzt giebt man noch einen Blick auf die Decke, daran zwar im Ganzen nichts schönes zu sehen, in dem es von einem unbedeuten...

THEATINERKIRCHE

den Maller Hieronymus Miani mit Namen, gemalet worden, dennoch loben Kenner einen oder den anderen größeren Engel. Das Gemälde stellet vor eine fromme Klosterfrau, welche den heil. Andreas Avellinus nach seinem Tode in der Glory soll gesehen haben«.

Quellen und Literatur

BHStA I, Kl 475. Beschreibung 1750, S. 73

Merkwürdigkeiten der Kurfürstlichen Hofkirche der P.P. Theatiner in München (Cajetan Maria von Reisach), München 1789, S. 24 f. Halm, Bd 6, fol. 49ff. Rittershausen, S. 131. Koegel, Joseph, Geschichte der St. Kajetan-Hofkirche, München 1899.

A. B.

EINGEMEINDETE VORORTE