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München-Aubing, Pfarrkirche St. Quirin

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 311 Hirmer, München., S. 61, geschrieben von Böhm, Cordula. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Pfarrkirche St. Quirin, Ubostraße 6, Erzdiözese München und Freising; z. Z. der Ausmalung Hofmark Aubing im Besitz von Kloster Ettal, Präsentationsrecht auf Kirche und Pfarrei abwechselnd Bischof und Landesherr; Landgericht Dachau

Patrozinium: St. Quirin

Zum Bauwerk: Gotischer Bau von 1422. Größere bauliche Reparaturen 1724 und 1787, letztere durch Schloßmaurermeister Anton Glonner und Kurfürstl. Bau- und Zimmermeister Melchior Hechensteiner, beide Dachau. Barocke Einrichtung Mitte 17. Jh. 1936-37 Verlängerung der Kirche nach W durch Prof. Michael Kurz.

Saalbau, vierjochig, eingezogener AR (9,80 × 7,60 m) zweijochig, dreiseitig geschlossen. Belichtung im AR durch drei Spitzbogenfenster von O und SO. Gotische Wandpfeiler, im wesentlichen gotisches Raumbild. Das Deckenbild befindet sich im AR.

Auftraggeber: Amtierender Pfarrer Joseph Paul Suto (1745–85), Kurfürstlicher Geistl. Rat und Lehrer Max III

Autor und Entstehungszeit: Der Maler ist nicht bekannt, der stilistische Befund (Engeltypus, Rocailleverzierungen) spricht für eine Datierung 1750/70.

Das Deckenbild zeigt Verwandtschaft zu den Fresken Franz Seraph Zwincks (* 1748 Oberammergau † 1792 Oberammergau; vgl. die Engel in Kappel und Oberau, CBD, Bd 2 S. 351 und 395), dessen Autorschaft durch die Ettaler Besitzverhältnisse historisch naheliegend wäre.

Es bestehen aber auch Ähnlichkeiten zu den Fresken Franz Joseph Degles (* 1724 Augsburg † 1812 Augsburg) in Sigmertshausen (1755, OB, LKr. Dachau). Der sehr überarbeitete Zustand des Freskos in Aubing läßt keine konkrete Beurteilung zu.

Befund

Träger der Deckenmalerei: gotisches Kreuzgratgewölbe im Deckenbereich verschliffen

Rahmen: gemalte Rahmung mit Rocailleverkröpfungen umgeben von Brokatmuster- und Rocailleornamentfeldern

Technik: Fresko; polychrom

Maße: Höhe 10,00 m; 4,40 × 4,50

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Das – vermutlich im 19. Jh. – übertünchte Deckenbild wurde bei einer Chorrenovierung 1967 durch Fa. Otto Wimmer freigelegt und durch Gotthart Bauer, München, restauriert. An den Wänden wurden probeweise bäuerlich-dekorative Malereien aus dem späteren 16. Jh. aufgedeckt und teilweise wieder übertüncht, (BLfD Akten Aubing, Gutachten Schuberth Benker vom 31. 8. 1967).

Deckenbild im Altarraum: Anbetung des Lammes

Das Deckenbild ist in seiner originalen, barocken Substanz beeinträchtigt, die Freskoschicht weitgehend abgerieben. Übermalungen, Risse, Abblätterungen, Gesamtfarbigkeit sehr nachgedunkelt

Beschreibung und Ikonographie

ANBETUNG DES LAMMES Einansichtige Himmels- und Wolkenszenerie, kaum Verkürzungen, Betrachterstandpunkt unter dem westlichen Bildrand. Über einer hohen säulenförmigen Wolke, die östlich über den Bildrand quillt, liegt das Apokalyptische Lamm auf dem Buch mit sieben Siegeln (Apoc 5, 1 und 6). Es ist umgeben von großen und kleinen Engeln und Putti, teils in Ganzfigur, teils angeschnitten oder als Puttoköpfchen wiedergegeben, die durch unterschiedlichen Größenmaßstab Höhenillusion bewirken sollen.

Rokokohafte, gebrochene Farben wie Goldgelb, Rosa, Violett, Blau vor lichtem rosa-gelb-grauem Grund ergeben eine duftig-zarte Gesamtfarbigkeit (beeinträchtigt von starkem Nachdunkeln, vgl. Erhaltungszustand).

Quellen und Literatur

Schmidtsche Matrikel, Bd 1, S. 396–98. Mayer-Westermayer, Bd 2, S. 486. KDB I OB (1), S. 764. Hartig, Michael, St. Quirin, München-Aubing, (= KKF, Nr. 456) München 1940, 2. Aufl. 1970. C. B.