München, Pagodenburg
Zum Bauwerk: Erbaut von Joseph Effner 1716–19. Stuckarbeiten von Guillielmus de Grof, Schnitzarbeiten von Johann Adam Pichler
Zweigeschossiger Bau über kreuzförmigem Grundriß – Oktogon mit im Achsenkreuz angeschobenen, kurzen querrechteckigen Armen, in deren westlichem sich das Treppenhaus befindet.
Erdgeschoß: Achteckiger zentraler Saal; zwei Vorräume im S und N bei den Eingangstüren; Kabinett im O
Obergeschoß: Durch eine Trennwand im O-W-Richtung entstanden zwei Haupträume, jeweils mit Erker, im N ein Ruheraum, im S ein Salon. Die unregelmäßigen Resträume enthalten im O das rote Kabinett, im W den oberen Absatz des Treppenhauses. Fenster an den Stirnen der Kreuzarme und in den zwischen den Kreuzarmen liegenden vier Seiten des Achtecks.
Auftraggeber: Kurfürst Max Emanuel von Bayern <math>(1680 - 1726)</math>
Autor und Entstehungszeit: Johann Anton Gumpp (* 27. 4. 1654 Innsbruck †28. 3. 1719 München, s.S. 451 f.), Juni 1717 bis Mai 1719 (die Arbeiten wurden nach seinem Tod von seiner Werkstatt fertiggestellt). Die Rechnungen für die Arbeiten sind erhalten (BHStA I, HR I, 203/23).
Von der Gesamtforderung von 4891 fl. waren 1719 schon 1305 fl. bezahlt worden. Nach der Schätzung der Arbeiten durch zwei Maler, nach lobenden Gutachten Effners und in Anbetracht dessen, daß der Kurfürst an den Arbeiten »gdistes Vergniegen« hatte, wurde die Gesamtsumme für alle Arbeiten auf 3000 fl. festgelegt und für den Fuhrlohn 130,-, sodaß der Witwe Gumpps noch 1825 fl. auszuzahlen waren (Zustimmung des Kurfürsten am 24. 7. 1720).
»Verzaichnus, was ich zu Nimpfenburg in dem LustHauß von anderten Juni 1717 bis 18 gemacht hab, wie volget. Erstlichen das grosse oval auf Indianisch mit dergleichen ornamenten unt figuren unnt Reich mit Golt geheht alles von öhlfarben der Verdienst f. 395. – Dan das fries herumb von lauter Indianischen fügur unt ornamenten 260. – Die Kleinere Töckhen im Erker 180. – Das Frieß im Erkher habe selbsten Vergolten lassen sambt Golt 140,–« (Obergeschoß, Salon mit Erker)
»Das rote Cavinet Töckhen reich von Golt geheht sambt Golt 230,- Da frieß im Rothen Cavinet auch Ser miesamb von figuren unt anderes 148,-« (Obergeschoß, Rotes Kabinett)
»Das Grosse feldt im schlaffzimmer, so verendert hat miessen werden unn miesamb auch mit villen Golt geheht, sambt den Golt 550,- Die alcova Töckhen 175,-« (Obergeschoß, Schlafzimmer mit Alkoven) »2 Thüren zu denen 2 Zimmern Vor aine 30 f. macht 60,–
Die Stieg Töckhen sambt den frieß alles von schön Perliner Plau mit allerley Indianischen füguren gemahlt 196,– Vor die Stieg yber sich auf alles auch von Perliner Plau gemahlt 186,-« (Treppenhaus decke und Decke des Treppenlaufs) »Vor der Heruntern 3 Thüren bey eingang der Stiegen so 16 kleine unt gressere feldter alles von perliner plau gemacht 190.-
Die Töckhen im untern Cavinet so vill golt unt miesamb von figuren, alls von perliner plau in öhlfarben gemalt 190,–« (Erdgeschoß, Kabinett) »Das Töckhl bey ausgang des Saalls ohn golt alls von figuren unnt perliner plau gemahlt 150,—
Das Töckhl bey eingang des Saalls wie das erste 150,-« (Vorräume bei der Eingangstüren).
Bis den Heyllichen Pfinstag 108 furhen macht so vill Gulden 108,-
Den 20. Aug. 1718 sint wir mit dem Saall im LustHauß yber sich fertig worden, der Verdienst pro 765,-« (Erdgeschoß, Saal) »Vom Pfinst Sontag Bis den 20. Augusti 8 furhen macht 8«. An der Saaldecke hat Gumpp selbst also acht Tage gearbeitet, abgesehen von den Gesellen, die keinen Fuhrlohn von München nach Nymphenburg beanspruchen konnten. Damit war der Auftrag zunächst ausgeführt. Ein ergänzender Auftrag erging über die Ausmalung der Wände in den Vorräumen bei den Eingängen: »Was Vom Anfang des Monats 9bris Ao 1718 bis den 13. May Ao 1719, in dem Churfrtl. Lust Hauß zu Nimpfenburg an Mallerey weiters verfertiget worden. Als nemblich die zway Seyten Erkher am Ein unnt Ausgang des Gartens mit Indianischen Figuren unnt ornamenten von Berliner Blau in Blau gemallet worden, thuet vor solche stuckh unnt seyten Erkher zusammen f. 86o,-«



Befund
Träger der Deckenmalerei: In sämtlichen Räumen Flachdecken; die Decke unter dem Treppenlauf ansteigend. Rahmen: Erdgeschoß Saal, Eingangsräume Hohlkehle mit weißem Ornamentstuck auf blauem Grund, Stuckprofilleiste; Kabinett Hohlkehle mit vergoldetem Ornamentstuck auf blauem Grund, vergoldete Stuckprofilleiste; Decke unter dem Treppenlauf ohne Rahmen; Obergeschoß Treppenhaus Hohlkehle mit gemalter weiß-blauer Bandwerkgroteske, vergoldete Stuckprofilleiste; Salon, Erker im Salon, Rotes Kabinett Hohlkehle mit Groteskenmalerei auf goldenem Grund, vergoldete Stuckprofilleisten; Ruheraum und Alkoven Hohlkehle mit vergoldetem Ornamentstuck auf weißem Grund, vergoldete Stuckprofilleiste. Technik: Öl auf Putz; Erdgeschoß Saal, Eingangsräume Blau auf weißem Grund; Kabinett Blau, teils auf weißem, teils auf vergoldetem Grund; Unter dem Treppenlauf Blau auf weißem Grund; Obergeschoß Treppenhaus, Salon, Erker im Salon, Rotes Kabinett, Ruheraum mit Alkoven polychrom.
| Maße: Erdgeschoß |
| Saal Höhe 3,90 m; ∅ 6,30 |
| Eingangsräume Höhe 3,50 m; 1,30 × 2,00 |
| Kabinett Höhe 3,50 m; 1,30 × 2,00 |
| Obergeschoß |
| Treppenhaus Höhe 2,70 m; 3,20 × 1,90 |
| Salon Höhe 2,70 m; 2,40 × 4,60 |
| Erker im Salon Höhe 2,70 m; 1,60 × 2,00 |
| Rotes Kabinett Höhe 2,70 m; 3,20 × 1,90 |
| Ruheraum Höhe 2,70 m; 5,90 × 2,70 |
| Erker im Ruheraum Höhe 2,70 m; 1,60 × 2,00 |
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Restaurierungen fanden 1752, 1768, 1787, 1835, 1870 und 1961/81 statt.
Die einzelnen Restaurierungen sind schriftlich dokumentiert:
Die erste bekannte Restaurierung erfolgte 1752 durch Anton (wohl Ambrosius) Hörmannstorffer (BHStA I, HR II, 28/1752) »in drei Zimmern den Plafond ausgebessert« und »einen hirvon faßt völlig übermahlen« 46 fl. »Mehrmalen musten denen, weillen selbe mit machung dess Neuen Plafonds im Saall, dan Ausbesserung der ober der Stiegen neu gemachten HollKhöll so Andern Klainigkeiten zu obgedachtem Bagottenburg Vom 23. Aprill bis 23. Juni 33 Täg consumirt, jeden Tag 2 fl. mithir über 2 fl. beschechenen Abbruch vi aulichi guettgethan worden 64 fl.« Durch das Grabendach hinter der umlaufenden Attika kam es immer wieder zu Wasserstauungen und Wassereinbrüchen, vor allem, wenn im Herbst und Winter die Dachrinnen durch Laub oder Eis verstopft waren.
Die nächste Restaurierung fand 1768 durch Ambrosius Hörmannstorffer statt (BHStA I, HR I, 202/20 b). Im einzelnen waren jetzt zu machen (BSV, Bauamt, Baumanuale 1787, Beilage, Überschlag von Hörmannstorffer):

Hörmannstorffer erhielt für die Arbeit am 30. Juni 1770 340 fl. (BHStA HR II, 32/1770).
Die nächste Restaurierung erfolgte 1787 (Datum auf dem Spiegel in der Hand einer Figur im Eingangsraum) im Rahmen einer Gesamtrenovierung. Die Farben dafür wurden einem Maler Johann Hascher ausgehändigt. Näheres ist über diese Arbeiten nicht bekannt (BSV, Bauamt Baumanuale 1786–88).
Weitere Restaurierung 1835 (Datum und Monogramm AB – ligiert – in einem Spiegel in der Hand einer Figur im Eingangsraum).
Die Restaurierung ab Herbst 1834 betraf Schlosser- und Maurerarbeiten und zog sich über das Jahr 1835 hin (Außen- und Innenrestaurierung).
Über Malerarbeiten ist nichts Näheres bekannt; ein Maler mit den Initialen AB wurde vom Hof damals nicht besoldet. Ein bürgerlicher Maler namens Anton Bäcker war gleichzeitig in der Residenz mit Anstreicherarbeiten beschäftigt (BSV, Bauamt Haupt-Geld- und Materialrechnung 1734/35).

Weitere Restaurierung 1870. Nach einer Aufstellung der Kosten erhielt der Hofzimmermaler Schulze für verfertigte Arbeiten für die Pagodenburg im Februar 1870 229 fl., im April für verschiedene »Restaurationsund Anstreicharbeiten in mehrfach erwähntem (nördl.) Kabinett« (Ruheraum mit Erker) 98 fl. (BSV, Registratur, Akt 352/2, Rep. 394/4).

Im letzten Krieg wurde das Dach der Pagodenburg durch Splitter beschädigt, und die Deckenmalereien wurden in der Folgezeit durch eindringendes Wasser mehr als üblich (üblich ist der Wasserstau durch Laub und Eis in den Dachrinnen und zwischen Dach und Attika) beschädigt. Die Schadensaufnahme erfolgte 1959 (Photos), der erste Auftrag zur Restaurierung erging 1961 an Karl Stephan für das Rote Kabinett. Die Deckenmalereien im Obergeschoß waren damals (photograph. Dokumentation im BSV, Bauamt) sehr beschädigt, fast ruiniert: die oberste Putzschicht war in größeren Partien abgeblättert, in anderen großen Teilen durch Wasser ruiniert. Die schrittweise Restaurierung ab 1962 festigte und sicherte das Erhaltene und brachte Ergänzungen. 1973 restaurierte Franz Söker, Neugilching, die Füllungen an den Wänden der Vorräume und des Kabinetts im Erdgeschoß. 1973/74 Sicherung und Festigung der erhaltenen Partien im Obergeschoß; 1975/76 durchgreifende Restaurierung des Dachs und des Dachstuhls. Zwischen Decke und Dachstuhl wurde eine wärmedämmende Schicht eingebracht. Die Zahl der Dachrinnen wurde von zwei auf vier erhöht. Eine Dachrinnenheizung wurde eingebaut (gegen Eisbildung) und Abdeckungen der Seichen mit Gittern vorgenommen (gegen das Laub). Doch waren inzwischen die ab 1961/62 restaurierten Deckenbilder im Obergeschoß schon wieder stark beschädigt (Dokumentation in Dias durch Eckart Groß, BSV, Bauamt).
Die letzte Restaurierung begann 1976 durch Eckart Groß, Olching und Walter Senf, München. Sie wurde – nach Finanzlage – mit Unterbrechungen bis 1981 fortgeführt und ist noch nicht beendet.
Der gegenwärtige Zustand der Decken ist im einzelnen wie folgt:
Von dem originalen Bestand ist nur wenig erhalten. Das

Untergeschoß hat - von den bei Hörmannstorffer aufgeführten Schäden abgesehen – im Ganzen weniger gelitten als das Obergeschoß. Im Untergeschoß ist das Ornamentsystem, wenn auch nicht in persönlicher Handschrift Gumpps, so doch in der ursprünglichen Form erhalten. Das Obergeschoß ist weitgehend verändert.
Erdgeschoß
Saal Verschmutzungen, kleine Abblätterungen, ausgebesserte und frische Feuchtigkeitsschäden. Der Saal wurde in neuester Zeit noch nicht restauriert.
Vorraume Frisch restauriert. Zustand gut. Kabinett Frisch restauriert. Zustand gut. Decke über dem Treppenlauf Verschmutzungen
Obergeschoß
Treppenhaus Restauriert 1977: 1959 sehr große Schäden, Hohlkehle teilweise ganz ruiniert; 1976 große Wasserschäden und Abblätterungen im Deckenbild und in der Hohlkehle. Seit der Restaurierung 1977 (Dias von Eckart Groß, Nov. 1977) ist der Zustand gut. Vom originalen Zustand der Treppenhausdecke dürfte allerdings nicht viel erhalten sein; sie wurde schon 1767 »von Grund auf neu
gemacht« und war offenbar mit am stärksten von den Wassereinbrüchen in Mitleidenschaft gezogen. Doch sind bei den vielen Restaurierungen das Ornamentsystem und die ganze Bildanlage erhalten geblieben. Die Hohlkehle zeigt neue Schäden.


Salon Der Zustand der Decke war 1959 besser als der des Treppenhauses. Die Hohlkehlen beider Decken weitgehend ruiniert. 1976/77 waren die Hohlkehlen wieder sehr schadhaft, die Erkerdecke durch Wasser beschädigt; die Salondecke hatte kleinere Abblätterungen und Wasserschäden; Restaurierung 1978. Zustand der Salondecke gut, im Erker wieder Feuchtigkeitsschäden und Abblätterungen. Die Hohlkehle im Erker im W wieder weitgehend zerstört. Von den Räumen des Obergeschosses scheint die Decke des Salons am besten erhalten. Das ursprüngliche Ornamentsystem ist bei allen Restaurierungen offenbar bis in das Detail eingehalten worden, auch die Figuren.
Rotes Kabinett Die Decke war 1959 bes. im oberen Teil sehr stark beschädigt, Abblätterungen, Risse, Wasserflecken. Die Hohlkehle war streckenweise ruiniert. 1961/62 letzte Restaurierung. Ausgebesserte Fehlstellen, Abblätterungen, Feuchtigkeitsschäden, in deren Bereich Saliterausblühungen. Hohlkehle in großen Teilen schadhaft.
Ruheraum mit Erker Die Decken wurden 1870 vom Hofzimmermaler Schulze völlig erneuert (s. Haeberlein, Fritz und F. Müller-Skjold. Ein Vergleich zweier Deckenmalereien des 18. und 19. Jahrhunderts aus der Pagodenburg zu München, in: Deutsche Zeitschrift für Maltechnik 1943, S. 25–29); sie zeigen in Farbigkeit und Ornamentdetails große Unterschiede zur Decke des Salons – Stilmerkmale der Ludwig II.-Zeit -, obwohl ein erhaltenes Bruchstück der ursprünglichen Decke (Haeberlein, S. 27) erkennen läßt, daß man bemüht war, das Groteskensystem der ursprünglichen Decke zu imitieren.
Ein Vergleich mit dem Roten Kabinett zeigt deutlich, daß wohl auch dessen Decke bei der Restaurierung 1870 verändert worden ist. Die starkdeckende Farbigkeit von Rot und Ocker und das untere Ornament weisen auf den Stil der Epoche Ludwigs II. hin.
Beschreibung und Ikonographie
Erdgeschoß
Das ganze Erdgeschoß ist, wie die Decken, in den Farben Weiß-Blau gehalten: die holländischen Fliesen der Verkleidung in Saal, Kabinett und neben der Treppe, die Holzeinbauteile, Fensterläden und die Türfüllungen, die ornamentalmalbemalt sind. In die Vertäfelung der beiden Eingangserker sind kleine Leinwandfelder mit weiß-blauer ornamentaler Malerei eingelassen.
Saal GROTESKEN Die Ornamentmalerei nimmt die ganze achteckige Saaldecke ein. Über Mascarons in den Ecken und den Seitenmitten umläuft die Decke ein Ornament aus Akanthus, C-Bogen und Treillagenmotiven. In den Ecken ist über einem kleinen Podest jeweils eine Ganzfigur dargestellt, vier jugendliche, nackte weibliche Gestalten ohne alle Kennzeichen, alternierend mit weiblichen Allegorien der Erdteile, deren Attribute auf die Jagd bezogen sind: im NW Europa mit einem Kopfputz aus Reiherfedern und einer Lanze, bei ihr Hunde; im NO Asia mit Turban, auf einem Kamel sitzend, einen Spieß mit Halbmond in den Händen; im SO Africa mit Bogen, Köcher und Pfeilen, bei ihr zwei Krokodile; im SW America mit einem breitrandigen Hut aus Federn, in der Hand einen Bogen haltend, bei sich zwei Affen.
In den Seitenmitten sind über der Randzone kartuschenähnliche Groteskenfelder mit Büsten aufgebaut, von jeweils zwei Putti flankiert. Von den Büsten, abwechselnd männlich und weiblich, ist nur eine durch eine Mondsichel im Haar als Diana gekennzeichnet. Über Figuren und Büstenkartuschen läuft kreisförmig ein ornamentales Gebilde, das über den Figuren kleine Baldachins und über den Büstenfeldern Bogenmotive mit Medaillons ausbildet. Sternförmig laufen darüber nach innen vorwiegend florale Kandelabermotive auf die Mittelrosette zu.
Vorraum im S GROTESKEN Über einer Randzone, die aus C-Bogen und ornamentalen Gebälkstücken gebildet und großenteils mit Brokatmuster gefüllt ist, steigen in den Ecken Aufbauten mit Ziervasen auf, um die Putti, durch Bogen und Köcher zum Teil als Amoretten bezeichnet, spielen; ein kleiner Putto bildet jeweils den oberen Abschluß der Vase. Auf den Randornamenten der Längsseiten sitzen je zwei Figuren, die die Vier Elemente verkörpern: im SO Jupiter mit Adler und Flammenbündel = Feuer; bei ihm ein Putto mit einer Fackel; im SW Juno mit dem Pfau, einen Papagei auf der Hand = Luft; neben ihr hält ein Putto einen Vogel an einer Schnur; im NW Ceres, kenntlich an dem Flammenbündel in Händen, sie und ein Putto neben ihr halten Bergwerkshämmer, ein Putto präsentiert auf einer Schale Gestein (?) = Erde; im NO Amphitrite, auf einer Muschel sitzend, mit Dreizack und zwei Delphinen = Wasser. In den Mitten der Schmalseiten ist im O eine Bacchantin mit kleinen Satyrn, im W ein Satyr dargestellt.
Das mittlere Bildfeld, von einem breiten Brokatmusterrahmen in C-Bogenschwüngen umgeben, zeigt unter einem Baum die jugendliche Gestalt des Bacchus, den Kopf mit Reben umwunden, in der Hand eine Traube. Ein kleiner Satyr, zwei Putti und eine weibliche Gestalt mit einer Schale sind bei ihm (Blickrichtung nach S).


Vorraum im N GROTESKEN Die der entsprechenden Decke im S sehr ähnlich gestaltete ornamentale Randzone zeigt im NW eine weibliche Figur mit Putti und Fischen, im NO eine, der ein Putto eine Schale mit Früchten reicht, während ein anderer einen Bergwerkshammer hält, im SO eine bärtige Männerfigur mit Blitzbündeln, die er zwei Putti reicht und im SW eine weibliche Figur mit Putti und einem Papagei. Es sind die Vier Elemente – obwohl sie an der Decke des südlichen Eingangsraums als Götter schon dargestellt sind.
Das mittlere Bildfeld zeigt Venus, neben ihr in Wolken ihr Wagen mit den beiden Tauben. Ein Putto reicht der Göttin Früchte (Blickrichtung nach N).
Kabinett GROTESKEN Die Decke, im ornamentalen Aufbau denen der Eingangsräume sehr ähnlich, ist in großen Partien vergoldet, so dass sowohl im Brokatmuster der Randzone als auch in der Rahmenzone des mittleren Bildfelds und um die Eckmotive die blaue Malerei auf Goldgrund erscheint.
Die vier Figuren in den Längsseiten stellen dar: Im NO Ceres mit Sichel und Ährenbündel, Ähren im Haar, ihr zu Seiten die Drachen; im SO Bacchus mit Weinlaub und Trauben, sowie den beiden Panthern, seinen Wagentieren. Im SW ein bärtiger Windgott – Boreas – mit weitgebreiteten Schwingen, der einem gefesselten kleinen Amor die Flügel beschneidet – ein Motiv, das wie die Dornen rechts und links auf die kalte Jahreszeit hinweist. Im NW Flora mit Blumen auf dem Haupt, einem blumengefüllten Füllhorn und einem Putto, der ihr einen Korb mit Blumen reicht. Diese vier Figuren verkörpern die Vier Jahreszeiten.
In der Mitte der Schmalseiten sieht man im N eine Bacchantin, im S einen Satyr.
Die Mittelszene zeigt ein Bacchanal mit Satyrn, Bacchantinnen und einem gestürzten Trunkenen im Vordergrund (Blickrichtung nach O).
Die Ikonographie des Erdgeschosses wird von den beiden Figuren Bacchus und Venus bestimmt, dem Gott des Weins und der Göttin der Liebe. Zusammen mit Erdteilen, Jahreszeiten und Elementen gehören sie zum Repertoire der Festsaalthematik. Die Darstellungen sind jedoch nicht Teile eines übergreifenden Programms, sondern bleiben in der Dimension des Ornamentalen.
Decke des Treppenlaufs GROTESKEN In blauer Malerei auf weißem Grund zeigt die unregelmäßige, der Form des Treppenlaufs folgende Decke zwischen Bandwerk und C-Bogen-Ornamenten groteske Szenen, Figuren, Vögel und Mischwesen (in Chinoiserie-Manier).
Obergeschoß
Treppenhaus CHINOISERIEN Ansicht nach W. Die Decke hat – wie das Treppenhaus – einen unregelmäßigen fünfeckigen Grundriß in der Form eines an ein Rechteck gefügten Dreiecks. Zwei feine und dünne, gerade nach oben verlaufende seitliche Rahmenmotive aus Stabwerk und Ranken mit eingehängten Glöckchen tragen in einer Art Giebel ein Baldachinmotiv aus Lambrequins und Treillagen, von dem Draperien hängen; darunter sieht man eine Sonne.
Auf einem grotesk gelängten Thronsitz ist ein indianischer Herrscher mit Stab und Pagodenhut dargestellt, am Fuße des Thrones Diener und Musikanten in Phantasietrachten. Der umlaufende Fries in der Hohlkehle zeigt zwischen Bandwerk Fabelwesen und orientalische Motive.
Salon GROTESKEN Blickrichtung nach N. Bunte Ornamentgroteske mit Goldhöhungen auf weißem Grund. Aus einer schmalen, ornamentierten Rahmenleiste wächst eine groteske Thronarchitektur mit flankierenden Palmen und einem Baldachin. Dort sitzt ein indianischer Fürst in Phantasietracht, neben ihm eine Dame mit goldenem Gefäß, hinter ihm ein Leibwächter mit Feldzeichen. Auf Stufen sind unten rechts und links Pagen mit Schellen und Gefäß dargestellt, weiter außen Genreszenen mit Figuren in Phantasietrachten.
Über der durchlaufenden Baldachinzone sind in C-Bogen und Bandwerkornament zarte Ranken und Vögel dargestellt.
Der umlaufende Fries in der Hohlkehle zeigt eine Fülle von phantastischen Ornamentmotiven, Figuren und Fabelwesen auf Goldgrund.

Erker im Salon GROTESKEN Blickrichtung nach S. Der Bandverlauf bildet in den Seitenmitten Ornamentmotive und in den Ecken Felder aus, die mit Brokatmuster gefüllt sind. Das zentrale weißgrundige Mittelfeld zeigt in einem zartlinigen grotesken Thron- und Baldachinaufbau einen sitzenden orientalischen Fürsten mit spitzem Pagodenhut und Zepter.
Der umlaufende Fries entspricht in Motiven und Art der Bemalung dem des Salons (Abb. S. 404).
Rotes Kabinett GROTESKEN Blickrichtung nach O. Die Form der Decke entspricht der des Treppenhauses gegenüber. Auf rotem Grund ist ein ockerfarbiges Bildfeld von unregelmäßiger Form zu sehen; die das figürliche Mittelmotiv rahmende Groteskenarchitektur aus Stäben und Floralem ist vor diese farbige Feldtrennung gelegt. In der Mitte wächst aus einem fast abstrakten Ornamentmotiv ein lambrequingeschmückter Sitz auf, auf dem eine orientalische Fürstin mit ihren Dienerinnen dargestellt ist.
Der umlaufende Fries der Hohlkehle zeigt polychrom auf Goldgrund zwischen Bandwerk und Ranken orientalische Motive.
Ruheraum GROTESKEN Blickrichtung nach S. Ornamentmalerei mit Bildfeld; in diesem rosa monochrom eine mythologische Szene.
Erker im Ruheraum GROTESKEN Blickrichtung nach N. Ornamentmalerei mit mythologischer Szene im Mittelmedaillon (Abb. S. 405).
Quellen und Literatur
BHStA I, HR I, 203/23 BHStA I, HR I, 202/20b BHStA I, HR II, 28/1752 BHStA I, HR II, 32/1770
Bretagne 1722, S. 57 f. Heigel 1891, S. 31. KDB I OB (1), S. 796. Oertel 1899, S. 16. Hauttmann-Kunstleben, S. 45. Hager (1955), S. 32. Schmid 1979, S. 44. Hojer/Schmid 1983, S. 67–70.
A.B.