Mögling, Nebenkirche Mariä Himmelfahrt
Nebenkirche der Pfarrei Trostberg-Schwarzau (seit 1805 in Privatbesitz), Stadt Trostberg, Erzdiözese München und Freising; z.Z. der Ausmalung war die Kirche Kloster Baumburg »ad mensam Praepositi« inkorporiert, Erzbistum Salzburg, Archidiakonat Baumburg. In Mögling befand sich ein Mariengnadenbild, das örtlich große Verehrung genoß. 1788 war »eine 30tägige Andacht unter nicht geringem Zulauf des Volks bereits eingeführt« (AEM). Das Dorf Mögling bestand damals nur aus zwei Bauernhöfen und einer Mühle. Gericht Trostberg
Patrozinium: Mariä Himmelfahrt
Zum Bauwerk: Von einem spätgotischen Vorgängerbau um 1445 ist der Chor erhalten, das LHs wurde 1757/58 durch den Baumeister Franz Alois Mayr von Trostberg umgestaltet. Der Rokokoaltar mit den seitlichen Durchgängen stammt aus der Zeit der Neudekoration 1758. Nach der Säkularisierung wurde die Kirche 1805 zum Abbruch bestimmt, exsekriert und versteigert. Der Möglinger Müller Johann Nepomuk Liner hat die des Gnadenbildes und aller Paramente beraubte Kirche »durch Kauf an sich gebracht, dieselbe aber nicht abge brochen, sondern fortwährend in ordentlichem baulicher Stand erhalten« (Preißl 1837). Sein Sohn Sebastian Linner ließ sie »schöner wieder herstellen, als sie ehemals gewesen« sorgte für eine gründliche Baureparatur, beschaffte Paramente, richtete den Altar wieder auf, ließ ein neues Gnadenbild Maria-Hilf malen und betrieb endlich die Wieder-Benedizierung, die, nachdem er die Kirche mit Kapital versehen und sich zum Bauunterhalt verpflichtet hatte, am 12.11.1837 durch den Trostberger Pfarrer Joseph Preißl durchgeführt wurde (Inschrift in einer Kartusche am Chorbogen Gott allein / sei die / Ehre 1758 1837). Preißl schrieb 1865, viele Jahre später sei auch das alte Gnadenbild der Kirche wieder zurückgegeben worden.
1934 beantragte der damalige Besitzer Huber den Bau einer Priesterwohnung an der Kirche (AEM, Bauten II), wozu es nicht kam.
Einfacher kleiner Saal zu zwei Fensterachsen, Westempore. Gleichmäßige Belichtung von N und S durch je zwei hohe Rundbogenfenster. AR von gleicher Breite zu zwei Jochen mit dreiseitigem Schluß, Belichtung von N und S im östlichen Joch und in der Mitte des Chorschlusses. Im S an den Chor anschließend kleine Sakristei. Der sparsame, aber hübsche Stuck wird zu Recht mit der Baumburger Stuckierung in Zusammenhang gebracht.
Auftraggeber: Propst Joachim Fischer von Baumburg (1748–61).
Autor und Entstehungszeit: LHs Joseph Hartmann (* 1721 Tiengen am Hochrhein † 1788 Augsburg, s. S. 380) 1758. Signatur in A Joseph JO... Hartmann Pinx. (KDB: IOSEPHVS HARTMAN A. D. 1758. Die Signatur ist heute kaum noch zu erkennen.)
1758. Im Chorfresko B ist keine Signatur mehr zu sehen. Die KDB überliefern die Signatur IOSEPHVS MOY PINXIT. Der Augsburger Maler Joseph Hartmann hatte am 9.9. 1741 in Augsburg Johanna Moy, die Witwe des Augsburger Malers Johann Michael Moy geheiratet und damit die Malergerechtigkeit Moys in Augsburg erworben, die dieser am 8.1.1696 gekauft hatte. Hier in Mögling arbeitete er mit seinem Stiefsohn zusammen, der bei Hartmanns Heirat mit der Mutter erst sechsjährig gewesen war. Im Jahr 1758 freskierte Hartmann außer in Mögling in der Nikolaikapelle in Klosterseeon und malte außerdem das Hochaltarblatt in Baumburg. Nach Baumburg und Klosterseeon ist die Freskierung der Kirche in Mögling Hartmanns dritte Arbeit in einem Bau Franz Alois Mayrs. Die Darstellung der Himmelfahrt Mariens wiederholte er 1761 mit einigen Anderungen im Langhausfresko der Pfarrkirche Straß (LKr. Neuburg-Schrobenhausen, s. CBD, Bd 10, S. 303).
Von Hartmanns Stiefsohn Johann Joseph Moy weiß man wenig. In den Verzeichnissen der Augsburger Lehrlinge ist er nicht vermerkt; vermutlich hat er bei seinem Stiefvater Hartmann gelernt. Bei der Freskierung in Mögling war er erst 22jährig. Für einen so jungen Maler ist das Möglinger Chorfresko erstaunlich gewandt gemalt. Weitere Werke von Moy sind nicht bekannt. Er starb vermutlich früh oder gab die Malerkunst auf.
Befund
Träger der Deckenmalerei: A Flachtonne mit Stichkappen; B gotisches Gratgewölbe, im Bildbereich verschliffen. Rahmen: A In C-Bogen geschwungener Stuckprofilrahmen; B ovaler Stuckprofilrahmen; beide Rahmen sind in den Achsen von kleinen Rocaille-Ornamenten überspielt. Technik: Fresko, polychrom. Maße: A Höhe 5,60m; 7,60x 3,90; B Höhe 5,40m; 3,40x 3,05.
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Restaurierungen 1837 und 1901/02. Von der letzten Innenrestaurierung 1901/02 durch die Brüder Soll in Trostberg (Inschrift hinten am Hochaltar: J. Soll / F.J. Soll / Maler in Trostberg Goldhöhungen?) sehr störend wirken. Die Kirche ist zwar feucht, doch haben darunter die Fresken kaum gelitten; abgesehen von einem Feuchtigkeitsschaden rechts in B sind beide Deckenbilder gut erhalten. Schlechter erhalten ist der stark bröckelnde Stuck.

LANDKREIS TRAUNSTEIN · MÖGLING


LANDKREIS TRAUNSTEIN · MÖGLING
Beschreibung und Ikonographie
Die Dekoration des kleinen Kirchenraums entstand unmittelbar nach der Fertigstellung der Dekoration in Baumburg durch Künstler, die in Baumburg mitgearbeitet hatten. Der hübsche Stuck beschränkt sich auf die Rahmenbereiche der beiden Fresken, einfacher im Langhaus, reicher im Chor sowie auf eine Stuckkartusche am Chorbogen, von der Blumenranken ausgehen.
A HIMMELFAHRT MARIENS Das extrem lange, in der Mitte weit ausgebauchte Bildfeld zeigt die Himmelfahrt als dramatische Szene, wobei durch die Figurenkomposition eine starke räumliche Wirkung sowohl in der Raumtiefe als auch in der Raumhöhe erzielt wird. Aus dem schmalen, abgedunkelten Bildvordergrund steigt die Szenerie jäh und steil an, mit hohen Stufen erst, dann grasbewachsenen Felsen. Hier kniet ein Apostel mit Buch und ausgestreckter Hand, dessen dunkle Silhouette den helleren Bildmittelgrund distanziert. Die Gruppe von drei Aposteln schräg über ihm verstärkt die Tiefenräumlichkeit des Bildes durch den Raum, der innerhalb der Gruppe durch die Stellung der Figuren zueinander und durch deren ausfahrende Gesten entsteht.
In der Mitte des Bildes steht in hellem Licht der Sarkophag Mariens, über dessen Rand das weiße Leichentuch liegt. Sechs Apostel sind direkt um ihn versammelt, die vorderste weißbärtige Figur rechts stellt mit ihrem blauen Gewand und gelben Mantel Petrus dar. Sie blicken in den leeren Sarkophag oder schauen nach oben, wo auf rosigen Wolken Maria zum Himmel auffährt, von Engeln begleitet. Die schöne Figur der Maria ist von Glorienlicht umstrahlt, teils von dem Strahlenkranz um ihr Haupt, teils von dem himmlischen Licht, das sie hinterfängt. Ihr blauer Mantel fliegt wie vom Aufwind getragen halbkreisförmig um ihren Oberkörper. Ein großer Engel vor ihr streut Blumen. Maria blickt zum Himmel auf, wo in der obersten schmalen Bildausbuchtung der helle Himmel von dunklen Wolken und Putten mit einer Blumengirlande gesäumt ist.
Rechts hinter dem Sarkophag ist eine weitere Gruppe von vier Aposteln dargestellt, sodaß im ganzen vierzehn Apostel im Bild sind. Neben den elf Aposteln waren es nach dem Ausscheiden des Judas Ischarioth noch Matthias, der an dessen Stelle zu den Aposteln kam, sowie Paulus und Barnabas.
B GEBURT MARIENS Eine Quadersubstruktion trägt die ziemlich untersichtige Handlungsbühne. Links ragt eine Säule mit reicher karminroter Draperie auf, rechts erblickt man im Hintergrund hinter einem grünen Vorhang einen Alkoven, zu dem Stufen emporführen. In dem Bett, das im Hintergrund sichtbar ist, hat sich die Mutter Anna mit gefalteten Händen aufgerichtet und erwartet die Magd, die mit einem Räuchergefäß den Alkoven betritt. Auf dem Nachtkästchen neben dem Bett steht ein Arzneigefäß. Zu Füßen der Stufen, die zum Bett führen, steht eine kleine Wiege, über die sich eine Magd beugt, um aufzubetten. Die Haupthandlung spielt in der Bildmitte vor der großen Säule. Hier steht das große runde Gefäß mit dem Badewasser, dessen Temperatur eine Magd prüft. Eine zweite Magd sitzt links mit dem nackten Kind, dessen Köpfchen von einem Strahlenkranz umgeben ist. Zwischen den Mägden steht der greise Vater Joachim, der seine Rechte in einer Geste der Ehrfurcht auf die Brust gelegt hat. Stilistisch zeigt dieses Fresko Übereinstimmungen mit dem Langhausfresko, obwohl der junge Moy in der Konstruktion des Raumes noch unsicher ist und auch Verzeichnungen zu beobachten sind, etwa am Arm der Magd in der Bildmitte. Daß die Magd mit dem Kind Maria im Typus einer Madonna mit Jesuskind gegeben ist, ist eine ikonographische Unsicherheit, die wohl auch auf das Konto der Jugend Moys geht.
Quellen und Literatur
BHStA, GL Fasz. 4187: Mögling im 18. Jh. AEM, Pfarrakten Trostberg, Pfarrbeschreibung; Bauten II Kapelle Mögling 1788–1865. BLfD, Akt Mögling, Kirche Mariä Himmelfahrt.
Geiß, Ernest, Geschichte der Pfarrei Trostberg, in: OAVG 1, 1839, S. 206-52. Mögling S. 240.
Mayer-Westermayer Bd 2, S. 706
KDB I OB (2), S. 1809
Rauchensteiner, A., Führer von Altenmarkt und Umgebung, Altenmarkt 1904, S. 56f.
Historischer Atlas I, Bd 26, Traunstein (Richard van Dülmen). München 1970, S. 113, 118.
Kreilinger, Kilian, Der Bayerische Rokoko-Baumeister Franz Alois Mayr, Diss. München 1975 (= Jahrbuch des Vereins für Christliche Kunst IX), München 1976, S. 115, 120
Fassnauer, Alois, Baumburg, Freilassing 1980, S. 10
Kreilinger, Kilian, Trostberg St. Andreas mit Nebenkirchen Mariä Himmelfahrt Schwarzau (= KKF Nr. 1649), München und Zürich 11988. Mögling S. 20.
Dehio 1990, S. 642
Barockmalers Joseph Hartmann mit einem Katalog seiner Fresken (ungedr. Magisterarbeit) München 1994, S. 47–55. Paula, Georg, Die Meister und Gesellen der Augsburger Malerzunft von 1648 bis 1827, in: Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben 92, 1999. Johann Michael Moy S. 102. 110, 123.
A. B.