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Landsberg am Lech, ehem. Ursulinenkloster, Stiegenhaus

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 1: Die Landkreise Landsberg am Lech, Starnberg, Weilheim-Schongau. Hirmer, München 1976, ISBN 978-3-7991-5737-7, S. 155–156, geschrieben von Bauer-Wild, Anna, Böhm, Cordula, Lüdicke, Lore und Werner-Clementschitsch, Heide. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Stiegenhaus im ehem. Kloster- und Schulgebäude der Ursulinen, z. Z. Dominikanerinnenkloster

Zum Bauwerk: Die seit 1760 in Angriff genommene Erneuerung und zugleich Erweiterung des Kloster- und Schulgebäudes zieht sich mehrfach unterbrochen ungefähr durch ein Jahrzehnt hin. Die Baumeisterfrage ist ungeklärt, auch hier vermutet Hugo Schnell Dominikus Zimmermann (s. Klosterkirche). – Kleines Stiegenhaus mit einfachen Treppenkehren

Auftraggeber: Oberin Maria Anna Nepomucena Aloisia, geb. Wachsenstein (1737 gewählt, 1764 in den Akten zur Grundsteinlegung der Kirche genannt)

Autor und Entstehungszeit: Das Stiegenhausfresko ist nicht signiert, doch kann es sicher Johann Baptist Bergmüller zugeschrieben werden. Figurentypus und Zeichnung der Gesichtszüge gleichen jenen der Kirchenfresken. Auch die einfache einansichtige Bildanlage und flächige Komposition im Bild, gegenüber einem mehr in Untersichtsperspektive gemalten ornamental-architektonischen Rahmen entsprechen den Charakteristika der Gewölbefresken in der Kirche. Die Entstehungszeit liegt in den 60er Jahren, die Kirche wurde allem Anschein nach vorrangig behandelt und daher früher vollendet als der Klosterbau, so daß das Fresko wohl nach 1766 gemalt wurde

Befund

Träger der Deckenmalerei: flacher Deckenspiegel, durch Hohlkehle abgesetzt

Rahmen: einfaches gerades Stuckprofil, von acht Rocaillekartuschen überlappt

Technik: Fresko; polychrom

Maße: Höhe (vom Betrachterstandort auf dem letzten Treppenabsatz aus gemessen) 3,80 m; 4,00 × 3,40

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Die Restaurierungsakten des B.L.f.D. berichten nicht eigens über das Stiegenhausfresko, 1963 ist im Kostenvoranschlag die Restaurierung der Decken- und Wandbilder von Kirche und Kloster vorgesehen. – Das Fresko weist einige stärkere Querrisse auf, die Farbsubstanz ist gut erhalten.

Beschreibung und Ikonographie

DIVINA PROVIDENTIA Im Gegensatz zur Kirche ist hier die Freskomalerei auf einen Deckenspiegel beschränkt, der durch ein weißes Stuckprofil, einen breiten weißen Randstreifen mit den wenigen farbig getönten Rocaillen und das Hohlkehlenprofil ganz deutlich von der Architektur des Stiegenhauses abgesetzt ist. Johann Baptist Bergmüller setzt trotzdem seine Bildfiguren in eine Scheinarchitektur im Sinne der Ouadratura: Über ornamentalen – perspektivisch etwas flach wirkenden – Konsolen erhebt sich der ovale Balustradenring eines illusionierten Stiegenhausumganges. Darüber wird der – sehr flächig und symmetrisch komponierte – Himmel der Divina Providentia sichtbar.

VIIIa I TO VIGCIICIA STORES COLL. Die weiß gekleidete, allegorische Gestalt thront im Zentrum, hinterfangen von einer Lichtscheibe. Sie stützt das Zepter auf die blaue Weltkugel und hält in der anderen Hand einen Spiegel. Das Zepter ist von dem Dreifaltigkeitsdreieck mit dem Auge Gottes bekrönt. Vom Auge Gottes fallen Lichtstrahlen auf ein Wappen, das ein Fama-Engel präsentiert. An der Tuba dieses Engels hängt die Fahne mit den Abzeichen des Ursulinenordens: Das IHS, hier mit dem Kruzifix auf dem H-Balken und den drei Nägeln darunter, und die Buchstabenfolge UR. (ligiert) L.S. = Ursula-Laurus (vgl. die Erläuterungen zum Kirchenfresko A S. 153). Eine weitere ungeflügelte Gestalt, Abundantia, trägt ein Füllhorn mit Früchten. Über den Rand der mit Vasen besetzten Balustrade beugt sich ein Engel und weist auf den Grundriß des Klosters. Die Quadraturazone ist in kräftigem Rotmarmor und helllem Steingrau farblich abgesetzt von dem hellen Himmel in gebrochenen Ocker-, Weiß- und Gelbtönen. Der Fama-Engel vereint die meisten Buntfarben auf sich, gedämpftes Grün, Rottöne, Goldocker, Graublau und Weiß.

Das Zepter mit Dreieck und Auge Gottes über der Weltkugel ist motivisch genau von Johann Georg Bergmüller übernommen, vgl. Fresko C des Vaters in Steingaden (um 1742; s. LKr. Weilheim-Schongau). Nur ist die Weltkugel weniger prägnant gezeichnet. Ganz ähnlich ist auch die Providentia-Gestalt in Dießen, Fresko C (1736). Johann Baptist gibt seiner Providentia noch einen Spiegel als Hinweis auf Prudentia (vgl. Ripa, s. v. prudenza), bzw. hier auf Sapientia Divina.

Der Segen der Göttlichen Vorsehung ruht auf der Klostergründung und dem neu errichteten Klosterbau der Ursulinen von Landsberg, dessen Ruhm in alle Lande verkündet wird. Das Wappen – zwei Sterne auf blauem Grund und die weiße Muschel auf rotem Grund in dem waagerecht geteilten Feld – ist bisher noch nicht geklärt. Sinngemäß denkbar ist hier das Wappen des Auftraggebers, also vielleicht der Oberin Maria Anna Nepomucena, es kommen aber auch andere Personen (Oberinnen oder Stifter) in Frage (Abbildung S. 156).

Quellen und Literatur

KDB I OB (1), S. 511

Die Restauration der Klosterkirche in Landsberg (o. V.) in: Landsberger Geschichtsblätter 13, 1914, Nr. 7, S. 54 f. (Schober, Josef Johann), Das Kloster der Ursulinerinnen in Landsberg, in: Landsberger Geschichtsblätter 19/20 1922, Nr. 1–6, S. 3 ff.

Schmidt, Hermann, Landsberg am Lech (Deutsche Kunstführer, Bd 41), Augsburg 1929, S. 17 f.

Läuterer, Oswald, Die Künstler Türkheims, 1. Teil, Johann Georg Bergmüller, Landsberg am Lech [1953].

Schnell, Hugo, Die Landsberger Dominikanerinnenkirche. Das letzte Werk Dominikus Zimmermanns, in: Das Münster 19, 1966, S. 473–80.

-, Kirche im Kloster der Dominikanerinnen Landsberg (= KKF Nr. 861), München 1967.