Landsberg am Lech, ehem. St. Leonhardskapelle
Ehem. St. Leonhardskapelle, profaniert, jetzt Geschäftsräume und offene Arkaden; z. Z. der Ausmalung Pfarrei Mariä Himmelfahrt
Zum Bauwerk: Spätgotische Anlage. Bei der Erweiterung des damaligen Ursulinenklosters 1760/70 wurde die Leonhardikapelle an der SO-Ecke des Baublocks in den Klosterkomplex einbezogen.
Das ehem. LHs ist jetzt in einen Geschäftsraum, der ehem. AR in offene Arkaden umgewandelt.
Autor und Entstehungszeit: Die unbezeichneten Fresken stimmen stilistisch mit den Deckenbildern in der Schloßkapelle von Pöring und in der Pfarrkirche von Baiershofen (Schw. LKr. Augsburg), die laut Signatur von Dominikus Zimmermann stammen, weitgehend überein. Eine einfache, perspektivisch ungeschickte Bildanlage, eine gleichmäßig helle auf wenige Farbtöne (sehr weißhaltiges Ocker, Gelb, Blau und Rostrot) beschränkte Farbgebung, eine Figurendarstellung in zeichnerischer Manier und motivische Wiederholungen (z. B. die in bauschige Mantelschleppen versteckten Putti) sind kennzeichnend und lassen Dominikus Zimmermann als Autor für alle Bilder vermuten. Der schlechte Erhaltungszustand aller angeführten Fresken und das Fehlen einer zusammenfassenden Untersuchung der Gemälde- und Stuck-Arbeiten des Dominikus Zimmermann erlauben keine sichere Beurteilung. Als Entstehungszeit der Landsberger Kapellenfresken kommt das vierte Jahrzehnt des 18. Jh. in Frage.
Befund
Träger der Deckenmalerei: A Flachdecke, B Stichkappentonne
Rahmen: Stuckprofil, A glatt, B geschweift, B1-4 Rocaille kartuschen
Technik: Fresko; A, B polychrom, B1, 3 monochrom karmin, B2, 4 monochrom ocker
Maße: A Höhe 5,90 m; Ø 3,20
B Höhe 5,70 m; 2,40 × 2,00
Erhaltungszustand: Seit ca. 1940 ist an den Deckenbildern keine Restaurierung vorgenommen worden (Mitt. der Geschäftsinhaber). Fresko A weist mehrere Parallelrisse, Feuchtigkeitsschäden und Übermalungen auf. Farblich ist es jedoch – abgesehen von gleichmäßiger Verschmutzung - gut erhalten. Fresko B und B1-4 sind durch ihre ungeschützte Lage in ruinösem Zustand. Durch das Abblättern des Verputzes ist auch die Farbsubstanz weitgehend zerstört (B1–4 keine Abbildungen).
Beschreibung
A DIE FÜRBITTE MARIENS UND LEONHARDS Das einansichtige Fresko weist nur mäßige Untersicht auf. Den Großteil der Bildfläche nimmt die himmlische Zone ein, die irdische ist durch zwei Treppenstufen am westlichen Bildrand und am nördlichen durch eine Bogenarchitektur gekennzeichnet, welche jedoch teilweise von Wolken verdeckt ist. Maria und Leonhard knien auf

Wolkenbänken vor der Dreifaltigkeit, die - Gottvater mit Weltkugel, Christus mit Kreuz - in einem von der Taube des Geistes ausgehenden Strahlenkranz erscheint. Christus, im Begriff, ein Blitzbündel auf die Erde zu schleudern, wird durch Marias Vermittlung daran gehindert. Sie weist mit der Rechten auf die Personifikationen der Erdteile, die flehend zum Himmel aufblicken. Sie knien frontal, mit ausgebreiteten bzw. vor der Brust gekreuzten Händen in einer Reihe: Africa, Europa, Asia, America, alle prachtvoll gekleidet und von Dienern und charakteristischen Tieren ihrer Länder (Elefant, Pferd, Kamel, Bär) gefolgt.
An drei Seiten des Freskos sind in Ornamentkartuschen mit Goldbrokatgrund je zwei geflügelte Puttoköpfe auf blauem Feld gemalt.


B HLL. LEONHARD UND WENDELIN ALS PATRONE In Wolken erscheinen die beiden Viehpatrone im Fürbittgestus vor dem Auge Gottes im Dreiecksnimbus. Putti tragen die Attribute, den Abtsstab des hl. Leonhard und die Hirtenkeule des hl. Wendelin. Ihnen zu Füßen weiden auf einer Wiese Pferde, deren Patron St. Leonhard, und Kühe mit einem Bauern sowie eine Schafherde, deren Patron St. Wendelin ist. Im Hintergrund erblickt man die Silhouette der Stadt Landsberg mit Lech und Lechbrücke.
Das Bildprogramm der ehem. Kapelle ist dem Patron St. Leonhard gewidmet, neben dem auch Maria und Wendelin verehrt werden. In B ist er als Patron des Viehs dargestellt, seinem volkstümlichsten Patronat, die Nebenszenen B1-4, seiner legendären Vita entnommen (Ribadeneyra-Hornig, Bd 2, 6. 11., S. 698 ff.), spielen auf seine Patronate der Gefangenen, der Gebärenden, der Blinden, Lahmen und Geisteskranken an. Die Darstellung in Fresko A gehört zu den sog. Pestbildern (vgl. LCI, Bd 3 s. v. Pest, Pestbilder). Die Blitze (mit Pfeilspitzen!) deuten auf ein den Erdbewohnern drohendes Strafgericht Gottes (Pest, Hunger, Krieg) hin, welches durch die Fürsprache der Heiligen abgewendet wird. Ungewöhnlich in dieser Darstellung ist, daß die von der Strafe Gottes Bedrohten nicht als Hilfe erflehende Gemeindemitglieder wiedergegeben sind, wie es die sehr einfach gehaltenen Bilder dieser kleinen Kapelle erwarten lassen; statt dessen sind die Personifikationen der Erdteile, als Vertreter aller Erdbewohner, dargestellt.