Zum Inhalt springen

Landsberg am Lech, Filialkirche St. Johannes

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 1: Die Landkreise Landsberg am Lech, Starnberg, Weilheim-Schongau. Hirmer, München 1976, ISBN 978-3-7991-5737-7, S. 158–161, geschrieben von Bauer-Wild, Anna, Böhm, Cordula, Lüdicke, Lore und Werner-Clementschitsch, Heide. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Filialkirche St. Johannes, zur Stadtpfarrei Mariä Himmelfahrt gehörig, Diözese Augsburg; z. Z. der Ausmalung Benefizium, Gericht Landsberg

Patrozinium: St. Johannes Baptist

Zum Bauwerk: Die ehem. Friedhofskapelle von 1505/07 wurde 1740/41 abgerissen und durch einen 1750/52 ausgeführten Neubau nach Plänen Dominikus Zimmermanns ersetzt; Weihe 1754. – Der Gemeinderaum ist ein aus einem Rechteck entwickeltes Oval mit halbrunden Nischen in den Diagonalachsen. Der AR hat kreisförmigen Grundriß; gewestet

Auftraggeber: Neubau und Ausstattung der Kirche gehen auf die Initiative des Benefiziaten von St. Johannes, Simon Mayer (1735–53) zurück.

Autor und Entstehungszeit: Signatur in A (im NO an der Balustrade): Karl Joseph Thalheimer Pinxit. 1752. (Karl Joseph Thalheimer aus der gleichnamigen Malerfamilie von Ottobeuren, *1712? †1799 in Landsberg am Lech.)

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs und AR Flachkuppel Rahmen: Über dem Gebälk in LHs und AR setzt die Deckenmalerei mit einer illusionistisch gemalten Balustrade an

Technik: Fresko; polychrom Maße: A Höhe 14,70 m; 13,20 × 10,20 m; B Höhe 12,00 m; Ø 6,10 m

Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1931 durch X. Schmid, 1966 durch A. Dasser restauriert. – Fresko A.

A Predigt und Enthauptung Johannes des Täufers
B Patrone St. Leonhard und St. Wendelin

wenige gekittete Risse, partienweise farbig leicht übergangen; bei der Wiederöffnung des Ostfensters über dem Eingang wurde die Malerei um das Fenster ergänzt. B und W (Altarwand): gekittete Risse, besonders zahlreich im östlichen Teil der Kuppelkalotte.

Beschreibung und Ikonographie

A PREDIGT UND ENTHAUPTUNG JOHANNES DES TÄUFERS (Mt 3,1-12; 14,6-11 und Par.) Zwischen den vorkragenden Gebälkstücken des verkröpften Gesimses – in den vier Diagonalachsen – setzt die Kuppelmalerei mit einer illusionistisch gemalten Steinbalustrade an. Im W und im O ragen ein imitiertes und ein reales Fenster in die umlaufende Landschaftsszenerie, die ringartig aufgeschichtet das Kuppeloval umläuft. Auch der Bildhimmel zeigt diese Ringschichtung, betont durch verschiedene Farben. – Die figuralen Szenen sind entlang der N- und S-Seite nebeneinandergereiht, die großen Fenster durchbrechen die umlaufende Bildanlage, so daß die O-W-Achse, die Hauptblickrichtung, nur eine gegenständlich belanglose Szenerie zeigt.

Die Mitte des Ovalhimmels nimmt ein Dreifaltigkeitszeichen, das Auge Gottes im Dreieck, ein. Es ist auf die Längsachse der Kirche bezogen und dadurch von den figuralen Szenen an den Seiten isoliert.

Längs der N-Seite ist die Predigtszene wiedergegeben. Auf leicht ansteigendem kahlem Boden steht predigend Johannes der Täufer vor einer bizarren Felskulisse. Um den Prediger scharen sich Gruppen von Zuhörern, sitzend oder stehend in lebhaften Gebärden der Predigt folgend - Miniaturhaft feinfiedrig gemalte Bäume überragen die Figuren und leiten über zu einem höheren Landschaftsring, leicht verschwimmenden hellgrauen Gebirgsformen am Horizont.

Die Enthauptungsszene an der S-Seite ist zweiteilig ge gliedert. Dicht neben das östliche Fenster, ganz an die Balustrade herangerückt, bildet ein offenes Gehäuse den Schauplatz für das Gastmahl des Herodes. In gleicher Höhe schließt sich unmittelbar daran ein Hügel mit einer weiten offenen Kerkergewölbe davor – ein Baum verstell den unmöglichen Zusammenschluß von Gehäuse, Hügel und Kerker. Salome betritt mit ihren Hofdamen von der Seite her das Verlies, um das Haupt des Täufers in Empfang zu nehmen. Dieser kniet halb entblößt, gesenkter Hauptes zur Seite und erwartet den Schwertstreich des Henkers. – Rechts von der Szene drängen sich einige Zuschauer, ein Soldat und zwei Juden, an die Balustrade.

Das in der Bildanlage schematisch-naive, im Detail minuziöse Kuppelbild zeigt farbig einen matten, kühlen Charakter. Es ist ringförmig in verschiedene Farbzonen geschieden. Die figuralen Szenen mit langweilig nebeneinander gesetzten gedämpften Buntfarben sind in Grau, Ocker und Graugrün des Landschaftsgrundes gesetzt. Es folgen auf den grauen Horizont ein orangeroter Himmelsring und schließlich das blau-weiß verschwommene Himmelsoval mit dem gelbstrahlenden Dreieckszeichen in der Mitte.

B UND W TAUFE JESU (Mt 3,16) Kuppel- und Wandfresko sind zusammen mit dem Altaraufbau (Dominikus Zimmermann, Figuralplastik Johann Luidl) als eine bildliche Einheit zu betrachten. In die weiten Öffnungen des aus Rocaillen gebildeten plastisch-ornamentalen Altargebildes sind die weißglänzenden Figuren Jesu und des Täufers sowie zweier assistierender Engel vor die Jordanlandschaft – im Medium der Wandmalerei – gestellt. Das Wasser des Jordans fließt – plastisch gebildet – scheinbar über den Altar hinweg. Über der plastischen Taufgruppe schweben Engel – etwas unbeholfen gemalte Figuren. In dem bildhaften Rocaillegebilde des Altares und den illusionistisch gemalten Wolken in der Gesimszone erstrahlt golden die Gloriole der Geistes-Taube. Die Wolken kommen herab aus der Himmelskuppel, in der Gottvater, hinabgewendet zum Taufgeschehen, auf Wolken thront. Zwei große Engel in pathetischer Gebärde fliegen zu seiten Gottvaters. Putti sind in den formal kaum strukturierten Wolkenhimmel eingestreut. Zum Kirchengesims vermittelt wieder eine steinerne Balustrade.

Farblich ist die Freskomalerei ganz auf die Rocaille-Altar-Szenerie mit ihren hellen Stuckmarmortönen, Rosaocker und Weiß, Vergoldungen und mattgrünen Pflanzendekoren abgestimmt, sie ist in der Farbwahl sehr zurückhaltend: helle Grautöne überwiegen und bestimmen die Buntfarben in den Gewändern Gottvaters und der Engel sowie die Grün- und Ockertöne der Bäume und Palmen am Fluß. (Zur stilistischen Bedeutung dieses Altarraumes vgl. Rupprecht)

Hochaltar mit Wandfresko W Taufe Iesu

Quellen und Literatur

KDB I OB (1), S. 509 f.

Die Geschichte der St. Johanniskirche in Landsberg und ihres Benefiziums (o. V.), in: Landsberger Geschichtsblätter 11 1919 Nr. 5–9 S 34 ff

Schmidt, Hermann, Landsberg am Lech, (= Deutsche Kunstführer, Bd 41) Augsburg 1929, S. 19–21.

Rupprecht, Bernhard, Die bayerische Rokoko-Kirche (= Münchner Historische Studien, Abteilung Bayerische Geschichte, Bd 5), Kallmünz 1959, S. 46 f

Hofmann, Sigfrid, Landsberg am Lech (= GKF 35), München 1961.

Schmidt, Hermann v., Schnell, Hugo, Landsberg, Stadtpfarrkirche und Johanneskirche (= KKF 88), München 1961 S 16 f

Dehio-Gall OB (1964), S. 277

Hitchcock, Henry-Russel, German Rococo: The Zimmermann Brothers, London 1968, S. 78 f.