Konstein, sog. Apostelkirche St. Ägidius


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 13: Landkreis Eichstätt. Hirmer, München 2008, ISBN 978-3-7774-4475-8, S. 313–316, geschrieben von Grimminger, Christina. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Sog. Apostelkirche, Gemeinde Wellheim, seit 1960 Evangelische Kirchengemeinde Eichstätt, z.Z. der Ausmalung Filialkirche von Wellheim, Diözese Augsburg. Das Patronatsrecht hatte der Fürstbischof von Eichstätt als Inhaber Wellheims inne. Bis 1972 Reg.Bez. Mittelfranken.

Patrozinium: St. Agidius

Zum Bauwerk: Kleiner Kapellenbau mit barockzeitlich geprägter Innenausstattung und, da als protestantischer Kirchenraum genutzt, neuzeitlichem Mobiliar. Der überkommene Bau entstand 1575 während der protestantischen Zeit Konsteins (1542–1617) aus der Überformung einer im 14. Jh. geweihten Ägidienkapelle. Die barocke Innenausstattung aus Stuck und Fresken wurde in der Zeit nach 1701 gefertigt, also in der Zeit, in der in Konstein der katholische Glaube praktiziert wurde. Als Urheber des Stucks kommt aus stilistischen Gründen der Eichstätter Stuckator Jakob Egg in Frage. Ende der 1950er Jahre trat ein neuerlicher Konfessionswechsel ein. Nachdem die Kapelle von der evangelischen Kirchengemeinde Eichstätts erworben, umgenutzt und neueingerichtet worden war, wurde sie am 12. 5. 1962 zur Apostelkirche geweiht.

Kapelle mit achtseitigem Dachreiter an der Südseite, im Inneren LHs als Saal (13,30×9,30m) mit dreiseitigem Nordabschluss, der als Chor dient, Belichtung durch zwei Fensterachsen an den Längsseiten und zwei Fenstern im Chor mittels segmentbogenförmiger Öffnungen. Im Süden eingezogene Orgelempore. Kirchenraum ohne Gliederungen, um die Fenster Profilrahmen mit Eichenlaub an den Bögen. Die Flachdecke schmückt eine für Jakob Egg charakteristische Stuckdekoration: inneres, profiliertes und muschelbesetztes Rechteckfeld um ein von Lilien- und Rosengebinden umrahmtes Ovalgemälde, äußerer Rahmen über dem Chor mit Akanthusranken, an den Längsseiten mit Akanthusblättern und Palmwedeln, über der Empore mit Eichenlaub und Akanthusblättern dekoriert. Das barocke Deckenbild wurde 1962 übermalt.

Auftraggeber: Johann Martin Bergmann, Pfarrer in Wellheim (1692–1738), unter dessen Amtszeit nahezu alle Kirchen der Pfarrei Wellheim (Pfarrkirche, Filialkirchen in Konstein, Ellenbrunn, Gammersfeld, Hard) sowie der Pfarrhof um- oder neugebaut wurden.

Autor und Entstehungszeit: Zuschreibung an Matthias Zink (* 1665 Donaumünster † 1738 Eichstätt) nach 1701

Felix Mader dachte bereits 1928 an einen Eichstätter Maler und schlug Johann Georg Frey d. Ä. und Matthias Zink vor. Da sich zwischenzeitlich beider Werke immer mehr herauskristallisierten, scheidet Frey als Freskant aus (s. Eichstätt, ehem. Dominikanerklosterkirche St. Peter, S. 113, und Alten- dorf, S. 17), während vieles für Zink spricht. So sind die Apostelbilder an der Emporenbrüstung anderen Apostelzyklen Zinks stilistisch verwandt wie auch die einfachen Medaillonbilder auf Zink verweisen. Auch das 1962 übermalte, in den KDB abgebildete Hauptgemälde entspricht in wesentlichen Zügen dem Stil Zinks. Berücksichtigt man, dass die Konsteiner Fresken die frühesten Werke dieser Gattung sind, die von dem ab 1691 in Eichstätt nachweisbaren Maler geschaffen wurden, erklären sich unsichere Details in der Handhabe künstlerischer Stilmittel. Die Datierung »nach 1701« orientiert sich am Umbau der Pfarrkirche in Wellheim, denn die Maßnahme in der Filiale Konstein wurde sicher erst danach unternommen. Zwischen Egg und Zink entwickelte sich eine fruchtbare Zusammenarbeit: Nachweislich waren sie 1709/10 in Altendorf (S. 17) tätig, 1713 beschäftigte Egg Zink im Zuge der Ausgestaltung des Oratoriums Maria vom Siege in Ingolstadt als Subunternehmer. Möglich, dass Zink auch 1700/01 in Wellheim und 1722 in Gammersfeld arbeitete, wo die Deckenbilder übermalt, der Stuck jedoch sicher von Egg ist.

Befund

Träger der Deckenmalerei: Flachdecke über umlaufendem profiliertem Gesims

Rahmen: A, 1–4, EB1–13 Stuckprofil, 1 mit Akanthusblattfries Technik: Fresko; polychrom

Maße: A Höhe 4,80 m; 3,90 × 2,50

1–4 Höhe 4,80 m; Ø 1,10

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Die Deckengemälde wurden nachweislich im 19. Jh. übermalt, die Fresken an der Emporenbrüstung sogar übermalt. Dies überliefern mehrere Gutachten des BLfD, die im Rahmen der Instandsetzung der Decke 1921/22 erstellt wurden. Diesen zufolge waren die

 
 

Freskogemälde bei der »letzten Restaurierung« »rücksichtslos« mit Leimfarbe übermalt worden. Als geeignete Maßnahmen wurden Reinigen mit Wasser und Ausbessern mit Kaseinfarben empfohlen. Die Apostelbilder an der Brüstung wurden freigelegt. Im Zuge der Umnutzung der katholischen Agiendienkapelle zur protestantischen Apostelkirche sollten die Deckenbilder lediglich gereinigt und konserviert werden. Da man das Marienbild als nicht passend ansah, wurde es übermalt. Das bis heute existierende Deckengemälde des Auferstandenen Christus malte der Münchner Maler Günter Danco. Der Eichstätter Kirchenmaler Konrad Schmer führte die Renovierung der Bilder durch, die die Erneuerung dreier Apostelbilder nach sich zog (dem Augenschein nach auf jeden Fall Christus und Andreas). An der Stuckdecke, die während der Renovierungen von 1922, 1962 und 1986 aufgrund herabgefallener Stuckdetails immer wieder ergänzt worden war, stellten sich 2004 Risse ein, die eine umfangreiche Sanierung (durchgeführt 2006) bedingten. Die Deckenbilder waren dabei nicht betroffen. Die noch erhaltenen Fresken zeigen den Stil Zinks, die originale Malsubstanz hält sich jedoch in Grenzen. Übermalungen sind an allen Bildern zu konstatieren.

Beschreibung und Ikonographie

A IMMACULATA CONCEPTIO (1962 übermalt, anhand des Fotos in den KDB identifizierbar) Das hochovale Bildfeld zeigte Maria im Typus der Immaculata Conceptio in Wolken, sie trat mit ihrem Fuß auf die Schlange, die sich um die von zwei Engeln gehaltene Erdkugel wand, in ihrer rechten Hand hielt sie die Lilie, ihr Haupt schmückte ein Rosenkranz. Engel und Putten umgaben sie, einer mit Rosen. Über ihr das Dreifaltigkeitssymbol in einer puttengesäumten Glorie.

B GOTTVATER Rundes Deckenbild über dem ehem. Altar. Es zeigt die Halbfigur Gottvaters in Wolken, die linke Hand auf der Weltkugel, die rechte segnend erhoben.

1-3 Drei runde Medaillons, die das Hauptfresko A an der Süd-, West- und Nordseite begleiten.

1 HL. ANNA Ganzfigurige Darstellung der Mutter Mariens, auf einer Wolke sitzend. Sie hält ein Buch, das auf den Bildtypus Anna lehrt Maria das Lesen verweist.

2 HL. JOACHIM Ganzfigurige Darstellung des Vaters Mariens, auf einer Wolke sitzend. Er hält in seiner linken Hand eine Hirtenschaufel und weist auf ein Schaf zu seinen Füßen.

3 HL. JOSEPH MIT DEM JESUSKIND Ganzfigurige Darstellung des Nährvaters Jesu, auf einer Wolke sitzend. Er hält in seiner rechten Hand die Lilie, über der die Taube des Heiligen Geistes schwebt, und umfasst mit seiner linken das Jesuskind, das auf seinem linken Oberschenkel sitzt und ihn umarmt.

 
Die Kapellendecke heute: Auferstandener Christus (Günter Danco 1962), B. Gottvater, 1. Anna, 2. Joachim, 3. Joseph
 
Orgelempore mit EB1-13 Christus und Zwölf Apostel.

EB1-13 CHRISTUS UND ZWÖLF APOSTEL an der Emporenbrüstung, hochovalförmige Medaillons mit Darstellungen der Zwölf Apostel und Christus als Halbfiguren, vor denen ein Buch oder die Attribute liegen, dem unteren Bildrahmen folgen die Inschriftrollen.

EB1 S. THOMAS vor ihm ein Buch, in der Hand die Lanze

EB2 S. BARTHOLOMAEVS mit Haut und Messer

EB3 S. IACOBVS MINOR ein Buch haltend, vor ihm zerbrochene (?) Walkerstange

EB4 S. PHILIPPVS mit Kreuzstab in der linken Hand, von ihm ein Buch

EB5 S. IOHANNES in der rechten Hand Kelch mit der Schlange, die linke vor der Brust haltend, Buch

EB6 S. PETRVS mit Buch und zwei Schlüsseln

EB7 DAS WORT WARD FLEISCH Christus, mit Buch in der linken Hand, die rechte auf die Brust deutend

EB8 S. ANDREAS mit Andreaskreuz und Buch

EB9 S. IAKOBVS MAIOR mit Pilgerstab und Jakobusmuschel am Pilgerhut, Buch

EB10 S. MATTHAEVS liest in einem aufgeschlagenen Buch, das er in seiner rechten Hand hält, in der linken hält er eine Lanze

EB11 S. SIMON hält ein aufgeschlagenes Buch in Händen, hinter ihm eine Säge


EB12 S. THADAEVS hält eine Keule in der Hand

Quellen und Literatur

BLfD, Akt Konstein, Apostelkirche.

KDB VMF (2), S. 192 f. mit Fig. 127

Hausfelder, Edmund und Christina Grimminger, Die Kirchen der Pfarrei Wellheim, Lindenberg 2002, S. 16f.

C.G.

KOTTINGWORTH

Pfarrkirche, Stadt Beilngries, Diözese Eichstätt; z. Z. der Ausmalung Hochstift Eichstätt. 1806–1972 Landgericht bzw. Bezirksamt bzw. Landkreis Beilngries/OPf.