Kleinholzhausen, Filialkirche St. Johannes der Täufer
KLEINHOLZHAUSEN
Filialkirche, Pfarrei Litzldorf, Gemeinde Raubling, Erzdiözese München und Freising; z.Z. der Ausmalung Filiale der Pfarrei Au (seit 1458), die der Benediktinerabtei Scheyern inkorporiert war. Kleinholzhausen wurde zusammen mit der Auer Filiale Litzldorf von dem Auer Benefiziaten betreut. Holzhausen war Hofmark, die sich 1649-1768 im Besitz der Freiherren von Ruepp befand. Gericht Aibling
Patrozinium: St. Johannes der Täufer
Zum Bauwerk: Der Vorgängerbau, ein spätgotisches Kirchlein, stand »früher im Dorfe; erst im Jahre 1738 wurde es unte Vermittlung und Mithilfe ... Stephan Maiers an dem jetzige freien Platze vor dem Dorf erbaut«. Bischöflicher Konsens zum Neubau anstatt dieser »totaliter ruinosen« Kirche am 1.8.1731, nachdem der weltliche Konsens durch den Grafen Preysing schon gegeben war. Grundsteinlegung durch Felix Martin Joseph Högg, Pfarrer von Au, im Frühjahr 1732, Bau 1732/33 durch Abraham Millauer, Maurermeister von der Hausstatt bei Feilnbach, Weihe am 17.9.1740 durch Johann Ferdinand Freiherr von Poedigheim, Weihbischof von Freising. Neuer, reich ornamentierter Hochaltar 1770, nach Bomhard vielleicht von Ignaz Stumbeck, Bildhauer in Aibling; Fassung laut Inschrift von Joseph Weidinger, Maler Son zu Ebbs. Sehr kleine Kirche, einschiffiger Raum zu drei Jochen (10,50×5,80) mit Pilastergliederung und verkröpftem Gebälk, Empore im W. Wenig eingezogene Altarnische mit halbkreisförmigem Schluß (3,00×4,80). Gute Belichtung durch große Fenster mit segmentförmigem Schluß, im LHs durch je zwei von N und S, in der Altarnische von Nordost und Südost. Querovales Fenster in der Westwand über der Empore.

Auftraggeber: Die Hälfte der Kosten der Ausmalung, 15 fl., sind in der Kirchenrechnung verzeichnet, die andere Hälfte zahlte die Gemeinde (Pfarrarchiv Großholzhausen). Pfarrer von Au z.Z. der Ausmalung war Felix Martin Joseph Högg (1721–51). Der Benefiziat Stephan Mayr von Au (1712–42) stiftete für den Neubau 1374 fl., nachdem er in Litzldorf, der zweiten ihm anvertrauten Kirche, die Michaelsbruderschaft gegründet und 1000 fl. für drei Altäre gestiftet hatte. (Stephan Mayr, Nachfolger Michael Rechmanns als Benefiziat von Au, wurde später auch dessen Nachfolger als Pfarrer von Götting.) Hofmarksherr war 1732 Anton Sigmund Freiherr von Ruepp, 1827 Johann Maximilian (Max V.) Graf von Preysing-Hohenaschau (1764–1827).


Autor und Entstehungszeit:
Ausmalung 1732, Fresken im Langhaus: Zuweisung an Thomas Urscher (* 1682 Teigscheid bei Reischenhart † 1742 Altenmarkt bei Neubeuern) 1732. Jahreszahlen in A 1732 und in 1 1732/1957.
Die Kirchenrechnung nennt den Namen des Malers nicht: »Dem Mahler, das Kirchengwölb in Fresco auszemahlen, an dem Bedingten 30f. die Helffte bezalt, massen die andere Helffte die Gmain yber sich genommen id est 15 f.«. Bei dem Maler handelt es sich um den 1717-42 in Neubeuern ansässigen Maler Thomas Urscher, der damals im Gebiet Brannenburg/Neubeuern fast alle Malerarbeiten ausführte. Er hatte 1722 bereits den Hochaltar in der alten Kirche Kleinholzhausen gefaßt, der 1770 durch einen neuen Altar ersetzt wurde. Die Kleinholzhausener Fresken haben in der Figurenbildung große Ähnlichkeit mit den Fresken B und D in Großholzhausen. In den Kirchenrechnungen der Gerichte Aibling und Rosenheim erscheint Urscher häufig, mit kleinen Faßmalereien, aber auch mit figürlichen Arbeiten. In Kleinholzhausen führte er außerdem 1737 Faßarbeiten an der Kanzel aus.
Ausmalung 1827, Fresko im Chor: Zuweisung an Sebastian Rechenauer d. Ä. (* 1761 Hinterschweinsteig † 1835 Neubeuern) 1827
Das Fresko über dem Hochaltar wurde wohl anläßlich der Restaurierung von 1827 angebracht. Zuweisung Peter von Bomhards (Bd 1, S. 139 und Anm. 193) an Sebastian Rechenauer d.J. mit Hinweis auf die 1824 datierten Fresken in Ruhpolding (LKr. Traunstein; CBD Bd 11, S. 114-16). Es kommt als Autor aber wohl Sebastian Rechenauer d. Ä. eher in Frage, wofür z.B. ein Vergleich mit den Deckenbildern in Schwarzlack spricht. Die breit gelagerten Evangelistenfiguren mit den reich und schön drapierten Gewändern, die ausladenden, aber feierlichen Gesten in Kleinholzhausen wie in Schwarzlack entsprechen sich. Sebastian Rechenauer d.Ä. lebte als Maler in Neubeuern.
Befund
Träger der Deckenmalerei: LHs (A, B, 1-4, C, C1-2) flaches Spiegelgewölbe über Kehlung mit Gurten gegliedert; AR (D) Apsiskalotte
Rahmen: A-C, 1-4, C1-2 glatte Stuckprofile; D über dem Stuckgebälk gemaltes Gesims
Technik: Fresko; alle Deckenbilder sind polychrom
Maße: A Höhe 6,20 m; 1,70 x 2,60

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Innenrenovierung 1827 mit Anbringung des neuen Deckenbildes D in der Altarnische. Bei der Renovierung von 1887 wurden die Fresken übertüncht, bis auf zwei Evangelistenbilder im Altarraum. Bei der Neufassung des Raums durch den Münchner Maler Johann Borck wurden 1947 die Deckenbilder unter der Tünche aufgefunden. Zunächst wurde aber nur das Bild im Chor freigelegt. Endgültige Freilegung und Restaurierung der Langhausfresken 1957 durch Max Faltner, Rosenheim (Inschrift in C2 MF / RENOV/ MCML/ VII), wobei z. T. stark übermalt wurde.
Das Chorfresko scheint bei dieser Restaurierung nur gereinigt worden zu sein und zeigt weitgehend originalen Bestand, der Zustand ist gut. Letzte Restaurierung 1984/85 durch Erwin Wiegerling, Bad Tölz, wobei die Übermalungen im LHs abgenommen wurden; diese Bilder sind farblich und im Lineament beeinträchtigt und zeigen damit die für Übermalung und Wiederaufdeckung typische Beschädigung der obersten Mal-schicht. Besser erhalten ist das Bild im Chor, dessen beide Hauptfiguren nie übermalt waren.
Beschreibung und Ikonographie
Die LHs-Fresken sind in ihren Stuckprofil-Rahmen ohne weiteren Dekor in die weiße Decke gesetzt, wobei in den drei Jochen alternierend Rechteckformen und Ovale aufeinanderfolgen, die jeweils von kleineren Bildfeldern, entsprechend oval oder rechteckig, begleitet werden.
A ENTHAUPTUNG JOHANNES DES TÄUFERS (Mc 6,27) Ansicht nach W. Der Schauplatz, ein Verlies, ist durch ein vergittertes Rundbogenfenster rechts angedeutet. Der Leichnam des Täufers liegt am Boden, aus dem Hals stumpf blutend. Der Henkersknecht neben ihm hält das Schwert und das strahlenumgebene Johanneshaupt und präsentiert es der Salome, die mit einer Schüssel bereitsteht, um es aufzunehmen. Die weibliche Gestalt neben Salome, die ihr die Hand aufmunternd auf den Arm legt, dürfte ihre Mutter Herodias sein. Über der Szene ist in einer kleinen Wolken-glorie ein Putto mit den Martyrerzeichen Palmzweig und Lorbeerkranz zu sehen. Rechts unten das Datum 1732.
B PREDIGT JOHANNES DES TÄUFERS (Mc 6,18) Die Darstellung ist in zwei Hälften geteilt, in der Mittelachse führt eine blaßfarbige Flußlandschaft in die Tiefe, rechts ist die Landschaft durch Felsen und Dornen als karge Wüstenlandschaft geschildert. Hier tritt predigend Johannes auf, die Rechte erhoben, mit seinen Attributen, dem Lamm und dem Kreuzstab ECCE AGNUS DEI. Links sieht man eine Gruppe orientalisch gewandeter Männer, geführt von einem König (Herodes) mit der Krone um den Turban. Im Hintergrund hält ein Mann ein geschmücktes Pferd. Die Szene zeigt Johannes bei einer seiner Bußpredigten in der Nähe des Jordan; daß seine Predigt, in der er König Herodes aufforderte, seine Verbindung mit Herodias zu beenden, in der Wüste stattfand, ist gegen die Überlieferung.
I-4 HEILIGE PATRONE Die Fresken A und B werden flankiert von querformatigen Bildern (Ansicht jeweils nach außen), die verschiedene Patrone jeweils in Ganzfigur zeigen.
I HL. MARTIN Der Heilige ist im Bischofsornat mit Stab und Buch dargestellt, auf einer Wiese, die von Buschwerk umgeben ist, begleitet von seinem Attribut, einer großen Gans. Das aufgeschlagene Buch in seiner Linken zeigt die Daten 1732/1957. Der Heilige tritt hier als der Patron der Mutterkirche in Au auf.
2 HL. MICHAEL Der Erzengel im Harnisch, den Helm auf dem Haupt, erscheint in dunklen, nach oben aufgehellten Wolken und besiegt mit einem langen Kreuzstab den Teufel zu seinen Füßen. Michael ist Patron der Kirche Litzldorf, die wie Kleinholzhausen eine Filiale von Au war.
3 HL. JOHANNES Nach den beiden Kirchenpatronen folgen in 3-4 die Wetterpatrone Johannes und Paulus, in Süd-deutschland hochverehrt als Beschützer vor Blitzschlag und Unwetter. Sie sind als römische Soldaten und Märtyrer in römischer Soldatentracht mit Mantel und Schwert dargestellt, in weiten Landschaften stehend, den Lorbeerkranz auf dem Haupt und den Palmzweig in Händen. Johannes weist auf zuckende Blitze im Himmel, hinter ihm werden schlanke Bäumchen vom Wind gebeugt.
4 HL. PAULUS wehrt eine dunkle Wolke ab, in der Hagelkörner dargestellt sind.
C TAUFE JESU (Mt 3,13-17) In einer weiten Flußlandschaft mit Hügeln im Hintergrund und Bäumchen rechts steht Jesus leicht gebeugt im Wasser, während Johannes ihn mit Wasser aus einer Muschel tauft. Johannes trägt ein härenes Gewand; er hat das Lamm und den Kreuzstab ECCE AGNUS DEI bei sich. Strahlen fallen von der Taube des Heiligen Geistes darüber auf die Szene. Am linken Flußufer stehen zwei Engel mit dem Gewand Jesu.
C1 EVANGELIST MARKUS Innenraum, in dem der Evangelist an einem Tisch sitzt und in ein Buch schreibt. Neben ihm sitzt der Löwe, sein Attribut.
C2 EVANGELIST LUKAS Innenraum, in dem der Evangelist an einem Tisch sitzt und in ein Buch schreibt. Neben ihm sitzt der Büffel, sein Attribut.








C2 EVANGELIST LUKAS Lukas sitzt schreibend an einem Tisch mit Büchern und der Malerpalette. Die durchfensterte Wand hinter ihm deutet einen Raum an, geöffnet nach rechts, wo auf einer Wiese der Stier als Attribut zu sehen ist. Die Restaurierungsinschrift (s. o.) steht im Buch.
D AUGE GOTTES MIT DEN EVANGELISTEN MATTHÄUS UND JOHANNES (Sebastian Rechenauer d. Ä. 1827) Die beiden in der Evangelistenreihe fehlenden Evangelisten Matthäus und Johannes sind im Altarraum-Fresko dargestellt (sie waren sicher auch in der Ausmalung von 1732 vorhanden, wahrscheinlich als ähnliche Seitenbilder wie im LHs). Das Bild nimmt ohne Rahmung die ganze Wölbung über dem Hochaltar ein. Vor einer hellen Licht- und Strahlenglorie erscheint das Auge Gottes im Dreieck, begleitet von Wolkenbögen mit Puttenköpfchen. Rechts und links sitzen die Evangelisten auf dunkel geballten Wolken, Matthäus mit dem Engel und Johannes mit dem Adler, beide mit Buch und Schreibfeder. Strahlen gehen vom Auge Gottes aus und fallen auf sie.
Quellen und Literatur
AEM, Pfarrakten Au bei Aibling, 124 810 001: Filiale Kleinholzhausen, Bau 1731/32.
Pfarrarchiv Großholzhausen, Kirchenrechnung über die in der Hochgräflich Preyßingischen Hofmark Brannenburg be- be- fundente drey Gottsheiser (Großholzhausen, Kleinholz- hausen, Brannenburg): Bauten bzw. Kirchenzier 1731–33. BLfD, Akt Kleinholzhausen, Filialkirche St. Johannes d.T.
Dachauer, Sebastian, Beiträge zur Chronik mehrerer Ortschaften aus der Umgegend um Brannenburg. Die Pfarrei Au und deren Ortschaften, in: OAVG 5, 1843/44, S. 372–406. Kleinholzhausen S. 377 f.
Mayer-Westermayer Bd I, S. 43
KDB I OB (2), S. 1625
Bauer, Anton, Das Kirchlein von Kleinholzhausen, in: Heimat am Inn, Rosenheim 1951, Nr. 9.
Bauer, Anton, Söhne der alten Pfarrei Au bei Aibling im Priesterberufe, Bad Aibling 1946 (Heftchen, Exemplar im AEM, Konvolut VDG-D-83).
Bomhard Bd 1, S. 138–40, 403, 450
Historischer Atlas I, Bd 17, Landgericht Aibling und Reichsgrafschaft Hohenwaldeck (Franz Andrelang), München 1967, S. 192–95.
Bergmaier, Peter, Au bei Aibling – Filialen, in: Mangfallgau 12, 1967, S. 11–46. Kleinholzhausen S. 27–29.
Rosenegger, Josef und Nikolai Molodovsky, Meister im Inntal (= Kleine Pannonia-Reihe Nr. 41), Freilassing 1974, S. 18 (zu Thomas Urscher).
Schmitter, E., St. Johannes der Täufer Kleinholzhausen. Filialkirche der Pfarrei Litzldorf. Geschichtlicher Rückblick zur Kirchenrenovierung 1985 (vervielfältigtes Ms).
Dehio 1990, S. 544.