Zum Inhalt springen

Kaufering, Pfarrkirche St. Johannes Baptist

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 1: Die Landkreise Landsberg am Lech, Starnberg, Weilheim-Schongau. Hirmer, München 1976, ISBN 978-3-7991-5737-7, S. 118–120, geschrieben von Bauer-Wild, Anna, Böhm, Cordula, Lüdicke, Lore und Werner-Clementschitsch, Heide. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

KAUFERING

Pfarrkirche Kapelle St. Leonhard S. 120

Pfarrkirche, Diözese Augsburg; z. Z. der barocken Erneuerung hatte Kloster Dießen das Präsentationsrecht auf die Pfarrei, Hofmark Kaufering (Inhaber die Freiherren von Donnersberg)

Patrozinium: St. Johannes Baptist

Zum Bauwerk: Der Kirchenbau wurde 1699 (Chor)–1704 (LHs) unter Pfarrer Vitus Aumann (1697–1704) durch den Dießener Klosterbaumeister Michael Natter errichtet, wobei der spätgotische Chor der alten Kirche einbezogen wurde. Der Stuck im Chor stammt von Johann Schmuzer, der des Langhauses von Joseph Schmuzer (frdl. M. Wilhelm Neu, B.L.f.D.). - Wandpfeilerkirche mit stark eingezogenem dreiseitig geschlossenem Chor

Autor und Entstehungszeit: Das Chorgewölbe zeigt Wessobrunner Stuck aus der Erbauungszeit. In zwei Ovalfelder und ein Rundfeld sind Ölgemälde eingelassen, deren Autor und Entstehungszeit unbekannt sind. Alle drei Ölbilder sind nicht als Deckenbilder konzipiert, sondern zeigen in Komposition, konstruktiver Perspektive und Farb-

perspektive die Charakteristika der Tafelbildmalerei. Stilistisch sind die Bilder italienisch beeinflusst und dem späten 17. Jh. angehörig. Sie sind anscheinend nicht für das Kauferinger Chorgewölbe gemalt, sondern für dieses adaptiert. Die Bilder werden deshalb hier nur kurz behandelt.

Die Fresken des Langhauses (Johanneszyklus) halten wir für nachbarock. Die undifferenzierte kalte Farbigkeit in Ocker, Rostrot und grellem Blau paßt stilistisch ebenso wenig in die Erbauungszeit wie der flüchtige Malstil.

Befund

Träger der Deckenmalerei: angespitzte Tonne mit Stichkappen

Rahmen: A, B, C vollplastische Fruchtkränze und Profile in Stuck

Technik: Öl auf Leinwand; polychrom

Maße: A Höhe 11,00 m; 1,60 × 2,00

B Höhe 11,00 m; Ø 2,00

C Höhe 11,00 m; 1,60 × 2,00

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Laut Inschrift am Hochaltar fanden 1774, 1867 und 1909 Innenrestaurierungen statt. Alle drei Bilder sind stark verschmutzt. A zeigt einige kleine schadhafte Stellen; in B ist die figürliche Zeichnung teilweise schwer zu erkennen; C weist entlang einem rahmenförmigen Bogen stärkeres Krakelée auf. 1973, nach der fotografischen Aufnahme, Restaurierung durch N. Fischer.

C Maria mit Jesus und Johannes
B Johannes in der Wüste

Bildabfolge

Der Bilderschmuck des Presbyteriums ist dem Patron Johannes dem Täufer gewidmet. Das Bild C über dem Altar mit einer Darstellung Bergmüllers der Taufe Jesu durch Johannes zeigt Maria mit dem Jesus- und dem Johannesknaben vor einer kulissenartig in Szene gesetzten antiken Ruine. Zur Seite erstreckt sich eine weite Landschaft in die Tiefe zu einem lichten Horizont (tafelbildmäßig!). Im mittleren Rundbild B sitzt der junge Johannes vor einer Felsenhöhle; im Hintergrund sieht man den predigenden Täufer. In beiden Bildern wird Johannes durch das ECCE AGNUS DEI-Schriftband und das Lamm Gottes bezeichnet. (Zur Ikonographie des jungen Johannes in der Wüste vgl. St. Johannisrain, LKr. Weilheim-Schongau.) Bild A im ersten Chorjoch enthält die Darstellung der Enthauptung des Täufers (Mc 6, 27-28) - Salome, in festlichem Putz, erwartet mit ihrer Magd das Haupt des Täufers.

Quellen und Literatur

Braun-Augsburg, Bd 1, S. 388.

Dellinger, Joachim, Die Hofmark Kaufring, in: OAVG 9, 1848, S. 254, 319 ff., 342.

KDB I OB (1), S. 532 f.

Neu, Wilhelm, Michael Natter, Ein Vorarlberger Baumeister im Dienste des Klosters Dießen und der Stadt Landsberg, in: Lechisarland 1964, S. 76 f.

Müller-Hahl, Bernhard (Hg.), Heimatbuch Stadt- und Landkreis Landsberg am Lech, Aßling-München 1966, S. 518.