Inning a. Ammersee, Pfarrkirche St. Johann Baptist
Pfarrkirche, Diözese Augsburg; z. Z. der Ausmalung hatte Kloster Seligenthal in Landshut das Präsentationsrecht auf die Pfarrei, Herrschaft Seefeld
Patrozinium: St. Johann Baptist
Zum Bauwerk: Unter Pfarrer Peter Paul Piechl wurde die Kirche 1765-67 erbaut. In den Akten ist Balthasar Trischberger als Palier genannt. Es ist vermutet worden, daß der eigentliche Baumeister Leonhard Matthias Gießl gewesen sei, da Wink, der Freskant der Kirche, oft im Gefolge Gießls arbeitete (Starnberg, Eching, St. Leonhard); Stuck Thassilo Zöpf (vgl. Holler, Lechisarland). Der größte Teil der Bausumme stammte aus der Hinterlassenschaft des 1765 verstorbenen Pfarrers Maximilian Johann von Baar aus Landshut, wie aus einer Epitaph-Inschrift hervorgeht (zitiert in den KDB). Der Hauptraum ist ein annähernd quadratischer Zentralraum. Der eingezogene AR hat ebenfalls einen annähernd quadratischen Grundriß mit einem segmentförmigen Schluß.
Auftraggeber: Anton Clemens Graf Törring-Seefeld (* 1725 † 1812), der sein Wappen am Chorbogen angebracht hat. Im Pfarrarchiv ist der Akkord »zwischen dem hochgräfl. Törringh Herrschaftsgericht und Herrn Christian Wünck freßco Mallern in München« vom 17. Mai 1767 erhalten (zitiert nach Clementschitsch, A 1767).
Autor und Entstehungszeit: A ist in der SW-Ecke signiert: Christ. Winck / Pinxit et Invenit / 1767. Wie die Rechnungen des Kirchenpflegers ausweisen, erhielt Thomas Christian Wink 1768 310 fl. Es ist sein drittes großes Freskowerk nach Starnberg und Raisting (s. LKr. Weilheim- Schongau). Wink hatte vor der Freskierung Skizzen vorgelegt; im Akkord heißt es »yber die bey dem neu erpauten Pfarrgottshaus zu Inning in wohl sauberen Standt in fresco arbeith accordierte Mallerey nach den abgefasten Scyrzen« (zitiert nach Clementschitsch, A 1767). Die Skizze zu A, Öl auf Lw., 81 × 84 cm, befindet sich in der Kunsthalle Bremen, Inv. 710. Eine Entwurfszeichnung zu B, Feder laviert, 17 × 30 cm, liegt in den Städtischen Kunstsammlungen Augsburg vor, Inv. FI 8184; die Rückseite der Zeichnung (FI 8185) zeigt zwei Evangelisten (A3, A4) (Clementschitsch, B I a und c).
Befund
Träger der Deckenmalerei: A Flachkuppel über Quadrat, B sphärisch gekrümmtes Trapez, C Tonne Rahmen: A Stuckprofil von Rocailleornamenten überspielt, B und C Stuckprofilrahmen mit Rocailleornamenten Technik: Fresko; A, B, C, C1-2 polychrom, A1-4 monochrom ocker Maße: A Höhe 14,20 m; 10,00 × 10,00 B Höhe 10,40 m; 2,05 × 4,50 C Höhe 9,90 m; 5,20 × 4,80 Erhaltungszustand und Restaurierungen: Restaurierungen fanden 1860 und 1947 (durch Krönninger – Signatur in der SO-Ecke von A) statt. A Farbsubstanz erheblich reduziert und durch spätere Übermalungen beeinträchtigt, B und C unerhebliche Scheitelrisse, Farbsubstanz besser erhalten.


Beschreibung und Ikonographie
A PREDIGT JOHANNES DES TÄUFERS (Mt 3,1–12) Himmelskuppel mit dreiseitig umlaufender terrestrischer Szenerie. Betrachterstandort unterhalb der Bildmitte. Die Landschaft ist außergewöhnlich weit und tiefenräumlich. Kulissenartig sind die einzelnen Teile gegeneinander und hintereinander verschoben. Durch malerisch-ruinöse Versatzstücke wie Baumstrünke, verfallene Zäune, Hütte, zerbrochener Steg bekommt der Schauplatz den Charakter des Abgeschiedenen, Unbewohnten und malerisch Wilden. Trotz der Engelsgruppe an der W-Seite, mit der die umlaufende Szenerie kompositionell geschlossen wird, und der zentralen Himmelsöffnung tendiert die Darstellung zur Einansichtigkeit. Alles ist auf die Hauptszene, die Predigt des Täufers, konzentriert. Die mannigfaltigen Gruppen alttestamentarischen Volks in der Landschaft haben keine andere Bedeutung als die, Staffage der zentralen Handlung zu sein. Damit ist der entscheidende Schritt zur Einansichtigkeit getan. Durch die betonte Ausrichtung der seitlichen Szenerien auf die Hauptszene schafft Wink ein weitgehend einansichtiges Bild.
In der Mitte des Wolkenkranzes – oder besser Wolkenwirbels – die Himmelsöffnung: Vor einem riesigen hellen Dreieck erscheint Gottvater, auf einer großen, weißen Wolke thronend, umgeben von vielen Engeln. Unter ihnen, in einem hellen Strahlenschein, die Taube des Heiligen Geistes, deren Licht auf Johannes fällt. Der Täufer in härenem Gewand mit dem Kreuzstab, der auf einem weißen Fähnchen die Inschrift AGNUS DEI trägt, steht vor einer verfallenden Bretterhütte. Bei ihm hat sich viel Volk eingefunden, das auf dem Boden, auf Felsen und unter Bäumen lagert, und von den Seiten strömen durch das unwegsame Gelände weitere Menschen herbei. Die einzelnen Gruppen sind in den verschiedenen Stadien der Erwartung, der Aufmerksamkeit und der Reaktion auf die Predigt dargestellt, genrehaft unterschieden in Gewand und Haltung. Wir sehen Arme und Reiche, Männer, Frauen und Kinder, Soldaten und Würdenträger. Die Fülle der Darstellungen in ihrer Kleinteiligkeit und Vielfalt, die phantastischen Kostüme, die dekorativen Versatzstücke, all das läßt die Predigt des Täufers wie ein »durchg« erscheinen, »wobei die Nebenfiguren an Quan eht die Hauptfiguren zurückdrängen« (Feulner). Die Engelsgruppe an der W-Seite des Deckenbildes trägt ein Spruchband mit der Inschrift: HAEC VoX CLAMANTIS IN DESERTO Joann: Cap: I. (= Jo 1,23; Chronogramm =
Wolken, Hintergrund und Landschaft sind vorwiegend in gelbgrauen Tönen gegeben, darüber liegt das Grün der Bäume und Wiesen, ebenfalls dem vorherrschenden Gelbgrauton angenähert. An den Gewändern erscheinen – sehr sparsam – Blau und Rot. Im ganzen gibt die tonige, einheitliche Farbigkeit der bewegten und kleinteiligen Darstellung Einheit und eine ruhige Gesamtstimmung.
A1 Johannes mit dem Adler; Inschrift auf seinem Buch: FUIT/HOMO/MISSUS/A DEO/CUI/NOMEN/ERAT/ IOANNES/Joan. Cap. 1. (1,6). Diese Inschrift bezieht sich auf den Täufer, so daß das Bild beide Johannes umfaßt.
A2 Matthäus mit dem Engel
A3 Lukas mit dem Stier
A4 Markus mit dem Löwen
B IHS Engel in Wolken um den Namen Jesu auf dem runden Deckel der Deckenöffnung. Das Monogramm stammt allem Anschein nach von einer Restaurierung.



C TAUFE JESU (Mt 3,13–17) Einansichtige Szene mit teilweise von Wolken umschriebener runder Himmelsöffnung, in der von Strahlen umgeben der Hl. Geist erscheint. Zwischen den Wolken Putti. In einer zerklüfteten, malerischen Landschaft kniet Johannes, in härenem Gewand, in halb stehender Stellung auf morschen Holzbohlen. Jesus steht vor ihm, etwas geneigt und mit dem linken Arm aufgestützt. Johannes gießt Wasser aus einer Muschel über Jesu Haupt. Zu Füßen Jesu fließt der Jordan wie ein Gebirgsbach in einem kleinen Wasserfall zu Tal. Hinter Jesus wird von einem Engel ein weißes Tuch hochgezogen, das die Helligkeit um ihn verstärkt; im Gegensatz dazu steht die dunkle Gestalt des Täufers mit dem Hintergrund aus Holz und Erde.
Der landschaftliche Schauplatz ist durch morsches Holz und zerbrochene Zäune als Wildnis, als desertum, gekennzeichnet. Zu beiden Seiten der Taufszene Zuschauer wiedergegeben in verschiedenen Trachten. Vor der einheitlichen Farbigkeit des Hintergrundes, die aus gelb grauen Tönen besteht, erscheinen hier in den Gewändern kühle, nuancierte und preziöse Rokokofarben, darunter Hellblau, Rosa, Violett.




C1-2 CHRISTLICHE TUGENDEN Jeweils zwei Putti mit Attributen auf Wolken. Besonders C1 in sehr schwachen Farben, fast dem Monochromen angenähert. Helm und Säulenstumpf des einen Putto bedeuten Fortitudo, Kelch mit Hostie Fides. C2: Das brennende Herz bedeutet Caritas, Anker und grüner Zweig Spes. - Den drei göttlichen Tugenden ist eine Kardinaltugend, Fortitudo, hinzugefügt.
Quellen und Literatur
Braun-Augsburg, Bd 1, S. 364. KDB I OB (1), S. 879 f.
Feulner, Adolf, Christian Wink, München 1912, S. 19f
Holler, Richard, Die Kirche zu Inning am Ammersee, in Bayerische Heimat 7, 1925/26, S. 397.
Holler, Richard, Die Kirche von Inning am Ammersee, in: Lechisarland 6, 1930, S. 13 ff.
Tintelnot, Hans, Die barocke Freskomalerei in Deutschland München 1951, S. 122
Clementschitsch, Heide, Christian Wink, ungedruckte Diss. Wien 1968, S. 29–36, Anhang A 1767, B Ia und BIc.