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Kempfenhausen, Schlosskapelle St. Anna

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 1: Die Landkreise Landsberg am Lech, Starnberg, Weilheim-Schongau. Hirmer, München 1976, ISBN 978-3-7991-5737-7, S. 332–334, geschrieben von Bauer-Wild, Anna, Böhm, Cordula, Lüdicke, Lore und Werner-Clementschitsch, Heide. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Schloßkapelle, Gemeinde Berg, Pfarrei Percha, Erzdiözese München-Freising; z. Z. der Ausmalung Pfarrei Aufkirchen

Patrozinium: St. Anna, St. Silvester und St. Leonhard

Zum Bauwerk: Bau aus dem frühen 18. Jh.; Weihe 1719; neue Ausstattung und Dekoration 1774. - Saal mit Pilastergliederung, eingezogener AR, Empore

Auftraggeber: Hofkammerrat Johann Baptist von Pirchinger (* 1731 in München), der 1773 die ererbte Stadtapotheke von München verkaufte und sich auf seiner Landsitz Kempfenhausen zurückzog. Eine baldachinbekrönte Kartusche am Chorbogen zeigt sein Wappen mit Bär und Eichhorn (ebenfalls am Hochaltar), sowie das seiner Mutter (Baum), einer geborenen Dufrêne, von welcher Kempfenhausen in den Besitz der Familie Pirchinger gelangte; das dritte Wappen (Lilie von Hunden gehalten) stammt vermutlich von seiner ersten Ehefrau Maria Clara Couplet (frdl. Mitt. Peter von Bomhard, Erzbischöfl. Ordinariatsarchiv München).

Autor und Entstehungszeit: A ist im O links auf einem Stein signiert: Christianus Wink / Aulae Boicae pictor / invenit et pinxit Ao. 1774. Thomas Christian Wink war seit 1769 kurfürstlicher Hofmaler.

Befund

Träger der Deckenmalerei: A gedrückte Tonne mit leicht verschliffenen Stichkappen, B Flachkuppel Rahmen: A und B gemalter Profilrahmen Technik: Fresko; polychrom Maße: A Höhe 4,60 m; 6,95 X 4,40 B Höhe 4,45 m; Ø 3,05

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Die deutlich sichtbar gekitteten Risse in Fresko A weisen auf eine Restaurierung hin. Geringfügige Feuchtigkeitsschäden in (Bildmitte) und B (W-Rand)

A Taufe Jesu

Beschreibung und Ikonographie

A TAUFE JESU (Mt 3,13-17) Das Zentrum des Bildes nimmt die Glorie ein, in welcher der Hl. Geist erscheint. Durch wenige zart gezeichnete Wolkenbänke und Reihen von Putti wird eine runde Himmelsöffnung angedeutet. Eine Wolke mit zwei Engeln darauf senkt sich am W-Rand des Bildes zum Betrachter hinab, die verschattnen Wolkenausläufer ziehen dort über den (gemalten) Bildrahmen hinweg.

Die Hauptszene im O stellt die Taufe Jesu im Jordan durch Johannes dar. Der irdische Schauplatz nimmt nur den östlichen Bildrand ein, nach den Seiten bilden hochragende Bäume den Abschluß. Volk in alttestamentarischer Kleidung hat sich in einsamer Landschaft versammelt, zwischen Felsbrocken, Büschen, gestürzten Bäumen zu beiden Seiten des über Steine nach unten fließenden Jordans. Die zentrale Hauptgruppe, Jesus und Johannes, überragt die übrigen Figurengruppen und steht in hellem Licht.

Johannes, in härenem Gewand halb auf einem moosigen Stein kniend, gießt das Taufwasser aus einer Muschel über Jesus, der in etwas gebeugter Haltung im Fluß steht. Hinter dem Täufer, auf einem bewachsenen Felsen das Lamm und der Kreuzstab mit dem Inschriftband ECCE AGNUS DE[I]. Strahlen fallen vom Hl. Geist auf die Taufszene, hinter dem zarten Lichtvorhang der Strahlen eine Gruppe von Engeln, von denen einer ein großes weißes Tuch hält. Vor der schemenhaften Zeichnung der Engel dominiert die Gruppe von Jesus und Johannes. - Feulner schreibt: »Es sind hier wenige Figuren in ruhiger Haltung die der hl. Handlung beiwohnen. Diese wenigen Figurer aber sind viel stärker herausmodelliert und charakterisiert.« - Feulner bezieht sich dabei auf die Taufe Jesu in Inning (s. LKr Starnberg). - »Die runzeligen Gesichte: der Alten sind im Detail durchgeführt, die Draperie kla und deutlich durchgearbeitet. Die Bewegung und Stellung hat das Fließende und Überhastete verloren; ruhig und würdevoll stehen diese Figuren da; sie sind sich der Be deutung der hl. Handlung bewußt und richten ihre ganze Aufmerksamkeit auf diese. Auch darin geht ein Wande vor sich, daß die perspektivischen Kunststücke zunehmend verschwinden. Das Fresko nähert sich dem Tafelbilde.« In der Farbigkeit dominiert ein kühles Blaugrün, auf dem als Buntakzente in Gewändern Ocker und verschiedene Rosatöne bis hin zu Violett erscheinen.

B GOTTVATER Das auf Schrägsicht konzipierte Rundfresko illusioniert noch in barocker Weise, doch mit klassizistisch aufgefaßten Formen, eine Öffnung der Decke zum Himmel. Über dem ornamentierten (imitierten) Rahmenprofil erhebt sich im O eine perspektivisch verkürzt wiedergegebene, dem Rahmen ähnliche Brüstung. Putti schauen über diese Brüstung in die Kirche hinab.

zwei Engel sitzen auf derselben, der eine hebt eine Opferschale empor zu Gottvater. In der Glorie, vor dem strahlenden Dreifaltigkeitssymbol, thront Gottvater mit erhobenem Zepter.

Ein Putto nahe dem westlichen Bildrand hält einen Strick, der um ein (reales) Loch geschlungen ist; dorthin hat man sich eine herabhängende Ewig-Licht-Ampel zu denken. Das Chorfresko gibt Gottvater wieder in Ergänzung zum LHs-Fresko mit Christus und dem Hl. Geist in der Taufszene. Der Engel mit der Opferschale (über dem Hochaltar) ist in Beziehung zur Meßopferliturgie zu setzen.

a Porträt

a PORTRÄT Rückwärts, über der Orgelempore in der Tonnenwölbung, sind zwei kleine gemalte Fensterimitationen. Die nördliche davon ist mit einer Holztafel geschlossen, auf diese hat Wink das Porträt eines schlicht gekleideten Mannes gemalt. Als Selbstbildnis des Malers wurde das Porträt von A. Feulner und H. Clementschitsch ausgeschieden. Feulner vermutet in dem Dargestellten den Schloßherrn oder dessen Kastellan. Es ist denkbar, daß dieses Bildnis trotz des auffallend schlichten — nicht repräsentativen - Charakters Johann Baptist von Pirchinger, der aus einer Münchner Apothekerfamilie stammte und erst in seinem 16. Lebensjahr zusammen mit seinem Vater geadelt worden war, wiedergibt.

Quellen und Literatur

Westenrieder, Lorenz, Beschreibung des Wurm- oder Starnbergersees, München 1784, S. 123 ff.

Geschichte von Kempfenhausen, Possenhofen, Garazhausen und Tutzing (o. V.), in: Allgemeine Bayrische Chronik und Geschichts-Jahrbuch 5, 1846, S. 62 ff.

Mayer-Westermayer, Bd 3, S. 612 ff.

KDB I OB (1), S. 880 f.

Feulner, Adolf, Christian Wink, München 1912, S. 28 f. Clementschitsch, Heide, Christian Wink, ungedruckte Diss. Wien 1968, S. 87 ff.