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Iffeldorf, Pfarrkirche Hll. Vitus und Margareta

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 1: Die Landkreise Landsberg am Lech, Starnberg, Weilheim-Schongau. Hirmer, München 1976, ISBN 978-3-7991-5737-7, S. 415–418, geschrieben von Bauer-Wild, Anna, Böhm, Cordula, Lüdicke, Lore und Werner-Clementschitsch, Heide. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Pfarrkirche, Diözese Augsburg; z. Z. der Ausmalung war die Pfarrei Kloster Wessobrunn inkorporiert, Klosterhofmark Wessobrunn

Patrozinium: Hl. Vitus und hl. Margareta

Zum Bauwerk: Nach dem Brand von 1699 wurde die Kirche unter Pfarrer Urban Johannes Schweiger (1695- 1743) in acht Jahren wiederhergestellt. Weihe 1707. Unter P. Ulrich Mittermair aus Wessobrunn (1750-58) Umgestaltung und Neuausstattung 1755. – Saal mit Doppelpilastergliederung, eingezogenem AR und dreiseitigem Schluß. Im W Anbau von 1937.

Auftraggeber: Am Chorbogen Wappen des Klosters Wessobrunn und des Abtes Beda Schallhammer (1743-60); Inschrift HAEC AEDES SACRA SVB BEDA PRAESVLE VVESSO- FONTANO / HVIVS LoCITO PARCHA GIPSO AVRO AC PICTVRA RENOV ATA FVIT (Das Chronogramm ergibt 1755)

Autor und Entstehungszeit: Signatur am NO-Rand von A Jo. Jacob Zeiller inv. et fecit. 1755. (Johann Jakob Zeiller aus Reutte in Tirol, *1710 †1783)

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs und AR Korbbogentonne mit Stichkappen

Rahmen: A und B Stuckprofil, an einigen Stellen von Rocailleornamentik überspielt; A1-4, B1-4 stuckierte Rocaillekartuschen

Technik: Fresko; A und B polychrom, A1-4 monochrom violettbraun, B1-4 monochrom ocker bis braun

Maße: A Höhe 7,40 m; 7,25 × 3,70 B Höhe 7,15 m; 4,90 × 3,00

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Letzte Restaurierung 1937 (Inschrift in der Chorbogenlaibung). In Fresko A mehrere Scheitelrisse, in B Haarrisse und geringfügig schadhafte Stellen an den Rändern des Bildfeldes; alle Fresken leicht verschmutzt, die originale Farbsubstanz ist im ganzen gut erhalten.

Beschreibung und Ikonographie

A MARTYRIUM DES HL. VITUS Die Szene ist einansichtig, und außer geringer Untersicht in der Torarchitektur ist kein illusionistischer Effekt vorhanden. Selbst die Glorie im Wolkenkranz hat keine Höhenwirkung eher wirkt sie wie vor den fernen, hellblauen Himmel geschoben, denn als dessen Öffnung.

Am O-Rand des langgestreckten Freskos leitet ein dunkler Felsbrocken, neben dem einige Trophäen - Trommel, Schild, römische Feldzeichen (SPQR) – liegen, als Repoussoir in das Bild ein. Hier, am linken unteren Bildrand, sitzen mit dem Rücken zum Betrachter drei Kriegsknechte und schauen über eine größere Fläche freien Wiesenbodens hinweg der Handlung zu, die sich im Mittelgrund abspielt: Unverletzt erhebt sich der hl. Vitus aus dem Ölkessel, unter dem ein Feuer entzündet ist. Ihn umringen heftig gestikulierend Henkersknechte und Soldaten. Ein bärtiger Greis weist auf die Jupiterstatue im Hintergrund, wo sich als Abschluß der Szenerie Mauern und Türme einer antiken Stadt erheben.

Die rechte Bildseite nimmt eine imposante Torarchitektur ein. Davor steht der Thronsessel des Kaisers auf einem ornamental geformten Podest. Kaiser Diokletian, Priester und ein Soldat zur Seite des Herrschers verfolgen staunend das wundersame Geschehen. (Legendäre Passie des Heiligen vgl. Ribadeneira-Hornig, Bd 1, 15. 6. S. 843–46.)

Im Himmel, der nahezu die ganze westliche Bildhälfte einnimmt, ist eine weiterführende ikonografische Komponente angedeutet, die jedoch aufgrund des Scanfragments nicht vollständig rekonstruierbar ist.

B2 Rebekka

nimmt, erscheinen zwischen lichten Wolken Engel und Engelsköpfchen. Ein Engel bringt Palme und Lorbeerkranz für den Martyrer, Putti halten Krone, Palme und Lilienkranz. In der Himmelsmitte wird von Wolken eine runde Öffnung umgeben, in der in einer Strahlenglorie das Auge Gottes erscheint.

Warme und kräftige Buntfarben gibt es fast nicht; bestimmend ist eine Gesamttonigkeit, die eher kühl wirkt und im Wesentlichen aus ockerfarbenen braunen und braunrosa Tönen besteht. Sogar die Gewänder, sonst Träger der Buntfarben, sind in diesen Farben gehalten. Als einzige Kontrastfarbe findet man an wenigen Stellen ein kühles, helles

Die lebhafte Gesamtwirkung des Bildes beruht weniger auf der Farbigkeit als auf der Gruppenkomposition, wie auch die Wirkung der Einzelfiguren nur auf Haltung und Bewegung sowie der Drapierung der Gewänder beruht. Haut und Gewänder, Stein, Metall und Holz, alle Materialien sind gleichartig gemalt. Diese Eigenart der Malweise, verbunden mit der Einheitlichkeit der Farbgebung, ist bezeichnend für Zeillers Fresken dieser Zeitstufe.

A1-4 EMBLEME

A1 mereor candore coronam. — Lilie. Die Lilie, ein Symbol der Reinheit, hat in unserem Emblem die Bedeutung: Puritas coronatur (Picinelli, s. v. lilium, Lib. 11, Nr. 153, »MERUIT CANDORE CORONAM«); siehe auch den Lilienkranz, den auf dem Hauptfresko ein Putto bringt.

A2 nullo mea purpura constitit auro. - Rose. Am nächsten kommt diesem Emblem Picinelli (s. v. rosa, Lib. 11, Nr. 215, »NATIVO PURPURAT HAUSTU«): Der Rose ist ihre Farbe angeboren, der Kirchenfürst verdankt seinen Purpur nur seinen Tugenden, nicht der Gunst des Glücks. Die Bedeutung bei unserem Emblem ist ähnlich: Der hl. Vitus verdankt seinen Ruhm nicht äußeren Ehren, sondern seiner eigenen Tugend.

A3 A tenero diadema. — Granatapfel. Unter allen Baumfrüchten trägt als einzige der Granatapfel auf seinem Scheitel eine königliche Krone (Blütenrückstand). Diese Krone, bei Picinelli (s. v. malus punica, Lib. 9, Nr. 264) auf Mariae Krönung bezogen, bedeutet hier die Tugendkrone des hl. Vitus, die er seit seiner Kindheit (A tenero) trägt.

A4 sicut vitis abundans. – Weinstock. A4 ist kein eigentlichen Emblem, sondern ein direkter symbolischer Hinweis; das Lemma benennt regelwidrig den zum Vergleich herangezogenen Bildgegenstand. Mit dem fruchtbeladenen Weinstock ist die Gnadenfülle des Heiligen zu vergleichen (vgl. Picinelli, s. v. vitis cum uva, Lib. 9, Nr. 558, für die Gnade Gottes).

Dieses Emblemprogramm, das die Tugendhaftigkeit des hl. Vitus preist, hat eine weitere Dimension durch die Anspielung auf die vier Jahreszeiten: Lilie – Frühling, Rose – Sommer, Weinstock – Herbst, Granatapfel – Winter.

B1-4 EMBLEME

B1 Auxit plaga amorem. — Hirsch, von einem Pfeil verwundet. Der vom Pfeil getroffene Hirsch ist in der Emblematik das Bild des Liebenden (Picinelli, s. v. cervus, Lib. 5, Nr. 192), der dem Schmerz (der Liebe) nirgends entrinnt.

A Martyrium des hl. Vitus

Hier ist das Bild übertragen auf die Liebe des verwunde ten Herzens Jesu zu den Menschen.

B2 Patulum cor testis amoris – Pelikan, der seinen Jungen sein Herzblut zu trinken gibt. Der Pelikan, der sich selbst die Brust öffnet, um mit seinem Blut seine Jungen zu heilen und zu wärmen, ist ein altes christliches Liebessymbol, hier angewandt auf das durch die Lanze des geöffnete Herz Jesu (sinngemäß bei Picinelli, s.v. pelicanus, Lib. 4, Nr. 547 u. a.).

B3 Intus pretiosa recondit — Muschel auf einer Wasser- fläche mit einer Perle. Das häufig dargestellte Emblem (Picinelli, s. v. margaritha, Lib. 12, Nr. 243, »PRETIOSA LATENT« für »humilitas«) ist hier ein Bild für das liebeerfüllte Herz Jesu.

B4 Ardet ut erumpat. – Vulkan, der Feuer speit. Dieses Bild, auf das Herz Jesu bezogen, ist etwa zu deuten: Es brennt vor Liebe, um (vor Liebe) überzuströmen. Der Vulkan hat in der Emblematik oft die Bedeutung — in verschiedenen Aspekten — der vor Liebe brennenden Menschen (Picinelli, s. v. mons Aetna, Lib. 2, Nr. 594, 595, 596, 606, 608, 613).

Dieses Programm, in dem geläufige Embleme, auf das Herz Jesu angewandt, die Liebe Jesu bildlich verdeutlichen ist interessant durch die Präzision der Anspielungen und die Verwendung auch ungewöhnlicherer Bilder (Vulkan). Auch bei diesen Emblemen ist eine zweite Bedeutungsschicht vorhanden, sie alludieren die vier Elemente: Hirsch — Erde, Pelikan — Luft, Muschel — Wasser, Vulkan - Feuer.

Literatur siehe S. 421