Hohenkammer, Pfarrkirche St. Johannes Evangelist
Pfarrkirche, Gemeinde Hohenkammer, Pfarrverband Allershausen, Erzdiözese München und Freising. Hohenkammer war Monatspfarrei, eine bedeutende Pfarrei mit sechs Filialen: Schlipps, Eglhausen, Mittermarbach, Herschenhofen, Niernsdorf und Mühldorf. Hohenkammer (mit Untermarbach und einigen Weilern) war Hofmark der Freiherren, später Grafen von Haslang (1550–1819). Gericht Kranzberg
Patrozinium: St. Johannes Evangelist
Zum Bauwerk: Im Kern spätgotischer Bau. Georg Christoph von Haslang († 5. 10. 1684) errichtete unter Erhöhung des AR-Bodens die Familiengruft und stattete die Kirche neu aus (Hochaltar, Orgel, Kirchengerät). 1709 Weihe von vier Altären durch Fürstbischof Johann Franz Eckher von Kapfing und Liechteneck. 1813 Neubau des LHs sowie Umbau des gotischen AR unter Pfarrer Gottfried Matthias Egger. Neubau des Turmoberteils 1878.
Saalbau zu vier Jochen mit Flachdecke (Deckenbild von Sebastian Wirsching 1879, Verehrung des Herzens Jesu). Durch Stufen leicht erhöhter, eingezogener AR zu 2 Jochen mit dreiseitigem Schluß. Umbauung mit Sakristeianbau und Oratorien von 1813. Belichtung durch Lünettenfenster an der N-Seite, zu beiden Seiten des Altares und im zweiten Joch der S-Seite. Hochaltarretabel von 1664 mit Altarbild des Apokalyptischen Weibes, inspiriert von Rubens Hochaltarbild des Freisinger Doms, 1808 von Ignaz Frey. Die Deckenbilder A und 1–4, a–b befinden sich im AR.
Auftraggeber: In den Quellen zur Ausstattungsgeschichte werden mehrfach die Hofmarksherrn als Stifter genannt, deren Familiengruft sich auch in der Kirche befindet. In der fraglichen Zeit hatte Joseph Xaver von Haslang die Herrschaft inne (* 20. 10. 1700, unter Vormundschaft bis 1721, †1772). Amtierender Pfarrer war Joseph Gunetsrainer (1724-56), der für Kirchenzierde und für den Erwerb von Reliquien sorgte.
Die Marienverehrung wurde in Hohenkammer besonders gepflegt: 1667 stiftete Georg Christoph von Haslang den Samstag-Rosenkranz, 1695 ließ Ferdinand Johann Joseph von Haslang einen Kreuzaltar errichten (heute an der S-Wand) mit der plastischen Gruppe Mariens unter dem Kreuz nach dem Vorbild der Herzogspitalmuttergottes. Die Gemeinde stiftete 1728 für die Marienfigur eine Goldschmiedearbeit in Form einer Krone mit Sternenkranz als Dank für die Verschonung von einer Viehseuche. Eine Entstehung des Freskos A in Zusammenhang mit diesem Ereignis ist denkbar.
Autor und Entstehungszeit: A, 1-4 Der Autor ist unbekannt; Entstehungszeit vielleicht um 1730. Archivalische Nachweise fehlen, da die in Hohenkammer erhaltenen Kirchenrechnungen von 1718 bis 1771 eine Lücke aufweisen. Von den Fresken ist so wenig originale Substanz erhalten, daß eine sichere Einordnung nicht möglich ist. a-b wurden wohl 1929 von Christian Seibold gemalt.

ken ist so wenig originale Substanz erhalten, daß eine sichere Einordnung nicht möglich ist. a-b wurden wohl 1929 von Christian Seibold gemalt.


Befund
Träger der Deckenmalerei: AR (A, 1-4, a-b) verschliffenes Kreuzgratgewölbe
Rahmen: A gemalter Profilrahmen in Gold mit imitierter Stuckornamentik in Grau aus Engelsköpfen und Kartuschen; 1-4, a-b gemalte Stuckkartuschen in Grau
Technik: Fresko; A, 1-4 polychrom; a-b camaieu karmin Maße: A Höhe 8,20 m; 4,90 x 3,60
777 – 7,00 Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1929 wurde die gesamte Kirche durch Christian Seibold, Freising, renoviert. Zu dieser Zeit war die Decke im AR ohne Bemalung. Auf Wunsch des BLfD sollte das Deckenbild des LHs von 1870 beibehalten werden; für den Chor plante man daher eine möglichst neutrale Bemalung. Prof. Schmuderer vom BLfD schreibt am 8. Oktober an die Kirchenverwaltung in Hohenkammer: »Für eine entsprechende Bemalung des Gewölbe im Presbyterium der Kirche haben wir eine flüchtige Erläute rungsskizze angefertigt. Wir sind der Ansicht, daß nur durch eine derartig neutrale Bemalung die zu erstrebende Einhei mit der Deckenbemalung im Schiff aus dem 19. Jahrhundert die eben belassen werden muß, einigermaßen zu erreichen ist (Anlagen: 3 Skizzen)«. Zusammen mit dem genannten Brief sind im Pfarrarchiv in Hohenkammer zwei Zeichnungen erhalten, die in verschiedener Anordnung und Rahmung das IHS-Zeichen zeigen. Die dritte im Brief genannte Skizze fehlt. In der Zwischenzeit hatte Seibold unter der Tünche an der Decke des Presbyteriums die Marienkrönung A entdeckt, freigelegt und auf der Grundlage des Vorgefundenen neu gemalt (Bericht im Pfarrarchiv Hohenkammer). Er stellte am 7. Oktober 1929 eine Rechnung über die Restaurierung der Zwickeln wurden, nach dem Stil von b zu schließen, wohl von Seibold neu dazu gemalt. Vielleicht in Verbindung mit der geplanten »neutralen Bemalung«. Sie hätten dann als symbolische Darstellungen der Eucharistie ein entsprechendes Motiv in der Mitte des Gewölbes (IHS-Zeichen?) flankieren sollen. Dieser Plan wurde durch die Freilegung der Marienkrönung A nur z. T. verwirklicht. Die gemalten Umrahmungen von A und 1-4 zeigen die Stilart von 1725/30 (vgl. Asams Deckenbild C im Freisinger Dom, S. 73), diejenigen von a-b zeigen Rocailleformen und stammen wohl von Seibold.
1968-1975 wurde die Kirche durch Otto Wimmer, München, erneut einer gründlichen Restaurierung unterzogen. Dabei legte er die Kirchenväter 1-4 frei, die bis dahin unter einem Brokatmuster verborgen waren. Auch sie weisen nur noch wenig alte Substanz auf, am besten erhalten ist Bild 4 Hl. Hieronymus. Die gemalten grauen Kartuschen sind von Wimmer stark erneuert oder neu gemalt worden. Die von Seibold ergänzte Marienkrönung A wurde von Wimmer erneut restauriert. 1983 erfolgte eine einfache Reinigung der Kirche, bei der der Zustand von 1975 unverändert beibehalten wurde.
Beschreibung und Ikonographie
A KRONUNG MARIENS Einansichtige Bildanlage mit Basis im O. Maria in einem lila Kleid und grauem Schleier kniet auf der von zwei Engeln getragenen Mondsichel, die Hände demutsvoll vor der Brust, neben sich die weiße Lilie, Symbol der Reinheit. Gottvater im lila-grauen Kleid und gelben Tuch und Christus mit hochaufschwingender Gewanddraperie schweben in Wolken und halten die Krone über das Haupt Mariens. Über der Taube des Hl. Geistes schweben drei kleine Engel.

I–4 VIER KIRCHENVÄTER In den gemalten Kartuschen der Stichkappen sind die Kirchenväter in Dreiviertelfigur dargestellt, über ihnen Inschriften in grauen Kartuschen.
I S. Augustinus Doctor Ecclesiae Augustinus sitzt an einem Tisch und hält sein Attribut, das flammende Herz, empor. Auf dem Tisch liegen Buch, Mitra und Stab.
2 S. Gregorius M. Doctor Ecclesiae In ähnlicher räumlicher Anordnung wie Augustinus sitzt der Heilige am Tisch und blickt auf die Taube. In der Linken hält er ein Rauchfaß.
3 S. Ambrosius Doctor Ecclesiae Ambrosius, sitzend und in Pontifikalkleidung, blickt aus dem Bild. Auf einem Tischchen links liegen die Mitra und sein Attribut, der Bienenkorb.
4 S. Hieronymus Doctor Ecclesiae Der Heilige mit nacktem Oberkörper und ausgebreiteten Armen in weißem Lendentuch und rotem Umhang kniet in der Wüste vor einem Hügel mit einem Kreuz. Neben ihm seine Attribute, Löwe und Buch; über ihm sind der Kardinalshut zu sehen und die Gerichtsposaune.
a-b AT-Szenen (Christian Seibold, 1929 ?)
a Mannaregen
b Die Kundschafter mit der Traube
HOHENKAMMER



Quellen und Literatur
Hohenkammer, Pfarrarchiv, Akt: Kirchenrestauration. AEM, Kunsttopographie, Dekanat Weihenstephan, Pfarrei Hohenkammer (Sylvia Hahn).
Schmidtsche Matrikel, Bd 2, S. 186–88
Gottfried Matthias Egger, der Jubelpriester und Jubelpfarrer in Hohenkammer (o. V.), in: Deutingers Beiträge zur Geschichte, Bd 1, 1850, S. 492–524.
Mayer-Westermayer, Bd 1, S. 154-60
Merk, Anton, Besuch der Pfarrkirche Hohenkammer, deren Geschichte und Sehenswürdigkeiten, Freising 1894.
KDB I OB (r), S. 405
Dehio-Gall OB, S. 101 f.
Höckmayr, Rupert, Geschichte der Pfarrkirche St. Johannes Ev. in Hohenkammer, Hohenkammer 1975 (Pfarrblatt).
Hochhaus, Franz, Schloss Hohenkammer, Vergangenheit, Gegenwart, München 1976.
Goerge, Rudolf, Die Kirchen der Pfarrei Hohenkammer (= KKF 1323). München 1981, S. 6.
-, Hohenkammer 1984
Denkmäler in Bayern, Oberbayern, München 1986, S. 278. Dehio 1990, S. 449 f.