Hohenaschau, ehem. Burg der Grafen Preysing-Hohenaschau
HOHENASCHAU
Ehem. Burg der Grafen Preysing-Hohenaschau. Gemeinde und Pfarrei Aschau im Chiemgau. Ehem. Erzdiözese Salzburg. Archidiakonat und Bistum Chiemsee. Herrschaft Hohenaschau
Schloßkapelle S. 272. Ehem. Zimmer des Grafen oder Gastzimmer S. 282. Zimmer der Gräfin S. 287. Eckzimmer S. 291. Vestibül S. 294. Speisezimmer bzw. >Lauberstube< S. 295. Treppenhaus S. 302.
Zur Geschichte: Gründung des befestigten Sitzes Hohenaschau auf einem frei stehenden steilen Felsrücken in der zweiten Hälfte des 12. Jh. durch Konrad und Arnold von Hirnsberg. Um den Burgberg bildete sich der Ort Niederaschau mit den herrschaftlichen Ökonomiegebäuden und den Häusern von Schloßknechten und Taglöhnern, aber auch Handwerkern. Nach der Gründung des Eisenschmelzwerks am Hammerbach 1546 wurden Hüttenarbeiter, Nagelschmiede und Holzknechte angesiedelt. Im 16./17. Jh. wurden im Ort weitere herrschaftliche Gebäude errichtet, die Brauerei, das Richterhaus und das Haus des Gerichtsschreibers. »Dieser geschichtlichen Entwicklung entsprechend trägt Hohenaschau auch heute noch das Gepräge einer herrschaftlichen Hofhaltung mit >industrieller« Außensiedlung« (Bomhard Bd 2, S. 357).
Von 1374 bis 1602 war die Burg im Besitz der Herren von Freyberg. Unter Pankraz von Freyberg (1535-65) gewann Hohenaschau vor allem wegen der Gründung der Eisenhütte an wirtschaftlicher Bedeutung. Pankraz von Freyberg verkaufte seine Besitzungen in Tirol und erwarb dafür die an Hohenaschau angrenzende große Herrschaft Wildenwart. Als Hofmarschall Herzog Albrechts V. hatte er zunächst großen politischen Einfluß, aber sein Festhalten am Protestantismus und seine Teilnahme an der sog. Ortenburger Verschwörung führten zu seinem Sturz. Sein Sohn Wilhelm (1565–1602), durch Vertrag mit seinen Brüdern Alleinbesitzer der Herrschaften Hohenaschau und Wildenwart, starb am 10.11.1602 ohne männliche Nachkommen; er hinterließ nur zwei unmündige Töchter, Sophia und Benigna. Beide heirateten 1608, Sophia Ferdinand (I.) Schurff, Freiherr auf Mariastein, Benigna Johann Christoph Freiherrn von Preysing. 1610 wurde das Erbe vertraglich endgültig geteilt: Ferdinand und Sophia Schurff wurden Besitzer von Wildenwart, Johann Christoph und Benigna Preysing wurden Besitzer von Hohenaschau, das »Die Linie auf Hohenaschau war bis zu ihrem Erlöschen im 19. Jahrhundert die einflußreichste und bedeutendste dieses berühmten alten bayerischen Geschlechts. Da alle Herrschaftsinhaber aus der Familie der Preysing führende Stellungen am bayerischen Hof und in der Staatsverwaltung einnahmen, wurde das Schloß Hohenaschau von keinem Mitglied des
Geschlechts für dauernd bewohnt, sondern immer nur kurzfristig, meist alljährlich im Spätsommer oder Herbst (Jagdzeit) besucht« (ebenda, S. 358 f.).
Die Herren von Preysing-Hohenaschau waren im Bereich des heutigen Landkreises Rosenheim im Besitz großer Gebiete. Ihnen gehörte die Herrschaft Hohenaschau mit der Hofmark Söllhuben seit 1610, die Herrschaft Neubeuern (erste Hälfte seit 1668/72, zweite Hälfte seit 1739), die Hofmark Brannenburg mit Klein- und Großholzhausen seit 1728, die Hofmark Redenfelden seit 1748, die Herrschaft Falkenstein seit 1768, die Herrschaft Wildenwart seit 1771.
Bei der Übernahme durch Johann Christoph von Preysing war Hohenaschau mit 30 000 fl. belastet. Seine Gemahlin Benigna starb schon 1620 im Alter von 26 Jahren, nachdem sie vier Söhne geboren hatte, darunter den Erben Johann Maximilian. In zweiter Ehe heiratete Johann Christoph 1622 Jakobine Freiin von Rechberg, in dritter Ehe 1625 Justina Fugger, Gräfin von Kirchberg. Johann Christoph von Preysing spielte als Hofmarschall und Hofratspräsident eine große Rolle am Hof Kurfürst Maximilians I. während des 30jährigen Krieges. Er war dem Kurfürsten auch persönlich eng verbunden. An Schloß Hohenaschau hat er kaum etwas verändern lassen.
Sein Sohn Johann Maximilian I. (Max I.) von Preysing-Hohenaschau (1632-68) übernahm die Herrschaft im Alter von 23 Jahren. Er stand seit 1635 in Diensten Maximilians I., war Kämmerer und Hauptpfleger von Wolfratshausen. 1655 wurde er Vicedom von Burghausen. 1664 wurde er zusammen mit seinen Brüdern Johann Franz, der Fürstbischof von Chiemsee war und Johann Christoph, der Reichersbeuern besaß, in den Reichsgrafenstand erhoben. Er ließ die Schloßkapelle erbauen, doch das Schloß selbst war bei seinem Tod ziemlich heruntergekommen.
Das änderte sich unter seinem Sohn und Nachfolger Maximilian II. Johann Franz (Max II.) Graf von Preysing-Hohenaschau (1668–1718), dessen Gemahlin Maria Anna Adelheid Gräfin von Törring-Seefeld war. Er ließ innerhalb von 15 Jahren das fast noch mittelalterliche Schloß im Sinn des Hochbarock völlig erneuern, die Außenfronten vereinheitlichen, die Durchfensterung systematisieren, den Ahnensaal und anschließende Festräume ausbauen und ausstatten (für Entwurf und Planung wird Henrico Zuccalli genannt) sowie Wohnräume einrichten. Außerdem ließ er die Schloßkapelle ausstatten. Max II. hielt sich als Obersthofmeister meist am Hof in München auf. Am 25.7.1704, im Spanischen Erbfolgekrieg, wurde Schloß Hohenaschau als bayrische Grenzfestung von den kaiserlichen Truppen nach achttägiger Belagerung eingenommen und geplündert. Während der kaiserlichen Administration 1704-14, als Max Emanuel im Exil war, blieb Graf Max II. im Land und vertrat die Interessen des Kurfürsten der Besatzung gegenüber. Er stand Max Emanuel auch persönlich nahe. Er erweiterte den Besitz der Grafen Preysing-Hohenaschau um die Hofmarken Alt- und Neubeuern mit Rohrdorf und Nußdorf sowie den Sitz Farnach bei Söllhuben. Mit ihm starb die Hauptlinie auf Hohenaschau aus.

Sein Nachfolger war Johann Maximilian III. Felix (Max III.) Graf von Preysing-Hohenaschau, Vetter Max II. aus der Nebenlinie Reichersbeuern (1718-39). Er war seit 1715 Obristhofmeister der Kurfürstin, seit 1716 Kurfürstlicher Geheimer Rat, seit 1722 Oberststallmeister des Kurprinzen Carl Albrecht, mit dem er zwischen 1715 und 1729 vier Reisen nach Italien und weitere Reisen unternahm. Unter Carl Albrecht als Kurfürst hatte er hohe Hofämter inne. Leider war er ein schlechter Wirtschafter und hinterließ 43 000 fl. Schulden. Unter ihm wurde die Renovierung der Schloßkapelle begonnen und damit u. a. Johann Baptist Zimmermann beauftragt. Johann Maximilian IV. Emanuel Franz Xaver Pankraz (Max IV.) Graf von Preysing-Hohenaschau (1739-64) war schon lange vor der Übernahme der Herrschaft Hohenaschau ein wichtiger Mann am Hof in München, der 1723-28 mit großem Aufwand das Palais Preysing in München erbaut ließ. Er hatte das Großkreuz des 1729 wiedergegründeten Hausritterordens vom hl. Georg. Als er die Herrschaft 1739 übernahm, ließ er zunächst die Renovierung der Schloßkapelle vollenden, um die er sich auch vorher schon gekümmert hatte, unterstützt vom Schloßkaplan Ulrich Strigl.
1746 ging Max IV. daran, den Festsaal von 1680 umzugestalten, wozu er Johann Baptist Zimmermann verpflichtete, der auch im Palais Preysing stuckiert hatte. Die Ahnenfiguren wurden nun auf Podeste gestellt, Kartuschen mit den Namen angebracht, die von Johann Adam Mölk beschriftet wurden und der Stuck restauriert. Seine Gemahlin war Maria Theresia Gräfin Fugger von Nordendorf. Max IV. starb ohne leiblichen Erben.
Nachfolger wurde sein Neffe Johann Maximilian V. Franz Xaver (Max V.) Graf von Preysing-Hohenaschau (1764–1827), Kammerherr am kurfürstlichen Hof und Mitglied des Georgi-Ritterordens, Vizepräsident des Hofrats, seit 1762 verheiratet mit Maria Theresia Gräfin von Seinsheim. 1764 erbte er die Herrschaft Hohenaschau mit den zugehörigen Herrschaften. 1771 erwarb er die Herrschaft Wildenwart und vergrößerte damit sein Herrschaftsgebiet beträchtlich. Er wohnte meist in Schloß Wildenwart und vernachlässigte Hohenaschau. 1812 begründete er das gräflich Preysingische Majorat Hohenaschau als erstes Familienfideikommiß in Bayern nach den Wirren der napoleonischen Zeit.
Sein Sohn Johann Maximilian (Max VI.) starb unvermählt 1841, sein Sohn Johann Christian lebte in nicht standesgemäßer Ehe. Mit ihm erlosch 1853 das Geschlecht der Preysing-Hohenaschau im Mannesstamm. Hohenaschau fiel an Johann Christians einzige Tochter Christina, deren Mann Albin von Leitner Hohenaschau an Graf Waldbott von Bassenheim verkaufte, unter dem der ganze Besitz 1860 versteigert wurde.
Nach zweimaligem Besitzerwechsel kam Schloß Hohenaschau 1875 in den Besitz der Familie von Cramer-Klett. 1905-08 wurde es unter Freiherr Theodor von Cramer-Klett nach Plänen des Münchner Architekten Max Ostenrieder umgebaut, modernisiert und erweitert.
1942 Verkauf des Schlosses an die Reichsmarine; das gesamte Mobiliar blieb im Besitz der Cramer-Kletts, so daß das Schloß nach dem Verkauf ausgeräumt wurde. Nach 1945 diente der Gebäudekomplex als Unterkunft für Aussiedler und Flüchtlinge, stand dann jahrelang leer und ist heute im Besitz des Sozialwerks der Bundesfinanzverwaltung.