Hohenaschau, ehem. Burg der Grafen Preysing-Hohenaschau, Schloßkapelle
Pfarrei Aschau im Chiemgau, Erzdiözese München und Freising; z.Z. der Ausmalung Erzbistum Salzburg, Archidiakonat und Bistum Chiemsee. Die Pfarrei Niederaschau war dem Augustiner-Chorherrenstift Herrenchiemsee inkorporiert. Die Schloßkapelle befindet sich als einziger Bauteil der Burg noch im Besitz der Familie von Cramer-Klett. An der Schloßkapelle bestand ein Benefizium.
Patrozinium: Heiligste Dreifaltigkeit (seit 1908; früher Schmerzhafte Muttergottes)
Zum Bauwerk: Schon der erste Preysing auf Hohenaschau hatte bald nach der Inbesitznahme 1610 vor, eine Schloßkapelle zu bauen, »zu Ehr unnd Gedechtnus Unnser Lieben Frauen, der Muetter Gottes Mariae Schmerzen«, aber der Bau verzögerte sich durch den Dreißigjährigen Krieg und wurde erst durch seinen Sohn, Johann Maximilian I. Freiherr von Preysing-Hohenaschau (1632-68; seit 1664 Reichsgraf) ausgeführt. Baubeginn 1637 durch Hans Weigl, Maurermeister von Schlechtenberg, nach längerer Zeit der Planung und Vorbereitung. In den Bau wurde bestehendes Mauerwerk an der Westseite der Burganlage miteinbezogen. Fertigstellung des Baus 1639, erster Gottesdienst am 15.8.1641. Feierliche Weihe am 20.8.1645 durch Franz Virgil Graf Spaur, Fürstbischof von Chiemsee. Altar 1646/47 vom Hohenaschauer Kistler Sebastian Lettenpichler, Altarblatt von dem in Niederaschau wohnenden Maler Jakob Depey (heute in der Kapelle des Erzbischöflichen Studienseminars Traunstein). Turmbau 1676/77, Dekoration des Kircheninnern 1680/81 mit Stuckierung durch Francesco Brenni (Vertrag vom 22. 8. 1680 über 100 fl. und 9 fl. Leikauf).
Eine erste Renovierung fand 1738/40 statt. Die Stuckatoren Emmeram Widmann und Thomas Finsterwalder, Mitarbeiter Johann Baptist Zimmermanns, reparierten 1738 in der Schloßkapelle den Gewölbestuck (HAA, K 164), der bis dahin weiß war, und faßten ihn farbig in Rosa, Gelb und Grün. Die Kirche

HOHENASCHAU
bekam 1738/39 zwei neue Seitenaltäre, nach Entwürfen Zimmermanns ausgeführt von Widmann und Finsterwalder, mit Altarblättern von Zimmermann selbst. Auch Balthasar Furtner arbeitete an der Renovierung mit: Der »Maler aus Tuntenhausen« bemalte ein Spalier an die Hochaltarwand »in bestendigen Safftfarben« (Schreiben vom 22.4.1740, AEM, Nachlaß Peter von Bomhard Nr. 172: Auszüge aus dem HAA). Balthasar Furtner malte seitlich vom Hochaltar »uf Depicharth« Spaliere mit den Bildern der Vier Kirchenväter, offenbar ähnlich wie in Frauenchiemsee (s. S. 155) und faßte den Hochaltar neu mit Marmorierung, Lasierung der Säulen in Blau und Teilvergoldung (Balthasar Furtner führte noch andere Faßmalereien aus; daß er als damals in Tuntenhausen ansässiger Maler so viele Aufträge in Hohenaschau erhielt, legt den Schluß nahe, daß er aus der Kistlerfamilie Furtner in Niederaschau stammte). Die Kirche bekam weiter ein neues Gestühl von den Hohenaschauer Kistlern Matthias Lettenpichler und Johann Furtner und ein neues Pflaster.
1905–08 anläßlich des Schloßumbaus Erneuerung der Kapelle mit Veränderungen am Außenbau, Abbruch des alten Hochaltars, Einbau eines italienischen Barockaltars und Neustuckierung der Südwand im Stil der alten Stuckaturen.
Einfacher Saal, gesüdet, ungegliedert mit gedrückter Tonne über umlaufendem Gesims; schwerer Barockstuck an Decke
und Wänden; Die Wände sind durch die Stuckierung zweigeschossig gestaltet. Oratorien in der N-Wand im Obergeschoß, von dort aus über einen gedeckten Gang Zugang zum Schloß Belichtung durch je drei Rundfenster im O und W im Obergeschoß; das kleine Rundfenster in der S-Wand ist aus der Umbauzeit 1905-08.
Auftraggeber: Maximilian Johann Franz (Max II.) Graf von Preysing-Hohenaschau (1668–1718). Sein Wappen und das seiner Gemahlin Maria Anna Adelheid Gräfin von Törring Seefeld befinden sich in einer schweren, von überlebensgroßen Engeln gehaltenen Stuckkartusche an der Nordwand über den Oratorien. Max II. ließ in Zusammenhang mit den Umbau und Ausstattungsarbeiten am Schloß auch die von seinem Vorgänger erbaute Kapelle ausstatten.
Autor und Entstehungszeit: Zuweisung an Joseph Eder (* um 1650 Innsbruck † 1712 Neubeuern) und Jacob Carnutsch (* um 1650/55 Ort unbekannt † 1716 Prien) um 1681 Archivalien zur Ausmalung sind nicht bekannt, wohl aber zwei Erwähnungen zur Stuckierung: Am 22. 8. 1680 wurde der Akkord mit dem Stuckator Francesco Brenni (Brenno) geschlossen, nach dem die Kapelle im folgenden Winter stuckiert werden sollte. Am 28. 12. 1680 war die Kapelle in Arbeit, wie




Zuweisung an Eder und Carnutsch durch Bomhard (S. 401) »Archivalisch nicht nachzuweisen. Aus äußeren wie aus Stilgründen ist jedoch jeder Zweifel ausgeschlossen, daß es sich um Werke Joseph Eders handelt, der damals für ständig mit Jacob Carnutsch zusammenarbeitete« (S. 506, Anm. 727) Schricker (S. 39–43) übernimmt Bomhards Zuschreibung und beschränkt sich bei der Händescheidung auf die Evangelistenbilder 1-4 und die Kreuzlegende WT1-2, wobei sie 1-4 eher Eder WT eher Carnutsch zuweist
Die Unterscheidung der persönlichen Handschrift der beide Maler wird dadurch erschwert, daß beide viel nach Vorlage gearbeitet haben und Bild- oder Figurenkompositionen deshalb nicht ohne weiteres zum Vergleich herangezogen werden können. Außerdem sind die Deckenbilder der Hohenaschaue Schloßkapelle schlecht erhalten und durch Restaurierungen und Übermalungen seit 1738 beeinträchtigt. Eine weitere Schwierigkeit dabei ist, daß die beiden so eng zusammenarbeitenden Maler sich auch stilistisch einander angeglichen haben. So gibt es immer wieder fragliche Fälle, bei denen es fast scheint, als seien in einem Bild beide Meister am Werk gewesen. Im Großen und Ganzen aber lassen sich Eder und Carnutsch stilistisch schon unterscheiden, auf der Grundlage der Händescheidung an ihren Arbeiten im Nonnenchor von Altenhohenau, die gut erhalten sind (S. 39f.).
Tittetimenenua, are gut ermatten emia (et )/i./. Für Eder können in Hohenaschau folgende Bilder in An spruch genommen werden:
Aa-b Anbetung der Hirten, Anbetung der Könige; Wa-b Verkündigung; W1-2 Achatius und Pantaleon; W, Margareta; W6-7 Erasmus und Dionysius; W8-9 Blasius und Georg; W13 Christophorus; WB Traum Josephs.
Die Bilder dieser Gruppe zeigen in der Farbigkeit und Gewanddarstellung kaum Weißhöhungen, die bei der zweiten Gruppe eine so große Rolle spielen. Stoffe werden durch Schatten in der jeweiligen, aber stark abgedunkelten Farbe modelliert. Die Stoff- und Figurenmodellierung ist bei weitem nicht so stark wie bei der zweiten Gruppe. Die Darstellungen sind flächiger, mit groberen Konturen umrissen und zeigen eine sparsamere und grobere Binnenzeichnung, sie sind in der
Komposition aber großzügiger und lebhafter bewegt. Bei den Farben ist mit Vorliebe und großflächig Rot gebraucht, in dunklerem Rot abgeschattet. Lichteffekte werden durch starkes Abdunkeln oder Auflichten der Flächen gesucht. Diese Eigenheiten finden sich alle (soweit es der schlechte Zustand der Bilder dort noch erkennen läßt) bei den Deckenbildern der Domstiftskirche Herrenchiemsee (S. 191–93), die von Eder signiert sind, sowie bei den von Eder 1700 signierten Deckenbildern der Seekapelle in Herrenchiemsee (S. 244f.), und sie finden sich am deutlichsten bei einer der beiden Werkgruppen im Nonnenchor von Altenhohenau, die aufgrund der von Eder signierten Bilder in Herrenchiemsee diesem Maler zweifellos zuzuordnen ist.
Für Carnutsch können in Hohenaschau folgende Bilder in Anspruch genommen werden:
A Krönung Mariens; A1-2 Heimsuchung und Anna Selbdritt; 1-4 Evangelisten; W4 Eustachius; W11-12 Barbara und Katharina; W14 Vitus; W4 Sebastian; WC Schutzengel.
Leider gibt es keine gut erhaltene, durch Signatur oder Archivalien für Jacob Carnutsch gesicherte Deckenmalerei. Doch läßt sich um gesicherte, gut erhaltene Werke wie das Altarblatt des Sieben-Zufluchten-Altars in Grassau und um schlecht erhaltene Deckenbilder, wie in den Pfarrkirchen Niederaschau (S. 367) und Grassau (LKr. Traunstein, CBD Bd 11, S. 56) eine Gruppe von Werken scharen, die die gleichen stilistischen Eigenheiten aufweisen: Kapelle und Saal in Wildenwart (S. 551–55), die Irmengardkapelle in Frauenchiemsee (S. 154f.), die Hauptbilder A und B sowie die Wandbilder W1-2 im Nonnenchor von Altenhohenau (S. 39) und die oben genannten Bilder in Hohenaschau.
Im Vergleich zur ersten Gruppe ist die sorgfältigere Ausarbeitung der Figuren zu nennen, der feinere Strich, die differenziertere Binnenzeichnung mit der vor allem durch Weißhöhungen erreichten plastischen Durchmodellierung in der Gewanddarstellung. Bei allen diesen Bildern zeigen sich fein durchgearbeitete plastische Figuren mit zum Teil für das ausgehende 17. Jh. sehr altertümlichen Gesichts- und Frisurtypen (vgl. den Engel bei Matthäus in Fresko 3 mit dem Engel in EB, in Sachrang oder mit dem in W1 im Nonnenchor in Altenhohenau. Die Hand Joseph Eders zeigt dagegen der Engel im Hohenaschauer Verkündigungsbild W2). Bei den Physiognomien ist das Bemühen um Individualisierung zu beobachten: vgl. etwa die Kirchenväter 1-4 in der ehem. Schloßkapelle Wildenwart mit den Eremiten Eders in der Seekapelle auf Herrenchiemsee.
Die Landschaften sind von großer Feinheit, mit Freude am Detail gemalt, Himmel und Wolken zartfarbig, Berge und Hügel in der Ferne meist aufgelichtet. Die reizvollen Landschaften in 1, 2 und 3 erinnern an die Landschaft im Emporenbrüstungsbild EB, in Sachrang (S. 465) oder an die Landschaften der Nebenbilder 1–4 im Saal von Wildenwart.
Befund
Träger der Deckenmalerei: Gedrückte Tonne
Rahmen: A Stuckprofilrahmen, von einem kräftig plastischen Blattkranz umgeben; 1-4 Stuckprofil, in den Achsen von Blattornamenten übergriffen; A1-2 Achteckige Stuckkartuschen; A2-b Stuckkartuschen
Technik: Öl auf Putz; polychrom
Maße: Höhe des Tonnenscheitels 8,20 m
A 5,00 × 2,10 1-4 1,80×2,75
A1-2 1,65 × 1,05 1 . . . . . . . . . .
Aa-b 1,00 × 2,35 gszustand und I
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Erste bekannte Restaurierung 1739 durch Balthasar Furtner, Maler in Tuntenhausen (später Frauenchiemsee, s.S.##). Er hat »alle Bildnussen des Gewölbs und an denen Seitten wenden ... sauber gepuzt und ausgebessert«. Die Reinigung nahm er mit warmem Brot vor. Anläßlich der Erneuerung der Kapelle 1905/08 wurden die Deckengemälde durch Waldemar Kolmsperger München, restauriert. Renovierung des Innenraums 1932 durch Fa. Karl Blersch, München. Restaurierung der Ausmalung 1951 durch Bernhard Otterpohl, München. In den folgenden Jahren traten Feuchtigkeitsschäden auf, die zu Abblätterungen führten. Letzte Restaurierung 1992/93 durch Manfred Lauber, Bad Endorf. Festigung der Malschicht, Reinigung und Retuschieren der Fehlstellen.
Beschreibung und Ikonographie
Die gesamte Decke ist in kräftigem Felderstuck gegliedert; die Felder, sämtlich rechteckig und aus Perlstableisten gebildet, umschließen die verschieden geformten Bildfelder. Das lang gezogene Hauptbild A ist an den Schmalseiten der Decke von je einem unregelmäßig querformatigen Bildfeld begleitet (Aa-b), an den Längsseiten von je zwei großen ovalen Bildfeldern (1–4).
A KRÖNUNG MARIENS Ansicht nach S. Über einer Schar von Heiligen am unteren Bildrand ist Maria im Zentrum des Bildes dargestellt. Sie kniet auf Wolken, hat die Hände ineinandergelegt und den Blick nach oben gerichtet. Ihr Haupt mit dem aufgelösten Haar ist von Strahlen umgeben. Über ihr thronen links Christus mit dem großen Kreuz und rechts Gottvater; sie halten gemeinsam vor einer leuchtenden Wolkenöffnung eine prachtvolle Krone über das Haupt Mariens. Darüber schwebt die Taube des Heiligen Geistes und sendet Strahlen auf die Szene. In den Wolken sind zahlreiche Puttenköpfchen zu sehen.
Auf Wolken sitzen drei männliche (links) und drei weibliche (rechts) Heilige. Es sind Ignatius von Loyola mit der Lilie, dann Franz Xaver und ein hl. Einsiedler, wohl Antonius Abbas. Rechts ist mit Palme und Zange Apollonia dargestellt, dann mit einer Kaiserkrone auf dem Haupt die hl. Kaiserin Adelheid und am Bildrand die hl. Helena mit einem Kreuz in den Händen. Die Auswahl der Heiligen erinnert an die in den Herrschaften Hohenaschau und Wildenwart sehr häufigen Namenspatron-Bilder; hier wurde die hl. Apollonia wohl wegen der Zange im Wappen der Törring gewählt und die hl. Adelheid als Patronin der Gräfin Maria Anna Adelheid von Törring. Franz (Maximilian Johann Franz) hieß der regierende Graf, Ignatius (Johann Friedrich Ignaz) sein Bruder, der Domherr in Salzburg, Augsburg und Passau war.
1–4 EVANGELISTEN In den Ecken der Decke liegen große querovale Bildfelder, die die Vier Evangelisten jeweils in weiten Landschaftsschauplätzen zeigen. Kleine Inschriften mit den Namen der Evangelisten sind im Bild.
I LUKAS Ansicht nach O. Auf einer Steinbank vor einem Gebäude rechts, an dem eine Laterne und ein Bücherbord zu sehen sind, sitzt Lukas und schreibt in einem Buch. Bei ihm lagert der geflügelte Stier. Links gibt das Bild Ausblick auf eine bergige Landschaft. S. LVCAS.



in sein aufgeschlagenes Buch und weist in die Ferne. Rechts im Hintergrund sieht man eine Stadt an einem Fluß. S. MATHEVS.
4 JOHANNES Ansicht nach W. Johannes sitzt, in einem Buch schreibend, unter einem Baum auf einer Böschung; neben ihm der Adler. Links Ausblick in eine weite Landschaft mit Flüssen, Brücken, Stadt und Bergen. S. IOHANES.
A1-2, Aa-b; W1-2 SZENEN AUS DEM MARIENLEBEN In vier Bildfeldern an den Seitenmitten der Decke befinden sich Darstellungen aus dem Marienleben. A1-2, an den Längsseiten, sind achteckige Hochformate; Aa-b sind querformatige Ornamentkartuschen. W1-2 befinden sich an der Altarwand.
A HEIMSUCHUNG Ansicht nach O. Das hochformatige, achteckige Bildfeld zeigt die beiden großen Gestalten von Maria und Elisabeth, die sich grüßend umfassen. Links im Bild ragt das Haus von Zacharias auf. Dieser selbst ist vor das Tor getreten und begrüßt Joseph, der zu ihm herantritt.
A, ANNA SELBDRITT Ansicht nach W. Maria und Anna sitzen sich gegenüber; Anna hält den Jesusknaben auf dem Schoß, der die Händchen nach seiner Mutter ausstreckt, die sich ihm liebevoll zuwendet. Oben in Wolken erscheint Gottvater, von Putten umgeben. Darunter ist in einem hellen Lichtschein die Taube des Hl. Geistes zu sehen. Rechts ragt ein Pfeiler mit Draperie auf.
Aa ANBETUNG DER HIRTEN (Lc 2,16) Im Zentrum des Bildes liegt, von einem hellen Strahlenschein umgeben, das Jesuskind. Von links beugt sich Maria ihm betend zu; Joseph ist hinter ihr zu sehen. Von rechts drängen Hirten heran und knien vor dem Kind, über dem in einer Wolkenöffnung Engel mit dem Schriftband GLORIA IN EXCELSIS zu sehen sind

Ab ANBETUNG DER KÖNIGE (Mt 2,11) In einer Ruinenlandschaft mit Pfeiler, Säulentrommel und Gebälkstück sitzt Maria, das Kind auf dem Schoß; hinter ihr steht Joseph. Von rechts kommen die Heiligen Drei Könige heran. Der vorderste, Balthasar, im hermelinbesetzten Mantel, präsentiert dem Kind seine Gabe. Ihm folgt der dunkelhäutige Kaspar und Melchior, der ein Weihrauchfaß trägt.
Wa-b VERKÜNDIGUNG An der südlichen Altarwand befinden sich in den seitlichen, durch die Tonne segmentförmig angeschnittenen Wandflächen zwei Bildfelder in der Form von Dreiecken mit einer sphärisch gebogenen Seite. Sie stellen zusammen die Verkündigung Mariens dar (Lc 1, 26-38). Im linken Bild (Wa) kniet Maria an einem Tisch, auf dem ein Buch liegt, in dem sie liest. Von oben kommt die Taube des Heiligen Geistes und sendet Strahlen auf sie. Im rechten Bild (Wb) ist der Engel Gabriel in stürmisch herandrängender Bewegung dargestellt. Er hält in der Rechten die Lilie, deren Stiel von einem Schriftband umwunden ist: Ave Maria / Gracia Plena (Abb. S. 269).
W1-14 VIERZEHN NOTHELFER Die Wände des Kirchenraums sind durch die Stuckierung in zwei Geschosse geteilt. Im Obergeschoß befinden sich an der Ost-, Süd- und Westwand hochrechteckige Bildfelder mit gebogtem oberen Schluß, die die Nothelfer zeigen; darüber ist in einer kleinen Stuckkartusche jeweils der Name des Heiligen genannt. W3-4 und W11-12, jeweils in Paaren angeordnet, werden unten durch die Stuckaufbauten der beiden Seitenaltäre angeschnitten.
W1 St:/ Achatius Achatius ist als römischer Krieger in Rüstung und Helm, eine Lanze in der Rechten zu sehen. Hinter ihm gibt das Bild Ausblick auf ein Soldatenlager mit Zelten und Kriegern.



W2 St:/ Pantaleon. Pantaleon trägt über der Rüstung einen Mantel. Über seinem lockigem Haupt schwebt ein Heiligenschein. In der Rechten hält Pantaleon ein Glas.
W1 St:/ Margarete Margareta ist vornehm gekleidet; über ihrem Haupt schwebt ein Heiligenschein, die Rechte hat sie auf die Brust gelegt. In der Linken hält sie einen Palmzweig.
W4 St:/ Eustachus Eustachius ist als junger Mann mit Schnurrbart dargestellt, der einen Turban mit Federgesteck auf dem Haupt trägt. Vor ihm ist (vom Stuckaufbau des östlichen Altaraufbaus fast völlig verdeckt) das Geweih des Hirschen mit dem dazwischenstehenden Kreuz dargestellt.
W1 St:/ Ägidius Ägidius ist als Benediktinerabt mit Pedum und Velum gezeigt. Neben ihm die Hirschkuh.
W6 St:/ Erasimus Erasmus ist als Bischof gekleidet, mit Mitra und Stab, und hält in der Linken die Winde mit seinen Gedärmen (W6-9 s. S. 269).
W7 St:/ Dionisius Dionysius von Paris, in Bischofstracht, hat auf einem drapierten Podest neben sich sein Attribut, den abgeschlagenen Kopf.
W8 St:/ Blasius Blasius, als Bischof gekleidet, hält in der Linken den Bischofstab, in der Rechten sein Attribut, die brennende Kerze.
W3 St:/ Georgius Georg in jugendlicher Gestalt, mit Helm, Rüstung und Mantel, ersticht mit einer langen Lanze einen Drachen, der sich zu seinen Füßen windet.
W10 St:/ Ciriakus Cyriacus ist als junger Mann im Dia konsgewand dargestellt. Er hält die Martyrerpalme in der Linke.
W11 St:/ Khatarina Katharina von Alexandrien trägt eine Krone auf dem lockigen Haar und hält in der Rechten einen Palmzweig, in der Linken das Schwert.
W11 St:/ Barbara Barbara, als Prinzessin gekleidet, eine Krone auf den Locken, hält in der Rechten ihr Attribut, den Kelch, in der Linken einen Palmzweig. Dieses Bild ist wie W11 zum Teil vom Stuckaufbau des westlichen Seitenaltars überschnitten.
W13 St:/ Christofus Christophorus ist im Fluß schreitend dargestellt, auf dem Rücken den Jesusknaben tragend, in Händen einen großen Baumstab, den er als Stock benützt.
W14 St:/ Vitus Veit, eine jugendliche Gestalt mit Lockenhaar, über dessen Haupt ein Heiligenschein schwebt, trägt Rüstung und Mantel und hält in der Rechten einen Palmzweig. Im Hintergrund ist sein Martyrium im Ölkessel zu sehen.
WA-C Drei weitere Bilder befinden sich an der Nordwand in gleicher Höhe wie die Nothelfer-Bilder W1-14. Zählung von W nach O
WA ST. SEBASTIAN Sebastian ist an den Baum gebunden; sein bis auf einen Lendenschurz nackter Körper ist von Pfeilen durchbohrt.
WB TRAUM JOSEPHS In einem Innenraum ist Joseph auf einer Steinbank eingeschlafen. Ein Engel berührt ihn an der Schulter und weist ins Freie. In einem Nebenraum ist Maria zu sehen. Es handelt sich um den zweiten Traum Josephs, in dem ein Engel ihn zur Flucht nach Agypten auffordert. WC SCHUTZENGEL Ein großer, rotgewandeter Engel führt ein kleines Kind an der Hand und weist nach oben zur Taube des Heiligen Geistes.
WT, KREUZLEGENDE Über der Tür in der Ostwand der Kapelle und am entsprechenden Platz gegenüber an der Westwand befinden sich zwei Bildkartuschen mit Szenen aus der Kreuzlegende. Die beiden Bilder sind von anderer Hand als die übrige Ausmalung, sie entstanden wohl erst im 18. Jh. WT1 (Ostwand) KREUZESPROBE In einer weiten Landschaft, in der rechts im Hintergrund die Stadt Jerusalem dargestellt ist, hat sich eine Menge Volks auf dem Hügel Golgotha versammelt. Auf dem Boden liegen drei große Kreuze, daneben die Kreuzinschrift IN/RI. Bischof Makarios, der von zwei Ministranten mit Stab und Buch begleitet ist, steht in der Bildmitte und weist mit einer Hand zum Himmel, mit der andern auf eine kranke Frau, die sich eben, nachdem sie auf das wahre Kreuz, das Kreuz Christi gelegt worden war, gesund erhebt (sie trägt ein Skapulier um den Hals). Links steht die Kaiserin Helena, die die Kreuze aufgefunden hatte, in prachtvoller Kleidung, gefolgt von Damen, Soldaten und Volk.
WT2 (Westwand) KAISER HERAKLIUS BRINGT DAS KREUZ NACH JERUSALEM ZURÜCK Im Zentrum des Bildes ist ein großes Tor zu sehen, das von einem lichtumstrahlten Engel versperrt wird. Dem Tor naht sich der Kaiser Heraklius in kaiserlichem Gewand, mit hermelinbesetztem Mantel und Krone. Vor ihm trägt ein Page auf einem Kissen Zepter und Schwert. Der Kaiser trägt auf seinem Rücken das Kreuz Christi. Eine Menge Volks folgt ihm oder steht am Straßenrand und bewundert die Szene. Links vom Tor gibt das Bild Ausblick auf eine Landschaft mit dem Hügel Golgotha







Quellen und Literatur zu Schloß Hohenaschau
StAM, HAA R 2640: Rechnungsbelege des Jahres 1675: Umbau des Schlosses. HAA, Fasz. 127, Hauptgeldamtsrechnung 1680: Innendekoration 1680. HAA, Fasz. A 12, K 164 und Rechnungsbelege: Renovierung 1738–39.
AEM, Pfarrakten Niederaschau: Schloßkapelle Hohenaschau 1632–1646.
AEM, Nachlaß Peter von Bomhard Nr. 172: Schloß Hohenaschau, Quellenauszüge: StAM, HAA, Hauptgeldamtsrechungen der Herrschaft Hohenaschau, Fasz. 125 (1597–1646); Fasz. 126 (1647–67); Fasz. 127 (1668–1740); Fasz. 128 (1741–50). Umbau und Neueinrichtung des Schlosses 1672–86. Restaurierung der Schloßkapelle 1737/39. BLfD, Akt Hohenaschau, Schloßkapelle.
Wening, Bd 2, S. 13–15. Mayer-Westermayer, Bd 3, S. 205–07. Primbs, Karl, Schloß Hohenaschau und seine Herren. Ein Beitrag zur Geschichte Oberbayerns vor dem Gebirg, in: OAVG 45, 1888, S. 1–96. Schloßkapelle S. 76 f. KDB I, OB (2), S. 1607–10.
Steinberger, Hans, Die Kirchen des Prientals, Wörishofen 1913, S. 88–92.

Deutsche Illustrierte Rundschau, Sonderheft Hohenaschau München 1925, Nr. 19.
Roeck, Aloys, Schloßkapelle Hohenaschau (= KKF Nr. 141) München 1936.
Bomhard, Bd 2, S. 395–404 (mit Bearbeitung aller Quellen Aufstellung S. 531 f.).
Schricker, Elisabeth, Joseph Eder und Jacob Carnutsch. Ein Beitrag zur Barockmalerei im Chiemgau (ungedr. Mag. München 1988), S. 39–43.
Dehio 1990, S. 445 f.
Naimer, Erwin, Das Bistum Chiemsee in der Neuzeit (= Quellen und Darstellungen zur Geschichte der Stadt und des Landkreises Rosenheim Bd XI), Rosenheim 1990, S. 55. Jahn, Maud, Handwerkskunst in der ehemaligen Herrschaft Hohenaschau (= Chronik Aschau im Chiemgau, Quellenband IX), Aschau im Chiemgau 2000, S. 134–56. Schäfer, Dieter, Die Preysing-Hohenaschau im Dienste der Wittelsbacher (= Chronik Aschau im Chiemgau, Quellenband XII: Die Preysing Hohenaschau Teil I), Aschau im Chiemgau 2000, S. 9–97.
Ksoll-Marcon, Margit, Adeliges Landleben vom 17. bis zum beginnenden 19. Jahrhundert (= Chronik Aschau im Chiemgau, Quellenband XII, Die Preysing Hohenaschau Teil II), Aschau im Chiemgau 2000, S. 99–279.
Wörndl, Rupert, Kirchengeschichtliches aus dem Priental. Die Pfarreien Aschau und Sachrang (= Chronik Aschau im Chiemgau, Quellenband XIV), Aschau 2001. Schlosskapelle Hohenaschau S. 155 und S. 342–44.