Großwimpaßing, Filialkirche St. Jakobus der Ältere
Filialkirche, Pfarrei und Gemeinde Inning am Holz (Pfarrvei band Holzland), Erzdiözese München und Freising; z. Z. der Ausmalung Filiale der Pfarrei Taufkirchen. Gericht Erding
Patrozinium: St. Jakobus d. A
Zum Bauwerk: Konsens zum Abbruch der baufälligen Kirche und Neubau im Juni 1723, Grundsteinlegung im Juli 1723. Maurermeister war Anton Kogler. Bis zum Oktober 1724 war der Bau soweit fertig, daß Messe gelesen werden konnte; Erlaubnis zur vorläufigen Benedizierung am 20.10.1724 (AFM)
Saal zu drei Jochen, Pilastergliederung, Empore im W, Belichtung von N und S; eingezogener AR zu zwei Jochen mit halb rundem Schluß, Pilastergliederung, Belichtung von N und S.
Auftraggeber: Pfarrer Johann Maximilian Stängl von Taufkirchen an der Vils (1712–36). Er übernahm für seine Filiale das Bild- und Textsystem, das wahrscheinlich kurz zuvor, im Sommer 1724, in der Wambacher Filiale Burgharting zum erstenmal voll ausgebildet und für die Freskierungen von Vater und Sohn Aiglstorffer typisch wurde. Dabei übernahm er auch einige Verse und Inschrifttexte.
Autor und Entstehungszeit: Franz Albert Aiglstorffer (* um 1675 Wartenberg † 1741 Wartenberg; s.S. 238) 1724. Datierung in A 1724
Überzeugende Zuweisung an den älteren Aiglstorffer durch Georg Brenninger 1980 (S. 133–35).
Befund
Träger der Deckenmalerei: LHs (A, B, 1-7, a,b,c,l,m,) und AR (C, d-k) flache Stichkappentonne, im AR nach O abgemuldet Rahmen: sämtliche Bilder haben einfache weiße Stuckprofilrahmen, innen von einer vergoldeten Leiste begleitet T 1 '1 T 1 'C " I - - - I - - - - - - - - - - - - - -
Technik: Fresko mit Seccoubermalungen; samtliche Fresh polychom bis auf EU1-2, die monochrom braunrot sind
ße: A Höhe 9,00 m; 2,60×2,20 B Höhe 9,00 m; 2,60×2,20 C Höhe 8,20 m; 2,10×2,10 FB 0.60×2.00
EU1-, Höhe 2,80; 1,50×1,85
201-2 22022 -, -, -, -, -, -, -, -, -, -, -, -, -, Erhaltungszustand und Restaurierungen: Innenrestaurierung mit Neufassung der Raumschale 1889 durch den Dorfener Maler Joseph Hangl. »Hangl hat sich Zutrauen erworben weit herum, so wegen Fassen des Hochaltars in Tegernbach und Austünchen der dortigen Kirche. Wie dort bleiben auch in Wimpasing die Wände und Gewölbe-Gemälde unberührt« (StAM, LRA), doch heißt es 1975: »Das Innere ist durch eine Renovierung der Zeit um 1900, die von unzuständiger Hand durchgeführt wurde, schlimm entstellt. Die reiche, vielbildrige Ausmalung ... ist total übermalt« (BLfD, Gutachten Benker). Deckenbilder »unberührt« zu lassen, s.o., kann im späteren 19. Jh. durchaus eine völlige Übermalung bedeuten (»Auffrischen«), sofern sich der »Restaurator an die Farben und Linien des Bildes« hielt. Nächste Innenrestaurierung mit Tünchung des Raums 1939. 1997 wurden Risse am Chorbogen und an den Fensterscheiteln festgestellt, Teile des Rahmenstucks am Gewölbe waren abgestürzt. Notsicherungen am Gewölbe und am Stuck 1998, Befunduntersuchung durch Ludwig und Elisabeth Keilhacker, Taufkirchen an der Vils.


Beschreibung und Ikonographie
0 1 In diesem ausführlichen Jakobus-Zyklus beschäftigen sich die beiden Hauptbilder im LHs und sieben kleinere LHs-Bilder (A, B, 1-7) mit dem Leben des Heiligen, wobei nur die Hauptbilder in den Evangelien überlieferte Szenen zeigen. In Fresko C im Chor erscheint Jakobus als Patron. Alle diese Darstellungen sind emblemähnlich gestaltet, mit Lemmata und deutschen Versen als Inscriptiones. Dazu kommt eine große Zahl von Emblemen (a-m, EU1-2), die Verhaltensweisen und Tugenden des Heiligen zum Thema haben.
A BERUFUNG DES APOSTELS JAKOBUS DES ÄLTEREN (Mt 4,21f.) Terrena Sordent (Das Irdische ist zu verachten). Ansicht nach W. Auf einer Wiese steht Jesus mit strahlenumgebenem Haupt. Zwei Jünger sind bei ihm. Jesus wendet sich zu einem von ihnen um. Hinweis auf den Schauplatz der Berufung der beiden Zebedäus-Söhne Jakobus und Johannes, den See Genesareth, ist lediglich die Andeutung eines Bootes rechts. Der Jacob zum Apostolat, / von Jesu war erwählet / drauf gleich er als verlassen hat, / und sich zu ihm gesellet.
B VERKLÄRUNG AUF DEM BERG TABOR (Mt 17,1 u. Par.) Ad S. renora Admissus (= ad Secretiora Admissus; zu den Geheimnissen zugelassen). Ein kleiner Hügel, der Berg Tabor, ragt im Vordergrund des Bildes auf. Auf seiner Spitze steht Jesus im weißen Gewand, mit strahlenumgebenem Haupt und ausgebreiteten Armen. Ganz oben im Bild, zu seiten des Hauptes Jesu, erscheinen als Halbfiguren in den Wolken Moses mit den Gesetzestafeln und Elias. Die drei Jünger, die bei der Verklärung Jesu auf dem Berg Tabor zugegen waren, Petrus, Jakobus und Johannes, sind zu Füßen des Berges dargestellt. Da Jesus ein gheimnus Thuen will, / miest auch Jacob darbey sein, / und mit Trost gantz in der still / ... (letzte Zeile überstrichen).
1 JAKOBUS IM KERKER (NW) Ampliu domne (= amplius Domine; Mehr, Herr). Gewölbter Kerkerbau. Jakobus sitzt gefesselt am Boden und blickt nach oben. Als Jacobus lag gefangen / man von ihm woll sagen kann / das sein Wunsch und gross verlangen / stehts war nach den warhen tron. Ein


2 JAKOBUS UND HERMOGENES (SW) Exterminatur Daemanum (Vertreiber der Dämonen). Hermogenes kniet am Boden, vor ihm liegen Bücher, auf die Jakobus zeigt. Hinter Hermogenes entweichen Dämonen. Alß der Schwartzkunst und Zauberey / Hermogenes abgschworen / Macht ihn Jacob von Teufeln frey, / taufte ihn als neugebohren. Die Geschichte von Überwindung und Bekehrung des Hermogenes überliefert schon die frühe Jakobus-Vita aus dem 5. Jh. (LCI, Bd 7, Sp. 23 f., s. v. Jakobus der Altere).
3 BEKEHRUNG DES HENKERS (NO) Exemplum movet (Das Beispiel bewegt). Jakobus steht auf der Richtstatt, das Schwert ist hinter ihm zu sehen. Von beiden Seiten drängt sich Volk heran. Ein alter Mann ist niedergekniet und wird von Jakobus getauft. Der den Jacob hatt gefangen / auf der Richtstat wird bekehrt / und getauft, auch nach verlangen / hingerichtet durch das schwert. Diese legendäre Szene überliefert Klemens von Alexandrien (PG, Bd 20, S. 188): danach soll Jakobus auf dem Weg zur Richtstätte den Häscher Josias bekehrt und dazu bewegt haben, mit ihm zugleich das Martyrium zu erleiden.

4 ENTHAUPTUNG (SO; Act 12,2) S. Jacob, primus Apostolorum Martyrio Coro/natus est. S. Christ. in Mart. Jakobus kniet auf einem Wiesenstück in der Mitte des Bildes. Sein Oberkörper ist entblößt, er hat die Hände gefaltet und die Augen zum Himmel erhoben. Der Henker neben ihm holt mit dem Schwert aus. Links ist eine große Volksmenge dargestellt, rechts zwei Männer, die die Szene verfolgen. Vom Himmel kommt ein Putto mit Palme und Lorbeerkranz. Vor alln ist der Apostel lohn / an Jacob erstens gekommen / das er durchs schwerdt die MartterCron / im Himmel hat weh gnommen. Jakobus erlitt im Jahr 44 unter Herodes Agrippa das Martyrium – zeitlich der erste Martyrer unter den Aposteln.
G ÜBERFÜHRUNG DES LEICHNAMS NACH SANTIAGO (nordöstliche Stichkappe) Sequar quo lerit (Sequor quo ierit; Ich folge, wohin er geht). Zwei Engel rudern ein Schifflein mit dem Sarg des hl. Jakobus über das Meer. Aus den Wolken erscheint eine segnende Hand. Im Hintergrund am Ufer eine große Kirche. Der heillig leib folgt ybers meer / wohin Gott will bestendig / dan wo Gott hin will, will auch er, / kein sturmb macht ihn abwendig. Ein wichtiger Bestandteil der Jakobus-Legende ist die Überführungsgeschichte: Nach Honorius von Autun (PL, Bd 94, S. 986) entwendeten zwei Schüler den Leichnam des Apostels. Sie legten ihn in ein führerloses Boot, das von zwei Engeln geleitet an die spanische


Nordküste fuhr (s. auch LA-Benz, S. 491; bei Ribadeneira- Hornig, Bd 2, S. 96, rudern die Jünger). Die Kirche auf dem Bild ist Hinweis auf Santiago de Compostela.
6 WALLFAHRT ZUM GRAB (vor dem Chorbogen) Commune asylum (Allgemeiner Zufluchtsort). In einem Kirchenraum steht der Sarkophag des Apostels. Bittflehende sind um ihn versammelt, Pilger drängen von links heran. Einem Besessenen im Vordergrund entweicht der böse Geist in Form einer Rauchwolke aus dem Mund, ein kniender junger Mann sieht kleine Flämmchen vor sich. Die stumb besessne samt der blinden / ybers Land und ybers Meer / Wan sie kommen Gesundheit finden / Gott in Jacob sey die Ehr. Am Grab des Apostels Jakobus in Compostela geschahen viele Wunder. Die Wallfahrt nach Santiago de Compostela wurde zu einer der größten Wallfahrten der Christenheit.
7 JAKOBUS ERSCHEINT IN DER SCHLACHT VON CLAVIGO (südöstliche Stichkappe) Perimit et Tuetur. (Vernichtet und schützt). Am untern Bildrand eine Landschaft mit einem Heer links; die Soldaten schauen zum Himmel, wo auf einem weißen Pferd reitend Jakobus erscheint, das Schwert gezogen. S. Jacob tueth best beschitzen / in kriegs truble die ihn ehrn / Seht wie er darein kan blitzen / und die macht der feindt zerstörn. Die Geschichte der Erscheinung Jakobus d. Ä. in der Schlacht von Clavigo im Jahr 844 gegen die Mauren ist spanischen Ursprungs. Dem König Ramires, der sich im Krieg gegen die Mauren befand, erschien in der Nacht vor der Schlacht der Heilige mit der Aufforderung, das ganze Heer solle beichten und kommunizieren und dann unter Anrufung Gottes und seines eigenen Namens angreifen: Er wolle auf einem weißen Pferd mit einer weißen Fahne voranreiten. Das geschah und Ramires errang den Sieg (Ribadeneira-Hornig, Bd 2, S. 96f.).
C ST. JAKOBUS ALS PATRON De gloria Retributionis Hilarescit. / S. Greg. in Hom. 12 (Er erfreut sich des gebührenden Ruhmes). In einer Wolkenlandschaft, in der überall Putten und Puttenköpfchen zu sehen sind, kniet der Heilige auf Wolken. Er trägt Pilgerkleidung mit den Muscheln am Kragen und hält in der Linken den Pilgerstab. Sein Haupt ist von Strahlen umgeben. Drei der Putten halten Attribute des Heiligen: sein Marteryinstrument, das Schwert, sowie die Gurde und den muschelgeschmückten Pilgerhut. Auf den streith folgt die Victorie, / auf die arbeith folgt der lohn. / S. Jacob ietzt in der glori / Tragt die Ewig Freudt darvon. (lateinische Inschrift und deutscher Vers fast identisch mit Fresko C in Burgharting, s. S. 77).
a-m JAKOBUS-EMBLEME Zwölf Embleme in LHs und AR beschäftigen sich mit Tugenden und Eigenschaften des Kirchenpatrons.
== GROSSWIMPASING == virtutum passibus ad coelos progredientem« (Lib. IX, Nr. 522, s. v. vitis, mit gleichem Lemma).







Barbara (mit Zepter und Kelch) angeordnet. Auf Maria in Bildscheitel folgt zunächst Margareta mit Kreuz und Drachen, dann Bischof Blasius mit der Kerze, und, durch den Hirsch mit dem Kreuz im Geweih kenntlich gemacht, Eustachius. Der Bischof Erasmus hält die Winde mit den Gedärmen, Pantaleon ist mit auf den Kopf genagelten Händen dargestellt und Vitus, am Ende der Reihe, mit dem Ölkessel.

von Lorbeerzweigen umgeben. In dieser Kirche grüne ich, und waxe immer bösser, / das billich deß kann Ruhmen mich / Zu Gottes ehr noch grösser.
EB, (N) Et mirati sunt universi. Luc. 1. (Und alle wunderter sich). Hand aus den Wolken schreibt auf eine Tafel IOANNES / est / Nomen Eius. diser Name auserkhoren / und erscholr mit wunder ist / Weill kein grösserer gebohren / dann Joanne. der Paptist.

EU1-2 EMBLEME Zwei weitere Embleme an der Emporenunterseite zeigen Jakobus als Schützer und Wegweiser zum Heil.
EU, Tuabitur omnes (= tuebitur; wird alle beschützen). Bauernhof. Eine Henne beschützt ihre Küchlein, während ein Raubvogel niederstößt. gleich wie hennen bietet / sorgfältig ihre kleinen / Also auch eben bbietet, / S. Jacob auch die seinen

EU2 Monstra ad astra viam (Zeige den Weg zu den Sternen) Landschaft mit Häusern rechts. Eine Hand in Wolken zeigt zum Himmel. hinauf in den himmel zeigt / Uns diese hand, dorthin euch S. Jacob alln / zeiget, / Was hie ist auf erden sag er / hat kein bestand / umbs ewig allein euch be=/fleisset.
Quellen und Literatur
- AM IRA 147745. Restaurierung 1889, 1939
StAM, LRA 147745: Restaurierung 1889, 1939. AEM, Pfarrakten Taufkirchen an der Vils: Bauten II; Filiale Wimpasing.
BLfD, Akt Großwimpasing, Kirche St. Jakobus Schmidtsche Matrikel, Bd 2, S. 153. Mayer-Westermayer, Bd 1, S. 234 f. KDB I OB (2), S. 1247. Kemp, S. 200–03. Brenninger 1980, S. 133–35. Brenninger 1982, S. 108. Landkreis Erding 1985, S. 351. Dehio 1990, S. 380.
A.