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Grünbach, Filialkirche St. Andreas

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 7: Landkreis Erding. Hirmer, München 2001, ISBN 978-3-7774-7830-2, S. 128–129, geschrieben von Bauer-Wild, Anna. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

GRUNBACH

Bildfelder an der Nordseite der Tonnenwölbung, links westlich, rechts östlich

Filialkirche, Pfarrei und Gemeinde Bockhorn, Erzdiözese München und Freising. Grünbach war Hofmark im Besitz der Grafen von Preysing, ab 1718 der Grafen von Seinsheim. Gericht Erding

Patrozinium: St. Andrea

Zum Bauwerk: Von Freising ungenehmigter Abbruch der alten, sehr kleinen und äußerst baufälligen Kirche durch den Hofmarksherrn Johann Bernhard Graf von Preysing. Neubau auf einem höher gelegenen Platz ab 1668, in diesem Jahr Bau der gewölbten Gruft, Aufführen der Kirchenmauern, Dachstuhl und Einhängen des Dachs. 1673 Erlaubnis zum Messelesen super ara mobili in der Kirche, die als »völlig verföhrtiget geseubert und gar schen geziehrt« geschildert wurde (AEM). Die Gruft wurde vor 1678 ausgestattet (s. u.). Die Deckenbilder befinden sich in der Gruft.

Niedriger rechteckiger Raum unter der Kirche fast in gleicher Größe wie die Kirche (14,20×7,40), eine Altarnische ist durch eine Art Chorbogen abgesetzt. Rauhputzgliederungen, die Tuffstein imitieren, an der W-Wand wenig Stuck. Belichtung durch je drei querovale Okuli von N und S und in der Altarnische. Zugang von außen im S, vom Kirchenraum aus im W.

Zum Auftraggeber: Johann Bernhard Graf von Preysing († 1689) erbaute 1668 die Gruft, 1668/73 die Kirche. Er schrieb 1678 von der »von mir erst jüngstlich neu erbauten St. Francisci Krufft«, womit wohl deren Ausstattung gemeint ist.

Autor und Entstehungszeit: Autor unbekannt, vor 1678. Die erhaltenen Wandbilder sind sehr unbeholfene Arbeiten. Mit den in Erding damals ansässigen Malern können sie wegen fehlender Vergleichsbeispiele nicht in Zusammenhang gebracht werden.

Befund

Träger der Deckenmalerei: Gedrückte, tief ansetzende Tonne mit Stichkappen

Rahmen: Rauhputzrahmen, der Tuff nachahmt, in alternierenden Formen am Gewölbescheitel, außerdem an den Stichkappenkanten und in den Stichkappen

Technik: Secco; fast monochrome Malerei in Ocker und Weiß. Maße: Höhe der Gruft 3,30 m

Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1899 Untersuchung des baulichen Zustandes der Gruft, der für gut befunden wurde, 1931 Untersuchung, bei der große Feuchtigkeit festgestellt wurde. Die figürliche Malerei ist in desolatem Zustand, die Dekorationsmalerei, die besser erhalten ist, wurde wohl zu Beginn des 20. Jh. überarbeitet. Kalkschleier, Schimmelbildung, Feuchtigkeitsschäden, Abblätterungen bis zur völligen Zerstörung.

Bildabfolge

In der Gruft war ein Altar dem hl. Franz von Assisi geweiht. Dessen Verehrung geht zurück auf ein Franziskaner-Hospiz, das sich bis zu seiner Zerstörung im Dreissigjährigen Krieg in Grünbach befand. Die Franziskus-Verehrung wurde vom Hofmarksherrn gefördert, der von Papst Innozenz XI. 1678 den Portiuncula-Ablaß erreichte, zu dem in Grünbach bald großer Zulauf herrschte. Eine erhaltene Votivtafel beweist, daß der »hl. Franziskus in der Gruft« vom Volk als Wundertäter angerufen wurde.

Am Gewölbescheitel vier Felder mit Bemalung (von W): Namen Josephs im Strahlenkranz (Rechteck mit halbrunden Ausbuchtungen), Namen Mariä (Vierpaß), Namen Jesu (Quadrat), In Wolken ein Kreuz, von Strahlen umgeben (Rechteck mit rechteckigen Anschüben).

Vier große annähernd ovale Bildfelder liegen seitlich an der Tonnenwölbung. Die Darstellungen sind soweit zerstört, daß sich die Szenen aus der Vita des hl. Franz von Assisi, um die es sich wohl handelt, nicht mehr erkennen lassen.

Ein Mönch mit Wundmalen (Franz von Assisi) auf einem Platz in einer Stadt. Unten Beter (N-Seite, W).

Stadttor; auf einem Esel reitet ein Franziskaner. Der Esel wird von einem Mönch mit Tonsur geführt (N-Seite, O).

Einöde mit Bäumen. Rastender Esel. Mönch mit Stigmata (Franz von Assisi?) kniet über einem liegenden Menschen (S-Seite, O).

Zwischen den Stichkappen am tief herabgezogenen Gewölbe sind Heilige aus dem Franziskanerorden auf Sockeln gemalt. Inschrifttafeln (zerstört) auf den Sockeln nannten wohl einst die Namen.

Mönch mit Monstranz (NW), Mönch mit Stigmata und Kapuze (NO), Mönch mit Stigmata und Kreuz (Franz von Assisi? SW), Mönch mit Lilie (Antonius von Padua? SC).

Auf der Gewölbefläche und in den Stichkappen befindet sich ornamentale Malerei, Engel und Engelsköpfe, Fruchtgirlanden und Bänder.

Quellen und Literatur

AEM, Pfarrakten Bockhorn, 144 0001 01: Pfarrbeschreibung; 144 8131 02: Stiftung für Kirche und Kalvarienberg 1697; 144 8132 01: Abbruch und Neubau der Kirche 1661/69; 144 8131 01: Unstimmigkeiten mit der Pfarrei Bockhorn 1687/94; 144 8131 02: Stiftung Kalvarienberg und Kirche; 144 8132 03: Baureparaturen 1879–1932; 144 8141 01: Erlaubnis zum Messelesen 1673; 144 8141 02: Unstimmigkeiten wegen der Gottesdienste; 144 8151 00: Benefizium Grünbach; 144 8161 01: Vierzehn-Nothelfer-Bruderschaft.

Wening Bd 2, S. 12 mit Abbildung. Schmidtsche Matrikel, Bd 1, S. 520. Mayer-Westermayer Bd 1, S. 364 f. Historischer Atlas I, Bd 58 (Susanne Herleth-Krenz), 1997, S. 139 f.