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Großeisenbach, Filialkirche St. Leonhard

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 6: Stadt und Landkreis Freising. Hirmer, München 1998, ISBN 978-3-7774-7590-5, S. 225–228, geschrieben von Tezmen-Siegel, Jutta. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Filialkirche, Pfarrei Jarzt, Gemeinde Fahrenzhausen, Erzdiözese München und Freising; z. Z. der Ausmalung Filiale der Pfarrei Fürholzen (bis 1953). Großeisenbach gehörte zur hochfürstlich Freisingischen Hofmark Massenhausen. Gericht Kranzberg

Patrozinium: St. Leonhard und St. Quirin (ursprünglich St. Quirin)

Zum Bauwerk: Erhöht am Ortsrand liegender, im Kern noch romanischer Bau mit Chorturmlösung. Ein Weihedatum vom 4. November 1707 ist überliefert; es spricht für eine vorhergegangene, umfangreiche Baureparatur. 1721 wird berichtet, daß die Kirche eine Reparatur dringend nötig habe. Den Voranschlag macht Georg Hibler, Maurermeister von Kranzberg. 1732 barocker Umbau. In diesem Jahr schreibt Pfarrer Pämer von Fürholzen: »Es erfordert die unumbgängliche Notthurfft, daß bei dem Lobw. St. Quirini Filial Gottshaus Eisenbach anstatt dess daselbst befündtlichen: nunmehro völlig ruiniert: und zerfaulten Täfflwerchs (Holzdecke im LHs) eine neue Döckhen gemacht werde, welche man der mehreren Säuberkheit halber gewölbter von Gibs, und Kalch verferttigen: nit weniger die Tachung völlig ybergehen: und beynebens 4 Fenster, damit die Kirche eine genugsame Lichte habe, ausbrechen lassen wolte« (AEM, 196 8132 02). Die Voranschläge lauteten auf 132 fl., Fürstbischöflicher Konsens am 2. 4. 1732. 1882 wurde der Turm wegen Baufälligkeit abgetragen.

Die Kirche hat drei Altäre: Barocker Choraltar von 1685 von dem Massenhausener Kistler Mathias Ströber mit Seitenfiguren der hll. Petrus und Paulus von Christoph Thalhammer, Freising. Das zugehörige Altarbild, hl. Quirin (ursprünglich einziger Kirchenpatron), stammte von Johann Schießl, Freising (AEM, 196 8141 01). Es wurde 1732 ersetzt durch ein Bild der beiden neuen Patrone, der hll. Quirin und Leonhard. Dieses entstand im Auftrag von Pfarrer Pämer und wurde von Joseph Ignaz Schilling für 10 fl. gemalt (Salbuch, fol. 181 r; Prechtl, S. 241). »Darzue hat mir Hr. Aloysi Mayer mein damaliger Cooperator 3 fl. Contribuiert, das übriche habe von der Kürche hergenommen« (Salbuch, fol. 1811). Der nördliche Seitenaltar stammt von 1679 (AEM, 196 8141 01). Er ist flankiert von den Seitenfiguren der hll. Joachim und Anna. Anstelle des ursprünglichen Altarbildes mit dem Tod der unschuldigen Kinder (im Auszug ehem. hl. Nikolaus von Tolentino) befindet sich jetzt eine Maria Immaculata vor Adalbert Kromer, 1875.

Der südliche Seitenaltar war zu Pämers Zeit noch gotisch mit Holzskulpturen, im Zentrum die Muttergottes und im Auszug Gottvater sowie »auf der Evangeli seithen die bildnus S. Leonardo so vorhin in der Choraltars Sarg gestanten und dahin hinach bei Abgang einer Bildnus ist appliziert worden« (Salbuch, fol. 10 v). Um diesen Altar dem nördlichen in der Höhe anzugleichen, ließ Pämer durch einen Kistler Ergänzungen machen und faßte diese selbst (ebd.). Das heutige Altarblatt Hl. Josef ist wie das Pendant 1875 von A. Kromer gemalt.

Das Altargemälde Franz Ignaz Schillings ist nicht erhalten; am Hochaltar befindet sich eine Darstellung des hl. Leonhard, vermutlich die oben am südlichen Seitenaltar erwähnte.

Kleiner Saal zu zwei Fensterachsen, Pilastergliederung, Empore im W, Belichtung durch je zwei Fenster von N und S. Stark eingezogener quadratischer AR, Pilastergliederung, Belichtung durch ein Fenster von N. Der farbig gefaßte Stuck wirkt für die dreißiger Jahre auffällig altertümlich. Er zeigt Ranken mit Sonnenblumen und Weintrauben. Bei der Renovierung 1973 wurde der ursprüngliche Eingang von S unter der Empore wiederhergestellt.

Auftraggeber: Johann Jakob Pämer, Pfarrer in Fürholzen (1719–60). »Dis Filial Gottshaus SS. Leonardi et Quirini war vorhin ganz ruinos und nur mit 2 khleinen altfrankhischen Fensterl versehen, anno aintausend siben und zwey und dreyssig habe mich dessen auch erbarmet und weillen Geld bey ihme disem Gottshaus verhanden ware, habe dis mit gdisten Ordinariats Consens und Vereinstehung der Lobl. Hofmark Massenhausen wenigist von innenher ganz neu mit schenen 4 neuen französischen Kürchenfenstern gar ehrlicher stuckedour und zierlicher Fresco Mahler arbeith aufgerichtet« (Salbuch, fol. 180 r. u. v.). »Dem Maller 14 tag bey mir im Pfarrhof die kost gratis geraicht« (Salbuch, fol. 10 r Prechtl, S. 241).

Autor und Entstehungszeit: Zuschreibung an Johann Georg Sang (* 1675 Burgwallbach/Ufr. † 1744 München) 1732/37. Das Fresko ist weder signiert noch datiert. Pfarrer Pämer hat den von ihm beauftragten Maler namentlich nicht genannt. Obwohl das Choraltarblatt der Kirche 1732 von Joseph Ignaz Schilling gemalt wurde, ist die Freskierung aus stilistischen Gründen nicht ihm, sondern seinem Lehrer und seit 1730 auch Schwiegervater Sang zuzuschreiben. Pämer war Auftraggeber für die Fresken Sangs in der Pfarrkirche Fürholzen (1723, s. S. 216) und für sechs Altarbilder, darunter drei in Fürholzen, das Choraltarblatt in Günzenhausen und zwei Altarblätter in Hetzenhausen (Hochaltarbild St. Martin erhalten), für die Sang je 10 fl. erhielt. Für das Fassen bekam er zusätzlich 15 fl., »an welcher Malerarbeit freilich ein mehrers wäre verdient worden, wan mir dieß von Herrn Sans nicht zu sondern Gefallen geschehen wäre« (Prechtl S. 243).

Das Datum 1737 bezieht sich auf eine in diesem Jahr von Pfarrer Pämer gestiftete Kreuzreliquie, mit der die Fresken 1-4 inhaltlich in Zusammenhang stehen (s. S. 304).

In den Dreißiger Jahren ist Johann Georg Sang als Maler am besten zu fassen. Er malte zahlreiche Altarbilder, außerdem Deckenbilder in Unering, 1731, und Steinebach am Wörthsee, 1738.

Bei den zeitlich nächstliegenden und archivalisch für Sang gesicherten Fresken in Unering (1731; CBD, Bd 1, S. 355-57) finden sich ähnliche Gesichtstypen, auch die Gestik und der Gewandstil sind verwandt. Details wie Putten, Pferde, die Architekturruinen sowie die Engel, die sich an den Wolken fest halten, sprechen für den gleichen Maler. Die Komposition ist in Großeisenbach allerdings im Gegensatz zu Unering geräumiger und lockerer angelegt.

A St. Leonhard, Patron der Tiere und Gefangenen, 1–4 Arma Christi

Träger der Deckenmalerei: LHs abgeflachtes Kreuzgratgewölbe

Rahmen: Weißer Stuckprofilrahmen in Form eines gelängten Vierpasses, an den eingezogenen Stellen mit stuckierten Engelsköpfchen besetzt; B ovaler Stuckprofilrahmen

Technik: Fresko; A polychrom, 1-4 monochrom ocker

Maße: A Höhe 5,15 m; 4,05 × 2,80

Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1932 wurden die »zur Hälfte schlimm übermalten« Deckenbilder restauriert (BLfD, Akten Großeisenbach, Gutachten vom 1.7.1932). Erneute Restaurierung 1973 durch Josef Moser, Pretzen: Die Fresken wurden gereinigt, Risse geschlossen, »das große Deckenfresko von umfangreichen Übermalungen freigelegt ... das Chorfresko B war völlig übermalt und mußte zum größten Teil neu gemalt werden« (ebd., Bericht des Restaurators vom 12. 11. 1973). Im AR befindet sich eine Darstellung mit dem Dreifaltigkeitssymbol (keine Abbildung). Von der originalen Substanz der Deckenbilder ist nicht viel erhalten.

2 Hahr

Beschreibung und Ikonographie

O A ST. LEONHARD ALS PATRON DER TIERE UND DER GEFANGENEN Ansicht nach O. Die Darstellung ist gerahmt durch versatzstückhafte Architekturen, die eine starke Untersicht suggerieren sollen und daher zur Mitte hin gekippt erscheinen: links die Andeutung einer pfeilergetragenen Halle, die sich über Stufen erhebt, und rechts die Ruine eines antikischen, säulenbesetzten Baus, an der eine Inschriftkartusche befestigt ist mit an das Hebräische erinnernden Schriftzeichen. Im Vordergrund stehen Pferde und Kühe an einem kleinen Flußlauf. Eine Ziege reckt sich und frißt Blätter von einem Baum neben der Tempelruine. Die Pfeilerhalle links ist als Gefängnis gedeutet. Hier ist ein Gefangener an die Wand gekettet; vor ihm steht der hl. Leonhard und segnet ihn. Über der Landschaft mit Gehöften erscheint auf einer von zwei Engeln getragenen Wolke der hl. Leonhard. Er blickt auf die Erde und weist nach oben, wo in einer lichten Wolkengloriole die Dreifaltigkeit dargestellt ist. Die göttlichen Personen sind von Putten und Puttenköpfchen umgeben. Auf einem stuckierten Schriftband am unteren Rahmen befindet sich die Inschrift [c]omples omne animal benedictione. | Psal: 144 n. (Ps: 144,16: imples).

In der Farbigkeit überwiegen warme und helle Töne. Im dunklen Terrain setzen Dunkelbraun, Weiß und Rotbraun bei den Tieren Akzente, die Landschaft ist grünocker, die obere Bildhälfte in Ocker und Rot gemalt. Ein kräftig grüner Farbton links unten vor dem Haus, auf der Wolkenbank und auf der Weltkugel korrespondiert mit dem Türkis der Gewölbezwickeluntermalung (unter braun und ocker gemaltem Brokat) und scheint der Secco-Übermalung der letzten Restaurierung zu entstammen.

GROSSEISENBACH

1-4 ARMA CHRISTI In den Stichkappen des LHs befinden sich dreipaßförmige Bildfelder mit monochrom ockerfarbenen Darstellungen der Leidenswerkzeuge Jesu. Auf den Schildbogen unterhalb sind stuckierte Schriftbänder zu sehen: die Inschriften sind verloren.

4 Geißelsäule

Die Arma Christi beziehen sich auf eine in Großeisenbach verehrte Kreuzreliquie. »Colitur etiam hic particula s. Crucis« (Schmidt, Bd 2, S. 310). Sie befindet sich in einer um 1732 gefertigten Reliquienmonstranz, zusammen mit Reliquien der hll. Anna, Johannes Baptista, Petrus und des Martyrers Donatus (Kunsttopographie).

B AUGE GOTTES (neu gemalt; keine Abb.)

Quellen und Literatur

Fürholzen, Pfarrarchiv: Modlmayr, Helmut Anton, Chronik der Pfarrei Fürholzen, Ms. Massenhausen 1971, S. 70.

AEM, PfAkten Fürholzen, Salbuch der Pfarrei Fürholzen von Pfarrer Johann Jakob Pämer, zusammengestellt 1745-1749.

AEM, PfAkten Fürholzen, Filiale Großeisenbach 196 813202: Baufälle 1721 und 1732; 196 813203: 1875–1935; 1968141 OI: Altäre 1679, 1685.

AEM, Kunsttopographie, Dekanat Weihenstephan, Kuratie Weng, Filialkirche Großeisenbach (Sylvia Hahn).

Schmidtsche Matrikel, Bd 2, S. 310

Mayer-Westermayer, Bd 1, S. 446.

Prechtl, Johann Baptist, Beiträge zur Chronik der Pfarrei Fürholzen bei Freising, in: OAVG 44, 1887, S. 240 f.

KDB I OB (1), S. 401.

Seitz, Konrad und Georg, Land und Leute im Hausenbauerngebiet der Pfarreien Fürholzen und Massenhausen, in: Volk und Heimat, Beilage zum Freisinger Tagblatt, 1936, Nr. 8. Dehio-Gall OB, S. 94.

Kranz, Josef, Zwölfhundert-Jahr-Feier der Pfarrei Fürholzen o. O. 1973, S. 18.

Kemp. S. 200.

Dehio 1990, S.376 (mit fehlerhaften Angaben)

Fürholzen.

GÜNZNHAUSEN

Der hl. Laurentius als Patron der Armen Seelen, Zustand vor der Restaurierung von 1991/92